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Thema: [Trans Tiberim] Der alte Serapistempel: evigilatio, anastasis, obturbator, pater, enkoimesis
Faustus Decimus Serapio

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RE: Enkoimesis – Tempelschlaf 05.06.2020 18:45 Forum: Templa Urbis


Zu guter Letzt:
Die Ernte war gut auf unseren Latifundien, mein Tribunat brachte ein Heidengeld ein, und ich konnte mir problemlos das ein oder andere hübsche Spielzeug, sei es das neueste Rennwagenmodell, ein edles Ross oder einen neuen Luxussklaven gönnen. Ich muss aber zugeben, dass mir all diese netten Dinge doch meist dann auch recht schnell (zunehmend schnell) wieder langweilig wurden, nun ja, ich war eben ein Freund der Abwechslung.
Ich hielt mich dem hohen Standard der Garde gemäß auf einem guten Trainingsstand, und mein Ornator pflegte mich mit den erlesensten Essenzen, so dass ich noch immer eine schneidige Figur machte. Was ich mir dann auch gelegentlich bei der ein oder anderen flüchtigen Ausschweifung unter Beweis stellte...
Thema: Trans Tiberim, auf dem Ianiculum – Villa Eutopia
Faustus Decimus Serapio

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Fragment V – Und darum wird beim happy end / im Film jewöhnlich abjeblendt 05.06.2020 15:24 Forum: Domus Gentium Romae


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“Wie war dein Tag?“ hatte ich ihn gefragt, als er erschienen war, und ich ihn überschwänglich begrüßt und sogleich auf meine herrliche Dachterasse im ägyptischen Stil entführt hatte, wo alles für unser diskretes Stelldichein vorbereitet war, der Wein dekantiert, die Speisen (wie immer aus dem Deversorium Delectationum geholt) köstlich, Icarion unaufdringlich für alle Wünsche bereitstehend, die Seidenkissen dazu einladend, darin zu versinken. Er hatte mir ein wenig von den ermüdend inhaltsleeren Debatten und Intrigen im Senat erzählt, und ich ihm von der letzten Christianerrazzia, Speculatores-Sorgen (nichts geheimes) und dass ich mich manchmal fragte, ob dieses aquilianische Zeitalter des Friedens wirklich so gut war, oder ob es uns nicht allesamt zu sehr verweichlichte...
Aber wie immer kamen wir rasch überein, dem schnöden Alltagsgeschehen in unseren kostbaren gemeinsamen Stunden nicht zu viel Raum zu geben. Wir speisten (unter anderem ein Gericht von Kranichleber, ganz interessant mit süßsauren Marillen gespickt), plauderten über das Stück, das wir neulich im Marcellustheater zusammen gesehen hatten ('Dido und Aeneas' war ein modernes Werk, und ich hatte die einfallsreiche Inszenierung sehr genossen, aber Manius hatte sie leider nur 'medioker' gefunden).
Nach seiner Familie fragte ich nicht, und er auch nicht nach dem Stand meiner Brautschau.
Ein lauer Abendwind fächelte durch die Blätter der Palmen, die in bunten Kübeln die Ränder der Terrasse säumten, ließ die Oscillae leise klimpern. Über der Stadt hing der letzte Rest eines purpurroten Sonnenunterganges, als wir uns in die Arme sanken und vertraut in Leidenschaft verschmolzen. Nur ein wenig lagen wir dann noch beieinander, schläfrig Haut und Haut, und sponnen flüsternd den Traum weiter, wie es wohl wäre, wenn wir in einem gewissen Moment unserer schillernden Vergangenheit tollkühn zusammen nach Achaia durchgebrannt wären.
Dann musste er leider schon wieder los, weil er morgen früh eine kultische Sitzung hatte, und ich eine Stabsbesprechung. Von der Balustrade aus sah ich hinab auf die Straße und blickte seiner geschlossenen Sänfte hinterher, wie sie den Hang des Ianiculums hinab entschwand.
Auf der zerwühlten Kline, an der ich noch seinen feinen Duft nach Narde und Manius erschnuppern konnte, trank ich melancholisch einen letzten Schluck Wein und suchte nach Worten. Denn ich wollte ihm gerne ein Gedicht schreiben, um es ihm in der Woche des Wartens bis zu unserem nächsten Treffen heimlich zuzuspielen. Aber alles was mir einfiel, waren immer nur fremde Worte, aus dem großen Atonshymnus, von der Sonne des Tages, gewaltig an Hoheit.


