Beiträge von Decima Lucilla

    "Außer Familienangelegenheiten? Nun ja... ich dachte mir, jetzt wo der Posten des Legatus Augusti Cursu Publico frei ist, da könnte ich ja mal beim Kaiser vorbeigehen und nachfragen, ob er ihn mir nicht geben will." Sie verkneift sich ein Lachen. "Ich fürchte nur, ich habe nicht die notwendigen Qualifikationen und außerdem werde ich nie wieder zum Kaiser gehen. Aber das ist eine andere Geschichte. So gesehen, ich schätze, ich werde ersteinmal weiter ein Postofficium hüten und so schlecht ist das ja auch nicht. Und irgendwann werde ich dann Kinder hüten."


    Sie blickt verlegen auf den Tisch. "Ich hoffe, das reicht dir."

    "Da fragst du genau die Richtige." Lucilla lacht und zuckt die Schultern. "Ich vermute es liegt daran, dass ein großer Teil der Familie irgendwann berufsbedingt nach Rom gezogen ist. Eine zweite Casa entstand und vielleicht ging es darum, Entscheidungen näher am Geschehen zu treffen."


    Sie schüttelt entschuldigend den Kopf. "Ich weiß es wirklich nicht. Wahrscheinlich ging es um Politik. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Für mich macht es eh keinen Unterschied. Ich gehe bei jeder Familie ein und aus, mein Onkel Mercator war für mich immer wie ein Vater und meine Cousins und Cousinen wie Geschwister."


    Ein Grinsen zieht über ihr Gesicht. "Vielleicht gibt es ja auch Steuervorteile beim Kaiser."

    Lucilla hat ebenfalls wieder Platz genommen und hört Avarus aufmerksam zu. Als er schließlich endet, lächelt sie sanft. "Ein germanischer Junge, der es weit gebracht hat. Du solltest dir Neider nicht so zu Herzen nehmen. Es wird immer jemanden geben, der auf das, was ein anderer geschafft hat, voll Neid und Missgunst hinabblickt. Und trotzdem schmälert es nicht die erbrachte Leistung, denn die Götter lassen sich nicht beirren. Und die, die dich lieben, auch nicht."


    Sie stärkt sich mit einem kleinen Schluck Wein und einer Traube und beginnt dann ebenfalls zu erzählen.


    "Ich wurde in Tarraco geboren, damals war die Gens Decima ebenfalls noch nicht Teil der römischen Bürgerschaft. Auch wir waren nicht arm, und doch ist mein Vater zu den Hilfstruppen um für seine Familie das Bürgerrecht zu erkämpfen. Das hat er auch geschafft, doch er hat es mit seinem Leben bezahlt. Ich war damals zwei Jahre alt. Meridius hat die Leitung über unsere neue römische Familie übernommen, ist jedoch bald selbst ins Militär eingetreten. Als ich sieben Jahre alt war, starb dann meine Mutter, nachdem sie lange Zeit krank gewesen war. Eine Weile hielt sich der Familienverbund, meine Onkels Mercator und Proximus standen dem Haus vor. Nach und nach sind alle Kinder ausgeflogen. Einige zum Militär, andere zu Studien in die Welt hinaus. Ich selbst bin zur Erziehung zu meiner Großtante Drusilla nach Rom gekommen. Sie hatte sich einen reichen, alten Mann geangelt und war zu dieser Zeit voll im römischen Stadtleben integriert." Lucilla verdeht die Augen. "Naja, nicht wirklich, aber sie hat es gerne so hingestellt. Von ihr habe ich gelernt, wie man auf den traianischen Märkten einkauft, wie man ein Bankett hinter sich bringt ohne sich vollends zu blamieren und dass die römische Frau von heute getrost den Webstuhl in der Ecke stehen lassen kann." Sie schmunzelt. "Manchmal war sie ein Drachen, aber man muss ihr wohl zugestehen, dass ihre Erziehung tatsächlich ganz passabel war. Trotzdem, nachdem sie mich aus ihren Fängen entlassen hat, konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als das ganze Mare Nostrum zwischen sie und mich zu bringen und nach Tarraco zu meiner Familie zurückzukehren. Allerdings nahm ich ihren Rat an, ließ den Webstuhl in der Ecke stehen und habe mit ein bisschen familiärer Hilfe einen Posten als Scriba in der Stadtverwaltung bekommen. Anschließend wurde ich Magistrata, in dieser Zeit habe ich den Bau der Bibliothek zu Tarraco mitgeplant. Dann kam es, dass der Posten des Praefectus Vehiculorum frei wurde und obwohl ich nebenbei weiterhin für das Bibliothek-Projekt zuständig war, habe ich die Chance ergriffen und dich als meinen Cheffe erwählt. Meine Cursus Publicus-Karriere dürfte dir bekannt sein, viel hat sich ja auch nicht geändert, außer, dass ich nun in Italia bin. Nebenbei hatte ich angefangen, für die Acta zu schreiben und weil sich anscheinend kein anderer dafür gefunden hat, bin ich dort mittlerweile Lectrix."


