Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Die Erklärung des Kaisers stieß gar nicht so sehr auf Verwunderung wie es vermutet werden konnte.
    "Ah, das erklärt, warum die Besprechung der Amtszeit noch vor dem Ende derselben stattfindet", erwiderte Menecrates und musste schmunzeln. "Ich gebe zu, ein wenig habe ich mich über den Einladungsgrund gewundert." Er fand es gleichzeitig beruhigend, dass auch in kaiserlichen Verwaltungen Fehlkommunikationen passierten. Auch bei der sorgfältigsten Kontrolle konnte einmal etwas Durchrutschen und solange es sich um solche Pannen handelte, bestand kein Grund zur Sorge.


    Er nickte verstehend, als die Sprache auf eine Zwischenbilanz kam, ohne bereits darauf einzugehen. Seine Bilanz umfasste viele Positionen und konnte unmöglich in einen Satz komprimiert werden. Auf das Stichwort Probleme hingegen fand er spontan eine Antwort.
    "Ein Problem sehe ich bei mir: Meine Amtszeit ist schneller zu Ende als ich die Kommissionsarbeit zum Abschluss bringen kann."


    Erst jetzt wandte sich Menecrates dem eingetretenen Quaestor Consulum zu.
    "Salve Quaestor!" Der Gruß erging in freundlichem Tonfall, begleitet von einem Lächeln, das zu erkennen gab, wie positiv er das Zusammenwirken mit dem jungen Flavius empfand.

    Während Morrigan mit Wasserschale und Tuch herantrat, konnte sich Magrus abschauen, wie er beim nächsten Mal wortlos unterstützen konnte. Morrigan kannte die Riten und wusste um die Abläufe und Erfordernisse. Während Menecrates seine Hände reinigte, wandte er sich an Magrus: "Als erstes erhalten die Helfer und Beschützer den Weihrauch." Anschließend hielt er Magrus die feuchten Hände hin, damit er sie mit Morrigans Tuch trockentupfen konnte.


    In der Zwischenzeit blickte Menecrates zu Morrigan. "Wer ist denn bereits vor mir aufgestanden? Es duftet nach in Rauch aufgegangenen Opfergaben." Er nahm an, es musste sich um Marcellus gehandelt haben, wollte aber eine Bestätigung.

    An diesem mit Sonne erhellten Tag fanden zwei Ereignisse statt. Sowohl die Equirria als auch die Mamuralia erforderten die Initiative des Consuls und seines Quaestors, gehörten doch beide Magistrate den Saliern an und richteten doch beide das Wagenrennen aus. Vor dem Einzug der Prozession lag der Tanz der Salier. Patrizier in roten Tuniken, ausgestattet mit Brustschutz und Spitzhelm standen in Formation, bereit dem Mars mit ihrem Waffentanz zu huldigen. Jeder trug ein Schild und ein Hiebschwert, doch nur eines der Schilde galt als das von Mars gesandte, die elf anderen nur als Nachbildung.


    Der Magister gab den Takt vor, der von Gesang, Gestampf und Schildeschlagen gehalten wurde und als Grundlage für die einstudierten Schritte galt. Der Zug der Tänzer zog von einem Platz zum nächsten, um den Winter samt aller bösen Geister allerorts auszutreiben.

    Das Auftreten der Zeugin verblüffte Menecrates zunächst, bald jedoch fand er es unverschämt. Er wollte bereits das Wort ergreifen, als ihm sein Quaestor zuvorkam. Seine Ansicht darüber, ob dieses unverhoffte Eingreifen positiv oder ungünstig zu bewerten war, wechselte hin und her. Einerseits fehlte Menecrates das Talent zur Diplomatie, weswegen ihn sein Quaestor wohl retten wollte. Andererseits legte er Wert auf angemessenes Auftreten und in seinem Haus legte noch immer er die Regeln fest.


