Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Die Antwort des Quaestors hätte nicht ergiebiger sein können. Den reichlich Nachfragen zur Projektgruppe folgte die Antwort zur Fleißaufgabe, was den Consul zunächst überraschte, aber die Erklärung lag auf der Hand: Während bei Menecrates die Kindern und Kindeskinder militärische Kenntnisse aufschnappen konnten, schien Flavius' Kindheit vom Umgang mit den vielfältigsten Göttern geprägt zu sein.
    Menecrates hielt sich selbst für fromm, aber sein Wissen über die Götter beschränkte sich auf die wichtigsten. Von einem Gott namens Vedovus hatte er noch nie gehört. Er hätte nachschlagen müssen und wäre dann gewiss auch darüber gestolpert, dass er mit Veiovis gleichzusetzen war.


    "Dein Wissen spart mir wertvolle Zeit", entgegnete er daher auch als erstes. "Wissen möchte ich, ob zu diesem Fest auch der Rex Sacrorum opfert." Immerhin tat er das zu jedem der vier Agonalia, was nicht zwangsläufig bedeutete, dass die weiteren Feste der Gottheiten auch in seinen Bereich fielen.


    Zum Beantworten der Nachfragen bezüglich der Einladung der Offiziere wies Menecrates nun doch auf eine Sitzecke. Ein längeres Gespräch im Stehen zu führen, hielt er für unhöflich und unangebracht. Er nahm in einem der Korbsessel Platz und wartete, bis der Quaestor ebenfalls saß. Dann begann er die Erläuterungen.
    "Du erinnerst dich an meine Rede zur Kandidatur im Senat?" Er blickte fragend, bevor er fortfuhr. "Auf die Nachfrage des Kaisers hin habe ich das Bild von einem Berg gemalt. Er soll unseren Sklavenaufstand symbolisieren. Verschiedene Personengruppen stehen an unterschiedlichen Stellen und blicken zum Berg. Sie sehen alle den gleichen Berg und doch jeweils eine andere Seite von ihm. Fakt ist, die Cohortes Praetoriae ermitteln bereits. Abwegig wäre zu glauben, unser Kaiser hätte sich NICHT mit dem Praefectus Urbi und dem Praefectus Praetorio zusammengesetzt. Die Sichtweise dieser Personengruppe ist also bereits bekannt, auch wenn uns ihre Ergebnisse noch nicht vorliegen. Mich interessiert die Sichtweise weiterer Personengruppen, weswegen ich bewusst in die unteren Dienstgrade geschaut habe, aber bei meiner Nominierung auch darauf geachtet habe, wer mir persönlich während des Aufstandes in Ausführung seines Dienstes begegnet ist - das wäre zum Beispiel Fibius Vespa - oder wer vom Kaiser für den besonderen Einsatz geehrt wurde." An dieser Stelle hielt Menecrates inne, weil ihm ein weiterer Offizier einfiel.


    "Wir stützen uns also nicht vorrangig auf die bereits ermittelnden Cohortes Praetoriae, ohne sie auszuschließen, sondern auf die Cohortes Urbanae. Ich möchte deswegen, dass du den Optio Marcus Octavius Maro ebenfalls einlädst. Er wurde ausgezeichnet, also war er überdurchschnittlich im Einsatz."
    Er wartete, bis sein Sekretär Faustus aufblickte und augenscheinlich alles Besprochene festgehalten hatte.


    "Das beantwortet auch deine nächste Frage: Ich lade keinen Präfekten. Senatoren werden vereinzelt in die Projektgruppe geladen, ja. Zivilpersonen sollen kein Bestandteil der Projektgruppe sein, aber sie sollen angehört und zu ihren Eindrücken befragt werden. Fest nominiert ist dabei mein Sekretär Helvetius Faustus. Er hat mich im Vorfeld auf Parolen aufmerksam gemacht. Die Projektgruppe entscheidet zu gegebener Zeit, welche weiteren Personen, Zeitzeugen, Geschädigte kurzfristig geladen werden. Sie muss aber erst einmal ihre Arbeit aufnehmen."
    Er ließ sich einen Becher frischen Quellwassers reichen und bot mit einer Geste Flavius an, seinerseits Wünsche zu äußern.


