Beiträge von Medicus Germanicus Avarus

    "Oh sieh ersteinmal zu, das du deine gestellten Aufgaben meisterst. Sollte dir jedoch in Alexandria der Praefectus Corvus oder seine Frau Aelia über den Weg laufen, richte ihnen meine besonders herzlichen Grüße aus."


    Zwar wollte der Senator jenem Verwandten und natürlich auch seiner liebreizenden Frau sowieso noch schreiben, wußte aber nicht, wer dabei schneller in Aegypten war. Der junge Aelier oder sein Brief an die Verwandten.


    "Dir auch, vale."


    Der Sklave von der Tür würde den Mann hinausführen.

    "Fein, fein..." zu mehr Ausdrucksstärke kam er nicht, denn der Schreiberling kam endlich herein und platzierte sich auf seinem üblichen Schemel. Avarus diktierte ihm ein Schreiben an Crassus, was jener Scriba hinterher noch einmal fein säuberlich verfasste und danach zum Nachlesen an den Senator zurück gab. Jener drückte noch sein Siegel auf und pustete es kalt.


    Salve Crassus,


    ich schreibe dir in einer Angelegenheit des Cursus Publicus und meiner ehemaligen Funktion als Legatus Augusti cursu publico.


    Mir stellte sich ein junger Aelius vor, welcher sich um eine Anstellung bei der kaiserlichen Post bemüht. Seine Abstammung und praktikablen Referenzen haben mich in einem Gespräch in meiner Casa dazu bewogen ihm dieses Schreiben mitzugeben. Meiner Ansicht nach ist Caius Aelius Archias dazu befähigt als Stationarius von Alexandria in den Dienst des Cursus Publicus zu treten. Die letztendliche Entscheidung liegt jedoch bei dir.


    So verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,


    [Blockierte Grafik: http://www.ostheim21.de/Imperium/Sig_Avarus.gif]


    ANTE DIEM XIII KAL FEB DCCCLVIII A.U.C.


    "Hier nimm..." Avarus reichte die Schriftrolle hinüber. "Mit etwas Glück wirst du bald eine Anstellung beim Cursus Publicus haben. Kommt eben ganz drauf an, wie Caecilius Crassus gelaunt ist." Vielmehr konnte der Senator jetzt nicht tun. Sollte der junge Mann am Praefecten scheitern, stand es ihm frei nochmal in der Casa Germanica vorbei zu schauen.

    Für den Aedilen Avarus waren jene Vorführungen schon immer stink langweilig gewesen, wenn Rezitoren großer Werke oder Künstler eigener Stücke im Theater dem monumentalen Possen fröhnten und mit Stimmen ihrer Gleichen epischen Darbietungen für Unterhaltung sorgten. Vielmehr lag ihm da die spöttische, gespielte Darstellung einfacher Wanderschauspieler.


    "Oh ich finde oft den Schlaf bei monströsen Darbietungen alter Schriftsteller wie Ovid, Homer, Aeneis... und ich denke dem einfachen Volk sind sie schlicht zu hochtrabend. Nein ich dachte eher an etwas leichtere Kost. Diese steht und fällt allerdings mit einem eingereichten Auftrag. Es ist wohl nicht verwunderlich, wenn ich sage, das ich mich nicht selbst auf der Bühne produzieren will."


    Trotz des offensichtlichen Scherzes, mußte Avarus selbst etwas lächeln und griff zu einer weiteren Handvoll Trauben. Erst als sie verschlungen waren und sein Blick keine neuen Ereignisse aus der Tiefe der Arena brachte, eröffnete Germanicus Avarus wieder das Gespräch... weiter im Text.


    "Das ist wohl wahr. Zuviele dieser Factiones scheinen in den letzten Monaten ihre Aufgaben unregelmäßig nachzukommen und dabei ist es doch gerade das Wichtigste die Fahrer, die Gespanne und Tiere in einem regelmäßigen Trainingszustand zu halten. Nun ich kenne das Elend auch von der Veneta. Leider hat man damals einen Aristrokraten die Führung übertragen. Seitdem hört man nicht mehr das Beste, trotzdem hoffe ich das die vorhandenen Stärken ausreichen auch zu diesem Wettkampf ganz vorn mitzufahren."


