Beiträge von Lucius Helvetius Falco

    Zitat

    Original von Iullus Helvetius Curio
    Als Straßenjunge müssen ja nur die wenigsten anfangen, wenn sie das partout nicht wollen. Das hat u.a. Crispus ja auch gesagt. Im Zweifel hat jede Familie senatorische und ritterliche Zweige, und da ja zumindest der Ordo Senatorius über zwei Generationen hinweg vererbt wird, könnte man zum Beispiel direkt mit dem Tirocinium Fori anfangen. Die Ochsentour vom Legionär oder Scriba zum Senator wird damit zumindest deutlich verkürzt. Womit ich dann auch zum zweiten Punkt komme:


    Straßenjunge war ja auch mehr rhetorisch übertrieben gemeint. Hm, das klingt schonmal irgendwie nach einem Kompromiss zwischen beiden Extremen.


    Zitat

    Original von Iullus Helvetius Curio
    Als Tiro Fori eines aktiven Senators wiederum kann man eben jenen Einblick bekommen, den es braucht, um die aktuelle Gemengelage mitzubekommen. Eine grobe Einführung (Wer steht wie zu wem, wen mögen die Mitglieder meiner Gens, wen mögen sie nicht, wer mag meine Gens, wer mag sie nicht, wer hat wo was zu sagen?) ist derweil bestimmt auch beim Einstieg in die meisten Gentes quasi im Einstiegspaket enthalten. (Bei den Helvetiern kann ich zumindest dafür garantieren, da ich mich da im Zweifel selber drum kümmern würde. - Ende des Werbeblocks :D)


    Hört sich gut an. :)


    Zitat

    Original von Iullus Helvetius Curio
    Ansonsten sei aber nochmal unterstrichen, was Seneca bereits sagte:
    Du bist natürlich jederzeit Willkommen, natürlich auch in deiner alten Gens. 8)


    Vielen Dank. Das ist sicher mehr als nur einen Gedanken wert. :)

    Wieder einsteigen. Eine Frage, die ich mir schon des öfteren gestellt habe.
    Wie kann man das möglich machen. Darum geht's ja im Thread.


    Und tatsächlich ist einer der Punkte, die mich (und vielleicht auch andere) abschrecken, dass man wieder als kleiner Straßenjunge beginnen muss, obwohl man einmal den allerhöchsten Lorbeer inne hatte. Dass man klein-klein agieren muss, wo man vorher die Geschicke der Welt gelenkt hat. DAS ist definitiv ein demotivierender Punkt.


    Der andere große Hinderungsgrund ist ein anderer. Wieder für mich. Ich habe keine Ahnung mehr. Was ist seit meiner Zeit passiert? An großen Entwicklungen, die ein normaler Bürger eigentlich wissen müsste. Wer hat das sagen? Wie läuft es?


    Die zwei zusammen bilden mein Hindernis. Möglicherweise auch das anderer. Denn sie widersprechen einander. Punkt eins will in einer hohen Position zurückkehren. Doch gerade da merkt man und der Gegenüber ja, dass man selbst kein Plan mehr hat. Beim Start "unten" wiegt das nicht so sehr, denn man kann sich ja wieder hinein finden. Es ist nicht wichtig die Regeln der "upper class" drauf zu haben. Da zieht aber wieder der Punkt des ganz unten die Ochsentour beginnen.


    Und es wird nicht einfach sein für viele, dass jemand an ihren vorbei zieht, der vor x Jahren mal irgendwas getan hat, von dem sie nichts wissen. "Mit welchem Recht überholt der mich jetzt?" Das wäre dann demotivierend für diesen.


    Daher hat die Frage viele Facetten und DIE Lösung sehe ich nicht. Was ich weiß ist, dass es mich immer wieder einmal hier "nach Hause" zieht. Um mal zu schauen, wie es läuft. Der Impuls wieder vorbei zu sehen ist immer wieder da und stark. Potenzial für eine Wiedergewinnung also auch. Der Kern des Threads mag also durchaus der Diskussion wert sein.

