Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Wie um diese Jahreszeit nicht anders zu erwarten, lagen die Temperatur recht weit unten an diesem besonderen Morgen im Leben des Claudiers - seiner Amtseinführung als Consul. Kaum hatte der Tag begonnen, traf er sich mit dem Augur Iulius zum Einholen der Auspizien.


    Mit dem Ergebnis zeigte sich Menecrates zufrieden, als er in seine Villa zurückkehrte, um sich die Toga praetexta anlegen zu lassen. Klienten, Freunde und Angestellte bekundeten ihre Unterstützung und erwiesen ihm mit ihrem Erscheinen zur Salutatio Respekt. Nach dem zeremoniellen Akt versammelte Menecrates seine nunmehr zwölf Liktoren und begab sich auf den Weg zum Forum.
    Andere Magistrate stießen hinzu und so entstand eine gemeinschaftliche Prozession mit den Ziel, die Amtsträger auf dem Forum Romanum der Öffentlichkeit vorzustellen und ihren Amtseid abzunehmen.


    Im Anschluss begann Menecrates' ganz persönliche Prozession, der Processus Consularis, zum Capitol. Das erklärte Ziel stellte der Iuppiter-Tempel dar. Ritter bildeten die Spitze, ihnen schlossen sich die vielen claudischen Klienten an. Menecrates folgte ihnen, und ihm selbst folgten die Senatoren. Bürger verfolgten die Handlungen und folgten schließlich auch der Prozession.

    Bei dieser Ernennung verspürte Menecrates Aufregung, denn keine besaß annähernd die gleiche Bedeutung wie die heutige. Gleichzeitig erfüllte ihn Stolz und das in besonderem Maße. Außerdem stellte dieser Akt den Startschuss für eine Zeit voll Tatendrang dar, während er die Tage nach der Wahl zu etwas Erholung nutzte.


    Mit der ihm eigenen Ernsthaftigkeit legte er seinen Amtseid ab.


    "Ego, Herius Claudius Menecrates, hac re ipsa decus imperii romani me defensurum, et semper pro populo senatuque imperatoreque imperii romani acturum esse sollemnitter iuro. Ego, Herius Claudius Menecrates, officio consulis imperii romani accepto, deos deasque imperatoremque romae in omnibus meae vitae publicae temporibus me culturum, et virtutes romanas publica privataque vita me persecuturum esse iuro.
    Ego, Herius Claudius Menecrates, religioni romanae me fauturum et eam defensurum, et numquam contra eius statum publicum me acturum esse, ne quid detrimenti capiat iuro.
    Ego, Herius Claudius Menecrates, officiis muneris consulis me quam optime functurum esse praeterea iuro. Meo civis imperii romani honore, coram deis deabusque populi romani, et voluntate favoreque eorum, ego munus consulis una cum iuribus, privilegiis, muneribus et officiis comitantibus accipio."

    Die Hoffnung, der junge Gracchus würde das Thema erahnen und aufgreifen, erfüllte sich leider nicht, weswegen Menecrates innerhalb von Sekunden entschied, es nicht zu vertiefen. Es handelte sich ja auch wirklich nicht um seine Angelegenheit.
    "Ach, das ist auch nicht so wichtig", wiegelte er ab. Eine Handbewegung untermauerte die Aussage. "Wichtig ist jetzt erst einmal der nächste angestrebte Schritt: für dich die Quaestur, für mich das Consulat." Trotzdem huschten ihm Bilder durch den Kopf, die ihn in der Zukunft gemeinsam mit dem jungen und alten Gracchus zeigten. Den einen mochte er, dem anderen vertraute er nicht bzw. nicht mehr. Er wusste nicht, wie er solche Situationen meistern würde, aber er wollte sich auch nicht den Kopf über Dinge zerbrechen, die sich bislang nur in seiner Fantasie abspielten. Dabei fiel ihm ein, dass nicht nur der Senat, sondern auch die Familie eine Plattform für solche Begegnungen darstellte. Scato und Sassia verbanden ein weiteres Mal die beiden patrizischen Häuser, was Menecrates grundsätzlich befürwortete.

