Beiträge von Tiberios

    @SL,
    wie wäre es, dass der Kaiser bei gegebenem Anlass eine Lotterie startet und unter potentiellen Anwärtern des CH Missilia / Tesserae mit Grundstücken verlost, die dann auch im WiSim, sofern jemand ein Konto hat, eingetragen werden?


    Es könnte ja außerdem noch mehr Preise geben.


    Als nächstes bieten sich die Festlichkeiten des Armilustrium an.

    Porta Casa Furia >>>


    Tiberios dachte, dass dominus Scato die Bank genauso einladend erscheinen würde wie ihm selbst. Er blieb stehen und wagte kaum, den Iunier anzusehen. Das war nicht aus einem Gefühl von Demut heraus, sondern um nicht mit seiner Hand den Nacken des Mannes zu umfassen, ihn an sich zu ziehen und mit den Lippen die seinen zu berühren.
    All das stand Tiberios nicht zu, und dennoch musste er sich beherrschen, es nicht doch zu tun. Stattdessen war er scheu und verlegen.


    Nun lächelte er über Scatos Scherz: „Leider habe ich nichts vom Leichenfreund für Dich, Dominus Scato. Es tut mir Leid, dich zu enttäuschen, da du doch extra bis zur Casa Furia gekommen bist.“, sagte er: „Bei dieser Schriftrolle handelt es sich nur um einen privaten Brief, den ich an dich geschrieben habe.“


    Er hoffte, dass der Römer lesen würde, dies war ihm lieber, als sprechen zu müssen.

    Von der Casa Furia aus führte die Via Nomentana den Hügel Quirinal hinab; an hinter Mauern liegenden Stadtvillen, die mit kleinen Parkanlagen: Bäumen, Springbrunnen, steinernen Bänken zum Ausruhen abwechselten, vorbei, bis endlich zu der Porta Salutaris, einem der alten Stadttore.


    Tiberios dachte an eine kleines namenloses Fleckchen Grün, um den sich niemand mehr kümmerte, denn dort wuchs Gestrüpp und rankten sich Äste einer Kornellkirsche um die Statue einer Dryade, die er auf Grund der Nähe dieses Gewächses als Kraneia identifizierte. Dort unter der Statue, deren Bemalung bereits abgeblättert war, stand eine ebenso verwitterte halbrunde Steinbank. Es war ein vergessenes, von der Straße nicht einsehbares Plätzchen.
    Dorthin führte Tiberios Scato.


    >>> Namenloser Park der Dryade Kraneia

    „Oft bleiben einem diejenigen, mit denen man das Lager teilt, fremd.“, sagte Tiberios: „Nicht immer teilt man auch seine Gedanken. Aber auch das ist mir recht, wenn es Venus so haben will.“
    Er lächelte, als Iduna weiter seine Wange streichelte:
    „Ich schreibe dir gerne aus Alexandria. Es ist eine wunderbare Stadt.“


    Er dachte daran, dass er – lange war es her - einst Eireann versprochen hatte, ihr Alexandria und den pharos zu zeigen. Nur ein verrückter Traum war das gewesen, denn wie sollten zwei Sklaven das bewerkstelligen? Aber man durfte doch träumen, und wenn Eireann ihn, Tiberios, damals wirklich gewollt hätte, hätte der Traum nun wahr werden können: Bestimmt hätte Domina Stella sie nun zu zweit losgeschickt.


    „Warum ich bei dir auf Christin getippt habe?“, fragte Tiberios zurück:
    „Nur die Christen wollen uns darauf los Lebenden jedes Vergnügen untersagen! Verstehe mich recht, ich habe nichts gegen sie. Es sind ehrenwerte Menschen, und ich glaube nicht, dass sie scheußliche Verbrechen begehen. Du bist so ängstlich bei Zärtlichkeiten, das ich dachte, dass du vielleicht zu ihnen gehörst.“
    Jetzt flocht er eine Strähne ihres roten Haars um seinen Zeigefinger:
    „Weiter mit Antigone oder etwas anderes?“, fragte er in scherzhaftem Ton: „Wähle o Iduna, wähle weise!“

    Einen Moment lang fühlte Tiberios Terpanders festen Griff an seinen Hinterbacken, er hielt ihn fest und küsste ihn. Tiberios öffnete ein wenig den Mund, um mehr Leidenschaft zu erlauben, er drängte sich an ihn und spürte nun auch, dass Terpander bereit war; leise keuchte er auf und schloss die Augen.


