Zitat
Original von Gaius Caecilius Crassus
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Als wüsste Lucilla nicht all das, was Crassus über die Nota Censoria und die Wahrheit in Rom erzählt. Einen Moment lang hat es den Anschein, als würde sie gerade deswegen in ihre Decima-Trotzhaltung verfallen und sich mit sturen Kommentaren rechtfertigen. Doch Crassus ist nicht ihr Bruder und nach allem, was geschehen ist, hat er die Wahrheit verdient, denn wenn es einen Menschen gibt, vor dem Lucilla sich nicht glaubt rechtfertigen zu müssen, dann ist es Crassus. Er sollte wissen, was sie für Avarus aufgegeben hat.
"Ich weiß." sagt sie darum nur einfach. "Aber es ändert nichts. Du kannst es vielleicht nicht verstehen, doch all das hier, meine Arbeit, eine Casa in Rom, Rom, all das verliert seinen Wert im Vergleich zu ihm. Das ist meine Wahrheit, Crassus, und ich werde Rom nicht hinterherlaufen, dazu bin ich zu stolz. Vielleicht ist es so, wie mein Bruder immer sagt, vielleicht werde ich mir eines Tages meinen sturen Kopf an einer Wand einrennen. Aber dann war es immerhin mein eigener Kopf, und nicht der eines anderen."
Sie seufzt. Was hat sie geglaubt, wie Crassus seine Zurückweisung aufnehmen würde? Als sie seine Case verließ, war sie wütend auf ihn gewesen, weil er ohne ein Gegenwort ihre Worte einfach akzeptiert hatte. Sie hatte glauben wollen, dass es ihm tatsächlich nichts ausmacht und dass es daher um so mehr die richtige Entscheidung gewesen ist.
Bedrückt blickt sie auf den Tisch vor sich, versucht sich an der Musterung des Holzes festzuhalten. "Es tut mir leid, Crassus." Natürlich würde ihm das nicht helfen, doch was würde das schon? Einen Moment lang überlegt sie, ob ihre Entscheidung am heutigen Tag, nach all den Geschehnissen, mit dem heutigen Wissen anders ausfallen würde. Doch es braucht keine Sekunden, um zu wissen, dass dem nicht so wäre.