Beiträge von Rediviva Helena

    "Ich habe eine Sklavin, Kaya. Ihr liegt nichts mehr als an ihrer Ehre und sie würde sich nicht von Crassus berühren lassen. Außerdem ist sie sehr aufrichtig und intelligent. Sie hält keine großen Stücke auf Männer."


    Ich war überrascht, dass Aine uns gehört hatte: Hatte sie auch alles andere vernommen?

    Ich war in eine tiefe Leere gefallen, sobald die Dunkelheit mich übermannte. Und seit langen spürte ich die Dunkelheit auch wieder in meinem Herzen. Nein, nur dort herrschte sie. Und irgendwo in dieser Finsternis tauchte das Gesicht meiner geliebten Zwillingsschwester auf. Sie war die einzige gewesen, die zu jedem Teil meines Lebens gehört hatte, meine Licinia. In Germania verscholl sie. Ich lachte, wollte nach ihr greifen, doch sie wandte sich mit einem traurigen Lächeln von mir ab und ging fort. Ich folgte ihr. Und kaum dass ich ein paar Schritte getan hatte, wünschte ich, ich hätte sie nicht getan. Da stand Maximus und er sah mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an. Ich sppürte wie sich meine Augen mit Tränen füllten und ich streckte auch nach ihm meine Hand aus. Er kam mir näher, doch seine Hand konnte die meine nicht ergreifen. Verzweiflung brach in mir aus und ich murmelte ein verzweifeltes "Wo bist du, Liebster?" Und er öffnete den Mund, doch kein Klang kam heraus, was mir in aller Deutlichkeit verriet, dass es nur einen Ort gab, wo er sein konnte. "Was haben sie nur mit dir gemacht!" flüsterte ich voller Trauer. Ich spürte den Schmerz in seinem Blick auf meiner Haut lasten, fühlte seine Sehnsucht nach mir. Ich wusste, er würde auf mich warten. Und ich würde ihm entgegen kommen. Konnte ich ihn wahrlich noch so lange allein lassen? Sicher, da war Metellus, aber... Ich folgte dem Fingerzeig von Maximus und erblickte Metellus. Mein Kopf wirbelte zurück zu Maximus, doch statt Verachtung oder Enttäuschung erblickte ich ein warmes Lächeln. "Ich werde dich niemals vergessen, Maximus." murmelte ich und wandte mich zu Metellus um. Er war greifbar und schloss mich sanft in seine Arme, er konnte mich halten und er wollte es. "Metellus..." Ich spürte wie Kraftlosigkeit sich in mir breit machte und ich zusammensackte.


    "Hah!"


    Mit einem erschreckten Blick erwachte ich zuckend wieder aus meinem Traum. Ich sah mich verwirrt um. Da war das Meer, dort Pentesilea und neben uns trottete meine Marcella her. Ich hatte keine Ahnung, dass ich laut gesprochen hatte und ich konnte mich auch nur an Bruchstücke meines Traumes erinnern. Maximus war dagewesen. Ich fühlte, dass meine Wange eisig kalt war und tastete gedankenverloren nach ihr: Dort lief eine Träne. Schweigend und mit einem vor Trauer verschleierten Blick sah ich über das Wasser.

    "Auf jeden Fall wird sie in den Cultus deorum eintreten. Entweder wird sie unter ihrer Großtante in den Kult der Minerva eingewiesen, oder sie geht in den Dienst der Vesta. Wobei ich jedoch langsam daran zweifle, je länger ich darüber nachdenke. Sie ist ein zu großer Wirbelwind."

    Ich war ganz und gar nicht begeistert, dass Gratianus das mithörte und ich sah ihn ernst an.


    "Bitte verrate von dem was du hier hörst aber noch niemanden etwas, ja? Es ist von größerer Wichtigkeit als du dir vorstellen kannst und es wirft mein ganzes Leben durcheinander. Kann ich mich auf dich verlassen?"


    Ich griff nach der Hand meines neuen alten Bruders und hielt diese. Ich hatte Vertrauen gewonnen und ebenso den Glauben an ihn. Allein schon deshalb, da er genau die gleichen Augen hatte wie ich. Und sollte das ein Zufall gewesen sein, er war auch blond und sah mir vielleicht auch noch in anderer Hinsicht ähnlich.

    Ich schmunzelte. Ich fände es nicht langweilig, wenn ich keinen Frauenhelden an meiner Seie hätte. Aber auch Metellus schien ja so zu sein. Auf jeden Fall war er es in der Vergangenheit. Ih seufzte und hoffte für ihn, dass er das ablegen würde.


    "Ich wüsste nur nicht genau, wie wir den Test gestalten sollen. Es wäre schlecht, wenn er darauf anspringt, denn sie ist nicht der Mensch der ernst macht. Und sonst könnte man eine Lupa fragen. Das ist eben die Frage: Wer in den näheren Kreis kommt."

    "Naja, ich bin auch ein bisschen mehr aus mir herausgegangen als sonst. Es könnte einfach an der allgemeinen Atmosphäre liegen, immerhin sind Saturnalia. Und dann ist dies ja nun wirklich ein reiner Anlass zur Freude."


    Ich hatte das Gefühl, dass auch ihm der Wein wenig zu Kopfe stieg.. Er sprach mit einem Mal mit einer schweren Zunge. Ich lächelte ihn an-

    Ich bekam gar nicht mehr alle ihre Worte weg, denn ich war einfach abgedriftet. Von einer Sekunde auf die nächste hatte der ganze Stress seinen Tribut gezollt und mein ganzer Körper war erschlafft.

