Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Der heutige Festtag fand zu Ehren des vergöttlichten Tiber statt und dieser letzte Tag der ansonsten eher ländlich geprägten Faunalia wurde auch in Rom ausgiebig gefeiert. Dafür hatte in diesem Jahr der amtierende Consul Claudius Menecrates gesorgt. Er ließ Tänzer anreisen, die den Tag über schwungvolle Tänze vorführten. Es erfolgte ein regelmäßiger Wechsel der Darsteller, denn der Dreier-Takt beanspruchte viel Energie. Das wusste auch Menecrates, der ähnliche Tänze mit den Mitgliedern der Salii aufführte, wenngleich er diese vom Tempo her gemäßigter wahrnahm.
    Der Consul mischte sich in Begleitung seiner Liktoren unter das Volk, verfolgte die Darbietungen, führte Gespräche und ließ die mitgebrachten Waren verteilen, denn für Stärkung und Erfrischung der Tänzer und Zuschauer hatte er gesorgt.

    Sim-Off:

    WiSim


    Als die Sonne im Zenit stand, wurden die Vorbereitungen für die Opferung zu beiden Seiten des Ufers getroffen. Insbesondere der Flussgottes Tiberinus sollte heute geehrte und freundlich gestimmt werden, denn er besaß erheblichen Einfluss auf das Wohl und Schicksal der Stadt Rom. Unter der Aufsicht der Pontifices würden nicht nur zu beiden Seiten des Ufers, sondern auch auf der Brücke Zeremonien stattfinden, bevor allerlei Opfer dem Flussgott dargebracht wurden. Aber auch der Erdgöttin Gaia wurde heute gedacht und geopfert.

    Der Consul wollte nichts von den Göttern erbitten, bevor er nicht sicher sein konnte, dass sie das Opfer annahmen. Er wartete daher geduldig, aber nicht ohne Anspannung, auf das erlösende Nicken des Eingeweideschauers. Das "Litatio!" ließ ihn zufrieden ausatmen und er spürte gleichzeitig die Welle der Erleichterung in den Zuschauerreihen.


    Er richtete seine Hände nach oben und sagte gut vernehmlich: "Iuppiter, weil es Recht ist, hier für dich zu opfern, um dieser Sache willen mögest du geehrt werden durch dieses Festopfer. Iuno, weil es Recht ist, hier für dich zu opfern, um dieser Sache willen mögest du geehrt werden durch dieses Festopfer. Minerva, weil es Recht ist, hier für dich zu opfern, um dieser Sache willen mögest du geehrt werden durch dieses Festopfer." Er atmete einmal durch, dann fuhr er fort.


    "Iuppiter, Iuno, Minerva, durch das Opfern dieser Rinder beten wir ein gutes Gebet, damit ihr unserem Staat, unserem Rom, unserem Kaiser, unserem Volk, mir und meinen Consulkollegen günstig gestimmt seid. Erhört unsere Bitten, schützt uns vor allen Unbilden und seid uns wohlgesonnen."



    Das Fleisch wurde aufgeteilt und bald danach zerstreuten sich die Teilnehmer der Prozession. Einige kehrten in ihr Heim zurück, andere, wie auch der Consul, trafen sich zur ersten Sitzung der neuen Legislaturperiode im Senat. Die Provinzen mussten vergeben und das Latinerfest festgelegt werden. Diese Feiertage zum Gedenken an das Bündnis der latinischen Städte unter der Führung Roms würden dieses Mal im zweiten Quartal des Jahres stattfinden.
    Doch vor allen weiteren Verpflichtungen würde Menecrates erst einmal am Abend im Kreise seiner Familie und Freunde feiern - nicht prunkvoll, sondern verbunden und beschaulich.

    Zitat

    Original von Helvetiana Morrigan
    Auch noch nicht freigeschlatete können PN schreiben ;) also nur zu nutzt die Nachrichtenfuktion :)


    :D
    Meine Güte, bin ich alt geworden. Zu meiner Sturm- und Drangzeit gab es das noch nicht und irgendwie sitzt das in meinem Kopf.