    "Sergia Fausta, ich sehe mich gezwungen, die Regeln während der Befragung ausführlicher zu erläutern. In diesem Raum haben Ränge und Stände keinerlei Wert. So wie sämtliche Kommissionsmitglieder auf einer Ebene stehen, gleicht deine Position der aller anderen Zeugen." Und er meinte damit auch jede Frauen aus dem Lupanar. "Wenn es einen Unterschied zwischen dir und anderen Zeugen gibt, dann den, dass die einen ausschließlich Zeugen und die anderen Zeugen inklusive Verdächtige der Spekulatores sind. Auf dich trifft Letzteres zu, weswegen ich empfehle, außer konstruktiver Mitarbeitet nichts Weiteres an den Tag zu legen. Es ist der Zuvorkommenheit des Quaestor Consulum geschuldet, dass dir die Kommissionsmitglieder vorgestellt wurden. Ein Anrecht darauf hattest du nicht."


    Menecrates war ein erklärter Gegner von Frauen in Ämtern und Verwaltungen. Solche, die sich auf ihren Werdegang noch etwas einbildeten, holte er sehr gerne auf den Boden der Tatsachen zurück. Bevor er auf die Aussagen einging, die er sich wohl oder übel noch einmal per Protokoll zu Gemüte führen musste, wandte er sich an den Trecenarius.


    "Ich hätte dann gerne zunächst die Beweisführung gehört, nach der die Zeugin plötzlich keine Verdächtige mehr ist, bevor die Kommission zu diesem Sachverhalt selbst ermitteln wird." Er blickte Tiberius Momente länger als gewöhnlich an, weil er ihm am liebsten vor versammelter Mannschaft eine Rüge erteilt hätte. Der Offizier hatte versäumt, die Kommission rechtzeitig über die neue Lage zu unterrichten. Außerdem konnte keiner der Anwesenden im Vorfeld zu einer Meinung kommen, ob er sich den Ergebnissen der Garde anschließen wollte oder nicht.

    Wie lange besprochen und viel zu spät umgesetzt, trafen sich heute auf dem Factiogelände der Consul, sein Factiokollege Faustus und eine Auswahl an zugehörigen Fahrern.


    "Faustus, wir hätten viel eher einen Trainingsplan aufstellen und mit der Umsetzung beginnen müssen, aber ich habe es leider nicht eher geschafft. Das Amt fordert viel Zeit und Einsatz. Das wird sich aber ändern, sobald ich kein Magistrat mehr bin. Blicken wir erst einmal auf heute und das, was uns erwartet.
    Alle Fahrer an den Start!"


    Die älteren des insgesamt jungen Rennstalls - Braecus,Rianorix und Syennesis - gingen das Trainingsrennen gelassener an. Marsyas und Tisander standen besonders unter Beobachtung und zumindest bei Marsyas bemerkte Menecrates etwas Aufregung.

    Später als Morrigan trat der Hausherr seinen allmorgendlichen Gang zum Lararium an. Anders als sonst, wo er stets der erste Opfernde war, hing heute ein feiner Duft im Atrium, der von einer bereits erfolgten Opferung am marmornen Hausaltar berichtete. Menecrates fragte sich, wer wohl zeitiger als er auf den Beinen stand, dachte dabei aber ausschließlich an seine Verwandten. Marcellus' Gewohnheiten kannte er noch nicht zur Genüge. Andererseits konnte auch jemand, den die Schlaflosigkeit plagte, am heutigen Tage schneller gewesen sein.


    Der Consul trug bereits die Toga Praetexta, weil heute wieder eine Sitzung der Kommission stattfand. Er zog ein Teilstück der Toga über den Kopf und sah sich nach einem assistierenden Sklaven um, damit er Weihrauchkörner in die Räucherschale rieseln lassen konnte.

    "Grüß dich, Livianus! Du kommst genau richtig", erwiderte Menecrates.
    Annähernd zeitgleich kam auch Gallus zu ihnen rüber, sodass nichts dem Start mehr im Wege stand. "Gut, dass du da bist. Dann wollen wir mal..."
    Das Tuch fiel und der Rennverlauf in Runde eins überraschte den Consul mehr und mehr. Syennesis rang in den letzten Wochen um seine Form, aber hier kam er gut vom Start weg. Es blieb abzuwarten, was er daraus machte. Eingangs der zweiten Runde griff der Fahrer sogar den führenden Tanco an. Der Fahrer aus der Aurata verfügte über die weitaus größere Rennerfahrung, trotzdem startete Syennesis einen halsbrecherischen Überholversuch.
    Allerdings lenkte die Vorfälle im Mittelfeld die Zuschauer ab. Sotion wurde eingeklemmt. Rechts fuhr Braecus aus der Praesina, links der factiolose Hermippus, der eine spektakuläre Aufholjagd in dieser Runde umsetzte. Dadurch verschoben sich viele Platzierungen. Rianorix und Sotion waren die Verlierer dieser Runde, sie brachen deutlich ein.


