Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Wie die beiden jungen Männer sich verstehen würden, vermochte Menecrates nicht zu sagen. Marcus schien stets sehr ernst, Lucius wirkte unbeschwert.


    "Was er macht, kann ich nicht genau sagen. Er ist vor langer Zeit mit seiner Schwester abgereist und plant aber, zeitnah zurückzukehren." Bei der Nachfrage zum Tribunat musste sich Menecrates erst zurückerinnern. Es lag schon zwei Jahre zurück.
    "Hm, die Geschichte um sein Tribunat ist nicht schnell erzählt. Ich hatte mich beim Kaiser damals eingesetzt, dass er es vorziehen kann. Normalerweise folgt es ja auf das Einstiegsamt im Cursus Honorum und das hat Marcus noch nicht absolviert. Er wollte das Tribunat trotzdem sehr gerne vorziehen, also hatten wir die Kaiserfamilie deswegen zu einer Cena geladen. Leider konnte er den Kaiser nicht überzeugen, entgegen der Regel ein Tribunat zu vergeben. Vielleicht hat ihn diese Enttäuschung auch dazu bewogen, erst einmal wieder abzureisen."

    ... aus der Villa Claudia brachte einen Brief vorbei.



    Ad
    Marcus Helvetius Commodus
    Villa Urbana Helvetia
    Roma





    Salve Helvetius Commodus,
    ich beziehe mich auf deine Nachfrage zu den Ermittlungen. In dieser Sache kann ich dich beruhigen. Es wird und wurde weder gegen deine Person noch gegen Helvetius Varus ermittelt.
    Die Arbeit der Ermittlungskommission ist überdies inzwischen abgeschlossen.



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    gez. H. Claudius Menecrates




    ANTE DIEM III KAL APR DCCCLXVIII A.U.C. (30.3.2018/115 n.Chr.)


    Dieser junge Tisander verblüffte Menecrates schon zum wiederholten Mal. Der Consul fragte sich, woher der junge Mann, gerade aus den Knabenalter herausgewachsen, seine Erfahrung hernahm. Die konnte er unmöglich erworben haben, also musste er über ein sagenhaftes Talent und Einfühlungsvermögen verfügen.


    "Wir haben so ein unverschämtes Glück mit unseren Neuzugang gehabt", sagte Menecrates zu Faustus. "Sieh nur, er greift wieder an." Obwohl Braecus das hohe Tempo beibehielt, wurde er zunächst von Tisander und später noch von Strabax überholt. In dieser Runde kam auch auf den hinteren Ränge Bewegung hinein, denn Rianorix wollte sich nicht vom jüngeren Marsyas geschlagen geben.
    Nur an der Spitze blieb es ruhig, weil Syennesis ein Tempo vorlegte, dem keiner folgen konnte. Er baute Stück für Stück seine Führung aus.


    Die Reihenfolge nach Runde sechs:
    1) Syennesis
    2) Tisander
    3) Strabax
    4) Braecus
    5) Rianorix
    6) Marsyas

    Menecrates nickte nochmals zur Bekräftigung und staunte nicht schlecht, als der Trecenarius postwendend Gebrauch von der gerade getroffenen Einigung machte. Er durchlebte dabei ein Wechselbad der Gefühle. Zuerst zeigte er sich beeindruckt, weil Tiberius den Eindruck erweckte, sich tatsächlich an das Versprechen halten zu wollen, was gleichzeitig bedeutete, dass Menecrates samt Familie und Hausstand fortan in Frieden leben konnte.
    Es folgte die Wirkung des Wortlauts, die dem Consul zunächst ein Grinsen auf das Gesicht zauberte. Der Auskunft zufolge gab es Personen, die seine Arbeit wertschätzten, was er keineswegs abwegig fand. Allerdings schienen dieselben Personen gleichzeitig wenig vom Aedil zu halten. Er fand die Tatsache zunächst interessant, bis ihm der Gedanke kam, dass ihm diese wohlwollenden Äußerungen durchaus auf die Füße fallen konnten. An dieser Stelle wurde er wieder ernst.