    "Primärziel dieser Gruppenarbeit soll der Rückschluss von den Geschehnissen auf die Ursache derselben sein. Sekundärziel ist die Ausarbeitung von Präventionsmaßnahmen, welche dem Senat und dem Kaiser präsentiert werden sollen. Ob wir die Umsetzung innerhalb unserer Legislaturperiode schaffen, bleibt abzuwarten."

    So ungewöhnlich, wie es war, dass der Consul sein Beitrittsgesuch persönlich vortragen wollte, so unüblich war es gewiss, dass er zu Fuß kam. Sänften und Clinen mochten andere Patrizier und Magistrate bevorzugen, er kam aus dem Militär und wer wusste schon, wohin die Götter seine Schritte noch einmal lenkten. Fett, träge und schwach auf den Beinen wollte er jedenfalls nicht werden.
    Um dem Ungewöhnlichen die Krone aufzusetzen, antwortete Menecrates selbst. Ianitoren gehörten eigentlich nicht zu seinen Gesprächspartnern, aber dieser eine namens Fulcinius würde zukünftig eine Ausnahmerolle spielen - so wie der hauseigene Ianitor der Villa Claudia.
    Menecrates merkte sich den gesamten Namen, bevor er antwortete.

    "Ich möchte den Dominus der Factio sprechen."
    Die Antwort fiel zwar knapp, aber nicht unfreundlich aus, denn der Consul sortierte bereits seine Gedanken. Er wollte mehr als nur den Beitritt regeln. Außerdem stand er unter Zeitdruck.

    Zitat

    Original von Herius Claudius Menecrates
    Ich habe mal wieder was Unklares gefunden...


    In unserem Kalender steht am 29. Dezember der Hinweis auf die Compitalia. Im Wiki hingegen ist zu finden, dass dieser Festtag zwar bewegt ist, aber zwischen dem 3. bis 5. Januar. Dort steht er außerdem im Kalender. Ist der Dezembereintrag hinfällig oder steckt was dahinter?


    <-- :) *darauf hinweist*

    Die Audienzen der letzten drei Jahre zählten mittlerweile so viele wie im gesamten bisherigen Leben des Claudiers nicht. Ganz sicher hätte er den Weg auch alleine in die Aula gefunden, aber genauso gern ließ er sich führen. Damit ihn sein Sekretär begleiten konnte, auf den er nicht verzichten konnte, stellte der doch sein wandelndes Gedächtnis dar, wies er an, dessen Rutenbündel bei den anderen, vor dem Haus Wartenden zu belassen.


    "Mittlerweile dürftest auch dich hier heimisch fühlen", witzelte der Consul und blickte schmunzelnd zu Faustus.

    Die Ausführungen schränkten den Consul in keiner Weise ein, also machte er sich zweckdienliche Gedanke. "Gut, dann gebe ich dem Sinnvollen vor dem Nachrangigen den Vorzug. Als nachrangig sehe ich aktuell noch die Spiele an. Ich möchte dir zwei Aufgaben übertragen, wobei ich die kultische erst nach der organisatorischen abgearbeitet wissen möchte. Du kannst natürlich beides parallel machen, aber nach Möglichkeit nicht in der umgekehrten Reihenfolge. Das hat terminliche Gründe. Aaalso", begann er und gab seinem Sekretär Faustus den Hinweis, Notizen zu machen.


    "Ich greife der Senatssitzung einmal vor und berufe dich hiermit offiziell in die Projektgruppe zur Ursachenforschung der Unruhen. Bevor diese Gruppe die Arbeit aufnehmen kann, muss ich die Mitglieder einladen. Die Senatsmitglieder erhalten meine Einladung während einer Sitzung. Alle anderen müssen persönlich in Kenntnis gesetzt werden. Dich entsende ich zu den Stadteinheiten, meinen Sekretär zu Zivilpersonen.
    Das bedeutet für dich im Einzelnen: Du suchst die Cohortes Urbanae auf und bittest um Freistellung der Tribuni Lucius Iulius Antoninus und Lucius Petronius Crispus an noch bekanntzugebenden Terminen der Projektgruppe. Bei den Cohortes Praetoriae ersuchst du um Freistellung des Tribun Nero Laetilius Blasio oder des Centurio Aulus Tiberius Verus sowie des Decurio Titus Vibius Vespa. Den Vibier möchte ich gern im Boot wissen, für den Fall, dass drei Offiziere nicht entbehrlich sind. Der jeweilige Sitzungstermin wird rechtzeitig auf dem Postweg zugestellt. Deine Ankündigung dient nur der Information und falls Nachfragen bestehen, können die im Vorfeld geklärt werden."