    Sein Gegenüber fasste sich schnell. Soviel Standhaftigkeit und Mum hatte er dem Persönchen gar nicht zugetraut. Hartes Holz muss nicht zwangsläufig eine knorrige Rinde haben.


    "Wenn Du an Zufälle glaubst."


    Viele taten dass, doch er hatte bereits einige Situationen erlebt, wo er den lenkenden Willen eines Gottes oder auch dessen Schalk förmlich hatte riechen können.


    "Deinem Äußeren nach zu urteilen, bewegst Du Dich sonst auch nicht allein in der Öffentlichkeit. Wer immer Dein Vormund ist, muss ein anderes Verhalten erwarten. Ich hoffe besagtem Mann geht es gut und es gibt andere Gründe warum er seine Aufsicht so schleifen lässt."


    Manchmal brachte der direkte Weg die besten Ergebnisse. Sie wohnte in der Casa Helvetia und musste daher in der Obhut der Gens leben. Sein Kommentar musste also sehr wahrscheinlich auf Geminus gemünzt verstanden werden. So konnte er erfahren, ob der Senator anwesend war und ob es ihm gut ging.


    "Du darfst ..... ich bin Cethegus. Und ein Retter bin ich weniger, sagen wir, ich habe etwas gegen Unrecht und Anmaßung."

    Falco war bereits einige Wochen wieder in Roma. Auf dem Weg und zunächst hatte er einiges über die neue politische und gesellschaftliche Lage im Reich erfahren. Was ihn direkt dazu veranlasst hatte seine Rückkehr ins Imperium keinen offiziellen Kanälen anzuvertrauen. Er war sich sicher, dass man dort seinen kaiserlichen Auftrag entweder gar nicht kannte oder heute nicht mehr so bewerten würde, wie früher. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ihn als Deserteur ansah lag nahe völliger Sicherheit. Es gab niemandem in Roma, dem er seine Anwesenheit gefahrlos mitteilen konnte. Die Garde und alle seinen anderen Kontakte befanden sich im Fluss. Nichts war mehr so wie früher oder klar und eindeutig.


    So war er zum einzigen Platz gegangen an den er noch gehen konnte. Zur Casa Helvetia. Und hatte diese verlassen vorgefunden. Doch seit jüngster Vergangenheit war dort wieder Leben eingekehrt. Doch irgendetwas war anders gewesen. Er hatte Personen ausgemacht, die er nie zuvor dort gesehen hatte.


    Seit Morgengrauen hatte er dem Anwesen gegenüber an einer Taberna gesessen und sich einen billigen Lucaner einverleibt. Ihm kam dabei zupass, dass er das Lokal früher nicht eines Blickes gewürdigt hatte, so blieb er unerkannt. Ad meridiem kam ein Mädchen aus dem Anwesen. Heute allein. Sie war eindeutig keine Sklavin oder Bedienstete. Der Ex-Gardist nahm sofort die Verfolgung auf. Nach einigen Umwegen führte ihr Weg in die Taverna Apicia, im Vergleich vor verlassenen Spelunke dreimal so groß. Mehr Kunden, mehr Auswahl, mehr Beschiss. Dort saß sie nun, jung, schön und alleine. Die ganze Szene war wie eine göttliche Einladung, doch der Gott war sicher Tyche gewesen. Er musste nur abwarten, auf das was zwangsläufig passieren musste. Nach nicht einmal einer halben Stunden stolperte der erste besoffene Jüngling ihrem Tisch entgegen.


    "Du bist ja eine echte Schönheit .... "


    Einem lauten Rülpser des Sprechers folgte dessen rüde körperliche Anregung ihn doch anzusehen, dem wiederrum folgte ein sich schnell nähernder Faustschlag Falcos gegen dessen Kinn. Der Säufer kam langsam aber um so wütender wieder auf die Beine und starrte in Falcos fixierenden Blick. Blut ran aus einem Mundwinkel. Die zunächst wütende Entschlossenheit bekam schnell Risse. Die Eiseskälte im Blick des Helvetiers überzeugte den Mann schnell den Rückzug anzutreten. Falco setzte sich der Dame gegenüber. Sie hatte den Angriff offensichtlich recht gut verarbeitet. Fester Charakter oder nicht erkannte Gefahr.


