Beiträge von Rediviva Helena

    "Ja und mittlerweile weiß ich nicht ob ich mir wünschen sollte, ob eine Leiche gefunden wird. Ich weiß nicht ob ich den Anblick ertragen könnte. Aber genausowenig weiß ich nicht, ob Gewissheit besser wäre als dieses Tappen im Dunkeln."


    Presste ich mühselig hervor, die Tränen weiterhin unterdrückend. Ich wollte keine Tränen mehr vergießen, ich tat es seit Ewigkeiten. Es war vorbei.


    "Es hat nichts mit Dummheit zu tun, Quintus. Woher solltest du es wissen? Ich hätte es dir sagen können. Oder mir nicht gleich alles so anmerken lassen brauchen. Nein, gib dir bitte keine Schuld an irgendetwas."


    Ich drückte seine Hände kurz und lächelte dankbar.

    "Natürlich wird Valeria sich deiner annehmen!"


    lächelte ich, wieder eine Spur wärmer. Ich mochte ihn, er war ein aufgeweckter junger Mann und vor Allem zeigte er Feingefühl. Mochte er ein Rüpel sein, so war er doch ein taktvoller Rüpel. Auch wenn ich ihm diese Bezeichnung wahrlich nicht recht abnehmen konnte. Ich musterte ihn eine kleine Weile, prägte mir seine Züge ein, als er seine Frage stellte. Ich schluckte kurz. Ich schuldete ihm eine Antwort, dass war mir klar noch ehe er fragte.


    "Nun... Das Thema Militär und Germanien ... Ich habe meinen Mann dort verloren. Damals bei den Aufständen hat er die Legio IX Hispania dorthin geführt... Er kam nie mehr zurück."


    Ich versuchte ruhig zu sprechen, was allerdings insofern misslang, dass meine Stimme und mein Atem leicht bebten und ich einen Moment die Augen schließen mussste. Erklärend fügte ich in einem ängstlichen und bemüht beherrschten Ton an:


    "Ich... Komme damit immer noch nicht ganz zurecht. Nicht zurecht, dass mir nicht einmal eine Nachricht, ein Zeichen gegeben war. Es ist lange her und ich dachte ich wäre drüber weg, aber es scheint... Naja."


    Ich wischte mir rasch eine Träne aus den Augenwinkeln fort, die sich noch vor seiner Frage begonnen hatte zu bilden, als ich an Maximus dachte. Ich hatte ihn mittlerweile aufgegeben, doch dies hatte eine alte Wunde geöffnet.

    Ich musste schlucken. Er schien etwas zu vermuten, doch offensichtlich vermutete er falsch. Glaubte er ich wäre wegen Valeria so geknickt? Ich musste lächeln.


    "Bitte verrate mir doch was mit Valeria ist. Von wegen was du der Familia schuldig bist... Das verstehe ich nicht so ganz!"


    Ich lächelte aber eher freundlich denn erfreut.


    "Aber wegen dem Militär: Ich kann gut verstehen dass du nicht so erpicht darauf bist und ehrlich gesagt auch froh drum. Ich könnte es nicht ertragen wenn jemand... wegen des Dienstes im Militär... wenn ich jemandem Lebe wohl sagen müsste."


    Gekonnt, oder auch weniger gekonnt, vermied ich die Details warum ich so dagegen war.

    "Auf keinen Fall. Ich würde mich sehr freuen wenn du bliebest und... Es war auch nur ein Angebot, da ich ja nicht weiß wo es dich hinzieht. Viele Männer sind ja nur auf das Militär fixiert."


    Da war es wieder. Das Thema Militär und Germanien. In Gedanken schloss ich es ab, ich wollte und konnte davon nicht sprechen. Als er sich umdrehte lächelte ich ihm leicht abwesend zu. Als er von Valeria sprach zog ich eine Braue hoch.


    "Nein, ehrlich gesagt weiß ich nicht. Was meinst du denn?"

    "Decima Valeria, ja. Sie ist eine enge Freundin von mir und mir beinahe wie eine Schwester. Außerdem wird sie bald meine Schülerin im Dienste der Götter sein."


    Ich musste lächeln. Wie klein die Welt doch war. Nun hatte er sogar schon Valeria kennengelernt. Ich betrachtete meinen 'kleinen Bruder' wie er da war. Aus seiner Rede ging hervor dass ich ihn ebenfalls für den jüngeren Bruder von Metellus sehen musste. Aber er gefel mir, er war munter, gut gelaunt und sehr sympathisch. Ein Matinia eben.


