Beiträge von Medicus Germanicus Avarus

    Natürlich lief Avarus nicht alleine auf der Straße herum. Aber es gab Häuser, da wagte er sich ganz alleine an die Tür und es war ihm durchaus gegeben auch mit einem Sklaven oder Diener zu plaudern. Immerhin tat er das mit den Eigenen ja auch täglich.


    Er folgte dem Ianitor ins Atrium und setzte sich. Dabei schaute er mal, ob sich seit seinem letzten Besuch etwas an der Einrichtung getan hatte.

    Sim-Off:

    Die Einzigsten, die hier führen sind Mitglieder der Gens Germanica, nebst ihren Dienern. Wer keine Geduld besitzt, muß sich nicht wundern, wenn das Thema aus dem Ruder gelangt.


    Die Casa Germanica war ein imposantes Bauwerk. Sie überstreckte ihre Nachbarhäuser um ein weites Areal. Der Garten war so rießig, wie manchen Anrainern ihre ganze Behausung und auch jene waren gut verdienende Bürger Roms. Im Atrium türmten sich alleine zwölf Säulen des Giallo antico. Ein gelber mit roten Adern durchzogener Marmor, der unter römischer Bezeichnung als marmor numidicium fimierte, um das hochgesetzte Dach zu tragen. Seine Herkunft Numidia, genauer Utica und mit zweihundert Denaren am oberen Ende taxiert.
    Die gesamte Casa war mit polierten Porphyr aus dem ägyptischen Syene ausgelegt und durch eine Hypokaustenheizung im Winter warm gehalten.


    Da war es nicht verwunderlich, das Neider und Diebe bei normalen Sicherheitsstandarts, nämlich ein gutes Schloss an der Tür und Fensterläden ein und aus gehen würden. Vielleicht um die üppig verzierten Elfenbeintische, das Silber und Goldgeschirr, die fernöstlichen Vasen, Kannen und Gläser fortzuschleppen. Auch der umher getragene Schmuck war durchaus reizend. Neben all dem öffentlich zur Schau getragenen Luxus, stand im Keller sicher eine Unmenge kaum bezahlbaren Weines zur freien Auswahl und irgendwo mußte sich wohl auch eine Schatzkiste verstecken. All das konnte man bei normalen Bedingungen ja in Ruhe erkunden.


    Avarus hatte diese normalen Bedingungen aber nicht geschaffen. In und um seine Casa drückten sich mehr Schläger, Söldner, Haudegen, ehemalige Veteranen herum, als in manchen Stadtbezirken Urbaner patrolierten.


    Im Haus hatte er zur Zeit nur zwei Dutzend Männer für seinen und dem der anderen Bewohner möglichen Schutz zur Verfügung. Um den Soldaten den Wind aus den Segeln zu nehmen, bestellte er ein Dutzend, das sind zwölf Mann ins Atrium. Zehn davon hatten sich bereits gut positioniert aufgebaut. Keiner der Soldaten mußte entkommen.
    Zwei, nämlich Heron und Macarius seine beiden Thraker begleiteten den Senator in das Atrium.


    "Ich sehe es ungern, wenn man sich ungewiesenen Zugang zu meinem Haus gewährt. Das gilt auch für euch Urbaner. Was wenn ich gerade in einem Geschäft gewesen wäre, wollt ihr mir meinen Ruf zunichte machen?"


    Sein Blick war böse.


    "Das wird ein Nachspiel haben."


    Fügte er an und atmete aus. Was bildeten sich diese Kerle eigentlich ein? Dies war die Behausung eines der reichsten und angesehensten Senatoren in Rom. Er würde noch heute jemanden schicken, der sich bei den Urbanern über diese Dreistigkeit beschwerte und harte Maßnahmen fordern.


    "Was führt dich hierher?"


    Fragte er schließlich den Offizier. Ihn von den anderen Kerlen zu unterscheiden, fiel ihm nicht schwer und der Senator beäugte ihn eindringlich.