    Er grinste, auch wenn die factionale Situation eigentlich keine Freude versprühte. Fakt war aber auch, das alle anderen hochdekorierten Mitkollegen keinerlei Freiraum hatten es selbst besser zu machen. Besser wohl einen Trainer zu suchen, der sich der Factio täglich und vorallem tiefgründig widmen konnte. Doch auch diese Probleme gehörten nicht unbedingt hierher. Immerhin war ihm schon eine offene Kritik rausgerutscht und jene Worte würden die Favoritenposition krieseln lassen. Wenn die Gespanne der Gegner allerdings darauf bauten und dann doch den Kürzeren zogen, war so ein gestreutes Gerücht auch was wert. Wie er es drehte, es war vielleicht garnicht mal so verkehrt gewesen.


    "Etwas unsicher bin ich mir noch über den Zeitpunkt, was würdest du sagen, Macer? Eine gute, weiche Bahn wird es wohl erst Ende Februar geben, doch schätze ich mal, das das Volk auf zeitigere Rennen spekuliert. Ich möchte sie nicht unnötig warten lassen. Es wäre zu vermuten, das Stimmen laut werden, die mir vorzuwerfen versuchen mich vor den Spielen zu drücken..."


    Abschätzend blickte Avarus drein. Ein Pater Factiones konnte da sicher seinen Senf dazu geben, was die gefrostete Härte des Circusbodens anbelangte und nebenbei vielleicht auch, was den richtigen Termin betraf.

    "Äh nein, es wurden die vorhandenen Leitungen nur umgelegt und eine daraus gelötete neue Wasserleitung vom selben Durchlass zu den Becken im Keller geführt." Philomelus schien zu überlegen, immerhin war das Jahre her... "Ich erinnere mich, das der damalige Bezirksaquarii davon Abstand nahm das Rohr zu vergrößern, nein ich glaube fast es war so, das er es als unmöglich betitelte. Ja so war es... naja irgendwie lief es trotzdem immer voll, doch seit einer Weile noch viel langsamer als sonst." Der Herr fluchte immer, wenn das Becken nicht rechtzeitig voll war oder die Qualität etwas zu wünschen übrig ließ, deswegen traute sich der Alte eine Bemerkung zu machen, die ihm schlüssig erschien: "Ich glaube irgendeins der Rohre ist zugesetzt. Aber ihr könnt euch das gerne anschauen." Er blickte in den kleinen Vorgarten, der unter dem häuslichen Säulengang zur Straße hin angelegt worden war und in dessen etwaiger Mitte ein Haufen Schieferplatten davon zeugten, das dort etwas abgedeckt war. "Dort..." er zeigte auf die Ansammlung "...ist ein Schacht drunter, aber wir können natürlich auch in den Keller gehen." Die Entscheidung überließ er den Aquarii.









    SKLAVE - GENS GERMANICA

    Für den Senator war der Praefectus Praetorio ein Mann wie jeder Andere in gehobener Stellung. Das mag auch daran gelegen haben, das er den Mythen um diese Funktionherum keinen Glauben schenkte.


    "Ich nehme einmal an, das deine Empfehlung durch einen Aelius dazu gedacht war nicht unbedingt als Postreiter in den Cursus Publicus einzusteigen?"


    Er nahm diese Frage eher als Tatsache und rief einen Scriba herbei. Bis dieser erschien, setzte er den möglichen Titel schonmal fest.


    "Der Stationarius Posten von Alexandria ist vakant. Ich denke die Provinzbeamten von Memphis, Saïs, Naukratis, Babylon und Sebennytus werden erleichtert sein, jene Aufgaben nicht weiter verfolgen zu müssen."


    Wahrscheinlich sah das nun so aus, das der Senator in der Lage war die meisten seiner Stationsstätten aus dem 'FF' zu kennen. Vielmehr entsprach diese Erinnerung aber einem Schreiben, in welchen die Stationarii dieser aegyptischen Städte darum baten eben jene Mehraufwendung durch einen neuen Stationarius in Alexandria abgeben zu können.


    Noch immer war der Schreiber nicht da.


    "Du wirst in Alexandria auf eine völlig fremde Welt treffen, bist du dir dessen bewußt? Ohne dich verunsichern zu wollen, aber die Provinz Aegypten könnte nicht unrömischer sein."