    In letzter Zeit stand Menecretes öfters bei den Schreibarbeiten, weil das Sitzen seinem Rücken Beschwerden bereitete. Er musste also nicht aufblicken, als Flavius eintrat, sondern nur den Kopf ein wenig wenden.

    "Salve, das trifft sich gut, Flavius Gracchus Minor"
    , erwiderte der Consul, legte den Griffel zur Seite und trat hinter seinem Stehpult hervor. "Ohne lange Vorrede... Ich bin gerade bei der Planung zu den anstehenden Festtagen. Parallel werfe ich erste Blicke auf den Organisationsplan zu den Spielen, die anstehen. Ich möchte desweiteren privat eine Factio aus der Versenkung holen und als wäre dies nicht schon ausreichend Beschäftigung genug, möchte ich natürlich nicht mein Senats-Projekt aus den Augen verlieren, das die Ursachen der Unruhen aufdecken soll." Vervielfältigen konnte er sich nicht, aber Aufgaben delegieren. Da gab es einmal den Quaestor, seinen Sekretär Faustus und Iulius, der sein Tiro Fori ableistete.


    "Uns allen nützt am meisten, wenn ich denjenigen mit Aufgaben betreue, der sich im Metier auskennt und darin wohlfühlt. Darum meine Frage: Wo siehst du deine Stärken und wo deine Interessen? Versteh mich nicht falsch. Das heißt nicht, dass du ausschließlich Wunschaufgaben erhältst, aber", er machte eine schwifende Atrmbewegung, "so wollte ich auf alle Fälle starten." Er lächelte nun ebenfalls. Er hoffte, Minor mit dem schonungslosen Aufzeigen des Arbeitsberges nicht zu erschlagen, aber auf der anderen Seite nahm er an, der junge Flavier kannte Menecrates' grundsätzliche Arbeitseinstellung und Erwartung an sich selbst.

    Sich seines Vorsitzes bei diesem ehrwürdigem Gremium durchaus bewusst, musste sich Menecrates trotzdem erst an die Situation gewöhnen, dass der Kaiser seine Unterstützung in einer Sache anbot, die Menecrates initiierte, und es nicht umgedreht verlief. Auch der auf ihn gerichtete fragende Blick des Kaisers stellte für den Claudier eine neue Erfahrung dar. Trotzdem arbeitete sein Geist gewohnt flink. Er sichtete noch einmal die notierten Termine, dann blickte er zum Kaiser, ohne auf den Aurelier einzugehen. Dessen Vordrängen bzw. anstatt anderer zu antworten, wollte er während seiner Amtszeit nicht fördern. Die Antwort auf seine Frage registrierte er natürlich.


    "Ich denke, ich habe die perfekte Lösung: Der Festtag der Concordia ist ANTE DIEM XVII KAL FEB DCCCLXVIII A.U.C. (16.1.2018/115 n.Chr.), ich habe das gerade noch einmal überprüft. Diesen Festtag richte ich aus. Einen Tag später beginnen die Ludi Palatini, die ich alternativ ausrichten wollte. Beides zusammen ist natürlich eine erhebliche Herausforderung, aber wenn du", sein Blick umfasste das Antlitz des Kaisers, "die Organisation der zur Eröffnung der Ludi angedachten Opferung überwachen könntest, denke ich, kann ich diesen Akt stemmen. Eine ungewöhnliche Konstellation, ich weiß: Der Augustus engagiert sich zu den Ludi zu Ehren des Augustus. Ist das eine Kombination, die du gutheißt?" Nun blickte der Consul fragend, bevor er anfügte: "Die Consualia ANTE DIEM XVIII KAL IAN DCCCLXVIII A.U.C. (15.12.2017/114 n.Chr.) stellen nur das Nebenfest dar." Die Vollendung des Satzes schenkte sich Menecrates, denn für alle lag auf der Hand, dass das im August stattfindende Fest als Hauptfest der Consualia galt.

