Beiträge von Rediviva Helena

    Ich erblickte den Kopf des Kindes, wenn ich auch zugeben musste dass mich Calpurnias Pein ein wenig verunsicherte. Ich hoffte sehr, dass Fausta sich ihrer annahm. Ich griff nach dem Kinde und nach einer weiteren heftigen Wehe lag es endlich in meinen Armen. Ich trennte es rasch von der Mutter und hob es hoch. Ich betrachtete das Kind lächelnd.


    "Es ist ein Mädchen!"


    Rief ich laut aus. Schnell wickelte ich es in ein weißes Leinen und drückte es Fausta in die Hand, während ich schnelle Anweisungen gab.


    "Reinige es und sorge dafür, dass es warm gehalten wird. Es sollte recht bald schreien, klopfe ihm auf den Rücken. Der Schrei ist sehr, sehr wichtig."


    Zugleich half ich Calpurnia beim Weiteren Pressen.


    "Hör zu, du musst weitermachen! Hör jetzt nicht auf!"


    Die Nachgeburt kam allerdings auch problemlos, besorgt betrachtete ich Calpurnia. Auch diese hatte ich in ein Laken eingewickelt und kurz liegen gelassen. Ich ging zu Calpurnias Gesicht und fuhr ihr sanft durchs Haar.

    Janus,
    Gott der Tordurchgänge,
    des Eingangs und Ausgangs,
    möge alle Besucher der
    Casa Matinia
    beschützen.



    Durch das Vestibulum gelangt man in das Atrium der Casa Matinia. Das Vestibulium wird durch einen Sklaven überwacht, der die Gäste hereinführt und sich um ihre Belange kümmert. Es ist eindrucksvoll gestaltet und sehr einladend. Möge jeder Gast einkehren und glücklich wieder von dannen gehen.

    "Du musst jetzt ganz stark sein, meine Liebe!"


    lächelte ich sie beruhigend an, doch langsam wurde auch ich nervöser. Nun kam es auf jeden Moment an, denn das erste Fruchtwasser lief bereits auf das weiße Laken.


    "Du musst jetzt mit jeder Wehe die du fühlst so stark pressen wie du nur kannst!"


    Ich verlieh durch eine besondere Betonung meinen Worten Nachdruck. Es würde bei den Wehen selbst sicherlich mehr wehtun als wenn sie sich vor dem Schmerz drückte, doch dafür wäre auch der Schmerz schneller vorbei. Und es war ungefährlicher.

    Ich gab es Calpurnia und legte es auf ihren Mund, damit sie hineinbeißen konnten. Die Wehen würden schlimmer werden und besser so, als wenn sie sich wehtun würde. Ich sah Fausta beinahe mitleidig wegen ihrer Hand an und zwinkerte ihr aufmunternd zu.


    Nun machte ich mich daran, den Muttermund zu überprüfen, doch er hatte sich schon geweitet und bald würde Calpurnia es überstanden haben. Sieb gehörte zu den glücklichen Frauen die es schnell überstanden. Meine zweite Geburt war eine ganze Nacht gegangen und aufgrund meiner ohnehin harten Immunschwäche wurde ich lange krank...


    Ich wies eine Sklavin an, sich um entsprechende Kräuter zu kümmern und es ging recht schnell da kam sie mit zusätzlich einem Kräutersud wieder.


    "Fausta, flöße ihr wenn es sich anbietet ein wenig davon ein, es hilft bei der Beschleunigung der Geburt und wird ihre Schmerzen lindern!"

    Ich sah mich selbst dort liegend und fühlte mich wie Pentesilea. Sie hatte mich vieles gelehrt.


    "Du schaffst das, du bist stark"


    flüsterte ich ihr mutmachend zu und strich sanft eine Strähne aus ihrem Gesicht.


    "Fausta, gib mir bitte ein Leinen."


    Lächelte ich zu ihr. Sie würde mir sicherlich gut assistieren. Ich wandte mich wieder von Fausta ab um vorsichtig den Bauch abzutasten. Ich brauchte lange, länger als damals die geübte Pentesilea, doch dafür war ich sicher. Das Kind war richtig herum und lag mit dem Kopf so, dass die Geburt reibungslos verlaufen würde. Es hatte sich schon gedreht.


    "Es wird alles gut!"


    flüsterte ich glücklich, dass alles so gut zu laufen schien.

    Ich ging nun doch wieder zu Calpurnia zurück. Ich durfte keinen Fehler machen. Sie war eine Freundin, wenn auch noch keine besonders gute. Doch ich hatte sie schätzen gelernt und nun würde ich ihrem Kind auf die Welt verhelfen. Ich drückte meine Hände auf ihre Brust um die Atmung zu kontrollieren und versuchte diese ein wenig durch Druck zu beeinflussen.


    "Mach es mir nach..."


    flüterte ich Calpurnia eindringlich zu und atmete mit ihr gemeinsam. Ihr Atem musste sich ein wenig beruhigen, ehe er außer Kontrolle geriet. Ich atmete mit ihr gemeinsam.


    "Gut machst du das..."

