Beiträge von Marcus Iulius Dives

    Iulius schaute sich erst einmal die Gästeliste an... und hatte spontan eine Frage:
    "Was heißt dieses VERH in Klammern? Soll das verhindert heißen?", überlegte er. Wenn dem so wäre, dann müsste er unbedingt nochmal mit den Cassiern sprechen! Wollten sie dort ihre Kandidaturen erklären, dann brauchte Dives entweder Minor oder Maior auf jeden Fall! Wobei Minor natürlich schon besser wäre - allein schon, weil der Dives sicherlich nicht rhetorisch in den Schatten stellen würde, was im Gegensatz dazu von seinem Vater schon zu befürchten wäre.* Der Aedilis operum publicorum war dem Duumvir egal. Da reichte es wohl auch völlig, wenn der überhaupt eine Einladung bekäme. Er ging die restlichen Namen durch.
    "Quintilius Sermo? Ist das...? Wer ist das? Warte. Hat der nicht die Lex Municipalis auf den Weg gebracht? Ich dachte, der würde irgendwo in der Weltgeschichte herumgondeln..?", erkundigte Dives sich. Zumindest hatte er den Quintilier in seiner gesamten Zeit hier in Ostia noch nicht einmal in der Curia Ostiensis erblickt. Er war bisher folglich davon ausgegangen, dass auch der Ostia nur als Sprungbrett genutzt hatte, um danach Ritter oder Senator oder so zu werden...


    Dann sah sich Dives die Einladungen an. Da hatte er auch gleich ein paar Anmerkungen:
    "Also in die Vorlagen hier könnte noch rein, dass Verwandtschaft mit Praenomen, Freunde mit Cognomen und der Rest mit, wie hier steht, Titel und Gentilnomen anzuschreiben ist. Nicht, dass irgendein unfähiger Schreiber ohne Sinn und Verstand den Herennius mit Faustus anschreibt oder solche Späße!" Daran mochte der Iulier nicht einmal denken! Und Ocella würde wohl kaum alles selbst schreiben können, selbst mit Asinius oder so. Und es war nunmal nicht jeder so verlässlich wie die beiden! Besser also, dass man kein unnötiges Risiko in dieser Sache einging.
    "Hier bei den Verwandten sollte es sicherlich heißen 'findet dann und dann statt', oder? Und ich 'würde mich freunen', würde ich schreiben, denn andernfalls hört es sich so an, als ginge ich fest vom Erscheinen der jeweiligen Leute aus, und ich will schließlich niemanden zur Anwesenheit zwingen.", lächelte der Duumvir. Sah er sonst noch etwas?
    "Ach, und hier bei den Amici muss diese Dopplung noch irgendwie raus: 'Hierzu' und 'zu diesem freudigen Jubiläum' das beißt sich, finde ich, etwas. Ansonsten alles sehr schön!", nickte der Iulier Ocella anerkennend zu. Das hatte ihm schließlich schon eine ganze Menge Arbeit erspart! Und dass hier und dort einige Kleinigkeiten noch verändert werden sollten... Er war eben kein Herennius, dem ja irgendwie egal schien, wie seine Arbeit erledigt wurde. Dives war das nicht egal.


    "Den Beginn plane ich so etwa zur achten Stunde. Dafür hast du ja extra Platz gelassen. Und dann will ich nur noch einmal zur Gästeliste kommen, auf die auch noch die Führung der derzeit hier stationierten Classis gesetzt werden müsste. Das heißt neben dem Praefectus auch dessen Tribuni, sowie Adjutanten.", fügte er hinzu, worauf ihn erst kürzlich sein Cousin Sabinus aufmerksam gemacht hatte. Und vielleicht hatte Dives ja Glück und Massa würde gar nicht kommen, weil... ja, weil man bis dato vielleicht auch schon auf dem Weg nach Norden wäre, um die cornelischen Truppen zu bekämpfen. Das wäre zumindest ein Problem an diesem Abend weniger.
    "Die würden dann natürlich ebenfalls eine Einladung nach dem förmlichen Muster mit Titel und so bekommen.", erklärte er abschließend und wartete, ob der Helvetier sonst noch irgendwelche Anmerkungen hätte und/oder Vorschläge und/oder was auch immer.


    Sim-Off:

    PN.
    Edit: * hinfälliger Gedanke nach letztem Edit Ocellas. SimOn hat sich Dives verguckt/verlesen.

    Ein Bote aus Ostia überbrachte eine Einladung für den... Mann auf dem Thron, während der Absender ebenjenes Schreibens hoffte, dass dieses schon bald in den Untiefen der kaiserlichen Administration auf nimmer Wiedersehen und möglichst ungelesen verschwinden würde...



    Ad
    Imperator et Patronus Civitatis Ostiensis
    Potitus Vescularius Salinator
    Palatium Augusti
    Roma, Italia



    Salve Imperatore et Patrone Civitatis Ostiensis!


    Deine dir treu ergebene Klientelstadt Ostia und insbesondere deren amtierende Duumviri Iullus Cassius Hemina Minor und Marcus Iulius Dives grüßen Dich und möchten Dich hiermit ganz herzlich einladen!


    Hintergrund ist eine große Feierlichkeit anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Villa Iuliana Ostiensis bei Ostia. Nicht nur, aber doch besonders während dieser Zeit hat sich die Gens Iulia stets für das Wohlergehen dieser Civitas, deiner Civitas, eingesetzt - und das möchten wir feiern. Neben den lokalen Eliten der Stadt wurde auch die Führung der derzeit in Ostia stationierten Classis Misenensis hierzu eingeladen und obwohl du dieser Tage sicherlich alle Hände voll zu tun haben wirst mit der Wiederherstellung von Ordnung und Frieden im Imperium, soll dir dennoch diese Einladung nicht vorenthalten sein.


    Die Feier beginnt am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. zur 8. Stunde in der Villa Iuliana Ostiensis des Senators Iulius Centho. Dein Erscheinen wäre wohl zweifellos eine Bereicherung für uns alle!


    Vale!

    http://imperiumromanum.net/ima…gel_gens_Iulia_Tabula.png


    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA

    Ein Bote erreichte die Casa und gab nicht nur ein Schriftstück ab:



    Ad
    Marcus Iulius Proximus
    Casa Iulia
    Roma, Italia



    Mein lieber Marcus,


    am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. ist unsere Gens seit fünf Jahren im Besitz der Villa Iuliana Ostiensis. Um dies zu feiern, lade ich dich herzlich zu einem Jubiläumsfest in die Villa Iuliana Ostiensis ein.


    Die Feier findet am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. statt und beginnt zur 8. Stunde.


    Ich würde mich über dein Kommen freuen, wenngleich ich natürlich weiß, dass du viel zu tun hast dieser Tage.
    Vale bene!


    http://imperiumromanum.net/ima…gel_gens_Iulia_Tabula.png


    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA



    Ad
    Manius Iulius Potitus
    Casa Iulia
    Roma, Italia



    Mein lieber Manius,


    am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. ist unsere Gens seit fünf Jahren im Besitz der Villa Iuliana Ostiensis. Um dies zu feiern, lade ich dich herzlich zu einem Jubiläumsfest in die Villa Iuliana Ostiensis ein.


    Die Feier findet am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. statt und beginnt zur 8. Stunde.


    Ich würde mich über dein Kommen freuen.
    Vale bene!


    http://imperiumromanum.net/ima…gel_gens_Iulia_Tabula.png


    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA



    Ad
    Titus Iulius Italicus
    Casa Iulia
    Roma, Italia



    Mein lieber Titus,


    am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. ist unsere Gens seit fünf Jahren im Besitz der Villa Iuliana Ostiensis. Um dies zu feiern, lade ich dich herzlich zu einem Jubiläumsfest in die Villa Iuliana Ostiensis ein.


    Die Feier findet am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. statt und beginnt zur 8. Stunde.


    Ich würde mich über dein Kommen freuen.
    Vale bene!


    http://imperiumromanum.net/ima…gel_gens_Iulia_Tabula.png


    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA



    Ad
    Tiberius Iulius Crassus
    Casa Iulia
    Roma, Italia



    Mein lieber Tiberius,


    am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. ist unsere Gens seit fünf Jahren im Besitz der Villa Iuliana Ostiensis. Um dies zu feiern, lade ich dich herzlich zu einem Jubiläumsfest in die Villa Iuliana Ostiensis ein.


    Die Feier findet am ANTE DIEM VII ID NOV DCCCLXII A.U.C. statt und beginnt zur 8. Stunde.


