Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Der Centurio begann und je länger Menecrates zuhörte, umso mehr beglückwünschte er sich zu seiner Wahl. Er hätte nach der kurzen Amtszeit und der damit verbundenen Unkenntnis über die Qualität und das Engagement der einzelnen Offiziere auch einen weniger hilfreichen zukünftigen Leiter der Station auswählen können. Zustimmend nickte er, als von einem weiteren Eindringen in das Viertel abgeraten wurde. Er selbst fand die Position ebenfalls günstig. Das Grundstück erschien ihm nicht nur strategisch günstig gelegen, sondern auch groß genug, um verschiedene Varianten der zukünftigen Station durchzuspielen, was der Centurio ganz von selbst vornahm.
    Mit anhaltender Aufmerksamkeit folgte er dessen Ausführungen. Sein Mundwinkel hob sich leicht, als die Variante der offensichtlichen Dominanz bevorzugt dargestellt wurde. Er nickte auch dazu.
    Gern hätte er auch die Meinung des ehemaligen Tribuns Antoninus gehört, aber solange dieser schwieg, lagen wohl auch keine Einwände vor. Er vergewisserte sich dessen, bevor er antwortete.


    "Im Grunde genommen hast du das in Worte gefasst, was mir vorschwebt", begann Menecrates, während sein Blick zurück zu Maro wanderte. "Ich möchte auf der einen Seite ein Hilfsangebot für Bedürftige installieren und gleichzeitig eine Instanz schaffen, die für Ruhe und Ordnung sorgt. Das klingt leicht, ist es in der Subura aber nicht und allein deswegen müssen wir Stärke beweisen und natürlich auch an jeder verfügbaren Stelle zeigen. Das beginnt beim Entwurf der Station, wie du richtig bemerkt hast, und zeigt sich in unserem Auftreten. Interessant finde ich, dass du vorschlägst, ansässige Handwerker einzubinden." Er schwieg einen Moment, dann fuhr er fort. "Das ist eine gute Idee. Wem unsere Aufträge nützen, der sitzt automatisch im Boot.
    Über die Aufgaben der Patrouillen, werden wir zu gegebener Zeit noch sprechen. Ich vermerke mir bis dahin, dass diese auch ein Auge auf die Bausubstanz werfen sollen. Immerhin kündigen sich Einstürze häufig genug durch Risse in der Hauswand an."
    Auch diesen Vorschlag, drohende Einstürze rechtzeitig zu erkennen und abzuwenden, begrüßte Menecrates. Er gab durch ein Kopfnicken seinem Sekretär zu verstehen, den Gedanken festzuhalten.


    "Kommen wir zum Bauobjekt. Der Standort ist gewählt, wir bleiben an dieser Gabelung und nutzen die angrenzenden Gebäude als Rückendeckung. Die bestehende Insula muss abgetragen werden, ohne dass diese angrenzenden Bauten größeren Schaden nehmen. Unversehrt werden sie den Abbruch sicherlich nicht überstehen. Gerüste müssen her, Abstützungen und die Bewohner müssen aus Sicherheitsgründen zeitweilig wo anders untergebracht werden." Wieder ging ein Fingerzeig in Richtung Sekretär.
    "Um die dauerhafte Umsiedlung der aktuellen Bewohner unseres Standortes kümmert sich mein Büro. Das ist alles bereits abgesprochen.
    Wir müssen heute eine Vorentscheidung treffen, in welcher Form unsere Station errichtet werden soll. Ich persönlich tendiere zu einer Befestigungsanlage in leichter Ausführung. Ich möchte weder einen Fremdkörper schaffen noch ein Gebäude, das aussieht wie jedes andere. Es muss trotz allem nicht nur den Sicherheitsstandards entsprechen, sondern auch auf den ersten Blick klar machen, dass hier Soldaten stationiert sind, die - wie du bereits gesagt hast - die Obergewalt im Viertel anstreben und halten.


    Hast du Vorschläge für eine leichte Ausführung einer befestigten Anlage?" Es böte sich ein Haupttor unmittelbar in der Gabelung an. Ein seitlich gerichtetes wäre aber genauso denkbar.

