Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Zitat

    Original von Narrator


    Ähnlich wie bei seinem Amtskollegen befand sich das Haus des Consuls Rabuleius in einem ständigen Belagerungszustand. So wurde Senator Claudius hereingebeten, bekam eine bequeme Sitzgelegenheit angeboten und eine Erfrischung, musste aber auch hier einige Zeit warten. Als dann der vorherige Besucher den Consul verließ, wurde Menecrates ins Tablinum gebeten.
    "Salve Senator Claudius", grüßte der Consul seinen Kollegen freundlich. "Sei willkommen in meinem bescheidenen Heim. Was kann ich für dich tun?"


    Während der Wartezeit legte sich Menecrates die Worte zurecht, verwarf sie wieder und formulierte neu. Sein Anliegen fiel ihm keineswegs leicht, weil er gewöhnt war, alles aus eigener Anstrengung heraus zu schaffen, aber er ahnte, dass diese Kandidatur neue Regeln aufstellte, auch für ihn.
    "Salve, Consular Sextus Rabuleius Strabo!". Seine Anspannung sank wegen der wohltuend einladenden Worte. Sie veranlassten ihn, sofort auf den Punkt zu kommen. "Ich möchte deine Zeit nicht unnötig strapazieren und hoffe, du gestattest mir eine Antwort ohne Umschweife." Er blickte fragend, glaubte keinen Einwand zu erkennen und sprach weiter. "Mir würde sehr viel daran gelegen sein, deine Unterstützung bei meiner Kandidatur zu bekommen. Dabei erscheint es mir fast schon zu simpel, wenn ich als Gegenwert - es ist kein Gegenwert, aber ich denke, du weißt, wie ich das meine - dich zu einem Essen lade. Vielleicht ist es auch so, dass ich bereits dein Wohlwollen genieße, vielleicht müsste ich es aber erst noch erwerben. Ich bin heute gekommen, um dich zu fragen, was ich tun kann, um dich als öffentlichen Unterstützer für meinen Wahlkampf zu gewinnen."

    Zitat

    Original von Narrator
    "Das... ist eine ungewöhnliche Frage", stellte der Consul mit leichtem Zögern fest. Zumindest war er ziemlich überrascht, dass Claudius Menecrates ihn einfach so besuchen kam und geradewegs nach Tipps fragte. "Ich glaube nicht, dass es da ein Geheimrezept gibt. Reden halten, Spiele und Spenden und Opfer veranstalten, potenzielle Verbündete zum Essen einladen, was man eben so macht." Die Frage hatte ihn tatsächlich ziemlich überrumpelt und er hatte auch keine Idee, was Claudius Menecrates vielleicht im Speziellen erwartet.


    Menecrates hörte gut zu, wiegte aber anschließend den Kopf. "Das klingt so einfach, dabei erscheint mir der Wahlkampf für dieses Amt keineswegs leicht. Er stellt alles bisher Gewesene in den Schatten. Mich plagt die Sorge, dass ich etwas Wichtiges versäume. Vielleicht", er wies die leeren Handflächen vor, "schüttele ich im Nachhinein über mich den Kopf, weil ich mir all zu viele Gedanken mache. Wer weiß." Die Antwort des Consuls beruhigte Menecrates ein wenig, wenn auch nicht viel. "Könnte ich dich zu meinen Verbündeten zählen, würde ich der Wahl sicherlich beruhigter entgegensehen. Was müsste ich dafür tun? Würde es reichen, wenn ich dich zum Essen in mein Haus lade?"


    edit: Zitat nachgereicht

    Nach dem Voropfer begab sich die Gruppe der Opfernden, allen voran Menecrates, vor den Tempel. Ein weißes Schaf stand angepflockt und der für die Göttin zuständige Priester sowie einige Opferhelfer warteten bereits. Der rituellen Reinigung des Schafes folgte mit geübtem Handgriff der Kehlschnitt. Blut vergoss sich, während Menecrates murmelte:
    "Mutter Concordia, durch das Opfern des Schafes bete ich ein gutes Gebet. Schenke dem römischen Reich Zusammenhalt und Eintracht. Schenke bitte auch mir etwas von deiner Unterstützung, damitl ich in deinem Sinne als Consul dem Reich dienen kann. Erweise mir die Gnade und nimm dieses Opfer an."


    Die Eingeweideschau begann, von der so viel für Menecrates abhing. Er schaute zu seiner Enkelin und wirkte dabei sichtlich angespannt.

    Das öffentliche Lob, das der Kaiser über Menecrates' letzte Amtszeit äußerte, beinhaltete Anerkennung und Wertschätzung, was den Claudier freute. Eine Wahlempfehlung bedeutete es nicht, was seinen Wert aber nicht minderte.


