Beiträge von Decima Lucilla

    Nach der Arbeit sucht Lucilla das Triclinium auf und lässt sich erschöpft auf eine Sitzgelegenheit sinken. Im Officium des Praefectus Vehiculorum in Italia herrscht ein ständiges Ein- und Aus und die Arbeit ist doch etwas anstrengender als in Hispania. Doch Lucilla ist zuversichtlich, dass sie sich schnell daran gewöhnen wird, denn es erzeugt auch durchaus ein Gefühl der Verantwortung und Zufriedenheit.


    Doch nun ist Feierabend und Lucilla hat einen unglaublich großen Hunger. Nach dem Frühstück mit Crassus hat sie am Mittag nur eine Kleinigkeit zu sich genommen. Daher trägt sie dem Sklaven auf, nicht zu sparen. Während sie wartet, steigen erneut die Gedanken an den Vorabend, die Nacht und den Morgen in ihr auf.

    Mit hängenden Schultern nickt Lucilla. "Ich fürchte auch."


    Sie schaut sich um, doch es gibt keine Sitzgelegenheit, auf welche sie sich entäuscht sinken lassen könnte. "Schade, ich fand es war wirklich eine gute Idee. Aber nachdem wir schon den Kaiser verärgert haben, sollten wir nicht auch noch den Zorn der Götter auf uns ziehen."


    Sie seufzt. "Wir sollten Attica noch Bescheid geben." Und danach am besten einfach alles vergessen. Die ganze Mühe, welche sie schon investiert haben. Die Träume. Die Pläne.


    Die beiden Frauen beseitigen alle Spuren des Opfers und verlassen dann niedergeschlagen den Tempel.

    Lucilla steht ebenfalls auf und errötet leicht bei Crassus Worten. Sie folgt ihm zum Ausgang.


    "Dir auch noch einen schönen Tag. Bis bald dann, ich freue mich schon darauf."


    Vor der Taverne blickt sie ihn noch einmal an und lächelt. Dann dreht sie sich um und schlägt nun endgültig den richtigen Weg zur Regia ein, den Mantel von Avarus fest um sich geschlungen.

    Der Teller mit den Trauben leert sich merklich. "Ja, du kannst mich gerne abholen, ich werde auf dich warten."


    Sie lächelt und sieht sich in Gedanken schon neben ihm in den Zuschauerrängen sitzen, eine Schale Trauben in der Hand...


    "Was?" Lucilla verschluckt sich beinahe an einer Traube. "Herrje! Du hast recht, es ist schon viel zu spät! Ich sollte schon längst im Officium sein..."


    Nun ja, Avarus würde es sicher verstehen, wenn sie heute etwas später anfängt. 8)

    Zum Ausgleich schiebt Lucilla Crassus die Oliven hin, die sie eh nicht essen mag. Sie hat sie eh nur bestellt, weil sie keine Trauben wollte. Weil Trauben sie an den vorigen Abend denken lassen, an Germanica-Trauben, an Germanica-Männer.


    Sie räuspert sich. "Die Gladiatorenspiele. Theater reitzt mich nicht so sehr. Man muss dabei immer so lange ruhig auf seinem Platz sitzen, das halte ich meist nicht aus. Obwohl ich die Texte sehr gerne habe."


    Sie blickt Crassus fragend an. "Aber nur, wenn das wirklich kein Problem ist. Du weißt ja, ich will nicht, dass der Kaiser sauer wird, weil du nicht da bist."

    Lucilla schaut erstaunt auf. "Von Avarus?" Augenblicklich schießt ihr die Röte ins Gesicht und sie beugt sich schnell über den Schreibtisch und kramt in den Unterlagen.


    "Es ist Eilpost für Germania da. Die muss dringend raus. Am besten machst du dich gleich wieder auf den Weg."


    Sie reicht dem Tabellarius die Briefe und scheucht ihn mit einem Wink aus dem Officium. 8)

    "Oh ja, das sehe ich. Schönes Leben habt ihr Praetorianer auf Patroullie." Lucilla lacht, weicht dann jedoch angewiedert von seiner Käse-Traube zurück.


    "Weiche von mir mit diesem Frevel! Die guten Trauben." Die armen Trauben bedauernd schüttelt sie den Kopf. "Ich werde die Übrigen retten." Und schon zieht sie den Trauben-Teller zu sich herrüber und legt schützend ihren Arm zwischen Teller und Crassus.