    In Vorbereitung auf die Ludi Plebei, die PRIDIE NON NOV DCCCLXVIII A.U.C. (4.11.2018/115 n.Chr.) begannen, rief Menecrates die Stabsoffiziere der Einheit zusammen. Der eine oder andere Centurio wurde ebenfalls geladen, um an den Vorbereitungen teilzunehmen.


    "Meine Herren, die Ludi Plebei stehen vor der Tür und ich erzähle hier sicherlich keinem etwas Neues, wenn ich anmerke, dass die Aufrechterhaltung der Ordnung während der turbulenten Zeit der Spiele in unserer Verantwortung liegt. Mein Anspruch sind reibungslos verlaufende Spiele. Ich habe zwar meine eigenen Vorstellungen, interessiere mich aber durchaus auch für die Vorgehensweise in der Vergangenheit. Außerdem bitte ich um Vorschläge, welche Besuchergruppen möglicherweise ein Teilnahme- bzw. Zugangsverbot ausgesprochen bekommen sollen." Schausteller und Magier gehörten sicherlich nicht dazu, denn ihnen stand eher ein Auftritt bevor.
    "Welche Meinung vertritt der Einzelne gegenüber der Gruppe der Christen?" Er ließ den Blick schweifen. "Falls wir sie ausschließen wollen, benötigen wir ein Konzept für die Umsetzung."

    Die Übereinkunft war gefunden und zufriedenstellend. Nun wollte Menecrates zu einem schnellen Abschluss kommen.
    "So machen wir das. Wie lange brauchst du Vorlauf für die Planung der Streifen mit meinen Männern?" Er selbst brauchte nur einen Aushang in Auftrag geben, was eine Angelegenheit von Minuten war.

    Ja, sie erregten Aufsehen, als sie die Ausläufer der Subura erreichten und tiefer in das Gebiet vordrangen. Die Begehung war keinem vorher kundgetan und wie eine der üblichen Streifen wirkte die Abordnung nicht. Anwohner blieben auf der Straße stehen oder lehnten sich über die Fensterbrüstungen, als Menecrates den Arm hob.
    "Consistite!" Die Hinteren würden es den Vorderen gleichtun, denn das Fußgetrappel verschluckte den Befehl. Immerhin war das Handzeichen erkennbar gewesen, denn der Straßenabschnitt verlief gerade und nicht im Bogen. Vor ihnen lag eine Gabelung und linkerhand folgte alsbald eine Kreuzung.
    Menecrates wandte sich an Antoninus. "Die Position wäre hier oder wenig weiter ideal, weil wir den direkten Rückzugsweg zur Castra hätten und gleichermaßen eine Verstärkung aus der Castra direkt und schnell bei uns eintreffen könnte." Er ließ den Blick schweifen, bevor er sich an den ranghöchsten Offizier wandte. Es schien ihm ratsam, Maro aktiv mit einzubinden.


    "Ungeachtet dessen, welches Grundstück wir erwerben können, welche Einschätzung nimmst du vor, wenn wir die freie Auswahl hätten?" In der Spitze der Gabelung stand ein Gebäude - eingezwängt zwar, aber Menecrates wollte ja ohnehin abreißen lassen. Zwei Seiten führten jeweils auf die Straßen der Gabelung, die Front richtete sich nach Nordosten - der Richtung, aus der die Urbaner kamen. Die Rückseite wurde von anschließenden Gebäuden eingenommen und schien deswegen keine Fenster zu besitzen.
    Wenig weiter mündete die linke der Straßen in eine Kreuzung. Der gewährte Einblick gab die Sicht auf vier Häuser frei. Keine der Kreuzungsseiten war unbebaut. Platz durfte nicht verschenkt werden. Die verschiedene Bauart der Häuser spielte eine untergeordnete Rolle, einzig die Position des späteren Stationsgebäudes sollte strategisch günstig sein, sodass die Wahl der käuflich zu erwerbenden Insula ausschließlich diesen Aspekt berücksichtigen musste. Über die Kreuzung oder doch lieber davor? Oder doch lieber die vorangehende Gabelung?
    "Der Rückzug oder die Verstärkung sind nur ein Aspekt bei der Auswahl. In erster Linie wollen wir Streifen losschicken. Das ist unser Hauptaufgabenbereich. Die geplante Essensausgabe ist nachrangig und dürfte kaum besondere Aufforderungen an die Zuwegung stellen." Er überlegte einen Moment, dann blickte er zurück.


