Beiträge von Marcus Octavius Nauticus

    "Schwer zu sagen. Wir werden erst mal eine Woche auf See verbringen, damit die Jungs... ich meine, die Besatzung lernt, mit den Segeln umzugehen. Eine solche Betakelung wie bei der Tempestas ist sehr selten. Dann können sie sich einen Tag ausruhen, und danach geht's wieder auf See. Dann wird richtig getestet. Ich will auf die hohe See, weit weg von jedem Land, und wenn's sein muss, für bis zu einem Monat. So viele Vorräte gehen nämlich an Bord. Es wird also eine ganze Weile sein."


    Ich zeigte auf den Tisch. "Komm, setz dich und lang zu!"


    Sim-Off:

    WiSim

    "Dann sollten wir das ändern. Ich habe in meiner Kajüte etwas zu essen. Das dürfte für zwei Personen reichen. Ich habe mich hier schon mal eingerichtet, weisst du?"


    Ich lächelte kurz und bedeuete ihr, mir zu folgen. Ich ging den achteren Niedergang herunter und kam vor dem Gang zu den Offizierskajüten aus. Ich ging durch den Gang und öffnete die Tür meiner Kajüte.


    "Tritt ein, bring Glück herein!"

    "Hoffentlich gehorcht sie mir auch. Dieses Schiff nimmt die Kraft des Windes viel besser auf, als ich dachte. Das habe ich gestern gemerkt. Sie wird nicht leicht zu bändigen sein." Ich war etwas nachdenklich. Dann lächelte ich. "Hast du schon etwas gegessen?"

    Das Geräusch von Schritten war in der Stille des Schiffes schwach zu vernehmen. Also ging ich an Deck, um nachzusehen.


    "Helena! Schön, dass du hier bist." sagte ich, nahm ihre Hand und führte sie aufs Achterdeck, an den Platz des Kapitäns vor dem Steuer. "Komm mit, ich muss dir etwas zeigen, so lang es noch hell ist."


    Ich stellte mich neben sie und zeigte in Richtung Bug. "So werde ich die Tempestas jeden Tag sehen können. Das ist der Platz des Kapitäns. Sieht es nicht beeindruckend aus?"


    Ave, Trierarchus Marcus Fabius Colonius,


    ich melde hiermit, dass das Segelschiff Tempestas vom Stapel gelaufen ist und am PRIDIE ID OCT DCCCLIV A.U.C. (14.10.2004/101 n.Chr.) zu ihrer ersten Fahrt für eine Woche in See stechen wird. Es werden noch weitere Testfahrten folgen, bis die Grenzen von Schiff und Besatzung herausgefunden wurden.


    Vale,
    Proreta Marcus Octavius Nauticus

    Ich inspizierte die Tempestas genauestens. Das Deck war in Ordnung, das Steuerruder auch. Die Segel schienen auch in Ordnung zu sein, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Also kletterte ich zunächst auf den Fockmast, überprüfte die Verbindungen zwischen Baum bzw. Gaffel und Mast. Ich betrachtete auch das Tauwerk. Alles schien in Ordnung zu sein. Das gleiche wiederholte ich beim Groß- und beim Besanmast. Auch hier war alles in Ordnung.
    Danach ging ich unter Deck. Das erste Unterdeck bestand weitestgehend aus Kajüten. Ich ging zunächst ganz nach vorne, in den Ankerraum. Ich hatte es vorgezogen, die Ankerwinden unter Deck unterzubringen, damit mehr Platz an Deck blieb. Hier war alles in Ordnung. Auch die beiden großen Kajüten, eine für die Ballisten-Besatzung (die noch fehlte) und eine für die Segelbesatzung, jeweils mit Kojen für 30 Personen, schienen bestens in Ordnung zu sein. Als nächstes kam ich in einen Gang, der an jeder Seite je drei Türen hatte, sowie eine Türe am Ende. Die seitlichen Türen führten in die Offizierskajüten. Jeder Offizier hatte seine eigene Kajüte. Ein wirklich enormer Luxus. Ich warf einen Blick in jede Kabine. Es gab eine Koje, einen Schrank, einen kleinen Schreibtisch und einen Stuhl. Wirklich gemütlich. Als ich die letzte Türe öffnete, sah ich die Kapitänskajüte. Sie war so groß wie alle Offizierskajüten und der Gang zusammen. Beeindruckend. Links und rechts von der Tür standen Regale, die mit Karten und Logbüchern gefüllt werden konnten. In der Mitte stand ein großer Tisch, an dem acht Stühle standen. Die Stühle an den Enden waren größer und prächtiger als die anderen. Das waren der Kapitänsstuhl und der Stuhl des Ersten Offiziers. Dazu gab es noch eine gemütliche Koje und einen großen Schrank. Ich würde wohl keinen Grund haben, außerhalb der Tempestas zu wohnen.
    Ich verließ meine Kajüte wieder und ging ein Deck tiefer. Hier waren die ersten Frachträume. Noch waren sie leer, aber das würde sich ändern. Noch ein Deck tiefer gab es erneut Frachträume, dazu aber auch einige Räume mit besonders stabilen und gut verschließbaren Türen. Mir fiel wieder ein, dass ich zur Not ein paar Gefangenenzellen haben wollte. Man konnte ja nie wissen.
    Ich ging jetzt in das unterste Deck. Es war für den Ballast bestimmt, mit dem das Schiff stabil im Wasser gehalten wurde. Es war halb mit Steinquadern gefüllt, so dass ich nicht aufrecht gehen konnte. Weil es unter der Wasserlinie war, überprüfte ich die Bordwände auf Feuchtigkeit. Sie waren staubtrocken. Das war ein gutes Zeichen.