    Während die Frau immer noch schrie, war der Mann verstummt und sein Hals wurde schlaff; am Fuße der Kreuze aber saßen im Schein einiger in den Boden gesteckten Fackeln ein paar milites, langweilten sich und spielten halbherzig mit astragali irgendein Würfelspiel.


    Wieder zögerte Tiberios, ihm stockte der Atem. Das Grauen schüttelte ihn; so viel Grauen, was Terpander, der mit Töten und dem Tod aufgewachsen war, vermutlich nicht nachvollziehen konnte: Diese Umgebung war wirklich nicht das, was der Alexandriner unter heiterem Venusdienst verstand: Die Sterbenden, die rohen Wachen mit ihrem Gelächter, die unheilvoll in den Nachthimmel ragenden Kreuze, deren Schatten im Flackern des trüben Scheins nach ihm wie mit Klauen zu greifen schienen.
    Als Terpander von Publikum sprach, war es noch einmal so für Tiberios, als gäbe es kein Entkommen. Sein Entsetzen war stärker als sein Begehren dem Mann gegenüber und bemächtigte sich seiner ganz und gar.


    „Hast du das zweite Opfertier für Hekate?“, flüsterte er – er wusste nicht, dass in dem Sack noch eine Schlange lauerte.
    Ängstlich hielt er sich an Terpander fest.


    Mittlerweile waren die Kreuzwachen auf sie aufmerksam geworden, sie schauten zumindest herüber. Aber es war nicht durch Gesetz verboten, sich Nachts vor den Stadtmauern herumzutreiben, auch wenn nur ein gewisser Menschenschlag so etwas tat: Verbrecher, Hexen und Christen, mit einem Wort das Böse.

    Casa Furia>>>

    Tiberios brachte noch am gleichen Tag einen Brief an dominus Appius Furius Cerretanus, der in der Casa Furia gelandet war, zum Posteingang der Cohortes Urbanae.
    Um das Schreiben vor Schmutz, Feuchtigkeit und Flecken zu schützen, hatte er ihn in einen Papyrus der furischen Hausverwaltung gerollt, die neue Adresse darauf geschrieben und alles neu versiegellt.


    Das war das Deckblatt:




    Ad Optio
    Appius Furius Cerretanus
    Cohortes Urbanae
    Castra Praetoria
    Roma





    Und dies der eigentliche Brief:



    Ad
    Appius Furius Cerretanus
    Casa Furia
    Roma


    Salve, lieber Freund!


    Anlässlich einer kleinen privaten Feier, würde ich mich freuen, wenn du mich in drei Tagen in der Casa Obsidia in Ostia besuchen könntest, um an der Cena teilzunehmen.
    Die Casa liegt etwa eine duo milla passum südlich vor den Toren Ostias.


    Mögen dich die Ewigen beschützen!


    [Blockierte Grafik: https://fontmeme.com/permalink/201008/f8d4f0e5787d21ff4be55c93c26d2566.png]



    Tiberios sah am Posteingang, dass ein Brief für dominus Cerretanus von einem gewissen Soranus angekommen war. Offensichtlich wusste der andere Herr nicht, dass der Optio meistens in der Castra zu finden war.
    Tiberios beschloss, den Brief hinzubringen. Um ihn vor Schmutz, Feuchtigkeit und Flecken zu schützen, rollte er ihn in ein unbeschriebenes Papyrus der furischen Hausverwaltung und schrieb die neue Adresse noch einmal darauf, bevor er alles neu versiegelte.