    Ich würde mich über dein Kommen freuen.
    Vale bene!


    http://imperiumromanum.net/ima…gel_gens_Iulia_Tabula.png


    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA


    Sim-Off:

    @ Aemilia Caenis: Da Dives dich SimOn nicht kennt, kann er dich natürlich auch nicht einladen. Aber du kannst dich bei Interesse sicherlich Crassus oder so anschließen, falls der kommt. ;)

    | Tasius


    Der Sklave schrieb etwas abweichend, aber dennoch inhaltlich gleich auf:


    IV


    Die SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA wird vom Magister des Vereins geleitet. Dieser wird durch einfache Mehrheit aller Vollmitglieder bestimmt und muss aus dem Geschlecht der IULIER oder aus dem der CLAUDIER stammen. Er hat einen Vicarius Magistris zu ernennen, der ihn in Abwesenheit vertritt und die Geschäfte der Societas stellvertretend leitet.


    Gerade wollte Tasius nun im selben Satzungspunkt darauf eingehen, dass von 'Vollmitgliedern' gesprochen wurde, die an keiner sonstigen Stelle definiert waren, sodass man sich doch fragen dürfte, welcher Sodalis ein Vollmitglied wäre und welcher nur ein... Mitglied oder... halbvolles Mitglied oder so. Und auch noch eine weitere Sache hatte er schon etwas kenntlich gemacht. Da kam plötzlich eine Forderung des Tiberiers (von wem auch sonst?), die den Sklaven erst etwas argwöhnisch gucken ließ, bevor er spitz lächelte:


    "Mit Verlaub, aber auch ich denke, dass dies wohl etwas zu weit geht, Tiberius. Es steht doch geschrieben in der bisherigen Satzung, dass die Societas - in ihrer Gesamtheit - sich der Verehrung der iulisch-claudischen Dynastie verschreibt, nicht nur ihr Magister. Ein Monopol kann ich dort beim besten Willen nicht ausmachen.", meinte er erst einmal ruhig zu diesem Einwurf. Doch es ging noch weiter.
    "Und auch den Hinweis der Auswahlbeschränkung finde ich, gerade von einem Patrizier, doch sehr interessant zu hören. Wie Iulius hier schon sagte, handelt es sich doch um eine der Grundfesten den Magister aus einer der beiden Gentes Iulia und Claudia zu erwählen. Sag, wie viele kultische Ämter - und bedenke den Status der Societas als Kultverein - sind allein aufgrund der Traditionen der Väter und Vorväter auf Patrizier beschränkt?" Das sollte hoffentlich gesessen haben. Oder wäre der Patrizier gar so 'modern', dass er sich auch für die Abschaffung der kultischen Standesprivilegien für beispielsweise die Salii Collini und Palatini und die der drei Flamines maiores, um nur einige Vorrechte zu nennen, aussprechen würde? - Fraglich, äußerst fraglich.


    "Ich denke, dass wir uns lieber wieder auf die wirklich verbesserungswürdigen Sachen konzentrieren sollten, die weniger eine, wie sagte Iulius gerade, Erschütterung in den Grundfesten darstellen.", fügte Tasius hinzu, denn der greise Rhodier hatte (für einen Griechen seines Alters wohl nicht ungewöhnlich) einen gewissen Hang dazu nur das zu ändern, was man ändern müsste, und in allen anderen Dingen den Traditionen zu folgen. Und einen Vicarius - gerade in der aktuellen Situation - zu haben, erschien ihm da genauso sinnvoll, wie ein paar Klarstellungen uneindeutiger Satzungspunkte:
    "Was ist zum Beispiel damit, dass hier im gleichen Punkt von 'Vollmitgliedern' gesprochen wird, die weder vorher noch nachher auftauchen? Oder hier steht 'vom Magister des Vereins', was wohl genauso der Überholung bedarf...", lenkte er auf andere Punkte weiter. Diese waren wohl zwar recht schnell zu erledigen, da mit ersterem wohl die 'Sodales' gemeint waren und sich letzteres vielleicht ganz gut zu 'von einem Magister' umschreiben ließ, doch würde es vor allem eben die Diskussion in andere Fahrwasser tragen, so die Hoffnung des Sklaven...





    TABULARIUS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES

    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/a…IR/Home/Avas/STsuniro.jpg| Tsuniro


    Etwas betreten blickte die Sklavin nach unten, als sie nach ihren Lesekenntnissen gefragt wurde. Erst nachdem sich die Aemilia nach den Männern auf dem Heiratsmarkt erkundigte, traute sie sich wieder ein wenig mehr nach oben zu schauen.
    "Naja, Latein ist ja schon eine ganz schön schwere Sprache...", holte sie dann ihre Antwort kleinlaut nach. An das Sprechen hatte sich die Ägypterin mittlerweile zwar gewöhnt - abgesehen von diesem oder jenem Eigenname wie Canaenis oder so -, doch für das Lesen und/oder Schreiben eines Satzes brauchte Tsuniro eben noch immer so ihre Zeit...


    "Aber dafür kann ich viel erzählen...", versuchte sie dann abzulenken. "... Zum Beispiel, wer alles hier wohnt. ALSO... Da sind natürlich Iulius Centho, der Hausherr, und Iulius Proximus, dessen Onkel. Den einen hast du ja eben getroffen. Der andere hat sich in seinem Zimmer verbarrikadiert und empfängt nur engste Verwandtschaft. Der Medicus lässt selbst mich leider nicht rein, sonst könnte ich dir auch mehr dazu sagen.", meinte die Ägyterin und zog eine Schnute. Das war auch so eine Sache, die sie nicht leiden konnte: Leute, die ihr etwas so offensichtlich verheimlichten!
    "Tja, und sonst? Der alte Iulius Potitus, den es auch vor kurzem ziemlich erwischt hat mit... äh... irgendwas mit G... Ist ja auch egal. Der wohnt jedenfalls hier. Er hat zwei Söhne, die in Aegyptus und... ähm... den zweiten weiß ich nicht mehr, sind. Ach, und Centho hat sogar drei Kinder... Die wohnen alle hier und sind manchmal echt nervig!" Ihren letzten Satz betonte Tsuniro mit heftigem Nicken. Vor denen musste man sich echt in Acht nehmen, wenngleich die auch ein wenig ruhiger geworden waren, seitdem ihr Vater sich derartig zurückgezogen hatte.
    "Sonst wohnen derzeit eigentlich nur noch ein Iulius Crassus hier, der aber echt gemein zu mir war und den ich deshalb nicht leiden kann, und ein Iulius Italicus, den ich aber irgendwie schon länger nicht mehr gesehen hab... keine Ahnung. Ach, und noch viel länger nicht gesehen hab ich Iulia Corona und Iulia Livilla, weshalb ich so froh bin, dass ich jetzt dich hab!", lächelte sie stolz. Eigentlich war es zwar kompletter Blödsinn, dass sie jemanden hatte, sondern müsste wohl eher umgekehrt formuliert werden, doch das war ihr gerade egal.


    "Und über Männer kann ich dir leider nur das erzählen, was ich hier in der Casa so mitbekomme. Das ist vor allem bezüglich des Heiratsmarktes für Frauen leider nicht ganz so viel... ", gab sie zu. Es lohnte sich ja auch nur dann für die Herrn darüber zu sprechen, wenn die auch irgendwen zum Verheiraten hatten. Und so lang, wie das zumindest gefühlt bereits zurück lag, ...
    "Aber wir könnten uns auf dem Forum mal umhören oder auf einen der Märkte gehen. Oder... ich habs! Könnten wir nicht in die Agrippathermen?!", machte sie drei Vorschlage mit klarer Präferenz. Sie wollte schon immer mal in solche großen, öffentlichen Thermen gehen! Aber auch soetwas ging natürlich nicht, wenn praktisch nur Herrn im Haus waren. In den Bädern herrschte schließlich strikte Geschlechtertrennung... (was wohl gerade dort die Chance erhöhte, dass frau den neusten Klatsch über die Männerwelt aufschnappen könnte.)




    SKLAVE - CASA IULIA

    Eine gefühlte halbe Ewigkeit hatten sich Dives und sein Collega Cassius im Tablinum bereits unterhalten. Es ging dabei vor allem um die ersten Eindrücke, die jeder in seiner bisher ja noch nicht allzu langen Amtszeit hatte sammeln können. Hemina erzählte von seinen vielen großen Plänen und erklärte, wie er vor hätte endlich aus dem Schatten seines Vaters zu treten. Auch wurde der Cassier vertraut gemacht mit allen bisher zusammengetragenen Unterlagen für die kaiserliche Kanzlei. Jene wollte schließlich - vertreten durch einen Beamten vom Palatin - die Civitas Ostia bald aufsuchen, um eine Prüfung der Finanzen durchzuführen. Da mussten natürlich beide Duumviri genaustens Bescheid wissen und sich gegenseitig abgesprochen haben. Dass gerade jener Beamtenbesuch dann einen so krassen Wendepunkt im cassischen Duumvirat markieren würde, war dieser Tage noch nicht abzusehen. - Hemina Minor war absolut kerngesund!
    Nun war man gerade dabei in weniger geschäftliche Themen abzurutschen und Cassius hatte bereits berichtet, auf welche Töchter der ostiensischen Eliten er alles ein wachsames Auge geworfen hätte. Im Gegenzug sah sich Dives natürlich sogleich mit einer vergleichbaren Frage konfrontiert und war doch einigermaßen erleichtert, dass sie just in diesem Moment unterbrochen wurden. Dass er eventuell noch froh sein würde, dass diese schwangere Frau heute zu Besuch kam, hätte der Iulier nach der Szene am Capitolium Ostiensis auch nicht unbedingt geglaubt. Aber: Besser er lobte den Tag nicht vor dem Abend!