    "Danke, Tiberius. Das ist ein wirklich guter Anfang." Er kam nicht auf die Idee, sich zu verteidigen, so absurd erschien ihm die Annahme, jemand könnte ihn als Drahtzieher vermuten. Er dachte kurz nach, dann fügte er an: "Die Interpretation ist mir in Zukunft nicht wichtig, die Fakten alleine wären genug. Aktuell wüsste ich aber schon recht gern, wer hinter dieser Aktion steckt und es muss irgendjemand dahinterstecken, denn ICH war es nicht. Ebenso wenig wird es Aurelius gewesen sein, denn wer stellt sich schon gerne selbst schlecht hin? Obwohl... so abwegig ist das wiederum nicht, nur zu Aurelius passt das nicht. Der liebt den Glanz.


    Kannst du für mich Hintergründe herausfinden?"

    "Es scheint keine weiteren Kritiken oder Verbesserungen zu geben, daher versuchen wir uns einmal in einer Abstimmung", kündigte der Consul an. "Es geht um den folgenden Gesetzentwurf. Die Beführworter nehmen bitte Aufstellung auf der Seite des Antragstellers, die Gegner auf der gegenüberliegenden Seite."



    Lex Claudia de Ludis circensibus



    Dieses Gesetz regelt die Durchführung von öffentlichen und privaten Wagenrennen.
    Trainingsrennen fallen nicht in den Geltungsbereich dieses Gesetzes. Gleiches gilt für Freundschaftsrennen, die von den Factiones ausgerichtet werden und an denen nicht mehr als zwei Rennställe beteiligt sind.
    Der Start factioloser Fahrer bei einem Rennen verändert nicht dessen Eingruppierung.


    § 1 Wagenrennen
    (1) Wagenrennen werden mit speziell umgebauten Streitwagen durchgeführt, die von einem Fahrer gelenkt werden. Es obliegt dem Ausrichter, über die Art und die Anzahl der Zugtiere zu entscheiden.
    (2) Wagenrennen dürfen nur an speziell vorbereiteten Örtlichkeiten durchgeführt werden. Diese müssen gesondert gesichert und kreis- oder ellipsenförmig sein.
    (3) Ein Wagenrennen (Missus) besteht grundsätzlich aus sieben Runden um die Wendepfeiler (Metae). Ein Wagenrennen hat einen Sieger, der grundsätzlich eine entsprechende Ehrung durch den Veranstalter erhält.


    § 2 Öffentliche Wagenrennen
    (1) Als öffentliche Wagenrennen gelten jene Veranstaltungen, die auf Veranlassung eines Magistraten, des Senates oder einer anderen öffentlichen Stelle (im Folgenden Ausrichter genannt) durchgeführt werden.
    (2) Öffentliche Wagenrennen können vom Ausrichter an einen durchführenden Veranstalter vergeben werden. Dieser ist durch den Ausrichter zu autorisieren und öffentlich zu benennen.
    (3) Die Kosten trägt der Ausrichter.
    (4) Öffentliche Wagenrennen sind in öffentlichen Arenen durchzuführen.
    (5) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    §3 Private Wagenrennen
    (1) Als private Wagenrennen gelten alle nicht öffentlichen Wagenrennen.
    (2) Im Amtsbereich des Praefectus Urbi sind diese Wagenrennen und die Wahl der Austragungsstätte durch ihn zu genehmigen.
    (3) Diese Wagenrennen müssen in sicheren, wohl errichteten Anlagen betrieben werden, die dem Standard eines Rennens entgegenkommen.
    (4) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    § 4 Leistungspflichten und Haftungen
    (1) Der Ausrichter ist verpflichtet, die Modalitäten des Wettkampfes offenzulegen. Dafür reicht zum Zeitpunkt der Einladung ein Konzept. Es muss die Anzahl der möglichen Starter pro Factio, die Anspannungsform und die Anzahl der geplanten Läufe enthalten.
    (2) Der finale Wettkampfplan ist verbindlich und vor Beginn des Rennens zu veröffentlichen. Er muss die Namen der Starter, der teilnehmen Factiones und die Anzahl der tatsächlichen Läufe beinhalten. Bei Mehrfachläufen ist der Qualifikationsmodus für den Endlauf offenzulegen.
    (3) Die Factiones haften für ihre Wagenlenker.



