Beiträge von Marcus Iulius Dives

    | Tasius


    ... drei, ... Na, der Gast war wohl schon in jungen Jahren nicht der schnellste! Wie sollte das dann nur später mal sein, wenn der in Tasius' Alter käme?! ... zwei, ... Ach, da trudelte er endlich ein! Das hatte ja gedauert. Das Gähnen ließ wohl eindeutig darauf schließen, dass er noch nicht ausgeschlafen war, was? Diese Jugend! Wie spät war es gerade? Na, so etwa die neunte Stunde dürfte man wohl gerade haben.
    "Dann sei mir gegrüßt, Tiberius! Ich hoffe, du hast ausgeschlafen?", erkundigte sich der ungegrüßte Alte bissig. Wahrscheinlich hatte dieser Tiberier die Nacht durchgezecht mit ein paar Freunden. Das sah dieser Jugend ganz recht! Dann am besten bis nach Mittag schlafen und jetzt war er dann bestimmt so langsam doch schon aus dem Bett gefallen! Moment... Hatte er 'Tiberius' gesagt? Dazu dieser Aufzug. Na, dann war alles klar! Auch noch ein Patrizier - dann musste diese Geschichte ja fast schon so oder so ähnlich abgelaufen sein!


    "Der junge Iulius hat mich Tasius genannt.", antwortete er dann knochentrocken auf die ihm gestellte Frage. Seine Formulierung machte wohl klar, dass er eigentlich anders hieß und nicht erfreut über diese Umbenennung war. Aber mit solchen Problemen hatte der Tiberius hier sicherlich nichts am Hut.
    "Ich führe das Tagesgeschäft für ihn hier, während er in Ostia weilt. Und so schlampig wie unter DEM wird das hier nicht weiter gehen, das lass dir schon mal gesagt sein!", setzte er gleich noch hinterher und machte damit also sogleich mal eine erste Ansage. Das war ihm in seinem langen Leben auch noch nicht untergekommen, dass er erstmal Ordnung in so einen Saustall bringen musste. Das Zimmer voller Kisten..! Und die Societas, das hatte er mittlerweile erfahren, hatte nicht erst seit gestern ihren Sitz hier! Jetzt könnte man hier sogar vom Boden essen, so sauber war es! Die beiden hohen Schränke hinter dem Sklaven waren gut eingeräumt, dabei aber natürlich auch nicht übervoll und auch ansonsten gab es keinen Haufen unsortierter Tabulae auf dem Schreibtisch oder ähnliche Späße. Hier hatte alles seine Ordnung - seit Tasius das Zepter fest in den Händen hielt!


    "Nimm doch bitte Platz.", wies er dann auf eine der beiden Sitzgelegenheiten vor dem Schreibtisch. Als Vertreter des Vertreters... oder so... fand der Sklave nämlich durchaus, dass ihm der Platz, auf welchem er ja bereits so bequem saß, auch zustand. Dazu kam natürlich auch noch sein Alter - wenigstens auf Rhodus, da hatte soetwas auch gezählt! Hoffentlich schlief der Tiberius im Sitzen nicht gleich ein, ging es dem Alten sodann durch den Kopf, da er sich wieder an dessen Gähnen erinnerte. 'Oh Tempora, oh mores!'
    Da kam diese süße Schnecke aus dem Land der Pyramiden in den Raum. Für die hatte der Greis ja etwas übrig, wenngleich ihm natürlich niemals in den Sinn kommen würde ihr das auch in irgendeiner Weise zu sagen oder gar noch zu zeigen. Sein kurz etwas erhelltes Gesicht verfinsterte sich wieder, als sie dem Tiberius einen Becher für verdünnten Wein anbot, der zusammen mit zwei Kannen - einmal Wasser, einmal Wein - und einer bunten Obstschale auf einem Silbertablett dargereicht wurde.


    "Also?", meinte Tasius vor Ungeduld sprühend, da er diesen Anblick einfach nicht länger ertragen konnte! Warum hatte sich der feine Herr nun also zu dieser 'frühen' Stunde hier eingefunden?




    TABULARIUS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES

    Zitat

    Original von Marcus Iulius Dives
    [...] und bat sie mit einer zeigenden Geste sich zu setzen. [...]


    "Setzt euch doch erstmal.", verbalisierte der Duumvir seine Bitte nun also doch. War ihm soetwas nicht erst vor einer Weile in den Thermen passiert? Er konnte sich nicht mehr so genau erinnern, weil es schlicht zu viele Leute gab, die er tagtäglich zu sehen bekam und die dieses oder jenes vom Duumvir wollten. Aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass ihm diese Situation dennoch leicht bekannt vorkam.


    Dann überlegte er kurz und wiegte seinen Kopf leicht aber dennoch auch irgendwie bedeutungsschwer hin und her.
    "Ein 'ehrlicher' Händler also... der sich 'nie' etwas hat zu Schulden kommen lassen... soso...", fasste er seinen ersten Eindruck zusammen.
    "Dann mal Butter bei die Fische! Das sagt man hier am Meer doch so, nicht?!", fragte er mehr rhetorisch. Denn im Prinzip war das ja auch egal.
    "Was genau hast du verlangt für deine Ketten, was genau hat Herennius geboten, was genau könntest du auch zweifelsfrei beweisen und was genau bist du bereit für die Wiedererlangung deiner Lizenz zu tun?", sprach Dives sodann klipp und klar heraus. Natürlich könnte und sollte dies hier nicht an der Tagesordnung sein. Doch was wollte der Händler tun? Viele Optionen hatte er - hier in der Civitas Ostia - nicht. Quaestor und Aedilis operum publicorum würden sich wohl mitnichten dafür interessieren. Der Duumvir Cassius war schon froh, wenn er seine Amtszeit einigermaßen über die Runden brachte und kein praefectus für seine Vertretung bestellt werden müsste. Den Herennius zu belangen war während dessen Amtszeit wohl kaum möglich und an eine Einigung mit diesem sicherlich auch nicht zu denken. Die wohl einzige Lösung für den Lavenier sollte damit scheinbar just in diesem Augenblick direkt vor diesem sitzen: Der Duumvir Iulius Dives!