    Sein Blick streifte Silana und blieb an ihr haften. Zum ersten Mal kam ihm der Gedanke, seine Enkelin könne sich für den jungen Gracchus interessieren. Sogleich sandte er einen prüfenden Blick zu seinem Gast, bevor er wieder Silana betrachtete. Er nahm sich vor, in einer ruhigen Minute dieses Thema anzusprechen, denn er wollte im Bilde sein.

    Lange musste Scato nicht warten, denn die Cena nahm in Menecrates' heutigen Tagesplan einen festen Platz ein. Er wollte nur bis zum Eintreffen seines Gastes jede Minute ausnutzen, weswegen er sich bis zuletzt noch in seinem Arbeitszimmer aufhielt. Während Scato ins Atrium geführt wurde, flitzte aber bereits ein Sklave, um den Hausherrn zu verständigen. Der bog wenig später gut gelaunt um eine Statue, die am Eingang des Atriums start, und trat ein. Grund zu guter Laune gab es genug: Der anstrengende Wahlkampf lag hinter ihm - zudem erfolgreich, er freute sich auf seine Amtzeit, die Geschäfte liefen gut und die Götter schienen es ebenfalls gut mit ihm zu meinen.


    "Ich grüße dich, Scato!" Er trat heran und umfasste den Arm seines Gastes. "Dann lass uns heute ein glanzvolles Fest planen", fügte er an. "Oder schwebt dir lieber eine Vermählung im kleinen Kreise vor?" Er ließ sich von einer Sklavin ebenfalls Wein einschenken, gab aber durch Zeichen zu verstehen, dass er ihn sehr verdünnt wünschte. Ein weiterer Becher wurde knapp über dem Boden gefüllt, allerdings mit unverdünntem Wein. Menecerates beabsichtigte nicht, den Göttern die zwar edle, aber eben stark verdünnte Plörre anzubieten, die er selbst trank.


    "Ich habe Sassia bislang nicht auf dieses Thema angesprochen. Ich weiß, dass sie alles annehmen wird, was wir zwei uns ausdenken, aber wie gesagt, ihre ureigensten Vorstellungen kenne ich nicht. Du?"

    "Das habe ich mir bereits gedacht", erwiderte Menecrates und nickte, während er sprach. Gracchus dürfte diese Aussage nicht überraschen. Die Zeit des Wahlkampfes hatte begonnen und nach dem Tribunat folgte häufig die Quaestur. "Und um es vorweg zu nehmen, ich werde deiner Bitte entsprechen." Er ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er seine öffentliche Unterstützung demnächst stark limitieren würde, was aber nichts an dieser Zusage änderte. Der junge Gracchus hätte auch zu einem späteren Zeitpunkt Förderung erhalten.
    Flüchtig schaute Menecrates zu seiner Enkelin. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass derlei Themen eine junge Frau interessierten. Falls aber doch, dann wüsste er es gern.


    Zunächst wandte er sich seinem Gast wieder zu. "Ich erzähle dir jetzt gewiss nichts neues, aber mit der Quaestur eröffnet sich dir die Möglichkeit, Senator zu werden." Er suchte nach passenden Worten ... "Ähm, dein Vater IST bereits Senator, wenn auch aktuell nicht anwesend, und du unterstehst seiner Patria Potestas." Hoffentlich erkannte der junge Gracchus, worauf Menecrates hinaus wollte. Aus Neugier stieß der Claudier das Thema nicht an, vielmehr um seinen Gast auf diesen Punkt aufmerksam zu machen.

    Menecrates fing den Blick auf und um langen Diskussionen hin wie her zuvorzukommen, gab er weitgehend zu Beginn der Diskussionsrunde seine Meinung kund.
    "Flavius Gracchus Minor besaß meine Unterstützung während seines Wahlkampfes und ich kann mir sehr gut vorstellen, ihn als Quaestor Consulum zur Seite gestellt zu bekommen."


    Nun oblag es den anderen Senatoren, ihre Meinung über die Eignung der gewählten Quaestoren zu äußern.