    "Du solltest in Begleitung oder später am Tag kommen. Dann sind hier oft Soldaten und bessere Kundschaft."

    Herzlich willkommen im Imperium Romanum. :)


    Leider ist die Gens Helvetia derzeit nicht unbedingt vorbereitet auf Neuzugänge. man würde Dir in einer anderen Gens sicher mehr Aufmerksamkeit schenken können, als wir das könnten.

    Ein weiterer Soldat schaltete sich ein.


    Falco wunderte sich wie wenig die Männer über die Pläne bereits wussten, er sah aber keinen Grund es ihnen nicht zu sagen.


    "Ich bin nur vorrübergehend der Berater von Legatus Livianus. Im Osten wird das Römische Heer in zwei Heeresgruppen zu je drei Legionen agieren. Eine nördliche über Armenia und eine südliche gegen Parthia selbst. Ihr bildet die Speerspitze der Heeresgruppe Süd, die sich in Zeugma sammelt. Ich werde dann den Kommandeur der Heeresgruppe Nord beraten, daher lande ich in Tarsus um nach Satala zu reisen."


    Falco hielt nichts davon die Soldaten von Informationen fernzuhalten. Gegen jeden Menschen hegte er Misstrauen, außer bei Legionären. Man war einer gemeinsamen Sache verpflichtet. Keine Ränkeschieden, sondern Vertrauen und Kameradschaft.


    "Salve, Marcus Iulius Licinus. Ein Julier begleitet uns. Venus Segen ist nicht wirklich notwendig für uns, zumindest nicht vorrangig. Aber Iulius Caesar stand neben der Göttin auch Mars zur Seite. Diese Paarung mögest Du uns auch beim Kommenden sichern."

    "Ja, man sollte immer wissen, mit wem man es zu tun hat. Darum sagte ich auch das, was ich vor einigen Tagen zu euch sagte. Ihr sollt wissen gegen wen ihr zieht. Die besten Waffen neben denen, die ihr tragt, sind Können und Wissen. Das Können habt ihr alle bereits zweifelos. Darum sagte ich euch, wer es sein wird, der euch dort nach dem Leben trachtet.


    Ich danke dir für deine Wünsche.


    Wie ist dein Name, Soldat?"


    Würde er mit seiner Funktion denn Erfolg haben? Würde Attianus denn auch nur einen Ratschlag annehmen?

    Falco schaut den Mann an, auch weitere fragende Gesichter richten sich auf ihn. Ihre Neugier ist berechtigt.


    "Nun Soldat. Ich bin Lucius Helvetius Falco ... und ich bin ein Praefectus Augusti ..."


    Bemerkt den noch immer leicht fragenden Blick des Mannes und muss leicht schmunzeln.


    ".... das kann eigentlich grundsätzlich alles bedeuten ...."


    Was genau war er nun eigentlich, die Frage stellte er sich selber. Er konnte nur sein Sprüchlein aufsagen.


    "Ich bin vom Kaiser als Militärberater eingesetzt worden. Ich berate euren Legaten und später im Feldzug andere Generäle des Kaisers. Ich kenne mich etwas aus, in dem Gebiet in das wir müssen, daher. Vor Cyprus verlasse ich euch allerdings wieder. Ihr braucht also keine Angst haben, ich sei ein überheblicher neuer ritterlicher Tribun, der euch gradwegs in die nächste Wüste führt."


    Lächelt leicht.

    Man näherte sich langsam Ravenna, dem Heimathafen der Classis Ravennas. In Mantua war man aufgebrochen, dann über Verona und über die Via Postumia und eine von Trajan errichtete Zwischenstrecke nach Patavium und zur Via Annia, auf der man allerdings nicht lange blieb und zur Via Popilia wechselte. Dann dieser folgend an der Küste entlang bis Ravenna. Julian würde die Via Flaminia hinaufkommen, die von Roma direkt nach Arminium führt. Nach Ravenna war es dann nur noch ein Katzensprung.


