Die Antwort des Quaestors hätte nicht ergiebiger sein können. Den reichlich Nachfragen zur Projektgruppe folgte die Antwort zur Fleißaufgabe, was den Consul zunächst überraschte, aber die Erklärung lag auf der Hand: Während bei Menecrates die Kindern und Kindeskinder militärische Kenntnisse aufschnappen konnten, schien Flavius' Kindheit vom Umgang mit den vielfältigsten Göttern geprägt zu sein.
Menecrates hielt sich selbst für fromm, aber sein Wissen über die Götter beschränkte sich auf die wichtigsten. Von einem Gott namens Vedovus hatte er noch nie gehört. Er hätte nachschlagen müssen und wäre dann gewiss auch darüber gestolpert, dass er mit Veiovis gleichzusetzen war.
"Dein Wissen spart mir wertvolle Zeit", entgegnete er daher auch als erstes. "Wissen möchte ich, ob zu diesem Fest auch der Rex Sacrorum opfert." Immerhin tat er das zu jedem der vier Agonalia, was nicht zwangsläufig bedeutete, dass die weiteren Feste der Gottheiten auch in seinen Bereich fielen.
Zum Beantworten der Nachfragen bezüglich der Einladung der Offiziere wies Menecrates nun doch auf eine Sitzecke. Ein längeres Gespräch im Stehen zu führen, hielt er für unhöflich und unangebracht. Er nahm in einem der Korbsessel Platz und wartete, bis der Quaestor ebenfalls saß. Dann begann er die Erläuterungen.
"Du erinnerst dich an meine Rede zur Kandidatur im Senat?" Er blickte fragend, bevor er fortfuhr. "Auf die Nachfrage des Kaisers hin habe ich das Bild von einem Berg gemalt. Er soll unseren Sklavenaufstand symbolisieren. Verschiedene Personengruppen stehen an unterschiedlichen Stellen und blicken zum Berg. Sie sehen alle den gleichen Berg und doch jeweils eine andere Seite von ihm. Fakt ist, die Cohortes Praetoriae ermitteln bereits. Abwegig wäre zu glauben, unser Kaiser hätte sich NICHT mit dem Praefectus Urbi und dem Praefectus Praetorio zusammengesetzt. Die Sichtweise dieser Personengruppe ist also bereits bekannt, auch wenn uns ihre Ergebnisse noch nicht vorliegen. Mich interessiert die Sichtweise weiterer Personengruppen, weswegen ich bewusst in die unteren Dienstgrade geschaut habe, aber bei meiner Nominierung auch darauf geachtet habe, wer mir persönlich während des Aufstandes in Ausführung seines Dienstes begegnet ist - das wäre zum Beispiel Fibius Vespa - oder wer vom Kaiser für den besonderen Einsatz geehrt wurde." An dieser Stelle hielt Menecrates inne, weil ihm ein weiterer Offizier einfiel.
"Wir stützen uns also nicht vorrangig auf die bereits ermittelnden Cohortes Praetoriae, ohne sie auszuschließen, sondern auf die Cohortes Urbanae. Ich möchte deswegen, dass du den Optio Marcus Octavius Maro ebenfalls einlädst. Er wurde ausgezeichnet, also war er überdurchschnittlich im Einsatz."
Er wartete, bis sein Sekretär Faustus aufblickte und augenscheinlich alles Besprochene festgehalten hatte.
"Das beantwortet auch deine nächste Frage: Ich lade keinen Präfekten. Senatoren werden vereinzelt in die Projektgruppe geladen, ja. Zivilpersonen sollen kein Bestandteil der Projektgruppe sein, aber sie sollen angehört und zu ihren Eindrücken befragt werden. Fest nominiert ist dabei mein Sekretär Helvetius Faustus. Er hat mich im Vorfeld auf Parolen aufmerksam gemacht. Die Projektgruppe entscheidet zu gegebener Zeit, welche weiteren Personen, Zeitzeugen, Geschädigte kurzfristig geladen werden. Sie muss aber erst einmal ihre Arbeit aufnehmen."
Er ließ sich einen Becher frischen Quellwassers reichen und bot mit einer Geste Flavius an, seinerseits Wünsche zu äußern.
"Primärziel dieser Gruppenarbeit soll der Rückschluss von den Geschehnissen auf die Ursache derselben sein. Sekundärziel ist die Ausarbeitung von Präventionsmaßnahmen, welche dem Senat und dem Kaiser präsentiert werden sollen. Ob wir die Umsetzung innerhalb unserer Legislaturperiode schaffen, bleibt abzuwarten."