    In Begleitung von Avianus betrat Menecrates sein Arbeitszimmer.
    "Avianus, ich möchte, bevor die Amtszeit beginnt, alles andere abgeschlossen haben, was noch zu klären ist. Dein Vater hatte doch die Meldung für die Veneta bei mir abgegeben. Du erinnerst dich, das Wagenrennen?" Eigentlich eine überflüssige frage, denn Avianus war darin eingebunden gewesen. "Der Siegerpokal ist offensichtlich abgestellt und vergessen worden. Gehst du bitte zu den Factioräumen der Veneta und fragst an, ob Interesse besteht, den Pokal anzunehmen oder ob er irgendwem oder irgendwas gestiftet werden soll."

    Menecrates, der noch mit Einrichten und Organisieren beschäftigt war, hob den Kopf, als der junge Iulius eintrat. Er grüßte mit einem Kopfnicken zurück und nahm die Glückwünsche mit dem Anflug eines Lächelns entgegen.
    "Danke, Avianus. Ab heute möchte ich dich gerne so nennen, denn immerhin werden wir im kommenden Jahr viel miteinander zu tun haben." Wie unschwer zu erraten, besiegelte Menecrates das angedachte und zunächst nur auf Probe laufende Tiro Fori des Iuliers.
    Er trat hinter dem Stehpult hervor und wies mit seiner Hand Richtung Tür. "Lass uns in mein privates Arbeitszimmer gehen. Dieses wird erst in Kürze zur Verfügung stehen." Er ging voraus.

    Als die Ansprache begann, konzentrierte sich Menecrates ganz auf die Zeremonie. Jeder Römer und auch ein Kaiser brachte persönliche Eigenarten bei der Kommunikation mit den Göttern ein, was den Claudier - über die große Bedeutung des Aktes für Rom hinaus - sehr interessierte. Er achtete auf die Wortwahl, auf die Gestik und stellte fest, dass der Rückblick auf die Gründung Roms sehr passend auf ihn wirkte.
    Das mit der Umrundung verstand er nicht sofort, erst als sich die Prozession in Gang setzte. Ein wenig erinnerte ihn der Zug an sein eigenes Staatsopfer vor Monaten, das - obwohl auch ein großer Staatsakt - verhältnismäßig klein dagegen wirkte. Hier sühnte man in anderen Dimensionen, was hoffentlich eine Aussöhnung mit den Göttern brachte. Daran, und an nichts anderes, wollte Menecrates nun denken.

    Menecrates verfolgte zwar die Debatte, konnte sich aber bisher nicht zu einer Befürwortung oder Ablehnung durchringen. Als das Stichwort Abstimmung fiel, bat er um das Wort und erhob sich anschließend von seinem Platz.

    "Patres Conspritpti, ich weiß nicht, ob es vielen von euch ähnlich geht wie mir oder ob ich zur Minderheit gehöre. Ich halte eine Abstimmung jedenfalls für verfrüht. Fast glaube ich, dass einige - mich eingeschlossen - aktuell zu einer Enthaltung tendieren, dabei halte ich den Grundgedanken dieses Vorstoßes sogar für gut. Nach meiner Ansicht ist das Thema aber nicht genügend ausgegoren und ehe Gegenstimmen das gesamte Konzept beerdigen, möchte ich vorschlagen, diese Debatte zu einem späteren Zeitpunkt erneut vor den Senat zu bringen. Als geeigneter Zeitpunkt erscheint mir der Tag, nachdem die Ergebnisse der von mir geplanten Projektgruppe zu den Ursachen der Unruhen dem Senat präsentiert werden. Kennen wir die Ursachen, wissen wir, was abgestellt oder verbessert werden muss. Das betrifft dann möglicherweise sogar besonders diesen Entwurf von Senator Iulius. Ich vermute ohnehin, dass die schwelenden Unzufriedenheitsherde in den unteren Schichten der Bevölkerung zu finden sind.
    Nur jetzt auf bloßen Verdacht hin etwas zu entscheiden und passende Formulierungen zu suchen, fällt mir persönlich schwer.“

    

    "Mach das", bestärkte Menecrates das Vorhaben seines Sekretärs, auch für den eigenen besseren Einblick Erkundigungen einholen zu wollen. "Wenn du zurück bist, werde ich dich nämlich fragen, ob du mit mir zusammen einer Factio beitreten willst. Erstens habe ich dann wenigstens ein Mitglied, das ich kenne, und zweitens hast du jetzt noch mehr Anreiz, einen eventuellen Unterschied zwischen den beiden Factiones herauszufinden." Menecrates zwinkerte flüchtig, bevor er sich schmunzelnd abwandte. "Für heute war es das. Nimm dir für den Resttag frei. Wenn ich gewählt werde, sind im kommenden Jahr freie Stunden eher Mangelware."