    Ich mochte häufig mein Verständnis irgendwo begraben haben, doch hier glaubte ich nun doch zu verstehen, wie er es meinte. 'Aber nein, Helena, das kann nicht sein' klang es irgendwo aus meinem Hinterkopf und ich hörte auf diese Stimme - wie immer.


    "So, Temperament! Da bemerkt man doch den germanischen Einfluss, hm?"


    scherzte ich.

    "Doch, ich bin mir sicher du wirst es mir einmal zeigen können. Und wenn nicht, dann bringst du es mir mit deinen Worten immer näher und ich ermögliche dir die Reise dorthin."


    Doch es wurde immer dunkler um mich herum, ich fühlte ich konnte mich nicht mehr erwehren. Es war ein Gefühl der Hilflosigkeit. Ein verhasstes Gefühl.

    Ich spitzte kurz nachdenklich meine Lippen, ehe sich mein Gesicht wieder völlig glättete und ich ihn scheinhelig ansah.


    "Das weiß ich nicht. Bis heute habe ich es eigentlich vermieden. Wobei, doch, ich glaube das ein oder andere Mal wurde es bereits bemerkt."


    Ich zwinkerte ihm ausgelassen zu.


    "Aber sag, wie ist es bei dir?"

    Ich sah ihn etwas verdattert an, ehe ich grinste.


    "Nun, sagen wir es so. Manches Mal, durchaus. Aber ich bin schlecht darin zu erkennen, wann ein Mann Annäherungsversuche macht und das macht es für beide Seiten ziemlich schwer. Was auch daran liegt, dass ich wegen früher noch im Konflikt mit mir stehe. Aber das würde wohl jeder."


    Ich schmunzelte. Ich war wirklich oft in Fettnäpfchen getreten, da ich häufig so ahnungslos mit Männern sprach, welche andere Gedanken im Sinn hatten.

    Ich legte eine Hand auf den Arm, mit welchem sie über den meinen fuhr. Sanft streichelte ich mit meinem Daumen darüber und antwortete leise, aber doch verständlich:


    "Gewiss wirst du es mir einmal zeigen können."

    Doch ich kam ihrer Aufforderung nicht nach. Zum einen waren da noch immer soviele, zuviele Gedanken die mich beschäftigten. Zum anderen wollte ich einfach dieses Gefühl genießen, was sie mir gab. Dass da jemand war, dass sie da war.


    Doch anmerken ließ ich mir nichts. Ich lag entspannt in ihren Armen und blickte über die Landschaft vor uns.

    "Nein. Ich verfolgte bislang mehr oder minder hoffnungslos einen solchen Gedanken, doch wird es wohl ohne Erfolg bleiben, wie ich schätze. Da will das Glück nicht so recht."


    gab ich schmunzelnd zurück, ohne dass ich ihn meine Enttäuschung über den bisherigen Verlauf mit Metellus spüren ließ. Für traurige Gedanken war es gerade zu amüsant. Zu interessant.

    "Man hat dann ausgelernt, wenn man nicht mehr lernen möchte. Auch wenn das Wissen nicht vollständig ist, wer nicht will der kann auch nicht mehr. Nur zu schade dass es bei manchen schon im zartesten Alter passiert!"


    Doch als er fragte ob ich liiert sei, sah ich ihn etwas überrascht an.


    "Es kommt drauf an, inwiefern du liiert definierst."


    meinte ich zögernd.

    "Hmmm..."


    murmelte ich lächelnd und voller Dankbarkeit, allein schon wegen des guten Willens, welchen sie zeigte. Ich lehnte mich direkt nach hinten und spürte ihren Körper. Ich genoss den Halt den sie mir gab und murmelte leis:


    "Danke für alles."

    "Nunja, wenn vierundzwanzig kein Alter ist kann bei mir ja auch noch keine Weisheit eintreten. So hast du das doch gemeint, oder etwa nicht?"


    Ich grinste ihn kess an: Erfolgreich hatte ich jemandem wieder die Worte im Munde umgedreht. Doch dann verstummte mein Lächeln langsam wieder und ich musterte ihn.


    "Neunundzwanzig. So alt dürfte Maximus jetzt auch sein, wenn ich mich nicht täusche!"


    Doch ich lächelte, sah nicht traurig drein.

    Ich schloss langsam meine Augen, etwas, was ich mir bislang nur seltenst zugemutet hatte, wenn ich auf dem Rücken eines Pferdes saß. Doch nun hatte ich einen Halt. Ich fühlte wie ich langsam nachließ und am liebsten einschlafen würde, mein Körper begann leicht nach hinten zu sinken. Doch dann schrak ich wieder aus meinem Halbschlaf auf und sah beinahe entschuldigend zu Pente.

    "Ich bin vierundzwanzig. Auch wenn ich mich noch nicht so alt fühle, aber das ist glaube ich ein Komplex der mit dem Alter kommt: NIemals einsehen dass man langsam alt wird!"


    lachte ich. Ich hatte ihn für jünger gehalten. Und aus dem Grunde hatte ich ihn auch gefragt. Aber nun sagte ich das besser nicht, er könnte es missverstehen.

    "Mach dir keine Gedanken, du wirst mich nicht verlieren. Ich glaube nicht, dass die Götter mich bald zu sich holen werden und aus einem anderen Grund würdest du mich ohnehin nicht verlieren."


    Ich drückte ihre Hand fest und ließ sie auch nicht mehr los, während die Pferde langsam dahintrotteten. Nein, auch ich wollte sie nicht verlieren, sie war mir sehr ans Herz gewachsen.


    "Ich liebe dich, Pentesilea."


    mochte es wer hören oder verstehen wie er wollte, ich wusste, sie verstand wie ich es meinte,