    Während die Schwangere also an der Porta freundlichst empfangen und herein gebeten wurde, kamen die beiden Duumviri von Ostia aus dem Tablinum ebenfalls ins Atrium geschritten. Der Cassier, einen halben Kopf kleiner als Dives, war sichtlich beeindruckt von der Erscheinung der jungen Frau. Vor allem ihr elegantes, blaues Kleid zeigte Wirkung auf ihn, der er ebenfalls blau trug: Über seiner silbergrauen Tunica saß - mittlerweile vielleicht auch nicht mehr ganz so perfekt - eine in indigo gehaltene Toga mit dunkelblauen Seefahrtsmotiven am Saum.
    "Sei gegrüßt in der Villa Iuliana!", begrüßte der Iulier die Schwangere freundlich, aber dennoch etwas reserviert. In seiner olivgrünen Tunica und der schlichten, rubinroten Toga passte er auch farblich weniger gut zu den beiden anderen... oder die nicht zu ihm, je nach Perspektive.
    "Ich darf dir vorstellen: Cassius Hemina Minor, Duumvir von Ostia.", fügte er mit kleiner Geste, leichtem Lächeln und Seitenblick auf ebenjenen hinzu und war zugegebenermaßen schon ein wenig gespannt, wie sie sich nun vorzustellen gedachte. Ohne Namen konnte Dives das schließlich nicht für sie übernehmen.


    "Es ist mir eine Ehre, ..?", ergriff jedoch sogleich Cassius das Wort, während er noch ein paar Schritte auf sie zu ging. Das letzte Thema der beiden Männer schien damit nun endgültig aus seinem Kopf verschwunden. Mit warmem Lächeln und neugierigem Blick erwartete auch er nun ihren Namen zu erfahren...

    Von dem Funkeln in Sabinus' Augen bekam der Duumvir nichts mit. Er war noch immer ganz gebannt von dem Anblick dieses scheinbar mit seinen Flügeln schlagenden Vogels. Dennoch hörte er den Ausführungen seines Cousins aufmerksam zu... und horchte sogleich etwas auf, als der von einem Jüngling im Zusammenhang mit Amor sprach. Es mochte nur seine eigene Spitzfindigkeit sein und Sabinus mochte eine andere Auffassung vertreten und daher seinen Worten eine andere Intention zugemessen haben, doch für Dives waren Amor und Cupido zwei verschiedene Paar Schuhe. Ersteres war ein anderes Wort für die Liebe, während letzteres schlicht 'Begierde' hieß. Liebte Sabinus einen Sklaven?! Für soetwas könnte der blonde Iulier absolut kein Verständnis aufbringen. Seit wie vielen Generationen waren sie nun schon Römer?! Lucius Iulius Caepio war ihr gemeinsamer Urururgroßvater. Das sollten wohl mehr als genug Ahnen sein, um sich als echter römischer Bürger zu fühlen und nicht als irgendein halbperegriner Neurömer, der von Liebe mit Sklaven sprach! Doch Dives enthielt sich eines Kommentars zu dieser Sache, da er zu wissen glaubte, dass niemals einer seiner Cousins auch nur auf die Idee kommen würde einen Sklaven wirklich aufrichtig zu lieben.
    Dass er hier eine gewisse Doppelmoral an den Tag legte, war Dives egal. Eigentlich registrierte er diese sogar nicht einmal. Bei den Göttern, Serapio war ja wohl auch nicht mit einem einfachen Sklaven zu vergleichen! Das wäre ja lächerlich! Andererseits allerdings würde die Öffentlichkeit Sabinus' Liebesleben wohl leichtfertig tolerieren, während Dives belächelt würde. Aber so war das nun mal: Man musste sie nur zu suchen, um die Doppelmoral zu finden...


    "Ay... Da hast du recht!", entwich es dem Duumvir überrascht auf den letzten Hinweis seines Cousins. Daran hatte er ja noch gar nicht gedacht! Nicht dass es sonderlich problematisch sein dürfte den Praefectus Classis und dessen Tribune einzuladen... doch Massa?! Seit der Geschichte im Balneum war er dem stets möglichst höflich aus dem Weg gegangen und hatte erleichtert aufgeatmet, als der dann seinen Wohnort wieder verlegt hatte. Aber... es führte wohl kein Weg daran vorbei auch den noch zu bedenken. - UND den fetten Vescularier! Während er seinen Becher wieder abstellte, stöhnte er einmal leicht resigniert. Er hatte weder Lust den einen, noch den anderen zu sehen. Irgendwie verging ihm damit gerade der ganze Spaß...
    "Die muss ich unbedingt noch auf die Gästeliste bringen...", führte er den Gedanken zu Ende, wobei er alles andere als vor Begeisterung sprühte. Die Bemerkung zu Salinator überging er dann einfach, sondern kam auf das Menue zu sprechen:


    "Wie wäre es denn, da du ja eh schon so gut informiert bist über die Vorlieben des Vescularius, wenn du mir dabei hilfst eine Speisefolge zusammenzustellen?", erkundigte sich Dives einfach mal frei heraus. Ein Künstler hätte ja vielleicht sogar ein besonderes Gespühr für eine angemessene Eleganz, die sowohl zeigte, wer man war, als auch zeigte, wer man nicht war. Den Prunk des 'Glitzerkönigs', der sich bereits zu Valerians Lebzeiten gern in purpur präsentierte, könnte man zwar eh kaum übertreffen (sodass dahingehend also keinerlei Gefahr bestehen sollte), aber ein bisschen zusätzliche Hilfe könnte Dives immer gebrauchen.
    Unvermittelt stand er sodann auf und ging ruhig und mit leicht nachdenklichem Blick zu einem großen Schrank, in welchem in den vielen kleinen Fächern mal einzelne, mal auch mehrere Schriftrollen lagerten. Er suchte kurz einen Moment, holte die eine oder andere Rolle heraus, nur um sie sogleich wieder zurück zu legen. Irgendwo musste dieses Ding doch sein... Unter 'A' wie Apollon war aber nichts zu finden - zumindest nicht das, was er suchte. Dann unter 'Leier'? Tatsächlich! Er hasste es, wenn er seine Sachen selbst nicht wieder dorthin zurück legte, wo sie hin gehörten!
    "Das hier hab ich von..." Wie sollte er Caldus nennen? "... einem guten Freund. Nimm dich stets in Acht vor Cupido, auch wenn er sich manchmal als Amor verkleidet. Aber lies es ruhig selbst...", erklärte Dives seinem Cousin, während er wieder zurück zum Schreibtisch ging. Dort, neben Sabinus angekommen, lehnte er sich mit seinem Gesäß gegen den schweren Tisch, während er seinem Verwandten die Rolle entgegen hielt:


    Apollons Leier


    Als Apollon seine Leier
    An den schönsten Palmbaum hing,
    Und mit eines Helden Feuer
    In die Schlacht bei Troja ging,


    Da kam Amor, seinen Bogen
    Mit sich bringend, himmelab
    Auf den Palmbaum zugeflogen:
    »Leier, komm zu mir herab!«


    Und die Leier flog, als wäre
    Sie ein Vogel, silberfein
    Tönend, als sey ihr es Ehre,
    Amor’s Leier nun zu seyn.


    Aber als der Gott der Liebe
    Scherzen wollte nur mit ihr,
    Eifernd sprach sie: »Nimmer bliebe,
    Gott der Liebe, ich bei dir!«


    Sieh’, da war sie’s wohl zufrieden,
    Als Apollo eifernd kam,
    Und im Lager der Atriden
    Zürnend ihm sie wieder nahm!



    Ja, dieses Werk passte wohl einigermaßen gut auf Sabinus' Situation. Er war die Leier, die sich - hoffentlich ja nicht - vom als Amor verkleideten Cupido zu einer ernsteren Liebschaft mit einem Sklaven verführen ließ. Wer nun im Leben seines Cousins der Apollo (oder die 'Apolla'?) wäre, wusste der blonde Iulier zwar nicht so genau, aber letztlich war er sich ziemlich sicher, dass es irgendwen schon geben würde...
    Dass indes dieses Gedicht nicht nur die Lebenslage des Sabinus, sondern vielleicht gar besser noch die des jungen Dives veranschaulichte, war jenem nicht bewusst. Wer wäre in seinem Leben der in den Krieg ziehende Apollo?! Wer glich der Leier, die der einfach so einfach an einen Baum hängte?! Und wer wäre wohl Cupido?? Gab es vielleicht gar mehrere, die sich um diese Rolle des Gottes der Begierde bemühten?