    Ein völlig aufgelöster Diener erreichte im eiligen Schritt das Officium des Senators und klopfte ebenso energisch an, wie es seine Seele verlangte. Dieser eher ungewöhnliche Zustand ließ Senator Germanicus Avarus nicht lange warten und rief den Ankömmling herein. Dieser, kaum im Zimmer, berichtete vom haltlosen Eindringen der Soldaten. Er habe keine Chance gesehen, die wilden Barbaren aufzuhalten. Immerhin wäre er nur ein Mann und die anderen Bediensteten zu weit entfernt....


    Avarus erhob sich. Es mußte schon einen schwerwiegenden Grund haben, wenn man es sich erlaubte in seine Casa einzudringen. Er wußte was zu tun war und schickte den Diener in das Senitriciuum ein paar Haudegen mobilieren. Selbst warf er sich einen Mantel über die etwas zu einfache Toga, welche er aber gern zu Hause trug und wartete, das Heron und Macarius bei ihm erschienen.


    Wenn sie da waren, würde das Atrium bereits gut gefüllt sein...

    Ohja Lucilla schaukelte sich in ihrem Denken immer weiter auf und Avarus mußte einfach die Curie verteidigen. Doch er tat dies nicht mit Worten sondern legte einfach seinen Finger senkrecht auf ihren Mund.


    "Wie würdest du dich Tag ein und aus fühlen politische Entscheidungen zu treffen. Die nur das Wohle Roms beinhalten dürfen, die frei von Vorurteilen sind und die immerzu unter den Augen der Öffentlichkeit entstehen? Die Curie mag in einem Sommerloch stecken, aber du mußt auch bedenken, das alle dort anwesenden Männer diesen Dienst tun, weil sie dazu berufen wurden. Sie sitzen Tage, Wochen, Monate dort, um Rom mit ihren Idealen zu dienen. Kein Mensch kann davon leben. So sind es eben oft die Sommermonate, wo es jene Politiker aufs Land zieht. Sie schöpfen neue Kraft, sammeln Früchte, um sie zu verkaufen und im kommenden Herbst bis Frühjahr wieder fit zu sein, um die Zeit in Rom auch gesellschaftlich und finanziell zu überstehen."


    Sanft nach unten ziehend nimmt er diesen Zeigefinger wieder weg von ihren Lippen und lächelt Lucilla an.


    "Du wirst über deinen -was sagtest du- Neffen? Versuche unternehmen und ich werde mich ebenso dafür einsetzen in Gesprächen die Stimmung zu ermitteln. Ich denke ein einfaches Vorberechen bringt uns in diesem Sinne wenig bis garnichts. Dazu gibt es zuviele Traditionalisten in der Stadt."


    Zu ihren Ausführungen über das Preisgefüge im Marmorgeschäft nickt er nur. Er weiß, das ihre geschliffenen und polierten Platten eine besonders gute Qualität haben. Egal ob es der aus mauretanischen Brüchen in schimmernden Gelb und Grünfärbungen ist, oder der reine Weiße aus Carrera. Viele Römer lieben einfach die Fare im Stein und keiner setzt auf das glatte Weiß. Man spielt mit Farben, setzt unterschiedliche Töne zusammen. Die beste Qualität zeigt sich in der Aderform, der Farbtiefe und den unglaublich fast künstlerisch gewachsenen Struktur. Das der Aegyptische Marmor das alles am Besten vereint, hat Avarus auch gehört ( ;) ) und wäre sicher entzückt diese Steine kaufen zu können oder zuerst einmal zu sehen.


    Das Lucilla ihre 'tunica recta' auch locker weben lassen kann, verkneift sich Avarus, denn er weiß schon um ihre besonders traditionsbewußte Großtante und jene wäre sicher begeistert Lucilla in einem eigenen Produkt auf der Hochzeit zu sehen.


