Avianus schob sich durch die Tür. Er zögerte einen Moment lang, dann salutierte er.
"Salve, Tribunus Iulius. Mein Name ist Aulus Iunius Avianus, Tiro der Cohortes Urbanae.", begann er ernst. "Ich bin hier dich über Vorfälle während der Rekrutierungsreise zu informieren. Der Optio Marcus Aemilius Classicus wird aus unbekannten Gründen in Arretium festgehalten."
Avianus räusperte sich kurz. Wie würde der Tribun auf diese Nachricht reagieren? Spione nach Arretium schicken? Aber im Grunde kann er im Augenblick nicht viel tun.
"Der Optio und ich wurden in die Stadt geschickt, um mehr über die politische Lage dort herauszufinden, bevor die ganze Centurie hineinmarschiert. Aber einige Wachen sind auf Optio Aemilius aufmerksam geworden. Wir sind uns nicht vollkommen sicher, auf welcher Seite Arretium steht, nur dass die Leute sehr misstrauisch sind."
Redete er zu viel? Avianus zuckte innerlich mit den Schultern.
Beiträge von Aulus Iunius Avianus
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Der Iunier stand vor der Tür des Officiums. Nervös fuhr er sich noch einmal durch die Haare und legte sich die Worte etwas zurecht. Obwohl er wusste, dass man ihm seinen Ritt von Arretium hierher nach Rom trotzdem ansah, kontrollierte er noch einmal sein Aussehen. Egal was war, er hatte sich von Anfang an vorgenommen, stets den bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen.
Schließlich klopfte er an und wartete ab. -
Avianus ließ sein Pferd vor dem Tor der Castra zum Stehen kommen.
"Tiro Iunius Avianus, lasst mich durch", sagte er ernst. "Ich habe eine dringende Nachricht für den Tribun!"
Aus dem Klang seiner Stimme konnte man die Dringlichkeit seines Kommens erahnen.
Die Tore wurden geöffnet.
In der Castra stieg Avianus ab und eilte zur Principia. -
Avianus zuckte hoch, als in der Ferne die römischen Stadtmauern in Sicht kamen. Ein Lächeln huschte über seine Lippen. Er war einfach nur froh, bald anzukommen.
Begleitet von einem kleinen, fröhlichen Schnalzen trieb er das Pferd an. Er schämte sich fast für seine gute Laune. Bis er vor dem Tribun stand, musste er sich das Lächeln wieder abgewöhnen. Er konnte sich schlecht grinsend vor ihn stellen und sagen, dass ein Optio der Urbaner in Arretium festsaß, wenn er seine Sache anständig machen wollte.
Als er das Tor passiert hatte machte er sich sofort auf den Weg zur Castra, um keine Zeit zu verschwenden. Avianus fühlte sich als hinge alles vor allem von ihm ab und kam sich dabei seltsam wichtig vor. Auch wenn er nur den Boten spielte. -
Avianus nahm die Befehle entgegen. "Verstanden, Optio.", gab er ungerührt zurück. In ihm regten sich dennoch Gedanken und Gefühle. Sollte er sich darüber freuen, dass all diese Aufgaben ihm überlassen wurden? Auf der anderen Seite musste er jetzt nach Rom zurückhetzen, während der Rest der Centurie hier Pause machte.
Avianus setzte sich auf das Pferd. Er blickte noch einmal zu den anderen zurück, bevor er es angaloppieren ließ und Richtung Rom ritt. Es schauderte ihm jetzt schon, wenn er daran dachte, den ganzen Tag im Sattel sitzen zu müssen, Pausen nur dann einzulegen, wenn es unbedingt nötig war, und dann noch eine schlechte Nachricht im Gepäck zu haben. Wenigstens das rhytmische Trommeln der Hufe unter ihm hatte eine beruhigende Wirkung. -
Avianus hatte die Stadt verlassen und folgte im Laufschritt der Straße. Erleichterung machte sich in ihm breit, als er sich endgültig sicher sein konnte, dass ihm niemand gefolgt war und er unbemerkt hatte verschwinden können.
Auf der anderen Seite war da das unangenehme Gefühl, den Optio zwischen den Wachen zurückgelassen zu haben. Bestimmt kommt der alleine gut zurecht. Er ist ja nicht umsonst Optio. Vor allem: Was hätte er denn tun sollen?
Die Centurie kam langsam in Sichtweite. Avianus widerstand der Versuchung, sein Tempo zu verlangsamern. Erst vor dem Centurio, blieb er schließlich stehen und salutierte kurz.
