Beiträge von Decima Lucilla

    Lucilla überlegt. Dokumentenliste, Versandübersicht, Wertkarten und alles weitere würde ihr der zuständige Scriba schon zeigen. Der wüsste wahrscheinlich eh besser Bescheid, als Avarus. Da es zur Zeit in Italia keinen Praefectus Vehiculorum gibt, müsste sie auch keinerlei Übergabe abwarten.


    "Nein, ich denke, ich werde alles finden, was ich benötige. Und ja, ich bin dann sicher noch da. Ich habe nicht vor Rom so schnell wieder zu verlassen."


    Ihre Augen leuchten bei dem Gedanken nun endlich wieder Einwohner der Urbs Aeterna zu sein.

    Lucilla bemüht sich darum, nicht allzu deutlich zu zeigen, wie froh sie drüber wäre, direkt in Italia bleiben zu können.


    "Das ist überhaupt kein Problem. Ich werde meinem Sklaven eine Nachricht für Vortex mitgeben, ich bin sicher, dass er die Arbeit auch ohne einen Vorgesetzten eine Weile gut erledigt."


    Sie trinkt nun ebenfalls einen Schluck von ihrem Wein-Wasser-Gemisch.

    Lucilla zieht ihre Strin kraus und denkt nach. Sie ist sich ziemlich sicher, dass sie Valeria zuletzt noch irgendwo in Hispania gesehen hatte, irgendwo zwischen vielen anderen. Andererseits könnte sie sich auch geirrt haben, sie kennt Valeria nur flüchtig von der Hochzeit der anderen Prudentia-Tochter, deren Name ihr gänzlich entfallen ist. Sie rekapituliert kurz in Gedanken, wo sie selbst zuletzt gewesen ist, so viele Feierlichkeiten gibt es in Hispania ja nicht und sie sollten an einer Hand abzuzählen sein. Schließlich fällt es ihr wieder ein.


    "Ich glaube, ich habe sie bei der Hafeneröffnung in Carthago Nova gesehen, tatsächlich in Begleitung des Proconsuls. Ich habe jedoch dort nicht mit ihr gesprochen. Doch, ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass sie dort gewesen ist."


    Sie nickt. "Waldemarr wird also den Posten in Germania übernehmen? Ein guter Mann, wenn ich seine bisherigen Leistungen auch nur als die eines Tabellarius bewerten kann."

    Nachdem Lucilla schon den Eröffnungskampf verpasst hat, ist sie wenigstens zu den Tierkämpfen noch rechtzeitig gekommen. Zum Glück hat sie noch einen Platz weit vorne ergattern könne, so dass ihr die besten Details nicht entgehen.


    Als der junge Hund die Herde auseinander treibt, muss Lucilla herzhaft lachen. Für die Jäger macht es das vielleicht schwerer, doch für die verwöhnten Zuschauer allemal interessanter, dass sie nun jeder Antilope einzeln nachsetzen müssen. Gespannt beobachtet Lucilla den ersten Angriff. Auch wenn die Taktik der Jäger nicht direkt aufgeht, das Tier stirbt und ein Kampf mit Gegenwehr ist immer spannender, als der direkte Tod der Antilope durch einen einzigen Schwertstich.

    "Auch wenn ich froh bin, so an die Stelle in Italia zu kommen, dass Tiberia Livia uns verlässt, ist wirklich bedauerlich. Ich habe sie als Kollegin sehr geschätzt."


    Lucilla blickt einen Augenblick lang nachdenklich auf den Weinbecher. Dann beugt sie sich hinab und hebt einen leinenen Beutel vom Boden auf. Aus diesen holt sie eine Papyrusrolle hervor.


    "Dies ist die Versandübersicht für den Monat October. Die Briefzahl ist wieder etwas nach oben gegangen. Auch im Zuge des laufenden Monats ist mir aufgefallen, dass die Privatbriefe in ihrer Anzahl zunehmen. Vielleicht sollten wir uns speziell dafür weitere Anreize überlegen, etwa eine Vergünstigung für private Wertkarten, oder ähnliches. Vielleicht sogar eine kleine Werbekampagne in der Acta."


    Lucilla reichte dem Senator die Schriftrolle.



    Beförderte Briefe insgesamt: 7


    davon
    Eilpost: 4
    Normal : 3


    ITA: 5
    GER: 2
    JWD: 0


    Quittungen: 0
    Einschreiben: 1
    Gesamteinnahme: 125 Sz.


