Beiträge von Maximus Decimus Meridius

    Meridius betrat das alte Tablinum, welches jetzt als Ruhe und Leseraum diente, und in welchem die Familie öfters zusammen kam, wenn es kleiner und größere Dinge zu erzählen gab, oder wenn man einfach zusammen sein wollte.


    Er setzte sich hin und wartete, dass die ersten eintreffen würden, hatte er doch Gallus los geschickt, die Familie zusammenzurufen.


    Während er wartete, dachte er nach...

    Meridius kam gerade aus dem Castellum nach Hause und überflog die Briefe, die eingetroffen waren. Einer war von Scribonia Hestia.


    "Sieh an, was will sie denn?"


    Er las das Schreiben, dachte nach und rollte es dann zusammen.


    "Gallus!"


    Der Sklave trat hinzu.


    "Kümmer Du Dich bitte um die Angelegenheit. Ich hab viel zu tun und muss auch gleich wieder aufbrechen, die Legion rückt aus. Schreib irgendwas in meinem Namen, dass ich mich freue, und dass es mir eine Ehre wäre, sie zu unterstützen."


    Er blickte in Richtung Hausaltar.


    "Schreib ihr, dass es der Gens Decima eine Ehre wäre, wenn sie zu dem Bau finanziell beitragen dürfte. 5000 Sesterzen, irgendwas in der Art. Hast Du das verstanden? Gut. Und jetzt trommel die Leute zusammen, ich möchte micht im Tablinum von allen verabschieden..."


    LEGIO IX HISPANA


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    *****
    SPQR! ROMA VICTOR!
    *****


    WILLKOMMEN REKRUT!


    DU MÖCHTEST IN DIE RUHMREICHE LEGION IX HISPANA
    DES IMPERATORS LUCIUS ULPIUS IULIANUS EINTRETEN
    ODER WURDEST ZU DEN LEGIONEN EINGEZOGEN?


    DANN BIST DU HIER GENAU RICHTIG!


    GIB UNS DEINEN NAMEN UND DEINEN HERKUNFTSORT AN
    UND EIN OFFIZIER WIRD SICH UMGEHEND UM DICH KÜMMERN!


    DU WIRST NOCH HEUTE IN DIE LEGION AUFGENOMMEN
    UND EINER EINHEIT ZUGEWIESEN UND ERHÄLST
    DARÜBERHINAUS EINE PRÄMIE ÜBER 50 SESTERZEN!


    WIR ZÄHLEN AUF DICH DENN GEMEINSAM SIND WIR STARK!



    .

    Es ehrt mich, dass Du meinen Namen in der Liste der römischen Bürger führst, die nach Deinem Ermessen, ihre Aufgaben und Berufungen ehrenhaft und "gut" erfüllen.


    Jedoch, geht es hier nicht um Deine Person? Du möchtest hier doch kandidieren, und nicht einer der anderen, seien sie jetzt mehr, oder weniger "geeignet".

    "Nun, so weit rumgekommen wie Du bin ich wohl noch nicht."


    Meridius blickte sie an und merkte, dass sie offensichtlich die Sonne mied und eher die schattigen Plätze aufsuchte, was bei ihren makellosen weißen Haut auch nur zu verständlich war.


    "Ich bin in Hispania geboren worden, wuchs auch dort auf, während Vater in einer Ala in Germanien diente und dann dort auch fiel. Ich hatte ihn eigentlich nicht wirklich gekannt. Nach meiner Kindheit und Jugend zog ich nach Rom, trat der Legio I Traiania Pia Fidelis bei, der Elitelegion des Imperiums. Es war eine recht schöne Zeit, und Rom ist eine gewaltige Stadt, eine verschlingende Geliebte..."


    Meridius lachte.


