Die Musikanten und Sänger strebten - ausgehend von der Mitte der gebogenen Nordseite - ins Rennoval. Sie liefen entlang der frisch aufgeschütteten Spina, winkten den Zuschauern zu ihrer Rechten zu und verbreiteten eine melodische Stimmung, die allerdings im Wettstreit mit dem Zuschauerjubel stand. Den Musikanten folgten die Träger der Statuen und Skulpturen diverser Götter, deren Attribute folgten. Götterbildnisse und Attribute fanden einen vorher genau bestimmten Platz auf der Spina. Die am Rennen teilnehmenden Wagen würden sie mehrfach umrunden.
Zuletzt zog der Wagen mit dem Ausrichter des Wagenrennens Herius Claudius Menecrates an. Ihm folgen zwei Wagen, der eine mit Faustus, der andere mit Avianus. Rechts und links wurden beide Männer von Helfern flankiert: Faustus von zwei Opferhelfern, Avianus von zwei Sklaven, die ihm beim Wurf der Geschenke unterstützen sollten. Mehrere Säcke mit Geschenken befanden sich im Wageninnern.
Menecrates winkte der Menge zu, während sein Wagen in gemächlichem Tempo zuerst die rechte Längsseite des Stadium passierten, den Südbogen nahm und schließlich in der Mitte der linken Längsseite zum Stehen kam. Hier befanden sich die Ehrentribünen, hier saßen die Ehrengäste, die Senatoren und Ritter. Ihnen zugewandt wollte er die Eröffnungsrede halten, die keine Rede im eigentlichen Sinne darstellte, denn sie befanden sich hier nicht auf der Rostra. Hier erwartete keiner Informationen, hier wünschte sich jeder kurzweiliges Vergnügen.
Menecrates wartete, bis alle Götterbildnisse ihren Platz auf der Spina gefunden hatten und die Träger ordentlich aufgereiht bei den Musikanten standen. Die Ordnung einer kleinen Parade musste sein, diesen Anspruch erhob Menecates als ehemaliger Militär. Er hob den Arm und bat um Ruhe.
"Werte Ehrengäste, werte Senatoren, meine Freunde und Bürger Roms!
Das letzte Wagenrennen liegt lange zurück. Deswegen habe ich beschlossen, im Rahmen meines Wahlkampfes, bei dem ich für das Amt des Consuls kandidiere, zu eurer Freude und Erquickung ein solches Rennen zu organisieren.
Ich heiße euch herzlich willkommen und freue mich, dass ihr so zahlreich erschienen seid!"
In der Tat konnte Menecrates kaum einen leeren Platz unter den 30.000 erkennen.
"Lasst euch von der Spannung des Wettkampfes mitreißen, nehmt meine Spenden und Geschenke an, so viel ihr wollt, und habt teil an der Opferung für Iuppiter, dem Schutzgott des Staates und der Gesetze. Ihm habe ich diesen Wettkampf geweiht, damit er uns ein spannendes Rennen ermöglicht und uns in eine friedliche Zukunft weist."
Die Senatoren kannten Menecrates' Wahlkampfthema und die Menge wollte er nicht mit Details ermüden, also führte er es nicht weiter aus.
"Der Rede genug: Ich erkläre den Wettkampf für eröffnet und: Der Beste möge gewinnen!"
Ganz offensichtlich vermissten die meisten Anwesenden Ereignisse wie diese, denn der Jubel nahm teils fanatische Ausmaße an. Die Senatoren und Magistrate würden zukünftig mehr Wert auf derlei Zerstreuung legen und sich diesbezüglich auch mehr engagieren müssen. Eine Erkenntnis, die Menecrates mit in seine Kandidaturrede aufnehmen würde, die er bald würde halten müssen.
Schließlich hob er den Arm und bat erneut um Ruhe. Die Lautstärke senkte sich langsam, aber irgendwann erschien sie Menecrates geeignet genug, einen Wink in Richtung Mitteltor zu geben.
Das Tor öffnete sich und flankiert von Opferhelfern betrat ein weißer Stirn die Sandbahn. Üblicherweise stand ein Opfertier angekettet, aber der Claudier fürchtete um dessen innere Ruhe, wenn der Zuschauerjubel aufbrauste. Dies fand er als beste Alternative.