Beiträge von Marcus Octavius Nauticus

    Nachdem das Enterkommando übergesetzt hatte, musste ich die Tempestas auf eine sichere Entfernung bringen. Vor allem die Segel waren viel zu leicht zu treffen und viel zu empfindlich - und auch zu teuer.


    "RUDER HART BACKBORD!"


    Die Tempestas drehte recht schnell ab. Plötzlich flog ein brennender Pfeil an mir vorbei, traf aber nur das Wasser auf der anderen Seite.


    "Was denken sich diese Dreckskerle. PARALLELKURS! BALLISTEN LADEN!"


    Ich beobachtete unser kämpfendes Enterkommando. Die Besatzung der Galeere war am Bug mit dem Löschen des Feuers beschäftigt, aber vom Heck kamen noch einige auf Titus zu.


    "Auf die Feinde am Heck der Galeere zielen! UND DASS MIR NIEMAND UNSERE LEUTE TRIFFT! FEUER FREI!"


    Die drei Steuerbord-Ballisten feuerten fast gleichzeitig und trafen mitten in die gruppe der Feinde. Ich war mir sicher, dass dadurch einige getötet und noch mehr verletzt wurden.

    Wir überholten die Galeere von hinten, in etwa 3 m Entfernung. Ich wartete, bis wir gleichauf waren.


    "ATTACKE!"


    Sofort schossen drei Bolzen aus unseren Ballisten und rissen alle Gegner mit, die in ihren Weg kamen.


    "Mach sie fertig, Titus!"

    Am nächsten morgen war noch immer alles ruhig. Es gab leichten Nebel, aber der klarte schnell auf. Hin und wieder sahen wir vereinzelte Schiffe, aber nichts besonderes.
    Am frühen nachmittag gab dann ein Matrose Meldung.


    "Schiff ahoi! Auf Backbord, Entfernung etwa zwei Meilen!"


    "Was? Eine Meile? Wieso siehst du das erst jetzt?"


    Ich schaute sofort nach Backbord. Es war eine kleine Galeere, wahrscheinlich eine Liburne, und sie raste direkt auf uns zu. Sie hatte ihren Mast auf Deck gelegt, so dass er nicht zu sehen war. Deshalb wurde sie erst so spät entdeckt.


    "Backbord-Geschütze mit Brandbolzen laden!"


    Sofort rannten die Artilleristen los und begannen, die drei Bögen zu spannen. Andere Männer der Geschützbesatzung tauchten die Brandbolzen, Bronzerohre mit einer schweren Eisenspitze, in Naphta und ließen sie abtropfen.


    Die Galeere war schon auf eine Meile an uns ran, als die Meldung "Geschütze bereit!" über Deck schallte.


    "Zielen und Feuer frei!"


    Die Bolzen wurden angezündet und sofort abgeschossen. Einer ging ins Wasser, aber zwei trafen auf Deck und explodierten in kleinen Feuerbällen. Sofort wurde das Schiff langsamer.


    "Kurs ändern! HART BACKBORD! DIE SEGEL SCHIFTEN! GESCHÜTZE NORMAL LADEN!"


    Sofort brach hektische Betriebsamkeit aus. Wir passierten die Galeere backbords, konnten aber noch nicht schießen. Die Panik auf dem anderen schiff war klar zu erkennen. Es war ganz offensichtlich kein Schiff der Classis. Damit blieben nur noch Piraten als Besatzung übrig. Offensichtlich hatten wir sie. Nachdem wir vorbei waren, gab ich Befehl, wieder zu wenden.


    "Titus, der Plan sieht ganz einfach aus. Du kriegst 18 Mann, zehn von der Segelbesatzung und acht von den Geschützen. Wir haben keine Landungsbrücke, also werdet ihr mit Hilfe einiger Taue rüberspringen. Ihr macht euch bereit, und sobald die Geschütze ihre Bolzen abgeschossen haben, springt ihr. Danach werdet ihr jeden Widerstand neutralisieren. Versucht aber, ein paar Gefangene zu machen. Wir bleiben auf Parallelkurs, bis du mir ein Zeichen gibst. Danach holen wir euch wieder ab. Alles klar?"

    Ich beobachtete den Sonnenuntergang.


    "Männer, ich erwarte, dass wir in erhöhter Alarmbereitschaft sind. Die umliegende See ist ständig zu beobachten! Jedes gesichtete Schiff ist unverzüglich zu melden! Sollte ich schlafen, dann weckt mich!" Ich drehte mich zu Titus. "Du hast die Brücke. In sechs Stunden werde ich dich ablösen."


    Dann ging ich auf meine Kajüte.


    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, ANTE DIEM VI KAL NOV DCCCLIV A.U.C. (27.10.2004/101 n.Chr.)


    Wir haben den Kanal erreicht. Am gesamten Tag gab es dichten Nebel und kaum Wind, dennoch haben wir die "Fortuna" gefunden. Wir fahren jetzt im Konvoi, die Tempestas voraus. Abends hat sich der Nebel verzogen und der Wind frischte auf. Wir fahren jetzt mit 3 Kn hoch am Wind, Kurs West.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse.