    "Als ich das Angebot bekam das Kommando über die Legio IX in Hispania zu übernehmen, sagte ich natürlich sofort zu. Es war eine Herausforderung diese Legion zu übernehmen und zu reorganisieren, galt sie doch eher als ein Haufen sonnengebräunter Faulenzer. Aber diese Herausfordeung reizte mich, auch wenn der Posten unter allen Posten eher als Endstation in der Pampa galt. Die Nähe zur Heimat tat das andere. Und so pendel ich im Prinzip immer zwischen Rom und Tarraco hin und her, geschäftlich versteht sich. Andere Provinzen habe ich noch nicht gesehen. Aber wer weiß, als Legatus kann es einen innerhalb kürzester Zeit überall hin verschlagen..."


    Er blickte sie an und überlegte. Dann griff er sich einen Apfel und zerteilte ihn mit einem Messer, während er ihr die andere Hälfte anbot.


    "Dein Bruder ist Praefectus Castrorum. Er wird vermutlich immer dort sein, wo sich die Legio II befindet. Ich bin Legatus. Mein Kommando kommt vom Imperator und ich kann jederzeit abberufen werden. Dass ich zur Zeit in der Heimat diene ist eine Gunst der Götter. Doch schon morgen könnte ich mit Aufgaben betraut werden, die am Ende der Welt liegen..."

    Meridius lächelte. Kamen sie nach einem wirklich langen und intensiven Gespräch doch erst jetzt auf das Pferderennen wieder zurück.


    "Ich hatte ursprünglich unseren einsamen Helden Quintus Arius angefeuert. Es war eh schon ein Wunder, dass er es ins Finale geschafft hatte, denn normalerweise ist er der Fahrer, der die spektakulärsten Unfälle hinlegt, oder einfach nur von riesem Pech verfolgt wird. Aber was soll es, sein Vater war ein alter Freund, ich kann ihn nicht aus dem Rennen nehmen..."


    Meridius lachte.


    "Doch, wie es das Schicksal so wollte, vom Rennen habe ich nicht wirklich viel mitbekommen, und den Zieleinlauf gar ganz verpasst."


    Er zwinkerte mit dem linken Auge. Dann jedoch dachte er sich, dass es vermutlich nicht geschickt war, sie wieder an diesen aufdringlichen Jüngling zu erinnern...


    "Du warst das erste mal hier?"

    Meridius hörte ihr gespannt und interessiert zu. Hin und wieder nickte er mit dem Kopf, oder ermutigte sie, weiter zu erzählen. Er begleitete ihre Geschichte aufmerksam und streute Bestätigungen und Zeichen seiner Aufmerksamkeit ein, weil er nicht wollte, dass sie aufhörte. Wann hatte er sich das letzte mal mit einer Frau so unterhalten? Ach ja, damals mit Julia Vesuvia Pulchra auf dem Spaziergang über die Märkte Roms. Wehmut überflog ihn. Dann jedoch blickte er in das Gesicht der Frau, welche vor ihm saß und ihr Lächeln tat ihm gut.


    "Nun, solch eine Geschichte kann ich über Caligula nicht erzählen. Ich habe ihn einfach nur bei einem Händler gekauft und seitdem sind wir zusammen. Er ist ein treues Pferd, furchtlos und mutig, zuverlässig und temperamentvoll, jedoch nicht eigensinnig, er geht niemals aus der Spur und fürchtet nichts, hat dabei eine Ausdauer und einen gewaltigen Antritt..."


    Meridius schmunzelte.


    "Wie ich schon sagte, ihr müsst uns unbedingt in Tarraco besuchen, alleine schon wegen der Pferdezucht..."


    Und dann setzte er noch hinzu:


    "Du kannst mich Meridius nennen. Alle meine Freunde nennen mich Meridius."

    Meridius lächelte. Es war selten, dass sich jemand in der Nähe von hohen Honoratoren Roms natürlich und ungezwungen gab. Die meisten hatten irgendwelche Pläne, Ziele, Absichten, wollten etwas erreichen und gaben sich anders, als sie in Wirklichkeit waren. Diese junge Frau vor ihm, störte sich jedoch an nichts, sie redet, ja sprudelte ihr Innerstes aus sich heraus, mit einer Energie und Lebensfreude, einer Offenheit und auch einem Zutrauen, das ihn überraschte.