    Sim-Off:

    Die Abstimmung bitte per Handzeichen ( :dafuer:) für den Entwurf und ( :dagegen:) gegen den Entwurf.
    Die Abstimmung läuft bis 4. April 22.00 Uhr

    Auf die letzten Tage, in denen Menecrates noch aktiv im Senat mitarbeitete, wollte er sich nicht mehr als nötig einbringen. Sollte sich doch Iulius in seiner Wortklauberei baden. Der Consul hatte nicht von Eignung, sondern von Vorliebe gesprochen und diese äußerte Duccius nicht nur vor dem Senat. Menecrates hatte demzufolge auch seinem Sohn nichts versprechen können, der gegenüber Duccius' Patron zufällig oder dummerweise fast dieselben Vorlieben wie dessen Klient äußerte.


    "Für welches Amt schlägst du demnach Duccius Callistus vor?". Der Consul blickte zu Iulius, während er die Frage weitgehend emotionslos stellte.
    In Gedanken zählte er bereits die Stunden, die er zwangsweise noch in diesem Gremium aktiv sein musste.

    Zitat

    Original von Marcus Claudius Marcellus
    "Vielleicht offenbare ich mich als ahnungslos Großvater, aber kann denn eine einzige Amazone wirklich eine Gefahr für Rom sein?" er hatte von dem Sklavenaufstand gehört und auch davon, dass eine versklavte Kriegerin ihn angeführt haben sollte. Aber dennoch. Dies war nun ein Grund solch eine Angst vor der Frau zu haben? Es gab hier im Garten fünf weitere Sklavenkämpfer, die den Feiernden die Kehlen durchschneiden könnten. Warum waren die weniger gefährlich?


    Der Spaß an den Kämpfen hatte durch die Komplikationen einen deutlichen Dämpfer bekommen. Menecrates befand sich wieder im Arbeitsmodus. Sein Blick richtete sich auf den Boden, um keinem der Gäste und schon gar nicht der Amazone einen Hinweis auf die Vorgänge zu geben. Als Marcellus ihn ansprach, sah er zu ihm und zuckte mit einer Schulter.


    "Vor dem Sklavenausstand wäre meine Antwort anders ausgefallen. Heute reagieren viele in Rom sensibel auf Amazonen, da die damalige Rädelsführerin eine war. Außerdem - und das ist für mich das Fatale - beschäftigt sich die von mir ins Leben gerufene Kommission mit der Ermittlung der Ursache dieses Aufstandes. Böse Zungen könnten behaupten, dass ich selbst hier die nächste Generation an Aufständischen heranziehe. So schlecht kann ich gar nicht denken, wie manche Personen Intrigen spinnen."
    Man konnte Menecrates anmerken, dass ihn das Consulat über die Maßen anstrengte. Er wusste, das lag in erster Linie an seinen eigenen Ansprüchen. Gleichzeitig machte ihm die Senatsarbeit aber auch keinerlei Spaß und zudem das Leben schwer.



    "Hast du eigentlich schon Lucius getroffen?" Menecrates gestand sich ein, es interessierte ihn, was die beiden jungen Männer austauschen würden.
    "Und wann denkst du, kommt deine Schwester zurück nach Rom? Oder hat sie das gar nicht vor?"

    Das "Fast"-Vergessen der Diskussion, welcher Magistrat welches Amt zugewiesen bekommen sollte, schien sich etablieren zu wollen. Wie bereits nach der letzten Wahl dauerte es auch dieses Mal geraume Zeit, bis diese Diskussion auf die Tagesordnung kam. Das lag sicherlich an den umfänglichen Diskussionen der letzten Zeit und den eingebrachten Anträgen auf Gesetzesänderung.


    Die Consuln hatten sich dahingehend verständigt, die Ämterdiskussion gleich an den Beginn der heutigen Senatssitzung zu setzen und sie teilten sich in die Arbeit.
    Als Menecrates' Part bei den Vigintiviri an der Reihe war, ergriff er das Wort.