    "Falls jemand von euch", er ließ den Blick über die aufgestellte Centuria streichen, "sich in Sachen Vermessung oder Statik ein wenig auskennt oder auch nur glaubt, einen strategischen Gesichtspunkt einwerfen zu wollen, nur zu."

    Ich bin eigentlich nicht abwesend, sondern "nur" beeindruckt von der geringen Aktivität im IR, die ich in dem Ausmaß noch nicht erlebt habe.


    Ungeachtet dessen, bemühe ich mich gerade, die Urbaner zu sammeln und sollte Maro noch dazustoßen, wird es bei der Station auch weitergehen, selbst wenn andere beteiligte Spieler wie Antoninus und Silana sowie Verus fehlen.

    Sim-Off:

    Ich habe nichts gegen drängeln. :)


    Trotz ausreichend langem Blickkontakts und dem aufmunternden Kopfnicken des Preafectus Urbi geschah seitens des Centurio nichts. Menecrates wusste, dass Octavius fast zeitgleich zu seiner Einsetzung befördert wurde, fragte sich aber inzwischen, ob sich der Offizier zum Führen einer Centurie eignete, zu zeitig befördert wurde oder generell lieber im Rang eines Optio verblieben wäre. Dieser Eindruck würde sich verstärken, wenn Menecrates im Nachhinein vom morgendlichen Antreten der Centrurie hören würde, was ähnlich schweigsam verlief.


    Menecrates verspürte keine Lust, noch länger auf Octavius' Kommandos zu warten und da er vor Urzeiten selbst einmal im Kleinen kommandierte, übernahm er kurzerhand die Regie. Eine Mischung aus positivem Rückblick und ungewohntem Einsatz überkam ihn, als er sich wieder frontal den Männern gegenüberstellte.


    "Milites, state!" Er wandte den Kopf zu Antoninus, Silana und den anderen Zivilisten und wies mit seinem Arm nach rechts, um ihnen zu signalisieren, wohin er beabsichtigte zu gehen. Da er nicht vorhatte, gänzlich die Rolle eines Centurio zu übernehmen, würde er sich auch nicht an dessen übliche Position beim Marsch halten. Sie würden durch den Ausfall des Centurios alle improvisieren müssen, was eine erste Bewährung darstellte. Vielleicht aber fing sich Octavius auch wieder, wer konnte das schon voraussagen.
    "Ad dextram! Pergite!"


    Nach der Drehung und dem Anmarschieren setzte sich Menectrates ebenfalls in Bewegung. Sein Blick suchte bereits das Ziel, das sie in Kürze erreichen würden.

    Sein Blick verharrte für Augenblicke auf dem Antlitz des Vigilespräfekten, als der eine Lanze erwähnte. Menecrates hatte bewusst nicht von der üblichen Ausrüstung oder Bewaffnung gesprochen, sondern die Formulierung Ausstattung gewählt und damit in erster Linie die Uniform gemeint. Sicher - da konnte man auch Waffen hineininterpretieren und einen Dolch fand Menecrates nicht einmal abwegig, aber eine Lanze als Beiwerk beim Hospitieren? Wurde ihm tatsächlich solcher Unfug zugetraut? Die Frage beschäftigte ihn, als er weiter zuhörte.