    "Oh ich könnte mich darum kümmern, das du eine erfahrene Weberin zur Seite bekommst, sie würde dir das alles Zeigen und du kannst das Kleid dann trotzdem selbst erstellen?!"


    Ein hastiger Vorstoß, denn er weiß weder wo man solch eine Weberin findet, noch ob es den Traditionen entspricht Hilfe anzunehmen oder ob Lucilla überhaupt die rechten Hände für diese Arbeit besitzt.


    "Wenn du in irgendeiner Weise Hilfe benötigst, finde einen Weg es mir mitzuteilen. Diese ganzen Diener hier wollen beschäftigt sein und ehe ich sie täglich das Möbilar polieren, die Silberbestecke putzen lasse, können sie auch dir in der Casa Decima zur Hand gehen. Weitreichende Rechte über ihre Fittische würde ich dir natürlich erteilen."

    "Wie soll das gehen?" schüttelte auch Avarus den Kopf und mußte gleich anfügen: "Ehe wir weiter einschränken, sollten wir lieber darüber reden zu öffnen. Wenn wir weiter diese Misswirtschaft fordern und fördern, wird es uns in wenigen Monaten mehr denn schon jetzt selbst in unserer Lebensart beschränken."


    Kaum eine Stadt hatte diesen Lebensstil wie Rom verwirklicht. Traditionelle begannen diese Stadt mehr und mehr zu demontieren. Jetzt forderte der erste Plebejer Einschränkungen. Da sah man doch in eine graue Zukunft hinaus: Essensmarken, Konsumscheine und Getreidezuteilung. Dazu Gebrauchsgüter: Sänften würden knapp, Möbelprodukte schrumpfen, Gläser heiß vom geblasenen Zustand entrissen, Werkzeuge fehlen. Nein das konnte kein Mensch wollen.









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    Senator Avarus mußte innerlich grinsen, als er die Senatorengesichter so beobachtete. Eine ganze Menge verdient gemachter Senatoren sahen sich auf einmal als die Verlierer der Nation. Gut etwaige Aufstiege waren auch nicht rechtskonform - Heutzutage zumindest. Das es dem Mann Agrippa schließlich nicht gelang seine Ausführungen zu verteidigen, sondern in sich rasch beschleunigenden Maße zu Zugeständnissen hinreißen ließ, zeigte Avarus, das er es mit dieser Eingabe nicht ernst gemeint haben konnte.


    Wollte er nur wieder einmal im Mittelpunkt stehen?











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    "Faktisch rede ich nicht von der Baustelle im Allgemeinen. Ich war mir auch sicher das erwähnt zu haben, aber gut. Meine Worte, meine Befürchtung, meine Sorge richtet sich auf die mangelhaft ausgeführten Zuarbeiten und das Umfeld. Wenn man ein Gerüst nicht mit Stoffbahnen schützt und den Bereich darunter nur auf ein Minimum einschränkt, ist das in meinen Augen grob fahrlässig. Was wenn wie geschehen sich ein Stein löst. Rom ist eine Stadt mit vielen Einwohnern. Jeden Tag passieren zig Tausende diesen Bereich der Baustelle.


    Nimmt man sich die Meldungen zu den Transportrouten zur Hand, findet man ebenfalls Geschehnisse, die vermeidbar sind. Was wäre wenn man das Material zum Beispiel nur Nachts anliefert? Eine gute Planung läßt auch diese Möglichkeit zu und die Ausführung muß nicht ins Stocken geraten. Aber was sehen wir? Wir haben Gespanne, die mit einer Ausnahmegenehmigung, welche für dieses Objekt nunmal durchaus zu bekommen ist, die Straßen unsicher machen. Warum? Weil Kosten gespart werden müssen, weil Römer ersetzbar sind? Ich glaube nicht, das es im öffentlichen Interesse von Rom liegt Zahlen wie beim Bau des ägyptischen Kanals anzustreben. Für dich Meridus mögen das nur Sklaven und Ausländer sein. Für mich sind das wertvolle Ressorcen, um Rom weiterhin bei einem stehtigen Wachstum zuzusehen."