    Zufrieden ging ich wieder von Bord und gab Anweisung, meine persönliche Ausrüstung in meine Kajüte zu bringen. Ich würde ab sofort hier wohnen.

    Ich schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter und lachte. "Sauber! Das ist die richtige Einstellung!"


    Dann hörte ich Sophus' Rede.


    Ich ging an die den Gästen zugewandte Reling.


    "Danke, mein lieber Sophus! In der Tat werden wir in drei Tagen ablegen, und Moguntiacum wird die Tempestas dann wohl nicht mehr sehen. Dieses Schiff ist für die See gebaut, und deshalb wird sein Heimathafen Colonia Ulpia Traiana sein. Jeder, der dieses Schiff unter vollen Segeln sehen will, hat also in drei Tagen die Möglichkeit dazu. Und jetzt, wo es dunkel und kälter wird, möchte ich diese Veranstaltung beenden. Ich danke euch, dass ihr alle hier wart. Valete!"

    "Noch etwas. Wenn wir unter uns sind, kannst du die Formalitäten weglassen. Nenn mich einfach Nauticus. Und lass mich dir noch einen Tipp geben. Das waren keine leeren Worte, als ich sagte, dass die nächsten Monate hart werden. Wir werden zuerst für eine Woche, dann für ein paar Wochen auf den Oceanus Germanicus fahren, bis ich das Schiff und seine Besatzung genau kenne. Und glaube mir, dieses Meer wird es uns nicht einfach machen. Deshalb mein Tipp: Feiere jetzt, du wirst es eine ganze Weile nicht mehr können."

    "In der Tat. Ich habe beschlossen, dass wir in drei Tagen Segel setzen. Wir werden zunächst die Tempestas nach Colonia Ulpia Traiana bringen. Dort kommen dann die Vorräte an Bord. Der Rhenus ist hier zu niedrig, um beladen zu fahren. Die Besatzung übermorgen ihre Kajüten zu beziehen. Sorg dafür. Außerdem gibt es in der Nacht vor dem Ablegen keinen Ausgang. Ich möchte nicht, dass mir hier jemand besoffen vom Mast fällt."


    Ich schaute zum Bug.


    "Ist sie nicht wundervoll?"

    Die Besatzung schien zu feiern, aber es waren einige Wachen an Bord, die ich von anderen Schiffen geordert hatte. Da fiel mir ein, dass ich noch die Jungfernfahrt der Tempestas mit meinem ersten Offizier besprechen wollte.


    Ich ging zum nächsten Wachsoldaten.


    "Manipulus, finde den ersten Offizier, Manipulus Titus Ferrius Maximus, und sage ihm, dass er sich bei mir am Achterdeck melden soll."