    Während der Unterhaltung zwischen Marcellus und dem Kaiser hielt sich Menecrates zurück. Zum einen hatte er ja bereits den Weg geebnet und nun lag es bei Marcellus, wie er ihn beschritt. Zum anderen wollte er seinen Enkel mündig erscheinen lassen, zumal die Cena vor allem für ihn angesetzt wurde. Marcellus stand im Mittelpunkt und je mehr Zeit verstrich, umso besser setzte er sich in Szene.


    Während der Hausherr das Gespräch im Stillen verfolgte, achtete er darauf, dass stets genügend Speisenauswahl zur Verfügung stand und die Gänge einander fließend folgten. Beim Wein hielt er sich zurück, aber seine Gäste wollte er gut mit Säften, Quellwasser und köstlichem Wein bewirtet wissen.

    Tja, so viel zum Thema beratschlagen. Es ging dem Consul eben nicht um die Feststellung, wer den Vorrang hatte, denn das wusste er selbst. Ihm ging es um eine konstruktive Zusammenarbeit. Immerhin kam am Ende des Wortbeitrags heraus, dass der Aurelier keine direkte Zusammenarbeit wünschte, was ja immerhin auch eine Erkenntnis war.
    Äußerlich ungerührt nahm der Consul diese Tatsache hin. Einzig als der Aedil ihm letzten Endes die Wahl zwischen den Ludi Palatini und den Equirria ließ, legte sich ein Schmunzeln auf sein Gesicht. "Ich richte, wie geplant, den Festtag der Concordia aus", erwiderte er bestimmt. "Lass mich wissen, ob du bei den Equirria bleibst oder nicht."


    Er wartete weitere Wortmeldungen ab, bevor er dazu überging, die bevorstehenden Feststage im Einzelnen anzusprechen, um einen möglichen Ausrichter in Erfahrung zu bringen.
    "Was die Opferungen zu den Tiberinalia betrifft, ich könnte da einen Mitstreiter gebrauchen. Es wäre wünschenswert, wenn zeitgleich an beiden Ufern geopfert wird, ich kann aber verständlicherweise nur an einem Ufer sein. Außerdem: Die Vestalinnen werden sicherlich zugegen sein, ebenso die Pontifices. Ich gehe im Grunde nicht davon aus, dass vorherige Absprachen notwendig sind. Wer Interesse hat, möge mich im Nachhinein ansprechen oder sich hier melden."


    Er suchte den Blickkontakt zum Aurelier: "Was schlägt der Haruspex zu den Agonalia ANTE DIEM III ID DEC DCCCLXVII A.U.C. (11.12.2017/114 n.Chr.) vor, dem Sol Indiges zu opfern?"

    Die beiden Consuln teilten sich ihre Aufgaben. Während Menecrates' Kollege die Einlösung der Gelöbnisse der Consuln des Vorjahres in Worte fasste, übernahm der Claudier die allgemeine Ansprache an die Festzugteilnehmer und die Götter sowie die Erneuerung der Gelöbnisse vor dem obersten Staatsgott für das bevorstehende Amtsjahr.

    "Römer und Römerinnen", begann Menecrates. Hätte er alleine geopfert, würde er die Anrede anders formulieren. So aber traf sie wahrscheinlich auf jeden zu, ungeachtet seines Standes oder seiner persönlichen Beziehung zu einem der beiden Consuln.

    "Die neuen Consuln Roms stehen vor euch. Wir schwören euch an diesem ehrwürdigen Ort, unsere gesamte Kraft für das Wohl und in die Sicherheit Roms zu investieren. Wir schwören dies vor Iuppiter, vor Iuno und vor Minerva, die diesem Ort innewohnen." Er nutzte den Moment der Wirkung, um sich einen Zipfel seiner Toga über das Haupt zu ziehen, denn in Kürze würde er das Zwiegespräch mit den Göttern suchen.
    "Wie jedes Jahr und wie es unsere Tradition vorschreibt, stehen weiße, reine und junge Weidetiere aus den faliscischen Ebenen bereit, um die Götter um Gehör und um ihren Schutz zu bitten. Wir brauchen ihre Gnade und ihren Schutz, damit die Zukunft friedlicher verlaufen mag als die Vergangenheit."
    Sein Blick schweifte über die Versammelten, bevor er auf der Tempelanlage haften blieb.