    Er antwortete nach einer kleinen Pause. "Ich bin sicher, ein Urbaner ohne Lanze wird kein Bremsklotz beim Vorankommen auf Feuerleitern darstellen. Und was meinst du mit dem Unterordnen bei einem Brandeinsatz? Das ist doch selbstverständlich. Ich kann nicht erkennen, worin du diesbezüglich ein Problem siehst." Er zuckte mit der Schulter, was ein wenig Bedauern ausdrückte, aber in erster Linie zeigen sollte, dass für ihn die Angelegenheit keineswegs ausdiskutiert war.
    "Ich habe bislang nicht verstanden, warum meine Männer in zivil mitlaufen müssten, wenn sie alternativ keine Vigilesausrüstung tragen sollen. Von einer Lanze als Beiwerk zur Urbanerkleidung war nie die Rede und ich will auch nicht glauben, dass ihr euch unserer offensichtlichen Gesellschaft schämt." Ernst lag auf seinem Gesicht, als er weitersprach.


    "Die städtischen Einheiten sollten sich unterstützen und weder gegeneinander arbeiten noch aus Eitelkeiten Blockaden aufbauen. Um eine bessere Kooperation werden wir alle nicht herumkommen, wenn wir aus dem Aufstand lernen wollen."
    Gutes Image hin oder her, er würde nicht hinnehmen, dass sich jede Einheit als Eliteeinheit sah. Von den Vigiles hätte er anderes erwartet als von den Praetorianern. Einzeln konnten sie viel leichter ausgehebelt werden.

    Sim-Off:

    Bitte bei meinem nächsten Aussetzer eine Mahnung schicken. :blitz: Ich war der festen Meinung, du bist dran mit schreiben. :patsch: Erst heute, als es mir langsam komisch vorkam, hab ich nachgesehen.


    Menecrates zeigte sich vom Vorschlag angetan, nachdem er eine Weile darüber nachgedacht hatte. Er nickte. "Warum nicht? Das bietet Abwechslung und maximale Trainingserfahrung."
    Er griff zur Auflistung der aktuellen Fahrer und überflog sie. Die Argumentation in Bezug auf das Kurvenfahren fand er stimmig. Er überlegte, dann blickte er auf.
    "Ich würde gerne Syennesis, Braecus und Rianorix gegen die Veneta starten lassen und erst nach diesem Rennen die beiden Fahrer für das Dreierrennen nominieren. Ich hätte zwar gerne Tisander gefördert, aber der Junge war zuletzt krank und ich weiß nicht, wie gut er in Form ist. Andererseits: Da du die Rennen organisierst, höre ich mir auch gerne deine Startvorschläge an." Menecrates blickte interessiert, denn nichts war bislang in Stein gemeißelt.

    Menecrates wusste aus Erfahrung, dass ein und dasselbe Gebiet nachts merklich anders wirkte als bei Tag, daher blieben Zweifel. Sie kamen um eine Zeit der Anpassung nicht herum und währenddessen waren sie angreifbar. Sichtzeichen als Mittel der Verständigung fielen bei Nacht zwar nicht gänzlich weg, aber sie funktionierten nur eingeschränkt. Vor allem aber fehlte den Urbanern die Erfahrung.
    Es galt demnach, in den Dienst der Vigiles reinzuschnuppern.


    "Die Männer werden dann wohl oder übel in zivil am Nachtdienst teilnehmen. Eure Ausrüstung geht nicht, weil sie impliziert, dass der Träger fachkundig ist, was ja nicht zutrifft. Was genau spricht gegen die für Urbaner übliche Ausstattung?" Dass Scaevius gegen eine Übernahme von dienstfremden Tätigkeiten durch seine Männer war, konnte Menecrates noch nachvollziehen. Dass aber bereits die Anwesenheit eines Urbaners beim Streifendienst als Problem gesehen wurde, fand er übertrieben. Ungeachtet dessen wollte er sich die Begründung anhören.