    Menecrates nickte zustimmend, als der Kaiser fortfuhr, denn er wusste bereits über seinen Klienten, dass die Cohortes Praetoriae ermittelten. "Ich sehe mit Spannung der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse dieser Recherche entgegen. Und ich bin ebenso gespannt, ob sich diese Ergebnisse von denen der geplanten Arbeitsgruppe unterscheiden. Grundlegende Unterschiede dürften nicht zu erwarten sein, aber... Betrachten verschiedene Personen ein und denselben Berg von verschiedenen Seiten, ist ihre Sicht zwangsläufig unterschiedlich. Die einen sehen vielleicht einen Hang mit Bachlauf, die anderen eine mit Sträuchern bewachsene Böschung, die nächsten sehen eine Grasfläche usw., denn alles gehört zu dem Berg. Das bedeutet, jede Sichtweise ist richtig, jede Schilderung muss gehört werden, um ein umfassendes Bild von diesem Berg zu erhalten. So stelle ich mir die Arbeitsweise diese Arbeitsgruppe vor und deswegen strebe ich im Anschluss einen Abgleich mit den Ergebnissen der Cohortes Praetoriae an."


    Der Kaiser wechselte zum nächsten Punkt, den Menecrates als sein Vorhaben erwähnte. "Auf alle Fälle plane ich große Spiele, die unter anderem auch ein Wagenrennen in größerem Rahmen beinhalten als ich es in meinem Wahlkampf anbieten konnte. Die Spiele sollen über mehrere Tage gehen und in der engeren Auswahl stehen die Ludi Palatini im Januar. Der Termin ist aber noch nicht feststehend und abhängig davon, wie die Vorbereitungen laufen. Ganz besonders passend fände ich auch den Festtag der Concordia im Februar, weil sich diese Göttin durch meinen gesamten Wahlkampf zieht. Um ehrlich zu sein, liebäugele ich mit diesem Termin besonders und auch wenn der Festtag nur einen Tag umfasst, bedeutet das nicht, dass die Spiele nur diesen einen Tag währen müssten."

    Der Priester hatte inzwischen die Geweideschau beendet und sich aufgerichtet.
    "Litatio!", klang sein Ruf, der die Stille im Stadium brach. Der letzte Teil der Zerlegung der Opfertiere wurde unter dem Jubel der Zuschauer vorgenommen. Einerseits erfreute sie die Annahme des Opfers, andererseits fieberten sie bereits dem Wettkampf entgegen. Die Helfer flitzten, um die Sandbahn schnellstmöglich freizuräumen. Als das letzte Fleischstück und der Foculus fortgeschafft sowie die Priester die Bahn zum Mitteltor verlassen hatten, verkündete Menecrates:
    "Das Rennen kann beginnen!" Er hob die Hand, um noch einmal um gedämpfte Stimmung zu bitten, weil er noch Ansagen machen musste.

    "Nach dem Ausmarsch wird ein Wagen eine Sonderrunde drehen. Habt acht und fangt gut. Viel Glück!"

    Menecrates lachte vor Vergnügen. Die Lose würden etliche Überraschungen beinhalten. Angefangen über Gebäck und Wein in Amphoren, auch den guten Falerner, gab es Gewinne in Form von Büchern, Grob- und Feinkeramik, Glasbecher und anderes mehr. Zwei größere Preise würden unter den Gewinnkapseln sein. Der zweitgrößte Preis stellte ein Lararium ligneum dar. Der Gewinner würde es geliefert bekommen. Den Hauptpreis verkündete Menecrates selbst.
    "Den Hauptgewinn werdet ihr nicht tragen können." Er lachte erneut. "Ihr werdet ihn führen müssen. Es ist ein Rennpferd aus bestem Stall."


    Sim-Off:

    Preise sind in der WiSim abzuholen.


    Der Auszug der Parade begann. Die Pferde zogen an, die Musikanten spielten während ihres Marsches.


    edit:

    Sim-Off:

    Ich fänd es schön, wenn das Abholen in der Wisim durch das Fangen einer (oder mehrerer) Loskapsel(n) hier ausgespielt wird. Hat jemand nur IDs außerhalb Roms, dann darf auch gerne ohne Post abgeholt werden.