    "Oh, Iuppiter, oh, Iuno, oh Minerva, möget ihr durch diese Festopfer geehrt werden."

    Der Akt der Opferung verlief ohne besondere Zwischenfälle. Die Priester walteten ihres Amtes und nach jedem geopferten Rind rief Menecrates:

    "Ihr Götter, wir, die neuen Consuln Roms, bitten euch, nehmt dieses Opfer an."

    Obwohl Menecrates nicht als Opferherr fungierte, zeigte er sich von der Annahme des Opfers erleichtert. Die Handlungen heute halfen ihm beim Erreichen seines ganz persönlichen Ziels, das er sich als potentiell neuer Consul Roms gesteckt hatte. Sie stellten ein solides Fundament dar, auf das er bauen konnte. Innerlich beruhigt folgte er den anschließenden Ehrungen. Als schließlich sogar zwei seiner Klienten eine Ehrung erhielten, freute er sich, als wären es seine eigenen. Erfreut hörte er außerdem die Bestätigung, dass er nach Iulius auch Vibius in den Stand eines Ritters verhelfen konnte. Hochrangige Klienten strahlten auf ihn zurück. Außerdem half er gern und er würde sogar beide Offiziere in seine zukünftige Arbeit als Consul einbinden, sollte der Wahlkampf und die anschließende Wahl nach Wunsch verlaufen.
    Alles lief bestens und so genoss Menecrates den Tag und die Zeremonie, bevor er zuversichtlich in die Zukunft blickte.

    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    Och, ist ja bald Weihnachten. Ich hab' jetzt allen einfach mal ein zusätzliches Regal spendiert. :D


    Ab sofort passt etwas mehr Post in den Posteingang bzw. -ausgang.


    Das ist wirklich genial! :app: Dankeschön!

    Menecrates wäre zwar gerne zuerst die Festtage ohne oder mit überschaubarem Rahmenprogramm durchgegangen, da er aber allgemein gefragt hatte, durfte er sich nicht wundern, wenn nun alle Vorhaben zur Sprache kamen. Gleichzeitig freute er sich über die ersten umfangreichen Pläne. Das versprach viel Zerstreuung für das Volk, was Zufriedenheit nach sich zog. Das wiederum sollte sich positiv auf die Stabilität Roms auswirken.
    Er machte sich Notizen, dann blickte er auf.
    "Danke, das ist ein guter Anfang und zugleich ein ordentliches Programm für einen Einzelnen." Es schien so, als würde seine eigene Bürde kleiner ausfallen als befürchtet. "Tierhetzen zu den Saturnalien sind gesetzt, Gladiatorenspiele an den Compitalia ebenfalls. Waaagenrennen…", Er zog das Wort etwas in die Länge, weil er zeitgleich überlegte. "… zu den Equirria sind naheliegend, allerdings bin ich der Ansicht, dass wir hier beratschlagen müssen. Beratschlagen deswegen, weil ich - anders als es Aedil Aurelius in Erinnerung lag - bevorzugt am Festtag der Concordia und höchstens alternativ zu den Ludi Palatini, nicht aber zu den Ludi Plebei selbst Wagenrennen ausrichten wollte. Die Ludi Plebei können, wie es die Tradition vorsieht, von den Aediles ausgerichtet werden."
    Von einer Handgeste begleitet unterbreitete er ein Angebot.
    "Wir können jetzt beide Termine mit Wagenrennen abdecken, wir können genausogut Vorläufe am Festtag der Condordia abhalten und das Finale zu den Equirria oder aber wir arbeiten nicht losgelöst voneinander, sondern zusammen." Sein Gefühl spielte keine Rolle. Hier im Senat und bei sachlichen Entscheidungen zählten nur Logik und Verstand. Zu Kompromissen zeigte er sich bereit und sich selbst nahm er nie übermäßig wichtig.