    "Wir wollen nun über die Ämtervergabe für Caius Duccius Callistus und Galeo Claudius Gallus sprechen. Duccius Callistus bekannte sich zu einer Vorliebe für die Münzprägung und die Straßenreinigung. Die Münzprägung nannte auch Claudius Gallus als bevorzugten Bereich.
    Welche Meinungen diesbezüglich herrschen vor? Duccius erwähnte juristische Kenntnisse. "

    Scatos Schwung hielt an. Für einen Moment kam dem Consul die Idee, ob Sassia eventuell bereits ein Kind erwartete und deswegen die Freude im Überschwang strahlte. Andererseits mochte die Diskrepanz zwischen Flavius und ihm vielleicht auch daran liegen, weil er sich selbst wenig energiegeladen fühlte. Da wirkten die nachfolgend lobenden Worte, als hätte Scato Gedanken lesen können. Es freute Menecrates natürlich, wenn seine Arbeit von außen nicht nur positiv, sondern auch als gelungen wahrgenommen wurde.


    "Danke." Seine Äußerung wurde von einem Nicken und einem Lächeln begleitet, bevor Menecrates der angekündigten Neuigkeit lauschte. Er hob überrascht die Brauen. Es kam nicht aller Tage vor, dass Staatsbesitz veräußert wurde. Hochgradig selten sogar, wie er meinte.
    "Grundsätzlich bin ich daran interessiert, danke." Selbstverständlich schätzte Menecrates es sehr, dass sein Schwiegerenkel an ihn dachte, wenn sich solche seltenen Angebote ergaben.


    "Zu welchem Preis sollen sie denn verkauft werden? Und wie verhält es sich mit der Wasserversorgung? Ich habe nicht verstanden, ob die Wasserversorgung für Rom durch die versiegten Quellen nicht bedroht ist oder ob die Wasserversorgung für die Grundstücksnutzung noch ausreichend vorhanden ist." Er dachte kurz nach und es ergab sich noch eine weitere Frage, weil er sich die Anlagen bildlich vorstellte. "Werden die Anlagen vor der Übergabe noch zurückgebaut?"


    In Gedanken überlegte er bereits, welche Nutzung sich für die Grundstückslage anbieten würde.

    Der Consul hörte Dives bis zum Ende zu, auch wenn er gleichzeitig realisierte, dass die zuerst erscheinende Kooperation wohl doch eine Fehleinschätzung war.


    "Tja, so hat jeder seine Sorgen", erwiderte er auf den langen Redebeitrag des Iuliers. Eine Mischung aus Resignation und Nachdenklichkeit bei gleichzeitigem Unverständnis ergriff ihn. "Wie es scheint, macht sich aber außer mir keiner Sorgen um den Verfall der alten Werte. Nicht einmal diejenigen Senatoren, die den unerhörten Auftritt der Sergia miterlebt haben."
    Er atmete einmal durch, dann schwieg er, bevor sich Senator Flavius Gracchus zu Wort meldete. Auch hier hörte er genau zu und die Auskunft gab ihm zu denken. Zugegeben, Menecrates gehörte zu den besonders gläubigen Römern, aber er würde sich nie anmaßen, den Willen der Götter deuten zu können. Gracchus hingegen wusste, wovon er sprach. Vermutlich handelte Menecrates aus Unkenntnis übervorsichtig.


    "Ich habe das Herculesopfer während meiner Praetur vor allem als Sühneopfer verstanden. Ich kannte damals - im Grunde bis gestern - die Ursache der staatlichen Krise nicht und ich neige wohl dazu, Unerklärliches auf den Willen der Götter zurückzuführen. Es beruhigt mich erheblich, wenn hier offensichtlich die Meinung herrscht, dass kein göttlicher Wille hinter dem Aufstand steckt. Das macht die Bekämpfung der Ursache im Grunde einfachter.
    Die Erkenntnis, das Verstehen der Zusammenhänge jedoch, kam gestern so plötzlich und glich einer Eingabe wie projiziert auf mich von einem Gott."


    Er blickte von Gracchus, zu Iulius, dann in die gesamte Runde. Auch zu Scato blickte er, dessen Wortmeldung zunächst enttäuschend auf ihn gewirkt hatte, dem er aber bescheinigen musste, wie besonnen er vorging.


    "Werte Senatoren, ich bitte euch, hört mir zu. Ihr alle seid Römer. Ihr gebt alles für das Reich, um es zu stärken, und doch ist das manchmal nicht genug. Wir müssen es zeitweilig auch schützen, vor allem vor dem Verfall. Rom fußt auf einem Wertegerüst und wenn wir erlauben, dass auch nur ein Fuß dieses Gerüstes wegbricht, fängt Rom an zu kippen. Es wird straucheln und schließlich zusammenbrechen, wenn wir die Stütze nicht erneuern. Lasst uns die alten Werte schützen!"


