Beiträge von Spurius Iunius Silanus

    Zitat

    Original von Iunia Axilla
    Spurius Iunius Silanus muss ins Exil. (Anfang Januar war das)


    Das dann bitte wieder rückgängig machen, da VOR dem Exil noch einige Dinge geschehen sind, die jetzt auch noch (wieder) geschehen müssen.


    In Zukunft bitte das exilieren meiner IDs auch mir überlassen.

    Silanus selbst, der sich immernoch als Teil des Mobiliars gab, machte hier und da ein paar Notizen wenn gewisse Fragen später noch wichtig werden könnten. Im allgemeinen hatte er allerdings den Eindruck, als würden die beiden Männer hier vollkommen aneinander vorbeireden.
    Er war kein Profi in Sachen Politik, von daher verstand er auch nicht das Problem,.. was ihn wiederrum in eine äußerst bequeme Position brachte. Er hatte hier eine genaue Funktion zu erfüllen, und das tat er. Mitdenken war gerade nicht sein Ding, auch weil er sich in Sachen germanischer Befindlichkeiten mal so rein gar nicht auskannte. Das sollte ruhig sein Lohnherr alleine ausklamüsern.


    Dann schien das Gespräch sich jedoch dem Ende zu nähern, und Silanus war froh, denn sein Kopf rauschte bereits von den Informationen, die es hier zu verarbeiten gab... und von all den Lücken, die sein Germanisch immernoch hatte. Zeit, wieder nach Hause zu kommen..

    Ob nun Gespräche mit Römern oder Germanen war Silanus relativ egal, er verwandelte sich augenblicklich in ein Stück stummes Mobiliar. Wobei das Langhaus des Germanenfürsten Rodevinus es ihm deutlich schwerer machte, denn das sah nunmal komplett anders aus als die schön an römische Vorbilder angelehnten Häuser auf der richtigen Seite des Rhenus.


    Zudem musste er die ganze Zeit konzentriert lauschen, schließlich sprach der Germanenfürst noch einmal ein ganz anderes Kaliber an germanischem Dialekt als die Barbaren in und um Mogontiacum. Als es dann auch noch um den Krieg ging, so vorhersehbar das auch war, wurde ihm sehr unwohl in der Magengrube.

    Noch ein Dorf, noch größer, noch befestigter... und trotzdem nur ein schwacher Abglanz der Civitas Mogontiacum. Was für ein Loch... Silanus wünschte sich augenblicklich zurück hinter die Grenze. Aber was tat man nicht alles, um aus einem Sumpf zu kommen? Richtig... man klammerte sich an jeden Ast. Also blieb Silanus tapfer auf dem Rücken seines stinkenden Pferdes hocken, und wandte sich nicht panikerfüllt ab um lauthals nach seiner Mutter schreiend das Weite zu suchen. Auch wenn ihm sicher eher nach letzterem der Kopf stand..

    Konzentriertes Zuhören. Mehr war bei Silanus im Moment nicht drin... Germania war auf einmal nur noch halb so bedrohlich bei dem ganzen Grünzeug was um sie herum wucherte, weil er die Zeit nicht mehr hatte irgendwelche wandernden Schemen und Schatten in dem tiefen Buschwerk, hinter jedem Baumstam, Weiher oder Felsen wahrzunehmen.


    Es gab wohl Krieg, nicht nur auf der 'richtigen' Seite des Limes, das hatte er schon auf die schnelle mitgenommen... und der Barbar nahm das ganze als so selbstverständlich hin, dass es Silanus dabei schauerte. Er kam nicht umhin sich zugeben zu müssen, dass er Angst hatte. Große Angst.

    Silanus, der kaum verhehlen konnte außerordentlich unwillig den Rhenus überquert zu haben, befand sich im Gebiet der Mattiaker quasi in einer Form Dauerpanik. Treue Verbündete der Römer hin oder her, es waren wilde Barbaren die einem die Kehle aufschlitzten wenn es ihnen lohnend genug erschien. Freilich hielt er solcherlei Gedanken vor seinem Lohnherrn geheim, schließlich geriet er zusehends in eine gewisse Abhängigkeit bei den romanisierten und teilweise enorm einflussreichen Germanen in Mogontiacum. Trotzdem: alte Skrupel wirft man nicht so leicht ab, und Silanus hatte eine Menge wenn es um die Völker rechts des Rhenus ging.