    Aber was wäre er für ein Duumvir, wenn er nur auf den Schaden anderer Leute aus wäre?! - Nein, soeiner war er nicht! Er wollte folglich also, dass jede Seite einen kleinen Profit (!) aus dieser Sache schlug. Der Herennier würde ganz sicherlich etwas dabei lernen, während der Profit des Händlers mit der Wiedererlangung der Lizenz ebenfalls trivial auf der Hand lag. Ocella hätte sicherlich allein für dieses Gespräch hier etwas bei Lavenius gut, sodass letztlich nur noch eine Seite in dieser Rechnung zu bedenken bliebe...

    Was war das denn bitte?!? Dives zog seinen Sklaven an der linken Schulter ein Stück zurück.
    "Ich werde ja wohl meinen eigenen Sklaven mitnehmen dürfen.", stellte er mit deutlicher Verwunderung in der Stimme mehr fest, als dass er danach fragte, ob er durfte. Dabei fiel sein Blick nach rechts auf ebenjenen. Dass die Soldaten keine Rutenbündel tragenden Liktoren in der Castra haben wollte, okay. Aber von dem alten Aglaopes, der lediglich mit Griffel und einigen Tabulae 'bewaffnet' war, ging ja wohl von allen Anwesenden die geringste Gefahr aus!


    | Nero Sulpicius Cornuntus
    HAFENVERWALTER - PORTUS ROMAE


    "Äh... Wo müssen wir lang?", erkundigte sich der Sulpicier sogleich freundlich. Er war es schließlich gewohnt niemanden zu haben, der ihn bei seiner Arbeit mal ein bisschen unterstützte. Er dachte dabei nur an den Scriba zurück, der diese Einladung von der Classis entgegen genommen hatte. So war es ihm folglich auch relativ gleich, ob der Duumvir nun mit oder ohne Sklave eingelassen werden würde. Hauptsache wäre, dass es voran ginge und jetzt hier kein Aufstand wegen.. nichts.. gemacht würde. Bei Neptun, das war ein Sklave, ein lächerlicher, alter Schreiber und kein Spartacus oder so...

    [Blockierte Grafik: http://i662.photobucket.com/al…47/Kaysepunkt/david_2.jpg] | Evax


    So stürmte der Ianitor also schleunigst zur Porta, um diese zu öffnen und nachzusehen, wer dort stünde und was er oder sie wollen würde:


    "Salve und willkommen am Domus Societatis Claudianae et Iulianae!", grüßte er freundlich und setzte ein oberflächliches Lächeln auf.
    "Wer bist du und wie kann ich dir weiter?" Hoffentlich war der Mann hier nicht ganz so schnöselig wie der Tiberier, wenngleich gerade solche Eigenschaften den Patrizier ja auch erst irgendwie interessant machten...




    IANITOR - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA

    [Blockierte Grafik: http://i662.photobucket.com/al…47/Kaysepunkt/david_2.jpg] | Evax


    Evax nickte bei diesen staubtrockenen Worten nur stumm. Aber Zeit für eine Antwort blieb ihm ja auch keine, denn es klopfte wenig später bereits erneut. Schnell eilte der Ianitor in ebenjener Position zur Porta, während eine hübsche ägyptische Sklavin - ob sich der Tiberius noch an diese erinnerte? - sich aufmachte für diese und jene Erfrischung zu sorgen...




    IANITOR - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA



    Dennoch blieb Lepidus keineswegs allein:


    | Tasius


    Aus dem Officium des Vicarius Magistris, wenngleich es diesen Titel ja offiziell hier gar nicht gab, trat ein alter, weißhaariger Sklaven unter kurzem Ächtzen heraus. Etwas mürrisch blickte er sich um, denn mit Besuch hatte er jetzt gerade weder gerechnet, noch war er sonderlich erbaut über jenen. Allerdings hatte ihm dieser Iulius - der Mann aus Rhodus weigerte sich nach wie vor Dives als 'Dominus' zu bezeichnen - bereits mit der Möglichkeit vertraut gemacht, dass hier jemand aufschlagen könnte...
    "Wer bist du?", fragte er misstrauisch mit giftigem Blick und musterte den Tiberier einmal ganz genau! Zugegebenermaßen... Stil schien der ja zu haben, wenngleich der doch noch ziemlich grün hinter den Ohren wirkte - nicht anders als der junge Iulier. Wahrscheinlich hatten beide noch so diverse Flausen in ihren Köpfen, die es ihnen mit aller Macht auszutreiben galt!
    "Komm rein... Und mach die Tür hinter dir zu!", gab der Sklave dem Römer - noch bevor letzterer eine Antwort gegeben hatte - Anweisung und zog sich sodann wieder in den Raum zurück, aus welchem er getreten war. Erst jetzt könnten aufmerksame Ohren auch das regelmäßige Pochen des dritten Standbeins des Sklaven durch die offene Tür hören...



    TABULARIUS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES

    | Tasius


    Der alte Sklave lies sich unter einem gequälten Stöhnen auf dem Platz des Iuliers, der sich irgendwo in der Weltgeschichte herumtrieb, nieder. Sollte der ruhig! Indes machte es sich Tasius hier bequem... und wartete darauf, dass entweder seine arrogante, dominante und starrsinnige Art den Gast aus dem Atrium hierher führen würde oder aber schlicht die Neugier dieses jungen Burschen. Mürrisch blickte der Alte aus schmalen Augen zur Tür dieses Raumes. Er gab ihm noch zehn Atemzüge, ... neun, ... acht, ... sieben, ... Gleich würde der sich blicken lassen. Diese Kinder waren doch alle gleich! ... sechs, ... fünf, ... Es wurde so langsam Zeit! ... vier, ...




