Beiträge von Tiberia Livia

    Ein vornehm gekleideter Sklave öffnet die Porta und mustert den davor stattfindenden Aufzug und die wartende Sänfte mit Wohlgefallen. Von dem besonderen Besuch des heutigen Tages ist natürlich auch er informiert. Dennoch erkundigt er sich zunächst höflich bei der Anklopfenden.


    "Salve. Was kann ich für Euch tun?"

    Pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt betritt Livia das Triclinium. Sie trägt ein in Stoff eingeschlagenes Paket bei sich, welches sie mit großer Vorsicht an der Seite abstellt. Dessen Formen lassen auf ein größeres Keramikobjekt, wie etwa eine Amphore, schließen. Dann sieht sie lächelnd zu Felix und begrüßt ihn freundlich. Sie sind sich längere Zeit nicht über den Weg gelaufen und Livia freut sich ehrlich, ihn wieder zu sehen.


    "Salve, Felix. Sind alle Vorbereitungen getroffen?"

    '...das Lager teilen.' Diese Worte hallen noch unheilverkündend in Livias Kopf nach und sie spürt, wie es ihr kalt den Rücken hinunterläuft. Sie lächelt jedoch tapfer und schiebt den Gedanken so rasch wie möglich beiseite. Hoffentlich ist es nur nicht ganz so schlimm, wie sie befürchtet. Bloß nicht weiter bei diesem Thema bleiben.


    "Glaubst du denn, dass wir es schaffen, uns nicht Tag ein Tag aus zu streiten?"


    Ein zweifelnder Ausdruck liegt auf Livias Gesicht, während sie Hungaricus mustert.


    "Wir haben uns wohl jeder schon sehr an unser unverheiratetes Leben gewöhnt und pflegen derzeit einen sehr unterschiedlichen Lebensstil. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde, deine Eigenheiten ganz ohne jeglichen Kommentar zu ertragen."


    Sie hebt die linke Augenbraue leicht an. Auch wenn Livia von ihrer eigenen Lebensweise sehr überzeugt ist, fehlt ihr nicht die Einsicht, dass es auch andere Meinungen gibt.


    "Umgekehrt wird es sicher ähnlich sein. Hoffentlich ergibt sich daraus kein unendlicher Machtkampf..."

    Verlegen stellt Livia fest, dass sie laut vor sich hingesprochen hat. Ein Anflug von Röte erscheint auf ihren Wange und sie schüttelt rasch den Kopf.


    "Ach, nichts."


    Sie beeilt sich, sich von der kurz durchscheinenden Unsicherheit nichts anmerken zu lassen und lächelt ihrem Verlobten zu.


    "Wir könnten auch einfach bis in alle Zeiten lediglich verlobt bleiben..."


    Ein Teil von Livia begrüßt diese Aussicht, während ihr Verstand die Überlegung jedoch gleich wieder als unrealistisch beiseite schiebt. Sie sieht Hungaricus an, überlegt kurz und spricht die Frage dann endlich aus.


    "Du warst doch schon einmal verheiratet. Wird es nach der Hochzeit genau so weitergehen wie zuvor? Oder verändert sich alles? Was verändert sich?"


    In diesem Moment kommt Livia sich unsäglich naiv vor. Doch sie weiß beim besten Willen nicht, wen sie das sonst fragen sollte. Ihre Eltern sind längst verstorben, ihre Brüder auf und davon und zu dem Rest der Familie hat sie kein sonderlich enges Verhältnis. Um nicht allzu schwach zu wirken, sieht sie ihn eindringlich und mit ernster Miene forschend an, während sie auf seine Antwort wartet.

    Allmählich wird Livia ein wenig genervt. Das Lächeln verschwindet wieder von ihrem Gesicht.


    "Eingeschnappt? Wie kommst du darauf?"


    Sie seufzt und sieht ihn fragend an, um dann abzuwinken.


    "Ach, schon gut..."


    Ein Themawechsel erscheint ihr jetzt geschickter. Auf der Suche nach etwas Unverfänglichem sieht sie sich auf den Mercati um, wird jedoch nicht wirklich fündig und blickt wieder zu Hungaricus auf. Auf einmal muss sie über ihre eigene Situation schmunzeln und spricht ihren Gedanken geradeweg aus.


