Beiträge von Susina Alpina

    Zu zweit allein im Bad. Alpina genoss die Gewissheit, dass sie ganz unter sich waren. Nichts und niemand würde sie stören, wenn sie nun genossen wonach sie sich so lange gesehnt hatten. Corvinus schien es zu gefallen, sie nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen. Mit Hingabe nahm sie das Geschenk der Zuwendung an. Erinnerungen an die Nacht wurden wach als er schon einmal so zärtlich zu ihr gewesen war. Damals jedoch in dem irrigen Glauben, Alwina vor sich zu haben. Auch wirkte er damals wie getrieben im Rausch, im Wahn und in gieriger Leidenschaft.


    Jetzt war es anders. Ruhig, genussvoll und sehr behutsam widmete sich Corvinus ihrem Körper. Er wusste genau, wen er vor sich hatte. Es war seine Entscheidung sie zu beglücken. Seine Bemühungen blieben nicht ohne Reaktion. Alpinas Körper sendete alles Signale, dass sie sich mehr als nur Berührungen wünschte. Er konnte es sehen, fühlen und wohl auch hören. Das Wasser trug ihren schweren Körper, machte es leicht trotz des mächtigen Bauches, eine Vereinigung zu erlangen. Als er zwischen ihre Beine wechselte, wartete sie elektrisiert darauf, dass er die Vereinigung suchen würde. Doch setzte er zunächst seine Zärtlichkeiten mit dem Mund fort. Alpina spürte, dass sie nur noch einen Wimpernschlag vom Höhepunkt der Ekstase entfernt war. Sie hob den Kopf und sah in flehend an. Sie wollte gemeinsam mit ihm den letzten Weg emporsteigen.
    "Bitte...", formten ihre Lippen tonlos.

    Corvinus stellte sich hinter Alpina. Er hatte wohl bemerkt, dass ihr der Rückweg zur Casa Helvetia zunehmend schwer gefallen war. Als er ihr nun ins Ohr raunte, dass sie sich an ihn anlehnen und ihr Gewicht an seine gefalteten Hände abgeben könnte, nahm sie das Angebot dankend an. So ließ sich es sich in jedem Fall besser ertragen und zumindest die Rückenschmerzen ließen nach.


    Als alle Gäste und neugierige Nachbarn versammelt waren, trat Curio in Aktion. Er schlug mit der Faust an die Tür, die von Liam geöffnet wurde. Liam und Acanthos säumten den Weg ins Haus. Dann hieß Curio seine frisch angetraute Ehefrau Silvana und die Gäste willkommen. Ein Raunen ging durch die Menge, als er ihr den Zutritt zum Haus mit dem Schwert verweigerte bis sie ihm das symbolische zweite As übergeben hatte. Gespannt warteten Alpina und die Gäste darauf, dass Runa nun auf Curios Armen ins Haus getragen werden würde. Für Alpina schon deshalb ein besonderer Augenblick, weil er besiegelte, dass die Freundin ab diesem Zeitpunkt mit ihr, Corvinus und Curio nebst dem Personal das Haus teilen würde.
    "Los, Runa!", flüsterte sie.

    Alpina setzte den Becher mit dem Trank aus kretischem Diptam an die Lippen. Das Gebräu war nur noch lauwarm. Gerade richtig. Sie trank den Becher in einem Zug aus.


    Danach bereitete Alpina einige Dinge für die Geburt vor. Sie holte alte Tücher, die sie am Boden auslegen wollte, um die Mischung aus Fruchtwasser und Blut, sowie das Öl, das sie vermutlich für einen erleichterten Geburtsvorgang brauchten, aufzufangen. Ein saugfähiges, weiches Tuch würde das Kind aufnehmen, wenn es geboren war. Damit konnte man es von Blut und der Vernix caseosa genannten schmierigen Schicht befreien, die einen Säugling im Mutterleib umgab.
    Wollschnur und Skalpell benötigte man zum Abbinden und Durchtrennen der Nabelschnur. Alpinas Skalpell hatte extra eine Silberklinge, denn Eisen oder Stahl war verpönt. Man glaubte, ein Säugling der mit Eisen von der Mutter getrennt wurde, würde auch von einer Eisenklinge sterben, also einem Gewaltverbrechen zum Opfer fallen oder im Kriegsdienst durch das Schwert sterben.