    Den Worten des Domitiers folgte er angestrengt, schließlich ging es hier darum, dass er vermeintlich perfektes Germanisch sprach (obwohl der Domitier jedwede Vorsicht in dieser Sache ignorierte und Silanus für jemanden nahm der die hundert Dialekte rechts des Rhenus quasi fließend sprach).. und er konnte sich kaum erlauben zu Patzen. Wahrscheinlich würde man sie ausweiden und den Schweinen, wenn die Wilden solche Tiere überhaupt hatten, vorwerfen, sollten sie sich auch nur die leiseste Schwäche erlauben.

    Wie war das? Silanus lief augenblicklich knallrot an, als der Duumvir ihn im Zusammenhang mit einer Sache der Freya Mercurioque nannte. Er sollte Betriebe übernehmen? Also nicht nur die Rechnungen und die Buchhaltung führen, sondern... quasi besitzen? Das war fast zuviel. Die Freya Mercurioque war die mächtigste Handelsvereinigung nördlich der Alpen, und Silanus gehört auch unter den Fittichen des Domitius immernoch zu den unbedeutendsten Rädchen im Uhrwerk der mogontinischen Gesellschaft. Aber vielleicht lag auch da der Hund begraben, und er konnte sich da auch kaum Illusionen machen: er wurde hier als Marionette benutzt.


    Allerdings hielt seine Empörung über die Sache nicht lange an, schließlich entsann er sich der Zeit in der er selbst Hunger gelitten hatten und nicht wusste wie er die Miete für die nächste Woche zusammenkratzen sollte. Nein, wählerisch konnte er wirklich nicht sein, und wenn die Granden Mogontiacums sich entschlossen hatten ihn als Strohmann zu installieren, würde er halt ein satter Strohmann sein. Und darauf kam es ja schließlich an.

    "Tun sie das?" , fragte Silanus offensichtlich vollkommen entgeistert. Er wäre niemals auf die Idee gekommen, dass sich überhaupt jemand außerhalb von Gruppen herumtrieb.. außer er war auf der Jagd oder schlichtweg lebensmüde, was oftmals auf das gleiche hinauslief. Allerdings konnte er schlecht mit seinem Lohnherrn herumdiskutieren... vor allem wenn er wollte, dass aus seinem Lohnherrn sein Patron wurde.. und daher gab er einfach nur klein bei und sich selbst gefügsam: "Wie du wünschst, Domitius, ich werde morgen bereit sein."

    "Panphilos... du... und ich, Domitius?" , brachte Silanus hervor, als müsste er jedes Wort auf die Waagschale legen um zu erfassen, was das bedeutete: "Nehmen wir keinen Geleitschutz mit, Domitius?"
    Schlimm genug, dass sie überhaupt ins freie Germanien wollten... jetzt war sein Lohnherr auch noch so verrückt ohne die halbe Armee zu gehen, die es brauchte um sich dort sicher zu bewegen.

    "Eh..." , stockte Silanus verwirrt, denn mit dieser Art Gegenfrage hatte er sicherlich nicht gerechnet, "..ich... also... ich hatte eigentlich gehofft, dass du... dass du... naja... dass du... mich als Klienten akzeptieren würdest... also... ja sagen... halt."
    Das lief allerdings gar nicht so wie er erhofft hatte. Dass das ganze an eine Bedingung geknüpft wurde sprach nur dafür, dass der Domitier auf Nummer sicher gehen würde.. was Silanus wahrscheinlich auch tun würde, wenn er an dessen Stelle gewesen wäre. Aber für sich selbst hätte er wohl das Glück erhofft, dass der Domitier einfach zusagte... was er aber nicht tat.
    Eine Reise nach Germania stand an, jenseits des Limes. Silanus lief es eiskalt den Rücken runter, das war eine richtig dicke Nummer. Also zu dick für Silanus, eigentlich würde er im Leben nicht daran denken die Grenze zu überschreiten. Genau genommen hatte er bisher die Brücke selbst kaum überschritten.


    Jetzt wollte der Domitier ihn nicht nur mit über den Rhenus nehmen, neeeein... Silanus würde das römische Reich verlassen und zu den Mattiakern gehen. Weil er germanisch konnte. Zumindest ein wenig.
    Silanus ging es siedendheiß auf, dass er sehr schnell sehr viel an seinen Kenntnissen des mattiakischen Dialekts würde arbeiten müssen, wollte er den Domitier zufrieden stellen und damit seine Chance auf ein Patronat verbessern. Sowieso: ihm blieb nichts anderes übrig.


    "Natürlich komme ich mit dir, Domitius."

    "Soviel verstehe ich nicht von den Umständen des Rechts." , gab Silanus zu, "Ich notiere und schreibe es nieder, aber selbst anwenden musste ich es noch nie."