    Sim-Off:

    Gedicht by Johann Wilhelm Ludwig Gleim

    [Blockierte Grafik: http://i1294.photobucket.com/a…IR/Home/Avas/STsuniro.jpg| Tsuniro


    Natürlich: Die Männer und ihre Geschäfte. Das kannte auch Tsuniro nur zu gut! Der Cellarius Alexander, der es ihr schon irgendwie ein wenig angetan hatte, musste ja auch ständig irgendetwas ungeheuer Wichtiges tun. Und das obwohl, dessen war sich die Ägypterin so eigentlich schon sicher, der doch auch etwas von ihr wollte! Das war zwar nicht ganz das gleiche wie diese Verwandtschafts-Geschichte der Aemilia, doch irgendwie zeigte es dennoch: Mann blieb Mann!
    "Ich verstehe.", nickte die Sklavin und ihrem Blick war klar anzusehen, dass sie das wirklich tat. Dazu sich wirksam zu verstellen war sie sowieso nur dann in der Lage, wenn es darum ging sich vor irgendwelchen Aufgaben zu drücken, die ihr, wie sie bei fast allem fand, einfach zu schwer waren.


    "Ich heiße Tsuniro.", stellte sie sich dann freundlich vor und hoffte, dass es nun nicht die gleichen Probleme mit der Aussprache geben würde, die sie selbst bei Aemilia C..an..aenis hatte. Aber wenigstens nahm die ihr das nicht übel. Frauen mussten ja schließlich auch irgendwie zusammenhalten! ...wenngleich die Ägypterin natürlich eine Sklavin war.
    "Und wenn du willst, dann helf ich dir ein bisschen dich hier einzuleben! Ich zeig dir, wo was ist. Wir könnten gemeinsam über Mode reden und über Schmuck und über Männer und könnten zusammen lesen... Also, du kannst doch lesen, oder?", fragte sie vorsichtig. Sie selbst hatte mit dem Lateinischen beim Lesen und Schreiben ja so ihre Schwierigkeiten, sodass sie eher darauf hoffte, dass Aemilia lesen würde. Dass sie irgendwo in ihren Worten vom 'Du' ins 'Wir' gewechselt war, bemerkte Tsuniro nicht.


    "Weißt du denn, wer in Roma derzeit so alles zu haben ist? Hattest du schon Zeit dafür dich da ein bisschen umzuhören?", schob sie neugierig nach. Ihr letztes anständiges Frauengespräch mit einer Römerin war ja schon soo lange her, dass sie jetzt Feuer und Flamme war für jedes Detail! Wen könnte frau sich schnappen? Einen hohen Ritter? Einen Senatoren? Einen der Reichspraefecten? Vielleicht gar den Kaiser persönlich?




    SKLAVE - CASA IULIA

    Damit war die Sache perfekt!
    "Vale, Lavenius!", verabschiete er den Händler und packte die Tabula wieder weg. Es könnte ja wenigstens so aussehen, als hätte der Duumvir einen ordentlichen Schreibtisch... den er seltenst tatsächlich hatte. Das galt sowohl für jenen in diesem Officium, wie auch für jenen in der Villa Iuliana, auf dem auch diverse Dinge herumlagen. Aber: 'Wer Ordnung hat, ist nur zu faul zum Suchen!'


    "Salvete!", grüßte Ostianus unnötigerweise die Anwesenden. Er hatte sie heute schließlich schon einmal gegrüßt - Dives sogar noch öfter.
    "Ich bringe die Tafeln, die du haben wolltest..?", wandte er sich sogleich mit leicht fragendem Gesichtsausdruck an Ocella. Ohne jedoch auf eine Reaktion zu warten, legte er alle vier Tabulae auf dem Schreibtisch des Duumvir Iulius, jedoch auf Seiten des Helvetiers ab. Schließlich wollte der sie ja eigentlich haben...
    "Ich mach dann Schluss für heute. Valete!", verschwand er anschließend auch schnell wieder. Er musste sich unbedingt ausschlafen...


    "Ah, sind das die ... ?", begann der Duumvir und blickte den Helvetius fragend an. Worum hatte er ihn alles gebeten? Eine Gästeliste war dabei gewesen. Aber dafür waren das zu viele Tafeln. So wartete er einfach, dass Ocella den Satz mit passender Antwort ergänzte.
    Auf irgendwelche Standpauken hatte Dives weder Lust, noch hatte er die Zeit dafür. Immerhin waren ja die Ergebnisse auch korrekt gewesen: Herennius' Angebot war nicht gesetzeskonform, während Lavenius' Preis zumindest noch im Rahmen des Möglichen lag. Natürlich müsste man im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung auch nachweisen können, dass man tatsächlich zu solch guten Konditionen produzieren konnte und folglich der eigene Preis mindestens die eigenen Herstellungskosten deckte, doch würde es zu einer solchen Sache wohl kaum kommen. Dafür war die Unverschämtheit des Herenniers einfach viel zu groß gewesen bei dessen Forderung. Ein alles in allem recht eindeutiger Fall und - man musste stets das Positive sehen - beim nächsten Mal wüsste Ocella, was der Iulier mit 'nachrechnen' meinte...

    | Tasius


    Und wieder fühlte der Sklave sich an paedagogische Tätigkeiten erinnert: Die einen hatten ihre Hausaufgaben gemacht und einen aufgegebenen Text gelesen, die anderen nicht. Der selbst erst seit kurzem hier tätige Alte hatte natürlich nicht im Kopf, wer hier genau wie lange schon als Sodalis gelistet war. Folglich ahnte er auch nicht, dass das für einen der beiden heute hier die Premiere in der Societas Claudiana et Iuliana war und der sich natürlich erst noch etwas einfinden musste.
    "Also ich glaube weder, dass die Wahl eines Vicarius besonders praktisch wäre, noch die Ernennung desjenigen mit der zweithöchsten Stimmanzahl. Gesetzt den Fall, dass sich zwei äußerst charismatische Bewerber finden, die alle Voraussetzungen erfüllen das Amt gebührend auszufüllen. Einer der beiden ist für einen besonderen Prozessionszug, der andere strikt dagegen.", erklärte Tasius einen allgemeinen Fall. Wem die Proezession speziell galt, war ja unerheblich, solange sie einzig heftig umstitten wäre.
    "Die Wahl des Magisters findet statt - einer der beiden wird gewählt. Wie sinnvoll wäre es, wenn sodann genau der andere, der ausgerechnet die zweitgrößte Stimmanzahl auf sich vereinigen konnte, zum Vicarius ernant würde? Der Magister lenkt die Kutsche nach links, muss einen Woche für einen dringenden Termin weg und sein Vicarius fährt derweil die Kutsche nach rechts? - Nein.", versuchte der Sklave mit einem sprachlichen Bild zu veranschaulichen, was er meinte. Es fiel auf: Der geborene Paedagogus war er wohl nicht.


    "Ich denke folglich, dass die Entscheidung über den Vicarius beim Magister selbst liegen sollte.", stellte er fest und strich sich kurz nachdenklich über sein Kinn.
    "Man sollte wohl aber überlegen, inwiefern an einen Vicarius die gleichen Bedingungen gestellt werden sollten, wie an einen Magister. Ich denke da nur an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gens. Immerhin: Ein Vicarius bleibt Vicarius, ob nun der Magister da ist oder nicht, oder?", stellte er in den Raum. Sollte der erkrankte Magister - niemand wünschte es ihm - gar sterben, so hätte wohl der Vicarius die Aufgabe die Wahl eines neuen in die Wege zu leiten. Eine automatische Amtsübertragung gab es ja wohl schließlich nicht. Ergo könnte ein Vicarius eigentlich auch problemlos beispielsweise... naja, was genau er von diesem Tiberius halten sollte, wusste Tasius ja noch nicht. Fragend blickte er die beiden jungen Männer vor ihm an. Damit stand natürlich auch irgendwie die Frage im Raum, was von einem Vicarius erwartet würde - auch im Gegensatz zu den Erwartungen, die man an einen Magister stellte...





    TABULARIUS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES

    "Sehr schön! Dann sind wir uns da also einig!", stellte der Duumvir zufrieden fest. Werbung für seinen Ruf, Werbung für seine Person im Amt des Duumvirs und ein fähiger Tempelarchitekt - für eine kleine Unterschrift. Ja, das schien dem Iulier durchaus fair zu sein. Für den letzten Part müsste er nur noch den Teil mit den Göttern klären - beziehungsweise einen Aedituus um Rat bitten -, bevor Ostia dann ein neues Heiligtum bekommen würde. Dives konnte es praktisch schon ganz klar sehen: Er würde der Civitas zu einem Serapeum verhelfen! Geweiht dem großen Iuppiter Serapis, aber in Gedanken natürlich einem ganz anderen Serapis gewidmet... ja!