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simoff: Der Gastauftritt der MFG ist mit diesem abgesprochen ;-)
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios - FDS et IG 05.06.2020 15:16 Forum: Roma


Mit dem Strauß schien ich schon mal alles richtig gemacht zu haben. Die Iulia schien sich wirklich zu freuen, die kleine Sklavin bekam ganz leuchtende Augen, und zuletzt landete er in den Händen des Custos – was für ein grandios amüsantes Bild! Er sah ungefähr so aus wie ein wilder Löwe, dem jemand ein Schleifchen um den Hals gebunden hat. Mit übermenschlicher Selbstbeherrschung unterdrückte ich das breite Grinsen, das sich da in mir Bahn brechen wollte, denn ich wollte den Hübschen nicht kränken. Meiner Erfahrung nach waren nordische Barbarensklaven in der Hinsicht überaus empfindlich. (Außerdem war es noch nicht so lange her, dass das blonde Rabenaas Sciurus versucht hatte, mich hinterrücks zu erdrosseln, ein Memento, dass auch gut abgerichtete Löwen manchmal unvermittelt schnappen.) Nur ein leichtes und unverfängliches Schmunzeln spielte um meine Mundwinkel.
“Das freut mich zu hören.“ plauderte ich weiter mit Iulia. Mal davon abgesehen, dass sie ein junges Ding war, das problemlos hätte meine Tochter sein können... fand ich sie ganz nett. Eine elegante Erscheinung, nicht auf den Mund gefallen und kunstsinnig dazu.
“Ach tatsächlich? Welches Werk denn?“ erkundigte ich mich interessiert. Hatte Dives nicht mal was erzählt von einer besonderen Statue... oder trog mich da meine Erinnerung? Wie schade, dass Dives sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, und dass Licinus' Pflichten im Dienste der Garde ihn noch immer fern von Rom hielten. (Oder besser so? Die beiden kannten mich zu gut, als dass ich unter ihren Augen einer Iulia unbefangen den Hof hätte machen können.)
“Ich überlege auch, eines für unserer Peristyl zu erwerben. Wir hatten da einen Rossebändiger, der aber leider beim letzten Frost Risse bekommen hat und wohl nicht mehr zu retten ist.“
Darauf holte ich es nach, Icarion vorzustellen, das war ich ihm schuldig:
“Dies ist im übrigen mein Libertus Decimianus Icarion. Mein Declamator...“ Und scherzend fügte ich hinzu: “...und Arbiter elegantiarum.“
“Es ist mir eine Ehre, werte Dame.“ Er verbeugte sich leicht.

Wie es schien, konnte Icarion sich heute entspannt zurücklehnen, denn eine klare Stimme war bereits formvollendet am deklamieren. Sie gehörte einem Jüngling mit dunklem Lockenschopf, der gerade vor einem schaurigen Vogel-Mensch-Mischwesen stand. Das war aber vielleicht zu grausig für die junge Dame (nicht, dass sie wieder in Ohnmacht fiel). Unsere Gruppe schlenderte über den Hof, und wir trafen zuerst auf: Kainis verwandelt sich in Kaineus.
“Was für ein außergewöhnliches Farbspiel!“ Diese Schattierungen waren wirklich hinreißend.
Thema: [Trans Tiberim] Der alte Serapistempel: evigilatio, anastasis, obturbator, pater, enkoimesis
Faustus Decimus Serapio

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RE: Enkoimesis – Tempelschlaf 01.06.2020 16:15 Forum: Templa Urbis