    TABULARIUS - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES

    [Blockierte Grafik: http://i662.photobucket.com/albums/uu347/Kaysepunkt/david_2.jpg%20] | Evax


    Na, Mensch! Überraschungen gab es... Da besuchte der Tiberius ihn mal wieder hier im Domus Societatis! An dessen letzten.. nein, besonders den vorletzten Besuch erinnerte sich der Sklave nämlich noch sehr lebhaft. Der Patrizier, der der Einrichtung und Ausstattung des Kultvereins ganz unterschwellig ein Kompliment gemacht hatte, das größer nicht hätte sein können: Er hatte nämlich einfach versucht einen der vortrefflichen Becher der Societas Claudiana et Iuliana einfach so mitgehen zu lassen... Jaja, damit konnte der Ianitor noch heute schmunzelnd einen halben Abend Geschichten erzählend füllen (wobei er natürlich, wie man das als guter Erzähler so machte, dieses oder jenes Detail auch hin und wieder etwas variierte und anpasste. Beispielsweise kam der Part immer besonders gut an, in dem er berichtete, wie knapp der Tiberier dem Tod durch die Praetorianer entgangen sei und wie er den sterbenden Senator und Pontifex Durus schweren Herzens hatte zurück lassen müssen...)
    "Salve, Tiberi!", grüßte Evax den Sodalis folglich freundlichst mit leuchtenden Augen und war schon gespannt, was er den Kindern aus der Nachbarschaft am heutigen Abend vielleicht Neues berichten könnte... über das Leben und die Taten des Iullus Tiberius Ingeniosus. Der Name passte nämlich viel besser zur Geschichte: Ingeniosus betonte dabei vor allem die geistreiche, talentierte Seite des Tiberiers, während Iullus einerseits dafür sorgte, dass der Wortanfang von Prae- und Cognomen gleich blieb, während man ihn andererseits sehr gut mit der Gens Iulia und der Societas Claudiana et Iuliana in Verbindung bringen konnte. Letztlich ermöglichte das sogar Spekulationen über eine Verwandtschaft zu den patrizischen Iulii Caesares! Kurzum: Vielleicht würde der Name des nonexistenten Iullus Tiberius Ingeniosus in zweitausend Jahren in Vergessenheit geraten sein - vielleicht aber auch nicht!


    "Darf ich dir einen verdünnten Wein anbieten? Frisches Obst?", erkundigte er sich zuvorkommend, bevor er sich darüber bewusst wurde, dass der Patrizier wohl kaum zum Geschichtenerzählen hierher gekommen war. Erst recht würde der keinem einfachen Sklaven so schnell eine neue Story liefern.
    "Der Magister Iulius...", womit wohl irgendwie beide Cousins gemeint waren, "... ist leider nicht da.", erklärte er also. Daran den Tiberius aufgrund einer solchen Nichtigkeit gleich wieder weg zu schicken, dachte er aber deshalb nicht mal im Traum! Vielleicht gab es ja auch noch etwas anderes... Evax war offen für alles...




    IANITOR - SOCIETAS CLAUDIANA ET IULIANA

    Ein einfacher Schreiberling grüßte notgedrungen zurück. DER Hafenverwalter? Er sah den Soldat mit großen Augen an. Welchen meinte der jetzt damit? Meinte der den vom Portus Tiberis? Oder doch den vom Portus Marinae? Oder sprach er vom Portus Romae? Aber meinte er dann den Hafenverwalter des ganzen Portus Romae? Oder ging es um den Verwalter vom Portus Augusti oder den des Portus Traiani Felicis? Nach diesen Gedanken drehte sich dem Scriba erst einmal der Schädel von den vielen Portus und ein dickes Fragezeichen schien ihm ins Gesicht geschrieben. Vielleicht reichte er die Nachricht auch einfach erstmal an irgendwen weiter und der würde dann schon wissen, wohin das sollte? Zum Glück kam just in diesem Augenblick Cornuntus persönlich vorbei...


    | Nero Sulpicius Cornuntus


    Nickend nahm er das Schreiben an sich. Die Schreiber, die man hier am Hafen bekam, waren auch nicht mehr das, was sie einst waren... Die ganzen brauchbaren Leute behielten die hohen Herren der Curia wahrscheinlich alle für sich! Erst neulich hatte der Sulpicier einen von denen auf dem Weg ins Officium des Procurator Annonae laufen sehen - allein, das hieß: ohne Vorgesetzten. Was das für ein Bild auf ihn machte, war ja wohl klar: Die Magistrate stellten sich gute Scribae ein, die gute Arbeit für sie machten, und am Ende ihrer Amtszeit würden sie dann alle wieder mit ihren Taten prahlen. Was sie nicht alles wieder zum Wohle der Civitas getan hätten... Schon klar!
    "Denen sollte auch mal jemand kräftig in den Hintern treten.", kommentierte der Hafenverwalter seine Gedanken, ohne darauf zu achten, ob und wer ihn dabei hörte. Wenn dieser Scriba wieder mal hier auftauchen würde (und von hier war es nur ein Katzensprung bis zum Procurator Annonae), dann müsste er ihn unbedingt mal abpassen.


    "Ein Einladung...", las der Sulpicier dann und wandte sich damit nun also endlich dem Schreiben zu. Tja, viel konnte er dazu nicht sagen. Er würde da sein...