    Mit Bedacht bereitete Alpina eine Schüssel zum Händewaschen vor, eine Wanne, in der man das Kind waschen konnte und eine Schüssel für die Plazenta, die Nachgeburt. Dann stellte sie Wein, Essig und Öl auf den kleinen Schreibtisch. Zwei Schweineblasen mit eingesetztem Schilfrohr dienten, wenn nötig, für ein Klystier oder einen vaginalen Infus mit warmem Öl, um die Austreibung des Kindes zu erleichtern.
    Handtücher, Binden zum Wickeln des Neugeborenen und eine Decke legte Alpina auf den Hocker daneben.


    Als sie noch einmal nachdachte, was sie wohl noch benötigen würde, krampfte sich ihr Bauch zusammen. Alpina stöhnte auf und hielt sich an der Tischplatte fest. Diese Kontraktion hatte deutlich mehr Kraft als die vorherige, die sie geweckt hatte. Unruhig ging Alpina im Cubiculum auf und ab. Bald kam die nächste Wehe. Dann folgte eine längere Pause, gefolgt von zwei Wehen kurz hintereinander.
    Ein Kontrollgriff zeigte der versierten Hebamme, dass sich der Muttermund weitete. Erst drei Finger breit, nach einiger Zeit vier Finger breit. Alpina beschloss nun Timarcha Bescheid zu geben.

    Ah! der PC war der Praefectus Castrorum. Davon hatte er ihr schon erzählt und auch, dass er hoffte irgendwann diesen Posten zu bekommen. Dann, hatte er gesagt, würden sie im Castellum wohnen.


    Auf seine Frage nach einem Mitbringsel in Form von starkem Wein, lächelte sie.
    "Nein, ich glaube das ist nicht so das Richtige für Mutter und Kind. Zumindestens am Anfang. Aber du könntest sehen, ob du irgendwo ein Huhn auftreibst. Eine kräftige Hühnerbrühe, das wäre schon ideal zur Stärkung."


    Sie registierte sein überraschtes Gesicht. Doch dann nickte er und sie sah ihm nach wie er ging.
    Nun war es an der Zeit den Trank hinunterzukippen.

    Sein sorgenvoller Blick war rührend und am Liebsten hätte Alpina ihn die ganze Zeit bei sich gehabt, aber das ging nicht. Es war nicht üblich und er würde es wohl auch nicht aushalten. Also lächelte Alpina.
    "Nein, die beiden bleiben bei mir und rufen dich, wenn das Bärchen da ist."


    Er legte seine Hand auf ihren Bauch. Ob er feststellen würde, dass das Kind sich nicht gedreht hatte? Wohl kaum. Für einen Laien fühlten sich von außen Becken und Kopf fast gleich an. Alpina würde es ihm ohnehin nicht sagen. Er sollte sich nicht noch mehr Sorgen machen. Als er den "PC" erwähnte, runzelte sie die Stirn.
    "Der neue PC? Wer bitte ist das?"


    Aber sie sah ein, dass er dort vorstellig werden musste und lächelte.
    "Na also. Dann bist du ja ohnehin gut beschäftigt. Das ist vielleicht ganz gut so. Lass dir nur Zeit mit dem Gespräch. Wie gesagt, das hier wird einige Zeit dauern."


    Sie nahm seine Hand und drückte sie fest. "Es ist besser wenn du jetzt gehst und ich meinen Trank leere."


