Als ich 6 Jahre alt war, wurde unser Dorf überfallen.
Kurz deute ihr Blick zu Valentin um zu verdeutlichen, dass sie von ihrem Dorf in Germania Magna sprach.
Während sich der größere Teil gen Rom wandt, entschieden meine Eltern, dass wir in Britannien unser Heil suchen. Hier verlebte ich 9 glückliche Jahre. Ich lernte Latein lesen, sprechen und auch schreiben. Unser Dorf befand sich in der Nähe einer großen römischen Stadt. Das Trauma des Angirffes hatte ich verdrängt, schlichtweg vergessen. Nur hin und wieder in Träumen suchten sie mich heim. Nach diesen 9 Jahren, kamen Gerüchte auf. Männer aus dem Norden würden die Küste Britanniens heimsuchen und alles plündern und brandschatzen was sie vorfanden. Viele flüchteten. Doch mein Vater und einige andere Männer hielten aus. Mein Bruder Firmus war allein unseren Verwandten hier nach Mogontiacum gefolgt und wollte zurückkehren. Mein Vater harrte aus, zu lange. Sie fanden unser Dorf. Was sich ihnen in den Weg stellte, erschlugen siewas wegrennen wollte fingen sie und entschieden dann was sie mit ihnen machen wollten. Was sich ergab wurde gefangen genommen und eventuell am Leben gelassen. Ich weiß nicht wie viele bei Einfall starben. Die Gefangenen trenneten sie. Hauptsächlich hübsche und junge Frauen sammelte sie getrennt, auch ein paar kräftige Junge Männer waren dabei und wenige Kinder. Die anderen brachten sie vor unseren Augen um. Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel und Tanten...Alles und wir mussten uns dann ansehen. Sie hofften, dass sie uns damit abschreckten, uns Angst machten, dass wir das machen was sie wollten. Wir sollten Sklaven werden. Sklaven, römischer Herren und Herrinnen. In Ketten banden sie uns zusammen, trieben uns auf ihr Schiff und setzten mit uns über. Dann begann ein langer Fußmarsch durch die Provinzen. An jedem Markt machten wir halt, versuchten sie uns zu verkaufen. Ich hatte mich in mein Schicksal ergeben, musste ich auch. Denn ein kleines Mädchen, dass ich vor dem Tod im Dorf rettete, musste geschützt werden. ICh hatte dies übernommen. Doch es wurde nach nur zwei Wochen im Reich verkauft und ich war allein. Die Bilder dieses Überfalls und des damals begannen mich in meinen Träumen zu verfolgen. Irgendwann besann ich mich wieder auf das was ich war. Ich war eine Germanin, eine Wölfin. Kampflos aufgeben war uns fremd. Wir kämpften so lange es uns möglich war. Also begann ich dies. Ich suchte Möglichkeiten, Unstimmigkeiten und floh. Drei Versuche unternahm ich. Sie fingen mich drei mal wieder ein. Nachdem ersten Mal gab es Schläge. Sie wollten ihre Ware nicht beschädigen. Beim zweiten Mal noch schlimmere. Es waren Schmerzen, die man meinte kaum aushalten zu können. Dennoch nahm ich es auf mich und floh ein drittes Mal.
Hier unterbrach sie und atmete kurz tief durch, trank ein schluck, sah kurz zu Valentin und danach wieder zu Commodus.
Sie baneden mich an einen Baum. Das Gesicht gegen den stamm gelegt und die Hände auf der aderen Seite zusammen gebunden. Zwanzig Schläge sollten es sein. Ich weiß nicht ob es so viele waren oder ob es gar mehr wurden. Schmerzen, die ich mir nie vorgestellt habe empfinden zu müssen, lernte ich kennen bis mich eine gnädige Dunkelheit umfing. Doch sie hatten erreicht was sie wollten. Ich kämpfte nicht mehr, fügte mich meinem Schicksal und versuchte mit all den Erfahrungen zu leben. Damit klar zu kommen ein Tier zu sein und nichts mehr. Nicht würdig anständig behandelt zu werden. Mein Bruder Firmus traf Monate später auf den Zug hier vor Mogontiacum. Es waren nur noch wenige übrig und er rettete mich. Sonst wäre ich wohl jetzt nicht hier sondern Sklavin in einem römischen Haus irgendwo im Reich oder tot weil sie mich nicht verkauft bekamen. Denn die letzte Strafe hat nicht nur Spuren in der Seele hinterlassen.
Es fröstelte sie auf einmal leicht und sie zog die Decke enger um sich.