    "Ah, Lieblingsgegner, verstehe", erwiderte Menecrates, dem tatsächlich ein Licht aufging. Diese Möglichkeit hätte er von allein nie in Erwägung gezogen. Auch die weiteren Ausführung fand er schlüssig. "Ja, nachvollziehbar, dass dir überwiegend nur das zugetragen wird, was zugetragen werden soll. Insgesamt hast du mir trotzdem wertvolle Tipps gegeben, die mich weiterbringen."
    Er wiegte zweimal den Kopf, bevor er weitersprach. "Die Entscheidung wird also zwischen der Purpurea und der Praesina fallen. Welche Factio es sein wird, muss ich noch überdenken bzw. abwägen. Einen Makel haben beide, wie ich finde." Er schmunzelte, denn den ersten Makel fand er nicht allzu gravierend. "Es verlangt mir im Grunde nicht danach, mich in eine erklärte Gegnerschaft zu dir zu begeben. Hinzukommt: Einige Mitglieder der Praesina haben sich während meiner Praetur in eindrucksvoller Weise in mein Gedächtnis geschrieben. Auf der anderen Seite bin ich ein Mann, der die Traditionen liebt und die weitaus längere Tradition hat die Praesina vorzuweisen."


    Er blickte zu Faustus und gab ihm durch eine Kopfbewegung zu verstehen, dass sie beide dieses Thema noch erörtern würden. Vermutlich gleich im Anschluss nach dem Besuch Macers.

    Die Wartezeit störte Menecrates nicht im Mindesten. Sie bot vielmehr Gelegenheit, endlich einmal durchzuatmen, denn das straffe Programm forderte Tribut vom Claudier. In den letzten Wochen hatte er einige Kilos abgenommen, obwohl er kaum überflüssiges Fett mit sich trug.
    Als er vorgelassen wurde, grüßte er mit freundlichen Lächeln. "Salve Consular Quintus Ninnius Hasta! Mein Weg hat mich zu dir geführt, weil ich mir ein paar wertvolle Tipps erhoffe, die du mir bei meinem Wahlkampf mit auf den Weg geben könntest. Ich weiß erst jetzt einzuordnen, wie viel mehr an Anstrengung der Wahlkampf für das Amt zum Consul erfordert, dabei möchte ich meine Energie und Erfahrung gern in den Dienst Roms stellen und diesen Wahlkampf erfolgreich bestreiten."

    Um seinen Wahlkampf auch durch die Götter wohlwollend begleitet zu wissen, stand am heutigen Tag die Opferung an eine Gottheit - stellvertretend für alle - auf Menecrates' Wahlkampfprogramm. Er musste nicht lange überlegen, wem er ein Opfer darbringen wollte. Keine Gottheit passte besser zu seinem Wahlkampfthema als Concordia, keine Gottheit brauchte Rom aktuell mehr als Concordia.


    Menecrates kam nicht alleine. Seine Familie begleitete ihn ebenso wie viele Klienten, Hausangestellte, Freunde und Personen, die Menecrates nicht persönlich kannte. Sklaven trugen Gaben. Das Opfertier bezog Menecrates dieses Mal über den Tempel, es sollte eigentlich bereits vor Ort sein.


    Als der Claudier den Tempelvorplatz erreichte, verhielt er den Schritt und sein Blick umfasste die Tempelanlage. "Ich grüße dich, Concordia, Göttin der Eintracht, der Übereinstimmung und Harmonie", murmelte er, bevor er die Schuhe abstreife und die Vorhalle betrat. Hier nahm er - wie alle, die ihm folgten - die rituelle Waschung vor.
    "Möge dieses Wasser alle Unreinheit von meinem Körper waschen wie das Verwandeln von Blei in Gold. Reinige den Verstand. Reinige das Fleisch. Reinige den Geist. So ist es"
    , murmelte er, dann ging er weiter. Vorher zog er den Zipfel seiner Toga über das Haupt, um der Göttin bedeckt gegenüberzutreten.


    Im Tempelinnern stand ein Foculus bereit, unter ihm brannte bereits ein Feuer. Dahinter fiel der Altar mit dem Bildnis der Concordia ins Auge. Priester und Opferhelfer des Tempels hielten sich zurück, denn Menecrates beabsichtigte, selbst zu opfern und die eigenen unblutigen Gaben zu verwenden.


    Nacheinander fanden Weihrauch und Wein den Weg in den Foculus.
    "Oh Concordia, Hüterin der Eintracht, durch das Opfern des Weihrauches und des Weins bete ich ein gutes Gebet, damit du Rom gewogen bist. Und wenn du in deiner Güte darüber hinaus auch mir und meinem Wahlkampf gewogen sein könntest, fühle ich mich über alles geehrt."

    Einer der einflussreichsten Senatoren stand heute auf Menecrates' Besuchsliste. Von Sextus Rabuleius Strabo erhoffte sich der Claudier wertvolle Hinweise für den Wahlkampf und - wenn es besonders gut lief - dessen Unterstützung. Mit großen Erwartungen und noch größeren Hoffnungen beschritt Menecrates, wie immer am liebsten zu Fuß, das nächste Wegstück zu seinem Ziel: der eigenen erfolgreichen Kandidatur.