    "Wir machen es uns gegenseitig nicht gerade leicht, wie? Einigen wir uns auf einen Waffenstillstand und den Heimweg?"

    An Lucius Aelius Quarto,
    Domus Aeliana, Roma


    Salve, Aelius.


    ID IAN DCCCLVI A.U.C. (13.1.2006/103 n.Chr.) gedenken wir in engem Kreise einen kleinen Imbiss zu servieren. Zu dieser Gelegenheit wird man sich zudem das Werk eines Künstlers zu Gemüte führen, um in aller Ruhe und Ungestörtheit über die Eindrücke zu sprechen.


    Sei herzlich zu unserer bescheidenen Gesellschaft eingeladen und erscheine, so du uns die Ehre erweist, zu oben genanntem Termin in der Villa Flavia Felix zu Roma.


    Vale,
    Secundus Flavius Felix
    Tiberia Livia

    Livia atmet kurz durch und sieht Felix tief in die Augen, als wolle sie seine Ansicht schon im Voraus ergründen.


    "Nun, es ist so..."


    Obwohl außer den beiden niemand im Raum ist, sieht Livia sich unsicher nach Mitlauschern um. Dann schiebt sie ihre Bedenken beiseite, rückt noch etwas näher zu Felix und bringt ihr Gesicht näher an seines heran. Dabei nimmt sie unwillkürlich seine Körperwärme und den angenehmen Duft sauberer, gepflegter Haut und kostbarer Öle wahr. Mit gedämpfter Stimme und ernstem Tonfall fährt Livia fort. Ruhig und gefasst erzählt sie ihm von ihren Gedankengängen, ihren Plänen für die Zukunft, ihrer Sicht der Dinge und den sich daraus ergebenden Problemen.


    Als Livia geendet hat hält sie inne, rückt vorsichtig wieder ein Stück von Felix ab und sieht ihm fragend ins Gesicht.


    "Was hältst du davon?"


    Angespannt erwartet sie seine Antwort.

    Gedankenverloren isst Livia einen Bissen nach dem anderen. Hungaricus Bemerkung holt sie wieder in die Gegenwart zurück.


    "Wie? Was? Achso... Ja, das stimmt."


    Sie hält inne, als ihr bewusst wird, dass sie sich nicht entscheiden kann, ob sie das nun positiv oder negativ bewerten soll. Einerseits bleibt ihr das Eheleben vorerst erspart, andererseits waren ihr klare Verhältnisse stets lieber. Unentschlossen und nachdenklich sieht sie zu Hungaricus hinüber, legt ihr Besteck beiseite und reinigt sich die Hände mit einem bereitliegenden Tuch.


    "Ich habe mich schon ziemlich an diese Situation gewöhnt..."


    Ihre Gedanken schweifen weiter und drehen sich nun um das zu erwartende Eheleben, für das unangenehme Überraschungen nicht auszuschließen sind. Bedächtig trinkt Livia einen Schluck aus ihrem Becher. Ob es in etwa so ablaufen wird wie der heutige Tag? Wie diese gemeinsame Mahlzeit? In dem Falle scheint es ihr erträglich. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie sich nicht Tag für Tag ausschließlich streiten. Livias Augen ruhen weiter auf dem essenden Verlobten. Er selbst war schon einmal verheiratet, wohingegen Livia keinerlei eigene Erfahrungen verzeichnen kann und ihr Wissen über die Ehe nur aus Beobachtungen und Büchern bezieht. Niemals würde sie irgendwem gegenüber zugeben, wie unsicher sie vor allem der Hochzeitsnacht noch entgegen sieht.


    "Es wird sich schon alles zum Guten wenden..." sagt sie leise vor sich hin.

    Livia seufzt.


    "Natürlich lasse ich auch hin und wieder einen Schneider kommen. Doch meistens greife ich lieber auf die Dienste meiner eigenen Sklaven zurück. Trotz allem kann es jedoch einigermaßen inspirierend sein, sich die Angebote der Händler direkt auf dem Markt anzusehen. Wie dem auch sei. Vergiss die Idee. Es war ja nur ein Vorschlag. Du brauchst dir doch keine Gedanken machen, dass ich übermorgen plötzlich nicht mehr genügend Kleider habe..."