    "Gut", kommentierte Menecrates die Tatsache, dass keine Fragen gestellt wurden. Zum jetzigen Zeitpunkt gab es offensichtlich keine Unklarheiten. Er hätte sich nun wie ein typischer Praefect verhalten können und seine Überlegungen einzig mit den Stabsoffizieren teilen, die wiederum das Gehörte an die Offiziere weitergaben und diese ihrerseits weiter in die unteren Ränge transportierten. Da die Station aber ein für alle Beteiligten neues Feld darstellte, sollten sie es auch gemeinsam bestellten.
    "Wir befinden uns hier nordöstlich vom Forum Romanum. Die Castra Praetoria liegt in unserem Rücken." Da er frontal zur Centuria sprach, wählte er die Standorterklärung passend für die Soldaten, nicht für sich selbst, denn sein Blick richtete sich aktuell zur Castra. Er drehte sich leicht und wies mit dem Arm nach Südwesten.
    "Wir werden gleich hier entlang marschieren und in Kürze die Randausläufer der Subura erreichen. Absolut wünschenswert und strategisch sinnvoll wäre es, wenn wir ein geeignetes Grundstück, eine Insula finden, bevor wir das Zentrum der Subura erreicht haben. Ich hätte gern die neue Station möglichst direkt und leicht für nachrückende Verstärkung aus der Castra sowie einen Rückzug unsererseits in Richtung Castra errichtet." Er blickte in die Runde und fügte an: "Wobei ich nicht hoffe, dass dies einmal nötig sein wird."


    Die Marschrichtung war klar, die Suche umschrieben, der Radius eingegrenzt. Menecrates blickte zu Centurio Ocatvius und nickte einmal zum Zeichen, dass der seine Männer anmarschieren lassen sollte.

    Da es sich beim Vorhaben nicht um einen Ausflug handelte, sondern eine militärische ... Operation, galten die üblichen Verhaltensregeln. Disziplin und Ordnung bildeten ein belastbares Gerüst, auf dem die Funktionalität der Corhortes Urbanae fußte.
    Wieder war es der Optio, der beim Eintreffen des Claudiers befahl:
    "Milites, state! Oculus prosam! Praefectus urbi adest!"


    Menecrates ließ den Blick über die Männer schweifen. Sie stellten also seine neue Hoffnung für eine besser bewachte Subura da.
    "Movemini!" Er wollte die Ordnung nicht aufheben, nur das Starre. Sie hielten keinen Appell ab und nahmen auch an keiner Parade teil.
    "Milites! Wir befinden uns heute auf einer besonderen Außenmission: Wir suchen den zukünftigen Standort für unsere neue Station. Darüber hinaus wird das Gebiet, was wir nachher betreten, euer zukünftiges Einsatzgebiet sein. Lernt es kennen, verinnerlicht es. Wenn euch nachts jemand weckt, dann müssen zukünftig bestimmte Koordinaten wie ein Geschützfeuer aus euren Mündern kommen.
    Fangt schon heute an, das Viertel mit anderen Augen zu sehen. Legt euch innere Landkarten an. Jeder mag diesbezüglich eine eigene Vorgehensweise haben. Wichtig ist, jeder einzelne kommt ans Ziel. Unser Ziel ist es, das Viertel so gut kennenzulernen, dass wir uns nachts sicher orientieren können. Das Pflaster ist heiß und momentan besitzen die Straffälligen den Heimvorteil, weil sie sich auskennen. DAS muss sich schnellstens ändern. Wir nehmen ihnen stückweise diesen Vorteil fort und beginnen heute mit dem ersten Schritt auf diesem Weg."

    Menecrates fürchtete nicht, dass einer der Soldaten beim Aufbruch an einen Freizeitausflug dachte, aber er wollte die Truppe von Anbeginn richtig einstimmen.


    "Nichts destotrotz ist unser primäres Ziel heute die Auffindung eines geeigneten Standorts für die Station. Es kann sich - und wahrscheinlich wird es sich sogar - um ein bebautes Grundstück handeln. Es muss strategisch günstig liegen - ähnlich einer Castra, wobei wir nicht mit einer Belagerung rechnen müssen. Eine gute Zuwegung von allen Seiten erhält also den Vorzug vor einer Rückendeckung.
    Wer etwas Entsprechendes sieht, darf sich zu Wort melden. Es wird euer aller Zuhause sein, also teilt die Verantwortung dafür."


    Er blickte nochmals in die Runde. "Fragen?"

    Es gab weniger Nachfragen als erwartet und vor allem keinen Gegenwind. Menecrates ließ dennoch geraume Zeit verstreichen, ehe er sich wieder zu Wort meldete und in Richtung des Consuls blickte.