    Nachdem er sich angezogen hatte, umarmte sie ihn und hielt ihn noch einmal ganz fest. Sie hoffte, dass es nicht das letzte Mal sein würde. "Bis später, mein Bär."

    Endlich war die Casa Helvetia erreicht. Gegen Ende des Brautzuges hatte Alpina die Zähne fest zusammengebissen. Ein schmerzhaftes Ziehen im Unterbauch und dazu zunehmende Rückenschmerzen quälten sie. Dennoch versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen. Runa und Curio sollten eine perfekte Hochzeit haben.


    Die Riten an der Tür des neuen Heims des Brautpaares standen an. Curio würde nun Runa über die Schwelle tragen, so wie es Corvinus mit Alpina auch schon gemacht hatte, ganz ohne den strengen Rahmen der offiziellen Hochzeit. Danach käme das Einfetten und Umwickeln des Türpfostens. Alpina hatte die traditionellen Riten bei der Hochzeit ihrer Schwester Ilara erlebt. Doch heute war alles anders. Denn Curio und Runa mischten römische mit germanischen Bräuchen. Eine sehr spannende Mischung, wie sie fand.
    Gespannt wartete sie bis die letzten Gäste versammelt waren.

    Es war deutlich zu spüren, dass Corvinus die Schattenseiten der bevorstehenden Geburt gerne verdrängen wollte und Alpina fand das nur zu verständlich.


    Der Themenwechsel und ihre Seifenmassage seiner verspannten Schultern lösten auch die Stimmung wieder. So sehr, dass er keine Lust zu haben schien, das behaglich warme Wasser zu verlassen. Er sorgte dafür, dass sie es bequem hatte und widmete sich erneut dem Einseifen. Doch dieses Mal schien er offenbar ein anderes Ziel zu haben. So sanft und zärtlich wie er ihre Brüste einseifte, blieb die Reaktion nicht aus. Corvinus würde sehen können, dass sie die Berührung nicht nur als angenehm empfand, sondern auch als erregend. Ein vorsichtiger Blick zu ihm, ob er das beabsichtigt hatte oder er die Seifenmassage nur aus hygienischen Gründen so ausgiebig vornahm, bestätigte die Vermutung, dass es mit Absicht geschah. Sie lächelte und ließ die Augenbrauen schelmisch nach oben zucken. Es war die Aufforderung, sich ganz ihr zu widmen, ohne Scheu und ohne allzugroße Vorsicht.
    Genießerisch legte Alpina den Kopf zurück und gab sich ganz der Berührung hin. Ihr Körper begann im warmen Wasser wie von selbst sich den Liebkosungen zu öffnen.

    Irgendwann wurde Corvinus wach. Er gähnte ausgiebig, reckte sich und lächelte sie an. Alpina kam zu ihm, setzte sich auf die Bettkante und lächelte ebenfalls.
    "Ja, ich bin schon eine Weile auf. Das Bärchen hier drin hat sich gemeldet. Es möchte raus. Bislang hat es zwar nur zaghaft angeklopft, aber ich bin mir sicher, dass es heute oder morgen den Weg ans Licht finden wird."


    Alpina streichelte ihm mit dem Zeigefinger über die Stirn, den Nasenrücken und das Kinn, dann fuhr ihr Finger über den Hals bis zur Mitte der Brust. Sie sah ihn wieder an.
    "Ich glaube, es ist besser, wenn du das deiner Bärin überläßt und dich ein wenig ablenkst. Es ist meine erste Niederkunft, vermutlich wird sie sich eine ganze Weile hinziehen. Zumal die Wehen noch nicht richtig eingesetzt haben. Der Trank, der dort drüben auf mich wartet, wird die Sache ins Rollen bringen. Dann ist es besser wenn Timarcha, Lana und ich alleine sind. Ich lasse dich rufen, wenn das Bärchen da ist. Einverstanden?"