    Ad Optio
    Appius Furius Cerretanus
    Cohortes Urbanae
    Castra Praetoria
    Roma





    >>> Posteingang Cohortes Urbanae

    Tiberios hatte Krates zum emporium am südlichen Tiber geschickt, um gegen ein paar Asse einem der Transportleute eine Nachricht an den Sklaven Cassander mitzugeben.
    Nach einem Tag kam die Tabula im Handelshaus Furii an:

    Ad Cassander
    Handelshaus Furii
    Portus Ostiensis


    Salve Cassander,
    bitte kauf mir Vorräte für ungefähr 17 Tage ein:
    I Schlauch Posca
    Eingelegter Kohl
    X Zwiebeln
    I Hartkäse
    II Hartweizenbrote
    Öl
    allec*
    Nimm das Geld dafür aus der Kasse, bewahre aber die Rechnung gut auf.
    Vale Tiberios Casa Furia


    Weitere Erklärungen schrieb Tiberios nicht, weil Cassander große Mühe mit dem Lesen hatte. Aber er wusste, dass der ältere Mann für ihn Proviant einkaufen und auf ihn warten würde.


    Sim-Off:

    *allec= Pressrückstand von der Garumherstellung

    "Solange ich noch in Roma bin, unterrichte ich dich gern. Aber bitte frag künftig um Erlaubnis, ob ich hier sein darf. Ich würde mich wohler dabei fühlen. Und du willst doch deine neuen domini auch nicht verärgern. Immer lieber einmal zu viel fragen als zu wenig!"
    Auch Tiberios war ja schon durch Eigenmächtigkeiten in Schwierigkeiten geraten, daran dachte er ungern.
    Als Iduna seine domina eine "gütige Frau" nannte, nickte er bekräftigend:
    "Oh ja, Domina Stella ist gütig und klug. Ich hatte Glück....", sprach er:
    "Für mich ist es das erste Mal, dass ich verreise, denn diesmal werde ich an Deck sein, ein Passagier und keine Ware. Ich bin schon sehr aufgeregt. - Ich danke dir für die Gebete an deine Göttin, weil alle Göttinnen die eine Göttin sind."
    Dann streichelte Iduna seine Wange, und er fand das höchst angenehm. Einen Moment lang schloss er die Augen:
    Die nächste Bemerkung brachte ihn wieder zum Lachen:
    "Es sind nicht viele.", sagte er:
    "Ab und zu sind sie anwesend, das Verlangen und die Glückseligkeit, und wenn sie beim Anderen auch da waren, habe ich sie mit ihr oder ihm geteilt. Du sahst ängstlich aus, und ich wollte dich entspannen.
    Doch weil du mich so fragst, darf ich auch etwas fragen: Bist du etwa eine Christin?"

    Zitat

    Original von Marcus Iulius Dives


    ]Und gerade wenn Tigellinus - wie du sagst - selbst der Eigentümer der kaiserlichen Betriebe ist, dann ist es letztlich auch sein Problem (und nicht das des Augustus), wenn ein Aedil darauf kommt, dass ein Patrizier nach Lex Mercatus weder Goldmine noch Goldschmied noch Glasmacher in seinem Eigentum haben darf. Denn keiner dieser Betriebe ist landwirtschaftlich..


    Dazu hätte ich eine Frage: Wäre es legitim, dass ein Patrizier eine (eigene) Freigelassenen - ID zum Eigentümer macht und sich selbst zum Besitzer? (Ich denke, historisch war es so, denn nicht umsonst wurden einige Liberti so wohlhabend)

    Tiberios war ein wenig erstaunt über Idunas Betragen. Er hätte erwartet, dass sie, da sie schon Mutter war, Erfahrungen auf dem Gebiet des Eros hatte, aber sie benahm sich genau wie eine scheue Jungfrau, zögerte und war ängstlich, gab nach und zog sich wieder zurück.
    Tiberios aber mochte keine sich arglos gebenden Mädchen auf sein Lager ziehen, und es gefiel ihm auch nicht, wenn sie danach weinten und klagten über das, was sie ihm "geopfert" hätten.


    Und als sie ihn nun mit einem sanften Leuchten in den Augen ansah, sprach er:
    "Iduna, verliebe dich nicht in mich, denn Liebe kann ich dir nicht geben. Ich werde Roma bald verlassen und im Auftrag meiner domina auf eine längere Reise gehen. Ich kann mit dir nur Aphrodites sanften Zauber teilen."