    Er sammelte seine Gedanken, dann fuhr er fort.
    "Es ist schwer in Worten zu beschreiben, was die Kommission gestern erlebt hat. Das Auftreten der Zeugin Sergia hat mich zutiefst schockiert und der Kommission vor Augen geführt, was passiert, wenn Frauen die Karrieren von Männern beschreiten. Sie trat unsere alten Werte mit Füßen. Sie prahlte, sie verhielt sich fordernd, respektlos und verhöhnte offen die anwesenden Offiziere, Senatoren und den Consul. Sie beschmutzt das Bild unserer tugendhaften Römerinnen. Ich bin heute mit einem Stapel an Wachstafeln erschienen. Wer sich ein Bild machen möchte, der kann in den Abschriften des Sitzungsprotokolls nachlesen. Hervorheben möchte ich das Gedankenprotokoll meines Ianitors, der mir den Auftritt der Sergia an der Porta beschrieben hat!"


    Er nahm die Wachstafeln, jede trug einen von Sergias Redebeiträgen, und verteilte sie willkürlich in der vordersten Reihe.


    "Es stand mir mit einem Male vor Augen, dass dieses Vorbild, was so laut durch Roms Straßen krakelt, dass sie eine Ritterin aus eigener Kraft ist, wo sich doch ein Römer in Bescheidenheit üben sollte, dass es diese fatale Vorbildwirkung ist, die Frauen ermutigt, sich über Männer zu stellen. Die Frauen ermutigt, Männer zu morden, denn Tatsache ist, es gab in den Anfängen nur männliche Mordopfer und die Täterin hieß Varia. Und selbst wenn Sergia nicht krakelend in Erscheinung tritt, weiß doch jeder in Rom, dass Frauen männliche Karrierewege beschreiten.


    Ich möchte das Bild tugendhafter römischer Frauen nicht verlieren. Es soll nicht im Strudel der Wertezerstörung untergehen." An dieser Stelle klang Wehmut mit, aber schnell fasste sich der Consul und rief das Gremium an.



    "Stellt eure Befindlichkeiten, eure Sympathien und Abneigungen in den Hintergrund. Hier geht es nicht darum, wer und ob sich jemand profilieren könnte, hier geht es um unser Rom. Lasst uns zusammenarbeiten und einen gemeinsamen Gesetzesentwurf kreieren, der all unsere Sorgen berücksichtigt. Meine, eure, jede einzelne. Ich bin dafür bereit, von einzelnen Positionen meines Entwurfes abzurücken."


    Er suchte in den Gesichtern nach der Grundstimmung, die vorherrschte, dann fuhr er fort.
    "Mir ist Folgendes wichtig: Ich möchte zumindest in Rom keine Frau in einer ritterlichen oder senatorischen Position sehen und ich möchte für das gesamte Reich ein Ausbildungsverbot für Frauen an der Waffe, mit Ausnahme für Sklavinnen."

    Sim-Off:

    Ich übernehme hier auf Wunsch.



    Das Opfer fand einen zufriedenstellenden Abschluss und nun kam es dem Quaestor Consulum zu, die Equirria zu eröffnen. Der Consul vermutete, dass der junge Flavier gerade den bisher vermutlich aufregendsten Moment seiner politischen Laufbahn erlebte. Menecrates blickte mit Absicht nicht zu ihm, sondern auf die Bahn, um den jungen Mann nicht zu verunsichern. Gleichzeitig machte er sich klar, dass dieses Fest das letzte dieser Größenordnung innerhalb seiner Amtszeit war. Er spürte mehr Erleichterung als Bedauern.


    Nach der Eröffnung und dem aufbrausenden sowie wieder abklingenden Jubel, richteten sich alle Blicke zur Startposition. Die Gespanne der fünf Teilnehmer des Rennens wurden soeben in die ausgeloste Anordnung gebracht. Einige Pferde, vermutlich die jüngeren, wehrten sich gegen die Enge und das Zurückhalten. Sie wussten, sie würden laufen und wollten das sofort.


