Beiträge von Manius Horatius Toxis

    Hier musste es sein. Ich betrat den Speisesaal und musste feststellen, dass ich noch der einzige Gladiator war. Dafür waren ein paar Gäste anwesend und einen davon kannte ich ja bereits.
    "Salvete zusammen. Sind die anderen noch nicht da? Hallo Lucidus, wir kennen uns ja schon.", grüsste ich und setzte mich an den Tisch.

    "Das sieht gut aus. So finden wir bestimmt einige handwerker und zukünftiges Publikum. Der Name gefällt mir.
    Gut, Spartacus, ich sehe mich mal um und zeige im das Anwesen, wäre das recht? Dann kann er sich auch schon mal Pläne und so machen. Einen Architekten brauchen wir so oder so."


    Mir fiel nichts mehr ein, was ich sagen oder tun hätte können, deshalb blieb ich einfach auf meinem Stuhl sitzen und musterte die anderen Gäste.

    "Ja, in Tarraco bin ich an so einem Büro vorbeigekommen. Und der hiess... äh...-wie hiess der noch gleich?" Ich überlegte. Doch nur der Slogan fiel mir ein.
    "Sein Spruch ging irgendwie: Sie bauen mit Stein?...- von Architectus Universalis muss es sein. Und das war von Decimus Matinius oder so.
    Jedenfalls ein Architekturbüro, das mit Stein arbeitet. So einen können wir bestimmt brauchen.
    Gut, ich kümmere mich mal darum, aber erst, wenn die genauen Pläne stehen."


    Ich rückte mit dem Stuhl in eine etwas bequemere Lage, mittlerweile war ich etwas vollgefressen. Pollux erfreute sich anscheinend an der regen Aktivität des Wirts.

    Interessiert hörte ich zu. Ich dachte dabei drüber nach, wie die Schlachten im Sand der Arena ablaufen könnten. Zwei Gruppen würde es bestimmt geben... aber die Rede? Würde die jemand halten? Noch wichtiger hingegen war, wie genau man es mit dem Ablauf der Schlacht nahm. Konnte man mit einem Haufen ungestümer Gladiatoren eine Schlacht so genau nachspielen? Ich pflegte Zweifel daran zu hegen. Aber auf jeden Fall würde das Volk vom Schauspiel begeistert sein.
    Ob Sertorius auch verkörpert würde? Mir blieb nur zu hoffen, dass dessen Rolle nicht mich als Darsteller aussuchte.

    Ich war froh darüber, dass die Übergabe sich als so einfach erwies. Wir hatten eine gute Wahl getroffen. Auch gefiel mir die Aussicht, in nächster Zeit hier wohnen zu können. Wenn man das Anwesen aufmöbelte, dann gäbe es einen guten Landsitz ab. Gewiss müssten mir eine kleine Menge an Personal einstellen, doch das würde mit der Zeit wachsen. Ich fragte mich, ob das Gebäude in einem so guten Zustand war, dass wir direkt reinzügeln könnten.


    Mal Spartacus fragen, dachte ich und schwang mich auf mein Pferd, wobei ich etwas Probleme hatte, da keine geeignete Vorrichtung zum Aufsteigen vorhanden war und ich erst seit kurzem einigermassen mit einem Pferd zu reiten verstand.
    Jedenfalls gut genug, um nicht laufen zu müssen, sagte ich mir.


    "Sparta, was meinst du? Können wir mit unserem Hab und Gut direkt hier einziehen?", fragte ich während wir uns Tarraco näherten.

    "Also ich behaupte, da gibt es weniger zu renovieren als beim voherigen Anwesen.
    Im Ernst, ich denke, das ist gut hier. Der Platz eignet sich für einen Übungsplatz, Unterkünfte und eine Küche haben wir hier, dazu noch eine landwirtschaftlich gut geeignete Umgebung. Das ist doch eigentlich genau das, was wir von Anfang an wollten, nicht? Also ich bin dafür, dies ist das richtige Anwesen für eine Gladiatorenschule.", sprach ich mit ein wenig Begeisterung in der Stimme.