    "Ich denke, wir haben jedem die Möglichkeit eingeräumt, sich hier zu Wort zu melden. Fragen gibt es offensichtlich keine mehr und ebenso wenig Bedarf an weiteren Informationen. Ich möchte daher vorschlagen, zur Abstimmung über die Auszeichnung zu kommen." Sich schweigend umzusehen, brachte keine neuen Erkenntnisse und sicherlich warteten auf fast jeden Senator weitere Verpflichtungen.

    Der fehlende Ordo stellte also die erste Hürde dar, die Menecrates in seiner Funktion als Patron aus dem Weg räumen musste.
    "Gut. Das bedeutet für mich, ein Gespräch mit dem Kaiser zu führen. Es ließe sich besser argumentieren, wenn du mit der Verleihung des Ordo Senatorius aus dem Dienst der Garde austrittst." Menecrates' Blick suchte nach Regungen, die über Tiberius' Empfinden Aufschluss gaben. "Liegt das in deinem Interesse oder schwebt dir ein anderer Zeitplan oder eine andere Abfolge vor?"
    Sie näherten sich dem Gesprächsende, zumindest nahm Menecrates das an.

    Bereits im zweiten Satz machte Scaevius klar, dass die Vigiles keine übergreifenden Tätigkeiten während ihres Nachtdienstes übernehmen würden. Menecrates lehnte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und hörte weiter zu. Nachdem Scaevius geendet hatte, verblieb er in dieser Position, weil er nachdachte. Natürlich ging er nicht in der Annahme, dass übermäßig freie Kapazität zur Verfügung stand. Trotzdem hatte er gehofft, die Vigiles mit ins Boot zu holen. Dieser Plan ging also nicht auf. Er konnte sogar Verständnis aufbringen, denn so klar wie heute stand ihm noch nie vor Augen, über welch verschiedenes Image die beiden Stadteinheiten verfügten. Wieso sollten die Vigiles ihres aufs Spiel setzen? Sie gewannen nichts, sie hätten nur gegeben.
    Menecrates kam also nicht umhin, seine Männer für den Nachdienst ausbilden zu lassen.
    Es machte keinen Sinn, tagsüber in der Subura präsent zu sein, um das Viertel nachts ganz und gar den Banden zu überlassen. Andererseits wäre ein Streifendienst ausschließlich bei Tag und ein Stationsdienst bei Nacht ein schonender Einstieg in das Projekt Außenstelle, weswegen Menecrates noch einmal abwägen wollte und auch musste.

    Hier und heute gab es nichts abzuwägen, die Sachlage war klar. Er setzte sich wieder aufrecht hin.
    "Die Erfahrungen deiner Männer sind für uns unschätzbar. Wie können wir diese Erfahrungen am besten transportieren? Mir geht es um Orientierung, Verständigung untereinander, all diese Dinge, die nachts erschwert sind. Es spielt dabei keine Rolle, dass sich unsere Aufgaben unterscheiden. Höchstens in der Hinsicht, dass bei einem Feuereinsatz die Beleuchtung für euch gratis geliefert wird."

    Der Anflug von Humor verschwand so schnell wie er gekommen war.
    "Ein Manöver bringt diesbezüglich nichts, es müsste gemeinsam erlebte Praxis sein. Könnte das eine oder andere Mal ein Urbaner eure Nachtstreife in die Subura begleiten? Damit sind wir dann zwar wieder beim Thema gemeinsame Streifen - mehr oder weniger, aber ich halte ein Praxisschnuppern am effektivsten."

    Menecrates nickte seinerseits. "Jeder einzelne Mann, der unterkommt, hilft uns weiter. Mir sogar in doppelter Hinsicht." Die Iststärke anzuheben, besaß Gewicht neben der Unterbringung von Suburabewohnern, die der Station weichen mussten.