    Sie überlegt kurz und greift dann zu ihrem Weinbecher. "Ja, mhm, ich denke, das ist alles. Nicht viel, aber mir reicht es soweit."

    "Normal?" 8o "Ich hoffe nicht!" Mit Bestürzung denkt Lucilla an die ganzen Männer, die in der Casa Decima herumlaufen. Der Gedanke daran, dass auch nur einer ihrer Verwandten... neeein, das kann gar nicht sein. In der Gens Decima geht es gesittet zu!


    "Wenn jemals ein Mann an dich... also..." Lucilla atmet tief durch. "Ich möchte nicht, dass du für so etwas herhalten musst, hast du verstanden, Ambrosius? Im Falle eines Falles wirst du es mir sagen. Mal davon abgesehen, dass eh keiner außer mir... also... ich meine nicht, dass ich... aber..." Sie schüttelt verwirrt den Kopf. "Egal, du weißt, was ich meine."


    Themawelchsel, perfekt. "Meine Kindheit? Sie war nichts Besonders. Meinen Vater habe ich nie wirklich kennen gelernt, er starb in heroischer Ausübung seiner Pflicht in Germania als ich ungefähr zwei Jahre alt war. Meine Mutter starb, als ich sieben war. Aber ich habe ja eine große Familie, Brüder, Schwestern, Onkels, Cousins, Cousinen. Du kennst sie ja. Wir haben damals alle in der Casa in Tarraco gewohnt und es war immer Leben im Haus. Später wurde ich dann nach Rom zu Großtante Drusilla geschickt. Bei ihr habe ich alles gelernt, was eine römische Frau wissen und können muss. Und eine Menge unnützes Zeug noch dazu. Ja, das wars eigentlich schon. Später bin ich dann zurück nach Tarraco."

    'Herrje!' Schon wieder fängt es mit der Hitze an. Lucilla schließt wieder die Augen, atmet tief ein, atmet tief aus. Sie braucht einen Plan. Schnell. Wo ist der verdammte Anstandssklave?


    "Tu das nicht." flüstert sie flehentlich und blickt Avarus in die Augen. Ein Fehler. Heiß. Zu heiß. Sie schluckt. "Mein Bruder bringt mich um. Und dich gleich mit." Ein verzweifelter Unterton liegt in ihrer Stimme. "Ich sollte besser gehen." Sie rührt sich keinen Zentimeter, hilflos ausgeliefert in seinem Griff.

    Lucilla wird ganz heiß. Ein ganz normaler Effekt, wie sie sich erinnert. Bei Crassus war das ebenso. "Eins?" flüstert sie verlegen und schluckt. "Vierzig." Sie zuckt mit den Schultern und schüttelt dann leicht den Kopf. "Du wirst es mir so oder so sagen, nicht wahr?" Ihre Stimme ist nur noch ein Flüstern. Ihr Herz pocht wild bis in ihre Ohren hinauf. Ein Schauer geht durch ihren Körper und sie genießt das Gefühl seiner Nähe, kurz, viel zu lange.


    Dann steht sie ruckartig auf, geht ein paar Schritte. Sie schließt die Augen und atmet tief durch. "Du hast gewonnen. Für heute." Sie öffnet die Augen wieder, dreht sich um und blickt Avarus an. Schließlich strafft sie ihre Schultern und lächelt schelmisch. "Ich werde Meridius bitten, es in die Ehebedingungen aufzunehmen."

    "Mhmm..." Lucilla fährt sich wieder mit der Zungenspitze über die Lippen. Wen interessieren schon zwei dahingekitzelte Zahlen bei einer solchen Versuchung? Doch Lucilla wäre nicht Lucilla, wenn sie nicht mit allen Mitteln versuchen würde, ihren Kopf durchzusetzen.