    HAFENVERWALTER - PORTUS ROMAE

    Nach Erhalt der Einladung zu einer aktuellen Lagebesprechung in die Castra Vexillationis Ostiensis, zu der ausschließlich der Duumvir Iulius - ohne seinen Collega Cassius (!) - eingeladen worden war, erschien Dives ein kleines bisschen überpünktlich... und natürlich mitnichten allein. Er hatte sich erneut begleiten lassen von seinen vier Liktoren und hatte darüber hinaus sogar seinen persönlichen Schreibsklaven (und nebenbei externes Gedächtnis) Aglaopes mit dabei.


    | Aglaopes
    MEDICUS ET SCRIBA PERSONALIS, NOMENCLATOR ET PAEDAGOGUS A.D. - MARCUS IULIUS DIVES


    "Der ehrenwerte Duumvir der Civitas Ostia, Marcus Iulius Dives, bittet um Einlass.", kündigte der Sklave seinen Herrn groß an, nachdem er sich an einem der Liktoren erst etwas hatte vorbei drängeln müssen. 'Und soetwas nennt sich dann Respekt vor dem Alter!', fluchte der Greis innerlich und reichte das Einladungsschreiben mit verärgertem Gesichtsausdruck an einen der Wachen der Castra weiter:



    Einladung


    Duumvir

    Marcus Iulius Dives


    zur Lagebesprechung in die Castra Vexillatio Ostiensis


    Sie findet am:

    ANTE DIEM VI KAL NOV DCCCLXII A.U.C.
    (27.10.2012/109 n.Chr.)
    ,


    zur 8. Stunde statt.


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    Und offenbar war der iulische Duumvir nicht der einzige, der es für eine gute Idee hielt nicht erst auf den letzten Drücker zu erscheinen...


    | Nero Sulpicius Cornuntus
    HAFENVERWALTER - PORTUS ROMAE


    "Salvete!", grüßte der Sulpicier - mit ohne Begleitung - freundlich alle Anwesenden, inklusive der Wachen.
    "Ich bin wohl zur gleichen Veranstaltung eingeladen...", meinte er sodann, während auch er seine Einladung vorzeigte:



    Einladung


    Hafenverwalter

    Nero Sulpicius Cornuntus


    zur Lagebesprechung in die Castra Vexillatio Ostiensis


    Sie findet am:

    ANTE DIEM VI KAL NOV DCCCLXII A.U.C.
    (27.10.2012/109 n.Chr.)
    ,


    zur 8. Stunde statt.


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    So wartete man nun also in Summe zu sechst darauf eingelassen zu werden, wobei die Liktoren den Duumvir sicherlich nicht bis ganz in den Besprechungsraum begleiten wollen würden...

    Ostianus, der Vorzimmerbeamte des Officium Duumvirorum, nahm das Schreiben mit einem netten Lächeln entgegen und versicherte, dass er es umgehend weiterleiten würde. Hätte er gewusst, was ihn dabei erwartete, dann hätte er diesen zweifelhaften 'Spaß' auch gerne dem Soldat überlassen...


    So aber betrat der Beamte ohne die geringste Vorahnung das Officium, in welchem sich zur Abwechslung mal wieder beide Duumviri eingefunden hatten. Gerade Cassius fehlte aufgrund seiner gesundheitlichen Mängel in letzter Zeit recht häuig und kam im Prinzip nur noch hier her, damit kein stellvertretender praefectus durch den Ordo Decurionum für ihn bestellt werden musste. Außerdem könnte er sonst wohl seinem Vater, einem wahren Übervater in Hemina Minors Augen, nur noch schwerlich entgegen treten. Durchhalten und weiter machen war also die einzig mögliche Option.
    "Das hat gerade einer von der Classis direkt bei mir abgegeben. Ist sicher nur die...", begann Ostianus unbedarft im Plauderton zu sprechen. Weiter kam er nicht. Dives, der gerade dabei war eine dämliche Einladung zu einem politisch nur für Ostia relevanten Fest an den fetten Vescularier nach Roma zu schreiben, dem das praktisch an seinem sicherlich absolut überdimensionierten Hinterteil (also, nicht dass der Iulier sich jenes jemals genauer angesehen hätte...) vorbei gehen könnte, explodierte:


    "Die Curia hat verdammt nochmal eine eigene Poststelle, wo sowas abgeben werden kann!!! ... Verdammte Classis...", machte der Iulier seinem Unmut, der natürlich eigentlich einzig dem Schreiben an den Fettwanst in Roma galt, Luft. Aber er erinnerte sich noch genau daran, dass bereits einmal ein Brief - und auch jener kam ausgerechnet von einem Offizier der Classis Misenensis - so entgegen aller sonst üblichen Form und Etikette auf seinem Schreibtisch geladet war. Er bezweifelte dennoch, dass das so die militärische Norm war. SERAPIO beispielsweise... Nein, der wusste, wie man sich benahm... ging ins Theater... veranstaltete riesige, pompöse Feste... und trichterte diese kultivierte Art ganz bestimmt auch seinen Untergebenen ein. Naja, zumindest solange die Empfänger der Post keine Mörder oder Hochverräter oder ähnliches wären. So stellte er sich das zumindest vor. Die Gedanken an den Decimer beruhigten Dives wieder ein wenig, wenngleich es trotzdem einfach nicht die feine griechische Art war. Es musste auch alles irgendwo seine Ordnung haben, wie er fand. Als sich dann plötzlich auch Massa in seine Gedankenwelt schlicht, der ja irgendwie der Schnittpunkt zwischen Serapio und der Classis war, schüttelte der Iulier kurz seinen Kopf.
    "Also gib schon her!", meinte er ungeduldig und riss seinem Vorzimmerbeamten das Schreiben aus den Händen. Ostianus war noch immer etwas baff diese Situation gerade tatsächlich zu durchleben und stand da, wie ein Ochse, wenns donnerte. Cassius hingegen, dem seine Krankheit mittlerweile eh auch schon ein bisschen auf die Ohren schlug, beugte sich interessiert zu seinem Collega. Gegen eine Einladung hätte auch er eigentlich nicht einzuwenden - auch wenn er natürlich krank war. Kaum einmal kurz überflogen war es nun allerdings Hemina, der dem Iulier die Einladung aus den Händen riss. Ungläubig drehte und wendete er sie, aber...