    Was er dann jedoch von Ocella hörte, überzeugte den Iulier weit weniger. Nicht eine einzige Zahl hatte der genannt! Das hörte sich mit seinem 'sehr eng' und 'knapp' sehr nach 'hätte', 'könnte', 'dürfte' und 'sollte' an. Dives wollte wissen, was war - und nicht was wäre. Unzufrieden schaute er den Helvetier an, überlegte kurz, was er dazu sagen sollte und erinnerte sich plötzlich, dass Asinius Celer doch erst neulich etwas ähnliches gemacht hatte! Da ging es um Goldschmuck, aber die Berechnungen waren wohl vergleichbar. Der Klient, der bald schon Quaestor dieser Civitas werden sollte, musste schließlich auch ordentlich mit Zahlen umgehen können, sodass der Duumvir für entsprechendes Training sorgte. Mit der kurzzeitigen Mimik eines Geistesblitzes wandte er sich folglich von Ocella ab und ging kurz einen kleinen Stapel Tabulae durch - da war sie:





    "Ah, ich wusste doch, dass ich sowas noch irgendwo hatte!", meinte er dann sichtlich zufrieden und ging die Zahlen mal eben schnell durch. Sogleich wurde klar, dass 100 Sesterzen klar gegen das Gesetz verstießen, da bereits die Gemeinkosten der Gold- und Schmuckherstellung durchschnittlich bei etwa 105 Sesterzen in Summe lagen. Und da waren noch nicht einmal die Rohstoffe berücksichtigt! Ging man also folglich davon aus, dass der Lavenier mit seinem Schmuck ähnliche Kosten hätte, war Herennius' Forderung absolut nicht haltbar.
    "Dacht ich's mir doch!", attestierte er diesen Zustand mit einem Lächeln. Jetzt müsste sich noch zeigen, ob der Lavenier nicht vielleicht ungesetzlich gehandelt hätte... oder von einem unehrenhaften Mann seine Waren bezog. Doch hier lag - wieder ausgehend davon, dass der Händler ähnliche Kosten mit seinem Schmuck hätte - alles im grünen Bereich. Dafür brauchte der Iulier nicht einmal die zweite Tafel mit den Berechnungen für den Fall, dass auch Holz und Eisen zu den Herstellungskosten verkauft würden, zu Rate ziehen. Schon 178.40 Sesterzen waren schließlich weniger als 180! Er nickte.


    "Dann sollten wir das mit einem Handschlag besiegeln!", schlug er vor und streckte dem Lavenier seine Hand entgegen. Das Ausstellen der Lizenz würde er wohl kaum jetzt sofort und persönlich übernehmen. Auf sein 'Bene' kam es letztlich nur an, das auch irgendwie - mit Siegel, Unterschrift oder ähnlichem - auf der Lizenz zu finden sein müsste. Damit wäre dieser Fall wohl vorerst abgeschlossen und Dives könnte sich noch zu zweit mit Ocella weiter unterhalten über... die sonstigen zu besprechenden Projekte...

    ..., noch dazu mit List und Tücke, würde wohl auch seinen göttlichen Vater einmal etwas um den Finger zu wickeln in der Lage sein. Das zumindest hoffte Dives sehr, als er nach langem Überlegen den Entschluss gefasst hatte, dass er am heutigen Tag den Tempel des Hercules aufsuchen würde. In aller Frühe machte er sich auf und befand sich irgendwann auf dem Decumanus Maximus in Richtung Meer. Am großen Kreuzungsschrein (wobei das 'groß' hier relativ zu sehen war), an welchem ganze fünf Straßen zusammenliefen, musste er nur einmal leicht rechts abbiegen, noch ein Stück geradeaus Richtung Portus Tiberis, aber natürlich nicht ganz bis ran an den Tiberhafen, und da befand sich rechter Hand auch schon der kleine Tempeldistrikt aus republikanischer Zeit. Der Iulier atmete einmal tief durch.
    'Jetzt oder nie!', sagte er sich und nahm schwungvoll, denn noch steckte ihm ja nur der Weg hierher in den Knochen, die Stufen hinauf zum Tempelinneren. Hinein ging er allerdings nicht, denn er hatte nicht vor jetzt zu opfern. Er würde bald in der Curia erwartet und wie sähe das aus, wenn er dort am Ende völlig blutverschmiert aufkreuzen würde? Außerdem: Wie wichtig konnte einem eine Sache schon sein, die man zwischen Tür und Angel erledigte - eben mal schnell vor Arbeitsbeginn? Nein, hier oben hatte man schlicht den besten Überblick und die Wahrscheinlichkeit war wohl am größten, dass der Duumvir hier einen Aedituus sah und von einem solchen gesehen wurde, der seinem Anliegen ein Ohr lieh.


    Suchend blickte sich Dives um. Hoffentlich gehörte er hier nicht zu den einzigen Frühaufstehern...


    Sim-Off:

    Edit - und besten Dank an Petronius Crispus! :dafuer:


    ... voll Ungeduld wartend schaute sich der Iulier also um. Er blickte in den Himmel und versuchte anhand des Sonnenstandes zu ergründen, wie viel Zeit ihm noch bliebe. Just in diesem Moment verdunkelte eine Wolke den Tempelvorplatz. Ob das ein Zeichen war? Wohl möglich. Wahrscheinlich war er hier falsch. Er sollte wohl direkt einige Straßen weiter gehen...

    Natürlich. Worum sonst hätte es auch gehen können? Dieser Tage drehte sich ja beinahe alles um den Krieg, die Truppenbewegungen und - verschiebungen, die Nahrungsmittelversorgung, Getreidepreise und und und... Bisher war Dives daher eigentlich immer ganz froh gewesen, dass er wenigstens hier in der Villa, wenigstens auf diesem kleinen Stück Boden - das so klein natürlich gar nicht war - seine Ruhe hatte vor solchen Gesprächen. Hin und wieder hatte er diesbezügliche Korrespondenz, wie beispielsweise auch das Schreiben von Proximus, hier, ja. Aber Briefe redeten für gewöhnlich nicht und man konnte sie sofort weglegen, wenn sie einem für den Moment zu viel wurden. Bei Gesprächspartnern war das nicht ganz so einfach...
    "Na ich hoffe doch für dich, dass du nicht in allen Bereichen des Lebens so enthaltsam wie eine Vestalin warst, was?", machte der Iulier eine Bermerkung am Rande und grinste leicht. Er meinte zu wissen.. oder sich zumindest vorstellen zu können, dass so ein Künstler bei Frauen sicherlich keine schlechten Karten hatte, wenn er gut war. Gerade wenn beispielsweise eine Dame für eine Venus posierte, dann lief da bestimmt auch hin und wieder etwas. Aber Dives konnte natürlich nicht wissen, ob sein Cousin neben der Arbeit für den Fettwanst in Roma noch Zeit für diesen oder jenen ablenkenden Spaß am Rande hatte.


    "Ich muss dem Fe..scularier...", hätte Dives den Vescularier beinahe tatsächlich ausgesprochen als Fettwanst tituliert, "... eh noch schreiben. Wie du vielleicht weißt, ist er ja der Stadtpatron der Civitas Ostia und wie sich eventuell auch schon herumgesprochen hat, sitze ich bereits seit einiger Zeit an den Planungen für die Feierlichkeiten zum fünfjährigen Jubiläum: Dieser Grund und Boden gehört seit fünf Jahren der Gens Iulia.", erklärte der Duumvir. Dabei war das 'Herumsprechen' natürlich auf den Haushalt der Villa Iuliana bezogen. Hier wusste mittlerweile fast jeder Sklave und sonstige Bedienstete, dass eine größere Sache anstand. In der Stadt hingegen... wen interessierten die Feierlichkeiten dieser Villa? Es wurde schließlich immer irgendwo gefeiert - und nicht nur die Iulii gehörten in Ostia zu den bekannteren Namen. Andererseits waren bislang auch noch keine Einladungen verschickt worden (wofür es so langsam wohl wirklich an der Zeit wäre), sodass wohl eh maximal unbestätigte Gerüchte im Umlauf wären.
    "Da muss ich natürlich mindestens anstandshalber auch eine Einladung nach Roma schicken, wenngleich ich mir auch sehr gut vorstellen kann, dass man dort derzeit andere Probleme hat. Wenn du willst, dann erwähne ich diese zu klärende Frage auch gleich...", bot er an. Ob er das gerne oder weniger gerne täte, wusste er dabei selbst noch nicht so genau. Schon etliche Versuche für eine anständige Einladung an Salinator waren Dives fehlgeschlagen. Mal hörte man zu deutlich, dass er ihn nicht dabei haben wollte, mal klang es zu schleimig (was, wenn der Brief später einmal gefunden werden würde?), mal war er auch einfach zu förmlich für einen Iulier an den Vescularius. Ob so eine ablenkende Frage da vielleicht helfen würde? Das könnte er nur bei Schreibversuchen richtig beurteilen.


