"Das ist mir bekannt. Diese Anlässe werde ich dann auch persönlich wahrnehmen."
Valerianus machte nicht den Eindruck, dass er erfreut über diesen spitzen Hinweis war.
"Das wäre dann alles?"
"Das ist mir bekannt. Diese Anlässe werde ich dann auch persönlich wahrnehmen."
Valerianus machte nicht den Eindruck, dass er erfreut über diesen spitzen Hinweis war.
"Das wäre dann alles?"
"Dann sind wir ja schnell fertig. Danke für eure Unterstützung. Ich erwarte, dass die Sitzung des Consilium ebenso schnell beendet sein kann, wenn ihr gut vorbereitet seid."
Der Blick von Valerianus ging von einem zum anderen, auch wenn er keinen besonders scharfen Blick zustande brachte. Er ging davon aus, dass nun jeder seinen Aufgaben zur Vorbereitung des Treffens kannte.
Begleitet von einigen Beamten und Dienern für Schreibarbeiten betrat Valerianus den Raum. Langsam und wortlos begab er sich zu seinem Platz und setzte sich. Erst dann blickte er in die Runde und begrüßte nach einander die Anwesenden, begonnen mit seinem Bruder und Salinator jeweils namentlich, die anderen mit kurzen Worten.
"Ich danke für euer Kommen. Wir sind vollzählig?"
Ein Beamter tippte auf eine Zeile auf einer Wachstafel.
"Natürlich, der neue Praefectus Praetorio fehlt noch. Haben wir schon etwas, was wir ohne ihn besprechen können?"
Tatsächlich wäre es mit rein formellen Dingen und Entscheidungskompetenzen nicht getan.
"Bei der einen oder anderen Veranstaltung außerhalb der Sitzungen des Collegium Pontificium wird es ebenfalls notwendig sein, dass du mich vertrittst. Du weist, dass die Zahl meiner öffentlichen Auftritte und Audienzen gering ist. Wenn ich mich schon nicht selber gewissen Dingen wirdmen kann, so ist es doch mein Wunsch, dass es einer meiner Vertreter tut. Mein Bruder tut es in einigen Bereichen, Salinator tut es in einigen Bereichen und du wirst es bei religiösen Anlässen tun können."
"Einverstanden."
Was sollte er auch sonst sagen. Jeder andere Termin wäre ihm genauso ungelegen oder gelegen gekommen wie eben jener.
An der Art und Weise, wie sein Bruder das Thema vortrug erkannte Valerianus, dass er schlecht einen anderen für dieses Opfer vorschieben konnte.
"Wie nehmen den nächsten Termin, an dem keine anderen Zeremonien anstehen."
Er wollte sich nicht nachsagen lassen, die Götter warten zu lassen. Denn das wollte er tatsächlich nicht. Und wenn er schon mit den Consuln zusammen opfern sollte, dann wenigstens noch mit seinem Bruder an der Seite.
Fast brachte Valerianus so etwas wie ein erfreutes Lächeln zustande, bevor sein Nicken in einen Hustenanfall überging. Die waren in letzter Zeit zwar deutlich seltener geworden, aber von einer grundlegenden Besserung mochte weder er noch seine Ärzte sprechen. Immerhin beruhigte er sich auch diesmal recht schnell wieder. Der Pontifex schien schnell verstanden zu haben, wie sich Valerianus seine Rolle wünschte.
"Genau so ist es. In den meisten Fällen dürfte es reichen, wenn du mich im Nachinein informierst. Sitzungen des Collegium Pontificium, an denen ich nicht teilnehme, sollten ein passender Anlass sein. Du informierst mich über die Geschehnisse dort und sonstige Ereignisse der letzten Zeit. Bei der Besetzung des Collegiums oder der Magisterposten anderer Collegien erwarte ich, vorher informiert zu werden."
Jede Art von Meinungsverschiedenheit, die in der Vergangenheit zwischen ihnen im Collegium Pontificium aufgekommen war, schien Valerianus egal zu sein. Offenbar stand für ihn im Vordergrund, dass sich überhaupt jemand um eine Sache kümmerte.
Ein leiser erleichterter Seufzer entfuhr Valerianus, dass es sich offenbar nicht um dringende Angelgenheiten, sondern nur formale Fragen handelte. Die waren zwar ermüdend, aber immer noch besser als ungeplante Notfälle.