    "Wo steht MEIN Name? Der hat... Die haben... Da fehlt MEIN Name! Komm gefälligst zurück! Da fehlt MEIN Name! Hey...", rannte der Cassier plötzlich unvermittelt los in der Hoffnung den Boten vielleicht noch einzuholen. Er war doch schließlich auch Duumvir. Duumviri waren doch immer zwei Männer. Das sagte das Wort allein doch schon. Das wäre doch sonst vollkommen unlogisch. Das konnte doch gar nicht sein. Wieso stand da nur Dives drauf? Die hatten ihn vergessen..!
    "... Da feht MEIN Name! ... Da feht MEIN Name! ...", konnte man es immer leiser werdend leicht weinerlich hören. Natürlich erreichte der gesundheitlich angeschlagene Duumvir Cassius mit seiner Botschaft den sicherlich gut durchtrainierten Soldat, der die Einladung in der Curia abgegeben hatte, nicht mehr. Niedergeschlagen und schwitzend, als wäre er soeben einen Marathon gelaufen, (oder weinte der da etwa?) kehrte Hemina wenig später ins Officium zurück. Jetzt wüsste wohl auch der letzte in der Curia, dass es Cassius Hemina Minor derzeit nicht sonderlich gut ging. Zweifellos würde dies noch unausweichliche Konsequenzen haben... aber vorher stand die kommenden Lagebesprechung mti der Classis an - ohne cassische Beteiligung.

    Der Duumvir Iulius lächelte ein wenig in sich hinein. Ja, vor ihm stand ein wahrhafter Militär! Hatte Dives eben von 'nach dem Krieg verhungern alle' gesprochen? - Doch wohl nicht. Sein Schlagwort war die Zwischenzeit, also die Zeit zwischen jetzt, heute, just diesem Augenblick und dem Ende des Krieges, dem Ende der offenen Kämpfe, dem neuerlichen Beginn inneren Friedens. Aber der Iulier enthielt sich eines unnötigen Kommentars zu dieser Sache. Wie gesagt: Vor ihm stand ein wahrhafter Militär!


    "Sehr gern.", antwortete Dives anschließend mit einem kleinen, tatsächlich etwas erfreuten Lächeln. Die Aussicht darauf, dass man sich nicht wieder in einem zugigen, undichten und maximal als semikomfortabel zu bezeichnenden Zelt treffen würde, begrüßte er nämlich durchaus.
    "Dann darf ich mich für heute verabschieden. Vale, Praefecte!", sagte er, nickte einmal kurz und sah dann zu, dass er wieder zu seinen vier Liktoren kam, mit denen er sich sodann seinen Weg durch die Classis-Soldaten zurück in die Freiheit der civilen Welt bahnte! Er musste nämlich selbst auch noch so einiges planen für die Zeit nach dem Krieg. Er war schließlich sui iuris, unterstand folglich also keinerlei patria potestas - weder der eines Pater Familias, noch der eines 'Pater Gentis'. Dives traf eigene Entscheidungen, wenngleich er sich dabei auch gerne auf sein Gerüst aus Verwandten, Freunden und Bekannten zu stützen versuchte. Gerade von den nach außen so Salinator-treuen Iuliern hatte sich der Duumvir ja nach außen hin bei Gelegenheit deutlich zu distanzieren versucht...

    Dives war von der Antwort des Praefectus völlig hin- und hergerissen. Einerseits liebte er es eingeladen zu werden! Andererseits hingegen würde er wohl wieder hierher, mitten in das Nest unzähliger Soldaten geladen werden, was die ganze Chose dann doch etwas unangenehmer gestaltete. Überhaupt: Die Planungen waren gemacht, wie der Praefect selbst sagte. Was also hinderte ihn daran nicht schon einmal die wichtigsten Punkt zu benennen?! Wenn - und das wurde nach dem Abzug der Urbaner und Vigiles immer wahrscheinlicher - Ostia, der Versorgungshafen Romas (!), ohne Truppen zurückgelassen werden sollte, dann musste gerade die Stadtführung (und da der Duumvir Cassius noch immer kränkelte WAR es Dives' Stadt!) besser heute als morgen Bescheid wissen!
    Es müsste eine Bürgerwehr aufgestellt werden, was hier, im Herzen des Imperiums, alles andere als leicht wäre! An den Grenzen zu den Parthern, Dakern, Germanen und Hiberern wurde wenigstens hin und wieder mal gekämpft, wodurch dort stets irgendwelche rekrutierbaren Leute vorhanden sein dürften. Zur Not könnte man welche über die Grenze holen. Aber hier in Ostia?! Hier lebten Händler, Handwerker, Schiffbauer, Zimmerleute, Seefahrer und vielleicht auch der eine oder andere Abenteurer. Aber rekrutierbares Humanmaterial? Die letzten wirklich brauchbaren Männer sog die Classis wahrscheinlich just in diesem Moment aus Ostia in sich auf... und weg waren sie! Sonst waren hier doch kaum Anreize für Niederlassungen militärisch tradierter Familien...