    Ich sass da und hörte zu.
    30000 und 12000? Interessant! Ob wir das proportional in die Arena bringen können? 12 Römer gegen 30 Barbaren?, dachte ich. Doch war es nicht meine Aufgabe, die Spiele zu entwerfen, sondern nur, als Darsteller sie auszuführen. Dennoch begeisterte mich die Vorstellung, wieder Centurio in einer Kleinschlacht zu sein. Was ich einmal gelernt hatte, vergass ich nicht so schnell wieder.
    Ob wir auch Speere benutzen würden? Das war eine gute Frage, denn schliesslich hatte der Pilum einen hohen Stellenwert in der römischen Armee, doch bestand die Möglichkeit, dass ein verirrter Pilum einen Zuschauer treffen konnte.


    Ich griff nach meinem Becher Wein und nahm einen kräftigen Zug.

    Nachdem ich mir die Mauern angesehen hatte, schlenderte ich zurück.
    "Nicht schlecht, Spartacus. Wie wir vorhin gesehen haben, ist die Mauer an der westlichen Seite beschädigt. Man erkennt, dass an einigen Stellen mit Feuer hantiert wurde und zum Teil wieder versucht wurde es zu reparieren. Man kann gut Brandflecken erkennen, aber wahrscheinlich müssen wir die Mauern eh neu tünchen. Sie hat einige kleinere und grössere Löcher.
    Wenn wir auf der hinteren Seite auch noch eine Mauer haben wollen, was ich übrigens empfehle, dann müssen wir dort fast die gesamte Mauer wieder aufbauen, bzw. überhaupt neu errichten. Der grösste Teil dieser erbärmlichen Konstruktion besteht nämlich aus einfachen Holzpalisaden.
    In Tarraco habe ich einen Architekten gesehen, der mit Stein baut. Vielleicht sollten wir den engagieren.
    Aber sonst sind die Mauern in einem guten Zustand und das Tor sieht auch noch solide aus, wie Spartacus und ich es gemerkt haben.", grinste ich und endete mit meinem Bericht.


    Ich wandte mich an die drei anderen.


    "Was meint ihr? Wir sollten ja nicht voreilige Schlüsse ziehen, aber in meinen Augen sieht das Anwesen recht brauchbar aus. Ich denke, allzu viel müssten wir nicht mehr renovieren."

    Ich blieb vor dem Plakat stehen. Was ich da zu lesen bekam, sah interessant aus.
    So einen brauchen wir bestimmt noch, dachte ich.
    Wir würden sicher einige Reparaturen aus Stein durchführen. Ich speicherte den Namen und den Standort im Kopf ab und ging des Weges.

    Ich war erfreut über diese Nachricht. Nachbildung der Schlacht, das tönte gut und vielversprechend.


    "Das hört sich ja gut an. Wenn wir hier fertig sind, regeln wir das in der Taverne."


    Damit machte ich mich auf, das Gebäude zu betreten. Grünzeug überall. Das musste ein Zeichen sein, dass hier genug Wasser aufzufinden war.


    Ich betrat den linken Trakt. Ein Gebäude war länglich gebaut. Als ich so durch die Hütte spazierte und meinen Fuss aus Gestrüpp befreite, fiel mir ein, dass dieser Trakt gut für Unterkünfte geeignet wäre.
    Als ich mir die Einrichtung und die einzelnen Zellen vorstellte, musste ich unweigerlich an die Unterkünfte in der Eisenmine denken. Ein schwarzes Kapitel in meinem Leben. Dieser Gedanke liess mich erschauern. Doch ich entsann mich genau an das, was damals passiert war.
    Die ganze Anlage muss ausbruchsicher gebaut werden, dachte ich, und das aus gutem Grund. Nichts war so brutal wie ein Gladiatorenaufstand oder die Flucht eines Mörders, dachte ich bitter.
    Nein, ich würde aus meinen Erfahrungen lernen.


    Ich rief mich zurück in die Wirklichkeit, auf den Boden des Raumes, durch dessen Fenster warmes Sonnenlicht schien.