    Senator Macers Frage vermag er hingegen nicht zu beantworten. Noch nie sah er überhaupt einen dieser gelehrigen Baumeister auf dem Baufeld. Wohl aber auch aus dem Grunde heraus zu sehr sein eigenes Leben zu lieben und immerzu -so es nur möglich ist- einen weiten Bogen darum zu schlagen.




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    Einige Tage nach einem für ihn noch besonderen Nachmittag spazierte Avarus durch Rom und kam in Gedanken verschossen wie durch ein Wunder die Straße unterhalb der Casa Vinicia entlang. Es war später Nachmittag und er entschloss sich die aufzusuchen. Vielleicht gelang es einen ehemaligen Consular -so er denn anwesend war- ihm die Gedanken zu richten.


    Einige Stufen später klopfte er an.

    "Diese Zusage reicht mir völlig, um erste Schritte einzuleiten. Wir beide wissen auch, wie lange es dauert ein Schiff zu bauen. Natürlich ist dies als eine lang angelegte Aktion gedacht. Soll im Verlauf der Jahre natürlich dazu beitragen, das der Cursus Publicus immer mehr Transporte auch selbst übernehmen kann. Letztlich müssen wir noch an Zeiten denken, wo eine Flaute herrscht, denn wenn wir eine zu große Flotte unterhalten, sind es die Kosten die uns eines Tages auffressen. Dazu kommt noch der Herbst bis Frühling. Also Oktober bis März eine Zeit wo sich kein Schiff über das mit Stürmen gehetzte Meer traut."


    Er isst nun doch noch ein Häppchen Huhn. Nicht das der Hunger treibt, aber das Dessert scheint wohl misslungen zu sein. Jedenfalls läßt sich nur der Schänksklave sehen.


    "Mal sehen, wann ich dazu Zeit finde eine Reise nach Misenum zu machen. Vorher steht jedoch noch eine wichtige Zeremonie an, die nicht weiter aufgeschoben werden wird."

    "Ein durchaus zu überdenkender Vorschlag." Erwähnte Avarus zu einen Nachbarn, der bisher mit dem Schlaf zu kämpfen hatte nun aber wach wie ein Jaguar war. Immerhin betraf es diesen Nachbarn auch und er nickte. "Diese Steuern der Ausländer sind wirklich zu niedrig. Wo ist da die Gerechtigkeit, frage ich dich. Sie sollten das Dreifache von dem bezahlen, wie es ein Römer schon jetzt tut..." konkretesierte Senator Avarus seinen ersten Satz. Sein Nachbar hatte da etwas anderes wohl erhofft. Zu der Befreiung ließ sich der Gemanicier nicht aus. Immerhin hatte er manchmal Sorge sein Geld würde ihm nicht bis zum nächsten Auszahlungstag des Staates reichen....













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    "Senator Durus..." wandte er sich dem Redner zu. "Es ist erschreckend, wie wenig du dich um die Sicherheit des römischen Volkes sorgst... ist es möglich, das dir in jeder Diskussion die nötige Objektivität fehlt, weil es von mir angefragt wurde? Es mag dir vielleicht ein Dorn im Auge sein, aber der Senat existiert als Stimme des Reiches nur, wenn jene auch erhoben wird."


    Dieser Mann war so tapsig wie ein Elefant in der Stadt und sollte sich eher seinen bisherigen Anwesendheiten im Senat widmen. Viel kam aus seinem Munde nicht und wenn dann nur Genörgel.


    "Mit nichten ist dies ein Versuch die Geschehnisse auf dem Baufeld zu meinem Vorteil zu wandeln. Dennoch nutze ich sie aus -auch dies mag im Hinblick auf die Toten stillos sein, aber nötig- , um auf die vielen Laien hinzuweisen, die Roms Standfesten erschaffen, renovieren und erhalten.