    Das kleine Fenster über zum Kräutergarten ließ schon ein wenig Morgensonne ein als Alpina von einem krampfartigen Bauchschmerz geweckt wurde. Ihre tastenden Hände konnten deutlich die Kontraktion der Gebärmutter wahrnehmen. Eine Wehe!
    Doch so schnell wie sie gekommen war, verschwand sie auch wieder. Alpina wartete, doch es kam erst einmal keine weitere Kontraktion. An Schlafen war nun nicht mehr zu denken. Unruhig wälzte sie sich von einer Seite auf die andere. Nach einer Weile stand sie auf und machte sich erneut einen Kräutertrank. Nachdem am Vorabend Verbenen keinen Effekt gezeigt hatten, griff sie zu einem seltenen und teuren Heilkraut, das im Ruf stand unfehlbar Wirkung zu zeigen: kretischer Diptam. Er sollte die Wehen in Gang bringen. So oder so, das Kind musste heute oder spätestens morgen geboren werden.


    Während der Trank abkühlte wanderte sie im Cubiculum auf und ab. Sie betrachtete das Bett mit der Bärenfamilie auf dem Kopfteil und den schlafenden Corvinus. Kaum vorstellbar, dass sie in einigen Stunden zu dritt sein würden.

    Alpina war zwar eingeschlafen, doch in einem so leichten Schlaf, dass sie im Halbschlaf wahrnahm als Corvinus ins Cubiculum kam. Wenn er sich auch Mühe gab, sie nicht direkt anzuhauchen, holte seine deutliche Alkoholfahne sie schnell aus dem Dämmerzustand. Im Hintergrund waren die Stimmen und das Gelächter der Feiernden zu hören. Als Corvinus ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich und sorgenvoll fragte, ob alles in Ordnung sei, lächelte sie ihn an.


    "Es war alles ein wenig viel für mich heute. Sehr anstrengend, mein Bär. Ich musste mich jetzt einfach hinlegen. Aber geh du zu den Gästen zurück und grüße alle von mir. Vor allem aber: feier noch recht schön! Wenn du dann später kommst und egal wie spät es ist, hätte ich zu gerne noch einen Gute-Nacht-Kuss! Machst du das?"


    Er versprach es und ging dann zu den Gästen zurück. Als er sehr spät zu ihr ins Bett kam, gab er ihr tatsächlich den versprochenen Kuss. Alpina kuschelte sich in seine Arme, ignorierte die Fahne und schloss für noch ein paar Stunden erneut die Augen.

    Alpina verstand Corvius Sorge, wie das Kind wohl aus ihr rauskommen sollte. Für jemanden, der noch nie bei einer Geburt dabei gewesen war, war die Überlegung nur zu verständlich. Sie lächelte deshalb beruhigend und streichelte ihm über die Wange.


    "Keine Sorge. Das Bindegewebe und die Muskeln des Beckenbodens sind dehnbar. Angenehm ist es allerdings nicht und so darfst du nicht erschrecken, wenn du mich schreien hören wirst, falls du im Haus bist, wenn unser Kind geboren wird. Aber glaub´ mir. Das Schreien hilft manchmal einfach, den Schmerz besser zu verarbeiten. Und ich sage dir, es sind nur wenige Stunden mit Schmerzen. Was ist das schon im Vergleich zu dem hoffentlich langen Leben das uns als Familie gemeinsam bevorsteht? Ein Klacks."


    Als sie ihn darauf aufmerksam machte, dass er sie beide massierte, fragte Corvinus, ob das Kind schlief. Alpina nickte. Mit einem Schmunzeln hörte sie seine Worte, als er darum bat, dass es noch ein wenig schlafen solle, damit er sich ganz der Mutter widmen konnte.
    Zum Glück hielt sich das Kind daran, gab Ruhe und ließ Alpina die Massage der großen und doch sanften Hände genießen.


