Beiträge von Marcus Octavius Nauticus


    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, ANTE DIEM XVI KAL NOV DCCCLIV A.U.C. (17.10.2004/101 n.Chr.)


    Auch heute standen wieder Segelmanöver auf dem Programm, nur dieses mal bei stärkerem Wind. Langsam sitzen die Manöver, auch wenn sie sicher noch ungewohnt sind.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse.


    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica

    Es war der zweite Tag auf See. Inzwischen hatten wir uns weit von der Küste entfernt. Whin man auch sah, man sah nichts als Wasser. Hier hatten wir jede Menge Platz, um Manöver zu üben. Und es war unmöglich, hier auf Grund zu laufen. Der Wind war auch recht frisch. Ich ging auf den Bugspriet, hielt mich am Vorstag fest und genoß die Aussicht über das weite, blaue Meer und die Wolken, die ihre Schatten darauf worfen.


    http://www-public.rz.uni-duess…1/rendered/high_sea_1.jpg


    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, ANTE DIEM XVII KAL NOV DCCCLIV A.U.C. (16.10.2004/101 n.Chr.)


    Wir haben Colonia Ulpia Traiana verlassen und binnen weniger Stunden die offene See erreicht. Es stand Segelsetzen, insbesondere anluven und anleen auf dem Programm zur Ausbildung der Besatzung. Der erste Offizier, Manipulus Titus Ferrius Maximus, führte die Ausbildung gewissenhaft aus. Ich denke, dass die Besatzung diese Segelmanöver weitestgehend verinnerlicht hat.


    Wir fahren jetzt Kurs Nordost, bei westlichem Wind. Die Geschwindigkeit beträgt etwa 8 Kn. Wir werden die Nacht hindurch fahren und morgen mit Übungen fortfahren.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse.


    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica



    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, ID OCT DCCCLIV A.U.C. (15.10.2004/101 n.Chr.)


    Wir haben wie erwartet vor Sonnenaufgang in Colonia Ulpia Traiana angelegt.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Die Besatzung erhält einen Tag Landurlaub.


    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica

    Ein TheoPhysiker? Super! Bin zwar "nur" theoretischer Physikochemiker, also kein reiner Physiker, aber Chemiker bin ich auch nicht mehr wirklich. Scientists of the world, unite!
    Willkommen im IR!


    Ist eigentlich jemanden aufgefallen, dass unsere Abkürzung (IR) identisch ist mit der für den Anregungsbereich molekularer Schwingungen? :P


    Logbuch des Dreimastseglers Tempestas, PRIDIE ID OCT DCCCLIV A.U.C. (14.10.2004/101 n.Chr.)


    Die Tempestas hat den Hafen Moguntiacum verlassen. Wir fahren unter vollen Segeln und sind, zusammen mit der Strömung, deutlich schneller, als ich erwartet habe. Die Stromschnellen zwischen Moguntiacum und Confluentes wurden problemlos passiert, und wir sind jetzt ein paar Meilen nördlich von Confluentes. Vermutlich werden wir noch vor Sonnenaufgang in Colonia Ulpia Traiana festmachen.


    Es gab keine besonderen Vorkommnisse.


    Proreta Marcus Octavius Nauticus
    Kapitän der Tempestas
    Kommandant der Classis Romana Germanica


    An den Consul Cicero Octavius Anton


    Ave, Anton,


    der Stapellauf der Tempestas war wirklich gelungen, auch wenn es anfangs nicht ganz danach aussah. Deine Tochter Helena war als Priesterin ganz hervorragend. Sie hat sicher eine große Karriere im Cultus Deorum vor sich. Und Marcus Octavius Sophus hat sich nicht nur als guter Organisator, sondern auch als ausgezeichneter Redner erwiesen. Wir sollten uns überlegen, ihn in die Politik zu schicken.


    Die Tempestas wird heute auslaufen und zunächst eine einwöchige Testfahrt unternehmen. Danach wird es eine mehrwöchige Belastungsfahrt geben. Ich nenne es Belastungsfahrt, weil ich Schiff und Besatzung an ihre Grenzen bringen will. Ich habe gehört, dass der Ozean ganz im Norden komplett zugefroren ist. Ich werde mal nachsehen, ob das stimmt. Wundere Dich also nicht, wenn Du länger nichts mehr von mir hörst. Solltest Du aber mehr als drei Monate nichts mehr von mir und meiner Besatzung hören, dann sind wir wahrscheinlich von Neptun auf ewige Fahrt geschickt worden. Veranlasse dann bitte alles notwendige.


    Vale,
    Marcus Octavius Nauticus

    Es waren drei Tage vergangen, die ich bis zum Ablegen angekündigt hatte. Jetzt war es so weit. Die Besatzung stand an den Masten, bereit, die Segel zu hissen. Der Erste Steuermann nahm seinen Posten ein, und ich stellte mich in die Mitte des Achterdecks.


    "Die Leinen los! Klarmachem zum Segel hissen!"


    Sofort rannte die Besatzung zur Reling, um die Leinen an Bord zu ziehen. Danach eilten sie zurück an die Masten. Die Hafenarbeiter schoben die Tempestas vorsichtig vom Kai weg.


    "Schoner, Großsegel und Besan hissen!" rief ich laut hörbar, als wir meiner Meinung nach weit genug vom Kai weg waren.


    Die drei Segel wurden völlig synchron hochgezogen. Nachdem die gänzend weißen Flächen die Gaffeln erreicht hatten, befahl ich "Toppsegel hissen!"
    Sofort wurden Schonertopp, Großtopp und Besantopp gehisst.