    "Zu Befehl, Kommandant!" erwiderte die wache und salutierte kurz.


    Ich salutierte ebenfalls und ging wieder aufs Achterdeck und betrachtete wieder die Wellen.

    So viel Trubel war ich gar nicht gewöhnt. Also schlich ich mich langsam aus der Menschenmenge wieder in Richtung Tempestas. Unterwegs schüttelte ich einigen Werftarbeitern die Hände. Sie hatten wirklich beste Arbeit geleistet.
    Als ich wieder auf der Tempestas war, ging ich aufs Achterdeck und ging zum Heck. Ich lehnte mich mit beiden Händen auf die reling und starrte eine weile ins Wasser. Der Wind war recht frisch, aber ich mochte es, wenn sich die Lichter in den Wellen spiegelten.

    Ich ging auf den Proconsul zu, den ich jetzt erkannte.


    "Proconsul Traianus Germanicus Sedulus, ich danke dir für die Ehre, die du der Classis erweist." Dann drehte ich mich zu seiner Frau. "Und natürlich danke ich auch der bezaubernden Frau des Proconsuls, dass sie uns heute Gesellschaft leistet."

    Ich grinste Sophus an.


    "Die Marine hat so ihre Traditionen. Eine davon ist, dass der Kapitän das Schiff vom ersten Moment, in dem es auf Wasser trifft, kommandiert. Ich muss sagen, die Tempestas reagiert deutlich empfindlicher, als ich dachte. Der kleine Windhauch hätte sie fast zu schnell gemacht. Da werde ich noch eine Menge Spaß haben."

    Ich hatte mich in der Zwischenzeit mit einigen Besatzungsmitgliedern an Bord der Tempestas begeben, damit sie vom Stapel laufen konnte. Ich gab den werftarbeitern das Zeichen.


    "Los! Lasst sie zu Wasser!"


    Das Schiff schnellte vom Stapel ins Wasser und wurde von den Tauen gebremst. Es schwankte zwar bedenklich, ohne seinen Ballast, aber pendelte sich schnell ein. Das kurze Stück zum Kai hätte es eigentlich gezogen werden sollen, aber der Wind war gerade so günstig. Ich stand auf dem Achterdeck, am Steuer.


    "Hisst das Großsegel!"


    Das seidene Segel am mittleren Mast wurde gehisst und in den Wind gedreht. Die Tempestas nahm recht schnell Fahrt auf.


    "Das Segel aus dem Wind! Refft das Segel!"


    Ich steuerte das schiff an den Kai vor der Tribüne und ließ die Festmachtaue werfen. Nachdem es festgezurrt war, ging ich zur Reling und wendete mich den Gästen zu.


    "Amici! Freunde Roms, Freunde der Classis, meine Freunde!
    Ich freue mich, nicht nur als Kommandant der Classis Romana Germanica, sondern auch als Kapitän der Tempestas und ihr Konstrukteur, dass dieses Schiff Wirklichkeit wurde und hier, vor unseren Augen, seine Schwimmfähigkeit bewiesen hat. Ich freue mich, dass ihr alle mir die Ehre erwiesen habt, heute meine Gäste zu sein. Und ich freue mich, mit diesem wunderschönen Schiff demnächst in See zu stechen, wenn auch nur zu Testfahrten.
    Ich werde jetzt nichts über die Kosten sagen. Allein die Tatsache, dass die Segel aus Seide sind, dürfte für sich sprechen. Das ist aber keine dekadenz, nein, es ist schlichtweg der einzige Stoff, der die nötige Reissfestigkeit besitzt. Und deshalb ist dieses schiff nicht nur jetzt einmalig, es wird es wohl auch bleiben.
    Für die Besatzung werden harte Monate anbrechen, denn ich werde sie und das Schiff an ihre Grenzen bringen. Nur so können Schiff und Besatzung ihr volles Potential zeigen. Also, Offiziere und Matrosen, feiert heute, denn die Zukunft wird hart!
    Und auch ihr, meine verehrten Gäste, feiert! Denn wer weiß schon, was die zukunft bringt?"


    Nach diesen worten ging ich von Bord und mischte mich unter die Gäste.


    Sim-Off:

    Mein PC hat gestreikt. Ist aber behoben.