    Er ließ anklopfen und nach den Öffnen für sich um ein Gespräch bitten.

    In seinem Leben, seiner Laufbahn gehörte dieser Tag zu den ganz besonderen. Die Kandidatur zum Amt eines Consuls lag für ihn Jahrzehnte lang fast unerreichbar weit entfernt, doch für alles kam seine Zeit, sofern man die Ziele hartnäckig verfolgte. Kein Wahlkampf bisher kostete so viel Vorbereitung, so viel Einsatz und auch Geld wie dieser. Heute galt es, das letzte Wegstück zum erklärten Ziel zu beschreiten. Akkurat gekleidet und äußerlich in der gewohnt ruhigen Ausstrahlung begab sich Menecrates zeitiger als sonst zum Senatsgebäude. Während der Wartezeit sah es in ihm jedoch anders aus, die Anspannung drückte ihn. Er wirkte regelrecht erleichtert, als endlich sein Name genannt wurde.
    Mit einem tiefen Durchatmen und Räuspern wischte er die Aufregung weg und richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf den Vortrag.

    "Patres conscripti,
    meine Kandidatur zum Amt eines Praetors liegt nicht lange zurück. Die meisten von euch werden mich kennen, weil ich diesem Gremium ja auch schon sehr lange angehöre. Unseren jüngeren Mitgliedern möchte ich mich aber kurz vorstellen.
    Mein Name ist Herius Claudius Menecrates. Ich bin der älteste Sohn des Senators Marcellus Claudius Macrinius, auch unter dem Agnomen Restitutor bekannt.
    Mein Werdegang ist militärisch geprägt und er führte mich bis zum Legatus Legionis der Legio II Germanica. Meine politische Karriere musste sich immer den militärischen Erfordernissen unterordnen. So lag meine Start in 103, als ich das Amt des Quaestor Provincialis bekleidete, während das vorläufige Ende in 114 liegt, als ich dem Staat als Praetor diente."
    Nach dieser kurzen Zusammenfassung seines Werdegangs und einem schweifenden Blick in die Runde, fuhr er mit dem nächsten zurechtgelegten Teil seiner Rede fort.

    "Ich habe mich schon viele Jahre mit dem Gedanken getragen, einmal für das Amt des Consuls zu kandidieren und obwohl immer längere Abschnitte zwischen zwei meiner Amtszeiten lagen - in denen ich dem Reich an anderen Stellen diente - kandidiere ich dieses Mal sofort. Dafür gibt es auch einen Grund." Er hielt kurz inne, bevor er weitersprach.

    "Jeder Magistrat deckt einen wichtigen Bereich ab. Keinen dürften wir weglassen und doch vertrete ich die Meinung, dass ich den allergrößten Nutzen für Rom im Amt eines Consuls erbringen kann. Ich bin nicht nur überzeugt, in keinem anderen Amt Rom besser dienen zu können als in diesem, ich bin auch überzeugt davon, dass Rom meinen Einsatz braucht. Hinter uns liegen unruhige Zeiten. Ich selbst bin Opfer der Unruhen geworden, meine Familie und meine Nachbarn haben mit Schrecken, manche sogar mit dem Leben bezahlt. Mein Anspruch, mein Anliegen ist es, bei nichts geringerem als der Stabilisierung der inneren Sicherheit mitzuwirken."

    Er bemühte sich um abwechselnde Lautstärke, um unterstützende Gestik und einen durch Redepausen strukturierten Vortrag, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu binde, denn nun folgte der wichtige Teil - die geplante Umsetzung.


    "Sofern ich gewählt werde, könnt ihr Folgendes von mir erwarten:

    Der Senat wird sich intensiv mit der Ursachenforschung für die Unruhen befassen. Dazu plane ich, eine Projektgruppe aus unseren Reihen zu bilden und die Köpfe der Stadteinheiten dazu zuladen. Die erarbeiteten Ergebnisse werden dem Senat und unserem Kaiser präsentiert. Abhilfen werden gefunden und umgesetzt werden müssen.

    Unabhängig vom Ergebnis dieser Untersuchung plane ich, die Zufriedenheit der unteren Bevölkerungsschichten zu erhöhen. Mir ist aufgefallen, dass Spiele, Wagenrennen, Kämpfe und andere für Zerstreuung sorgende Ereignisse rückläufig sind. Bekanntermaßen sorgen aber Vergnüglichkeiten für Zerstreuung und Zufriedenheit beim Volk und das wiederum gewährleistet uns eine erhöhte Sicherheit.