    Er sah Flavius Gracchus an und nickte einmal, während er fortfuhr. "Du bist ermächtigt, eventuelle Nachfragen - falls möglich - sofort zu klären."


    Bliebe noch Punkt zwei: "Die Aufgabe zwei ist eine Fleißaufgabe. Am ersten des Jahres ist ein Festtag zu Ehren des Vedovus im Kalender eingetragen. Ich hätte gerne Informationen zu diesem Festtag.
    Eine der nachfolgenden Aufgaben wird es sein, dass du einen Festtag ausrichtest. Welcher das sein wird, darüber sprechen wir zu gegebener Zeit. Hast du jetzt erst einmal Fragen?"
    Eine gewisse Spannung ergriff den Consul, weil er nicht einzuschätzen wusste, wie kompliziert oder unkompliziert es sein würde, mit Flavius zu arbeiten.

    Ich habe mal wieder was Unklares gefunden...


    In unserem Kalender steht am 29. Dezember der Hinweis auf die Compitalia. Im Wiki hingegen ist zu finden, dass dieser Festtag zwar bewegt ist, aber zwischen dem 3. bis 5. Januar. Dort steht er außerdem im Kalender. Ist der Dezembereintrag hinfällig oder steckt was dahinter?

    Menecrates hatte schon vielen Göttern geopfert, aber dem Sol Indiges noch nie. Er verließ sich darauf, dass der Rex Sacrorum Jahr für Jahr die verschiedenen Götter zu den Agonalia bedachte. Das heutige Agonalium fiel aber in seine Amtszeit und da er sich bei seiner Kandidatur verpflichtet hatte, jeden Ehrentag einer Gottheit mit einem selbst finanzierten Opfer zu begehen, sofern kein Priester oder anderer Magistrat dies übernahm, wollte er während der Opferung zumindest vor Ort sein. So war der Plan.
    Die Realität sah etwas anders aus, denn in seinen Unterlagen stand, der Rex Sacrorum würde in der Regia opfern. Kaum vorstellbar, ein blutiges Opfer in Verwaltungsräumen darzubringen. Selbst bei Tempeln wählte man dafür den Vorplatz.


    Schließlich geleiteten ihn seine ausgesandten Liktoren an die richtige Stelle. Der Opferkönig, wie er auch genannt wurde, befand sich bereits vor Ort, Helfer hielten den Widder. Der Consul trat zur Opfergesellschaft hinzu und legte vorsorglich den Zipfel seiner Toga Praetexta über das Haupt. Anschließend verfolgte er die Opferhandlung, die die vergöttlichte Sonne besänftigen sollte und murmelte eigene Bittgebete.

    Menecrates, als der ältere Consul, trat erneut vor das Gremium. Die Rede zum Amtsantritt stand noch aus.


    "Verehrte Senatoren, wie allgemein üblich, soll es auch von mir eine Rede zur Lage des Staates geben. Die Absprache bezüglich der kultischen Verpflichtungen, die speziell ich bei meiner Kandidatur eingegangen bin, habe ich nur deswegen vorgezogen, weil erste Feste anstanden und weil ich der religiösen Oberaufsicht dieses Gremiums während meiner Amtszeit eine zentrale Stelle beimessen möchte."
    Der Einleitung folgte ein Räuspern. Weder sprach Menecrates besonders gerne noch eignete er sich scheinbar dafür. Stets trocknete der Hals binnen Minuten aus und begann zu kratzen. Aber ein Consul ohne Worte war wie ein Baum ohne Blätter und zum Tode verurteilt, also verband er das Unvermeidbare mit den eigenen Vorhaben, was bei diesem Thema bestens gelang.