    Ich sah Fausta an und flüsterte leis:


    "Kümmerst du dich nachher um die Nachgeburt? Sie muss vergraben werden und ich denke als ihre nächste Verwandte solltest du auch diese Pflicht übernehmen. Ich werde jetzt hinausgehen und mich ebenfalls auf die Suche nach Pentesilea machen. Ansonsten wäre ich auch bereit, selbst die Geburt für euch zu machen. Ich habe den Cursus Medicinae erfolgreich mit einer Auszeichnung absolviert und auch 2 Geburten an meinem eigenen Leib erlebt. Dies bleibt eure Entscheidung."


    Ich sah sie fragend an. Ich könnte es verstehen, wenn ihr eine erfahrenere Person lieber war. Doch mittlerweile würde ich mir eine Geburt durchaus zutrauen.

    Ich zog einen Schemel heran und winkte Fausta zu mir.


    "Kümmere du dich um sie. Als ihre Schwester wirst du ihr eine größere Hilfe sein als ich. Und bei den Göttern bringe sie von dem törichten Gedanken ab, dass sie etwas falsch macht. Sie belastet niemanden, ich finde es sogar schön, dass wir ihr gemeinsam helfen können und ich an dem Glück teilhaben darf!"


    Ich lächelte und sah nach Kaya, doch die schien schon unterwegs.

    "Du machst keine Umstände!"


    flüsterte ich sanft, während wir in Richtung des Gästezimmers gingen.


    "Sieh es als ein gutes Zeichen, dass dein Kind zu Zeiten eines Festes des Bona Dea zur Welt kommt. Ich sehe es als ein gutes Omen, auch wenn ich kein Haruspice bin. Und nun ruhig, du musst dich entspannen. Diese Nacht wird etwas besonderes für dich! Wir werden für dein Wohl sorgen und besonders für das deines Kindes. Sei unbesorgt!"


    Ich fuhr ihr sanft durchs Haar und sah Valeria suchend an. Ich nickte und bedeutete ihr, sie solle nur mitkommen. Vielleicht würde es der ebenfalls schwangeren ein wenig helfen.

    Dies ist das Gästezimmer der Flavia Calpurnia, die überraschenderweise während der noch nicht begonnenen Festnacht ihr Kind bekam. Doch es konnte nur ein gutes Omen sein, dass sie das Kind während eines Festes der Bona Dea zur Welt brachte. Sklaven eilten geschäftig hin und her, ehe Kaya mit der hochschwangeren und gebährenden das Zimmer betrat.

    "Geleite Calpurnia in ein Gästezimmer und sorge dafür, dass Pentesilea kommt. Bitte sie, ihr zu helfen, ansonsten eilst du sofort los um einen Medicus zu suchen. Sie bekommt ihr Kind. Ach und.. Sorge vor Allem um ihr Wohl!"


    Ich sah sie streng an.

    "Ich habe eine gewandte Heilerin im Hause, sie ist bestens bewandt und hat auch meine drei Kinder auf die Welt gebracht. Aber wenn du es wünscht dass ich den Medicus bestelle dann kann ich das selbstverständlich auch tun."


    Ich war mittlerweile ziemlich ruhig, denn aus eigener Erfahrung konnte ich eine Geburt sehr gut einschätzen. Calpurnia war eine starke Frau und hatte einen guten Körperbau.


    "KAYA!!"

    Nun sah ich doch wieder besorgt in Richtung Calpurnia. Sie schien arge Schmerzen zu haben. Ich runzelte die Stirn, doch sie glättete sich rasch wieder. Wenn sich das nicht legen würde, würde ich sie in ein Gästezimmer führen lassen...

    "Brief?"


    Ich sah sie erstaunt an. Mir wurde kein Brief überreicht oder aber ich hatte ihn auf meinem Schreibtisch übersehen. Ich zog eine Schnute, ehe ich zwinkerte.


    "Nein, leider nicht. Aber gleich sobald ich zu Bett gehe werde ich mich darum kümmern. Sicher hat ihn jemand in meinem Zimmer 'versteckt' und ich habe ihn übersehen."


    Ich warf einen kurzen Blick zu der hochschwangeren Calpurnia. Es dürfte eigentlich jederzeit soweit sein. Ich war erstaunt, dass sie sich dies alles hier zumutete, doch der Segen der Göttin würde nur gut sein. Und sonst waren hier genug erfahrene Leute. Ich sah, dass Aine sich wieder um sie kümmerte und wandte mich beruhigt Valeria zu: Auf Aine war Verlass.


    "Aber natürlich steht die Romreise noch. Auch wenn ich fürchte dass sie etwas verschobeb werden muss!"

    Ich schrak zusammen. Valeria hatte mich dabei aus meinen Gedanken gerissen, als ich an dem Weinlaub zupfte um es gerade zu rücken. Wie meistens war ich ziemlich nervös, da die Hauptverantwortung bei mir lag. Ich drehte mich herum und erwiderte erfreut die Umarmung.


    "Wie schön dich zu sehen, Valeria!"


    Man sah mir meinen Schrecken noch ein wenig an, doch ich entspannte langsam wieder.


    "Wie geht es dir?"