    Wenn wir uns dazu durchringen würden Absolventen der Schola Atheniensis Phoebi Apollonis Divini nurnoch als Baumeister dieses Staates zuzulassen, dann würde ich im Hinblick auf die Professionalität dieser Einrichtung darauf schließen, das in Zukunft mehr Leben beim Bau und auch danach verschont werden wird.


    Nötig dazu würden allerdings auch Kontrollen der Aedile sein. Mitunter sind es auch Einsparungen an Materialien, die die Gebäude so gefährlich machen."




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    Der Gang in die Curia Iulia war für ihn etwas selbstverständliches geworden. Jeden Tag schob er seine Füße zu morgentlicher Stunde voran, um die Halle zu erreichen, wo die Machtgefüge Italiens und einem Teil der Provinzen erörtert wurden.


    "Senatores ich stehe heute vor euch, um etwas ungeheuerliches anzusprechen. Vor vielen Monaten haben wir uns zu einer Lösung beim Bau des Ulpianum durchgerungen. Mit den Wochen begann sich auch etwas zu regen, um jenen prestigeträchtigen Bau in eine Baustelle zu verwandeln. Doch mit jeden Tag wir diese gefährlicher.


    Gestern erst wurde ein Mann von einem Steinsbrocken erschlagen, weil das Seil für dessen Aufzug zu gering bemessen war. Ein Mann unter vielen Opfern bisher. Das ist Normal werdet ihr denken, aber es sind vermeidbare Opfer. Wenn ich zu bedenken geben darf, das es Richtlinien, das es Kostenfaktoren gibt, die nur dafür gelten, was auf einem solchen Bau geschehen darf und sollte und was nicht, dann hoffe man auch, das diese Normen eingehalten werden. Als Magister der Architektur weiß ich wohl, wovon ich spreche und es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der zu brodeln beginnt. Sehen wir uns die Transportunfälle an, die während der Zeit geschehen sind, die der Marmor von den Umschlagplätzen am Tiber zum Bauplatz zurück legte, dann frage ich mich wo bleibt die Professionalität derer, die genau diese Aufgaben überwachen und ich frage mich erweitert dazu, ob es nicht sinnvoll wäre diese Tätigkeiten nurnoch jenen ausführbar zu machen, denen die passende Ausbildung zuteil wurde."




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    "Nun ich denke offen darüber anch gewisse Medien auszubauen. So wird zur Zeit noch viel des Post- und Warenverkehrs mit Handelschiffen privater Kaufleute und Fernhändler geschickt. Das macht uns abhängig und nimmt zugleich einen Teil der möglichen Beigeschäfte weg. Wußtest du zum Beispiel das in Roms Stadtausbauprojekt des Augustus während seiner Konsularsjahre deutlich über fünfzigtausend Tonnen Marmor über das Mare Internum geschippert wurden? Bei Schiffen von nicht mehr als dreihundertfünfzig Tonnen Nutzlast eine beachtliche Leistung.


    Worauf ich allerdings hinaus will, ist ein anderer Weg. Wir sollten die Flotte des Cursus Publicus aufstocken. Schon heute nimmt der Versand kostbarer Waren, Geschenke und exotischer Güter einen Dutzendanteil ein. Kaum ist er von den wenigen und zum Teil veralteten Schiffen zu bewältigen. Oft gehen die lukrativen Transportpreise für gemietete Handelschiffe drauf. Eine gute Einnahmequelle.


    Wenn wir dazu alte ausgediente Schiffe der Armee umbauen würden, käme es dem Postsystem nichteinmal teuer, aber wir schaffen uns damit ein weiteres Standbein und kommen zudem mit den Umbauten auf die vorhin gesagten dreihundert Tonnen Lastaufnahme. Heute noch müssen wir uns mit weitaus weniger zufrieden geben."