Und vor allem anderen! Folgendes:
Man konnte wohl sagen, dass Manius' und meine langjährig immerzu halsbrecherisch unter dem Damoklesschwert schlingernde Amour fou nach dem letzten Drama in den Lucretilischen Bergen zu guter Letzt nun doch zu einem glücklichen Ende gekommen war.
Wir trafen uns weiterhin regelmäßig und diskret in meiner Junggesellenbude, verbrachten dort gemeinsame schöne Stunden, pflegten ansonsten mittlerweile sogar offen einen wohlanständig erscheinenden gesellschaftlichen Umgang. Die Zerwürfnisse, der Wahnsinn des Bruderkrieges und die jahrelange Zeit des einander so bitter Entbehrens lagen endlich hinter uns, Vertrautheit trat an die Stelle ständiger Katastrophen, Gewissheit an die Stelle herzzernagender Zweifel, selige Erfüllung an die Stelle quälender ('torquierender' hätte Manius bestimmt gesagt) Sehnsucht und mittlerweile vielleicht sogar eine gewisse.....
wie soll ich sagen........
Routine...…?
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 01.06.2020 16:12 Forum: Roma


Zitat:
Original von Valeria Maximilla

Schicksalsergeben wartete ich, und betrachtete derweil die Besucher. Ein junges braungelocktes Mädchen stand vor der Minerva, so überwältigt, dass ihr Begleiter sie am Arm aus dem Menschenstrom geleiten musste. Durch die vielen Menschen sah ich das Kunstwerk selbst nur teilweise, ich würde es mir später gerne genauer betrachten. Aber ich war ja nicht zum Spaß hier. Ich bemerkte, dass das Mädchen mich genauer ins Auge gefasst hatte, und unwillkürlich straffte ich mich, wie ein Ala-Pferd wenn von ferne das Horn bläst – war sie etwa meine Verabredung? Reflexartig setzte ich ein charmantes Lächeln auf, und meine Hand griff schon nach dem Blumenstrauß, den der geschmackssichere Icarion vorbereitet hatte, doch einen Wimpernschlag später erinnerte ich mich, dass die Iulia, die ich erwartete, den Göttern sei Dank, doch schon ein klein wenig erwachsener war.

Zitat:
Original von Iulia Graecina, Angus und Sulamith

Und da trat sie auch schon auf mich zu, mit ihrem Gefolge, und begrüßte mich, wobei sie ehrlich erfreut wirkte. Auch sehr jung und sehr zart, dabei von dezenter Eleganz. Also ließ ich auf ein neues ein glutvolles hispanisches Lächeln erstrahlen.
“Salve Iulia Graecina! Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Wie geht es dir und deiner werten Gens? Erlaube mir...“
Und schon hatte mein Libertus mir den Strauß angereicht und ich wiederum überreichte diesen artig der Iulia. Es war eine kleine Komposition von violett getupften interessanten Bergorchideen und elfenbeinfarbenen Duftrosen, verziert mit filigranen Silberornamenten, so wie es dieses Jahr (laut Icarion) der letzte Schrei war.
“...obgleich sie, ähem, freilich vor deinem Liebreiz nur verblassen können.“ schloß ich, nun doch recht nervös.
Den blonden Hühnen, der ihr da wachsam auf den Fuß folgte, maß ich mit einem musternden Blick – so ein Prachtstück, so einen würde ich nicht von der Bettkante schubsen. Mein Custos, der dunkle Natakamani, war in meinem Rücken fast mit der Mauer verschmolzen. Auch der niedlichen kleine Sklavin an Iulias Seite (an soviel erinnerte mich mich noch, aus meinem pflichtbewußten Studium der Ars Amatoria: man muß sich immer die Zofe gewogen machen, dann klappt es auch mit der Herrin), die Iulia gerade etwas zuraunte, schenkte ich einen freundlichen Blick. Ja, ich war bereit mich ins Gefecht zu stürzen.
Thema: [Horti Luculliani] Tempel der Fortuna Fausta - und immer dreht sich das Glücksrad
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment III - Und immer dreht sich das Glücksrad - Restauration 01.06.2020 16:09 Forum: Templa Urbis