    Bei diesem Gedanken muss sie angesichts ihrer großen Auswahl an verschiedenen Kleidern, Tuniken und Pallas doch leicht schmunzeln.


    "Wie viele Sklaven hältst du eigentlich in deiner Casa? Werden wir uns noch einige dazu kaufen müssen? Für meinen eigenen Bedarf habe ich genug..."

    An Manius Flavius Gracchus,
    Villa Flavia Felix, Roma


    Salve, Flavius.


    ID IAN DCCCLVI A.U.C. (13.1.2006/103 n.Chr.) gedenken wir in engem Kreise einen kleinen Imbiss zu servieren. Zu dieser Gelegenheit wird man sich zudem das Werk eines Künstlers zu Gemüte führen, um in aller Ruhe und Ungestörtheit über die Eindrücke zu sprechen.


    Sei herzlich zu unserer bescheidenen Gesellschaft eingeladen und erscheine, so du uns die Ehre erweist, zu oben genanntem Termin in der Villa Flavia Felix zu Roma.


    Vale,
    Secundus Flavius Felix
    Tiberia Livia

    An Claudia Antonia,
    Villa Claudia, Roma


    Salve, Claudia.


    ID IAN DCCCLVI A.U.C. (13.1.2006/103 n.Chr.) gedenken wir in engem Kreise einen kleinen Imbiss zu servieren. Zu dieser Gelegenheit wird man sich zudem das Werk eines Künstlers zu Gemüte führen, um in aller Ruhe und Ungestörtheit über die Eindrücke zu sprechen.


    Sei herzlich zu unserer bescheidenen Gesellschaft eingeladen und erscheine, so du uns die Ehre erweist, zu oben genanntem Termin in der Villa Flavia Felix zu Roma.


    Vale,
    Secundus Flavius Felix
    Tiberia Livia

    Mit Missfallen betrachtet Livia ihren in seine Dokumente vertieften Verlobten. Einige Manieren wird sie ihm also noch beibringen müssen. Insgeheim den Kopf schüttelnd erhebt sie sich jedoch wortlos und setzt sich an eines der beiden Gedecke. Still und möglichst leise tut sie sich eine kleine Portion von dem Essen auf und trinkt einen Schluck Wasser. Sie will gerade zu essen beginnen, als Hungaricus sie erneut anspricht. Livia hält inne und sieht erstaunt zu ihm hinüber.


    "Tatsächlich? Dessen war ich mir nicht bewusst. Ich hoffe, er ist nicht beleidigt deswegen." ;)


    Sie muss ein wenig schmunzeln.


    "Selbstverständlich ist mir auch etwas ausgefalleneres als das willkommen, aber ich bin nun wahrlich nicht so bewandert in der Kochkunst, als dass mir aufwändige Rezepte für Nachspeisen geläufig wären. Außerdem... mag ich Obst."


    Noch immer in sich hinein lächelnd wendet sie sich wieder ihrer Mahlzeit zu und steckt sich einen kleinen Bissen Fleisch und Käse in den Mund. Zu ihrer Freude hat Ursus sie auch heute wieder einmal nicht enttäuscht. Das Fleisch ist wunderbar zart und der Käse besitzt gerade die richtige Würze.

    Livia seufzt leise und gibt es für heute auf. Mit diesem Mann hat man es wahrlich nicht einfach. Ständig hat er etwas zu mäkeln oder einzuwenden.


    "Natürlich nicht zu grell. Ich möchte einfach warme, positive Farben..."


    Auf seine Frage hin schüttelt sie den Kopf.


    "Nein, ich wollte es dir nur anbieten, falls du Einfluss darauf zu nehmen gewünscht hättest. Die Besorgungen eilen nicht. Ich werde sie anderenfalls einer Sklavin übertragen. Mir selbst ist dieses Gedränge auf den Märkten zu sehr zuwider, als dass ich hier längere Zeit mit der Auswahl von Stoffen verbringen möchte."


    Livia verzieht leicht das Gesicht in Erinnerung an ihre ersten Versuche hier auf den Trajansmärkten. Mit dem Markt von Tarraco war das kein Vergleich.

    "In dem Falle würde ich es Lucilla vorerst zur Auflage machen, dass sie die Aufgaben der Lectrix weiterhin übernimmt. So wurde das damals bei mir auch gehandhabt. Eine neue Besetzung für den Posten des Lectors könnte man anschließend gemeinsam überdenken."