»Centurio Quintilius, ich denke es gibt ein Problem ...« Avianus holte kurz Luft. »Einige Wachen sind auf Optio Aemilius aufmerksam geworden. Er hat mir ein Zeichen gegeben, die Stadt wieder zu verlassen. Womöglich steckt er in Schwieirigkeiten.«, beschrieb er in wenigen Sätzen, was vorgefallen war. -
Das kleine Zeichen des Optios war Avianus nicht entgangen. Auch wenn es ihm widerstrebte, von hier zu verschwinden, signalisierte er dem Aemilius mit einem leichten, unauffälligen Nicken, dass er verstand.
Avianus wandte sich ab und ging mit ruhigen Schritten davon. Sobald er sich außer Sichtweite der Soldaten befand, beeilte er sich jedoch. Verdammt.
Wenn die Stimmung hier in Arretium bereits so mies war, wie würde es wohl erst werden, wenn sie sich noch weiter von Rom entfernten?
Er musste dem Centurio dringend Bericht erstatten, denn was sie bereits erfahren hatten, reichte wohl aus, um zu beurteilen, ob sie in der Stadt willkommen waren. Hier mit der gesamten Centurie einfach hineinzumarschieren, dürfte schwierig werden. -
Avianus beobachtete die Szene etwas abseits. Er gab sich Mühe, dabei möglichst unauffällig auszusehen, aber wahrscheinlich achtete ohnehin niemand auf ihn.
Sollte er sich einmischen? Die Wachen schienen ziemlich aufdringlich und neugierig zu sein. Nein, erstmal beobachten. Wenn er auch noch Probleme bekommen würde, wäre das auch nicht besser. Und notfalls konnte er später immer noch versuchen seinem Optio zu helfen, wenn sich eine geeignete Gelegenheit bot. -
Avianus nickte dem Aemilius zu. "Verstanden, Optio Aemilius." In militärischem Ton zu antworten und zu salutieren, bevor er wegging, sparte er sich sicherheitshalber. Sein Optio würde es ihm in dieser Situation bestimmt nicht übel nehmen.
Alles fühlte sich so seltsam an. Seltsam abenteuerlich. War es nun schon tatsächlich soweit, dass die Soldaten, die unter dem Imperator dienten, nicht mehr einfach in die Städte gehen konnten? Avianus sah sich um. Zumindest schienen er und sein Optio nicht aufzufallen.
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Bin bis zum Wochenende wahrscheinlich nicht da und wenn, reicht meine Zeit voraussichtlich nur zum mitlesen.
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Die letzten Tage waren zwar nicht weniger anstrengend gewesen, aber Avianus hatte zumindest das Gefühl, sich inzwischen an die Märsche gewöhnt zu haben. Ihm kam es bereits jetzt so vor als würde eine viel zu lange Reise hinter ihm liegen, dennoch behielt das gute Gefühl, das erste Ziel bald zu erreichen, Überhand.
Als der Centurio seine Männer anhielt und nach Freiwilligen fragte, sah sich Avianus kurz um und hob schließlich die Hand.
"Ich melde mich, Centurio Quintilius.", sagte er selbstsicher und trat einen Schritt vor. Seine Blicke wanderten durch die Reihen anderen Soldaten, es waren schließlich zwei gefragt. -
Auch Avianus würde es bestimmt nicht leicht fallen, als Römer gegen Römer zu kämpfen. Sollte der Spinner hinter ihnen doch denken was er wollte. Jedenfalls schien das Thema Krieg zum Glück vorerst abgehakt zu sein.
Während Tacitus zwischen das Lied sang, sagte niemand ein Wort, einige sangen oder summten leise mit, auch der Iunier.
Danach herrschte wieder für einige Sekunden Stille, bis plötzlich jemand hinter ihm überraschend fröhlich ein neues Lied anstimmte.Auf die ganze Welt, Rom Legionen stellt,
Blitze in der Hand, so führen wir manch Land.
Die Götter sind uns hold und ach des Kaisers Sold.
Oh mein Rom, oh mein Rom, wann sehen wir uns wieder?
Oh mein Rom, oh mein Rom, wann bist du wieder mein?
... -
"Sei du bloß still, sonst komme ich nach hinten!", rief Avianus zurück und verbarg dabei ein Grinsen, das jedoch ohnehin einen Augenblick später wieder erlosch. Als ob er einen anderen Soldaten verprügeln würde. So weit kommt's noch.