    Für die Strecke hatte man mit einem Ruhetag nur acht Tage benötigt. Ein gutes, aber unter den Bedingungen eines Ambulatio verständliches Tempo.


    Nun würde man die Truppe bald verladen und auf den Kaiser warten.


    Er hatte sich wieder neben der Marschkolonne eingefunden und sein Pferd Tantalos am Zügel haltend ging er neben den Männern her. Er war das Reiten leid und sah auf das Meer hinaus.


    Neben sich hörte er ein ".... verdammt gerne wissen wer das ist." und sah in die Richtung. Er konnte den Sprecher nicht ausmachen. Falls der Mann ihn gemeint hatte, so hatte er jetzt seine Chance ihn zu fragen.

    Falco ritt zunächst bei den Stabsoffizieren der Legion. Livianus hatte nicht zu den Männern gesprochen und er ritt auch nicht mit nach Ravenna. Das kam ihm seltsam vor. Aber das konnte viele Gründe haben. Vielleicht hatte der Kaiser vor diesem Vitamalacus ein eigenes Kommando zu übergeben und er wurde geprüft. Oder aber Livianus war zunächst unabkömmlich. Falco hekte den leisen Verdacht, dass er heimlich mit dem Kaiser weitere Planungen vorantrieb, von denen er nichts wusste. Er sah das als Verrat an, obwohl es keiner war. Warum sollte der Kaiser alles mit ihm besprechen? Warum überhaupt etwas? Er war Expraefect und außerhalb der Gesellschaft, wusste von den Vorkommnissen in Roma fast nichts mehr. Er war einfach zu lange weg gewesen. Trotzdem wollte er nicht außen vor stehen, alles wissen, an den Schaltstellen sein, Entscheidungen treffen und die Entschlüsse umsetzen. Die großen, nicht die kleinen.


    Falco verließ seinen Platz in der Marschrodnung und ließ sich langsam zurückfallen. Gelegentlich streifte sein Blick über die Köpfe der Soldaten. Ihr Weg würde nicht der seine sein. Er würde sie vor Cyprus verlassen und Attianus Berater sein. Berater einer Person, die seinen Rat nicht wollte, wahrscheinlich nicht einmal anhören würde. Es gab viel Ruhm zu ernten, Taten zu vollbringen und Größe zu erlangen. Vom einfachen Legionär bis zum Legaten. Nur er war in einer Posotion, die faktisch nichts versprach und keine Möglichkeiten bot. Die Aussicht nur Zuschauer zu sein zerfras ihn innerlich. Es musste doch einen Ausweg geben ....

    Falco hatte seinen Namen dann doch nicht gesagt. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass man als Unbekannter und Gerücht viel länger und nachhaltiger im Gespräch blieb, als wenn man bekannt war. Er verließ das Podium und bestieg Tantalos. Im Sattel lauschte er den Worten des Tribuns. Dieser sprach nur von Ravenna. Nicht von Caesarea, nicht von Damascus und nicht von Zeugma. War das kalkül? Zu welchem Zweck?


    Der Marsch ans Meer begann.

    Leise murmelte Falco die Worte der Soldaten mit.


    IURANT AUTEM MILITES OMNIA SE STRENUE FACTUROS QUAE PRAECEPERIT IMPERATOR CAESAR AUGUSTUS, NUMQUAM DESERTUROS MILITIAM NEC MORTEM RECUSATUROS PRO ROMANA REPUBLICA.


    Es schwören aber die Soldaten, dass sie alles entschlossen ausführen werden, was der Imperator Caesar Augustus befehlen wird, dass sie niemals den Dienst verlassen werden und den Tod für den römischen Staat nicht scheuen werden .....


    Falco hatte der Rede von Plautius interessiert gelauscht. Sie war wirklich inspirierend.