    Die selbstverständliche Antwort des Präfekten erstaunte Menecrates, doch es gelang ihm, dies nicht zu zeigen. Nach Meinung seiner Stabsoffiziere versahen die Streifen schon tagsüber nur ungern ihren Dienst im Viertel. Es hätte Menecrates nicht gewundert, wenn in der viel gefährlicheren Nachtzeit der Dienst zu wünschen übrig ließ.
    "Das ist erfreulich", erwiderte er daher auf die Aussage hin, dass die eingeteilten Streifen ihren Dienst versahen. Er nahm sich vor, die Thematik in der nächsten Stabsbesprechung zu erörtern, um zu klären, ob es sich bei seinem Eindruck um die mädchenhafte Ängstlichkeit einzelner Offiziere gegenüber der Subura oder um eine mangelhafte Vorbereitung der Truppe insgesamt handelte.
    "Für die Soldaten der Cohortes Urbanae wird der Nachtdienst eine neue Erfahrung sein. Ich möchte mit dir beratschlagen, wie sich sinnvoller Weise dieser Nachtdienst mit eurem kombinieren lässt. Die neue Station wird nachts besetzt sein und im Bedarfsfall kann durch uns Verstärkung gestellt werden. Wir sollten uns auf Signale einigen.
    Ich denke, parallele Streifen sind nicht sinnvoll."
    Er warf einen prüfenden Blick zum Praefectus Vigilum. Ein nächtlicher Streifendienst der Urbaner widersprach jeder Tradition. Abgesehen davon, dass sie auch keinerlei Erfahrung diesbezüglich besaßen.


    "Gleichzeitig wäre es für uns von Vorteil, den jeweiligen Streifenplan von euch zu kennen. Wir können so auch ohne Signalgebung einschätzen, ob rivalisierende Banden aufeinander gestoßen sind oder eine der Banden auf euch."


    Er legte eine Pause ein und harrte gespannt der Vorschläge von Seiten seines Gesprächspartners.

    Dem Vorbeischicken eines Sklaven zur Abgabe des Antwortbriefes ging leichtes Unverständnis seitens des Praefectus voraus. Nach einer Weile der Grübelei kam Menecrates zu dem Schluss, dass die Nachfrage des Procurator a rationibus entweder mit persönlicher Neugier oder einer Steuerentlastung zu begründen war und zwar für diejenigen, die anstelle der Staatskasse die Kosten der Umsiedlung trugen.



    Ad
    Procurator a rationibus
    Potitus Plennius Flamininus
    Palatium Augusti
    Roma




    Salve Procurator Plennius,


    die Kosten der Umsiedlung der Bewohner wird von namhaften Römern - zum Beispiel von mir - getragen. Die Liste aller ist auf Wunsch und nach Rücksprache einsehbar, sofern sie Steuerentlastungen zur Folge hätte. Andernfalls bleibt der eine oder andere Spender derzeit gern unbenannt.
    Wir behalten uns vor, die Öffentlichkeit im Nachhinein über die Investoren in Kenntnis zu setzen.



    [Blockierte Grafik: http://up.picr.de/28136474nt.gif

    gez. H. Claudius Menecrates




    ANTE DIEM III KAL OCT DCCCLXVIII A.U.C. (29.9.2018/115 n.Chr.)


    "Ist Güte tatsächlich eine emotionale Schwäche? Ich denke, darüber lässt sich streiten, denn sie könnte genauso gut eine von nicht allen erreichbare Stärke darstellen." Mehr als einen Gedankengang stellte die Aussage nicht dar und Menecrates beabsichtigte nicht, die Thematik länger zu erörtern. Das Militär war insgesamt kein Zuckerschlecken, eher ein knallhartes Geschäft. Eine Mühle, der man schwer entkam und entweder man erwies sich als geeignet und konnte Positives bewirken oder man wurde zermahlen.
    "Gnade meinte ich allerdings nicht, wenn ich von Güte sprach. Gnade zu erweisen, steht den meisten auch nicht zu, weil sie per Befehl an Vorgaben gebunden sind."
    Sie kannten beide das Militär, wenn auch aus verschiedenen Blickwinkeln. Dadurch unterschied sich weniger ihre Einschätzung als vielmehr die jeweilige Auswirkung auf die Person. Und um die Person Tiberius ging es im Folgenden.