"Der Alltag ist es, bei dem du mich entlasten sollst. Ich kann nicht jeden Mann kennen, um dessen Aufnahme in ein Collegium gerungen wird und bei dem man mich um eine Entscheidung bittet. Und häufiger sind die Dinge profaner, als dass ich einen Auguren dazu befragen müsste. Du kannst dich in solchen Dingen auskennen. Mal werde ich nur deinen Rat brauchen, mal kannst du gleich in meinem Namen entscheiden."
Selbständig handelnde Beamte und Offiziere hatten dafür gesorgt, dass er im Illyricum eine Provinz und eine Legion vom Krankenbett aus führen konnte. Das musste einfach auch in Rom möglich sein.
Je mehr Namen für den Teilnehmerkreis vorgeschlagen wurden, umso weniger brauchte Valerianus sich selber darüber Gedanken zu machen. Also hatte er keine Einwände zu einem weiteren Vertreter, als auch sein Bruder keine hatte.
"Dann laden wir Octavius Victor auch dazu, wenn er schon häufiger hier war. Lassen wir das auch nochmal für den Purgitier gelten. Wenn er immer dabei war ist er auch jetzt dabei. Er leitet doch die Militärakademie, oder? Vielleicht kann er etwas zu den Tribunaten sagen. Oder du triffst dich direkt mit ihm. Den neuen Praefectus Praetorio laden wir natürlich auch ein."
Valerianus war gedanklich gerade mit anderen Dingen beschäftigt und blickte den Procurator und Senator mit unklarem Blick eine Weile an.
"Natürlich. Das Collegium Pontificium."
Fragend blickte er zum Pontifex, um in Erfahrung zu bringen, worum es ging.
Der genannte Name sagte Valerianus nicht viel. Er sagte ihm genauer gesagt gar nichts. Aber er vertraute seinem Bruder und wenn jener diesen Mann vorschlug, dann hatte dies zweifellos einen guten Grund.
"Dann soll er geladen werden, um diese gute Tradition auch weiterhin fortzuführen."
Wenn der Procurator keine Einwände gegen den Termin hatte, dann hatte Valerianus auch kaum welche.
"Mit dem Termin bin ich einverstanden."
Dem eintreffenden Salinator nickte er ebenso zu wie er es bei den anderen getan hatte.
"Danke, dass auch du so schnell kommen konntest. Ich kenne die Fülle von Menschen in der Stadt. Auch wenn ich sie meide."
Der Blick von Valerianus sagte das übrige dazu. Er hatte Ansprachen vor tausenden von Soldaten gehalten und war durch ihre Reihen gegangen und hatte dabei Stolz empfunden. Tausende Menschen, die die Straßen Roms verstopften, erregten nicht solche Gefühle. Zumindest in seinem derzeitigen Zustand nicht.
"Die Senatoren, ja, die waren beim letzten Mal schon dabei, oder? Tiberius Durus ist doch mein Pontifex pro magistro, der wird dann sicher beim Regifugium gebraucht."
Auch dass es schon Themenvorschläge gab, hatte er registriert.
"Die Liste mit den Tribunaten kannst du gleich an Salinator geben. Wenn es mehr Bewerber als Plätze gibt, kannst du schon eine Vorauswahl treffen, dann geht es schneller."
Die letzte Bitte galt Salinator, dem Valerianus in diesen Fragen mehr zu vertrauen schien als seinem Bruder. Dafür würde der wiederum bei den Standeserhebungen den besseren Überblick haben, nahm Valerianus an.
Beide Männer bedachte Valerianus bei ihrem Eintreffen mit einem kurzen Gruß, der bei seinem bruder etwas herzlicher ausfiel. Dann kam er auch ohne die Anwesenheit seines Stadtpräfekten zum Thema. Er rechnete mit dessen Eintreffen in Kürze, so dass er nicht viel verpassen würde.
"Es geht um ein nächstes Treffen des Consilium Principalis. Wir brauchen einen Termin, einen Teilnehmerkreis und Themen."
Hätte er nicht selber ein Thema gehabt, hätte er diese Besprechung kaum einberufen, aber sein Thema würde zwangsläufig nicht das einzige im Consilium sein, so dass er erst andere Vorschläge hören wollte.