    ... aus der Villa Claudia gab einen Brief an der Porta ab.


    Ad
    Caius Flavius Scato
    Villa Flavia
    Roma





    Salve Scato,


    danke für die Glückwünsche.
    Ich entspreche deiner Bitte und lade dich gleich morgen
    ANTE DIEM XII KAL DEC DCCCLXVII A.U.C. (20.11.2017/114 n.Chr.) zur neunten Stunde zu einer Cena in mein Haus.


    Der Götter Segen auch dir!



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    gez. H. Claudius Menecrates



    Der Frage nach dem Zeitpunkt der Übergabe folgte eine schwammige Antwort, zumal Menecrates nicht danach gefragt hatte, wer entscheidet, sondern wann entschieden wurde. Ein "Hm" verriet seine Unzufriedenheit. Immerhin folgte die Erklärung, dass noch einiges zu erledigen sei, und da der Claudier dies keineswegs einzuschätzen vermochte, nahm er die unbestimmten Aussagen wortlos hin. Bisher wurde weder dem Senat noch der Öffentlichkeit der Stand der Ermittlungen unterbreitet. Die Ahnungslosigkeit verdammte Menecrates dazu, der Aussage Glauben zu schenken. So vermutete er auch, dass mit 'Geschäft' die Formalitäten gemeint waren, und nickte.
    "Dann erwarte ich deine Benachrichtigung", sagte er zum Abschluss und stellte damit sicher, dass der nächste Zug von Seiten der Prätorianer kommen müsste. Bis dahin galt es abzuwarten. Solange Morrigan nicht in seinem Eigentum stand, sodass er auf deren Unversehrtheit pochen konnte, gab es nichts, womit er die Prätorianer von ihren 'Erledigungen" abhalten bzw. diese abkürzen konnte.


    Sein Blick umfasste noch einmal Morrigan. Er nickte ihr zu, wandte sich anschließend zur Zellentür und ließ sich den Weg nach draußen zeigen. Er vermerkte gedanklich den Tag, um gegebenenfalls nachzufragen, sollten die Erledigungen über die Maßen lange dauern. Letztlich gehörten die Einblicke in die Ermittlungsarbeit im erweiterten Sinne zu seinem Wahlauftrag, den er sich selbst als Consul auferlegt hatte.

    Als Menecrates das Abstimmergebnis des Senats erfuhr, fiel eine Last von ihm. Noch nie in seiner Laufbahn war ein Wahlkampf derart hart gewesen. Er gönnte sich einige Tage zum Durchschnaufen, dann startete er in die Vorbereitungen. Die Amtseinsetzung eines Consuls unterschied sich wie der Wahlkampf von der eines jeden anderen Magistraten und Menecrates wollte gut vorbereitet sein.
    Als erstes ließ er ein neues Arbeitszimmer herrichten, das deutlich größer als das bisherige war. Nach dem Einrichten begutachtete er das Ergebnis. Eine Kommode ließ er umstellen, damit sein Amtsstuhl ausreichend Platz fand, ansonsten wurde gute Arbeit geleistet. Er nickte zufrieden und ließ anschließend seinen Sekretär Faustus rufen.