    "Privat würde bei mir nichts dagegen sprechen, wenn ich direkt hier in Italia anfange. Ein Zimmer steht in der Casa Decima Mercator immer für mich bereit und den Rest meines Gepäcks könnte mein Sklave aus Hispania holen. Ist Prudentia Valeria bereits in Tarraco um den Posten zu übernehmen? Die Dokumente sind alle aktuell und die Mansiones und Mutationes in bestem Zustand, so dass einer Übernahme nichts im Wege steht. Ansonsten denke ich, dass Postumius Vortex kurzzeitig die Leitung übernehmen könnte. Er ist ein erfahrener Tabellarius und ich habe ihn schon des öfteren zur Vertretung eingesetzt."

    Lucilla wundert sich einen Augenblick, dass Cicero nicht die Tür öffnet und überlegt dann, seit wann dieser junge Sklave im Haus dient. Da sie aber nicht darauf kommt, er sie jedoch zu kennen scheint, hat wohl alles seine Richtigkeit.


    "Salve!" Sie überlegt sich, ob sie erst mit Livianus sprechen soll, doch sie hält die Neugierde nicht aus und beschließt, sich nach einer kurzen Erholung direkt zu Senator Avarus zu begeben.


    "Ich werde mich nur eben frisch machen, dann bin ich schon wieder weg." lächelt sie den jungen Sklaven an. "Richte meinem Cousin Livianus doch bitte aus, dass ich ihn heute abend gerne sprechen würde. Um alles andere wird sich Ambrosius kümmern."


    Lucilla tritt an ihm vorbei ins Innere der Casa. Zum Glück hat sie hier genau wie in Tarraco ein Cubiculum, das immer für sie bereit steht.

    Lucilla nimmt den Becher in Empfang und schaut ihn dann erfreut an. Sie hat nicht geglaubt, dass es so schnell gehen würde mit ihrer Versetzung. Sie war sich noch nichteinmal sicher gewesen, dass der Posten in Italia nun tatsächlich frei bleiben würde.


    "Das heißt, ich kann den Posten des Praefectus Vehiculorum in Italia tatsächlich übernehmen?"


    Sie kann es gar nicht glauben. Noch vor wenigen Tagen hat sie sich in Hispania darüber Gedanken gemacht, wie es weitergehen sollte, wenn die Versetzung nach Roma nicht klappen würde. Und nun scheinen sich auf einen Schlag alle Sorgen aufzulösen.

    Mit Ambrosius im Schlepptau eilt Lucilla durch die Subura Roms. Der Sklave trägt bereits zwei Leinentaschen voll Einkäufe und schaut missmutig drein. Da die Hauptwege verstopft waren, hat ihn Lucilla kurzerhand in die Subura gedrängt um eine Abkürzung zu nehmen.


    "Doch, doch, Ambrosius, du wirst sehen, dass wir hier genau richtig sind." beruhigt sie Ambrosius. "Dort hinten kommen wir durch einen kleinen Eingang auf das Augustus-Forum und von dort direkt auf das Traians-Forum. Und ehe du dich versiehst sind wir bereits auf den Traiansmärkten mitten im Einkaufsparadies."


    Sie deutet in die entsprechende Richtung, als ihr Blick auf eine Kritzelei an der Wand fällt. Von einer Sekunde zur Nächsten färben sich Lucillas Wangen in ein tiefes Rot. Da nützt keine natürliche Bräune etwas, kein Schatten, den die Häuser auf sie werfen, dieses Rot leuchtet signalfarben und Lucilla hat das Gefühl, ganz Rom könne es sehen.


    Als wäre das nicht genug verschluckt sie sich und fängt an zu husten. Mit der einen Hand sich etwas Luft zufächelnd, packt sie Ambrosius mit der anderen an der Schulter und zieht ihn hinter sich her. Crassi und Lucillae gibt es sicher viele in Rom, doch der Schock darüber, deren Beziehungen so deutlich vor Augen zu sehen, ist ihr doch tief in die Knochen gefahren.


    (:P)

    Lucillas Lächeln wird noch ein wenig breiter, als der Senator ankommt.


    "Salve Avarus!" Sie betritt das Officium und nimmt Platz. "Verzeih dass ich mich nicht anmelden ließ, aber meine Zeit in Roma ist ja immer so knapp bemessen, dass ich jeden Tag nutzen muss, vor allem, nachdem schon die Reise etwas länger gedauert hat, als geplant." Obwohl sie versucht es zu unterdrücken, entfleucht ihr ein kleines Seufzen.


    "Etwas zu Trinken wäre nicht schlecht. Aber Hunger habe ich keinen, Danke." Seit der Überfahrt hat Lucilla nur wenig gegessen und sie traut ihrem Magen noch immer nicht.


    "Die Fahrt war leider gar nicht angenehm. Kurz nach Tarraco ist das Schiff in eine Schlechtwetterfront geraten und bis Ostia nicht mehr hinausgekommen. Ich hatte diese Berichte über gewaltige Stürme auf dem Mare Nostrum bisher immer für Schauermärchen gehalten, doch diese Fahrt hat mich eines Besseren belehrt. Ich überlege schon ernsthaft, die Rückreise über Land zu tun."