    "Neues von der Front.. Von welcher Front willst du hören? Von der, die uns und den Rest von Italia vom wertvollen aegyptischen Getreide abschneidet? Oder von der, die sich irgendwo nördlich von Italia... oder vielleicht gar schon in Italia selbst bildet? Oder von der Front, die schon längst in Roma und Umgebung angekommen ist, ja vielleicht sogar nie weg war?", stellte Dives mit hilflosem Lächeln im Gesicht Gegenfrage über Gegenfrage. Lediglich über die letztgenannte Front hatte er überhaupt ein Maß an Informationen, dass es der Rede wert wäre. Aber außer diversen Iulii und einem Tiberius hatte selbst dieses Maß nichts zu bieten. Beispielsweise die Aktion mit dem in Brand gesetzten Getreidespeicher in Roma war definitiv nicht auf dem Mist einer dieser Personen gewachsen. Die Spionagefront war wohl aber eh immer die undurchsichtigste.
    "Ich weiß da vermutlich in keinem dieser Punkte viel mehr als du. Das finde ich alles andere als zufriedenstellend, doch am wichtigsten sollte jetzt erstmal sein, dass wir mit Sicherheit frühzeitig davon hören werden, sollten es die Legionen aus dem Norden tatsächlich bis nach Italia schaffen und auf Roma marschieren. Gleiches gilt, davon bin ich überzeugt, auch für den Fall eines heroischen Sieges des Vesculariers." Dives nahm noch einen Schluck des faden Wassers aus seinem Becher und blickte nachdenklich-verträumt auf jenen. Die iulische Taube, die das Gefäß verzierte, sah aus, als würde sie gleich losfliegen wollen. Das leicht flackernde Kerzenlicht vermittelte sogar zeitweise die Illusion, dass sich die Flügel des Vogels tatsächlich bewegten...

    Der Ianitor nickte kurz. Kein Bettler, kein Besucher, keine Probleme. Denn:


    "Tut mir Leid, aber der Duumvir Iulius Dives ist nicht hier.", erklärte der Türwächter der Wahrheit entsprechend schlicht. Was wäre das wohl auch für ein Duumvir, der den lieben langen Tag zu Hause weilte, statt seinen Amtspflichten nachzukommen?!
    "Ist sonst noch was?", meinte der Ianitor sodann leicht flapsig ohne auch nur auf die Idee zu kommen darüber nachzudenken, welche Frage für den Boten jetzt wohl die naheliegendste sein könnte. Vielmehr hoffte er, dass seine Verabredung, die er hierfür gerade warten ließ, es sich nicht aufgrund dieses Wartens noch einmal anders überlegte... oder auf ein anderes Pferd aufsprang...




    IANITOR - VILLA RUSTICA IULIANA OSTIENSIS

    Was für eine Überraschung! Damit hatte der Iulier ja nun gar nicht gerechnet! Plötzlich stand sein Cousin Sabinus im Zimmer. Ein Glück, dass Proximus' Schreiben sich gerade dabei war in mal etwas hellerem, mal etwas dunklerem grauen Rauch aufzulösen! Dives hatte - zumindest meinte er dies - einen ganz genauen Überblick darüber, wer in seiner Verwandtschaft worüber Bescheid wusste. Und es würde die Situation so ungleich viel schwerer machen, wenn neben dem eh derzeit in allen Belangen kampfunfähigen Centho, Proximus, Italicus und Dives noch jemand von deren gemeinsamer Absprache wüsste... Die Sache mit seinem Cousin Crassus, dem Tiberius und der beide verbindenden Societas war schon heikel genug, wie er fand. Im Nachhinein hatte er sich mehrfach mit der Hand gegen den Kopf geschlagen, dass er auch noch selbst die Idee unterbreitet hatte, dass beide jetzt auch noch zusammenarbeiten sollten! In diesem Punkt sah er wirklich schon graue Wolken aufziehen - und die kamen nicht von der kleinen Kerze, aus der sich gerade auch der letzte Rest des proximischen Briefes verflüchtigt hatte.


    "Hallo Gaius! Wie geht's dir?", begrüßte der Duumvir seinen Verwandten aber selbstredend so, als würde er sich maximal um diese oder jene duumvirische Korrespondenz einen Kopf machen. Da hatte er ja auch genug Probleme an der Backe in diesen Tagen.
    "Ach, die Arbeit kann auch warten! Ich muss mich eh gerad' wieder etwas ablenken. Wenn ich mich dann später nochmal mit dem Problem beschäftige, dann fällt mir sicherlich eine Lösung dazu ein... also wie ich dem Händler freundlich mitteile, dass er derzeit nicht seinen gewohnten Liegeplatz bekommen kann.", redete er sich etwas dürftig heraus. Gehörte das überhaupt zu seinen Aufgaben? 'Ach, gehört nicht alles hier irgendwie zu den Aufgaben eines Duumvirs?!', stellte er sich gedanklich eine Gegenfrage, mit der er sich wieder etwas beruhigte. Sein Cousin würde schon nichts merken, hoffte er einfach und überspielte die Situation noch mit einem zusätzlichen leicht entschuldigenden Lächeln und einen kurzen Schulterzucken.
    "Setz dich zu mir. Was kann ich für dich tun?", deutete er auf einen Platz vor seinem Schreibtisch, wo immer zwei Sitzgelegenheiten für plötzliche Gäste - wie eben just in diesem Moment Sabinus einer war - standen. Freundlich suchte Dives von der anderen Seite des Schreibtisches aus den Blickkontakt seines Cousins, um vielleicht schon zu erahnen, worum es ging. Noch jedoch saß er diesbezüglich auf dem Trockenen. Es könnte um alles oder nichts gehen...

    Der Ianitor öffnete die Porta, nachdem es geklopft hatte, und sah nach draußen. Er hatte eigentlich gerade keine Zeit für Besuch, weil auch in der Küche gerade wieder Pause war und damit auch dieses eine nette Mädl, das immer für den Ausschank mitverantwortlich war, damit auch frei hatte. Und naja... zweimal frei zur gleichen Zeit... versprach eine schöne Zeit!


    "Salve! Das ist die Villa Rustica Iuliana Ostiensis. Kann ich dir irgendwie weiterhelfen?", erklärte er also recht direkt und hoffte, wenngleich es auch ziemlich unwahrscheinlich sein mochte, dass der Kerl einfach nur vor der falschen Porta gelandet war... oder nur etwas zu erbetteln versuchte, wenngleich er nicht so wirklich nach einem Bettler ausschaute. Aber das mit letzter Gewissheit einzuschätzen, dafür hatte er jetzt wirklich keine Zeit! Eine Verabredung ließ man(n) nicht warten..!




    IANITOR - VILLA RUSTICA IULIANA OSTIENSIS

    Der Duumvir hörte sich die Details an und zückte eine leere Tafel und etwas zum Schreiben hervor. Er setzte sogar schon zum Schreiben an, da fiel ihm auf, dass er doch einen Schreiber hier direkt vor sich sitzen hatte - der dazu auch noch vom Fach war!
    "Kannst du mir das schnell mal nach- beziehungsweise vorrechnen, Helvetius? Ich will erstens wissen, ob Lavenius' Tiefstpreis von 180 Sesterzen pro Kette den gesetzlichen Vorgaben der Lex Mercatus entspricht. Und zweitens will ich wissen, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, sodass ein Händler seine derartigen Schmuckstücke zu einem Preis von exakt 100 Sesterzen gesetzlich legal anbieten kann." Mit diesen Worten schob der Iulier die Schreibmaterialien auf die andere Seite des Schreibtisches, wenngleich es ihm herzlich egal war, ob Ocella nun tatsächlich auf diese Tafel schrieb oder auf eine eigene.


    Im Gegenzug nahm Dives die Tafel mit den drei Buchstaben darauf an sich und lächelte... nein, belächelte den Lavenius leicht. Während der Helvetier sich hoffentlich schön mit der Zahlenschieberei beschäftigte, sprach der Duumvir mit dem Händler weiter:
    "Geld, Geld, Geld... Sehe ich aus wie der Herennius? Hoffentlich doch wohl nicht! Weißt du, Lavenius, weshalb die Arbeit als Duumvir und die der übrigen Magistrate der Civitas eine bezahlte ist? Damit nämlich nach Möglichkeit Derartiges unterbunden wird... wobei es scheinbar dennoch einige gibt, die einfach nie genug bekommen können.", setzte er kleinlaut nach. In diesem Punkt konnte er den Aedilis Mercatuum wirklich nicht verstehen - aber gut.
    "Dein Geld kannst du also getrost behalten und für deine Familie verwenden oder in deinen Handel stecken. Da ist es mit Sicherheit besser aufgehoben!", erklärte der Iulier. Es käme ja wohl noch soweit, dass sich Dives mit einen Honorarium bestechen ließ! Nein, solche Verdachtsmomente wollte er gar nicht erst gegen sich aufkommen lassen. Andererseits war dieses Angebot natürlich ein großer Glücksgriff: In gleich doppelter Hinsicht! Einerseits rechnete sich Dives dadurch eine noch größere Bereitschaft seitens des Laveniers aus ihm seine folgende Forderung zu erfüllen, während es andererseits keine bessere Werbung für seine Person geben könnte, wenn ein offensichtlich nur allzu geschwätziger Händler verbreitete, dass der Duumvir Iulius unbestechlich sei!