    Er trinkt erstmal. Die vielen Worte sind so zwar schnell daher gesagt, die Lippen fühlten sich allerdings trocken an.

    Er hatte genügend Ausländer während seiner leitenden Zeit beim Cursus Publicus einsteigen sehen. Einige waren beflissen genug, um gehörig aufzusteigen, Andere als Transporteure zuverlässig. Es hatte vielmehr den Grund der menschlichen Art, das gewisse Klientels sich mehr damit beschäftigten anderen Menschen hinterher zu spionieren, als sich mit den wichtigen Aufgaben des Lebens zu beschäftigen.


    "Wir werden sehen und hoffen."


    Das Hühnchen auf seinem Teller war nun verspeist. Auf der Anrichteplatte lagen noch einige dieser zarten Flügelchen, allerdings war er gut gesättigt und gespannt, was man zum Nachtisch servieren würde, also blieb er ersteinmal bei einer Esspause. So ließ sich auch besser und verständlicher -vor allen Dingen- sprechen.


    Den nächsten Ansatzpunkt wollte er anders angehen und tat dies dann auch...


    "Wie siehst du die Lage im Reich, wird sich das Volumen von Warentransport und dessen Nachfrage in Zukunft weiter stetig erhöhen?"

    Ah die Caecillier wieder. Dreißig Aureus war ein stattliches Vermögen um dafür die Katze im Sack zu kaufen. Avarus würde sich nicht dem Bieterwahn dafür hingeben. Dafür war die Ware auch zu unbeherrscht und nunja das grobe Anfassen der Schergen von Titus Tranquillus hatte nicht unbedingt zu deren Unversehrtheit geführt. Ein weiterer Grund, warum der Senator davon Abstand hielt das junge Ding zu erwerben. Immerhin war dieser Platz nicht der Sauberste. Wer wußte da schon, was so eine blutende Nase alles an Keimen einsammeln konnte. 8)


    So verließ er die Veranstaltung, jedoch nur soweit, wie es seine Augen noch schafften am Geschehen teilzuhaben. Eine Garküche stand an diesem Fleckchen und der Senator gönnte sich ein safftiges Mittagshäppchen. :]

    "Das es ein wahrlich zu beneidender Posten ist, der mit seiner Bezahlung den Werten eines Comes gleich kommt und durch die einfache, wie überschaubare Arbeit auffällt, setzt mich selbst immer wieder in Staunen, das sich einfach kein Römer dafür finden läßt diese Stellung anzustreben. Nun einige Monate als Stationsvorsteher mit einem Auskommen von zweihundert Sesterzen und Aussicht auf mehr als das Dreifache mit eben vorher genannten Dimensionen, ich wüßte nicht, wem das nicht reizen sollte. Doch das es in Italien derweil keine Nachfragen nach mehrmaligen Aushängen gibt, treibt mich dazu andere Wege zu suchen.


    Ich werde also die Legionen anschreiben, vielleicht findet sich jemand. Zumindest für den Stationarius reicht es auch einen Ausländer zu finden, da machen sich die Flotten und Hilfstruppen nicht schlecht. Doch sollte unser Wunsch auch nicht zu tief gesteckt werden. Immerhin transportiert besonders der Cursus Publicus Italia auch kaiserliche Briefe."


    Das Thema war schneller abgehakt als erwartet. Wieder entstand eine Kunstpause. In Gedanken hing Avarus dieser Art der Anfrage noch nach. Viel Hoffnung machte er sich allerdings nicht. Zumal es gestaffelt geschehen mußte und das vorallem eines brauchte: Zeit.

    Medicus blickte zu dem ihm gegenüber stehenden Spiegel. War er der Grund, warum seine liebste Lucilla während diesem Treffen immer wieder vom Alter sprach. Soweit vorzudenken, war doch üblicherweise nicht im sprachlichen Gebrauch der jungen Damen von Rom. Naja vielleicht irrte er sich darin aber auch nur.