    "Ich verstehe.", meinte Dives letztlich schlicht. Ob er noch Fragen hätte?! Diese Erkundigung war doch die reinste Ironie! Natürlich hatte er welche - viele sogar. Aber man sah ja, wie darauf seitens des Praefecten reagiert wurde... Da konnte sich der Duumvir seine Worte auch genauso gut klemmen, wie es aussah. Und er hatte jetzt ganz sicher keine Lust sich mit einem Reichspraefectus anzulegen, dessen gesamte Soldatenschaft ihn in just diesem Augenblick umgab, da er sich in diesem Lager befand. Nein, man musste schon sauber trennen zwischen Situationen, in denen sich ein wenig kämpfen auszahlen könnte, und Situationen, in denen man am besten einfach den Erwartungen entsprach. Und ebenjene Erwartungen waren dann auch sein gedankliches Stichwort:
    "Dann erwarte ich möglichst bald deine Einladung..." Von Befehlen sprach der Iulier nicht so gern, wenn er der Empfänger dieser sein sollte. "..., denn wer könnte es verantworten, wenn der Krieg zwar gewonnen wird, aber Roma in der Zwischenzeit verhungert ist..?", fügte er mit einem feinen Lächeln hinzu. Dabei musste er unweigerlich an den fetten Vescularier denken. Er wusste auch nicht, warum.


    "Wenn ich sonst noch irgendetwas für dich tun kann?", erkundigte er sich abschließend im Gegenzug. Er war dem Praefectus einmal auf die Füße getreten, um daran zu erinnern, dass dessen Soldaten sich nicht im Nirgendwo, sondern in der Civitas Ostia befanden. Mehr würde er heute scheinbar nicht erreichen können. Es blieb also einzig auf die angekündigte Besprechung zu hoffen und zu warten...

    Ostianus nahm die Tafeln nickend entgegen. Wenn er es schaffen würde weiterhin wach zu bleiben oder zumindest wieder aufzuwachen, wenn der Lavenier wieder aus dem Officium treten würde, dann kam er dieser Bitte natürlich sehr gern nach. Ohne weitere Worte zu verlieren winkte der Vorzimmerbeamte die beiden Gäste sodann zum Duumvir durch.


    "Salvete!", begrüßte jener die beiden erwarteten Männer anschließend auch direkt und bat sie mit einer zeigenden Geste sich zu setzen. Sein Collega Cassius, der noch immer herumkränkelte, glänzte unterdessen einmal mehr mit seiner Abwesenheit. Aber der stand ja eh nicht ganz so sehr auf Kriegsfuß mit dem Herennier wie Dives.
    "Darf ich euch etwas verdünnten Wein anbieten - einen guten Misener eines meiner Onkel -, bevor du mir noch einmal mit deinen Worten beschreibst, was nun genau das Problem war zwischen dem Aedil Herennius und dir, Lavenius?", erkundigte sich der Iulier freundlich und goss - ganz der Herr seines Officiums - sich erst einmal selbst einen Becher stark verdünnten ein, bevor er den Wünschen seiner Gäste entsprechen würde. Danach lehnte er sich ein Stück weit zurück und verfolgte aufmerksam, was der Händler zu berichten hätte. Gab er alles wortwörtlich genau so wieder, wie Dives es bereits gelesen hatte? Fügte er Details hinzu? Gab es eventuell Unstimmigkeiten zwischen beiden Versionen? Der Duumvir wollte den Herennier kalt stellen - da durfte es keinerlei Zweifel geben!

    Ostianus, der Vorzimmerbeamte des Duumvir Iulius, saß hoffnungslos übermüdet an seinem Platz und versuchte sich mittels verschiedenster Strategien wach zu halten. So ging er auffällig häufig auf die Latrine, übernahm ungewöhnlich viele Botengänge selbst und sorgte dafür, dass er ständig etwas zu kauen hatte. Er schob sich gerade den Rest eines Plätzchens in den Mund, als er einen Schatten in Richtung Officium Duumvirorum huschen sah.
    "Salve!", grüßte er zunächst frei heraus, blickte auf und erkannte nach zweimaligem Blinzeln den Helvetius. Er bemühte sich wach zu wirken.
    "Du hast..? Richtig, du hast einen Termin. Hast du den... ähm... Händler Lavienus auch mitgebracht?", erkundigte er sich dann, denn das hatte der Duumvir dem Vorzimmerbeamten extra noch angekündigt. Ostianus rieb sich fix die Augen, unterdrückte ein Gähnen und sah sich anschließend kurz um. Wenn er doch nur nicht so müde wäre...

    Von seiner Scheinunheimlichkeit merkte der Iulier nichts. Wohl aber nahm er wahr, dass diese gesamte Unterhaltung absolut krampfig verlief seit... ja, praktisch seit sie ihn mit ihrer 'Huren-Geschichte' so völlig aus dem Konzept gebracht hatte! Und irgendwie war das wohl auch der Zeitpunkt gewesen, an dem sie damit begonnen hatte das Gespräch zu dominieren. Sie wollte vor einer Zusage zur Einladung erst nach ihrem Namen gefragt werden - Dives fragte und sie tat geheimnisvoll und verschwieg ihn. Dazu ihr letztes, verwirrendes Statement von dem Wissen und Nichtwissen von Wegen beziehungsweise dem Unterschied zwischen ihrem Wissen und dem ihrer Sklaven... oder so. Da brauchte sich nun niemand zu wundern, dass der Duumvir die letzten ausstehenden Entscheidungen einfach ihr überlassen hatte! Und er wunderte sich im Nachhinein trotzdem darüber.


    "Gut, dann erwarte ich dich.. dann.", antwortete er mit leicht verspanntem Lächeln und so langsam ging ihm auf, dass er die Schwangere besser ignoriert hätte. Aber: Man lernte nie aus. Dives war für künftige, ähnliche Situationen vorgewarnt. Er würde von nun an nicht nur Männer mit dicken Bäuchen meiden - wie diesen fetten Salinator oder auch Bacchus (der ja eh nichts für den Iulier übrig hatte und umgekehrt er auch nicht für den) -, sondern auch Frauen, die eine Kugel vor sich her schoben.
    "Ich wünsche dir.. euch.. noch einen schönen Tag. Valete!", verabschiedete sich der Iulier, drehte sich um und atmete erst einmal erleichtert durch. Dann begab er sich zurück in sein geschütztes Rechteck, welches noch immer von seinen vier Liktoren aufgespannt wurde, und der Trupp setzte sich sodann in Bewegung. Wortlos und ohne einen letzten Blick zurück ging es in Richtung Villa Iuliana, wo hoffentlich erst einmal eine schöne, entspannende Massage auf Dives warten würde. Die könnte er jetzt nämlich wirklich äußerst gut gebrauchen!