    Ein Aelier wie er nicht besser hätte in die Familiendynastie passen können also. Man legte Wert darauf Sprosse zu züchten, die sich ganz dem politisch motivierten Verwaltungstum widmeten. Avarus konnte das egal sein, trotzdem bemerkte er wiedermal diese Art der Geschichtsschreibung, die sich in manchen Familien durch Jahrhunderte ähnlich las. Noch konnte er mit dem jungen Mann wenig anfangen, denn weder den Hafenmeister von Brigantium kannte er noch waren die bezeichnenden Gelöbnisse auf Kaiser und Staat -oder wohl einem niederen Diener dessen- nichts ungewöhnliches.


    "Nun mal langsam. Als Scriba hast du sicherlich genügend Tabulae ausgefüllt, um dich in den Regalen des Cursus Publicus zurecht zu finden. Ansich denke ich einem Freund wie Callidus nicht diese Bitte abschlagen zu können. Einen Spross aus seiner Blutlinie Arbeit zu geben. Widersächlich regt sich dabei die Tatsache in mir, das es mir nicht zusteht derartige Zugeständnisse außerhalb des Legatenpostens zu machen..." eine kleine Pause folgte. "... aber ich kann dir ein Schreiben mitgeben, das du am Besten selbst in der Castra Praetoria vorbei bringst und zusiehst, das man dich persönlich zum Praefectus Praetorius vorläßt. Jener sollte in der Lage sein, dich in eine Position beim Cursus Publicus zu erheben, wenn er es denn als richtig erachtet."


    Mehr als dieses Angebot konnte der senator nicht tun und letztlich war es auch eine kleine Möglichkeit sich selbst mit Tatendrang auszuzeichen, wenn der Junge die nächsten Schritte in eigener Regie tat.

    Gerüchten zur Folge war das nichteinmal so sicher, ob der Vorherige auch der Nachherige sein würde. Zwar war dem Senator diese Arbeit ans Herz gewachsen, hatte sie sich trotzdem zu einer enormen Belastung seines Tagesablaufes gemausert. Zudem fühlte er sich manchmal einfach nur unterbezahlt oder überqualifiziert für derartiges Einkommen. Das war jedoch nicht alles und so verdrängte er das Gerücht und blickte den Aelier fest an.


    "Auch ich kenne beide bestens. Erstgenannten vornehmlich aus der Arbeit in der Schola und Germanicus Corvus? Nun das erklärt sich wohl von selbst." ;)


    Neugierig war er und wahrscheinlich würde Crassus es gar mögen, wenn Avarus ihm etwas Arbeit einsparte, auch wenn jener PP manchmal dazu neigte es übel zu nehmen, wenn jemand dessen Autorität untergrub. Germanicus Avarus kannte ihn aber wohl lange genug...


    "Was hast du dir denn so vorgestellt für den Cursus Publicus in Aegyptus zu leisten. Was sind deine Referenzen, außer die tatellose Abstammung?"


    ... drang der ehemalige LAcp tiefer in die Materie ein.

    Mit wachsamen Blick lehnte er sich zurück und horchte auf das Anliegen. Es war also von Natur aus ein Streben nach Arbeit. Avarus überlegte einen Moment wußte er nur zu gut, wie vergebens der Cursus Publicus seit Monaten um neue Verwaltungsbeamte warb. Trotzdem war er mit einem Ausflug in die Politik beschäftigt.


    "Soso, ich würde gerne erfahren, was du vom ehemaligen Legatus Augusti cursu publico möchtest."


    Fragte er dann nach und verschränkte die Arme vor dem Bauch.

    So recht wußte der Scriba nicht, ob es erforderlich war den Senator zu rufen. Leider nur hatte er diesem gerade eben einen Gast zugespielt, so wollte er die Möglichkeit nicht außer Acht lassen, selbst mit den Wasserleuten zu komunizieren. Vielleicht schaffte er es ja doch das Problem ohne den Hausherren zu lösen.


    "Hm, ja also als der Pater Gentes einst das Haus erwarb, in dem jetzt mein Herr das Wohnrecht genießt, wurden die Wasserstellen im Atrium und der Culina durch ein denaria - Röhrlie gespeist. Als der Senator Avarus von Mogontiacum nach Rom zog und letztlich dieses Haus übernahm, ließ er es entsprechend der gewachsenen Bedürfnisse umbauen. Seit etwa dieser Zeit ist es manchmal nervig zuzusehen, wie sich die Badebecken im Kellergeschoss zaghaft füllen. Immerhin wird das Wasser dreimal wöchentlich getauscht."