Vor nicht allzu langer Zeit hatte Valerianus mit seinem Bruder zuletzt über das Thema gesprochen, nun wurde es wieder aktueller. Also ließ er einen Palastbeamten kommen.
"Mein Bruder und Salinator sollen sich bei mir einfinden. Und der Procurator a libellis auch."
Mit der Ernennung der neuen Pontifices war die Zeremonie für Valerianus fast beendet. Die vor Missfallen angesichts der Art der Zeremonie etwas verzerrten Gesichter einiger Anwesenden nahm er nicht wahr und war sich keines Fehlers bewusst. Auf der Liste der Aufgaben blieb nur noch ein Punkt übrig.
"Um auch in Zukunft einen reibungslosen Ablauf der Arbeit des Collegium Pontificium zu gewährleisten, übertrage ich Manius Tiberius Durus die Aufgabe eines Pontifex pro magistro, der als mein Stellvertreter die Geschäfte des Collegiums führen wird, wenn ich es nicht selber tue."
Noch einmal musste Valerianus nach vorne treten um den letzten Akt der heutigen Zeremonie zu bestreiten.
"Die Reihen des Collegium Pontificium haben sich gelichtet und es ist an der Zeit, diese wieder zu füllen."
Diesmal erbat er kein göttliches Zeichen, sondern erklärte dieses bereits für eingeholt, so dass er nur noch die Namen aufrufen musste. Tatsächlich waren unter diesen nicht alle, die im Collegium besprochen worden waren, so dass Zweifeler möglicherweise glauben konnten, dass eben göttliche Zeichen eine Änderung der Liste herbeigeführt hatten.
Ein Name nach dem anderen wurde verlesen.
"Marcus Aurelius Corvinus"
Es folgten weitere, bis alle Männer benannt und damit auch ernannt waren und ebenfalls ein gemeinsames Gebet und Opfer möglich war.
Erneut trat Valerianus einen Schritt nach vorne, um auf die Ankündigung und die Zustimmung der Götter auch die Ernennung folgen zu lassen.
"Nachdem die Götter ihre Zustimmung bekundet haben, ernenne ich den Pontifex Marcus Curiatius Fistus zum Flamen Quirinalis."
Wie schon beim Rex Sacrorum folgte ein kurzes Gebet und eine Gelegenheit für die ersten offiziellen Worte des neuen Flamen. Währenddessen konnten sich die zukünftigen Pontifices schon bereit machen. Ein Helfer reichte Valerianus eine Liste der Namen, die er zu nennen hatte.
Nachdem damit der erste unwichtigste Punkt auf der Liste der Ernennungen erledigt war, trat Valerianus erneut nahe an das Kohlebecken heran, um sich der zweiten Aufgabe zu stellen. Er wählte die identischen Worte wie zuvor, abgesehen vom Namen und Amt.
"Das Collegium Pontificium hat beschlossen, dass dem Pontifex Curiatius Fistus die Ehre zu Teil werden soll, zum Flamen Quirinalis erhoben zu werden. Haben wir die Zustimmung der Götter zu diesem Beschluss?"
Valerianus hatte mit keiner anderen Antwort des Auguren als dieser gerechnet. Er ließ Marcus Menenius Lanatus zu sich kommen und sprach zunächst kurz einige leise Worte zu ihm, die für die Umstehenden nicht zu hören waren. Dann wurde seine Stimme wieder etwas lauter.
"Auf Beschluß des Collegium Pontificium und mit Zustimmung der Götter ist damit Marcus Menenius Lanatus von jetzt bis an sein Lebensende Rex Sacrorum Roms."
Es folgten einige weitere Worte, ein Gebet und die Möglichkeit für den Rex Sacrorum, selber ein Gebet und ein Dankesopfer darzubringen und einige Worte zu sprechen. Die Prozession zu seiner Amtswohnung musste dagegen bis zum Ende der Zeremonie für die anderen Priester warten.
Ohne seinen Beamten für seinen Terminkalender konnte Valerianus wie immer gar nichts zu einem Termin sagen. Da ein Wahltermin aber auch praktisch nicht von seinen eigenen Terminen abhing und er davon ausging, dass Feiertage und ähnliches berücksichtigt waren, hatte er keinen Grund für eine Ablehnung.
"Dafür hast du meine Zustimmung."