    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica

    Es wurde abend. Der Nebel hatte sich gelichtet und der wind frischte deutlich auf. Leider kam der Wind aus Nordwest, so dass die "Fortuna" Probleme hatte, ihn zu nutzen. Ich hatte Befehl gegeben, die Segel der Tempestas ungünstiger in den Wind zu drehen, damit wir nicht schneller als die "Fortuna" wurden. Das Banner hatte ich inzwischen auch einholen lassen.

    Die Tempestas war im Kanal, zwischen Britannia und Gallia. Ich hatte Befehl gegeben, das Banner des Kommandanten der Classis Romana Germanica - mein Banner! - zu hissen, um von weitem klar erkennbar zu sein. Es war ziemlich nebelig, aber langsam kam die Silhouette eines Schiffes zum Vorschein.


    "Schiff ahoi! Auf 40 Grad Steuerbord!"


    "Ich sehe es. Kurs ändern! 40 Grad Steuerbord!"


    Der dichte Nebel gab nur langsam die Konturen des Schiffes Preis. Es hatte vier Masten, jeder mit drei Rahsegeln ausgestattet. Der Rumpf war breit und lag schwer im Wasser. Eindeutig ein Handelsschiff. Wir kamen langsam näher, weil kaum Wind vorhanden war. Nach und nach wurden immer mehr Details erkennbar, bis wir endlich auf Rufreichweite kamen.


    "UNBEKANNTES SCHIFF! ICH BIN KAPITÄN NAUTICUS VON DER TEMPESTAS, EINEM SCHIFF DER CLASSIS ROMANA GERMANICA! IDENTIFIZIERT EUCH!"


    "WIR SIND DIE FORTUNA! DEN GÖTTERN SEI DANK, DASS IHR DA SEID!"


    "FOLGT UNSEREM KURS! UND BLEIBT DICHT HINTER UNS!"


    "GANZ WIE IHR MEINT!"


    "Kurs ändern, 60 Grad Backbord, direkt nach Westen!"


    "Kapitän, warum glaubst du, dass dort Westen ist?" fragte der Erste Steuermann.


    "Ich weiss es einfach. Zweifle nicht an mir!"


    Ave, Trierarchus Marcus Fabius Colonius,


    die Tempestas hat ihre erste Testfahrt bestanden. Inzwischen ist auch die Bewaffnung eingetroffen. Ich bin einem Unterstützungsersuchen der Classis in Britannien entgegengekommen und geleite ein Handelsschiff bis nach Hispania, um es vor Piraten zu schützen. Die Personalsituation bei den Kameraden in Britannia ist offensichtlich noch schlechter als in Germania. Ehrlich gesagt, die Personalsituation in der gesamten Classis ist recht schlecht. Es kommen auch keine Rekruten rein. Alle wollen zu den Legionen oder Vigiles. Ich werde Dir einen Besuch in der Kommandantur in Hispania abstatten, sobald ich da bin.


    Vale,
    Proreta Marcus Octavius Nauticus


    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, ANTE DIEM VII KAL NOV DCCCLIV A.U.C. (26.10.2004/101 n.Chr.)


    Wir haben Colonia Ulpia Traiana verlassen und fahren auf die See, wo wir das Handelsschiff "Fortuna" treffen werden. Die "Fortuna" fällt eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der britannischen Kameraden. Diese haben uns aber darum gebeten, den Auftrag auszuführen, weil sie zu wenig Personal besitzen. Die "Fortuna" hat Bernstein in nicht geringer Menge geladen, daher ist zu befürchten, dass sie das Ziel von Piraten sein könnte.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse.


    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica

    Inzwischen waren wir auf See.


    "So, Titus, kommen wir zu unserem Auftrag. Wir sollen einem Handelsschiff Geleit bis Hispania geben. Es hat Bernstein geladen, und fürchtet, von Piraten überfallen zu werden. Die Classis Romana Brittanica hat mich darum gebeten, weil ihre Personalsituation noch schlechter ist als unsere."

    Nachdem alle ihre neuen Uniformen überprüft hatten, waren wir bereit. Noch trugen alle Tuniken, immerhin war es noch nicht so kalt.


    "Alle Mann an Deck! Klarmachen zum Ablegen!" befahl ich.


    Sofort kam Bewegung auf und die Männer rannten die Niedergänge hinauf auf Deck.


    "Die Leinen los! Alle Segel setzen!"


    Es war immer wieder beeindruckend zu sehen, wie die ganze Segelfläche gehisst wurde. Die Sonne kam heraus und das Weiß der Segel blendete einen schon fast. Schnell nahm die Tempestas an Fahrt auf.