    Schließlich revanchierte sie sich, seifte Corvinus ein und massierte seine verspannten Schultern. Neben dem Becken entdeckte sie nicht nur Handtücher, die auf dem Boden aufgewärmt wurden, sondern auch einen Korb mit verschiedenen Ölen und einem Strigilis.


    "Sieh mal, wir können uns nach dem Bad in die gewärmten Handtücher wickeln und uns gegenseitig auf dem warmen Boden einölen. Wenn du möchtest, kann ich dich noch massieren und vorsichtig deine Narben behandeln. Allerdings nur wenn du das auch möchtest."


    Sie sah in fragend an.

    Auf dem Weg ins Cubiculum hatte Alpina heißes Wasser, Olivenöl und einige Kräuter mitgenommen. Sie schloss die Tür hinter sich und legte das schöne nachtblaue Kleid ab, das sie mit Lana für die Hochzeit genäht hatte. Unter dem Kleid trug sie neben der Unterwäsche noch die Körperbinde, die sie im Tempel der Iuno hatte weihen lassen. Diese lief unter dem Bauch durch und über beide Schultern wie die Träger eines Rucksackes. Die Binde hatte ihr geholfen, das Gewicht des Bauches besser zu ertragen, wo sie doch den ganzen Tag auf den Beinen gewesen war und den Marsch hin und zurück zwischen Casa Helvetia und der Duccischen Villa hatte überstehen müssen.


    Sie löste die Binde und legte sie zur Seite. Die Unterwäsche war feucht. Alpina zog sie aus. Unablässig tropfte eine farblose Flüssigkeit ihre Beine hinab. Wie bei ihren Gebärenden wusch sich Alpina zunächst die Hände mit heißem Wasser und rieb sie mit Olivenöl ein. Etwas umständlich um ihren Bauch herum tastete sie sich bis zum Muttermund vor. Tatsächlich war er bereits ein bis zwei FInger breit geöffnet. Alpina konnte einen Finger hineinschieben. Sie tastete weiches Gewebe, versuchte sich zu orientieren. Genau wie sie es erwartet hatte. Ihr Finger berührte nicht den Schädel sondern sie tastete den kleinen Po ihres Kindes. Suchend tastete ihr FInger weiter. Der Steiß war zu fühlen. DIe Beine schienen nach oben an den Bauch geklappt zu sein. Damit hatte man nichts zum dran ziehen.


    Resigniert zog Alpina den Finger zurück. Es war ohnehin noch zu früh. Noch hatte sie keine Wehen. Sie bereitete sich also einen Tee aus Verbenenblättern und zog sich eine frische Unterwäsche an, in die sie eine Lage Wollwatte einlegte, um das tröpfelnde Fruchtwasser aufzufangen. Mit einer alten, einfachen Tunika angetan, trank sie den Tee und legte sich dann hin. Es blieb nichts als abzuwarten bis Wehen da waren und regelmäßig kamen. So lange musste sie keine Pferde scheu machen und Timarcha, Lana und Corvinus das Fest nicht verderben.

    Die Feierlichkeiten in der Casa Helvetia waren in vollem Gange. Das Brautpaar hatte sich mit den vorgeschriebenen Zeugen zur Hochzeitsnacht zurückgezogen. Die Stimmung in der Casa war gelöster als die im Cubiculum von Curio und Runa, da war sich Alpina sicher. Wein, Bier und Met flossen reichlich. Da Timarcha mit Corvinus gemeinsam den Vollzug der Ehe beaufsichtigte, hatte Alpina die Rolle der Hausherrin übernommen und eilte gerade in die Culina um weitere Karaffen mit Getränken und Häppchen zu ordern.


    "Gwyn, noch Met bitte, und Liam, hol du noch von dem weißen Wein aus dem Keller. Die Gäste sind durstig."


