Beiträge von Lysias

    Es war unerträglich heiß. Erbarmungslos brannte die Sonne auf den Innenhof, daß die Steinplatten bereits zu kochen begannen. Meine Kreuzschmerzen war in letzter Zeit wieder schlimmer geworden. Jeder Schritt tat in den Knochen Weh. Ich beeilte mich hinüber zu gelange in den Trakt der Domus Aeliana. Die Tor war verschlossen, also klopfte ich an. Das dumpfe Klopfen hallte in den meterlangen Gängen hinter der Tür. Ich wartete bis einer der Sklaven die Tür öffnen würde, da brachen mir die Beine weg...

    Ich versuchte es nochmal. Dieser Sklave war eine harte Nuss. Ich beschloss diesmal weniger zu sagen und mehr über Zeichen mich mit ihm zu verständigen.
    Deswegen zeigte ich auf ihn, während ich sprach:


    Se-rrr-vus !!! Tu !


    Dann deutete ich auf mich und sagte:


    Ego ! Ego Lysias sum !


    Der Sklave schien nicht den schlausten Eindruck zu machen. Hoffentlich hatte er es jetzt verstanden.

    se-r-vus !


    Dann machte ich eine Pause. Ich zeigte mit dem Finger auf ihn und sprach:


    Tu, dabei stubste ich mit meinem Zeigefinger gegen seine Brust. tu se-r-vus es.


    Dann zeigte ich durch das Fenster in richtung der Domus Aeliana.


    Aelius Quarto dominus est.

    Ich hatte es hier wirklich mit einem besonderen Exemplar zu tun. Der Sklave sprach mir langsam nach.


    Bene. Dabei zeigte ich auf ihn und versuchte ihm durch einen freudigen Gesichtsausdruck zu signalisieren, daß er es gut gemacht hatte.


    Dice iterum ! servus mei domini sum.

    "Ah, ja. Ich erinnere mich an Dich. Dein Herr ist Lucius Aelius Quarto ? Und wenn ich ihn richtig verstanden habe, bist du des Lateins kaum mächtig.


    Ich legte meine Schriftrolle vor mir auf den Tisch ab, erhob mich und ging auf ihn zu.


    Dann bringen wir dir mal ein paar Sätze bei. Sprich mir nach:


    servus mei domini sum.

    "Beim Barte des Zeus ! Wer stört mich in meiner griechischen Ruhe ?"


    Ich schaute aus den Bergen von Schriftrollen empor. Ich saß gerade über einer Übersetzung der Gorgias von Platon und wurde aus meinen Gedanken jäh unterbrochen, als der Wind der längen Gänge des Palastes die Tür zuknallte.


    Ich sah diesen Sklaven, den ich schon einmal gesehen hatte.


    "Wer bist du ? Wie lautet dein Name ?"

    Da war es also. Die Spitze der römischen Nahrungskette. Quarto hatte mich mitgeführt zum Bankett des Imperators. Ich war im Gespräch mit einigen römischen Jünglingen patrizischer Herkunft vertieft, da fiel mir ein Mann auf, den ich meinte, irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Es mußte schon bestimmt 20 Jahre her sein und er hatte sich in seinem Aussehen verändert. Ich ging auf ihn zu.


    "Ave Caesar ! Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Lysias, Historiker und Schriftsteller aus Athenae. Darf ich Dir, Caesar, zu deinem Sieg über Laeca gratulieren und zu deiner reizenden Gattin ebenso !"


    Dabei blickte ich die Frau an der Seite des Caesars an und neigte mein Haupt als Zeichen der Begrüßung und Ehrbietung.

    Hier ist es also. Die neue Arbeitsstätte von Lysias.
    Unter Bergen von Schriftrollen türmt sich so mancher Schatz und die bedeutendsten Werke der römischen Civilisation. Hier verbringt Lysias wohl die meiste Zeit des Tages, wenn er sich nicht in der Domus Aeliana aufhält oder dringende Geschäfte zu erledigen hat. ;)

    Es ist sehr räumlich und bietet mir eine Menge Platz für meine Schriften. Sie sollen bald ankommen mit einem Schiff. Ich muß mich noch darum kümmern."