    Als dieser eintraf, empfing er ihn gut gelaunt sogleich mit einer Frage:
    "Na, wie findest du meinen Arbeitsbereich? Es wird gleichzeitig auch deiner sein. Schau, dort drüben habe ich einen Schreibtisch für dich hinstellen lassen." Er wies auf ein nagelneues Schreinerstück von erheblichem Wert.
    "Das kommende Jahr wird viel von uns abverlangen, das weißt du sicherlich. Und um ehrlich zu sein, beginnt unser Arbeitsstart schon jetzt, obwohl ich noch nicht einmal vereidigt bin." Dem Claudier stand vor Augen, dass er Faustus bereits mit Erkundigungen über zwei Factiones beauftragt hatte. Trotzdem mutete er ihm eine weitere Aufgabe zu. "Am Tag meines Amtsantritts möchte ich morgens Auspizien einholen. Faustus, nimm bitte schon jetzt Kontakt zu Senator Iulius Centho auf. Ich bitte um seine Dienste als Augur ANTE DIEM III NON DEC DCCCLXVII A.U.C. (3.12.2017/114 n.Chr.)."

    Menecrates interpretierte Morrigans Augenschließen, als wolle sie eigentlich keine Fragen beantworten. Es musste aber einen anderen Grund geben, denn im Anschluss berichtete sie sehr viel mehr als er für die Beantwortung seiner Frage brauchte. Warum sie die Augen schloss, blieb ihm verborgen, denn zum einen fehlte ihm die Fähigkeit, sich in ihre Lage zu versetzen. Wer konnte das schon, wenn er Zeit seines Lebens nie versklavt wurde. Zum anderen fehlte ihm auch die nötige Zeit. Er wollte jetzt auf das achten, was sie sagte und nicht das entschlüsseln, was sie für sich behielt.
    Er glaubte ihr, was sie sagte, weil ihr Blick, ihre Mimik und Stimmlage nichts Falsches enthielten. Sie veränderten sich aber auffällig, sobald sie über die Prätorianer sprach. Und dann stutzte er.
    Zuerst führte sie Gründe auf, warum sie nicht zu den Aufständischen gehörte, erklärte aber im Anschluss, dass sie ein Geständnis abgelegt hatte. "Warum, bei den Göttern, …" Auf die Schnelle konnte sich Menecrates kein seriöses Urteil bilden. "Darüber sprechen wir zu Hause", entschied er, dann drehte er sich zum Offizier der Grade um.
    "Meine Entscheidung lautet: ja." Er nickte noch einmal, um es sich selbst und den Anwesenden zu bestätigen. Das Gespräch nahm ihm die Zweifel, ob Morrigan eine Gefahr für seine Familie darstellen würde. Ihm fehlte zwar noch der Gesamtdurchblick, aber den würde er sich noch verschaffen.

    "Wann kann die Übergabe erfolgen?" Sein Bedürfnis, aus diesem Kerker herauszukommen, stieg von Minute zu Minute. "Und dann wären ja noch die Formalitäten. Wie und mit wem regele ich die?"
    Es gab intern für ihn och mehr zu regeln. Im Hinblick auf sein geplantes Consulat musste er behutsam vorgehen. Im schlimmsten Fall würde es ihm angelastet werden, eine Geständige des Aufstandes bei sich aufzunehmen. Böse Zungen gab es genug, er hatte sie zuletzt während seiner Praetur kennengelernt. Es gab aber auch eine Chance, Rom mit gutem Beispiel voranzugehen. Er hatte während des Wahlkampfes zugesagt, die unteren Schichten anhören und ihre Lebenssituation bessern zu wollen.
    Hin wie her, es würde ein Drahtseilakt werden, solange nicht bewiesen war, dass Morrigan tatsächlich unschuldig gestanden hatte. Andererseits interessierte er sich noch nie für die öffentliche Meinung.

    Zitat

    Original von Claudia Silana
    "Ich arbeite im eigenen Interesse und ich kundschafte, um eine besondere Person zu verstehen," war die Antwort, die nun doch ernster geriet, als sie eigentlich wollte. Also überspielte sie diese Antwort mit einem breiten Schmunzeln. Mist. Sie hatte ihr eigenes Theater gebrochen.