    Alpina drehte sich zum Tisch um zu sehen, ob sie noch einige Häppchen mit zu den Gästen nehmen konnte, als sie plötzlich ein heftiges Ziehen im Unterbauch verspürte. Wenig später fühlte sie wie eine körperwarme Flüssigkeit die Innenseiten ihrer Schenkel hinunterlief.
    Entsetzt erstarrte Alpina. Das durfte doch nicht wahr sein! Nicht jetzt! Nicht während die Feier in vollem Gange war und sie sich um alles kümmern musste. Doch leugnen half nicht. Es war Fruchtwasser. Die Fruchtblase hatte sich geöffnet. Die Geburt stand bevor. Zwar waren noch keine Wehen zu spüren, doch das war nun nur noch eine Frage von Stunden.


    Alpina fasste Neman am Arm, die gerade mit einer leeren Platte die Culina betrat.
    "Neman. Bitte sage Corvinus und Timarcha Bescheid, wenn sie aus dem Cubiculum des Brautpaares zurückkommen, dass ich mich zurückgezogen habe und bitte Lana, vorübergehend für mich die Rolle der Gastgeberin zu übernehmen. Ich muss mich hinlegen. Corvinus oder Timarcha sollen mich auch bei den Gästen entschuldigen. Ich werde mich nicht persönlich bei jedem verabschieden und bedanken können."


    DIe Sklavin nickte besorgt und versprach alle entsprechend zu informieren. Alpina konnte die Festgesellschaft verlassen.

    Alpina wusste, dass sie diejenige war, die mehr liebte. Es war von Anfang an so gewesen. Und sie wusste, dass Corvinus Zeit brauchte, um sich auf diese neue Beziehung einzulassen. So war das was er sagte schon fast mehr als Alpina erwartet hatte. Da war es gut, dass er die Situation dadurch rettete, dass er sich die Seife angelte und anfing ihren dicken Bauch einzuseifen und zu massieren.


    Mit einem amüsierten Blick auf die Kugel, die sie vor sich hertrug, sagte Alpina:
    "Man kann es kaum glauben, aber ich habe mich so an diese Kugel gewöhnt, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sie in wenigen Tagen verschwunden sein wird."

    Ganz fest hatte sie sich vorgenommen, ihm nichts davon zu erzählen, dass es eine schwere Geburt werden würde, dass gar nicht sicher war, ob sie das Kind gemeinsam würden aufziehen können. Sie wollte den Augenblick genießen. Nur die Götter wussten ob sie je wieder so glücklich zusammen sein würden. Es machte keinen Sinn, ihm Angst zu machen. Also genoss sie die sanft massierende Hand auf ihrem Bauch.
    "Dir ist schon bewusst, dass du zwei Menschen massierst, nicht wahr? Ich bin sicher das kleine Bärenkind hier drin wird es ebenso genießen wie ich."


    Sie schloss genießerisch die Augen und überließ sich ganz der Seifenmassage.

    Corvinus beendete Alpinas Nervosität auf die schönste Art und Weise, die sie sich vorstellen konnte. Er umarmte und küsste sie. Es dauerte eine Weile bis sie sich wieder trennten. Nun hob er sie hoch und stieg mit ihr in die Wanne. Das heiße Wasser umspülte ihren Körper und es fühlte sich einfach göttlich an, von seinen Armen gehalten schwerelos im Wasser zu treiben. Alpina genoss es in vollen Zügen. Dazu versprach Corvinus ihr auf unnachahmlich liebevolle Weise, die kleine Last, die sie gerne noch für beide gemeinsam trug, bald mit ihr zu tragen. Was für schöne Worte!


    Während er sie so sanft durch das warme Wasser zog, blickte sie zu ihm auf und prägte sich seine Gesichtszüge ganz tief in die Seele ein. Was hatte sie für ein Glück! Sie ließ ganz los, übergab sich völlig seinen fürsorglichen Armen. Wie lang würde sie dieses Glück genießen dürfen? Wann würde sie wieder um ihn bangen müssen, wenn er sein Leben für den Kaiser riskierte? Sie wollte jetzt nicht daran denken. Alpina entspannte sich, ließ alle Muskeln los, übergab ihr Gewicht dem Wasser und seinen starken Armen. Endlich ließ auch das Ziehen im Rücken nach, das sie seit ein paar Tagen begleitete, wenn sie stand. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen und sie nahm sich vor, sich mit einer ausgiebigen Massage bei ihm zu bedanken, wenn er sie schließlich absetzen würde und sie die Wärme des Wassers nebeneinander genießen würden.