    "Altes Pergament... Papyrus..." Sie blickt lächelnd an ihm vorbei, wiegt den Kopfe ein wenig hin und her, hebt die Schultern. "So spannend wie du es machst, muss ich ja geradezu vom Schlimmsten ausgehen. Siebzig wäre ein wenig viel, denke ich. Man hat dann mehr Falten, hier," sie hebt eine Hand und steicht sanft um Avarus Auge. "Und hier." Ihre Finger streichen über seine Stirn und sie bringt ihre Gesicht etwas näher an ihn heran. "Aber sieh da, was ist das denn für eine Furche? Ich bin mir nicht sicher, ob sich solche tiefen Rinnen schon bilden, bevor man sechzig Jahre überschritten hat..." Sie muss sich sehr beherrschen, ihr Lachen zu unterdrücken.

    Lucilla blickt Ambrosius verwundert an. "Er fischte am anderen Ufer? Was war denn das für ein Herr, dass er selbst fisch... oh... ach so." Lucilla schießt augenblicklich die Röte ins Gesicht. Verschämt blickt sie zu Boden und knetet ihre Finger, als ihr bewusst wird, dass Ambrosius anscheinend selbst für die Gelüste seines Herrn herhalten musste. "Das ist ja widerlich." flüstert sie leise und schüttelt sich unmerklich.


    Schließlich blickt sie wieder auf und lächelt. "Ja, den Göttern sei Dank, dass er so ein Dummkopf war! Ich bin so froh, dass ich dich auf dem Markt in Tarraco gefunden habe. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich es so lange ohne einen Ambrosius ausgehalten habe." Nachenklich blickt Lucilla in die Ferne, so, als würde sie tatsächlich darüber nachdenken, wie sie das ausgehalten hat.

    Ein Schmunzeln überzieht Lucillas Lippen. "So wird das nichts, Avarus. Du hast noch nichteinmal meine Hand sicher und schon beginnst du mit der Geheimniskrämerei. Wie soll das erst in einer Ehe enden? Ich stamme aus keiner altehrwürdigen Familie, in der Ehen nur aus politischen Zwecken geschlossen werden und wo einer den anderen hintergeht. Ich habe eine gute Partie für dich zurückgewiesen. Ehrlichkeit ist das Mindeste, das ich erwarte."

    Lucilla grinst und lehnt sich zurück. "Weil es so viel mehr über dich aussagt. Aber wie du möchtest." Sie zuckt mit den Schultern. "Dennoch bleibt es bei zwei Fragen. Wie alt bist du? Und wie alt ist Sebastianus?" :P

    'Drei.' Lucilla winkt nachenklich ab. "Es ist köstlich. Danke, nein, es reicht vollkommen aus." Wen interessiert momentan schon etwas zu Essen, wo die spannenden Details des Abends gerade erst herauskommen.


    Sie fährt sich mit Zungenspitze leicht über die Lippen und beugt sich dann etwas weiter zu Avarus hinüber. "Sag mal..." Ein hintergründiges Lächeln huscht über ihre Lippen. "Wie alt ist der Älteste? Und wie alt warst du, als er geboren wurde?"

    "Vale, Reverus. Eine gute Reise." wünscht auch Lucilla


    Sie wendet sich wieder Avarus zu, lächelt unsicher und zögert etwas. Schließlich jedoch ringt sie sich zu ihrer Frage durch. "Wieviele..." Sie räuspert sich. "Wieviele sind es denn... insgesamt?" Das ist vielleicht zu unverständlich. "Söhne... Kinder, meine ich. Von dir."


    'Herrje!'

    Lucilla seufzt mit Avarus gemeinsam. Als würde sie nicht regelmäßig das Soldatenleben verfluchen. Andernfalls würde sie vielleicht heute statt in der Casa Germanica in der Casa Caecilia sitzen. Doch es scheint ihr nicht der richtige Zeitpunkt, um sich darüber auszulassen.


    Sie genehmigt sich noch einen Happen zu Essen und beobachtet Vater und Sohn bei ihrem Vater-Sohn-Gespräch.

    "Aber sicher." Etwas leiser setzt sie hinzu: "Es ist schön, dass du hier bist."


    Dann wendet sie sich an Numerianuns und deuted auf eine Sitzgelegenheit. "Nimm doch bitte Platz. Möchtest du Wein, Wasser? Eine Kleinigkeit zu Essen?" Mit einem Wink aktiviert Lucilla einen Sklaven etwas zu Essen und zu Trinken zu bringen."

    "Das habe ich schon, erinnerst du dich nicht mehr? Aber selbst wenn ich es dir nicht sagen würde, deine guten Quellen hätten es dir sicher schon längst verraten."