    Er legte den Kopf schräg und erwartete Idunas Antwort.

    Tiberios duckte sich, steckte seine Schreibhand unter seine Achselhöhle und schirmte mit der linken Hand seine Augen ab, um das zu schützen, was er als Scriba am dringendsten benötigte.
    Der Stein vom Grabhügel purzelte zu Boden.


    Erst als nach dem Wurf kein weiterer folgte, sah der furische Maiordomus auf und musterte den blutbesudelten Mann
    „Offen gesagt siehst du genau wie ein Mörder aus,“, sprach er:
    dann wandte er den Kopf und betrachtete die Wurfklinge:
    „Interessant...“, sagte er, hütete sich aber, sie zu berühren:
    „Ich danke dir dafür, dass du mich gerade nicht treffen wolltest. Du bist wie Artemis, die Iphigenie verschont.
    Es käme deinen Finanzen aber auch nicht zu Gute, mich zu beschädigen, da du ansonsten Schadensersatz leisten müsstest. Die Furier haben Schlimmeres als Wurfscheiben – sie haben Anwälte...“


    Wie immer wenn Tiberios nervös war, sprach er zu viel, und die Präsenz des Spartiaten beunruhigte ihn gerade sehr:
    „Ich suche die Sklavin Eireann. Man sagte mir, sie triebe sich hier herum. Jemand hat es auf mich abgesehen, und ich wollte sie fragen, ob sie zufällig etwas damit zu tun hat.“

    Officium >>>


    Tiberios trat, den Brief für Dominus Scato immer noch in der Hand, an die Porta, verbeugte sich kurz und sprach:
    „Salve Dominus Miles, ich bin Tiberios, Maiordomus….“
    Dann erkannte er Sisenna Iunius Scato und blieb wie erstarrt stehen, als wäre er in den Bannkreis der Medusa geraten.
    Er rang sichtlich um Fassung, konnte aber nicht verhindern, dass er errötete.
    Mit allem hatte er gerechnet, nur nicht damit, dass Scato so etwas für ihn riskieren würde. Man besuchte als freier Römer keine Sklaven eines fremden Haushalts. Das war absurd, im besten Fall der Anlass zu gelindem Spott, im schlimmsten zur völligen gesellschaftlichen Ächtung.
    Daher reagierte Tiberios sofort, verbeugte sich noch einmal und sprach so laut, dass es Umherstehende hören konnten:
    "Du kommst bestimmt wegen der Übersetzung des Herophilos, die ich für dich anfertigen sollte. Verzeih mir, dominus, dass ich so lange gebraucht habe. "
    Er zeigte die Schriftrolle, die er in der Hand hatte:
    "Da mir meine Domina nicht gestattet, während ihrer Abwesenheit Besucher einzulassen, bitte ich dich, mit mir ein Stück zu gehen. Vielleicht könnten wir einige Anmerkungen besprechen?"

    Seine Stimme klang kühl und höflich, aber seine Hände zitterten und sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

    Tiberios bemerkte zwar, dass Aischylos mit jemandem Fremden sprach, weil die Hunde anschlugen, aber da den furischen Sklaven verboten worden war, während der Abwesenheit der Hausherrin Besuche zu empfangen, bezog er das nicht auf sich. Und Dominus Saturninus war wie jeden Morgen in Begleitung von Andreas schon zur salutatio seines Patrons und danach zur Kaiserlichen Kanzlei aufgebrochen.


    Der furische Sklave saß an seinem Schreibtisch und versuchte drei Abschiedsbriefe zu schreiben. Die ersten beiden gingen ihm leicht von der Hand, der dritte machte ihm zu schaffen, denn obwohl er um Worte selten verlegen war, wollten die Worte nicht so kommen, wie er sich das wünschte; so strich er mit dem breiten Ende des Griffels aus, machte gar tabula rasa, begann von neuem.