    Am nächsten Tag war die Besatzung wieder komplett an Bord, außerdem die zwölf Artilleristen. Die Geschütze waren aufgestellt und die Munition verladen. Dazu hatten wir noch Vorräte für sechs Wochen an Bord genommen. Und die neuen Uniformen waren auch an Bord. Die Tempestas war voll beladen und lag fast 4 m tief im Wasser.


    Ich ließ die Besatzung antreten.


    "Männer, die neuen Uniformen sind da! Ich werde euch jetzt jedes Uniformteil vorstellen, danach geht ihr in eure Kajüten und überprüft eure Uniformen auf Vollständigkeit."


    "Jawohl, Herr Kapitän!"


    Alle Uniformteile waren tiefblau gefärbt.


    "Fangen wir mit der Tunika an. Es ist eine ganz normale Tunika, nur mit einem wichtigen Detail: Die Tunika des Kapitäns hat einen breiten goldenen Streifen, die des ersten Offiziers hat einen dünnen goldenen Streifen, und die Tuniken der anderen Offiziere haben einen dünnen silbernen Streifen. Jeder hat fünf Tuniken.
    Als nächstes gibt es Hosen. Schaut nicht so blöd, die Germanen werden schon wissen, warum sie in dieser verdammten Kälte Hosen tragen. Jeder erhält zwei Hosen, die wir anziehen, wenn die Tunika zu kalt wird.
    Dazu kommen noch zwei Paar Stiefel. Das erste Paar ist aus glattem, harten Leder und wird an Stelle der Sandalen getragen. Die Stiefel geben besseren Halt, deshalb sind sie zu tragen! Das zweite Paar Stiefel ist aus Seehundfell. Das wird nur getragen, wenn das Wasser schon zufriert!
    Zum Schluss kommt noch ein langärmeliger Wollmantel hinzu. Jeder erhält einen. Wenn ihr die Seehundfellstiefel tragt, habt ihr den Mantel sicher auch nötig. Auch bei den Mänteln sind Offiziere, erster Offizier und Kapitän gekennzeichnet wie bei den Tuniken.
    Und noch etwas: Diese Uniformen gibt es nur für die Besatzung der Tempestas. Ihr seid damit als Elite der Classis Romana Germanica zu erkennen. Und jetzt, wegtreten zur Vollzähligkeitsprüfung der Uniformen!"

    Sim-Off:

    ab morgen kann man sich anmelden - siehe forum publicum


    Ich grinste. "Das wird sicher ein Spaß!"


    Dann sah ich einige Leute, die an Bord kamen. Sie brachten recht überdimensionierte Bögen und einige andere Teile mit.


    "Aha, das müssen sie sein!"


    Ich ging vom Achterdeck auf die Männer zu.


    "Sind das die Bogenballisten?" Und ihr seid die Artilleristen?"


    "Jawohl, so ist es. Ihr seid Kapitän Nauticus?"


    "Der bin ich. Am besten, ihr baut die Ballisten auf Höhe der Masten auf, da kommt dann kein Tauwerk in die Quere. Es sind sechs Ballisten, richtig?"


    "Genau. Und wir sind zu zwölft."


    "Perfekt. Wir werden jetzt morgen zu einer weiteren Tesfahrt aufbrechen, danach geht's erst mal nach Italien. Wie viele Bolzen habt ihr dabei?"


    "Hundert, in etwa."


    "Gut, die müssen reichen. Ich lasse dann noch ein Fass Naphta laden."


    "Sehr gut, dann können wir ein Feuerwerk veranstalten. Hahaha!"


    "Das entscheide ich dann. Dann verschwendet mal keine weitere Zeit. Aufbauen!"


    Ich drehte mich zu Ferrius. "Wir wären dann komplett. Ab jetzt können wir uns auch auf Gefechte einlassen. Die Jungs kamen früher, als ich dachte, also gibt es eine kleine Planänderung."

    "Mir fällt da ein, dass gerüchtweise ein Wettbewerb zu Ehren des toten Caesar in Rom stattfinden soll. Sie suchen den besten Schwertkämpfer, Bogenschützen etc. Vielleicht sollten wir uns anmelden. Dann kannst du auch wieder deinen Gladius schwingen..."


    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, ANTE DIEM XII KAL NOV DCCCLIV A.U.C. (21.10.2004/101 n.Chr.)


    Gestern wurde die Segelausbildung beendet und die Segel hoch am Wind auf Kurs West gesetzt. Heute legten wir in Colonia Ulpia Traiana an.


    Die Besatzung ist jetzt fähig, die Tempestas zu navigieren. Sie haben ein paar Tage Landgang erhalten.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse.


    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica

    Natürlich wäre es aber auch möglich, die Classis Romana als Wunscheinheit anzugeben. Die Flotte ist sicher die beste Möglichkeit, das Imperium in seiner vollen Größe und noch etliche andere Gegenden der Welt kennen zu lernen. Außerdem kann so ziemlich jedem das Kommando über ein eigenes Schiff versprochen werden - sobald man die nötige Ausbildung dazu absolviert hat.