    "Freiheit."


    Er dachte kurz nach.


    "Ich reite um zu entspannen. Ich steige auf mein Pferd und galoppiere aus dem Castellum, nehme Geschwindigkeit auf, Caligula fliegt über die Felder Hispanias, die Eskorte kann mir kaum folgen, ich lasse alles hinter mir, lasse mich tragen.


    Oder ich reite in einem gemütlichen Trab und besichtige die Felder, die Umgebung von Tarraco, halb dienstlich, halb privat.


    Und dann, dann gibt es auch die dienstlichen Ritte. Als Legatus ist man häufig unterwegs. Caligula trägt mich auf allen diesen Reisen und begleitet mich selbst per Schiff..."


    Meridius lächelte.


    "Hat Dein Pferd auch einen Namen?"

    Meridius, der sich während dem Gespräch ausgesprochen wohl gefühlt hatte, blickte sie an. Irgendetwas ging in ihrem Kopf vor, er konnte es an ihrer Stirn sehen, wie sie arbeitete. Sie war eine ausgesprochen schöne Frau, jung, vermutlich an die 20, hatte Bildung, Witz und Charme, Anstand und Würde, eine innere Stärke. Jedoch vermeinte er auch noch etwas anderes zu verspüren, konnte es jedoch nicht einordnen.


    "Ja? Sprich einfach..."


    Er ermutigte sie dazu, ihre Gedanken offen auszusprechen.

    Meridius nickte mit dem Kopf.


    "Ich werde Dir dennoch eine Centurie als Leibwache abstellen. Und Praetorianus wird in den ersten Tagen auch noch hier anwesend sein, denn seine Aufgabe wird es sein, den Nachschub zu organisieren. Wenn Du also schnell jemanden brauchst, wende Dich an ihn."


    Er hielt inne und überlegte. Es war das erste mal, dass er zu einem Ernstfall ausrücken würde.


    "Ich hoffe, dass es nicht allzulange dauert..."


    Er schüttelte nur mit dem Kopf.


    "Ach und ehe ich es vergesse, noch etwas anderes. Ich habe von Messalina ein Schreiben bekommen, in welchem sie beklagt, dass sie keine Nachricht von der Vestalin Sinona erhalte, welche angeblich schon in Hispania angekommen sein soll, zwecks der Tempeleinweihung, oder was weiß ich. Jedoch... Ich habe beim Hafenmeister nachgefragt, sie ist bisher nicht eingetroffen, und ein Schiff, welches auf der Route beständig fährt, ist seit Tagen überfällig..."

    Meridius überlegte.


    "Prinzipiel ginge das schon. Doch wer soll es machen? Gallus möchte ich gerne hier im Haus behalten, Tamar ist in der Küche, und die neue, ach wie hieß sie noch, ach wie auch immer, steht eigentlich Livia und Onkel Proximus zur Seite. Ich werde mal mit Verus reden, ob er dazu in der Lage ist und Dir dann Bescheid geben. Ansonsten, kaufen wir halt nochmals einen Sklaven... Mit Stellenausschreibungen hast Du es schon versucht?"

    Meridius registrierte den Unmut seines Freundes.


    "Ich denke nicht, dass wir es unterschätzt haben. Man hat uns bewußt hinter das Licht geführt. Vermutlich müssen wir sogar von einer Verschwörung ausgehen, von der wir nicht einmal wissen, bis in welche Kreise sie reicht. Du weißt doch, die Dokumente, die uns Marcellus damals vorlegte. Die Verdächtigungen die er aussprach. War es Zufall, dass er hier in Hispania auftauchte?"


    Meridius dachte nach. Dann:


    "Colonius hatte das Kommando über die II. Ich sage hatte, weil er anscheind Opfer eines Anschlages wurde und ausser Gefecht gesetzt wurde. In der Zwischenzeit müsste Centurio Livianus zuständig sein. Und Blabus habe ich bereits mit der III. und IV auf den Weg geschickt. Die I. steht bei Celsa, wenn er sich mit dieser vereint und die II. solange aushält, haben wir um die 2500 Mann in dem Gebiet, der Rest der Legion folgt umgehend, sobald Du den Befehl dazu gegeben hast. Ich weiß, das sind Formalitäten, doch den Einsatz einer kompletten Legion darf ich nur mit Deiner Zustimmung anordnen..."