Valentinas Antwort war ziemlich allumfassend. Ich lachte, auf ihre Frage hin, und bot ihr den Arm.
“Ich auch. Wollen wir ein Stück gehen?“
Ein Pfad, gesäumt von weißen Quadersteinen, führte durch die Oleandersträucher, schwang sich um eine große Wiese, folgte dann dem Lauf eines künstlich angelegten murmelnden Bächleins.
Icarion blieb zurück um die Verteilung des Fleisches zu überwachen. Die Custodes folgten uns mit etwas Abstand. Andere Spaziergänger wandelten, ebenso wie wir, müssig durch den Park. In der Luft lag das Zwitschern von Vögeln, noch ein wenig Rauch der Opferfeuer und die süße Trägheit eines warmen Sommertages.
“Ich hatte auch über neun Kälber nachgedacht, ehrlich gesagt“ plauderte ich, “weiße Kälber, aber ich wollte nicht, dass es am Ende wieder heißt, ich hätte, naja, einen Hang zur Übertreibung.“
Was man mir schon mehrfach nachgesagt hatte! Und ich gar nicht verstehen konnte. Derzeit war ich jedoch bestrebt, nicht zu sehr den Anschein von Hybris zu erwecken. Ich hatte das Tempelchen damals gestiftet, als ich zum Gardepräfekten berufen worden war. Eine maßvolle Wiedereinweihung war in Ordnung, ein pompöses Opfer hätte als Signal gelten können, dass ich darauf aus war, diese machtvolle Position erneut zu erobern. (Was ich ja auch war, aber ganz sicher nicht ad hoc, es bedurfte erst mal einer soliden Machtbasis um sich auf diesem Posten überhaupt länger halten zu können und nicht, so wie die allermeisten Gardepräfekten der jüngsten Vergangenheit alsbald spurlos verschwunden zu werden, oder 'im Bade zu ertrinken' oder dergleichen.)
“Wobei ich mich schon frage...“ vertraute ich Valentina an, “...inwiefern es Fortuna tatsächlich interessiert, was wir hier ihr zu Ehren veranstalten. Ich meine, sie hat mich reichlich mit ihrer Gunst beschenkt, als ich noch jung war, und mir gar kein besonderes Opfer für sie leisten konnte. Später habe ich sie hier...“ mit einer Handbewegung wies ich auf die Wiese, auf der ich damals zur Einweihung das riesige Fortunafest veranstaltet hatte, “...mit den allerhöchsten Ehren bedacht, und sie hat mich gnadenlos fallen lassen. Dann aber – als ich... mich ihr gegenüber, ähem, arg danebenbenommen habe... bin ich dir begegnet, und...“ Borkan. Jetzt nicht melancholisch werden, an so einem schönen Tag. Ich schluckte, warf Valentina einen Seitenblick zu und sprach rasch weiter: “...und das Blatt hat sich wiederum gewendet. Versteh das mal einer.“
Ich zuckte die Schultern und aß noch einen Bissen des würzigen Fleisches. Vielleicht lag es daran, dass der Allgott Serapis-Osiris seine schützende Hand über mich gehalten hatte. Oder vielleicht waren die unsterblichen Mächte einfach zu komplex für unsereiner beschränkte Erkenntnis.
“Das deinige ja auch, nicht wahr? Schicksalsblatt meine ich. Wie war überhaupt euer Ausflug?“
Thema: [Aventin] Waisenhaus der Binah | ... sondern mit der Tat und mit der Wahrheit
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment II – Aufmachen! Garde!! 01.06.2020 16:07 Forum: Roma


“Auf der Straße? Es wird sich wohl eher ein Sklavenhändler ihrer annehmen.“ behauptete ich kaltschnäuzig. “Oder willst du etwa sagen, dass du hier römische Bürgerkinder missionierst??“
Die Mutter der Waisen und das rotznäsige Mädchen, das an ihr hing, etwas in meinem Kopf machte KLICK beim Anblick dieses rührendes Bildes, und mit einem Mal stand mir wieder die Brandrednerin auf der Rostra vor Augen, und wie sie unter anderem das traurige Los barfüßiger Kinder beklagte. Meine Augen wurden schmal. Harsch winkte ich eine etwaige Antwort ab und fuhr fort:
“Wenn du unsere Gesetze wirklich achtest – beweise es! Eine freche Frevlerin aus euren Reihen hat unser aller Roma, hat unsere Götter und seine Majestät den Kaiser auf das übelste geschmäht. Du weißt von wem ich spreche!“ Was für ein Skandal war das gewesen, und noch dazu vor der Augusta persönlich! Es war wirklich sehr peinlich, dass wir diese Verbrecherin noch nicht erwischt hatten, doch sie schien wie vom Erdboden verschluckt.
“Also sag mir, Binah... Wo ist die Frau in Grün? Hilf uns, die sogenannte Philo von Amastris zur Rechenschaft zu ziehen, und du kannst das hier...“ mit einer lässigen Handbewegung umfing ich ihr bescheidenes Reich und seine schmuddeligen Bewohner, “.. behalten.“ Ich zuckte die Schultern. “Wenn nicht: Carcer für dich und Sklaverei für die Kinder einer Verschwörerin.“
Thema: Mitspieler erwünscht
Faustus Decimus Serapio