"Gewinnen? Ich weiß ja nicht einmal wie stark die andere Seite ist. Aber zumindest haben wir die Prätorianer.", erwiderte Avianus und blickte dabei starr geradeaus. Er sagte bewusst "andere Seite" und nicht "Feinde" oder "Verräter". Und in einem Bürgerkrieg gibt es doch sowieso nur Verlierer. Seit wann war er eigentlich derart pessimistisch? Das musste wohl am Marsch liegen. -
Die gute Laune in der Truppe um ihn und Tacitus schien sich bei dem Stichwort "Krieg" wieder etwas zu legen. Nachdenkliche Gesichter folgten, denn irgendwie wusste es wohl niemand so genau. Es schien ein Thema zu sein, über das jeder nachdachte, aber kaum jemand sprach.
"Ich weiß es nicht.", antwortete Avianus wahrheitsgemäß. Nachdenklich kratzte er sich im Nacken. Würde es einen Krieg geben? Wenn ja, auf welcher Seite stand er eigentlich? Ein scheußliches Thema. Es zog viel zu viele andere Fragen nach sich. Nicht weiter verwunderlich, dass er es bisher vorgezogen hatte, sich nicht weiter Gedanken darüber zu machen.
"Ich sage, der ist doch schon längst im Gange.", bemerkte einer der anderen seufzend. Avianus warf ihm ärgerliche Blicke zu.
"Was meinst du?", fragte er und wandte sich damit wieder an Tacitus. -
Avianus zuckte mit den Schultern. "Frag doch unseren Centurio.", gab er mit einem leichten Grinsen zurück. Insgesamt fragte sich Avianus, was diese ganze Reise im Grunde bedeutete. Das es im Reich zurzeit nicht unbedingt rosig aussah, hatte er auch schon in Misenum mitbekommen, aber begann man jetzt schon damit, die Cohortes Urbanae aufzurüsten?
"Vielleicht bekommen wir dann ja mal ein bisschen frei!", rief eine fröhliche Stimme von weiter hinten. Wenigstens einer schien gute Laune zu haben.
"Damit du dich in irgendeine Taverne setzen kannst oder was?", fragte eine zweite etwas leiser. -
Der Aufruf zur Rekrutierungsreise war recht plötzlich gekommen, weshalb sich Avianus immer noch nicht sicher war, ob er sich darüber freuen sollte oder nicht. Bestimmt würde es interessant werden und für etwas Abwechslung sorgen, aber den langen Weg hatte er ebenfalls ständig vor Augen. Mit dem Versuch sich der Hitze abzulenken, die sich unter seiner Rüstung staute, ließ er seinen Blick über die umliegende Landschaft schweifen. Einen kurzen Augenblick später gab der Iunier wieder auf.
Verdammt.
"Hat irgendjemand von euch ein anständiges Gesprächsthema?", fragte er die anderen Soldaten um sich deutlich hörbar, in der Hoffnung, dass jemand antwortete. -
Verwundert stand Avianus in voller Montur zwischen den anderen, nachdem sie sich fertig ausgerüstet hatten. Er war zwar noch nicht lange bei den Cohortes Urbanae, aber dass es nichts Alltägliches war Marschbereitschafft herzustellen, konnte er sich selbst denken, davon abgesehen war es seinen Kameraden von den Gesichtern abzulesen, dass sie dasselbe dachten. Er fragte sich, ob das lediglich eine Übung war oder etwas ernsteres.
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Das alles erinnerte ihn an die Situation mit dem Procurator: Jemand hatte es eilig und die Wachen am Tor schienen eine unvermeidbare Unannehmlichkeit zu sein. Zumindest würde er sich bemühen höflicher zu sein als Tacitus gegenüber dem Procurator. Noch einmal wollte er so etwas nicht erleben. Auch wenn nichts schlimmeres passiert war, war es doch alles andere als angenehm gewesen.
"Gut, ich werde dich nur noch kurz durchsuchen müssen, Primicerius Decimus Varenus.", sagte der Iunier höflich und begann mit der Durchsuchung. Wie für gewöhnlich immer, fand er nichts, und führte den Decimer deshalb zum Officium des Tribuns. -
"Salve...", gab Avianus zurück und nahm im selben Moment Haltung ein. Anfangs war er stets herumstolziert wie ein junger Hahn, stolz, weil er nun ein Teil der Cohortes Urbanae und seine Vorgesetzten zufrieden mit seiner Leistung waren. Mit der Zeit wurde das stramm stehen aber anstrengend, sodass er sich nun darauf beschränkte, nur noch dann wie eine Säule zu stehen, wenn jemand es sehen konnte.
Aber der Mann vor ihm hatte eigentlich nicht gesagt, weshalb er hier vor dem Tor auftauchte. "Du willst in die Castra... nehme ich an?", fragte er etwas verwirrt. Natürlich. Was sonst? -
Auch Avianus stand natürlich unter den Soldaten, als zum Antreten gerufen wurde. Was der Tribun wohl wieder wollte? Der Iunier würde sich überraschen lassen.