    Die Reihenfolge nach Runde zwei:
    1) Syennesis
    2) Tanco
    3) Braecus
    4) Hermippus
    5) Sotion
    6) Athenodorus
    7) Rianorix
    8 ) Pythocles

    Der Consul nutzte die entstandene Redepause bei den Senatoren für eigene Gedanken und Anmerkungen. Vielleicht nicht in der besten Schönschrift, aber inhaltlich wohl durchdacht, präsentierte er den überarbeiteten Entwurf, indem er ihn vorlas. Vorab bat er um Aufmerksamkeit.
    "Ich habe anstelle eines Prologes einen vorangestellten Kommentar für die Erläuterung des Geltungsbereiches und die Einteilung der Rennen gewählt. Außerdem habe ich den Vorschlag zur Umformulierung des Paragrafen drei, Absatz zwei übernommen. Ich gehe davon aus, dass anstelle des Satzes zwei gleich der gesamte Absatz ersetzt werden kann." Er blickte zu Senator Purgitius, auf dessen Vorschlag hin der Austausch stattfand.
    "Das Ganze würde dann folgendermaßen lauten, wobei ich die Namensgebung auch noch einmal überdenken möchte."



    Gesetz zu Wagenrennen und deren Durchführung


    Dieses Gesetz regelt die Durchführung von öffentlichen und privaten Wagenrennen.
    Trainingsrennen fallen nicht in den Geltungsbereich dieses Gesetzes. Gleiches gilt für Freundschaftsrennen, die von den Factiones ausgerichtet werden und an denen nicht mehr als zwei Rennställe beteiligt sind.
    Der Start factioloser Fahrer bei einem Rennen verändert nicht dessen Eingruppierung.



    § 1 Wagenrennen
    (1) Wagenrennen werden mit speziell umgebauten Streitwagen durchgeführt, die mit zwei (Biga) oder vier (Quadriga) Pferden bespannt und von einem Wagenlenker geführt werden. Die Wagen sind besonders für diese Art der Bewegung gebaut und ausgestattet.
    (2) Sie werden in einer speziell vorbereiteten Örtlichkeit durchgeführt, die gesondert gesichert und kreis- oder ellipsenförmig ist.
    (3) Ein Wagenrennen (Missus) besteht grundsätzlich aus sieben Runden (Curricula, je ca. 1200m) um die Wendepfeiler (Metae). Ein Wagenrennen hat einen Sieger, der grundsätzlich eine entsprechende Ehrung durch den Veranstalter erhält.


    § 2 Öffentliche Wagenrennen
    (1) Als öffentliche Wagenrennen gelten jene Veranstaltungen, die auf Veranlassung eines Magistraten, dem Imperator Caesar Augustus, des Senates oder einer anderen öffentlichen Stelle durchgeführt werden.
    (2) Öffentliche Wagenrennen können an einen durchführenden Veranstalter vergeben werden. Dieser ist durch einen Veranlassenden zu autorisieren und öffentlich zu benennen.
    (3) Die Kosten trägt der Veranstaltende.
    (4) Öffentliche Wagenrennen sind in öffentlichen Arenen durchzuführen.
    (5) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    §3 Private Wagenrennen
    (1) Als private Wagenrennen gelten alle nicht öffentlichen Wagenrennen.
    (2) Im Amtsbereich des Praefectus Urbi sind diese Wagenrennen und die Wahl der Austragungsstätte durch ihn zu genehmigen.
    (3) Diese Wagenrennen müssen in sicheren, wohl errichteten Anlagen betrieben werden, die dem Standard eines Rennens entgegenkommen.
    (4) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    "Gibt es dazu Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?" Er schaute in die Runde, bevor er selbst noch eine Anmerkung einbrachte. "Ich möchte eure Aufmerksamkeit noch einmal auf Paragraf eins richten. Im Gesetzentwurf ist ausschließlich die Rede von Biga und Quadriga, keine Triga und auch kein größeres Gespann. Geht es für die Mehrzahl an Senatoren in Ordnung, wenn wir für Wettkämpfe diese Eingrenzung festhalten und abweichende Gespanne auf Schaurennen antreten dürfen oder wünscht der einzelne eine Abänderung des Entwurfes?"