    Meridius blickte sie an.


    "Nun es ist so, je genauer und verantwortungsbewusster Du Deine Arbeit ausführen möchtest, umsomehr nimmt sie Dich in Anspruch. Du musst dafür nicht einmal viel Arbeit haben. Vielleicht eine Familie. Oder einen kleinen Betrieb. Wenn Du Dich voll und ganz in diesen hinein investierst, so gehst Du darin völlig auf."


    Er dachte nach.


    "Ich indess, ich habe die Legion, 6000 Männer, ich sitze im Senat, zum Wohle des Volkes, und das leider immer seltener, ich führe eine Factio, ich stehe meiner Familie vor... Ich habe das Gefühl von allem verschlungen zu werden und doch nichts zufriedenstellend, erfüllend bereichern zu können. Ich kann mich gar nicht in ganzer Fülle einbringen, und verliere mich doch in der Arbeit, die über mich hinauswächst, meine Zeit in Anspruch nimmt, und mein Leben. Im Grunde gehöre ich manchmal nichtmal mir selbst, sondern alleine meinen Aufgaben. Das meinte ich damit."


    Dann lächelte er sie wieder an und musterte ihre Reaktion.


    "Genieße die Zeit die Du hast. Sobald Du Duumvir bist, wirst Du merken, wovon ich spreche, und das ist erst der Anfang..."

    Meridius griff nach ein paar Trauben auf einer Schale und reichte diese dann weiter.


    "Ich bin Legatus Legionis der Legio IX Hispania. Ich befehlige 6000 Soldaten, bin verantwortlich für ihre Ausbildung, ihr Wohl, ihre Einsatzbereitschaft und natürlich für die Sicherheit einer ganzen Provinz."


    Meridius lächelte, dachte er doch, dass dies eine Dame wie sie wohl kaum interessieren dürfte, Soldatenhandwerk war schmutzige Arbeit, war harte Arbeit.


    "Und wenn ich hin und wieder mal Zeit für eine Reise nach Rom finde, verbringe ich meine Tage im Senat, den Thermen oder in Theatern, dem Circus, oder Bibliotheken. Zuhause jedoch, in Tarraco gehe ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Dem Lesen, Reiten und Müßiggang. Leider werden diese Zeiten immer seltener..."

    Meridius bemerkte, wie sie zaghaft wurde und sich etwas zurücknahm als ob sie etwas beschäftigte.


    "Nimm es Dir nicht zu sehr zu Herzen. An großen Aufgaben kann man auch wachsen, und keiner weiß das besser als ich."


    Leise flüsterte er in ihre Richtung, aber so, dass es auch Anton hören konnte:


    "Als ich damals - mehr oder weniger freiwillig - zum Princeps Senatus gewählt wurde, verriet mir auch kein Mensch vorher wie schwer die Arbeit werden würde. Alle Senatoren vermittelten mir - so unerfahren wie ich war - dass die Arbeit ehernvoll und erfüllend sei, was sie in der Tat auch war. Aber sie war auch eine gewaltige Aufgabe, eine verantwortungsvolle Aufgabe, eine Aufgabe die forderte. Zeit, Energie, Konzentration und Willen. Willen und Ehrgeiz das Richtige zu tun. Jederzeit. An jedem Ort. Im Kleinen wie im Großen. Eine Frage der Ehre."


    Er hielt kurz inne.


    "Ich kenne Deinen Bruder. Und ich wage zu behaupten, dass Du, was die Ehre betrifft, ebenfalls nach ihm kommst. Von diesem Standpunkt aus, wird es sicher keinen Kandidaten geben, der Dir das Wasser reichen kann. Also mach Dir keine Gedanken, schon gar nicht an einem so schönen Tag wie heute."