    Ich blickte mich um.


    Und durch die breiten Fenster scheint gut die Sonne und erhellt den Raum. Wirklich, sehr schön !"

    Ja, ich könnte mir vorstellen, daß es oft sehr einsam wird in den langen Gängen des Palatiums.


    Was man mir erzählte, war, daß du gegenüber den anderen Kandidaten die meisten Stimmen auf dich vereinigen konntest. Du hast eben das richtige Näschen dafür, was das Volk hören will.


    Ich griff ebenso nach einer Nuss.


    Danke für deine Bemühungen. Ich werde mir das Zimmer später zu Gemüte führen.


    Mir drängt sich da eine Frage auf. Dein Bruder ? Der Caesar. Hat er lockige Haare, kurz geschnitten und einen eher kräftigeren Körperbau. Ich meine, ihn nämlich schon mal gesehen zu haben.
    Es muß eine Ewigkeit her sein und bestimmt hat er sich sehr verändert. Er war noch ein Knabe. Ich glaube, es war in Piräus am Hafen. Du bist aufgebrochen nach Rom und da stand er an Deck. Er wird mich nicht mehr kennen, soweit ich micht nicht täusche."

    "Mach dir darum keine Gedanken. Mein Lohn soll Speiß und Trank und eine Unterbringung sein. Vielleicht magst du ja mitbekommen, daß mein Gesuch beim Imperator Gehör gefunden hat. Es wird noch eine Zeit dauern bis ich mich eingearbeitet habe.


    Vielleicht könntest du ihn bei Zeiten zu mir rüberschicken. Ich halte mich zumeist in der kaiserlichen Bibliothek auf.


    Aber jetzt erzähl mal von dir. Ich habe von deinem erfoglreichen Auftritt auf der Rostra gehört. Du sollst deine Gegner rhetorisch erniedrigt haben. Es war bestimmt nicht so übertrieben, aber ich schnappte diese Worte von einem alten Trunkenbold auf.


    Was sind jetzt deine Pläne als Quaestor ?"

    Ich nahm das Glas mit Wein entgegen.


    "Wirklich, ein guter Jahrgang. Du hast einen großartigen Auschwung geschafft. Ich gratuliere dir."


    Dann blickte ich zu dem Sklaven.


    Mhmm, ich weiß nicht, ob bei dem meine Lehrmethoden einschlagen werden, aber ich will es gerne versuchen.

    Ich stand auf dem Forum Romanum mit einigen anderen und laß die neueste Ausgabe der Acta Diurna. Beim Lesen der Zeilen überkam mich tiefes Bedauern für dieses Rom, das dem moralischen Verfall näher ist, als es zu sein scheinen glaubt.


    "Römer !


    Ich frage euch, was haben Religion, Spiele zu Ehren der Götter, mit Politik zu tun. Ich bin kein Römer und kann eure Ansichten nicht verstehen, aber nach meiner Ansicht ist es ein Frevel, wenn so triviale, unvollkommene Dinge wie Politik mit dem höchsten Gut, der Religion in Berührung kommen.
    Und trotzdem wird hier ganz unverhohlen für die religiösen Spiele zu Ehren der Göttin Deme..bzw. Ceres geworben und eine politische Factio rühmt sich mit der Ausrichtung dieser Spiele und sonnt sich im Glanz der Göttin.


    Wo sind die Priester unter euch, die moralisch anständigen Menschen, die diesen Makel erkennen und laut aufschreien müßten ?
    Oder ist es schon zur Gewohnheit geworden, daß sich kein Römer mehr aufregt ?"

    Ich ging auf Quarto zu.


    "Quarto, altes Schlitzohr ! Du hast mir nie etwas von einer Verwandtschaft mit dem Hause Ulpia erzählt.


    Ich erwiderte den straken Händedruck.


    Aber sag mir, wer ist dieser merkwürdige Sklave, der scheinbar weder des Griechischen, noch des Römischen mächtig ist ?"