    "Ah, wie interessant", entfuhr es Menecrates, der erst im zweiten Moment auf die Idee kam, dass nicht er, sondern sein Gast gemeint sein könnte. Er selbst konnte sich auch nicht rühmen, in seinem Auftreten und Handeln stets verständlich zu sein. Gerade Silana zeigte bisweilen Verständnisprobleme, wobei diese eigentlich der Vergangenheit angehörten. Zumindest schien es dem Claudier so.
    Offensichtlich spielten aber im Moment alle das begonnene Spiel mit, denn der junge Gracchus favorisierte ebenfalls Menecrates als Objekt der Beobachtung. Da der Claudier jedoch vermutete, das Spiel würde an Brisanz verlieren, wenn er sich als auszukundschaftendes Objekt zur Verfügung stellte, gab er noch etwas Zündstoff nach.


    "Nun, da du dich erfolgreich in unsere Konversation geschmuggelt hast, gebe ich dir den Raum, deine Forschungsarbeit fortzusetzen. Bitte sehr." Er wies mit seiner geöffneten Hand zunächst Richtung Silana, um dann zu Gracchus zu schwenken. Anschließend lehnte er sich bequem zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und harrte gespannt dem erwarteten Schauspiel. Er hoffte, Silana würde ihm das nicht verübeln, aber ganz so leicht wollte er sie nicht davonkommen lassen. Es gehörte sich nicht zu lauschen und lieber eine solche Lektion als mahnende Worte.



    edit: Zitat eingefügt

    Stirnrunzeln, skeptischer Blick und Kinn reiben... dazu die Verwunderung über eine Einladung zur Cena - Menecates fühlte sich von den Göttern vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Sicher, die Idee kam nicht von den Göttern, sondern vom ihm, aber die Umsetzung gestaltete sich derart schwierig, dass er eine göttliche Prüfung vermutete.
    Hätte er sich doch nur nie auf diesen Stimmenfang eingelassen. Sowas lag ihm nicht, er verabscheute es sogar, sich anzubiedern. Aber vom Hörensagen galt es als sehr schwer, die erforderlichen Stimmen für eine erfolgreiche Kandidatur zum Consulart Zusammenzubekommen.


    Nach einem Moment des Nachdenkens fasste er einen Entschluss. Er würde es darauf ankommen lassen und lieber sich selbst treu bleiben als sich hier zu verrenken.
    "Diese Variante ist mir die liebste. Ich werde also versuchen, dich bei meiner Kandidaturrede zu überzeugen." Wenn wirklich nur das zählte, sollte ihm das eigentlich gelingen. "Ich danke für dein Ohr und die geschenkte Zeit."

    Menecrates achtete auf alles - auf die Körperhaltung, die Mimik, vor allem die Augen, auf den Tonfall und natürlich den Inhalt der Aussage. Nichts, was er sah oder hörte, entsprach seiner Vorstellung von einer an den Unruhen Beteiligten. Dass Morrigan schauspielerte, schloss er aus. Dafür war sie zu impulsiv, zumindest so lange er sie kannte, und wäre sie während der Haft gebrochen, würde ihre Stimme eher schleimig als fest klingen.
    Die Diskrepanz zwischen dem, was er vorfand und seinen Erwartungen oder Befürchtungen, veranlasste ihn, über die Schulter zum Gardeoffizier zu blicken. Er fragte sich, ob der genauso überrascht war wie er selbst. Als er sich wieder umdrehte, wirkte er deutlich entspannter.

    "Morrigan, ich bin hergekommen, um dich etwas zu fragen." Zwar legte er längst nicht mehr so viel Wert auf die Antwort, aber hören wollte er sie doch. "Ich brauche deine Antwort für eine Entscheidung." Kurz fragte er sich, ob er sie wirklich brauchte, denn sein Bauch schlug nicht Alarm, stattdessen regte sich sein Verantwortungsgefühl.

    "Ich bin nicht darin eingeweiht, was dir im Einzelnen vorgeworfen wird. Mich interessiert etwas Spezielles: Es hängt damit zusammen, dass zwei meiner Enkelkinder und ich bei den Spielen durch mordlustige Aufständische an Leib und Leben bedroht waren."
    Er fuhr nach einer Atempause fort. Seine Stimme klang ruhig und interessiert, ohne jeden Anflug von Argwohn. "Wie hätte ich dich erlebt, wärst du unverhofft vor mir oder meiner Enkelin aufgetaucht?" Er wusste nicht einzuschätzen, ob Morrigan einen Blick in ihr Innerstes gewähren würde.