    Der Alte überlegte, ob es gut war die Männer in den Keller zu führen, auf das sie den Anschluss in Betracht nehmen konnten. Entschied sich dann aber doch auf ihre Wünsche zu warten.





    SKLAVE - GENS GERMANICA

    Zitat

    Original von Caius Aelius Archias
    Da Caius den Namen des älteren Wassermannes, der scheinbar von einem Schüler begleitet wurde, gleich zweimal vernahm, konnte er ihn sich auch gleich bestens einprägen. Noch ehe der Aelier einen kleinen Plausch anfangen konnte, öffnete sich jedoch ein kleines Sichtfenster, und Ennius trug sein Anliegen vor. Schließlich war auch Caius an der Reihe, und er trat einen Schritt näher an die Tür.


    »Salve. Ich bin Caius Aelius Archias und würde gern den Senator Germanicus Avarus in einer Geschäftlichen Angelegenheit sprechen.«


    "Soso, geschäftlich also." Philomelus musterte den Mann und winkte dann einen jungen Sklaven heran. "Bring den Gast zum Senator. Er ist in seinem Arbeitszimmer."


    Als Beide gegangen waren, konzentrierte er sich wieder ganz auf die Wassermänner.




    SKLAVE - GENS GERMANICA

    Mit dem Essen war der Hausherr schon zeitig fertig geworden. Jetzt saß er über irgendwelchen aedilischen Dokumenten, die ihm wohl noch die letzten Haare grau werden ließen. Ohne Frage eine Ablenkung kam dabei genau recht.


    Der Sklave klopfte zweimal bis er auf ein 'Herein' die Tür aufmachte und den Gast in die Arbeitsstube des Senators ließ. Dabei stellte er ihn vor: "Herr, Caius Aelius Archias, er kommt geschäftlich..."


    Avarus hob den Kopf aus seinen Unterlagen und blickte beim Eintreten auf die rein kommenden Personen. Wartend erhoffte er sich dieses Anliegen zu erfahren.

    Sowas hatte er gehört, gelesen in der Acta und soweit er es verfolgt hatte auch unter der Rubrik Verhandlungen gesehen. Dem Senator Agrippa mußte daran gelegen sein zu helfen diese Sache aufzuklären. Für Avarus war diese Untersuchung schon zu mysteriös, als das er sie einfach bei Seite legen konnte. Leider waren ja alle beteiligten, begünstigten Männer bereits ins Elysium übergesiedelt.


    "Hm, das von Sulla habe ich gehört. Dort wird der Staat wohl nurnoch von den Hinterbliebenen fordern können, was ihm zusteht. Dio's Auszahlungsvermerk trägt die Bezeichnung 'Agrippa'... wo du mir hauptsächlich dazu einfällst. Hilfreich wäre außerdem Namen der Magistrate von damals zu erfahren. Glücklich würde ich mich schätzen, wenn sie noch am Leben sind."


    Es lag etwas zurück, das konnte Avarus nicht bestreiten. Aber wenn schon seine Vorgänger dazu keine Ermittlung eingeleitet hatten, war es an ihm zu graben, bevor das Gras jene Stelle völlig überwuchert hatte.


    "Nicht Carthago Nova... Namen, das ist was ich brauche."


    Durchaus viel weniger als er in den Händen hatte, ging bald nicht mehr. Seine Nachforschungen liefen derweil immer wieder in Sackgassen und es war müßig neue Wege zu finden der Provinz Hispanien seine verlorenen Schätze zurück zu geben.

    Das es dem Senator Vinicius nicht schmeckte mußte nicht zwangsläufig heißen, das es vermeidbar war, darüber zu sprechen.


    "Ich habe es versucht, aber meine Anfragen wurden mit Stillschweigen beantwortet. Vielleicht ist es seit einigen Jahren gewünscht eher wegzuschauen, denn Worte in Taten umzusetzen. Wenn ich mir die aedilischen Edicte anschaue, muß ich ähnliches vermuten."


    Für die eigene Karriere war es mit Sicherheit förderlicher ein bis zwei Augen zuzudrücken. War es das für die Stadt auch? Avarus zuckte bei diesem Gedanken mit den Schultern. Irgendwie begann selbst er abzustumpfen.

    Da konnte auch Medicus nicht widerstehen. Zwar würde es den Nachmittag in untätiges Vergnügen wandeln, doch sollte sich auch ein Senator ab und an den gesellschaftlichen Pflichten zum Wohle der eigenen Gelüste entziehen. Er drückte Lucilla einen langanhaltenden Kuss auf die Lippen und war wenig später intensiv über ihr...


