Beiträge von Samira

    Samira nickte. Ihr war sofort klar, wenn sie die junge Herrin führen sollte, konnte diese sich unmöglich hier auskennen. Daraus schlussfolgerte Samira, dass die junge Herrin offenbar nur zu Besuch in Mantua war. Fraglich war noch, ob sonst der Herr Marcellus hier weilte oder nicht, aber das würde sich im Laufe der Zeit schon noch herausstellen. Zunächst ging sie schweigend voraus, wies dann nach etlichen Biegungen und durchlaufenen Gängen mit der Hand auf eine Tür zum Wohnbereich.


    "Bitte sehr. Ich kümmere mich um das Essen und sage zudem meiner Herrin Bescheid."


    Da sie keine Antwort erwartete, machte sich Samira ohne zu verweilen auf den Weg.

    Samira bemerkte die Ratlosigkeit der jungen Herrin, denn diese war ungewohnt zurückhaltend und bedankte sich sogar. Hier war wohl etwas Unterstützung angebracht und zumindest darin kannte sich Samira durch ihre langjährigen Dienste in Patrizierhäusern aus.


    "Ich nehme erst einmal die Palla ab, wenn es recht ist", schlug sie Dolabella vor, ließ aber in der Bestimmtheit ihrer Worte auch Entschlusskraft erkennen. "Dann würde ich vorschlagen, einen kleinen Imbiss im Tablinum einzunehmen. Ich sage den hier weilenden Herrschaften Bescheid oder hast du einen besonderen Wunsch, wen du sonst als erstes sprechen möchtest?"

    Ach herrje, schon wieder eine Tochter des Hauses und Samira hatte sie nicht erkannt. Eilig trat sie zur Seite.


    "Bitte erst einmal einzutreten, auch wenn der Herr Marcellus hier leider nicht anzutreffen ist."


    Samira hielt die Tür auf und ging in Gedanken bereits die Anweisungen für die Küchen- und Zimmersklaven durch, denn die junge Herrin Dolabella musste sicher müde von der Reise sein. Eigentlich waren ja gerade die Saturnalien, was allen Sklaven eine arbeitsfreie Zeit garantierte, aber Samira wollte sich möglichst schnell in dem neuen Zuhause ihrer Herrin zurechfinden und so war sie eben diensteifrig, wo es nur ging. Zur Not würde sie selbst für die Bewirtung und das Herrichten des Zimmers sorgen.

    Oje, schon wieder Besuch und Samira kannte sich in diesem Haus immer noch nicht aus. Weder kannte sie alle Familienmitglieder, noch Hausbedienstete, Klienten oder sonst wen. Puh, hoffentlich ging es diesmal gut.


    Zögerlich öffnete sie die Tür und steckte nicht viel mehr als die Nase hinaus.


    "Ja, bitte? Wie kann ich helfen?", fragte sie. Als sie eine junge Frau erkannte, öffnete sie die Tür ganz und trat hinaus.

    So routiniert Samira auch in der Villa der Aurelier hantiert hatte, hier fiel sie von einem Problem in das nächste, weil sie bisher einfach nichts und niemanden kannte, sowie zusätzlich in ungewohnt heikle Situationen kam. Dass es nun an ihr war, die Tochter des Hausherrn von ihrer neuen Adoptivschwester zu unterrichten, fand sie durchaus unpassend, aber sie wurde gefragt, also würde sie auch antworten. Dennoch war ihre innere Einstellung von bangem Abwarten geprägt, denn sie konnte nicht voraussehen, wie die junge Herrin auf die Enthüllung reagieren würde.


    „Meine Herrin ist als Aurelia aufgewachsen. Sie wurde vor wenigen Wochen von dem Herrn Claudius Vesuvianus, deinem Vater, adoptiert und hat erst vor Tagen die Villa Claudia bezogen. „Wir“, das sind etliche Sklaven, die sie stets begleiten.“


    Zur Sicherheit hielt Samira erst einmal inne, bereits vorhin gingen die Erklärungen der Claudia zu schnell. Unsicher und abwartend blickte Samira zu Boden.

    Samira streifte die Palla von den Schultern und legte sie vorsichtig über den Arm.


    "Mein Name ist Samira, ich bin die Sklavin von Deandra. Wir sind erst gestern eingezogen, das Haus und das Personal sind neu. Eins kann ich aber mit Sicherheit sagen: Dein Vater Vesuvianus befindet sich derzeit nicht hier."


    Flugs merkte sich Samira, in welcher Beziehung die neue Herrin zu Vesuvianus stand bzw. er zu ihr. Und prompt fiel ihr ein, dass ja Vesuvianus der neue Adoptivvater von Deandra war. Bisher gab es keinen Kontakt, vielleicht wusste der Claudier auch nichts von der Anwesenheit seiner Töchter.