    Menecrates empfand es als angenehm, anstelle des sonst vorherrschenden funktionierenden Offiziers, die Person Tiberius zu erleben. Sie wirkte unsicherer, aber gleichzeitig menschlicher. Menecrates glaubte Tiberius, als dieser sagte, er möchte so weit sein. Das anschließend formulierte Ziel - der Senat - überraschte Menecrates weniger als gedacht.
    "Ein weit gesteckte Zeil, ein ehrbares." Er dachte kurz nach, dann fuhr er fort. "Vielleicht bist du überrascht, aber ich traue es dir zu. Ich glaube sogar, du wärst ein Gewinn für das Gremium, ohne dich verstellen zu müssen." Er nickte zur Bekräftigung.
    "Wir machen es so: Ich unterstütze dich als dein Patron auf dem Weg dorthin. Biegst du ab, dann entfernt dich jeder Schritt von mir." Er ließ die Aussage wirken. Sie sollte verdeutlichen, dass Menecrates Tiberius nicht fallenlassen würde, solange jener einen ehrbaren Weg beschritt.
    "Verfügst du über den Ordo Senatorius?"

    Die Getränkewahl seines Gesprächspartners passte hervorragend zu Menecrates, der annähernd zu jeder Tageszeit frisches Quellwasser bevorzugte. Dementsprechend musste er sich auch nicht äußern, sondern bekam seinen Becher automatisch gefüllt. Er konnte sich so ganz auf die Aussagen konzentrieren. Alles sehr wertvolle Hinweise, nur bei der abschließend Frage stutzte er.
    "Ähm, nein." Er konnte sich nicht erinnern, je einer solchen Kontrolle beigewohnt zu haben und er ließ sich im Übrigen auch nicht gern privat kontrollieren. Beraten - ja, das war eine andere Sache, aber kontrollieren im Privatleben - nein. Zu einem solchen Termin würde er gewiss ein Familienmitglied bitten, ihn zu vertreten.
    Da ihn die anderen Themen ohnehin mehr interessierten, kam er auf sie zurück.


    "Eine entzerrte Lage ist eine gute Ausgangsposition für mein Anliegen", erwiderte er schmunzelnd. "Wir haben ebenfalls ein wenig Spielraum. Allerdings ist unserer bereits im Interesse der Stadt weitgehend verplant. Wir befinden uns - wie ihr - etwas unter Sollstärke, was niemanden wundert, weil es die Regel ist. Aber auch diesbezüglich gedenke ich, etwas zu ändern." Die eingelegte Pause dauerte nur einen Atemzug.
    "Ich plane im Viertel der Subura eine feste Station. Der Standort muss noch ermittelt werden, aber gleich, wo er ist, es werden Suburabewohner umgesiedelt werden müssen. Dem überwiegenden Teil biete ich mit Unterstützung weiterer, gut situierter Bürger eine Anstellung auf privaten Landgütern an. Einige könnten aber auch bei Interesse den Cohorten oder den Vigiles beitreten. Deswegen hatte ich nach deiner aktuellen Iststärke gefragt." Er suchte den Blickkontakt und fügte an: "Liegt es in deinem Interesse, wenn ich in einem diesbezüglichen Aufruf deine Einheit mit erwähne?"


    Um sein Anliegen in Gänze darzulegen, schob er noch nach: "Der zweite Aspekt, den ich mit dir erörtern möchte, ist der Nachtdienst im Viertel. Wo siehst du deine Möglichkeiten?" Erst im Nachhinein konnte das Organisatorische und Logistische geregelt werden.

    Zu früher Stunde trafen zwei Gruppen - einige Straßenzüge vom Rand der Subura entfernt - aufeinander. Es handelte sich um eine Centurie der Cohortes Urbanae, die durch Sonderbefehlvon den Baracken zur Subura abkommandiert wurden.


    Sie verschmolzen mit der zweiten, zahlenmäßig deutlich kleineren Gruppe, die vom Praefectus Urbi angeführt wurde und aus der Villa Claudia aufgebrochen war. Klienten, Sklaven und Enkelin Silana begleiteten den Claudier. Als Mann unmittelbar an seiner Seite wählte er für das Vorhaben Iulius Antoninus.