    Sim-Off:

    Sehr gerne. Solltest du heute bis zum späten Abend den Eröffnungspost nicht schaffen, würde ich den gern erstellen, um dass Kalenderdatum zu treffen.


    Einigungen brachten Fortschritte und Erleichterungen zugleich. Die Absprache näherte sich ihrem Ende und das Rennen selbst versprach Spannung.
    "Wir werden gänzlich andere Teilnehmer sehen und dem Publikum präsentieren als zu den letzten Equirria. Wenn wir zwei noch eine längere Weile zusammenarbeiten würden, was nicht der Fall ist, weil sich die Amtszeit ihrem Ende zuneigt, aber falls..., wer weiß, was wir zwei Rom noch alles bieten würden." Er lachte auf, wurde aber gleich wieder ernst.
    "Ich schlage vor, die Einladungen, die Ankündigung, den Schriftverkehr mit den Factiones übernehme ich. Mein Sekretär ist darin bereits geübt. Mir wäre sehr geholfen, wenn du bei diesen Equirria die Aufbauten der Tribünen, den Einzug der Statuen, ein paar Stände mit Esswaren usw. organisieren würdest. Sofern du Hilfe brauchst, scheu dich nicht, es zu sagen. Im Prinzip warten die wichtigsten Dinge seit dem letzten Rennen nur auf ihren erneuten Abruf."


    Er stapelte die Wachstafeln wieder zu einem stabilen Turm und schuf damit Platz auf seiner Arbeitsfläche.
    "Du kannst gerne schon mit den Vorbereitungen starten, ich werde das auch. Ich fertige mir im Vorfeld eine Liste all derer, die die Voraussetzungen erfüllen und notiere dazu, in welcher Reihenfolge sie gemeldet werden dürfen. Deine Idee eines Nachwuchsrennens benötigt nicht nur klare Startbedingungen, sondern auch eine Überprüfung der Meldungen, was es bisher meines Erachtens noch nicht gab. Zumindest nicht bei mir. Wenn du möchtest, kannst du die Listung gerne im Nachhinein anschauen."


    Der Consul nahm Platz und griff nach der ersten Informationstafel.


    Bürger Roms!


    Zu den Equirria
    veranstalten der


    Consul Claudius Menecrates
    und der
    Quaestor Consulum
    Flavius Gracchus Minor


    am
    PRIDIE ID MAR DCCCLXVIII A.U.C. (14.3.2018/115 n.Chr.)


    ein Wagenrennen für Nachwuchsfahrer

    auf dem Marsfeld.



    Seid geladen und feuert eure Favoriten an!


    An den Start gehen:


    Prusias Kynegros für die Factio Veneta
    Tanco für die Factio Aurata
    Pheidon von Calydon für die Factio Purpurea
    Lusorix für die Factio Albata
    Rianorix für die Factio Praesina


    Zu Ehren Mars!





    Mehrere Plakate fanden ihren Platz an Wänden, unter anderem hier.



    Bürger Roms!


    Zu den Equirria
    veranstalten der


    Consul Claudius Menecrates
    und der
    Quaestor Consulum
    Flavius Gracchus Minor


    am
    PRIDIE ID MAR DCCCLXVIII A.U.C. (14.3.2018/115 n.Chr.)


    ein Wagenrennen für Nachwuchsfahrer

    auf dem Marsfeld.



    Seid geladen und feuert eure Favoriten an!


    An den Start gehen:


    Prusias Kynegros für die Factio Veneta
    Tanco für die Factio Aurata
    Pheidon von Calydon für die Factio Purpurea
    Lusorix für die Factio Albata
    Rianorix für die Factio Praesina


    Zu Ehren Mars!