    "'Was will ich denn?', wirst du dich jetzt vielleicht fragen. Nun, genau genommen sind es mehrere kleinere... Hilfen, die du mir leisten könntest. Einerseits wäre ich dir sehr verbunden, wenn du deinen zukünftigen Kunden erzählst, WEM du es zu verdanken hast, dass du wieder am Marktgeschehen als Verkäufer teilnehmen kannst - und auch, dass ich keine Bestechungen annehme. Grundsätzlich!" Punkt eins.
    "Außerdem hast du, wie ich gehört habe, einen nicht ganz geringen Einfluss auch hier in der Civitas. Mit diesem wird es dir doch sicherlich möglich sein, dass du einen Wahlausgang zu meinen Gunst beeinflusst, oder? Nehmen wir zum Beispiel rein hypotetisch an, ich würde erneut Duumvir von Ostia werden wollen. Meinst du, dass dein Einfluss ausreichen würde, damit ich mit den meisten Stimmen gewählt werden würde - und nicht nur wieder der dankbare Zweitgenannte wäre?" Punkt zwei.
    "Und zu guter Letzt bräuche ich wohl auch demnächst... das heißt, dass ich so genau noch gar nicht sagen kann, wann dieser Zeitpunkt gekommen sein wird, einen versierten Architectus benötige... Einen, der mit 88 Aurei einen Tempel bauen kann. Also einen, der auch stehen bleibt und nicht beim kleinsten Windstoß einstürzt. Und es wäre von Vorteil, wenn der sich auch ein wenig mit östlichen Kulten auskennen würde. Also nicht viel nur so... dass er beispielsweise auch mal von einer Isis gehört hat... oder einem Serapis. ... ... ... Ach, und als Händler brauchst du ja wahrscheinlich einen Spielraum, nicht? Sagen wir, dass 88 Aurei optimal wären und bis 100 Aurei ist es verhandelbar. Das ist ein runder Betrag, der... dann auch zur Verfügung stehen sollte." Punkt drei.
    "Ich geb dir eine kurze Bedenkzeit. Inzwischen: Helvetius, hast du bereits Ergebnisse für mich?", erkundigte sich Dives, denn nach seiner langen Rede wollte er doch mal davon ausgehen, dass zumindest der erste Teil der Aufgabe fertig wäre. Das machte ein Scriba des Aedilis Mercatuum doch mit links! Gerade, wo der doch eh praktisch alles delegierte, wie man so hörte...

    | Tasius


    Ach, zum Scherzen war der Bengel auch noch aufgelegt! Na das konnte ja noch heiter werden! Dann trat noch so ein junger Kerl ein und der Alte glaubte, er sah nicht richtig - was er genaugenommen auf die Entfernung auch nicht mehr richtig tat. Sonst hätte er wohl natürlich auch bemerkt, dass sich Lepidus bereits gesetzt hatte. Andererseits aber zeigte dies natürlich auch für wie klein der Sklave den Tiberius hielt...
    "Noch so einer!", war die erste Reaktion des Sklaven auf den frisch Hereingeschneiten. Das wurde ja wirklich immer besser. Erst musste er dem einen alles hinterher räumen und einen Saustall auf Vordermann bringen; jetzt sollte er hier Paedagogus für zwei Halbstarke spielen?! Was bitte war das hier? Die Stroy zum nächsten Acta-Artikel der Kategorie 'Verstehst Du Spaß?"?


    Tasius nickte anschließend einmal mürrisch zur Begrüßung und zeigte ebenfalls nochmal auf den verbliebenen freien Platz vor dem Schreibtisch. Er konnte nicht genau erkennen, ob der Tiberius nicht vielleicht auch irgendetwas anderes meinte. Den Kommentar des Patriziers, nachdem der den Sklaven vorgestellt hatte, hörte er hingegen sehr wohl, denn an den Ohren hatte er noch nichts. Im Gegenteil waren die wohl noch mit am fnuktionstüchtigsten an ihm, wenn man neben der Sehkraft auch an seinen Gehstock dachte. Aber da würden die beiden jungen Burschen auch noch hinkommen...
    "Ich nehme an, dass ihr die alte Satzung beide kennt und auch mit dem Vereinsgesetz des Codex Universalis vertraut seid?!", überging Tasius die unhöfliche Bemerkung letztlich aber einfach. Niemand hatte ihm seinen Platz streitig gemacht und auch ansonsten schien hier eher ein Lehrer-Schüler-Verhältnis in der Luft zu liegen, was zwar hin und wieder unangebrachte Kommentare gegen den Greis bedeuten würde, doch ihm letztlich trotz seines Standes eine gewisse Autorität versprach. Mit diesem Kompromiss könnte er leben.


    Nachdem er beide jeweils einmal kurz, aber intensiv mit seinem prüfenden Blick bedacht hatte, holte er mit einem einfachen Handgriff einige Tabulae hervor, die Dives bereits vorbereitet hatte. Jetzt, wo hier alles ordentlich und an seinem Platz war, dauerte soetwas dementsprechend auch keine halben Ewigkeiten mehr, sondern ging zack-zack! Die alte Satzung fand sich auf einem Teil der Aufzeichnungen; eine Abschrift der Lex Communitatis auf der anderen.
    "So, und du verschwinde jetzt endlich! Wir brauchen hier jetzt ein bisschen Ruhe!", forderte Tasius dann in herrisch-unfreundlichem Tonfall, denn dass er sie mochte, sollte die ja genauso wenig merken wie die beiden Jungs hier, die Ägypterin auf. Diese stelle daraufhin die Obstschale und die Kannen auf dem Schreibtisch ab, dazu die zwei Becher, die sie mitgebracht hatte - sollten sich die drei jetzt eben drum streiten! Ihr wäre das jetzt egal - und verließ anschließend sichtlich verletzt den Raum.


    "Also, was habt ihr euch bisher überlegt? Der Iulius meinte etwas von einem Vicarius?", nahm der Rhodier das Gespräch unbeeindruckt wieder auf.




    TABULARIUS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES

    Diesen Brief hatte der Iulier heute aus der Curia Ostiensis mit nach Hause genommen. Das Siegel war unbeschädigt und der Inhalt des Schreibens folglich niemandem außer dem Absender bisher bekannt. Dass der Duumvir hin und wieder auch einige Akten und/oder Korrespondenzen mit in die Villa Iuliana zur Bearbeitung nahm, war ebenfalls nicht ungewöhnlich, sondern absolut normal. Es würde daher folglich wohl kaum jemand auf die Idee kommen, dass es in diesem Schreiben vielleicht nicht nur den neusten Klatsch aus der Casa Iulia, wo immerhin Dives' nächster Verwandter Centho bettlägerig war, ging.
    In seinem mehr oder weniger bescheidenen Privatofficium setzte sich der Duumvir an seinen Schreibtisch und starrte für einen Moment gedankenverloren auf den Brief. Wieso hatte sein Onkel den eigentlich in die Curia geschickt, statt hierher in die Villa? Er schüttelte den Kopf. Dives sollte wahrscheinlich einfach mal damit aufhören auch seine Privatpost mit dem prunkvolleren Duumvir-Siegel zu zeichnen...


    Entspannt zurückgelehnt und einen Becher frisches Wasser in Griffweite brach der Iulier das Siegel und begann in aller Ruhe und völlig ungestört zu lesen:
    'Glückwünsche... blabla... Kommando über die Stadtkohorten...' Bis dahin gab es nichts Neues. Über dieses Kommando hatte Dives bereits über kleine Umwege erfahren, wenngleich er sich natürlich eine Benachrichtigung gewünscht hätte. Andererseits war wohl dieses Kommando schlicht das Trostpflaster des fetten Vesculariers für die verlorene Quaestorenwahl Proximus'. Das würde erklären, weshalb sein Onkel weder das Eine noch das Andere berichtet hatte. Fakt war und blieb: Salinator roch noch immer keine Lunte von der wahren iulischen Einstellung zu ihm - und das war gut so!
    Die nächsten Zeilen hingegen beunruhigten Dives da schon deutlich mehr. Eine einzige Meinungsverschiedenheit, die den Pompeius dazu brachte, dass der seinen Anverwandten seine Gunst entzog? Das hörte sich schon ziemlich hart an, wenngleich dies ja nicht unbedingt gleichzusetzen wäre damit, dass der deshalb nun begann gleich gegen die Iulii zu agieren! Doch eine ausgesprochene Warnung... Das schien dem Iulier doch eine heikle Angelegenheit zu sein, sodass er sich entschloss Augen und Ohren besonders wachsam sein zu lassen - vor allem für jeden Pompeius, von dem er hörte! (An irgendwelche Frauen dachte - gerade - Dives naturgemäß nicht.)