    Tiberius Iulius Crassus
    _________________________________________________________


    aktuelle Tätigkeit: Civis
    ANTE DIEM III ID IUL DCCCLXII A.U.C. (13.7.2012/109 n.Chr.)


    weitere: Notarius - Kanzlei
    ID OCT DCCCLXII A.U.C. (15.10.2012/109 n.Chr.)
    _________________________________________________________


    Im Dienst der Societas Claudiana et Iuliana seit:
    ANTE DIEM X KAL NOV DCCCLXII A.U.C. (23.10.2012/109 n.Chr.)
    Position: Sodalis


    Aufgabe(n): keine


    Besondere Leistungen: keine
    -
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    absolvierte Cursus: Eruditus in rebus vulgaribus
    ANTE DIEM XVI KAL DEC DCCCLXII A.U.C. (16.11.2012/109 n.Chr.)
    bestanden: ja
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    Sonstige Qualifikationen:
    -


    Sonstige Auszeichnungen:
    -
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    Tatsächlich fiel die Nachricht des Helvetius dem Duumvir recht schnell in die Hände. Die Wucherpreise für bestimmte Lebensmittel machten die Ausrichtung einer Feierlichkeit wirklich zu einer ungemein teuren Veranstaltung. Aber was sollte es? Dives fand, dass man den Anlass feiern musste - auch weil es keinen günstigeren Termin für eine Kandidaturerklärung gab. Letztlich würde er die paar Kröten weniger also verkraften müssen. Als naher Cousin eines Senators und Verwandter einiger weiterer Senatoren war das schließlich bei weitem nicht die Welt...
    Dann nahm er das Schreiben Ocellas zur Hand:


    Ad manus Marco Iulio Divi
    Villa Iuliana, Ostia


    Salve Duumvir,


    anbei sende ich dir Auschnitte aus einem Brief, der mir heute in die Hände gefallen ist. Es handelt sich um einen Brief des Großhändlers Titus Lavenius, der meines Wissens nach über ein Vermögen verfügt, das groß genug ist, um sich ein stattliches Haus in Ostia zu leisten und unregelmäßig mittelgroße Feste zu veranstalten. Er wird für jede Hilfe, die ihm gegeben wird, dankbar sein und auch die Civitas kann von seinem Handel nur profitieren.


      Salve Aedilis Herennius,


      seit deinem Amtsantritt nun ist es mir nicht mehr möglich, meine Waren in Ostia zu verkaufen. [...] Ich habe meinen Lebensmittelpunkt in Ostia und würde auch gerne dort meine Geschäfte weiterführen. [...] Weil du eines Tages zu meinem Verkaufsstand kamst und ich dir nicht sofort mehrere der teuren Perlenketten aus Syria zu einem Spottpreis überantworten wollte, blockierst du meinen Handel. [...] In der Hoffnung, dass ich meine Geschäfte in Ostia bald wieder aufnehmen kann.


      T. Lavenius


    Nach dem Aktenstudium besteht kein nachvollziehbarer Grund, dem Großhändler seine Geschäfte in Ostia zu versagen. Falls du weiteres Interesse an der Akte hast, findest du sie unter der Kennung AM/T.L. III im Archiv.


    Vale,
    H.O.


    Dabei entlockte ihm die erste Zeile bereits die erste Freude: 'Dives - Div-it-is - der (hier: an Worten) Reiche' stand schließlich in keinem Vergleich zu 'Divus - Divi - der Göttliche'. Na, da wollte ihm doch wohl nicht etwa jemand ein verstecktes Kompliment machen, oder? Er las mit leuchtenden Augen gespannt weiter. Leichte Ernüchterung machte sich breit, als der Iulier bei den 'Auschnitten' angelangt war. Offenbar handelte es sich nicht um ein Kompliment, sondern es ging um eine relativ brisante, in Eile für ihn aufgezeichnete Information. Nicht, dass das nicht auch toll und großartig wäre... Aber ein Kompliment wäre ihm dennoch lieb gewesen.


    Nüchtern las der Duumvir die Nachricht bis zu ihrem Ende, überlegte eine Weile und verfasste anschließend eine Antwort, die noch am gleichen Abend den Weg in die Casa Helvetia fand...

    | Cito


    Auf flinken Sohlen kam der Bote angelaufen und gab eine Tabula mit dem Hinweis "Dringend. Vom Duumvir Iulius persönlich." ab, wobei er auf das iulische Siegel verwies...



    Ad MANUS
    Scriba Ostiensis
    Titus Helvetius Ocella
    Casa Helvetia
    Ostia, Italia



    Salve Helveti,


    Ich danke dir sehr für deine eilige Botschaft, die mich soeben erreichte. Es scheint mir wirklich eine absolute Ungeheuerlichkeit, wie der Herennius hier sein Amt ausübt! Eine solch bodenlose Frechheit, die nicht nur ein schlechtes Licht auf meinem Collega Cassius und mich, sondern auch auf die gesamte restliche Stadtverwaltung wirft und darüber hinaus der gesamten Civitas, die ja zu großen Teilen aus dem Handel lebt und stark wird, schadet, kann und werde ich nicht so hinnehmen!


    Als erstes möchte ich dich daher bitten, mir den Laviener in mein Officium zu schicken. Du sagtest, dass du gute Beziehungen zu den Händlern hast, sodass ich fest davon ausgehe, dass du ihn davon überzeugen kannst, dass dies auch in seinem Interesse ist. Da ich dich ebenfalls bei diesem Gespräch mit dem Mann dabei haben will, würde es sich anbieten, dass du ihn einfach zu deinem nächsten Termin bei mir mitbringst. Ich werde Ostianus entsprechend informieren, dass du nicht allein zu diesem erwartet wirst.