    "In deiner Gens gibt es doch eine ganze Handvoll von Rechtsverdrehern. Vielleicht willst du ihnen diesen Fall antragen. Sie könnten dann auf die Unzulänglichkeit der Formulierung -zum Beispiel- klagen und es zurück an die Instanz des Senats verweisen. Das hätte zwar einen Ansehensverlust für die Curia Iulia zur Folge, so wie es jetzt verformuliert ist, wird es aber auch nie zu Ruhm für die Senatoren gereichen, die damals ihre Fürsprache gaben."


    Ein Schluck Wasser rinnt in seinem Hals hinunter, Avarus überlegt und kommt zu dem Schluss, das es wohl nicht ausreichen würde Lucilla einfach um die tausend Sesterzen pro Woche zu geben, damit sie ausreichend versorgt wäre. Scheinbar sah sie in ihrer Tätigkeit eine zu starke Berufung und letztlich war es auch ihr Marmor, der in seiner Kunst verarbeitet wurde.


    "Oh du bietest noch den preiswerten Marmor an? Nicht das ich daran intressiert wäre, doch stärkt es immerhin die Konkurrenz, wenn sie billige Stoffe einsetzen. Es ist doch immer ein Wettlauf bei den Behörden. Sie nehmen zwar nicht immer den Billigbieter, weil sie es langsam gelernt haben, das Gut nicht mit Billig zusammen passt. Aber es gibt immernoch einige Römer, auch gehobenen Klientels, die dieser Meinung nachhetzen."


    Seine Künstler waren Wochen schon ausgebucht und angeraten nur das Beste vom Besten in die Villen der höchsten Schicht Roms verbauen zu lassen. Nach einem tieferen Blick in Lucillas Augen erscheint schließlich ein Lächeln auf seinen Lippen. Avarus haucht ihr einen Kuss auf die Wange.


    "Und nenne dich nicht immerzu selbst eine alte Vettel. Was bin ich dann in deinen Augen? Ein alter Sack, der zum Weintrinken einen Sklaven braucht, wie auch zu allen anderen Tätigkeiten des normalen und gehobenen Lebens? Nein, nein Lucilla du bist die schönste Frau in Rom. Dein Alter ist das einer Grazie gleich und du wirst auch in den nächsten Jahren an meiner Seite nicht zu einer Vettel mutieren."


    Medicus nimmt ihre Hand und streicht zärtlich darüber. Ihre Haut ist schon noch einen Tick samtiger als Seine. Da nutzen auch die vielen Stutenmilchbäder nichts. Aber sie machen ihn zumindest gut zehn Jahre jünger.


    "Ich wollte damit nur angeboten haben, dir zu Helfen. Auch wenn es sicher Geschwister in deiner Familie gibt, die sich dieser Hochzeitsvorbereitung schon aus dem eigenen Ego heraus zu vollstem Maße annehmen werden." :P


    Ob sie mit ihren Worten auch auf die Nacht nach dem Feiern ansprach, konnte er nicht so ganz filtern, beließ es aber ebenfalls in den Gedanken dabei. 8)

    Gavius Hormus blickte nur kurz zu seinem Patron. Wieder erklang diese rauchige Stimme eines Mannes, der sich in seinem Element sah. Avarus würde aufpassen es nicht zu sehr gedeihen zu lassen. Diesem Mann fehlte einfach das Potenzial dafür.


    "Zweitausend Sesterzen bietet Senator Medicus Germanicus Avarus"


    Jener kam zu seinen ersten Gedanken zurück. Was wenn ein ihm völlig bekannter, bis in die Fußspitzen vertrauter Mensch diesen Punkt der staatlichen Zuwendung perfekt beherrschte? Was wenn jener innerliche Geist...? Denk nicht soviel nach, befahl er sich selbst und blickte da viel lieber auf Ware und Bieter.