    Sie zwinkert ihm lächelnd zu und zuckt dann mit den Schultern. "Ich sehe kaum jemand aus der Familie. Diese Casa verschluckt ihre Bewohner regelmäßig. Und bis zum Tempel der Vesta komme ich seltsamerwiese auch nie." Eigentlich ist es überhaupt nicht seltsam, aber Meridius muss ja nicht alles wissen. "Zuletzte habe ich sie im Dezember auf dem Fest der Bona Dea gesehen." Lucilla kichert leise, als sie an die Festlichkeit und den Ritus denkt. "Dort ging es ihr sehr gut." Wie allen Anwesenden.

    "Du meinst das mit..." Lucilla nickt und tut einigermaßen unbeteiligt. "Gut, ... gut. Ja, doch. Es gibt nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest."


    Sie blickt kurz an Meridius vorbei, dann wieder zu ihm. Ein heimliches kleines Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht und sie schaut verlegen zu Boden.

    Nur immer fein lächeln. 'Einer meiner Söhne. Wieviele waren das noch...' Lucilla überlegt fieberhaft. Irgendwann hatte er es mal erwähnt, irgendwann bei einem Gespräch in ihrem Officium. Oder irgendwo anders. Vor langer Zeit. In Lucillas Gedanken rattert es. 'Angenommen, dieser wäre der Älteste. Als Quästor müsste er ungefähr... herrje... und angenommen, Avarus hätte sehr früh angefangen... dann wäre er mindestens... jössas!' 8o Ein Schluck Wein folgt, anschließend weiter Lächeln.


    "Es freut mich sehr, dich kennen zu lernen." Und immer weiter Lächeln. Immerhin, für einen Erben bräuchte sie dann schon einmal nicht zu sorgen. Lucilla möchte eh viel lieber Töchter. 8)


    "Es ist immer gut, wenn sich die fähigen Männer des Reiches in der Politik einsetzen." Und ein Lächeln zu Avarus. "Und es muss auch immer solche geben, welche die Grenzen des Reiches beschützen." Das sagen zumindest die Soldaten immer.

    Lucilla verkneift es sich zu sagen, dass der Unterschied wohl darin besteht, dass seine Schwester von mal zu mal nur älter wird. Statt dessen überlegt sie, ob es Neuigkeiten gibt.


    "Ich habe mich für den Anfang des Jahres mit neuen Tuniken eingedeckt. Du wirst nicht glauben, was Ambrosius und ich auf den Märkten gefunden haben. Naja, du wirst es irgendwann schon noch sehen. Ich war bei Caecilius Crassus, das habe ich dir doch geschrieben? Für den Cursus Publicus habe ich einen neuen Tabellarius eingestellt. Und ich hatte ein Gespräch mit Senator Avarus. Die Vigiles hatten neulich ein Fest, es gab recht interessante Kämpfe dort. Gerüchte aus dem Senat und dem Palast muss ich dir ja nicht erzählen, die bekommst du noch früh genug zu hören. Außerdem blicke ich da sowieso nicht durch."


    Sie atmet einmal tief ein und wieder aus. "Sonst ist eigentlich nichts passiert."

    Vom Eingang kommend erreicht die kleine Gruppe um Meridius und Numerianuns samt Lucilla das Atrium.


    "Und wie lange werdet ihr bleiben? Wollt ihr dann etwa über die Alpen ziehen? Die Pässe sind zugeschneit, die Reise ist sehr beschwerlich. Und... gefährlich. Celeripes, einer der Tabellarii, hat mir erst letzte Woche erzählt, dass schon eine Händlergruppe vermisst wird. Wahrscheinlich wurde sie vom Schnee verschüttet." Sie presst die Lippen aufeinander und versucht dann wieder zu Lächeln. "Aber reden wir nicht von eurer Abreise, ihr seid ja gerade erst angekommen."

    Lucilla blickt den Soldaten noch einmal lächelnd an. Möglicherweise ist sie ihm begegnet, doch einen bleibenden Eindruck hat er anscheinend nicht hinterlassen. "Iulius Numerianuns, natürlich. Es freut mich, dich in unserer Casa in Rom begrüßen zu dürfen."


    Dann wendet sie sich wieder Meridius zu. "Ich war an einem Schrein." Leise murmelnd fügt sie noch hinzu: "Am Schrein des Mutinus Mutunus." Und dann, schnell fortfahrend und wieder lauter. "Und so schlecht ist unsere Wohnlage nun auch nicht, dass ich ständig einen Aufpasser brauche. Aber nun sag endlich, was machst du hier? Wie lange bleibst du?"