    Wie besprochen, wurde Wochen nach dem ersten Trainingsrennen ein zweites organisiert. Neben den jeweils drei Startern aus der Aurata und der Praesina nahmen dieses Mal wieder factiolose Fahrer teil. Da dieses Rennen gemeinschaftlich organisiert wurde, lastete nur ein Teil auf Menecrates' Schultern, zumal Faustus einiges der Arbeit abnahm.
    Am Tag des Starts kam der Consul pünktlich und in Begleitung seines Sekretärs auf das Trainingsgelände. Gerade in der Aufbauphase wollte er das Training sehen und die Entwicklung selbst überwachen. Die Fahrer der Aurata weilten bereits vor Ort, es fehlten nur noch die Vertreter der Factio. Alle Teilnehmer des Rennens ließen ihre Pferde abseits in lockerem Trab warmlaufen, denn nichts konnte ein Gespann stärker behindern als streife Muskeln. Bald formierte sie sich entlang der Startlinie zwischen den Absperrungen.


    In folgender Reihenfolge standen sie am Start:
    Syennesis, Tanco, Braecus, Hermippus, Sotion, Athenodorus, Rianorix, Pythocles. Alle warteten auf das Startsignal.

    Die Kommissionsmitglieder blieben nach der Vorverlegung des Ausgangsdatums stumm, woraus der Consul schloss, dass sie seinem Vorstoß zustimmten. Er schaute zwar noch einmal zu Petronius, weil er gern eine Bestätigung erhalten hätte, dass nochmals die Akten gesichtet wurden, aber für ihn galt die Angelegenheit auch ohne ausdrückliche Zusicherung als angeschoben.


    "Meine Herren, lasst uns zur Tagesordnung übergehen. Wir haben heute wieder eine neue Zeugin, die uns hoffentlich wertvolle Einblicke bietet. Es handelt sich um Sergia Fausta, die laut Bericht der Praetorianer in gemeinschaftliche Geschäfte mit den beiden Helvetiern verstrickt war und in dem Verdacht steht, der Kopf einer Verschwörung zu sein. Zumindest stellt sie laut Ansicht des vernehmenden Spekulatores ein Sicherheitsrisiko dar. Ich nehme an, ihr erinnert auch an den Bericht."
    Der Consul blickte zu Livianus, der jene Sitzung verpasst, aber dafür die Protokolle gesichtet hatte und den Bericht nachlesen konnten. Um auch bei den anderen Sitzungsmitgliedern das bisherige Wissen über Sergia Fausta aufzufrischen, reichte der Consul noch einmal den Bericht herum, der schon vor Wochen in mehrfacher Ausführung gereicht wurde.


    Anschließend ging er zur Tür und öffnete sie.

    "Sergia Fausta, bitte einzutreten."

    Nachdem die zu Befragende im Tablinum stand, schloss der Consul die Tür und wandte sich sogleich an die Zeugin, eventuell Beschuldigte.


    "Sergia Fausta, du stehst hier vor einer Ermittlungskommission, die sich mit den Ursachen des Sklavenaufstandes beschäftigt. In einem Untersuchungsbericht der Praetrorianer taucht dein Name auf, weswegen wir deine Aussage benötigen. Jeder hier im Raum kann dir Fragen stellen und du bist gehalten, jedem zu antworten und ausschließlich bei der Wahrheit zu blieben. Hast du das soweit verstanden?"
    Er gab Gelegenheit für eine Erwiderung, bevor er fortfuhr.


    "Die erste Frage kommt von mir. Wie gestaltete sich der Kontakt zwischen dir und Helvetius Commodus sowie Helvetius Varus?" Zwar hatten sich die beiden Helvetier gerade in Bezug zu ihrer Sklavin Varia als weitgehend unrelevant für den Aufstand erwiesen, aber da der Sergia zusammen mit ihnen ein Netzwerk unterstellt wurde, entschied sich der Consul zu dieser Einstiegsfrage. Außerdem wollte er die Wertigkeit des Praetorianerberichtes abklopfen.

    Wenige Worte konnten manchmal mehr ausdrücken als viele. Morrigans wenige Worte ließen Menecrates erkennen, dass sie für den Moment etwas Ruhe gefunden hatte. Er lächelte zufrieden.