    Als er sie nach einer gefühlten Ewigkeit sanft auf dem Boden der Wanne absetzte, schlang Alpina beide Arme um seinen Hals und hauchte ihm ins Ohr:
    "Ich glaube ich habe dir noch nie gesagt, wie sehr ich es genieße, in deiner Nähe zu sein, wie schön die Augenblicke sind, die wir gemeinsam verbringen können. Es kann keinen Ort auf Erden geben, an dem es schöner ist als in deinen Armen."
    Sie neigte sich wieder ein wenig zurück und sah ihm in die Augen. In ihrem Kopf formten sich Worte, doch sie fürchtete sich davor sie auszusprechen. Konnte, durfte sie aussprechen, was sie immer stärker fühlte? Wie sollte, wie durfte sie dieses Gefühl nennen? War es zu früh das auszusprechen? Egal. Es war das, was sie fühlte und auch wenn es von ihm womöglich so noch nicht erwidert werden würde, wollte sie es aussprechen.
    "Ich liebe dich, Corvinus!"

    Mit einem Satz wischte er ihre Bedenken weg. Sie atmete auf. Gleich drauf kam die Erklärung, warum er sich das Haus des Tribuns ausgeliehen hatte. Das Haus verfügte über ein eigenes Balneum. Der Boden war warm, das Wasser in der großen Wanne dampfte. Alpinas Blick ging zu Corvinus und auf hren Lippen verformte sich ein strahlendes Lächeln. Er wollte ihr etwas Gutes tun.


    "Wie lieb von dir, mein Bär!", hauchte sie.


    Corvinus zog sie zum Beckenrand. Vermutich hatte sie noch etwas unschlüssig dreingesehen, denn er ergriff die Initiative und begann sie auszuziehen. EIn Kribbeln durchströmte sie und sammelte sich in ihrer Magengrube. Sie tat es ihm gleich, begann sein Cingulum zu lösen und ihm aus seiner Kleidung zu helfen. Noch immer war es ungewohnt so nackt vor ihm zu stehen. Sie war nervös.

    Ein älterer Mann begrüßte Corvinus, der ihm Geld gab. Alpina hörte zu, was der Mann sagte. Es war das Haus eines Tribuns, der das Haus verlassen hatte und abgereist war. Alpina sah Corvinus verständnislos an. Was wollte er mit dem leeren Haus des Tribuns im Castellum, wo sie doch die neu gebaute Casa Helvetia hatten?
    Corvinus sah sie mit einem verschmitzten Lächeln an. Alpina war völlig baff und wusste eigentlich nicht was sie sagen sollte.


    "Gefällt dir die Casa Helvetia so wenig?", fragte sie vorsichtig. Sie hatte Angst, ihre Bemühungen das gemeinsame Cubiculum und die anderen Räume ihres Hauses wohnlich einzurichten, wären fehl geschlagen. Sie hätte ihn mehr in die Pläne für die Inneneinrichtung einweihen sollen. Alpina biss sich auf die Lippen. Ihr Blick drückte ihre Zweifel aus als sie zu ihm aufsah.

    Gemeinsam verließen sie die Casa Helvetia. An Corvinus Hand immer wieder nach rechts und links grüßend ließ sich Alpina zum Castellum führen. In der schützenden Umwehrung des Castellums sah sie sich neugierig um. Doch sie sollte nicht viel von der zeitweisen Heimat ihres Gefährten sehen, denn er steuerte gleich das erste Atriumhaus an.