    Lucilla blickt den Beamten blinzelnd an und lächelt dann freundlich.


    "Ich suche tatsächlich den Senator Avarus. Ich fürchte nur, auch wenn er mein Kommen generell erwartet, so doch nicht unbedingt heute um genau diese Zeit. Aber ich werde einfach noch etwas waren und im Falle, dass er nicht mehr kommt, ihm eine Nachricht hinterlassen."


    Sie schilt sich selbst, dass sie so eine ungünstige Zeit gewählt hat. Doch Lucilla kann es gar nicht erwarten zu erfahren, wie die Umstrukturierung aussehen und ob sie den Posten in Rom bekommen wird, und hat darüber hinaus ganz vergessen, dass es Zeiten gibt, in denen die wenigsten Beamten in ihren Officien sitzen.

    Obwohl sie den Weg mittlerweile kennt, lässt sich Lucilla bereitwillig von dem Miles der Wache bis zum Officium ihres Vorgesetzten bringen.
    Sie dankt ihm und klopft dann an die Tür. Obwohl ihr die furchtbare Schiffsreise noch in den Knochen steckt, bemüht sie sich darum, sich dies nicht anmerken zu lassen.


    *klopfklopf*

    Auf noch etwas wackeligen Beinen nähert sich Lucilla der Casa ihres Onkels.


    Die Überfahrt von Hispania aus war grauenhaft gewesen, das Schiff war kaum eine Minute ruhig auf dem Meer geschaukelt, bevor es wieder von den großen Wellen und dem Strum hin- und hergepeitscht wurde. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte Lucilla nachvollziehen, was ein Seekranker bei jeder Fahrt durchlebt.


    "Vielleicht sollten wir uns ernsthaft überlegen, die Rückreise über Land zu tun." murmelt Lucilla zu Ambrosius, der auch nicht gerade wie das blühende Leben aussieht. "Aber bis dahin bleibt ja noch Zeit, ersteinmal ankommen..." Sie winkt dem Sklaven an der Tür zu Klopfen.


    *klopfklopf*

    Lucilla stimmt ebenfalls in das Lachen ein, auch wenn sie sich nicht ganz sicher ist, ob Claudia das nicht doch ernst meint.


    "Ich danke dir auf jeden Fall für das vorzügliche Mahl und die nette Unterhaltung, Claudia. Doch ich muss leider bald schon aufbrechen. Ich werde morgen früh nach Rom reisen und möchte nicht allzu spät nach Hause kommen. Ich hoffe, du verzeihst mir das."

    "Ja, auch ich habe meine Schwester immer dafür bewundert, wenn auch nicht beneidet."
    Schon oft hat sich Lucilla versucht vorzustellen, wie es wirklich ist, als Vestalin in Rom zu wohnen. Der Gedankenversuch, sich selbst dort zu sehen, ist jedoch immer gescheitert.


    Lucilla greift zu einem weiteren Krebsbein und wendet sich dann ausgiebiger dem Essen zu. Da Kauen und Reden gleichzeitig etwas schwer ist, legt sich Schweigen über das Triclinium.


    Als nur noch einige Reste auf den Platten liegen seufzt Lucilla zufrieden. "Das war wirklich ausgezeichnet."

    "Dem kann ich mich nicht gerade anschließen. Ich lebe ja sozusagen von dem ganzen Papyruskrieg. Wahrscheinlich bin ich doch eine echte Decima aus dem Beamten-Schlag der Familie." Sie schmunzelt und nimmt sich ein kleines Stückchen Fisch.


    "Dagegen wüsste ich nicht, ob der Dient im Cultus Deorum etwas für mich wäre. Ich kann immer noch nicht verstehen, was meine Schwester zu den Vestalinnen gezogen hat, aber dafür muss man wohl berufen sein."

    Lucilla lässt sich nicht länger aufhalten und greift zu. Ein ganzes Krebsbein lang überlegt sie, dann jedoch schüttelt sie den Kopf.


    "Es kommt natürlich immer mal wieder jemand, der schon einmal da war. Anderes wäre ja auch sehr seltsam. Aber du warst die erste, die wirklich auffällig oft in meinem Officium vorbeigeschaut hat. Das war zu der Zeit, in der im Cultus Deorum alles so durcheinander war hier in Tarraco."


    Sie greift zu einer Auster und lässt das Tier ebenfalls in ihrem Mund verschwinden.

    Sodala...


    ...da ich morgen Früh nach Mannheim fahre, wo ich morgen Abend aufs Coldplay-Konzert gehe und dann vor übermorgen Abend nicht mehr ins Netz komme, melde ich mich heute Abend schon einmal ab :D


    (ich bin also von Donnerstag bis Freitag Abend nicht da ;) )