    Anschließend schlug er noch einmal den Bogen zum eingangs angesprochenen Festtag, weil der drängte.
    "Um den unmittelbar anstehenden Festtag zu Ehren des Faunus ins Spiel zu bringen, hier plane ich nicht das Initiieren von Tänzen. Das mag auch mehr den ländlichen Gebieten vorbehalten bleiben. Was ich aber plane, sind Opferungen an beiden Seiten des Tibers zum Abschluss dieses Festes. Ich spreche von den Tiberinalia. Hier bräuchte sich kein anderer Magistrat bemühen. Wie es mit der Priesterschaft aussieht, muss ich noch in Erfahrung bringen."

    Kaum hatte sich der Zug formiert, kam er zum Stillstand, denn es folgte ein symbolischer Akt.
    Mehrere kräftige, zumeist junge Männer, die angesehenen Familien entstammten und selbst oder deren Väter Klienten des Claudiers waren, trugen die Sedia Gestatoria heran. Auf dem Gestellt war der Curullische Stuhl befestigt, der - wie schon zu Zeiten der Praetur - Menercrates' Amtsstuhl darstellte. Sie setzten das Gestell samt Sella Curulis ab, sodass der Consul Platz nehmen konnte. Beim Anheben bemühte sich Menecrates, das unvermeidbare Schaukeln auszugleichen, damit der Akt eine würdevolle Ausstrahlung beheilt.
    Nachdem die Liktoren ihre Fasces in die Höhe hielten, setzte sich der Zug erneut in Bewegung. Sie ließen die Curia Iulia hinter sich, passierten den Concordiatempel und erklommen anschließend die Steigung, die zum Capitol führte.


    Das Ziel der Prozession stellte der Tempel von Iuppiter Optimus Maximus Capitolinus, von Iuno und Minerva dar. Erst auf dem Capitolinum, genaugenommen dem Tempelvorplatz wurde das Tragegestell samt Consul abgesetzt. Durchaus froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, entstieg Menecrtes dem Stuhl. Sein Blick erfasste die angetretene Priesterschaft sowie die bereitstehenden Opfertiere. Die weißen Rinder machten einen gleichmütigen Eindruck, was auf eine gute Vorbereitung hindeutete. Vermutlich bekamen sie etwas mehr als üblich von der einschläfernd wirkenden Tinktur.

    Menecrates nickte mehrere Male bedächtig und stellte sich gleichzeitig Szenarien vor. Er kam letztlich in seinen Überlegungen zu einem positiven Schluss, den er mit geöffneten Händen in einer schweifenden Armbewegung ankündigte.


    "Warum nicht? Ich vertrete die Auffassung, dass produktive Arbeit dort am besten gelingt, wo Diskrepanz sich in Grenzen hält, hingegen wertschätzendes Auftreten und Einvernehmen tonangebend sind. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mittels deiner Unterstützung für Rom das Bestmögliche während einer Amtszeit zu bewirken. Umso mehr möchte ich nun deine Kandidatur unterstützen."


    Flüchtig warf er noch einen Blick in eine ungewisse, aber angestrebte Zukunft. "Ich würde dich, sollte der Fall eintreten, dass unser beider Kandidatur erfolgreich ist, als rechte Hand ansehen. Bei Eignung würde sich die Eigenverantwortlichkeit sukzessive vergrößern. Ich müsste dann noch mehr über besondere Eignungen, Vorlieben und Fähigkeiten deinerseits erfahren, aber alles zu seiner Zeit. Überlassen wir den Göttern, unsere Schritte zu lenken."

    Zum ersten Mal trat Menecrates als Princeps des Gremiums vor seine Kollegen. Als ältester der beiden höchsten Amtsträger gebührte ihm das Wort. Er verinnerlichte den Augenblick nur einen Atemzug lang, um nicht zögerlich zu wirken.