    Um das Wohlwollen der Götter zu gewährleisten und ihre augenscheinliche Unzufriedenheit mit uns zu beseitigen, verpflichte ich mich, jeden Ehrentag einer Gottheit mit einem selbst finanzierten Opfer zu begehen, sofern kein Priester oder anderer Magistrat den jeweiligen Termin abdeckt, auf dass keine kultische Lücke auftritt.

    Ich werde nach einer Lösung suchen, den ärmsten oder auch sich vernachlässigt fühlenden Schichten, regelmäßig Zugang zu den Grundnahrungsmitteln zu verschaffen. Spenden wären ein Ansatz. Vielleicht lassen sich auch staatlich geförderte Lebensmittelausgaben oder Küchen auf die Beine stellen. Auch hier wieder die Schlussfolgerung: Fühlen sich diese Schichten wahrgenommen, ernstgenommen und unterstützt, erhöht das deren Zufriedenheit und das wiederum gewährleistet uns eine erhöhte Sicherheit."


    Menecrates wartete einige Augenblicke, bevor er weitersprach. "Ich versichere euch, dass ich mit aller Kraft und großem Einsatz mein Programm umsetzen werde. Auf dass unser Rom wieder sicher wird, denn eine innere Sicherheit bildet die Grundlage für unsere Anstrengungen, die äußeren Grenzen sicher zu halten.

    Ich danke für eure Aufmerksamkeit und freue mich, wenn ihr mir euer Vertrauen schenkt und eure Stimme gebt."

    Die Gespräche mit einigen namhaften Senatoren lagen hinter Menecrates. Da weitere wichtige Ansprechpartner in anderen Provinzen weilten oder sich auf Reisen befanden, was vor allem die ehemaligen Consuln betraf, beschloss er am heutigen Tag, den amtieren Consul Quintus Ninnius Hastan aufzusuchen. Er hoffte, ihn anzutreffen. Bei vielen anderen hochrangigen Senatoren glückte ihm die Vorsprache wegen deren Abwesenheit nicht. Gefühlt schienen die meisten für ihn wichtigen Personen außerhalb Roms zu weilen.


    Eine seiner Begleitpersonen klopfte an die Tür. Nach dem Öffnen übermittelte er den Wunsch des Claudiers, Consul Quintus Ninnius Hasta sprechen zu wollen.

    Faustus Auswahl, das Opfertier betreffend, stellte Menecrates sehr zufrieden. Das Tier machte einen gesunden und kräftigen Eindruck, sein Schmuck fiel ins Auge. Mittlerweile war es angepflockt. Opferhelfer brachten Schalen mit Wasser für die Reinigung aller am opfern Beteiligten, so auch Menecrates. Der Stier selbst und die Tiere, die noch hinter dem Tor warteten, wurden bereits vorab einer rituellen Reinigung unterzogen.


    Als die Reinigungen samt der Gebete vollzogen waren, gab Menecrates, das Zeichen, mit dem Opfern zu beginnen. Er als Opferherr, bedeckte sein Haupt. "Iuppiter, sei geehrt durch diesen Weihrauch, sei geehrt durch diesen Wein." Weihrauch und Wein gelangten nacheinander in den Foculus. "Hiermit weihe ich diesen Wettkampf Iuppiter, möge er ihm wohlgesonnen gegenüberstehen und uns einen Tag der Freude bescheren!"


    Das erste blutige Opfer - der weiße Stier - galt Iupppiter.


    Menecrates hob die Hände gen Himmel.
    "Iuppiter, mögest du durch dieses Festopfer geehrt werden, mögest du geehrt werden durch den vorherigen Wein. Wir bitten dich, wache über uns - heute und in der Folgezeit."


    Nun konnte der Opferstecher seines Amtes walten.

    Sein Gast rechnete also mit dem Fernbleiben genau jener Factiones, die Menecrates in seinen Recherchen als förderungsbedürftig herausgefunden hatte. Was das für den Wettkampf bedeutet, würde er später durchdenken. Jetzt konzentrierte er sich auf sein nachfolgendes Projekt - die Förderung einer Factio. Und Macer gab mehr Denkanstöße als je erwartet. Vor allem die Direktheit verblüffte Menecrates, mit der sein Gast Position bezog.