    "Zuerst möchte ich auf die Lage des Staates im Innern eingehen. Nicht nur, weil das naheliegend ist, sondern weil es an dieser Stelle deutlich mehr zu sagen gibt. Vor Monaten sah die Lage wenig rosig aus: Es gab Unruhen in einem Ausmaß, wie ich sie in Rom noch nicht erlebt habe. Blicke ich heute auf unsere Lage, stellt sich ein Gefühl der Erleichterung und Beruhigung ein. Unsere Stadteinheiten haben vorbildliche Arbeit geleistet und für Ruhe und Ordnung gesorgt. Unser Kaiser hat die Gefallenen und diejenigen Lebenden mit Verdiensten geehrte. Er hat dafür gesorgt, dass unsere Soldaten eine Reinigung erhielten und für uns alle Sühnungsopfer dargebracht. Der Friede mit den Göttern ist wiederhergestellt und das Stadtleben nimmt seit geraumer Zeit wieder seinen gewohnten Verlauf.
    Ich halte es jedoch für einen Fehler, nach der Bekämpfung der Symptome, sich zufrieden zurückzulehnen und keine Ursachenforschung zu betreiben. Aus diesem Grund steht auf meiner Agenda die Bildung einer Projektgruppe, die sich genau diesem Thema widmen wird. Ein Abgleich mit den Ergebnissen der Stadteinheiten ist vorgesehen."


    Vor dem nächsten Punkt legte er eine kurze Atempause ein.
    "Die Lage an den Außengrenzen ist weitgehend ruhig. Wir haben in Germanien sogar einen nennenswerten diplomatischen Erfolg zu verzeichnen. Es wurde ein vierjähriger Friede ausgehandelt, der auf der einen Seite Kornlieferungen an die Barbaren beinhaltet und auf der anderen die Rekrutierung von Stammessöhnen, die unsere Auxiliartruppen verstärken. Verhandlungsführer war übrigens der amtierende Quaestor Consulum Flavius Gracchus."
    Auch hier legte er eine Pause ein, denn Ehre soll derjenigen erfahren, dem Ehre gebührt, und die hatte der junge Gracchus verdient. Würde der Consul ohne Unterlass weitersprechen, lenkte er die Aufmerksamkeit der Senatoren zu schnell von dieser Tatsache weg.


    "Ein weiterer nennenswerter Punkt ist der armenische Thron, der meines Wissens noch immer unbesetzt ist." Menecrates blickte fragend zum Kaiser, der als Vater des Caesar von allen am besten informiert sein müsste.

    Ich habe mir diese Historie jetzt auch noch einmal durchgelesen, obwohl mir vieles bekannt war. Die Idee, alles festzuhalten, ist super und ich würde es auch begrüßen, wenn sie fortgeführt werden würde. Stoff zum erzählen gibt es genug. Den Kraftakt müsste allerdings die SL stemmen, weil nur sie alles korrekt wissen kann, aber die ist sicherlich ausgelastet genug.
    Da ich auch mal zwei sehr ruhige Phasen hatte und mich zudem bereits 2008 gänzlich aus dem Chatverkehr zurückgezogen habe, fehlen mir Puzzleteile. Manche Veränderungen kann ich mir bis heute nicht erklären.

    Wieder suchte er Faustus' Blick, als dieser ihm offenbarte, er selbst hätte die gleiche Factio gewählt. "Na, wenn das keine Fügung ist, dann weiß ich auch nicht. Und schön, dass du auch beitreten willst. Das freut mich wirklich."
    Er ließ Faustus in der Tat kaum eine Chance zu führen, weil er zügig voranschritt, aber er kannte im Groben auch den Weg.

    Wie es Faustus bereits ahnte, nicht er führte seinen Dienstherrn zu den Räumen der Factio Praesina, sondern der Clauder ihn. Wo die Räumlichkeiten lagen, wusste der Consul. Immerhin richtete er ganz in der Nähe sein Wagenrennen aus, das ihm mit zur erfolgreichen Kandidatur verhalf.


    "Hier sind wir also", stellte Menecrates wenig überraschend fest. "Der Campus, das Stadium und unser zukünftiger Wirkungsbereich. Zumindest einer von vielen."
    Er rieb sich tatendurstig die Hände und blickte Faustus an. "Du kennst dich aus, führe mich hinein bzw. zu deinem Ianitor."