    Zu Vitamalacus gewandt.


    "So soll es sein, Tribun."


    Falco schwang sich aus seinem Sattel und betrat das Tribunal. Er wartete kurz bis sich Jubel und Rufe gelegt hatten und wieder Ruhe einkehrte. Er konnte den Blicken der Männer entnehmen, dass auch sie teilweise Gerüchte über ihn gehört hatten und sich fragten wer er sei. Aber seine Rolle war klar, er war Militärberater und nicht Feldherr. Dementsprechend würde er auch reden.


    Er hob die Arme.


    "Soldaten!


    Die Stunde eures Aufbruchs gen Osten ist gekommen. Die Zeit des Trainings und der Vorbereitung ist vorbei. Ihr stellt Euch einem Feind, dessen Kampfkraft seiner Tücke ebenbürtig ist. Rom führte seine Kriege stets direkt. Wer sich mit uns auf dem Feld der Ehre messen wollte, der hat uns nie zu suchen brauchen. Er wusste stets wo wir zu finden waren. In voller Sicht, in breiter Front, stolz und vereint unter unseren Adlern. Doch dieser Feind, dem ihr heute entgegen zieht, teilt diesen Ehrbegriff nicht. Dieser Feind wird sich nur stellen, wenn er sich sicher ist euch zu besiegen. Er wird versuchen eure Versorgungslinien zu kappen, euch von Wasser und Nahrung zu trennen. Er wird versuchen euch in kleinen Gruppen zu erwischen, um euch leichter niedermetzeln zu können. Er wird abwarten und zurückweichen, wo er keinen Vorteil sieht und euch vorwärts locken. Er wird euch Fallen stellen. Den sicheren Sieg vor Augen wird er viele von euch in Unachtsamkeiten zu ziehen versuchen, um euch fern der Heimat in den Tod zu schicken.


    Doch all dies ist kein Grund zu verzagen. Roms Legionen sind eine eingeübte Kriegsmaschine, die unter allen Bedingungen und gegen jeden Feind agieren kann. Erfolgreich agieren kann. Ihr alle seid wichtige Teile dieser Truppe. Ihr kennt euch. Ihr kennt eure Befehlshaber. Ihr wisst was ihr zu leisten vermögt. Der Gegner ist kein leichter, aber das seid ihr auch nicht! Ihr werdet marschieren, stets bedroht durch einen hochmobilen Feind. Doch nichts desto trotz unaufhaltsam. Parthia entzieht sich feige eurem Schwert, wo es dies nur kann. Doch ihr Schicksal wird sie ereilen. Roms Atem ist lang. Eure Entschlossenheit ist lang. Sie werden weichen und sie werden sich verschanzen und sie werden versuchen uns zu stoppen. Doch eure Caligae werden ihnen unaufhaltsam näher rücken. Der Weg nach Cetesiphon beginnt direkt hier. Noch mag der orientalische König feiern und Rom verhöhnen. Doch die Kraft, die wir heute hier entfesseln. Die wird ihn holen kommen. Unaufhaltsam. Ab heute, Männer, wird sein Untergang mit jedem eurer Schritte näher zu ihm gelangen. Ihr zieht nicht in euren Tod, nein, ihr bringt ihm den seinen! Vergesst das nicht. Vergesst es nicht, wenn es euch dürstet oder euch der Magen knurrt. Wenn man euch mit Pfeilen eindeckt. Es mag lange dauern, bis Roms Gerechtigkeit den Frevler erreicht, aber sie kommt. Wo immer man sich uns stellt, da werden wir kämpfen und siegen. Wir werden dem Gegner Stadt nach Stadt entreißen. Und mit jeder Stadt wird dem Feind sein Verderben deutlicher werden.