    Silanus lächelte milde über den Witz seines Lohnherrn und versank daraufhin einen Moment in Stille, weil er sich jeden Mut für den kommenden Schritt sammeln musste, den er aufbringen konnte.
    "Do.. Domitius." , begann er zaghaft, "..ich... ich bin nun schon einige Zeit in deinen Diensten.. und... und... und ich habe mich gefragt, ob... also... ob du mich vielleicht als deinen Klienten annehmen würdest?"
    Dahinter steckte freilich vollumfängliches Sicherheitskalkül: als Scriba des Domitiers hatte er eine gute Berufung, musste nicht mehr Hunger leiden und auch nicht fürchten vom Kunden geprellt zu werden. Aber es war halt nur eine kleine Stelle... es war nun nicht so, als hätte er vor großartig Karriere zu machen... aber ein Patronat wäre doch noch eine Stufe sicherer, und was konnte man sich in diesen Zeiten mehr wünschen als Sicherheit? Da war ihm vollkommen gleichgültig ob der Domitier ein zu Reichtum gelangter ehemaliger Peregrinus war oder nicht. Er hatte die Mittel und den Einfluss.

    Silanus fühlte sich in seiner Rolle als bewegliches Mobiliar ziemlich wohl, weil es beinhaltete, dass er fernab jedes Rampenlichts stand. Alles wie gehabt, alles schön unaufregend... bis sich Massulla über seine Germanischkenntnisse ausließ. Ihm selbst war nie in den Sinn gekommen, dass das etwas besonderes war. Weil er sich eben notgedrungen damit beschäftigen musste. Wenn man um jeden Dupondius mit anderen Scribae konkurrieren musste, fing man von ganz alleine irgendwann an das Kauderwelsch der Barbaren zu lernen um diesen Menschen noch einen Grund mehr zu liefern ihr Geld in IHN zu investieren und nicht in irgendeinen anderen...


    Weiterhin ausdruckslos und wenig dekorativ in der Gegend rumstehend verfolgte er das Gespräch, immerhin konnte es jede Sekunde geschehen, dass er gefordert wurde. Er hatte nicht die geringste Ahnung wer dieser Vala war, allerdings schien er irgendwie mit den Duccii in Verbindung zu stehen... und war offensichtlich kein Freund des neuen Kaisers, ohne Grund brachte man es meist nicht auf Proskriptionslisten. Ob eine Frau der Duccii es ebenfalls auf die Listen gebracht hatte stand allerdings offen... und Silanus fragte sich gleichsam, wie man es überhaupt als Frau auf eine dieser Listen schaffen konnte. Er wusste, dass die Duccii verdammt einflussreich waren, aber SO einflussreich, dass eine ihrer Frauen mächtig genug wurde um mit einer Proskription abgekanzelt zu werden? Nein, dafür reichte seine Fantasie definitiv nicht aus.

    Silanus hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass sich jemand zu ihm setzen würde... als es dann schließlich jemand tat, erschrak er ein wenig, schließlich war ihm der Rotschopf nur allzu bekannt. Der Kerl gehörte zu der Gruppe von Barbarenkindern, die ihm früher das noch nicht allzu lange Leben zur Hölle gemacht haben.


    Er selbst schien ihn nicht wieder zu erkennen... oder wollte er ihn mit dem Lächeln veräppeln? Sicher war Silanus sich da nicht. Also schenkte er dem jungen Mann einen kritischen Blick, packte sich die hellgrauen Steine und legte auch seinen ersten Stein.


    "2 Sesterzen?" , machte Silanus den ersten Vorschlag, und setzte gleich eine Menge die ihn früher nicht allzu selten ganze Wochen aushalten mussten. Jetzt wo er in Lohn und Brot stand konnte er sich auch mal etwas mehr leisten..

    Silanus sog die Worte des Domitiers auf wie ein nasser Schwamm. Er hatte irgendwann eingesehen, dass es ihm eigentlich egal sein konnte ob der Domitier mit Römern oder Germanen verkehrte solange er dadurch genug Geld nach Hause brachte welches auch Silanus ernährte. Er würde sich dabei zwangsläufig auch noch näher mit dem germanischen beschäftigen. Müssen.


    Er hatte nicht die blasseste Ahnung warum die Barbaren ein Schwein als Steigerung eines Wortes benutzten, aber er würde es sich merken.


    "Bei anderen Protokollen, die ich angefertigt habe, hat der eine oder andere Wert darauf gelegt, dass solche Beleidigungen und so mit aufgeführt werden... weil es den Befragten dann als umso schlimmeren... Sau..hund.. darstellt." , fügte er noch hinzu, vielleicht weil es etwas nutzen konnte.. vor allem aber, damit der Domitier sah, dass er sich kümmerte.