    Sogleich, als Faustus versicherte, er könne sofort wieder los, startete Menecrates durch und ließ den Raum hinter sich. Gut möglich, dass sein Sekretär von der nicht oft gezeigten Geschwindigkeit überrascht war, aber so jung, wie dieser noch an Jahren zähle, sollte es ihm keine Mühe bereiten, dem alten, aber immer noch fitten Claudier zu folgen.


    "Ich bin ein Mann der Traditionen, Faustus", begann Menecrates unterwegs zu erklären. "Die Praesina gehört zu den Ursprungsfactiones und ich bin wirklich erleichtert, dass du mir über sie nichts Negatives berichten konntest." Sie bogen um eine Ecke und vor ihnen lag die freie Sicht auf die Porta.


    "Wir laufen, Faustus. Für eine Sänfte hab ich im Alter noch Zeit genug." Er grinste - wohl wissend, dass er bereits viele und teils deutlich jüngere Römer überlebt hatte. "Führ mich zu dem Dominus Vinicius. Übrigens", er machte eine bedeutungsvolle Pause, bevor er fortfuhr, "Vinicius Hungaricus habe ich sehr geschätzt, hingegen Lucianus ..." Er dachte an die Cena, die ihm wohl nie mehr aus dem Kopf gehen würde. "Andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, dass allzu viele einflussreiche Senatoren in dieser Factio sind. Sonst wäre sie ja nicht so in der Versenkung verschwunden." Er blickte über die Schulter, als er durch die Porta trat. "Und ich habe bemerkt, dass du meiner Nachfrage ob du ebenfalls Mitglied werden willst, ausgewichen bist."

    Menecrates kam sogleich nach einem ausgiebigen Frühstück zum Palast. Zu Militärzeiten gab es entweder sehr viel eher ein Frühstück oder gar keins, aber seit er in Rom lebte, pflegte er einen ausgiebigen Nachtschlaf. Umso elanvoller startete er dann in den Tag. Ihn begleiteten seine zwölf Liktoren, allen voran sein erster Liktor und Privatsekretär Faustus. Die persönlich vom Kaiser erstellte Ladung hatte er Faustus anvertraut. Der würde sie dem Wachmann vorzeigen müssen, damit sie passieren durften.

    "Wir haben auch alle weiteren Notizen und Pläne für die Eckdaten meiner Amtszeit dabei, richtig?"
    Er blickte zu Faustus, der entweder bei allen öffentlichen Reden und Gesprächen dabei gewesen war oder von Menecrates die selbst gefertigten Notizen aus seinem Arbeitszimmer und dem Senat ausgehändigt bekam. "Dann lass uns mal den Kaiser aufsuchen." Er überließ es Faustus, ob der selbst an die Wache herantrat oder ob er jemand anderen vorschickte.

    "Gut", antwortete Menecrates und begann seine typische Wanderung durch den Raum, bei der er dieses Mal laut nachdachte.


    "Es gibt also keine gravierenden Unterschiede, weder in der Abwicklung noch bei der Darstellung der Factio auf eine Anfrage hin. Freundliches Personal ist wünschenswert und gleichzeitig vorhanden, wobei man das notfalls auch auswechseln könnte, wenn das Benehmen zu wünschen übrig ließe." Er hielt inne und fügte an: "Das ist gut." Er blickte zu Faustus und lächelte. "Trotz dieser Gleichheit beider Factiones habe ich eine Tendenz, die aus meinem Innern erwächst, und ich kann nun dieser Tendenz nachgehen, WEIL dein Bericht so ausgeglichen ausfällt. Das ist gut." Wie gut, dass sich Menecrates nicht selbst zuhörte, denn er wiederholte sich mehr als einmal.