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'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 30.05.2020 22:47 Forum: Ideen-Board


Wer Lust hat auf eine antike "Vernissage" - offener Thread. Das Geschehen dort, der Maestro, seine Werke und seine Schüler, das alles darf gerne mit erdacht und beschrieben werden. Augenzwinkern
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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Fragment IV - Serapio und eine vielversprechende Kandidatin aus gutem Hause 30.05.2020 22:36 Forum: Roma


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Neben dem Torbogen wartete ich, optisch auf Hochglanz, mit meinen Begleitern auf meine Verabredung für den heutigen Nachmittag. Nachdem mir meine Großtante ja nun schon eine Reihe von Treffen mit vielversprechenden Kandidatinnen aus gutem Hause (plus ihren Anstandsdamen, versteht sich) organisiert hatte, war mir dabei auch längst nicht mehr so mulmig wie anfangs. Ich hatte einen Parkspaziergang mit einer jungen Ritterstochter gemacht, die geplaudert hatte wie ein Wasserfall, ich hatte eine Flussfahrt in einer Vergnügungsbarke mit zwei rundlichen Schwestern aus senatorischem Hause gemacht, die beide sehr genaue Zukunftsvorstellungen hatten, ich hatte mich angeschwiegen beim Theaterbesuch mit einer eleganten aber nicht sehr gesprächigen guten Partie aus verarmtem Patrizierstand, ich hatte die neuen Pferde der Aurata besichtigt mit einem etwas lispelnden Nobilitas-Töchterchen, das ganz nett gewesen war, mir aber dann gestanden hatte, dass sie 'niemalsnie!' heiraten wolle.
Nun ja. All diese Kandidatinnen hatten eben das Manko, dass sie nicht Valentina waren. Großtante Drusillas 'mein lieber Faustus' klang schon ein wenig ungehalten in ihrem letzten Brief.
Also auf ein neues. Ich kam ja nicht drumherum. Zumindest freute ich mich auf die Werkschau des renommierten Dolios, und es gab einen entscheidenden Vorteil gegenüber einer Verabredung im Theater – ich könnte jederzeit den Rückzug antreten.
“Wer ist heute nochmal dran?“ erkundigte ich mich wenig enthusiastisch bei meinem Libertus Icarion. Er glättete einmal mehr sorgsam die Falten meiner neuen Toga, welche in einem todschicken blaugrün changierenden Diamantgratmuster gehalten war, und erinnerte mich freundlich:
“Die Dame Iulia Graecina aus ritterlichem Hause“
Ach ja, die hatte ich schon mal... 'kennengelernt' ist zu viel gesagt, 'aufgefangen' wohl eher. Das Mädchen, das kein Blut sehen konnte, ich erinnerte mich.
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 30.05.2020 22:29 Forum: Roma


An der Via Flaminia nahe des Porticus divorum liegt die Bildhauerwerkstatt des Dolios und seiner Schüler. Der Meister ist berühmt für die Lebendigkeit seiner Werke. Insbesondere die 'Minerva, den Speer niederlegend', die er als junger Mann erschaffen hat (und die später auf mysteriöse Weise von ihrem Platz auf dem Forum pacis verschwand), wurde als genial gerühmt.
Mittlerweile steht der betagte Meister einer großen Werkstatt vor, wo er - mit Hilfe einer Vielzahl von Schülern - Statuen aus Stein und Bronze für die römische Oberschicht erschafft. Einen 'echten Dolios' zu besitzen, gilt als Zeugnis von Kunstsinn. Auch wenn manch einer behauptet, Dolios plagiiere sich mittlerweile nur noch selbst, oder überlasse den Schöpfungsprozess sogar ganz seinen Schülern - die neue Werkschau des Meisters wird mit Spannung erwartet. Sie trägt den Namen 'Metamorphosen' und beginnt genau am Tag nach den Ambarvalia, zur Stunde nach der Siesta. Der Eintritt ist frei. Durch einen Torbogen treten die Besucher in den Innenhof, um den die Räume des Ateliers gruppiert sind...
Thema: [Horti Luculliani] Tempel der Fortuna Fausta - und immer dreht sich das Glücksrad
Faustus Decimus Serapio