    "Du kannst sie wieder loslassen", wies er Marco an. "Ich bin sicher, Morrigan hält sich auf den Beinen und findet alleine in ihr Bett." Er nickte ihr zum Abschluss noch einmal zu, dann wartete er, bis sie den Raum verlassen hatte.


    "Tjaaaa", entfuhr ihm, wobei er damit nicht Morrigan meinte. Er benutzte die Bemerkung als Punkt, an dem er sowohl gedanklich die Sache als auch seinen Gemütszustand wechselte. Das Lächeln verschwand, er straffte sich in den Schultern und atmete einmal hörbar durch. "Ihr könnt euch gerne zu all dem äußern", bot er Faustus und Marco an. "Ich allerdings setze jetzt ein Schreiben auf, das du, Marco, morgen zur Castra Praetoria bringst. Ich will den Trecenarius sprechen und zwar unverzüglich." Er klang entschlossen und schien unerbittlich. Marco sollte wissen, was das Schreiben zum Inhalt hatte.


    "Faustus, eine Wachstafel wird reichen. Mein Anliegen muss nicht versiegelt werden. Schreib bitte:
    Der Consul H. Claudius Menecrates möchte unverzüglich den Trecenarius Tiberius Verus in seiner Villa sprechen.
    Das reicht, eine Erklärung gibt es nicht, auch kein bitte oder sonstige Feinheiten."

    Als Purgitius ebenfalls einführend seinen Dank aussprach, reagierte Menecrates - wie schon bei Iulius - mit einem Nicken. Anschließend folgte er der Anfrage des Senators, ob er die neue Einteilung der Rennen richtig verstanden hatte. Wieder nickte er zum Zeichen seiner Zustimmung. Er durchdachte die beiden nachfolgenden Vorschläge und entschied sich beim letzten zu einer spontanen Zustimmung.


    "Obwohl die Bezeichnung 'nichtöffentlich' das korrekte Gegenstück zu 'öffentlich' ist, sehe ich die Missverständlichkeit dieses Begriffes ein. Eine Streichung halte ich daher für sinnvoll. Damit erhält der Paragraf drei die Bezeichnung 'Private Wagenrennen'." Er setzte einen Strich, obwohl sich andere Senatoren dem Vorschlag noch nicht angeschlossen hatten. Einwände erwartete er diesbezüglich nicht und falls doch, konnte er den Strich auch wieder rückgängig machen.
    Über die Empfehlung, die Dreiteilung der Rennen und den Geltungsbereich des Gesetzes im ersten Paragrafen unterzubringen, dachte er eine Weile nach, bevor er seinerseits einen Vorschlag unterbreitete.
    "Paragraf eins beinhaltet die allgemeine Definition von Wagenrennen. Hier erscheint mir die Unterbringung der Aufteilung und des Geltungsbereiches unpassend, aber ich halte die vorgelagerte Erwähnung für grundsätzlich sinnvoll. Ich könnte das alternativ in einen Prolog setzen." Er wartete kurz auf erste sichtbare Reaktionen, bevor er sich den weiteren Punkten zuwandte.


    "An dem Punkt öffentliche Arenen habe ich länger gesessen und es ist genau das Stadium Domitiani, das mir Kopfzerbrechen bereitet hat. Ich selbst habe dort ja mein Wahlkampfrennen veranstaltet und war froh, eine so ansehnliche und sichere Rennbahn nutzen zu können.
    Ich will einmal den Grundgedanken der jetzigen Einteilung erläutern. Im Falle der Austragungsorte gibt es traditionelle Nutzungen. Im Circus Maximus werden die gesamtgesellschaftlichen Wagenrennen ausgetragen, im Stadium Domitiani die privaten und auf den Trainingsbahnen der Factiones die Trainingsrennen. Ich war und bin mir nicht sicher, was in der Praxis praktikabler ist: entweder die per Gesetz strickte Zuordnung von Austragungsorten zur Rennkategorie oder die einfache Aufteilung in öffentliche und nicht öffentliche Arenen, die - lässt man mal die Praktikabilität außer Acht - einen sehr stimmigen Gesetzesaufbau ergibt. Würde ein Zusatz aufgenommen werden, zum Beispiel: 'es sei denn, der Praefectus Urbi erteilt eine Ausnahmegenehmigung', könnten wir bei der vorgeschlagenen Zweiteilung bleiben."