    Plötzlich setzte seine Wanderung wieder ein. "Ich möchte mit dem Beitritt nicht warten, sondern sofort handeln. Die Spiele rücken schneller näher als man es erwartet und ich möchte, dass meine", er lachte einmal glucksend auf, "Factio dabei ist." Er blieb in Faustus' Nähe stehen und schaute seinen Sekretär an. "Wir müssen herausfinden, in welchem Trainingszustand die Pferde und Lenker sind, ob es überhaupt Gespanne und Lenker gibt, denn in den letzten Jahren war die Factio kaum angetreten. Nach einer Atempause fügte er an: "Hättest du nicht Lust, ebenfalls beizutreten? Als Mitglied könntest du mich deutlich besser unterstützen als wenn du einzig Privatsekretär und Liktor bist." Er winke ab. "Das kannst du mir auch unterwegs erzählen. Führ mich zur Factio Praesina und stell mich dort dem Vorsitzenden vor." Schon wollte er zur Tür eilen, dann fiel ihm ein, dass sein Sekretär ja gerade erst wenige Minuten ruhte. "Oder brauchst du eine Essenspause?"

    Menecrates rief: "Herein!" und sah erwartungsvoll zu Tür, die sich öffnete. Als er seinen Sekretär erkannte, legte er die Schriftrolle ab, die er gerade noch studieren wollte.
    "Ah, Faustus, ich bin ganz Ohr für all das, was du zu berichten weißt." Er wies auf einen Platz neben sich, falls sein Sekretär - vom Laufen müde - sich setzen wollte. Sein Blick lag gespannt auf Faustus' Gesicht.

    Die Zustimmung des Kaisers freute den Consul. Hochkarätiger konnte die Besetzung der Ausrichter und Eröffner dieser bedeutsamen Ludi nicht sein. Allerdings konnte er in der Kürze der Zeit keine konkrete Ablaufplanung benennen, denn der Fehler in den Kalendereintragungen war ihm gerade erst aufgefallen.


    "Tja, die Sachlage sieht jetzt ein wenig anders aus", merkte er an und strich sich beim Nachdenken über Wange und Kinnbart. "Es bietet sich an, den Feststag der Concordia, als Vortag der Ludi, wie eine Einstimmung auf die Spiele anzugehen, natürlich ohne dabei die Bedeutung dieses Tages für die Göttin Concordia aus den Augen zu verlieren. Zu den Ludi sollte es eine Steigerung geben, weswegen ich die Wagenrennen sogar auf die hinteren Tage legen würde." Er wiegte den Kopf. "Das sind spontane Gedanke, ich muss das noch einmal in Ruhe durchgehen."


    Gleichzeitig stand ihm vor Augen, wie wenig Zeit bis zu den Ludi verblieb, denn ursprünglich hatte er mit dem Februar gerechnet. Er wollte bis zu den Rennen noch eine Factio reanimieren und zur Teilnahme bewegen, um die Wagenrennen größer als bei seinem Wahlkampf ausfallen zu lassen.


    "Gut, die nächsten Tage und die größeren Ereignisse sind erst einmal abgeklärt. Ich werde demnächst beim Rex Sacrorum bzw. Priestercollegium vorsprechen, um in Erfahrung zu bringen, wo Bedarf zur Unterstützung besteht und wo wir Dopplungen vermeiden können. Trotzdem..., wenn sich noch jemand engagieren möchte, der kann sich jederzeit später bei mir oder auch im Verlauf dieser Sitzung noch zu Wort melden."

    Menecrates wählte für seine Fürbitten diejenige Tiberseite aus, bei der der Wind vom Land auf den Fluss hin wehte. Dadurch wurden seine Worte nicht hinfortgerissen, sondern an das andere Ufer getragen. So konnten auch die dort versammelten Schaulustigen oder frommen Bürger seine Bitten verstehen. Vestalinnen säumten die Opferschalen und füllten sie von Zeit zu Zeit.


    Als die verschiedenen Opfer dargebracht waren, richtete Menecrates den Blick auf das Wasser und breitete die offenen Handflächen aus.
    "Oh, Tiberinus, sei geehrt durch diese Gaben." Wieder rieselten zu beiden Seiten des Tiber Opfergaben in den Foculus.
    "Durch das Opfern der Gaben bete ich ein gutes Gebet, damit du Rom und seinen Bürgern wohl gesonnen bist. Wir bitten dich, sende uns keine Überschwemmung. Wir wollen dich stets ehren und gut gestimmt wissen, deswegen bereiten wir dir zu Ehren schon jetzt das kommende Sühnungsfest im Mai vor. Wir hoffen, du schenkst uns deinen Schutz und wachst über die für uns so wichtigen Brücken."