    Pferde, Fahrer, Zuschauer und Ehrengäste warteten auf das Startsignal, das der Quaestor Consulum nach kurzer Phase des Innehaltens gab. Die Gespanne preschten los.
    Bereits kurz nach dem Start lag Lusorix aus der Albata vorn. Um den zweiten Platz kämpften Pheidon und Prusias Kynegros. Sie reihten sich nach Beendigung der markierten Fahrspuren in genau dieser Reihenfolge ein und konnten die jeweilige Position halten. Kaum jemand achtete auf die hintersten Plätze und das, obwohl die Grünen und die Goldenen auf gleicher Höhe fuhren, was ja Spannung bot. Bis zur ersten Wendemarke hielten sich die beiden Wagen auf gleicher Höhe, weswegen Tanco, wollte er sich nicht zurückfallen lassen, die Kurve außen und damit eine etwas längere Strecke fahren musste. Bei gleichem Tempo fiel der Golgene daher um eine Pferdekopflänge zurück. In Runde eins musste er daher dem grünen Rianorix den Vorsprung lassen.


    Die Reihenfolge nach Runde eins:
    1) Lusorix
    2) Pheidon von Calydon
    3) Prusias Kynegros
    4) Rianorix
    5) Tanco

    Zuerst wunderte sich der Consul, warum zum eben geänderten Satz noch eine Wortmeldung kam, dann aber las er ihn sich nochmals durch und konnte nicht umhin - er musste schmunzeln. Obwohl Menecrates reichlich abgekämpft war, blühte seine Fantasie auf und warf ihm eigenartige Bilder aus.


    "Ja, die Formulierung birgt Potential für Missverständnisse."
    Obwohl das Wort 'obliegt' nicht zu seinem angewandten Sprachwortsatz gehörte, übernahm er den vorgeschlagenen Satz so wie er war, denn er sehnte das Ende herbei. Ohne Vorschlag wäre der Satz 'Die Art und Anzahl der Zugtiere bestimmt der Ausrichter' in das Gesetz gelangt.



    Der Consul folgte dem Blick des Iuliers zu Macer. Der Senator hatte als einziger dass Thema überhaupt angesprochen. Als Iulius zum Consul blickte, zuckte der andeutungsweise mit den Schultern.
    "Ich für meinen Teil erachte eine Festlegung der Klagestelle für unnötig. Andernfalls wäre ein solcher Passus Bestandteil des ersten Entwurfs gewesen." Seine Äußerungen entsprachen immer seiner Meinung. Er würde niemals entgegen der eigenen Auffassung handeln, nur weil er sich nach einer Kline und etwas Erfrischung, aber vor allem Ruhe sehnte. Allerdings rechnete er bei seinem Glück damit, dass an dieser Stelle noch einmal eine rege Diskussion entbrannte.

    Die Kräfte des Consuls schwanden - nicht nur am heutigen Sitzungstag, sondern generell. Er war es leid, endlose Diskussionen zu führen. Dadurch lief sich ein einzelner Mann tot und Menecrates stand kurz davor.
    Er nahm die zuletzt geäußerte Formulierung wortlos in den Entwurf auf, weil es ihm inhaltlich mittlerweile egal war. Er wollte nur noch zu einem Ende kommen. Einzig den Satzbau brachte er in eine aus seiner Sicht korrektere Form.




    Lex Claudia de Ludis circensibus



    Dieses Gesetz regelt die Durchführung von öffentlichen und privaten Wagenrennen.
    Trainingsrennen fallen nicht in den Geltungsbereich dieses Gesetzes. Gleiches gilt für Freundschaftsrennen, die von den Factiones ausgerichtet werden und an denen nicht mehr als zwei Rennställe beteiligt sind.
    Der Start factioloser Fahrer bei einem Rennen verändert nicht dessen Eingruppierung.


    § 1 Wagenrennen
    (1) Wagenrennen werden mit speziell umgebauten Streitwagen durchgeführt, die von einem Fahrer gelenkt werden. Die Auswahl der Zugtiere und deren Anspannungsform (z.B. Biga) obliegt dem Ausrichter.
    (2) Wagenrennen dürfen nur an speziell vorbereiteten Örtlichkeiten durchgeführt werden. Diese müssen gesondert gesichert und kreis- oder ellipsenförmig sein.
    (3) Ein Wagenrennen (Missus) besteht grundsätzlich aus sieben Runden um die Wendepfeiler (Metae). Ein Wagenrennen hat einen Sieger, der grundsätzlich eine entsprechende Ehrung durch den Veranstalter erhält.