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Fragment III - Und immer dreht sich das Glücksrad - Restauration 30.05.2020 17:59 Forum: Templa Urbis


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Über die Stufen des frisch restaurierten Tempelchens troff das Blut. Es war ein lieblicher Sommertag. Drei mal drei schneeweiße Lämmer hatte die Glücksgöttin soeben von mir erhalten, als Versöhnungsopfer meinerseits, sowie natürlich, um der Welt meine famose Pietas und meinen Wohlstand zu demonstrieren. Dazu reichlich Blumengirlanden und leckeres Backwerk.
Die Farbe war noch frisch auf der brandneuen Statue der Fortuna, die nach dem Vorbild meiner verehrten Valentina aus parischem Mamor gemeißelt war. Ihr sanftes Lächeln war gut getroffen, und ihre holde Gestalt, dabei trug sie, ganz wie die alte Statue damals, Füllhorn, Steuerruder und den Mond im hochgesteckten Haar, war etwas züchtiger gekleidet als ihre Vorgängerin, aber ebenso leichtfüßig wie der Wind vorwärtsstrebend. Eine frische Plakette zierte wieder den Sockel und wies mich als den Stifter aus.
Nichts, rein gar nichts kündete mehr von dem Furor, der mich einst hier gepackt hatte. Das Zeitalter des Wahnwitzes war vergangen, niemand schien sich mehr daran erinnern (zu wollen), und das Glücksrad hatte für mich einen tadellosen Aufschwung genommen.

Meine Opferhelfer, Sklaven und Liberti, zerteilten die Lämmer und begannen damit, das Fleisch auf Kohlerosten zu grillen. Das duftete köstlich, und da Fortuna sich wie all die Unsterblichen nur am Fettdampf und Duft der Speisen labte, blieb genug für uns Sterbliche. Das gut mit Rosmarin gewürzte Lammfleisch mundete vorzüglich. Meine Helfer begannen, alles als Spenden zu verteilen, und wie immer wenn es was umsonst gab, waren gleich eine Menge Leute zur Stelle.
Eine gelungene Wiedereinweihung, fand ich. An einem Lammspieß knabbernd, neben einem blühenden Oleanderbusch, in makelloser Eques-Toga (diesmal hatte ich das Opfermesser nicht selbst geschwungen), sinnierte ich über die undurchschaubaren Wege des Schicksales. Dann wandte ich mich Valentina zu und erkundigte mich (fast ein wenig schüchtern):
“Na, was meinst du?“
Thema: [Trans Tiberim] Der alte Serapistempel: evigilatio, anastasis, obturbator, pater, enkoimesis
Faustus Decimus Serapio

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RE: Enkoimesis – Tempelschlaf 30.05.2020 17:58 Forum: Templa Urbis


Tertium:
Fortuna lächelte mir wieder zu. Und obgleich Cousin Casca mir in der Zeit meiner ausufernden Nabataea-Mission meine liebreizende (und ausgesprochen tolerante) Auserwählte vor der Nase weggeschnappt hatte, so stand ich doch noch immer auf gutem Fuß mit Valentina, ja, konnte sie als vertraute Amica bezeichnen.
Das leidige Ehethema hatte ich hingegen kurzerhand delegiert. An meine Großtante Drusilla, die sich darauf um Längen besser verstand als ich, und mir durch ihre mannigfaltigen Verbindungen in der Matronenschaft Roms dann auch schon eine Reihe von vielversprechenden Kandidatinnen aus gutem Hause vorgeschlagen hatte...
Thema: [Aventin] Waisenhaus der Binah | ... sondern mit der Tat und mit der Wahrheit
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment II – Aufmachen! Garde!! 30.05.2020 16:30 Forum: Roma