    "Du wirst sehr unter Zeitdruck stehen wenn du den Cursus bestehen möchtest, doch ich bin mir sicher, dass du es schaffst wenn du dich anstrengst. Damit würdest du dir immerhin das Wahlrecht verdienen, aktiv wie passiv. Du meinst doch den Cursus Res Vulgares, oder?"


    Ich überlegte kurz.


    "Ich könnte dir anbieten, so du in Hispania bleiben möchtest, in den Cultus Deorum zu kommen. Hier in Hispania stehe ich dem Götterkult vor und ansonsten bliebe auch noch die Stadtverwaltung offen. Wenn du bereit bist fortzugehen, bleibt natürlich weit mehr offen."

    Ich musste bei der Erzählung von seinem 'Vater' lächeln.


    "Ja, ich kann mir beinahe ein richtiges Bild von ihm machen. Aber ich bin mir sicher, dass du noch einmal zu ihm zurückkehren wirst. Der Abschied ist dir sicher schwergefallen, nicht wahr?"


    Ich nahm etwas verdutzt dreinschauend die Karaffe wieder in Empfang. Lag es an den Matinia dass sie mir immer extra viel Wein gaben oder war das ein großer Zufall? Grinsend trank ich allerdings einen weiteren Schluck und reichte ihm den Wein wieder hinüber.


    "Was Vater mit dir vorhat? Ich weiß es nicht. Er wird es sicherlich frei dir überlassen, was du machst. Unsere Familie ist in jeder Provinz und in jedem Bereich vertreten. Von daher..."

    Zitat

    Original von Publius Matinius Agrippa
    Wie wäre es mit einem Misslungen Attentat auf den Proconsul


    Sim-Off:

    Tja in diesem Fall hätte ich dir gerne meine zweit ID zur Verfügung gestellt aber ich fange an sie zu mögen ;) Vielleicht könnte man um eine Gruppen ID bitten die für gewisse Zeit eine Räuberbande darstellt?

    Als sie sich umdrehte, tat ich es ihr gleich und barg mein Gesicht in den Kissen. Die ganze Situation überforderte mich. Alles überforderte mich. Momentan fiel es am leichtesten zu arbeiten. Am liebsten würde ich schreien, doch ich fühlte mich zu schwach und so ließ ich lediglich ein paar stumme Tränen ins umarmte Kissen rollen.

    "Ja, das ist wahr. Ich denke Caesarea dürftest du mittlerweile besser kennen als Tarraco. Wenn du da aufgewachsen bist... Ich hätte besser fragen sollen, wie es dort ist? Ich war noch nie dort. Doch ich vermute es ist eine recht trockene Gegend, oder? War es wirklich sehr wenig grün, wie du sagtest oder gab auch große Gräsermeere? Ich könnte es mir gut vorstellen, dass es in gewissen Gegenden möglich war... ist!"


    Ich reichte ihm die Karaffe wieder hinüber und erwiderte mit einem warmen Lächeln seinen Blick. Die Gens war wirklich lange Zeit in alle Winde zerstreut und ist es immer noch.


    "Was hältst du denn von Thuky... Ach herrje, das ist wirklich ein seltsamer Name. Thukydides? Ist das richtig? Das mit seinen Geldern hört sich schon recht fragwürdig an. Und sein Name... Also jenen wie man ihn allgemeinhin nannte. Was war er denn für ein Mensch?"


    Ich sah ihn beinahe neugierig an, hielt mich dann aber ein wenig zurück.


    "Aber dann die Frage die du sicherlich besser beantworten kannst: Wie gefällt es dir hier und was hast du nun vor? Ich werde dir gerne helfen wenn du in irgendwelchen Belangen Hilfe brauchst!"

    "Es würde mir nur um ein wenig Anpassung an unsere Gesellschaft gehen, wenn ich dich um die Sache mit den Göttern bitte, mehr nicht. Du würdest es, außerdem, auch sehr schwer haben."


    Ich überlegte kurz.


    "Du wärest abgesichert, rechtlich wie finanziell und ich denke mit Agrippa als Patron könnte man nicht viel falsch machen."

    "Solange du die Götter ehrst und als Staatsreligion respektierst... Du bist eine meiner engsten Freundinnen und das soll kein Grund sein. Wenn ich dich aus diesem Grund nicht als Sklavin verstoße, warum dann als Freundin?"


    murmelte ich müde.


    "Was würdest du eigentlich von der Gens Matinia als Patron halten?"