    Der Consul öffnete und hob die Hände. Damit gab er den Punkt zur Diskussion frei.


    Auch den abschließenden Ausführungen Purgitius' hörte der Consul bis zum Ende zu, bevor er eine Antwort gab.
    "Der Gesetzentwurf liegt euch nicht in Gänze vor. Ich habe eingangs erwähnt, dass ein vierter Paragraf folgt, an dem wir vermutlich länger arbeiten werden als an diesen dreien. Deine Notizen gehören inhaltlich zum Paragraf vier, daher bitte ich darum, sie bis dahin aufzuheben."

    Die Tränen rührten Menecrates und er wäre ein Narr, würde er die Angst nicht sehen, die Morrigan gefangen hielt. Mit Worten konnte er diese Angst nicht abstellen, ganz gleich was er behaupten würde. Sie leugnen oder sie ihr auszureden, würde ebenfalls scheitern.


    "Ich weiß", antwortete er und ließ dabei offen, ob er ihre Sorge um ihn, um Marco und Faustus teilte oder ob er die Garde ebenfalls für gefährlich hielt. In Wirklichkeit traf beides nicht zu, aber das musste er Morrigan gegenüber nicht äußern. Stattdessen tat er so, als begab er sich zum Teil in ihre Angstwelt mit dem Ziel, sie Schritt für Schritt herauszuführen.
    "Wir wollen hier trotzdem unser Leben weiterführen und um das bestmöglich umzusetzen, brauchst du einen Namen und du bekommst eine Aufgabe. Schließlich bleibst du ja von heute an dauerhaft hier." Er fand es wichtig zu betonen, dass das Bleiberecht an eine Aufgabe geknüpft war, bei der sich Morrigan ihren Ängsten stellen musste. "Dein Name ist Morrigan und ab morgen wirst du entweder die Tätigkeit meines bisherigen Cubicularius übernehmen oder, und das würde mir noch mehr nützen, hier als Maiordomus des Hauses fungieren. Überlege dir, was du dir zutraust und teile mir morgen mit, wie du heißt und welche Aufgabe du übernehmen wirst."


    Er nickte noch einmal aufmunternd, drückte noch einmal die umfassten Schultern, dann ließ er sie los.
    "Geh zu Alexandros und lass dir eine Heilsalbe geben. Wenn die verletzte Haut verheilt ist, sehen wir weiter. Ich möchte nicht, dass du dieses Brandzeichen trägst. Vielleicht lässt sich daraus ein Ornament oder die Abbildung eines Schmetterlings oder sonst was Hübschem machen. Wir werden das zusammen beratschlagen."
    Alles, was Morrigan stabilisierte, sicherte auch Menecrates‘ Heim und Familie. Er wusste nur nicht einzuschätzen, wie sie auf die Umgestaltung des Brandmals reagieren würde.


    Die Einschätzung eines Consulars gerade in Bezug auf die Ausrichtung von Ludi wog um ein Vielfaches mehr als die Meinung eines Außenstehenden. Deswegen sann Menecrates der Antwort eine Weile nach und sie verfehlte nicht die Wirkung. Ob beabsichtigt oder nicht, der Consul fühlte sich verstanden und ein wenig von seiner stets vorherrschenden Selbstkritik abgelenkt.


    "Vermutlich hast du Recht", erwiderte er mit einem winzigen Lächeln. Gänzlich locker fühlte er sich selbst auf einer Hochzeit nicht, wenn er gedanklich bei seinem Amt weilte. Immerhin wechselten sie aber nun zum uneingeschränkt positiven Teil, seinem Quaestor. Menecrates stellte sich vor, wie es wohl wäre, wenn einmal ein Consul über seinen Sohn oder Enkel lobreich sprechen würde. Eine solche Erfahrung blieb ihm bisher verwehrt, obwohl er mehr Nachfahren besaß als Flavius Gracchus. Missgunst kannte er aber nicht und wo kein leiblicher Spross das Erbe antrat, konnte ja auch ein Sohn adoptiert werden.