    "Ich bin völlig unbedarft", erklärte er schulterzuckend. "Auf die Idee, dass es Abneigungen zwischen den Factiones gibt, wäre ich nicht gekommen, obwohl es wiederum naheliegend ist", gab er zu. " Ich habe bisher weder die Praesina noch die Aurata ausgeschlossen. Die Aurata mit meinem alten Wegbegleiter zu teilen, fand ich sogar recht erstrebenswert, allerdings..." Er machte eine Pause, rieb sich an der Stirn und sprach weiter: "Du hast Recht, ich müsste mit Livianus' Zustimmung einsteigen und ihn erreiche ich ja seit Monaten nicht. Das Thema hatten wir ja schon." Damit erledigte sich diese Factio in diesem Moment. Menecrates beglückwünschte sich selbst, das Thema beim heutigen Treffen aufgebracht zu haben. Der Gedankenaustausch mit Macer brachte ihn weit voran.

    "Ist die Situation in der Purpurea aber nicht genau die gleiche? Senator Matinius ist genausowenig erreichbar, wie ich meine. Bliebe dann nicht nur die Praesina? Ich beabsichtige eigentlich auch nicht, stiller Geldgeber zu werden. Ich MÖCHTE reinreden. Natürlich, ich muss erst Erfahrungen sammeln, aber dann möchte ich gehört werden."

    Am liebsten wäre es Menecrates gewesen, wenn Macer seine aufgezählten Factiosituationen namentlich einer Factio zugeordnet hätte. Das wäre das Servieren auf dem Silbertablett gewesen.

    "Gut, die Situation von Senator Matinius ist eine andere als die von Livianus. Rätst du mir IHN zu übergehen? Du hast die Einblicke, ich das Rätselraten.
    Mir steht außerdem nicht der Sinn nach dem Erhalt von alten Feindschaften. Wäre es denn unvorstellbar, einen neuen Anfang zu machen, wenn neues Personal und neue Lenker die alten Fehden nicht aufgreifen?"
    Er sprach von der Praesina, ohne sich entschieden zu haben.

    "Ich möchte auch meine Empfehlung für den jungen Flavius Gracchus aussprechen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich eher selten zu solchen Aussagen hinreißen lasse. Außerdem vergebe ich nur nach eingehender Prüfung meine Fürsprache."
    Alles Wesentliche war gesagt. Für einen Klienten legte sich Menecrates zwar noch einmal mehr ins Zeug, aber darüber hinaus gab es nur wenige Personen, für die er aufstehen und eine öffentliche Empfehlung aussprechen würde.

    Zitat

    Original von Manius Iulius Avianus
    „Nun wenn du mir einen weiteren Vorschlag erlaubst. Fortuna sollte in der Prozession nicht fehlen. Denn sie wird es Dir danken. Und natürlich die gesegnete Concordia, auch wenn der Aufstand natürlich schon etwas zurückliegt.“


    "Natürlich erlaube ich. Wir sind hier, um im Gespräch den bestmöglichen Ablauf zu finden. Fortuna ist jetzt fest mit eingeplant, die Concordia sowieso."
    Im Anschluss hörte sich Menecrates den Vorschlag zur Verteilung der Geschenke an. "Das stimmt, der Spaßfaktor ist nicht zu unterschätzen. Er kann zwar auch einmal in Handgreiflichkeiten umschlagen, aber unterm Strich erhöht er die Erregung der Menge. Erregung bedeutet Eindruck und viele Eindrücke sorgen dafür, dass die Veranstaltung im Gedächtnis bleibt. Wir nutzen also das bewährte System, das auch bei den Gladiatorenkämpfen angewendet wird. Wir werden Loskugeln und Münzen unter die Zuschauer bringen." Damit griff er sich auch einen von Faustus' Vorschlägen heraus, von denen ihm Münzen am besten gefielen.


    "Fassen wir zusammen: Wir, genaugenommen Avianus plus Helfer, werfen also Münzen und Gewinnkapseln nach der Opferung in die Zuschauerränge. Im Anschluss an den Wettkampf können die entpackten Lose bei einem Stand eingelöst werden. Für Münzen und Lose gilt aber auch, dass die Armkraft nicht weit genug reicht, um den hinteren Rängen eine Chance auf Gewinne einzuräumen. Ihr solltet deswegen so nah wie möglich an der Bande fahren, etwas zum Schleudern bei euch führen und ihr müsst außerdem eine Sonderrunde drehen. Zum Zeitpunkt der Opferung befindet sich der Zug nämlich bereits kurz vor dem Ausgangstor und alle Zuschauerränge rund ums Oval sollen eine Chance auf Gaben erhalten." Er überlegte kurz, bevor er anfügte: "So machen wir das: Geld und Gewinnkapseln, das ist dein Part, Avianus,"
    Er blickte zu Faustus. "Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann, Faustus. Du hast Erfahrung, weißt, worauf du achten musst und somit betraue ich dich gerne mit dem Einkauf des Opfertiers."
    In Gedanken ging er das Event noch einmal in Gänze durch. "Wir haben alles, oder?"