    Livia sieht, wie Hungaricus nach seinem Wein greift.


    "Trink ruhig. Ursus dürfte ohnehin bald..."


    In dem Augenblick betritt der Sklave auch den Raum und deckt den Tisch. Livia genießt den verführerischen Duft, welcher von dem sorgfältig arrangierten Fleisch ausgeht und ihre Laune hebt sich sogleich merklich.


    "Bringst du später noch etwas Obst, als Nachtisch? Ansonsten bin ich zumindest wunschlos glücklich, wenn mein Verlobter die Mahlzeit nun eröffnet."


    Sie sieht fragend zu Hungaricus, ob sie sich an den 'Esstisch' setzen wollen.

    Sie setzt ein nachdenkliches Gesicht auf und überlegt einen Moment.


    "Dein Cubiculum ist eigentlich groß genug. Aber wenn der Innenarchitekt sowieso schon da ist, dann kann er sich das direkt auch noch einmal ansehen. Es könnte ein wenig umgestaltet werden. Mehr Licht, mehr Farbe... Ich dachte an einige Gelb- und Rot-Töne. Ansonsten fällt mir spontan nichts mehr ein. Dir vielleicht?"


    Livia lässt den Blick kurz über einige Stände schweifen.


    "Ich könnte auch noch einige neue Kleider, Schuhe und Duftöle gebrauchen. Aber ich vermute, dass dich das nicht sonderlich interessiert, oder?"

    Livia erwidert seinen Blick verträumt. Erst einige Augenblicke später realisiert sie, dass er eine Frage an sie gerichtet hat. Sie lächelt verlegen und errötet leicht.


    "Ich werde dich nicht enttäuschen."


    Ihre Stimme ist plötzlich ein wenig heiser und sie räuspert sich dezent, um anschließend lächelnd fortzufahren.


    "Wunderbar. Ich gratuliere dir zu dieser vortrefflichen Verbindung. Ja, die Iden des Januars sind ein guter Termin. Machen wir es so. Wenn du dich bei der Augusta erkundigen willst, dann kann ich gerne die übrigen Einladungen übernehmen. Ein schlichtes Schreiben sollte uns genügen."


    Nachdenklich streicht Livia über den weichen, teuren Stoff ihrer Tunika. Ihr brennt noch ein weiteres Thema auf der Zunge. Doch dies zur Sprache zu bringen, fällt ihr nicht ganz so leicht, da es um einiges delikater ist, als das vorangehende. Forschend sieht sie Felix in die Augen und fasst sich schließlich ein Herz.


    "Wenn wir uns bezüglich des Treffens einig sind, dann gibt es da noch etwas anderes, was ich mit dir besprechen möchte..."


    Sie sieht ihn aufmerksam an, ob er vielleicht schon ahnt, um was es geht.

    Livia folgt seinem Blick mit den Augen und entdeckt die Berge an Unterlagen. Ein Anflug von Entsetzen macht sich bei ihr breit und sie seufzt leise. Mit einem solchen Umfang dieser Arbeit hat sie nicht gerechnet, aber versprochen ist nun einmal versprochen. Tapfer verscheucht sie ihren erschrockenen Gesichtsausdruck wieder und sieht Hungaricus an, dessen Anblick ihr heute ausnahmsweise einmal lieber ist.


    "Ich spreche von dieser Aufregung, welche meine Nichte zweiten Grades seit einiger Zeit zu veranstalten pflegte. Das Ganze gipfelte letztendlich in dieser kleinen Eskalation, wegen der du mich in der Villa Flavia Felix aufsuchtest. So lange ist die Geschichte nun auch nicht her. Was seine reguläre Arbeit angeht, scheint mir der Senat leider noch immer ein wenig erlahmt durch diese Entwicklungen. Wir sollten uns allmählich wieder ein Herz nehmen und weiter arbeiten. Ich denke auch darüber nach, einen Vorschlag für einen neuen Auctor PPA einzureichen. Der Kaiser hat sich selbt schließlich nur interimsmäßig eingesetzt und erwartet sicher, dass wir in Bälde für vollwertigen Ersatz sorgen. Ich dachte in diesem Zusammenhang an die Lectrix Decima Lucilla. Was hältst du davon?"