    § 2 Öffentliche Wagenrennen
    (1) Als öffentliche Wagenrennen gelten jene Veranstaltungen, die auf Veranlassung eines Magistraten, des Senates oder einer anderen öffentlichen Stelle (im Folgenden Ausrichter genannt) durchgeführt werden.
    (2) Öffentliche Wagenrennen können vom Ausrichter an einen durchführenden Veranstalter vergeben werden. Dieser ist durch den Ausrichter zu autorisieren und öffentlich zu benennen.
    (3) Die Kosten trägt der Ausrichter.
    (4) Öffentliche Wagenrennen sind in öffentlichen Arenen durchzuführen.
    (5) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    §3 Private Wagenrennen
    (1) Als private Wagenrennen gelten alle nicht öffentlichen Wagenrennen.
    (2) Im Amtsbereich des Praefectus Urbi sind diese Wagenrennen und die Wahl der Austragungsstätte durch ihn zu genehmigen.
    (3) Diese Wagenrennen müssen in sicheren, wohl errichteten Anlagen betrieben werden, die dem Standard eines Rennens entgegenkommen.
    (4) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    § 4 Leistungspflichten und Haftungen
    (1) Der Ausrichter ist verpflichtet, die Modalitäten des Wettkampfes offenzulegen. Dafür reicht zum Zeitpunkt der Einladung ein Konzept. Es muss die Anzahl der möglichen Starter pro Factio, die Anspannungsform und die Anzahl der geplanten Läufe enthalten.
    (2) Der finale Wettkampfplan ist verbindlich und vor Beginn des Rennens zu veröffentlichen. Er muss die Namen der Starter, der teilnehmen Factiones und die Anzahl der tatsächlichen Läufe beinhalten. Bei Mehrfachläufen ist der Qualifikationsmodus für den Endlauf offenzulegen.
    (3) Die Factiones haften für ihre Wagenlenker.

    "Meine Herren, ich bitte um Abstimmung."


    Praeambel


    Der Geltungsbereich der Lex Mercatus umfasst nur Rechtsgeschäfte zwischen Menschen. Eigentumsrechte und Handel zwischen Menschen und Göttern sind explizit nicht Teil dieses Gesetzes. Rechtsgeschäfte mit Göttern werden separat in den Kultgesetzen geregelt, für deren Überwachung die Pontifices zuständig sind.
    Klagen wegen Verstoßes gegen die Lex Mercatus können vor dem Aedil erhoben werden.


    Pars Prima – De Rebus


    § 1 Sachen
    Alles, was kein freier Mensch oder eine göttliche Wesenheit ist, gilt vor dem Gesetz als Sache.


    § 2 Eigentum
    (1) Eigentümer einer Sache ist derjenige, der die rechtliche Gewalt über diese Sache ausübt. Eigentümer einer Sache kann nur ein freier Mensch sein.
    (2) Der Eigentümer einer Sache ist grundsätzlich berechtigt, mit dieser Sache zu verfahren, wie er es möchte, sofern er dadurch nicht die Rechte Dritter verletzt, andere gefährdet oder andere Rechte dieses Recht im Einzelfall einschränken.
    (3) Der Eigentümer kann eine Sache einer dritten Person zum ...zahlungen kann beim Praetor Einspruch eingelegt werden. Die Zahlung wird dann bis zu seiner Entscheidung ausgesetzt.
    (5) Bei Verstoß gegen eine der Regelungen dieser Lex kann von einer Strafe abgesehen werden, wenn der zu Ahndende seinen Verstoß selbst anzeigt, ehe ein Aedil den Verstoß festgestellt hat.


    [§ 3 bis 21 nachzulesen: hier]


    § 22 Weitere Konsequenzen und Regelungen
    (1) Die Ahndungen werden in einer Akte vermerkt. Zuständig für die Überwachung des Gesetzes und der nötigen Aktenvermerke sind die Aedilen. Diese können hierfür geeignete Einheiten als Unterstützung hinzuziehen.
    (2) Sollte der erste Verstoß länger zurückliegen als 2 Monate, ist ein neuerlicher Verstoß so zu ahnden, als wäre dies der erste Verstoß. Dasselbige ist auch dann durchzuführen, sollten 2 Verstöße begangen worden sein und der zweite Verstoß länger zurückliegen als 6 Monate.
    (3) Sollte ein dritter Verstoß in den Akten vermerkt sein, gilt keine Verjährungsfrist.
    (4) Die Strafen werden durch Aushang und in der Acta Diurna veröffentlicht.