    Ich sah ihn kurz verdattert an, als er seine Geste machte, ehe ich begriff und sich Röte auf meine Wangen schlich. Ein verlegenes Grinsen hingegen machte sich auf meinen Lippen breit, ehe ich seiner Aufforderung nachkam und den Wein fortwischte. Dann lauschte ich, wenn auch noch eine ganze Weile verlegen schmunzelnd, seinen Worten. Dann warf ich kurz Widerspruch ein:


    "Es war keine Höflichkeit, es war Ehrlichkeit! Wir haben hier im Hause sicherlich besseren Wein, doch da du sagtest er wäre sehr einfach... Also ich finde ihn völlig in Ordnung!"


    Ich blickte kurz auf seine Hände als er mir den Krug entnahm und musste lachen. Ich ließ los als er ihn festhielt.


    "Ich glaube eher dass es daran lag, dass es dir besser ergeht als ihm. Du bist also der Sohn von Agrippa? Ich nehme allerdings an eher der jüngere Bruder von Metellus und Sabinus, nicht wahr? Ja, Agrippa ist sehr aufopferungsvoll wenn es um geliebte Menschen geht."


    Doch nach meinem Einwurf hörte ich ihm weiter zu. Er konnte gut erzählen und er schien schon recht viel erlebt zu haben. Caesarea... Hatte ich nicht eigentlich auch dort hingesollt? Ich wusste es nicht mehr genau. Da gab er mir die Karaffe wieder und ich setzte auch noch einmal zu einem kurzen Schluck an.


    "Aber es stimmt, so wichtig ist das 'Wer bin ich'. zumindest auf Reisen, wirklich nicht. Wie hat es dir dort gefallen?"

    "Pentesilea, du wirst nicht gehen!"


    murmelte ich leise. Nein, ich wollte nicht, dass sie ging.


    "Es sei denn du gehst aus dem Grunde weil du fort möchtest. Aber an mir soll es nicht liegen, ich habe dich gerne bei dir. Ich würde mir nur sehr wünschen wenn du ein wenig über unsere Götter lernen würdest und sie respektierst."

    "Nein, Pentesilea. Ich dulde es durchaus, dass du deine Götter weiterhin verehrst, du bist schließlich keine richtige Römerin und mit anderen Göttern aufgewachsen. Doch ich erwarte dennoch von dir dass du die unsrigen achtest. Nicht in meinem Interesse, sondern in deinem Interesse. In unserem Reich gibt es Religionsfreiheit und jeder ist angehalten an seine Götter zu glauben, solange er sich an die Regeln hält. Und mehr als dies verlange ich nicht."


    Ich ließ mich mit geschlossenen Augen zurücksinken. Mir war schlecht.

    Ich sah sie eine kurze Weile nachdenklich an.


    "Na, da gibt es viele Antworten drauf. Aber ich sehe darin kein Problem, dass du des Nachts so reagiert hast. Nur darin, dass du es nicht von vornherein gesagt hast. Aber ich werde auch einmal ehrlich sein, in dieser Sache ist es gerade in meiner Position als höchstes religiöses Haupt in dieser Provinz meine Pflicht."


    Mein Kopf... Ich fasste mir seufzend an die Stirn.


    "Ich glaube dass die Götter vieler Völker miteinander in Verbindung stehen, so wie Iuppiter und Zeus. Und gerade deshalb habe ich eigentlich Achtung von dir erwartet. Ich verlange nicht, dass du priesterin wirst, aber ich bin dennoch der Meinung dass man den Göttern Achtung entgegenbringen sollte. Man sollte an sie glauben, auch wenn man sie nicht ehrt. Und ich möchte dir zu bedenken geben dass ich hier gerade sehr neutral spreche. Viele andere hätte ich lange aus meinem Blickfeld beordert. Ich empfinde den Unglauben als Frevel."

    Dankar lächelnd nickte ich, nach diesem Tag konnte ich ein wenig Ruhe gut gebrauchen. Ich nahm den Wein entgegen und hob ebenfalls zum Wohle unserer Gens den Becher.


    "Ja, zum Wohl!"


    dann trank ich einen Schluck. Der Wein mochte einfach sein, aber er schmeckte gut. Mittlerweile mochte sogar ich Wein, auch wenn ich zumeist nur schlechte Erfahrungen gemacht habe.


    "Ach, der geht aber!"


    lächelte ich.


    "Aber nun berichte doch einmal: Wo kommst du her? Gesehen habe ich dich auf jeden Fall bislang noch nicht!"