    "Die Segel in den Wind! Kurs setzen, 45 Grad backbord! 4 5 backbord! Segel anpassen!"


    Die Segel drehten sich zwar schon irgendwie, aber nicht synchron mit dem Schiff. Das würde noch geübt werden müssen.
    Trotzdem blähten sich die segel durch den Wind, und die Tempestas sprach sehr gut auf den Wind an. Wir beschleunigten sehr schnell und fuhren mit geschätzten 5 Kn aus dem Hafen.


    Ich gab Befehl, dem Verlauf des Rhenus zu folgen, wobei ich darauf achtete, dass wir immer im tiefsten Fahrwasser blieben. Immerhin war die Tempestas nicht für Flüsse gebaut.
    Als wir an der Uferstrasse von Moguntiacum vorbeifuhren, sah ich, dass uns viele Menschen zuwinkten. Anscheinend hatten sie sich extra versammelt, um diesem Ereignisd beizuwohnen. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Die Vorsegel waren noch nicht gehisst.


    "Fock und Klüver hissen!"


    Damit waren alle acht Segel gehisst. Zu schade, dass ich das nicht von außen sehen konnte. Wir wurden noch etwa einen Knoten schneller, dazu kamen noch mal 2-3 Kn durch die Strömung. Das war jetzt doch schneller als ich dachte, und als mir lieb war. Ich würde vor der Loreley die Segel an Besan- und Großmast reffen lassen.

    Wir unterhielten uns noch einige Zeit über Belangloses, dann verließ sie die Tempestas.


    Am nächsten Morgen kamen die Offiziere an Bord. Das waren der Erste Steuermann Gaius Milenius Fidus, der Zweite Steuermann Carolus Francius Agrippus, ein Mann mit germanischen Vorfahren, und der aus Achaea stammende Segelmeister Alexander. Der Erste Offizier Titus Ferrius Maximus war ja bereits da.


    Ich bat sie alle zum Offiziersappell in meine Kajüte.


    "Maximus, Alexander, ich erwarte, dass ihr beide heute mit der Besatzung das Segelsetzen übt. Das muss morgen ordentlich aussehen, wenn wir auslaufen. Die Leute sollen ja was zum Ansehen haben. Ich will, dass an allen drei Masten die Segel schön synchron gehisst werden. Fidus und Agrippus, ihr werdet euch darum kümmern, dass Vorräte für zwei Tage an Bord genommen werden. Hat noch jemand Fragen?"


    Ich wartete einen Augenblick.


    "Ich stelle fest, keine. Gut, dann an die Arbeit!"

    "Naja, als die Mündung des Rhenus endlich in Sicht kam, waren wir im tiefsten Orkan, die See schien nur noch aus Schaum zu bestehen, es regnete, und der Mast war wirklich bedrohlich gebogen. Aber wir mussten Segeln. Rudern war unmöglich bei dem Seegang. Als wir dann auf dem Rhenus waren, hörten die Wellen erst nach einigen Meilen auf, hoch zu schlagen, aber dafür brach ein Teil des Mastes ab und das Segel riss. Marcellus, mein erster Offizier, wollte das Segel noch retten, aber als er das Tau zu fassen bekam, riss es ihm der Sturm aus der Hand. Seine Hände waren natürlich auch aufgerissen, aber das ist inzwischen schon wieder verheilt. Schließlich ruderten wir zurück nach Colonia Ulpia Traiana. Wir hatten in dem Sturm einige Schäden erlitten, aber die Karten, die ich gezeichnet habe, befinden sich im Archiv der Classis, hier in Moguntiacum. Und als sie der Proconsul sah, war er so zufrieden, dass er mir das Kommando über die Classis Romana Germanica übertrug."


    Ich schaute ihr in die Augen.


    "Man sollte die See nie unterschätzen. Neptun vergibt keine Fehler."

    "Nun, besonders ist sie eigentlich nicht. Als ich vor einigen Wochen gerade in Germanien eintraf, war der Kommandant vor Ort spurlos verschwunden... aber das tut nichts zur Sache. Ich suchte also nach einer Aufgabe, und fand, dass Karten der Küste zwischen Rhenus und Visurgis (Weser) nicht existierten. Wie du weißt, habe ich ja in Alexandria Kartographie studiert, und so fragte ich den Proconsul, ob ich ein Schiff kriegen könnte, um diese Küste zu kartographieren. Er sagte zu, und ich suchte mir den Kutter Socius aus. Er hatte außer mir noch 9 Besatzungsmitglieder. Also fuhren wir schön langsam die Küste entlang, und ich zeichnete alles auf. Und zwar bei Flut und bei Ebbe. Dadurch findet man die Fahrwasser. Wir kamen auch bis zur Visurgis, aber während der Fahrt wurde der Wind immer stärker. Eigentlich wollte ich auch den Lauf der Visurgis verzeichnen, aber das Wetter war mir nicht geheuer. Also ließ ich das Schiff wenden. Blöderweise kam der Wind aus Westen. Ich entschloss mich, einen kleinen Segeltrick anzuwenden. Wir fuhren zuerst nach Nordwest, weit hinaus auf die See, und dann nach Südwest, direkt auf die Mündung des Rhenus zu. Unterwegs wurde der Wind zum Sturm, und die Wellen immer höher."

    Ich lächelte.


    "Danke. Das wäre nicht nötig gewesen. Ich werde sie auf meinen Schreibtisch in der Kommandantur stellen. Hier an Bord wird Keramik nicht allzu lang überleben. Der Oceanus Germanicus neigt zu heftigen Stürmen. Ich weiß, wovon ich spreche. Bin selbst in einen geraten."