    Menecrates nickte zustimmend. Macer hatte in einem Satz den Gesamtsachverhalt auf den Punkt gebracht.
    "Besser hätte ich den Zusammenhang zwischen Zerstreuung und Zufriedenheit sowie Zufriedenheit und das Gegenteil von Unruhen nicht ausformulieren können. Das ist eine Steilvorlage für meine Kandidaturrede", scherzte Menecrates, der inhaltlich dasselbe wollte. "Aber keine Sorge, ich benutze die eigenen Worte so wie auf der Rostra."


    Während er noch eine Eihälfte verzehrte, ließ er Macers nachfolgende Worte wirken. Mit einer so große Zustimmung zum Plan der Factiounterstützung hätte Menecrates nicht gerechnet. Auf der einen Seite konnte er es nachvollziehen, weil er in seinen Recherchen feststellen musste, dass die Zahl der Wettkämpfe beständig sank. Auf der anderen Seite kannte er Macer fast ausschließlich ausbalanciert und wenig emotional. Er schien tatsächlich für den Rennsport entflammt zu sein und sich über Konkurrenz eher zu freuen als sie zu fürchten.


    "Ich wollte, auch im Sinne meines Wahlkampfes, mich dort einbringen, wo der Karren angezogen werden müsste. Bequeme Ziele haben mich noch nie gereizt. Ich werde abwarten, welche Factiones sich für mein Rennen anmelden und bei denen vorsprechen, die ferngeblieben sind. Das ist der Plan." Er würde dazulernen müssen. Das Gebiet war weitgehend Neuland, aber es schreckte ihn nicht. "Gegen einen hilfreichen Tipp auch in dieser Sache hätte ich nichts einzuwenden." Er schmunzelte. Sie waren längst über die offiziellen Themen zu den privaten gelangt, aber auch ohne Tipp würde sich der Claudier zurechtfinden.

    Die Musikanten und Sänger strebten - ausgehend von der Mitte der gebogenen Nordseite - ins Rennoval. Sie liefen entlang der frisch aufgeschütteten Spina, winkten den Zuschauern zu ihrer Rechten zu und verbreiteten eine melodische Stimmung, die allerdings im Wettstreit mit dem Zuschauerjubel stand. Den Musikanten folgten die Träger der Statuen und Skulpturen diverser Götter, deren Attribute folgten. Götterbildnisse und Attribute fanden einen vorher genau bestimmten Platz auf der Spina. Die am Rennen teilnehmenden Wagen würden sie mehrfach umrunden.
    Zuletzt zog der Wagen mit dem Ausrichter des Wagenrennens Herius Claudius Menecrates an. Ihm folgen zwei Wagen, der eine mit Faustus, der andere mit Avianus. Rechts und links wurden beide Männer von Helfern flankiert: Faustus von zwei Opferhelfern, Avianus von zwei Sklaven, die ihm beim Wurf der Geschenke unterstützen sollten. Mehrere Säcke mit Geschenken befanden sich im Wageninnern.


    Menecrates winkte der Menge zu, während sein Wagen in gemächlichem Tempo zuerst die rechte Längsseite des Stadium passierten, den Südbogen nahm und schließlich in der Mitte der linken Längsseite zum Stehen kam. Hier befanden sich die Ehrentribünen, hier saßen die Ehrengäste, die Senatoren und Ritter. Ihnen zugewandt wollte er die Eröffnungsrede halten, die keine Rede im eigentlichen Sinne darstellte, denn sie befanden sich hier nicht auf der Rostra. Hier erwartete keiner Informationen, hier wünschte sich jeder kurzweiliges Vergnügen.


    Menecrates wartete, bis alle Götterbildnisse ihren Platz auf der Spina gefunden hatten und die Träger ordentlich aufgereiht bei den Musikanten standen. Die Ordnung einer kleinen Parade musste sein, diesen Anspruch erhob Menecates als ehemaliger Militär. Er hob den Arm und bat um Ruhe.


    "Werte Ehrengäste, werte Senatoren, meine Freunde und Bürger Roms!
    Das letzte Wagenrennen liegt lange zurück. Deswegen habe ich beschlossen, im Rahmen meines Wahlkampfes, bei dem ich für das Amt des Consuls kandidiere, zu eurer Freude und Erquickung ein solches Rennen zu organisieren.
    Ich heiße euch herzlich willkommen und freue mich, dass ihr so zahlreich erschienen seid!"

    In der Tat konnte Menecrates kaum einen leeren Platz unter den 30.000 erkennen.