Dea Dia, was für ein Geplärr. Ich umhüllte mein Herz mit dem stählernen Panzer der Pflicht und musterte die resolute Dame mit kühler Miene. Nicht zum ersten Mal fiel mir auf, dass diese Christianer oft so etwas an sich hatten, so etwas... - 'unerschrockenes' trifft es nicht ganz, 'erleuchtet' mag ich es auch nicht nennen, sagen wir: dass sie eine machtvolle Überzeugung aus ihrer fatalen Irrlehre zu ziehen schienen. Gerade das machte sie ja so gefährlich, besonders wenn sie so harmlos erschienen wie diese Wohltäterin oder so erbärmlich wie ihre Schützlinge. (Sogar mein alter Kamerad Luscius "Schürzenjäger" Silio, der nun wirklich kein sentimentaler Typ gewesen war, war ja damals ihren Seelenfischern ins Netz gegangen. Was wohl aus ihm geworden war?)
"Werte Binah, du wirst des Verstoßes gegen das Decretum Christianorum verdächtigt. Schwere Anschuldigungen. Wirklich ein Jammer für deine Kinderschar, aber wir werden wohl nicht umhinkommen, dich in die Castra mitzunehmen..." so drohte ich geschäftsmäßig, das "...es sei denn" vage in der Luft schweben lassend.
Meine Gardisten durchsuchten derweil das Haus nach kompromittierendem Material.
Thema: !! Retten wir das IR !!
Faustus Decimus Serapio

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27.05.2020 21:24 Forum: Allgemeines


Zitat:
Original von Eireann
Es fehlen eindeutig Anspielstationen.


Zitat:
Original von Tiberios
Meinst du so offene threads wie die Lupercalia oder das Frühlingsfest?


Solche Threads kann doch jeder starten, das ist ja nicht an irgend einen simon-Status gebunden. Feste, Straßenszenen, Theateraufführungen usw.... oder sei es Wetter, besondere Ereignisse jeder Art, einfach Schnappschüsse aus dem Leben in Rom, wo sich dann eben die Wege kreuzen und Spiel sich herausbildet.
Thema: [Aventin] Waisenhaus der Binah | ... sondern mit der Tat und mit der Wahrheit
Faustus Decimus Serapio

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Fragment II – Aufmachen! Garde!! 25.05.2020 11:21 Forum: Roma


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Die geballte Faust des Miles krachte gegen die Tür, das Holz erbebte.
“Aufmachen! Garde!!“
Neugierige Gesichter erschienen in den Fensterhöhlen der umliegenden Häuser, verschwanden rasch wieder, als sie uns grimmige Gestalten erblickten. In der schmalen Gasse traten meine Männer sich fast gegenseitig auf die Caligae, dabei hatte ich die Hälfte des Contuberniums bereits rund um das Haus geschickt. Eines unserer Vögelchen (ein räudiger Bettler nach außen hin, nebenbei ein eifriger Zuträger) hatte mir geflüstert, dass es in diesem Haus nicht mit rechten Dingen zuging. Und es war nicht das erste mal, dass die alte Bruchbude und die „Wohltäterin“, die sie betrieb, sich verdächtig machte! Als ich noch ein junger Optio gewesen, darauf hungernd mich gegenüber einem gewissen Stadtpräfekten hervorzutun, hatte ich das Weib schon mal im Visier gehabt, ihr aber nichts nachweisen können – damals.

Beim nächsten „Anklopfen“ fiel die Tür aus den Angeln. Wir traten hinein in die ärmlichen Räume, da war alles voll Kinder, dünne kleine Bälger, die jetzt kreischend auseinander spritzten, sich irgendwo zu verstecken versuchten oder einfach nur starr vor Schreck waren. Ein struppiges kleines Mädchen warf heulend seine Holzpuppe nach mir. Sie streifte mein schwarzes Sagum und klapperte auf den Boden. Die Feinde des Imperiums waren auch schon mal imposanter gewesen...
Thema: [Trans Tiberim] Der alte Serapistempel: evigilatio, anastasis, obturbator, pater, enkoimesis
Faustus Decimus Serapio