    Wie schrieb man an jemanden, den man eigentlich gar nicht kennen durfte? Dem man im besten Fall gleichgültig war und im schlimmsten Fall lästig fiel? Wie schrieb man gegen alle Vernunft, gegen galene und apatheia und unter dem unumstößlichen Diktat der Verhältnisse?
    Tiberios wusste, dass eines Tages alles nur eine lichte Erinnerung und ein kleiner Stachel in seinem Geist sein würde. Aber gerade jetzt tat es weh. Von all denjenigen, die er in Roma geliebt hatte, hatte er vielleicht nur einen wirklich geliebt, und ausgerechnet das war gegen die Regeln gewesen.


    Schließlich stand auf Tiberios' bestem Papyrus, geschrieben mit Eisengallustinte, folgendes:


    Salve Dominus Sisenna Iunius Scato,
    wenn Du diese Zeilen liest, stehe ich vermutlich schon in Portus und versuche eine Schiffspassage nach Alexandria zu ergattern.
    Meine Domina schickt mich dorthin, um alles für einen längeren Aufenthalt vorzubereiten.
    Ich verlasse Roma mit Dankbarkeit und Freude im Herzen, denn Tyche hat mich geleitet, geschützt und mir die Gunst und das Vertrauen der Furier, an die ich verkauft worden bin, gegeben.
    Es wird seltsam sein, Alex wieder zu sehen, fast als würde man seine Vergangenheit wiederholen, aber da ist nichts zu wiederholen, denn das Leben trennt uns durch die Zeit, die vergeht..
    Ich bete zu Mars und Faunus, dass sie ihre Hand über Dich halten, so dass Du Roma mit Größe dienen kannst und glücklich bleibst.
    Ich hoffe, die kleinen Kürbisse haben dir gefallen. Ich würde mir wünschen , dass Du ab und zu ein wenig freundlich an mich denkst.
    Euer Vergilius schrieb ja schon: Forsan et haec olec meminisse iuvabit*
    Vale bene Tiberios



    Manchmal war der Entschluss, dem anderen aus dem Weg zu gehen, der größere Akt der Liebe.


    Und so kam Tiberios ein Einfall, zu dem er sich gratulierte.
    Er würde seinen Brief an Terpander schicken. Sollte Terpander entscheiden, wann und ob überhaupt sein Herr diese Worte lesen würde. Terpander kannte dominus Scato gut, er würde den rechten Moment entweder wählen oder nicht wählen.


    Dann kam Aischylos und sagte, ein Urbaner stände an der Porta und wolle zu ihm. Tiberios hob den Kopf und runzelte die Stirn. Ob man ihn doch noch einmal für eine Zeugenaussage wünschte?
    Der Grieche nickte, sprach: „Ich komme“ und ging zur Porta. Den Brief, den er gerade geschrieben hatte, behielt er in der Hand.


    >>> Porta


    Sim-Off:

    *Vielleicht wird es einmal Freude bereiten, sich daran zu erinnern

    Tiberios kehrte aus der Casa Sergia zur Casa Furia zurück. Schon unterwegs überlegte er, was er auf seine lange Reise mitnehmen würde; das waren Kleidung wie seine warme chlamys und seine persönlichen Badeutensilien.
    Da er nun Domina Furia Stella gehörte, nahm er sich ein neues Bronzeschild mit der Inschrift SERVUS AUTEM FURIA STELLA an einem Lederband, um sich ausweisen zu können, falls er in eine Militärkontrolle oder allgemein in Schwierigkeiten geriet.
    Genauso wichtig war die Tabula der Domina Sergia Severa. Das Geld, das er auf der Reise brauchte, würde er teils in seine Tunika einnähen lassen, teils in seinen Beutel mit seinen Gerätschaften zum Schreiben packen, der immer an seinem Gürtel hing.



    Wenig später holte er Andreas zu sich, der ihm schon bewiesen hatte, dass er gut rechnen konnte und allgemein zuverlässig war.
    Er begann ihm das Haushaltsbuch und die Abrechnungen für das Handelshaus Furii zu erklären.
    "Wenn du nicht weiter kommst, frag Lyda, sie hat vor mir die Haushaltsbücher für unsere Domina geführt.", riet er:
    "Lieber einmal zu viel fragen als zu wenig."
    Andreas nickte ernsthaft, er war tüchtig.
    Dann stellte Tiberios sich selbst eine Quittung aus und sagte zu Andreas:
    "Die Summe trägst du am Ende des Monats bei Besondere Anlässe ein."