    "Also wenn dich der Kaiser mal entbehren könnte... ich hätte nichts dagegen, wenn du mein Schatten wärst. Du darfst dann nur nicht den Arm um mich herumlegen oder so etwas, ja? Du weißt schon, wegen Ehre und Schande und... ach jeh... wann hast du gesagt, kommt Meridius?"


    Sie schiebt sich gedankenverloren eine Traube in den Mund und stellt fest, dass sie fast zu süß ist. Wohl keine Germanische.

    "Meridius kommt nach Rom?" 8o


    So schnell können sich Wünsche ins Gegenteil verkehren. Sicher, Lucilla müsste dringend mit ihm sprechen, aber doch lieber weit weg in Germania, als hier in Rom. Wo ihr jederzeit irgendjemand über den Weg laufen könnte, wo peinliche Dinge an den Häuserwänden und die Casen von viel zu vielen Männern stehen.


    Sie seufzt und beobachtet entsetzt, wie Crassus eine Traube in Käse wickelt. Wie kann man nur Trauben nicht pur verspeisen!


    "Roma? Oh ja, die Stadt verschluckt einen schneller, als dass man schauen kann. In meinem Officium ist Hochbetrieb und ich bin noch nichteinmal dazu gekommen, all meine Verwandten in der Casa Decima zu suchen."


    Sie lächelt. "Und du, hast du viel zu tun zur Zeit? Musst du den Kaiser zu den Spielen begleiten?"

    Lucilla nickt nachdenklich, steckt sich eine Traube in den Mund und lässt sich den Satz durch den Kopf gehen. Einen Weg finden könnte natürlich alles bedeuten. Es könnte bedeuten, dass 'wir' Lucilla weit von Rom weg schicken, so dass das 'Problem' aus dem Weg ist. Oder es könnte bedeuten, dass 'wir' unsere Gentes durch eine Hochzeit vereinen.


    "Das mit der Ehre und der Schande dagegen klingt ziemlich nach Meridius. Naja, wie wohl nach jedem Pater Familias. Ach, was muss er sich auch in Germania herumtreiben! Wenn ich ihn einmal wirklich bräuchte!"

    Lucilla blickt ebenfalls gespannt zu der Statue des Merkur und beugt sich unmerklich etwas nach vorne. Sie bemüht sich, nicht zu blinzeln, um ja nichts zu verpassen. Da! Hat sich da nicht eine Hand bewegt? Nein, wohl nur eine Täuschung. Lucillas Mut sinkt, es sieht nicht so aus, als würde irgend etwas passieren und die Zweifel in ihr sind noch immer genau so groß wie vor dem Opfer.

    "Oh." Lucillas Herz rutscht augenblicklich in die Hose( -.^). Die schöne Zeit könnte also schon bald aus sein. Sie seufzt.


    "Aber er muss es ja wissen." Sie seufzt nochmals. "Hast du schon eine Antwort?"


    Sie greift wieder zu Crassus Trauben und blickt ihn fragend an. Wenn er einen Eilbrief gesendet hat, dann dürfte es nicht lange dauern. Lucilla kennt die Eilbrief-Sendezeiten des Cursus Publicus ganz genau.

    Lucillas Wut löst sich augenblicklich in Luft auf, ihre Schultern sinken herab. Sie greift über den Tisch nach Crassus Hand und blickt ihn leicht lächelnd an. "Das sagt er auch immer."


    Sie zuckt mit den Schultern und fährt in einem beschwichtigen Tonfall fort.


    "Aber du hast überhaupt keinen Grund dazu, Angst zu haben. Selbst wenn ich es wollte, Avarus hätte nie eine Chance. Du kennst sicher die Geschichten über die Beziehung der Gens Germanica zur Gens Decima. Zwischen unseren Familien liegt ein Zwist, über den Meridius niemals hinwegsehen könnte. Eher würde er mich einem Praetorianer anvertrauen."


    Es soll scherzhaft klingen, doch das tut es nicht. Auch bei Crassus ist sich Lucilla nicht sicher, ob Meridius seine Zustimmung geben würde. Warum muss die Welt nur so kompliziert sein, warum hatte ihr Bruder sie nicht einfach schon verheiratet, als sie noch ein dummes Kind war und sich über all diese Dinge noch keine Gedanken gemacht hatte.

    "Salve!" Lucilla ist noch immer mit der Dokumentenablage beschäftigt, als schon wieder ein Kunde im Officium steht. Wenn es so weitergeht, würde Italia auf jeden Fall die monatliche Rekordprovinz werden.