    Und bei alledem seid ihr die Ersten, die Wichtigsten, die Treusten, die Standhaftesten, die Mutigsten und die Tapfersten. Ihr seid des Kaisers Legion. Und er hat mich zu euch gesandt, um euch allen seinen Respekt auszusprechen und euch kameradschaftlich zu grüßen. Unter euch marschierend, unter euch kämpfend und unter euch siegend scheut er keinen Gegner und keine Gefahr. So tut auch ihr dies nicht. Er wird in Ravenna zu euch stoßen und nicht eher ruhen, als dass der Feind besiegt ist.


    tu regere imperio populos, Romane memento – haec tibi erunt artes – pacique imponere morem, parcere subiectis et debellare superbos, Vergil dixit.


    Vertraut auf euch!
    Vertraut auf eure Offiziere!
    Vertraut auf euren Kaiser!
    Und vertraut Mars!


    Aber vor allem ...... vertraut eurem Gladius!


    Ruhm und Ehre erwarten euch!"


    Als Militärberater war nicht Einpeitschen, sondern Ratio seine Aufgabe. Das hatte der Kaiser sehr deutlich gemacht. Diese Aufgabe hatte Falco erfüllt.

    Enthusiasmus und Kampfeswillen waren eine gute Sache. Sie sollten lange erhalten werden. Und vor allem in heiklen Situationen.


    "Es ist gut zu wissen, dass die Männer den Kampf suchen und den Tod nicht scheuen."


    Kurz darauf meldete ein hochrangiger Centurio Abmarschbereitschaft, hochwahrscheinlich der Primipilus der Legion. Falco musterte ihn.


    Ein weiterer Reiter gesellte sich zu ihnen. Es war Camillus Matinius Plautius, der Praefectus Castrorum. Falco hatte ihn im Lager gesehen und einen Soldaten gefragt. Der hatte ihn einen harten Hund genannt. Nach Augenschein konnte das auch gut der Fall sein. Salve Vitamalacus ... ohne Rangnennung. Scheinbar kannten sich die beiden recht gut. Praefectus Helvetius. Da man Falco keinerlei Rang, außer dem ritterlichen, ansehen konnte, war auch mit diesem Mann über seine Ankunft geredet worden. Falco fragte sich ob dies eine bloße Information gewesen war, oder ob die Offiziere anderes Wissen und Drittwissen austauschten. Was dachte der Mann wohl über ihn? Vermutlich hielt er ihn für einen Spion. Ein offensichtlicher Verdacht, der sich aufdrängte. Das brachte die fehlende Uniform automatisch mit sich. Doch sie fehlte nicht nur an sich, sondern sie fehlte auch Falco.


    "Salve, Praefectus Plautius."


    Vitamalacus fragte, ob er noch etwas zur Legion zu sagen hätte ...
    Ob das ein Test war in wie weit der Kaiser Falco gestattet hatte sich nach Vorne zu drängeln, wenn er dies für richtig hielt? Möglicherweise. Falco wollte sich aber diese unerwartet angebotene Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die Männer sollten wissen, wer er war.


    Vorher galt es aber noch ein paar Dinge abzuklopfen.


    "Ich richte den Männern gerne die Grüße des Kaisers aus. Was wissen die Truppen bereits? Ich sprach gestern mit dem Legaten darüber? Ich weiß allerdings nicht ob er Euch und/oder die Truppen bereits informierte. Also was Starthafen, Route, Landehafen, Marschweg, Sammelpunkt angeht. Will der Legat selber sprechen? Ich will der militärischen Führung da nicht vorgreifen."


    Eigentlich wollte er das aber schon. Schließlich hatte er einen Gutteil des Plans entwickelt und es wurmte ihn schon so imens, dass Attianus den Plan umsetzen würde. Er hatte aber keine Rücksprache mit dem Legaten gehalten, ob er hier sprechen sollte und was er sagen durfte. Eventuell nahm ihm dieser ein Vorwegnehmen übel. Vielleicht sollte er dies aber riskieren ...

    Heute hatte ich einen Möbelwagen vor der Tür, dessen Firmeninhaber einen wirklich interessanten Namen hat.


    Drauf prangte groß ..... Dieter Hunnenmörder. :D


    Wie die Familie den Namen wohl mal verdient hatte. ;)