Es waren drei Tage vergangen, die ich bis zum Ablegen angekündigt hatte. Jetzt war es so weit. Die Besatzung stand an den Masten, bereit, die Segel zu hissen. Der Erste Steuermann nahm seinen Posten ein, und ich stellte mich in die Mitte des Achterdecks.
"Die Leinen los! Klarmachem zum Segel hissen!"
Sofort rannte die Besatzung zur Reling, um die Leinen an Bord zu ziehen. Danach eilten sie zurück an die Masten. Die Hafenarbeiter schoben die Tempestas vorsichtig vom Kai weg.
"Schoner, Großsegel und Besan hissen!" rief ich laut hörbar, als wir meiner Meinung nach weit genug vom Kai weg waren.
Die drei Segel wurden völlig synchron hochgezogen. Nachdem die gänzend weißen Flächen die Gaffeln erreicht hatten, befahl ich "Toppsegel hissen!"
Sofort wurden Schonertopp, Großtopp und Besantopp gehisst.
"Die Segel in den Wind! Kurs setzen, 45 Grad backbord! 4 5 backbord! Segel anpassen!"
Die Segel drehten sich zwar schon irgendwie, aber nicht synchron mit dem Schiff. Das würde noch geübt werden müssen.
Trotzdem blähten sich die segel durch den Wind, und die Tempestas sprach sehr gut auf den Wind an. Wir beschleunigten sehr schnell und fuhren mit geschätzten 5 Kn aus dem Hafen.
Ich gab Befehl, dem Verlauf des Rhenus zu folgen, wobei ich darauf achtete, dass wir immer im tiefsten Fahrwasser blieben. Immerhin war die Tempestas nicht für Flüsse gebaut.
Als wir an der Uferstrasse von Moguntiacum vorbeifuhren, sah ich, dass uns viele Menschen zuwinkten. Anscheinend hatten sie sich extra versammelt, um diesem Ereignisd beizuwohnen. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Die Vorsegel waren noch nicht gehisst.
"Fock und Klüver hissen!"
Damit waren alle acht Segel gehisst. Zu schade, dass ich das nicht von außen sehen konnte. Wir wurden noch etwa einen Knoten schneller, dazu kamen noch mal 2-3 Kn durch die Strömung. Das war jetzt doch schneller als ich dachte, und als mir lieb war. Ich würde vor der Loreley die Segel an Besan- und Großmast reffen lassen.