    "Brief nach Misenum, gerne." Sie nimmt die Sesterzen entgegen.

    Lucilla spürte Hitze in sich aufsteigen. Um das ganze ein wenig herunterzuspielen wechselte sie nun von der trotzigen Stimmung in die schnippische.


    "Als wäre das so ungewöhnlich, ich habe schon bei vielen Senatoren zu Abend gegessen." Um genau zu sein, könnte sie alle Essen 'bei Senatoren' noch aufzählen. 'Mit Senatoren' wäre da schon schwieriger, denn das waren doch ein paar mehr.


    Als er sie nach seiner Frage einigermaßen entsetzt anblickt, wird sie langsam wütend.


    "Ich habe in der Casa Germanica übernachtet, ja. Hätte ich vielleicht mitten in der Nacht durch Rom nach Hause spazieren sollen? Gerade du solltest doch wissen, welche Perversen und Verbrecher die römischen Straßen bei Nacht belagern! Und nein, ich habe die Nacht nicht bei ihm verbracht! Ich verbrachte sie in einem Gästezimmer, allein. Glaubst du vielleicht, ich steige mit dem erstbesten dahergelaufenen Senator ins Bett! Du führst dich auf wie mein Bruder!"

    "Den wünsche ich dir ebenfalls, Vale!"


    Sie sortiert die Briefe auf die richtigen Stapel, der nach Germania würde sogar noch heute mit der Eilpost raus gehen. Dann seufzt Lucilla und nimmt die Dokumentenliste zur Hand. Die Vorschriften sind nicht auf dem aktuellen Stand und die Dokumentenablage muss einmal neu sortiert werden....

    Gebannt schaut Lucilla in die Arena hinab und jubelt jedes Mal, wenn der Panther zum Zug kommt. Arena-Kämpfer gibt es schließlich genug, doch so eine stolze Katze sieht man nicht alle Tage. Als der Kämpfer sich von dem Tier wegschleppt fällt sie begeistert in die Anfeuerungsrufe der Zuschauer ein, natürlich auf Seite der Katze. :D

    "Was?" Lucillas Augen weiten sich. "Aber nein! Ich meine... ich war mir dessen bis heute morgen noch nichteimal bewusst... dass es nicht dienstlich ist... ich meine... Crassus!"


    Verwirrt greift Lucilla zu Crassus Trauben und isst eine Handvoll.


    "Avarus... wir... er ist mein Vorgesetzter... wir hatten immer einen sehr freundschaftlichen Umgang weil... es war nie eine Frage... "


    Eine weitere Hand voll Trauben finden den Weg von Crassus Teller in Lucillas Mund und Lucilla fragt sich, ob es ansonsten schon viel früher eine Frage gewesen wäre. Andererseits, ein Germanica und eine Decima, Meridius würde sich Haare raufen. Noch eher, als bei einem Praetorianer.


    "Und es ist auch nichts geschehen." setzt sie trotzig hinzu. Wie kann er nur so etwas von ihr denken.

    Ein Kribbeln fährt durch Lucillas Hand und sie blickt Crassus in die Augen. Sie will ihn nicht belügen.


    "Ich war gestern bei Senator Avarus zum Abendessen. Und es war... wohl nicht ganz so dienstlich, wie ich vermutet hatte."


    Sie blickt auf seine Hand, dann bemerkt sie die Bedienung und zieht ihre eigene Hand eilig zurück.

    Ja, ganz sicher würde sie ihm alles sagen. Warum auch nicht? Es war doch nichts geschehen, dessen sie sich schämen müsste. Und dann würde er sagen, dass das alles nichts zu bedeuten hat. Dass nichts dabei ist. Ganz sicher. 8)


    Nein, Lucilla kennt diese 'du kannst es mir sagen'-Reden von ihren Brüdern und Cousins zur genüge. Genau das hatte ihr Cousin damals auch gesagt, bevor sie ihm gebeichtet hatte, dass sie versehentlich zu seiner Verabredung gesagt hatte, dass er gerade unabkömmlich mit einer anderen Dame beschäftigt ist. Woher hätte sie auch wissen sollen, dass sie gar nicht diesen Cousin meinte...


    "Ja, alles in Ordnung." Noch bevor der Satz zu Ende gesprochen ist, spürt Lucilla, wie ihr die Röte in die Wangen steigt. Sie seufzt. "Nein, eigentlich nicht."