    Er schrieb:


    datum PRIDIE NON OCT DCCCLXX A.U.C.


    Zahlungsanweisung:
    Betrag: CD HS *
    in 100 Denari


    an Empfänger Tiberios, Sklave von Furia Stella, ausgehändigt in bar
    für die Reise nach Alexandreia ad Aegyptum**


    Ich quittiere den Erhalt der genannten Summe.
    Tiberios
    Maiordomus Casa Furia



    Sim-Off:

    *400 Sesterze
    ** Die Schiffsreise kostet laut Orbis ca. 340 Sesterze

    Tiberios merkte, dass Iduna ihn nicht verstanden hatte, und er schwieg einen Moment lang. Es gab nicht viele Menschen, die ihn wirklich verstanden; er war immer ein wenig fremd, nicht nur unter Sklaven, auch seinen domini gegenüber und sogar für die, die er liebte oder die ihn mochten.
    Als nun Iduna darauf beharrte, niemand könne ihr ihre Tochter wegnehmen, wo doch die Sklavenmärkte voller weggenommener Söhne und Töchter waren, lächelte er wissend und traurig und zog die junge Frau an sich:
    "Zume moni, pethenume moni, to endiameso fotino simio to leme zoi *", sagte er: "Wir leben allein, wir sterben allein, den hellen Punkt dazwischen nennen wir Leben, sagt man."
    Iduna wirkte so verwirrt, da fuhr Tiberios ihr mit dem Zeigefinger über ihre Lippen, leicht tat er es. Wenn sie diesmal nicht zurückschrecken würde, würde er vielleicht weitergehen, aber verängstigen oder gar drängen wollte er die cheruskische Sklavin auf keinen Fall.




    Sim-Off:

    * Ein Zitat des (neu)griechischen Dichters Nikos Kazantzakis

    Tiberios schüttelte den Kopf. Jungfräulichkeit bei einer Mitsklavin...das würde er nicht erwarten. Warum auch?
    "Ich suche keine Jungfrauen, das gibt nur Ärger.", gab er zu.


    Aber als Iduna sagte, dass Aislin ihr pharos sei, sprach er:
    "Die Lebenden sind die schlechteste Wahl. Viel schlechter als das, was in den Schriftrollen steht, da du Menschen verlieren kannst; sie können dir weggenommen werden oder Thanatos holt sie sich. Es ist mehr: Du wirst sie auf die eine oder andere Weise immer verlieren."


    Er hob den Kopf und schenkte der jungen Frau einen kühlen Blick.

    Tiberios zuckte die Schultern, so ganz begriff er nicht, was seine Person mit Angus zu tun hatte. Es konnte vorkommen dass man an jemanden Fiesen geriet, gerade als Sklave, aber deshalb niemals wieder Sinnenfreuden genießen?
    Der Alexandriner zuckte die Achseln:
    „Ein höfliches Nein auf eine höfliche Anfrage ist für mich nichts Negatives.“, sprach er: „Aber willst du wirklich dein künftiges Leben wie eine Vestalin leben? Ich meine, du bist noch zu jung dafür.“
    Laut den griechischen Ärzte war es sogar gesundheitsschädlich, aber vielleicht war das bei Frauen und besonders Barbarinnen anders.


    „Ich freue mich, dass du Vorlesen üben willst. Du wirst schon merken, alles was du lernst, gehört für immer Dir, und keiner kann es dir wegnehmen. Als ich … in Gefangenschaft war, habe ich im Geiste alles rezitiert, was ich jemals auswendig gelernt habe, sonst hätte ich vielleicht den Verstand verloren. Die Worte der Großen, die vor uns gelebt haben, sind immer ein Trost, liebe Iduna, und wie der Pharus Alexandrinus ein Leuchtturm in finsterster Nacht.“
    Tiberios wusste nicht, ob die junge Frau ihn völlig verstand.