    Ein bedachtsamer Sklave sorgte dafür, das Hausherrin und -herr für die nächsten Stunden ungestört blieben. Wahrscheinlich würden sie hinterher ein üppiges Mahl einnehmen wollen und Kultur einem langweiligen Abend vorziehen. Das dafür alles gerichtet war, scheuchte jener bedachtsame Diener die anwesenden Sklaven in weitem Bogen um das Atrium herum, darauf fixiert mit origineller und sorgsamer Bedienlichkeit zu punkten.

    Zitat

    Original von Decima Lucilla
    "Danke." wirft Lucilla dem scheidenden Kuhtreiber hinterher. "Richte ihnen unseren Dank und unsere Grüße aus." Schon sind sie aus dem Hof und hinter den Mauern verschwunden.


    "Tja." wendet sie sich an Avarus - und hier offenbart sich die wahre Macht der römischen, senatorischen Matrone. Eine Senatorenehefrau hat nicht zu arbeiten, eine Senatorenehefrau hat nicht (öffentlich) in der Politk herumzupfuschen, eine Senatorenehefrau hat nicht auf dem Forum zu sprechen - und eine Senatorenehefrau braucht sich auch nicht um Fleischberge zu kümmern. Sie bereitet allerhöchstens noch das zu, was ihr Mann erlegt hat, aber dafür hat sie eigentlich auch Gesinde.


    "Der Schlachter soll das Leder zu Picardix bringen, er ist der beste Gerber der Stadt. Wenn es fertig ist, können sie es direkt weiter zu Guccius liefern, ich werde mit dem Meister persönlich wegen meiner Schuhe und der Tasche sprechen."
    Auf einmal fangen die neugierigen Zuschauer am Tor und dahinter an den Namen des Tieres zu rufen. Langsam wird es bedrohlich.
    "Oh." kommentiert Lucilla das, stellt sich auf die Zehenspitzen und haucht Avarus einen Kuss auf die Wange. "Am besten gehe ich direkt zu ihm, um diese Zeit ist immer am wenigsten bei ihm los." Sprachs, und dreht sich um, um im Haus zu verschwinden - immerhin, wer bei Guccius auftaucht, sollte auch entsprechend hergerichtet sein.


    Da waren sie wieder die drei Probleme...


    Eine schreiende Menge ohne Sinn und Anstand, die das Tier wahrscheinlich am liebsten im Trab durch den liebevoll angelegten Garten des Avarus sausen sahen. Eine liebende Frau, die sich aus dem agierenden Geschäft um einen Fleischberg lieber raus hielt und eine Ungetüm, das im besonderen doch ein hyperatraktives Geschenk darstellte. Nun es mußte etwas geschehen und es mußte gleich geschehen. Während Lucilla im Haus verschwand, trommelte der Senator alle anwesenden Sklaven zusammen und ließ einen Jungen zum Fleischer um die Ecke eilen. So ein großes Vieh war da natürlich auch was besonderes und es dauerte eine ganze Weile, bis man sich darüber im Klaren war, wie er am Besten getötet und zerteilt würde. Immerhin sollten genug Haut in einem Stück bleiben, um auch den Wunsch des Avarus noch in die Tat umzusetzen.


    Für Lucillas Tasche und Schuhe reichte ein kleiner Teil der Außenhülle. Für ein mit Hippopotamus-Leder bezogenes Liegesofa, auch Kline genannt, waren schon größere Nahtfreie Stücken notwendig. Jenes Stück wollte der Senator aber auf jeden Fall. Dieses Geschenk sollte noch in Jahren das Domus der Gens in Rom zieren...


    Als das Tier seinem Verwertungszweck zugeführt war, war der Part für Avarus beendet und er schritt zurück zum Haus. Drei Sklaven blieben in der Fleischerei, um den Tatbestand zu überwachen und dabei auch zu beobachten, das vom Getier nicht heimlich etwas verschwand.

    Mit den dahin rinnenden Minuten fragte sich Avarus, was an diesem Gossentier so besonders war, das er in einen Prozess vor dem Gerichtshof gestellt wurde. Ein Barbar wie dieser sollte doch ohne diesen Aufwand verschwinden dürfen. In keinster Weise sah er hier eine Rechtfertigung dafür, das dieses Individium überhaupt noch einmal lebend aus dem Kerker kriechen durfte. Sowas erledigte man still und leise und mit großer Wahrscheinlichkeit krähte nichtmal ein Hahn später nach.