    Weiterhin möchte ich dich zu diesem Treffen darum bitten, dass du dir noch ein paar zusätzliche Gedanken um die Zukunft Ostias, insbesondere die der kommenden Amtsperiode, machst. Aller Voraussicht nach wird auch mein Collega Cassius erneut zum Duumvirat antreten, während mein Klient Asinius den Schritt wagt sich auf die Quaestur zu bewerben. Mir fehlt nun also nur noch ein geeigneter, unterstützungswürdiger Candidatus für die zweite Aedilität.
    Da sich die Aediles traditionsgemäß ein Officium teilen, schlage ich vor, dass du dir einfach mal ein paar Leute durch den Kopf gehen lässt und ich bin mir sicher, dass dir jemand einfällt, der ein Amt angemessener auszufüllen in der Lage ist, als unser allseits geliebter Herennius. Letzteren, darauf möchte ich bei dieser Gelegenheit noch einmal hinweisen, erwarte ich nach der Jubiläumsfeier in der Villa Iuliana im politischen Aus. Ich denke, du weißt, was das für dich und deine Kandidaturrede bedeutet?


    Mögen die Götter dich und die Deinen schützen!
    Vale bene!


    http://imperiumromanum.net/ima…gel_gens_Iulia_Tabula.png


    SCITUM PER SIGNUM DUUMVIRI:

    MARCUS IULIUS DIVES
    DUUMVIR - OSTIA


    ... und so schnell wie er gekommen war, verschwand Cito auch sogleich wieder. Als Cursor eines Duumvir hatte er nämlich nur noch selten das Glück mit nur einer Nachricht in die Spur geschickt zu werden.




    CURSOR - MARCUS IULIUS DIVES

    Der Duumvir folgte der Torwache wortlos zum Zelt des Praefecten. Während er seine Anmeldung abwartete, fiel ihm diesbezüglich schon mal ein Stein vom Herzen. Natürlich hätte er auch mit Massa gesprochen, doch mit dem allein und ungestört in dessen Zelt... Das hätte eindeutig dazu geführt, dass leicht unangenehme Erinnerungen an ein gemeinsames Bad bei ihm wieder hoch gekommen wären. Nein, das musste nicht sein.
    Während seine Liktoren draußen warteten, wie es der Anstand wohl gebot, trat der Iulier dann ein zum Praefectus Classis und wurde prompt ein Opfer der offenbar guten Laune des Eques. Ein kleines Lächeln, denn der Humor gefiel ihm irgendwie, konnte der 'Herr der Griffel und Tabulae' nicht unterdrücken.


    "Salve, Praefecte!", grüßte Dives etwas förmlicher und vor allem ohne Witz zurück. Für Späße war er nämlich eindeutig zu angespannt unter all den bewaffneten Leuten hier im Lager. Selbst seine Liktoren waren ja jetzt nicht mehr an seiner Seite, sondern warteten draußen.
    "Ich möchte mich im Namen der Stadtverwaltung von Ostia bei dir erkundigen, wie es hier mit uns allen weiter geht. Das heißt konkret: Es wäre schön zu erfahren, mit wievielen weiteren Schiffen und Soldaten die Civitas noch etwa rechnen muss und ob es schon neue Befehle vom Imperator selbst gibt. Wird die Classis bleiben und uns während des Bürgerkrieges beschützen? Oder gibt es bereits einen Marschbefehl, sodass sich die Curia schleunigst um eigene Truppenaushebungen bemühen sollte, da die Stadtkohorte ja bereits abgezogen wurde?", stellte der Duumvir gleich mehrere Fragen in den Raum. Bezüglich der Stadtkohorte, die sonst immer hier in Ostia war, hatte er selbst keine Information über deren Abzug erhalten, doch dass Männer der Classis an den Toren standen, machte sie Sache wohl ziemlich eindeutig. Auf das mittel- bis vielleicht gar schon kurzfristige Versorungsproblem mit Nahrungsmitteln, welches nicht besser wurde dadurch, dass man eine Stadtkohorte aus Ostia abzog und dafür eine riesige Classis hier stationierte, brauchte er wohl nicht gesondert hinzuweisen...

    Wieder und wieder hatte Dives diese Aktion aufgeschoben. Er würde schon etwas hören vom Praefectus, dessen Adjutant Decimus oder dem Hafenverwalter Sulpicius. Das hatte er sich immer und immer wieder gesagt. Doch kamen einfach keine Informationen in der Curia Ostiensis an. Letztlich hatte er Sulpicius Cornuntus zu einem persönlichen Gespräch in sein Officium geladen, doch offensichtlich wusste der nicht viel mehr als Dives selbst. Für die Classis läuft alles bestens, war praktisch alles, was er unterm Strich berichtet hatte. So musste der Iulier nun also notgedrungen in das Marschlager der Classis Misenensis... das vor Soldaten nur so wimmelte.


    "Salvete Milites! Ich bin Iulius Dives, Duumvir von Ostia, und ich bitte darum zum Praefectus oder dessen Adjutant Decimus gebracht zu werden.", meldete sich Dives am Eingang zum Lager an und hoffte, dass man seinem Wunsch entsprechen würde. Dabei war er froh, dass er als Duumvir seine vier Liktoren dabei hatte. Das gab ihm zwischen den vielen Soldaten der Classis wenigstens einen Hauch von Sicherheit, wenngleich das Truppenverhältnis natürlich absolut erdrückend blieb. In Gedanken repetierte er seine Fragen, die größtenteils natürlich unter dem Motto standen: 'Wie geht es hier weiter? / Wann seid ihr wieder weg?'