    "Ich habe versucht, die Quaestur für ihn abwechslungsreich zu gestalten und muss sagen, er hat sich auf jedem Feld bewährt." Bei dem Gespräch zwischen Silana und dem Consular hielt sich Menecrates im Hintergrund. Er konnte aber nicht verhehlen, wie gespannt er Silanas Antwort entgegensah.

    Im Anschluss an eine Sitzung des Senats, wo religiöse Themen im Vordergrund standen und die Beschlussfassung scheiterte, nutzte der Consul die Gelegenheit und bat noch einmal um Aufmerksamkeit.


    "Werte Senatoren, werte Beisitzer!


    da wir ohnehin vertagen müssen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, wo wir alle beisammen sind, einen weiteren Zwischenbericht der Ermittlungskommission zu präsentieren. Zwar haben wir noch keine abschließenden Ergebnisse erzielt, aber es haben sich neue Erkenntnisse ergeben.
    Nachdem weitere Zeugen inklusive der Hauptangeklagten des Aufstandes befragt wurden, müssen wir davon ausgehen, dass sich erstens zweifelsfrei verschiedenste Morde an römischen Bürgern der mittleren und oberen Einkommens- bzw. Vermögensschicht als erste sichtbare Anzeichen für die nachfolgenden Unruhen herausgestellt haben. Darüber hinaus und somit zweitens müssen wir das Datum für dieses erste Schwelen nach vorn setzen.
    Anstelle der Tage um ANTE DIEM V KAL AUG DCCCLXVII A.U.C. (28.7.2017/114 n.Chr.) gehen wir jetzt davon aus, dass erste Morde etwa einen Monat nach Beginn der vorletzten Amtsperiode - die aktuelle zähle ich nicht mit - zum Aufstand zugehörig angesehen werden müssen.
    Als korrekter Zeitraum gelten demnach die Tagen um ANTE DIEM VII ID IUN DCCCLXVII A.U.C. (7.6.2017/114 n.Chr.).


    Die widerkehrende Handschrift der Täter, die uns anfänglich Rätsel aufgegeben hat, können wir inzwischen auch erklären. Die Mordopfer sollten sprichwörtlich an ihrem Rom ersticken. Welche Bedeutung diese Aussage hat, damit beschäftigt sich noch die Kommission. Sie stammt in jedem Fall von Varia, der Rädelsführerin."
    Er sammelte sich kurz, um die vermutlich interessanteren Ergebnisse kundzutun.


    "Als Ursache für den Aufstand zeichnen sich desaströse Verhältnisse in der Subura ab. Für Einzelheiten ist es aber noch zu früh. In eine zweite Richtung, wonach Bürger in den Aufstand involviert sind, ermitteln wir noch. Den ersten Ermittlungen zufolge scheint das zwar nicht der Fall zu sein, aber eine weitere Befragung steht noch aus. Deswegen kann ich heute noch keinen abschließenden Bescheid geben. Sobald sich weitere Ergebnisse zeigen, werde ich sie hier präsentieren."

    Bei den letzten beiden Factiones musste sich der Bote aus der Villa Claudia nicht mehr beeilen.
    "Das ist nur zu eurer Kenntnis."


    Equirria
    Ergänzung zu den Startbedingungen


    Um den Nachwuchs zu fördern, hat die Rennleitung folgenden nachträglichen Entscheid getroffen:
    Dem jüngsten Fahrer ist auch dann der Vorzug vor einem älteren zu geben, wenn in seinen Startbüchern nur zwei Wettkampfrennen stehen, er aber im Ausgleich für das fehlende dritte Rennen, mindestens zwei Trainingsrennen nachweisen kann.


    Bei den letzten beiden Factiones musste sich der Bote aus der Villa Claudia nicht mehr beeilen.
    "Das ist nur zu eurer Kenntnis."


    Equirria
    Ergänzung zu den Startbedingungen


    Um den Nachwuchs zu fördern, hat die Rennleitung folgenden nachträglichen Entscheid getroffen:
    Dem jüngsten Fahrer ist auch dann der Vorzug vor einem älteren zu geben, wenn in seinen Startbüchern nur zwei Wettkampfrennen stehen, er aber im Ausgleich für das fehlende dritte Rennen, mindestens zwei Trainingsrennen nachweisen kann.