    Er seufzte und blickte zur Verteidigung, die ihm nicht den Eindruck machte irgendwie die Strafe zu mildern. Naja, dachte er, warum auch...

    Nur weil man als stimmberechtigt geführt wurde, hieß das noch lange nicht, das jeder Senator an jedem Sitzungstag auch anwesend war. Avarus war dies nicht und so blieb seine Stimme ungenannt. Der Tage überdrüssig zu sein, wo unpopulistische Themen den Senat passierten, war eine Ursache der Abwesendheit. Eine Weitere wahrscheinlich die umfassenden Aufgaben des Aedilats.

    Ihr Gespräch wurde einmahl weniger durch eine kurze, aber durchaus weiterhin langweilige Regung in der Arena unterbrochen. Rein aus Anstand unterdrückte Germanicus Avarus ein Gähnen und bemerkte den liebevollen Blick von Lucilla. Jene hatte sich wohl für einen Moment vom Geschnatter losgeeist, um ihren Gatten zu suchen. Avarus erwiederte das Lächeln mit einer ähnlichen Geste. Dann war auch die Frage Macers verarbeitet.


    "Oh es war in meinem Interresse mit den Mitaedilen etwas Umfassendes auf die Beine zu stellen, aber ihnen scheint es nicht gegeben zu sein das Volk zu belustigen. Ich nehme an, ihre Kreditgeber haben die Taschen zugeknöpft. Mein Part wäre dabei eine umfasssend kulturelle Schau gewesen, die am Theater durchgeführt werden sollte. Weg vom bestialischen, barbarischen Arenengemetzel hin zu anschaulischer Lyrik und Kunst. Doch nunja ohne die Anderen wird es mich wohl einige tausend Sesterzen mehr kosten und Wagenrennen als Ergänzung sinnvoll werden. Ich denke nicht, das ich das Kämpfen in der Arena, so wie hier und heute, dem sportlichen Messen im Circus Maximus vorziehe..."


    Er steckte sich einige Trauben in den Mund. Immer verblüffend wie Avarus auch im Winter zu seinen frischen Weinperlen kam...


    "Würde sich die Factio Russata denn dazu in der Lage fühlen Gespanne zu stellen?"


    Er wußte natürlich um die Position Macers. Jene Factio hatte sich schon öffters im sportlichen Wettstreit mit der veneta gemessen und war auch so manches Mal zu einem brüderlichen Training erschienen. (Wenn man das so nennen darf) Zwischen diesen beiden Rennställen gab es mehr Gemeinsamkeiten, denn Gegensätze. Keine Feindschaft wie zur Aurata eben.

    "Ahja..." das Türchen wurde geschlossen und man vernahm ein Krächzen, das daher zeugte, das man den großen Riegel aufmachte. Üblicherweise stand das Haus des Senators zu jeder Zeit jedem Bürger offen. Leider nur hatten sich in den letzten Wochen vermehrt niedrige Induvidien eingenistet, sodas diese Art der Gästestrangulation notwendig geworden war.


    Die massive Tür öffnete sich und den grauen Haaren gesellte sich ein Mann fortgeschrittenen Alters hinzu. Seine Augen waren klar, die Kleidung ordentlich und fast etwas zu nobel für einen Diener. Sein Stand mußte der einer gehobenen Arbeitskraft im Hause Germanica sein. Wahrscheinlich, das er den Türdiener nur ersetzte, weil dieser gerade anderweilig verdingt war.


    "Dann habt ihr die Aufgabe nach der Ursache für den schwachen Strahl zu suchen?"


    Fragte der Grauhaarige, dem das Problem als Scriba des Senators durchaus bekannt war und der auf den Namen Philomelus hörte.


    Der Blick wanderte zu dem Besucher hinter/neben den Aquarii... 8)


    "Und du?"




    SKLAVE - GENS GERMANICA

    Aus einem hinteren Teil der Casa schlurfte der grauhaarige Diener heran, der wenig später ein kleines Fenster in der Türe öffnete und hinaus lugte.


    "Ave?!" ... und ein fragender Blick traf die Ansammlung vor dem Haus.
















    SKLAVE - GENS GERMANICA