    "Ich begrüße euch, Patres Conscripti, zu unserer ersten Sitzung der neuen Legislaturperiode. Ein Jahr lang bin ich mit meinem Kollegen für alle Belange euer Ansprechpartner. Wer speziell mich sprechen möchte, erreicht mich am sichersten in meiner Villa auf dem Mons Esquilinus. Das Personal ist instruiert, Senatoren ohne Verzug vorzulassen. Wer sicher gehen möchte, mich anzutreffen oder mich ohne längere Wartezeit sprechen will, der möge sich im Vorfeld um einen Termin bemühen. Ansonsten denke ich, Voranmeldungen werden zumeist nicht notwendig sein."

    Er schaute in die Runde und wartete, ob Nachfragen kamen. Anschließend ging er zur Tagesordnung über.

    "Kommen wir zum ersten Thema. Es beinhaltet die kultischen Pflichten. Ihr erinnert euch vielleicht, ich hatte mich bei meiner Kandidatur dazu verpflichtet, alle Staatsopfer selbst auszurichten, die nicht von einem Priester oder Magistraten durchgeführt werden. Bevor wir zu den morgen beginnenden Festtagen des Faunus kommen, wo ich besonders auf den Abschlusstag ANTE DIEM VI ID DEC DCCCLXVII A.U.C. (8.12.2017/114 n.Chr.) hinweisen möchte, frage ich einmal in die Runde, ob ein amtierender Magistrat bereits Pläne für einen speziellen Festtag getroffen hat. Das würde ich notieren, um Dopplungen zu vermeiden."

    Wieder schaute er in die Runde.

    Die Frage nach seinen Plänen überraschte Menecrates im ersten Moment, denn aus reiner Höflichkeit erwartete er eine solche Nachfrage nicht. Er hörte außerdem ernsthaftes Interesse heraus, weswegen er eine kurzen Überblick gab.
    "Ich habe mir zwei Schwerpunkte gesetzt, die beide die innere Sicherheit Roms wiederherstellen bzw. sichern sollen. Ich möchte dazu eine Projektgruppe ins Leben rufen, die sich einzig damit beschäftigt, die Ursachen für die schweren Unruhen der letzten Wochen, ja Monate herauszufinden. Sie soll außerdem ein Konzept erarbeiten, wie diese gefunden Ursachen beseitigt werden könnten und das Ganze dem Senat präsentieren, der anschließend das weitere Vorgehen beschließt. Der zweite Schwerpunkt gilt der lückenlosen Durchführung sämtlicher Staatsopfer. Wir brauchen der Götter Unterstützung, sind aber zunächst in einer Bringschuld."
    Vielmehr glaubte er sogar, dass in der Vergangenheit zu nachlässig geopfert und gesühnt wurde.

    Menecrates nickte, als Scato die Möglichkeiten aufzählte und gleich die Begründing mitlieferte. Lange überlegen musste er allerdings nicht.
    "Ich schätze an dir deine Höflichkeit", begann er mit einer Feststellung, die nur bedingt auf das Thema einging, die ihm jedoch ein Bedürfnis war kundzutun. "Es gibt zwei Gründe, weswegen ich die Villa Flavia für das Fest bevorzuge. Zum einen nehme ich mich selbst nicht übermäßig wichtig und zum anderen schätze ich die Traditionen." Er hielt kurz inne, bevor er fortfuhr. "Ich bin überrascht, dass das Kaiserpaar bereits sein Kommen zugesagt hat. Das verpflichtet natürlich, ein repräsentatives Fest auf die Beine zu stellen. Am Geld soll es nicht scheitern, jedoch kosteten umfangreiche Vorbereitungen jede Menge Zeit. Tja, und Zeit ist in der Zukunft bei mir eher Mangelware." Über diesen Punkt machte sich der angehende Consul tatsächlich Gedanken. Sein Amt würde ihn vollständig vereinnahmen. "Hast du diesbezüglich Vorschläge?"