    "Ich bitte in diesem Fall um ein Handzeichen der Zustimmung ( :dafuer: ) oder der Ablehnung ( :dagegen: )."


    Sim-Off:

    Die Abstimmung läuft bis 1. April 21.30 Uhr

    Der Consul ließ sich zu Beginn des heutigen Sitzungstages vertreten, da er - wie so oft - durch den selten abreißenden Strom der Besucher seines Hauses aufgehalten wurde. Er hoffte, mit dem Ende der Amtszeit würde das Leben in der Villa Claudia wieder ruhiger ablaufen.
    Als er eintraf, herrschte weitreichende Stille im Saal. Er trat auf das Podest neben seinen Kollegen, der die Sitzung bisher leitete und ihn flüsternd über den Ablauf informierte. Menecrates nickte. Den eigentlichen Inhalt der Debatte würde er sich im Nachhinein über die Protokolle zu Gemüte führen.
    Im gegenseitigen Einvernehmen übernahm Menecrates die weitere Leitung der Sitzung.


    "Werte Senatoren, wie ich gehört habe, besteht seit geraumer Zeit kein weiterer Redebedarf mehr, weswegen ich zur Abstimmung bitte. Die Befürworter der Gesetzesneufassung begeben sich auf die Seite des Redners, die Gegner nehmen gegenüber Aufstellung."


    Er tuschelte mit seinem Amtskollegen, während sich die Senatoren positionierten.

    "Consular Purgitus, Senator Flavius Scato, werte Senatoren, es stand jedem berufenen Mitglied der Kommission frei, an den Ermittlungen teilzunehmen. Immer weniger haben das zuletzt wahrgenommen, manche sind bereits nach der ersten Sitzung ferngeblieben und andere trotz Berufung gar nicht erst erschienen."
    Der Consul warf einen kurzen Blick auf Iulius. Möglicherweise würde er über dessen Fernbleiben hinwegsehen. Eigentlich hätte der Iulier wie Decimus Livianus auch später hinzustoßen können, denn eine Teilabwesenheit entband nicht generell vor Verpflichtung. Bisher zeigte sich der Senator in dieser Debatte aber sehr konstruktiv.


    "Die Kommission kann letztlich immer nur mit jenen arbeiten, die ihre Stimme erheben und von denjenigen, die sich nicht in Schweigen gehüllt haben, sind es zwei Drittel, die das von mir vorgetragene Ergebnis mittragen.
    Ich mache allerdings keinem Mitglied einen Vorwurf, dem es die Sprache beim Auftritt der Sergia Fausta verschlagen hat. Vor allem Senator Decimus habe ich angesehen, wie unwohl er sich gefühlt hat."


    Er blickte zu Senator Scato. Er gehörte zu jenen, die trotz Berufung nicht an den Ermittlungen teilgenommen hatten. Da der Flavier mit seiner Enkelin Sassia verheiratet war, würde der Consul ihn hier nicht als schlechtes Beispiel nennen. Familiäre Unterstützung als Gegenleistung dafür sah allerdings für Menecrates anders aus.


    "Ich schlage vor, das Kommissionsmitglied Tiberius Verus hier als Zeuge befragen zu können. Der Trecenarius der Garde hatte die kaiserlichen Ermittlungen geführt und über viele Monate eine anders lautende Erklärung für den Aufstand vertreten. Er kann uns persönlich erklären, warum er sich dem von mir vorgestellten Ergebnis anschließt. Manchmal ist es gut, mehr als nur eine Meinung zu hören und wie gesagt, der Trecenarius vertritt nicht nur irgendeine Meinung. Er vertritt die Cohortes Praetoriae."


    Der Consul blickte in die Runde und wartete auf Zustimmung. Letztlich konnte man sich auch außerhalb der Curia zu einer Zeugenbefragung treffen. Er würde die Wünsche der Senatoren berücksichtigen.