    Samira blickte nur einmal zwischen dem Kutscher und der Herrin hin und her, dann trat sie schleunigst beiseite. Na prima, bereits zum ersten Mal annähernd schief gegangen. Aber sie war nicht erst seit gestern Sklavin in edlen Häusern und so hatte sie gelernt, routiniert mit überraschenden Situationen umzugehen.


    "Aber selbstverständlich", sagte sie - nicht zu spät, aber auch keinesfalls mit Anzeichen größerer Unsicherheit. "Man muss heutzutage vorsichtig sein."


    Samira wartete bis die ihr unbekannte junge Frau, die sie aufgrund des claudischen Wappens an der Kutsche als solche - leider erst im Nachhinein - erkannt hatte, eingetreten war.


    „Darf ich deine Palla abnehmen, Herrin?", fragte sie freundlich.

    Es war ungewohnt, in dieser Villa zur Tür zu gehen, aber Samira dachte bei sich, man gewöhnt sich mit der Zeit an alles. Komisch konnte es nur werden, werden sie, als neue Sklavin des Hauses, die Familienmitglieder der Claudia nicht erkannte. Da blieb nur durchfragen oder sich geschickt verhalten und genau das nahm sie sich im Augenblick vor, als sie die Nase aus der Tür steckte.
    Dann aber stand ein offensichtlich unpatrizischer Mann davor. Samira entspannte sich, richtete sich sogleich zu auffallender Größe auf und warf noch einen Blick auf die Kutsche, bevor sie bei dem Mann nachfragte.


    "Ja bitte, was ist dein Begehr?"

    Samira stellte sich hinter Assindius. Das versetzte sie in die Lage, vorerst zu schweigen, und er musste Rede und Antwort stehen. Sie winkte Aintzane heran, damit die Herrin sie sehen konnte. Anschließend betrachtete sie Assindius' Hinteransicht und machte sich so ihre Gedanken, die sie natürlich niemandem zu erkannen gab. ;)

    "Ja, und immer ist Camryn die Letzte", murrte Samira. Dass die Herrschaften auf sich warten ließen, gehörte ja zum guten Ton. Wenn sie hier aber noch lange sitzen und warten musste, würde sie auch noch einmal aussteigen, um nochmals auf den Abort zu gehen.

    Samira stutzte. Wann hatte ihr Assindius schon einmal Recht gegeben? Da musste ein Haken an der Sache sein. Leider war sie noch so verschlafen, dass sie ihn erst nach dem Verstreichen mehrerer Augenblicke erkannte. Sie stemmte die Arme in die Hüften, stieß dabei ihre Sitznachbarn an und rief erbost zurück:


    „Und bei dir würde nicht einmal Schlaf noch etwas ausrichten.“ :P

    Samira hatte so schön geschlummert, als sie ein Brüllen weckte. Erschrocken fuhr sie auf, stand kurz, kippte aber sogleich wegen der Fahrgeschwindigkeit auf die Sitzfläche zurück.


    "Bei den Göttern, Assindius. Ich brauche meinen Schönheitsschlaf." :D

    Samira rückte als erste an, denn sie hatte bereits auf das Zeichen gewartet. Sie drückte Assindius ihr Gepäck in die Hand, lächelte und ließ es von ihm verstauen. Anschließend setzte sie sich in die Kutsche.

    Und Samira dachte schon, Camryn wollte Assindius auf den Esel setzen und musste bei der bildlichen Vorstellung bereits kichern. Das Reiten - und selbst, wenn es rückwärts war - würde sie dem Germanen auch zutrauen, der machte das Unmögliche möglich.



    Bei Aintzanes Frage, sah sie aber wieder ernsthaft aus. Die neue Sklavin sollte ruhig Fragen stellen, es war gut, wenn sie schnell einen Überblick bekam, wobei bei dem Herrn Corvinus nicht so viel zu beachten war.
    "Ach iwo." Samira winkte ab und schüttelte gleichzeitig den Kopf. "Der Assindius hat nur wegen seiner, ich sag mal 'rustikalen' Art, manchmal einen schrägen Blick oder eine treffende Bemerkung abbekommen. Das konnte er wohl nicht vergessen. Auch musste er wegen dem Herrn Corvinus bereits einmal die Schulbank drücken."


    Ein Lächeln, nicht ganz frei von Schadenfreude, wanderte Richtung Assindius, aber ein Augenzwinkern bat sogleich um Entschuldigung.

    Zitat

    Original von Camryn
    Camryn steckte den Kopf zur Tür herein.
    "Ja, ich hab eine Frage - darf ich mitkommen?"
    Sie grinste und trat ein. "Corvinus wird ebenfalls nach Mantua reisen. Wir könnten alle zusammen reisen."


    "Also keine Frage, sondern schon beschlossene Sache", stellte Samira der Vollständigkeit halber fest. "Ich glaube, ich wäre auch die falsche Person, um solche Erlaubnis zu erteilen."


    Sie zwinkerte Camryn zu, deren Name ihr anfangs auch Schwierigkeiten bereitet hatte. Sie war eben kein Namensgenie. Na und? Solche Leute musste es auch geben, denn sonst würden sich die Sprach- und Merkkünstler ja nicht abheben und ihr Ego pflegen können. Schließlich lenkte Assindius sie von ihren Gedanken ab.