    Es folgte eine kurze Ernüchterung, die letztlich jedoch in ein seichtes Lächeln mündete. Beinahe hätte Dives wirklich geglaubt, dass sein Onkel ihn informationstechnisch tatsächlich einfach so auf dem Trockenen würde sitzen lassen! Zum Glück jedoch belehrte ihm Proximus eines besseren, wenngleich besonders viel den folgenden Worten auch wieder nicht zu entnehmen war. Er würde also nicht in den Krieg ziehen - nicht im Moment. Das hieß im Klartext auch, dass es jeden Tag anders kommen könnte! Aber das musste in einem Krieg wohl so sein und so versuchte Dives dies als eine positive Nachricht zu verbuchen und versuchte sich einzureden, dass damit also sein Onkel Proximus zuminest vorübergehend in Sicherheit wäre.
    Und Serapio?! 'Über die Praetorianer kann ich dir nichts sagen. Mehr gibt es momentan nicht zu berichten.' Wollte er damit sagen, dass er nicht mehr berichten konnte? Oder dass er nicht mehr berichten wollte? Oder hieß es gar, dass es mehr nicht dazu zu sagen gab, weil nach dem Abzug der Stadtkohorten aus dem Umland nach Roma irgendwie klar wäre, dass keinesfalls alle diese Truppen jetzt bis zum Ende des Krieges in der Ewigen Stadt verbleiben würden?! Müsste Dives also klar sein, dass die Vigiles kaum gegen die cornelischen Legionen ziehen würden und wenn die Stadtkohorten es auch nicht taten, es dann ja nicht mehr allzu viele Möglichkeiten gäbe, wen man weg schickte?


    NEIN! Es gab bestimmt noch eine andere Lösung! Es musste einfach noch eine andere Lösung geben! Kurz überlegte der Iulier, dann hatte er es: Der Fettwanst spielte die Schildkröte! Er ließ einfach alle verfügbaren Kräfte nach Roma kommen, zog dann seinen Schwa..eren Bauch ein und hoffte die Gefahr aussitzen zu können! Genau! Das würde der Vescularier bestimmt tun... das würde er ganz bestimmt machen... das wäre angesichts der katastrophalen Nahrungsmittelsituation ja auch nicht völlig dämlich, nein... Mist! Noch eine Alternative? Dem Iulier wollte zumindest nichts so richtig einfallen. Dann musste er selbst etwas tun, ganz klar. Er musste IRGENDETWAS tun! Nur was tat man in einer solchen Lage? Dives hatte bisher noch keinen Bürgerkrieg in dieser Form miterlebt. Als Domitian einst ermordet wurde, war der kleine Iulius mal gerade zarte sieben Jahre alt - seit etwa einem Monat. Um seine Mutter hatte er sich damals absolut nicht Sorgen müssen. Roma war weit weg. Und sonst stand Dives niemand derartig nah, dass es ihm besonders wichtig gewesen wäre ihn oder sie in Sicherheit zu wissen.
    Jetzt war alles anders. Jetzt war er erwachsen, ein Mann. Jetzt... holte er scheinbar alle nie gemachten Sorgen nach. Was für eine Prüfung der Götter... 'Die Götter!', ging es ihm auf, sodass er beinahe aufgesprungen wäre. Doch stellte sich mit dieser Idee nur das nächste Rätsel: Wen rief man an? Gut wäre wohl jemand, der Soldaten beschützte. Also Mars? Dives rümpfte die Nase. Mars war immer so... brutal. Außerdem hatte der bestimmt schon über genug Leute zu wachen. Und was brachte eine Bitte, wenn der Gott am Ende vor lauter Gebeten genau DEN EINEN Schützling vergaß? Dieses Risiko bestand wohl - gerade bei einem Bürgerkrieg. Dann Minerva? Die war dem Iulier schon wesentlich sympathischer mit ihrer Weisheit und Weitsicht. Doch gerade ein Capitolium hatte wohl jede größere Stadt, sodass auch diese Möglichkeit aus Überlastungsgründen auszuscheiden schien. Außerdem wäre dies wohl auch ein interessantes Bild: Ein schwuler Mann bittet eine Frau um ihren göttlichen Schutz für den attraktiven Praetorianerpraefectus. Die Göttin würde sich vor Lachen wohl kaum wieder einkriegen (zum Glück konnten sich die Unsterblichen ja nicht tot-lachen).


    Ach, das war schwierig... Das war wirklich alles andere als leicht. Der Duumvir lehnte sich wieder ein wenig zurück, trank einen Schluck des geschmacklosen Wassers, machte die Augen zu und dachte zurück an schönere Zeiten: Hinterm Nymphaeum in den Horti Luculliani war es schön gewesen. Was hatte Serapio da gleich gesagt? Dives wäre süß... So süß, wie... Äpfel? Er bekam es irgendwie nicht mehr so ganz zusammen. Aber von Äpfeln hatte er auch gesprochen, den goldenen Äpfeln der Hesperiden, genau. Und an seinen eigenen Kommentar mit L..adon erinnerte sich der Iulier natürlich auch. Er hatte den Decimer gefragt, ob ein Hercules in ihm stecken würde, weil der ja einst die Äpfel geraubt hatte, die den Göttern die ewige Jugend schenkten. 'Hercules?', überlegte der Duumvir. Ja, was war eigentlich mit diesem Gott? Könnte er den nicht vielleicht um etwas Beistand für Serapio bitten? Ostia hatte schließlich sehr wohl einen Herculestempel und an den Gott dachten vielleicht nicht ganz so viele Schutzsuchende.
    Dann kam dem Iulier noch eine ganz verwegene Idee: Er würde nicht Hercules um Schutz für Serapio bitten, sondern ihn fragen, ob der das nicht quasi zur Chefsache machen könnte. Das Verhältnis von Iuppiter zu Hercules war doch schließlich alles andere als schlecht. Und wenn Hercules also stets ein Auge darauf haben würde, dass sein Papi ein Auge auf Serapio hätte, dann sollte der wohl ganz gute Chancen haben, heil aus der ganzen Nummer raus zu kommen (was natürlich nicht hieß, dass er auf der Seite der Gewinner stehen müsste - Salinator sollte bitteschön trotzdem verlieren)! So ganz ausgereift war die Idee noch nicht, wie Dives fand. Doch der Anfang gefiel ihm schon mal: Ein typisches Schweineopfer für Hercules und ein Gelübde für Iuppiter. Wäre nur die Frage, das Dives ihm dises mal versprach. Mit einem einfachen Opfer wäre die Sache wohl nicht getan...


    Dives entzündete eine Kerze und hielt das Schreiben seines Onkels in diese. Er hatte den Brief gelesen. Für weitere Augen war der nicht bestimmt. Dann begann sich der Iulier mit seiner weiteren, alltäglicheren Korrespondez zu befassen. Gute Ideen konnte man schließlich nicht erzwingen!

    [Blockierte Grafik: http://i662.photobucket.com/al…47/Kaysepunkt/david_2.jpg] | Evax


    "... helfen.", antwortete der Ianitor etwas verdutzt. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass er nicht ganz bis zu Ende gesprochen hatte. Das kam bestimmt daher, dass der Mann vor ihm hier so einen gestressten Eindruck machte. Dadurch wurde Evax auch selbst immer gleich etwas hektischer und verschluckte eben mitunter Teile seiner Rede unbewusst.


    "Verzeih mir bitte meinen Fehler... und tritt ein, Iulius.", meinte er dann und ging selbst einen Schritt zur Seite, damit Crassus ins Innere der Domus käme.
    "Der Sodalis Tiberius ist...", sprach er im Umdrehen und Türschließen weiter und stockte sodann, als jener eben nicht mehr im Atrium des Hauses stand. Nicht, dass der Patrizier jetzt die Gunst der unbeobachten Stunde nutzte, um seine zuletzt gescheiterte Becherklau-Aktion doch noch zu einem erfolgreichen Schluss zu führen! "... äh... also, ich denke er ist gerade... ähm...", versuchte der Ianitor etwas Zeit zu schinden - und das gerade, wo der Iulius es doch so eilig zu haben schien. Doch da eilte die ägyptische Sklavin mit Wasser und Wein, sowie ein bisschen Obst durch das Atrium und steuerte zielsicher das Officium des Iulius Dives an. Ein Glück! "... vorgegangen. Vorgegangen ins Officium da drüben.", zeigte der Ianitor auf das Officium Vicarii Magistris. Mit etwas betretendem Blick wartete Evax sodann stumm darauf, dass Crassus davoneilte. Bei den Göttern, war ihm die Situation gerade unangenehm...




    IANITOR - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA