"Mit den Sommern reift das Korn, mit den Wintern leeren sich die Speicher. Wenn wir auf die Vorräte schauen, finden wir Rom in einer guten Versorgungslage wieder. Trotzdem spricht es für sich einen Vorfall aus diesem Kalender zu nehmen, um ein Gesetz aufzustellen, das alte Idealitäten vernichten soll. Wir sollten es nicht hinnehmen, Senatoren, das ein noch junger Mann eingeführt in diese Reihen so mit dem Respekt umgeht. Ist es nicht so, das du Flavius Furianus hier vor aller Schaar das ausgeklügelte Gesetz eines Consuls als Unsinn bezeichnest. Du der gewillt ist deine Vorlage uns als Ultimative unterzuschieben?"
Ein Blick huschte durch die Curia Iulia.
"Natürlich möchte ich dir helfen, zu verstehen, was ältere Senatoren durch ihre Erfahrung mit einbringen und dir aufzuzeigen, das nicht jedes Wort ein Spruch gegen das sein wird, das sinnvoll für die Getreideversorgung von Rom ist. Aber es ist nonsens zu glauben Italien, Sizilien, Creta, Sardinien oder gar der Norden über dem Rubicon könnten Rom und sich selbst alleine und ohne Abhängigkeit von Aegypten nähren. Wir wissen, das die Getreideflöße schiffen müssen, um alle hier im Herzen satt zu bekommen. Wir ahnen darum, das Sturm, Gewalt, Natur Risiko trägt und Pläne schmieden läßt. Das Umland ist garnicht dazu in der Lage die Hauptstadt und all jene Gemeinden, Städte, Dörfer, Höfe und so weiter allein zu versorgen. Wieviele tausend Ochsen und Eselkarren voll Getreide wäre nötig, um das Kerngebiet zu versorgen? Wieviele dieser Gespanne meinst du vertragen die Hauptverkehrsadern auf Rom zu? Kannst du dir nicht auch denken, Furianus, das die alten Senatoren unsere Vorgänger nicht selbst soweit gedacht hätten. Das sie es als einzigste Hoffnung für weitere Ausbreitung römischen Lebens und sicheren Standarts sehen Getreide aus dem Nilstromland zu importieren? Nun wenn du das nicht kannst, dann weiß ich nicht wer von uns beiden das Rechnen versäumte. Wer diese Unmengen an Transportgut von der See auf den Landweg verlagern will, wer die zweimalige Ernte am Nil der einfachen Bewirtschaftung der Krete zugunsten ausschlägt und dabei nicht bedenkt, das es außerhalb der Stadtmauern nicht auch Leben gibt, das ernährt werden will, der hat die Zeichen der Neuzeit verpasst.
Wir sind kein Stadtstaat mehr."
Avarus hält kurz inne und fügt dann noch hinzu:
"Es sollte in unserem Interresse liegen die Schiffswege sicher zu halten, den Nil zu studieren, um das Korn noch sicherer im Wachstum zu machen und dafür Sorge tragen Unruhen in Aegyptus, wie in anderen africanischen Ländern im Zaume zu halten. Dann wird es immer genügend Getreide in Rom und Italien geben. Alle anderen Anstrengungen führen zu mehr Aufwand bei weniger Nutzen. Brot muß bezahlbar bleiben."
Das das Reich am Nildelta und Strom fest unter der Führung des Kaisers stand, ließ Avarus aus. Immerhin wußte das jedes römische Kind und keiner würde in seinen Gedanken sehen, das jene fruchtbaren Landstriche mal kein Korn nach Rom lieferten. Denn irgendwie ist jede Krise bisweil immer zum Guten für die Hauptstadt und ihre vielen millionen hunriger Mäuler ausgegangen. Mit Sicherheit lag das auch am besonders innigen Klima zwischen der Macht auf Erden am Mare Internum und der Götter im Himmelreich.