    Zitat

    Original von Assindius
    „Bor hau bloß ab ey. Der spielt doch nur widder die Spassbremse. ;)Alle schön lächeln und winken. Dann heult der wieder, wenn wir uns nicht sittsam verhalten. :D Da hab ich ja Bock drauf hömma. Soll heißen, du kommst mit, der bleibt hier. Aber haben wir eine Wahl? Nein.“


    Dieser Germane ... Was der immer so raus haute ... Samira kicherte, obwohl sie im Grunde eine ernste Natur besaß.
    "Lass das bloß den jungen Herrn hören", warnte Samira. Sie wusste, dass Herr Corvinus - wie die meisten Männer der Aurelia - um einiges strenger als ihre Herrin war. Nur beim Herr Cicero konnte man sich das eine oder andere erlauben.


    "So, nun aber los. Sonst bekomme ich Ärger, weil ich die Abreise nicht auf den Punkt genau organisiert habe. Assindius, wenn angespannt ist, dann sag Bescheid. Moment ..." Samira runzelte die Stirn. "Als Fahrgäste haben wir also den Herrn Corvinus und eins, zwei, drei, VIER Sklaven. Boah, passt das denn überhaupt? Kommt am Ende noch jemand mit? Camryn, weißt du näheres?"

    „Ich habe ja nicht gesagt, dass ich ihn nicht aussprechen kann. Er ist nur eben für eine Sklavin in römischer Umgebung nicht leicht zu merken, deiner war es ja auch nicht. Trotzdem habe ich es immer geschafft.“


    Samira klatschte in die Hände.


    „So, ihr Lieben. Fertigmachen zur Abreise. Assindius spannt die Pferde an, Aintzane …“ Samira war stolz, dass sie sich den Namen nun doch merken konnte. „… kümmert sich um den Proviant und ich werde die Übergabe der Haushaltplanung an meine Vertretung regeln. Noch irgendwelche Fragen?“

    "Der Herr hält sich gerade in Mantua auf", sagte Samira über Camryns Schulter hinweg.


    Sim-Off:

    Er ist seit einigen Tagen nicht online gekommen und hat auch keine Nachricht wegen Abwesenheit hinterlassen. Da muss wohl was Unvorhergesehenes dazwischen gekommen sein.

    "Besser, aber längst nicht perfekt", knurrte Samira. "Deine Treter stehen unter dem Bett."


    Sie schüttelte den Kopf über so viel Fläzigkeit und Unordnung, dann wandte sie sich an Aintzane.


    "Würdest du uns etwas über dich erzählen? Sag auch bitte noch einmal deinen Namen. Vielleicht kann ihn sich Assindius besser merken, ich jedenfalls habe da so meine Schwierigkeiten."

    Samiras' Stirn runzelte sich.


    "Das nennst du Vorstellung? Was soll sie denn von dir denken? Aber hopp, das Ganze noch einmal in Reinkultur. Und danach sage ich dir auch, wo deine Schuhe stehen."


    Samira lächelte spitzbübig, weil sie die Galoschen von hier aus sah, sich aber bemühte, nicht hinzusehen, um Assindius keinen Tipp zu geben.

    Samira schnappte nach Luft, kam aber nicht mehr zum antworten, weil sich die Tür öffnete und die neue Sklavin hereinkam. Mit einem Kopfschütteln und Schulterzucken verständigte sie sich zunächst mit ihr, bis schließlich eine Frage über die Lippen Aintzanes kam.


    Sie winkte ab. „Bei Assindius muss man so ziemlich mit allem rechnen. Die Herrschaften haben sich redlich bemüht, ihn zivilisierter zu machen, aber er ist und bleibt barbarischer Abstammung. Tja, und Scham kennt man offenbar in Germanien nicht.“


    Samira war es gewohnt und es störte sie nicht sonderlich. Assindius hatte auch erhebliche Qualitäten.


    „Dafür ist er treu und loyal, sogar uns gegenüber. Das ist einiges wert. Zu kommandieren hat er hier jedoch nichts. Ich bin inzwischen die älteste Sklavin und wenn einer kommandiert, dann ich.“


    Die Sklavin schmunzelte. Früher war es Eirene gewesen, die zuweilen grätig geworden war. Heute durfte sie das Zepter schwingen, man sah ihr selbst von Seiten der Herrschaften einiges nach.


    „Bei Zuverlässigkeit und Treue wird man in der Aurelia entweder mit der Freilassung oder mit einem besonderen Posten im Haushalt beschenkt. Ich bin jetzt sozusagen die Hauswirtschafterin. So, Assindius, und nun zu dir. Eigentlich wollte ich dich ja durch die Villa scheuchen, damit du unsere neue Sklavin findet. Du hast echt Glück, nun ist sie schon hier. Am besten du stellst dich ihr zunächst vor.“