    "Lasst euch von der Spannung des Wettkampfes mitreißen, nehmt meine Spenden und Geschenke an, so viel ihr wollt, und habt teil an der Opferung für Iuppiter, dem Schutzgott des Staates und der Gesetze. Ihm habe ich diesen Wettkampf geweiht, damit er uns ein spannendes Rennen ermöglicht und uns in eine friedliche Zukunft weist."


    Die Senatoren kannten Menecrates' Wahlkampfthema und die Menge wollte er nicht mit Details ermüden, also führte er es nicht weiter aus.
    "Der Rede genug: Ich erkläre den Wettkampf für eröffnet und: Der Beste möge gewinnen!"


    Ganz offensichtlich vermissten die meisten Anwesenden Ereignisse wie diese, denn der Jubel nahm teils fanatische Ausmaße an. Die Senatoren und Magistrate würden zukünftig mehr Wert auf derlei Zerstreuung legen und sich diesbezüglich auch mehr engagieren müssen. Eine Erkenntnis, die Menecrates mit in seine Kandidaturrede aufnehmen würde, die er bald würde halten müssen.
    Schließlich hob er den Arm und bat erneut um Ruhe. Die Lautstärke senkte sich langsam, aber irgendwann erschien sie Menecrates geeignet genug, einen Wink in Richtung Mitteltor zu geben.
    Das Tor öffnete sich und flankiert von Opferhelfern betrat ein weißer Stirn die Sandbahn. Üblicherweise stand ein Opfertier angekettet, aber der Claudier fürchtete um dessen innere Ruhe, wenn der Zuschauerjubel aufbrauste. Dies fand er als beste Alternative.

    Wie es Menecrates zu Ohren gekommen war, stand die Parade ganz im Zeichen von Ehrungen im Zusammenhang mit dem Sklavenaufstand. Auch ohne diesen Hintergrund würde er gerne dem Ereignis beiwohnen, weil sein Herz förmlich aufging, wenn er Soldaten marschieren, Offiziere befehlend und Waffen in Einsatz erlebte. Letzteres würde hier und heute nicht passieren, aber der Waffeneinsatz beim Sklavenaufstand ging dieser Parade voraus. Insgeheim erhoffte sich Menecrates aber auch die eine oder andere Aufklärung in Bezug auf den Sklavenaufstand. Fest stand bisher nur, dass der Aufstand niedergerungen wurde. Sicherlich würde sich den Senat noch mit dem Thema auseinandersetzen, allerdings vermutete Menecrates, dass dies aus Zeitgründen erst nach den Wahlen geschehen würde.


    Die Plätze für die Senatoren fielen schnell ins Auge und er strebte ihnen zu. Als ehemaliger Praetor saß er etwas komfortabler als früher. Er nickte dem Kaiser und den bereits anwesenden Kollegen zum Gruß zu und ließ sich nieder. Ob er wahrgenommen wurde, hinterfragte er nicht, weil sich seine Augen - wie die der bereits Anwesenden - auf den Einzug des Stabes richteten, dessen Ankunft er gerade noch miterleben durfte.

    Menecrates registrierte, dass der junge Iulier logisch denken und kombinieren konnte. Ein Pluspunkt wanderte auf die imaginäre Bewertungsseite. Der erste seiner Art, aber sie standen noch am Anfang der Probezeit.


    "Der Vorschlag ist gut und er ist umsetzbar", resümierte Menecrates. Er schaute zu Faustus, ob der noch eine Alternative wusste. "Die finale Entscheidung können wir trotzdem erst dann treffen, wenn bei Meldeschluss die Anzahl der teilnehmenden Factiones feststeht.
    Kommen wir nun zum nächsten Punkt: Ich möchte die Götter einbinden. Zum einen werde ich beim festlichen Einmarsch Götterstatuen ins Stadium tragen lassen, zum anderen werde ich vor dem Rennen ein Opfer zelebrieren. Keine Gottheit hat zum Zeitpunkt des Rennens seinen Festtag, also habe ich frei entschieden und zwar zu Gunsten von Iuppiter. Er erscheint mir passend, denn er ist Schutzgott des Staates und der Gesetze. Beides wackelte in letzter Zeit und die Sicherheit des Staates ist mein Wahlkampfthema Nummer eins."


    Er ließ die Information kurz wirken, bevor er weitersprach. "Ich habe zwei Aufträge für euch: Erstens benötige ich ein Opfertier, einen weißen Stier. Zweitens möchte ich nach der Opferung beim Ausmarsch der Musikanten, Statuenträger usw. kleine Geschenke verteilen, die in die Zuschauermenge fliegen sollen. Dazu nehme ich gerne Vorschläge entgegen.
    Außerdem werden beim Verlassen des Stadiums wieder Spenden verteilt werden, wozu Sklaven eingeteilt werden müssen."