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RE: Enkoimesis – Tempelschlaf 25.05.2020 11:19 Forum: Templa Urbis


Secundum: Ich saß als Gardetribun wieder fest im Sattel, und leistete tagtäglich meinen Beitrag, um staatsfeindliche Umtriebe auszumerzen und Verschwörer zur Strecke zu bringen, um unseren geliebten Kaiser zu schützen und und um die Grenzen unseres Imperiums gegen den ruchlosen Parther im Osten zu festigen...
Thema: Mons capitolinum (capitolum) - Templum Claudii
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tatortbesichtigung 24.05.2020 18:39 Forum: Templa Urbis


Echte Pietas klang in den Worten der jungen Claudia, als sie ihrem Abscheu gegen die blasphemischen Schmierfinken Ausdruck verlieh. Ich nickte beifällig, mit ernster, ja staatstragender Miene.
“Wenn nicht der Zorn der Götter...“ Die waren bekanntlich ja recht langmütig. “..dann soll sie zumindest die harte Hand des Gesetzes treffen!“ gab ich markig von mir.

Nach dem kurzen Wortwechsel verabschiedeten wir uns, wobei ich der scharfsinnigen Claudia noch versprach, ihre Gens über neue Erkenntnisse auf dem laufenden zu halten. Unglücklicherweise gab es in der nächsten Zeit aber rein gar nichts zu berichten, denn obgleich meine Männer solide jedwede Spur verfolgten, und sich die Schuhnägel abliefen bei der Befragung sämtlicher Farbhändler, die ein Zinnoberrot im Angebot hatten ... verlief all dies vorerst im Sande, wurde dann überschattet von der nächsten, noch erschütternderen Blasphemie beim Wettstreit der Rhetoren. Doch das letzte Wort war noch nicht gesprochen! Die Garde hatte einen langen Atem und ein feingeknüpftes Netzwerk von bereitwilligen Denunz... will sagen: Informanten.
Thema: atrium
Faustus Decimus Serapio

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Fragment 1 – Salutatio – eine wahre Pracht 24.05.2020 17:34 Forum: Casa Decima Mercator


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Würdevoll ein Gähnen ob der frühen Stunde unterdrückend, saß ich auf dem höchst repräsentativen Stuhl des Pater familias und empfing unsere Klienten zur Salutatio. Das Atrium war voll, alle hatten sich fein gemacht, und von unseren Sklaven routiniert gelenkt trat einer nach dem anderen vor mich. Flankiert wurde ich auf der einen Seite von unserer tüchtigen Verwalterin, Rhea, die ich kürzlich in Anerkennung treuer Dienste freigelassen hatte, auf der anderen von unserem Nomenclator... den ich im Grunde nicht benötigte, denn so unzählig war unsere Klientenschaft nun auch nicht, dass ich mir ihre Namen nicht hätte merken können. Aber es war nun mal schick, einen Nomenclator an seiner Seite zu haben (und niemand sollte uns Decimern nachsagen, wir wären hinterwäldlerische Iberer ohne Sinn für die verfeinerten Sitten.) Außerdem stand mein Libertus Narcissus schräg hinter mir und zupfte mir bei Bedarf nobel mit spitzen Fingern die Toga zurecht.
Ich wechselte mit jedem der angetretenen Klienten ein paar Worte, erkundigte mich nach dem Wohlergehen der Familie, lud in regelmäßigen Abständen zur Cena ein, bestellte sie als Begleitung zu öffentlichen Auftritten, machte bekannt, legte Fürsprache ein, gab mehr oder weniger weise Ratschläge, ließ gelegentlich Rhea in die Schatulle greifen und ein Geldgeschenk machen. Auch bekam jeder von der niedlichen kleinen Sklavin Susaria eine Sportula überreicht. (Dies war bis vor kurzem die Aufgabe ihres Bruders gewesen, bevor der verwöhnte Nichtsnutz sich aus dem Staub gemacht hatte. Akadios und Pelias waren noch immer auf der Jagd nach ihm.)

Der mamorne Genius des römischen Volkes neben unserem Impluvium betrachtete den Aufmarsch (der aufgrund meines Dienstes in der Castra nur wöchentlich stattfand) mit wahrlich versteinerter Miene. An den Wänden unseres Atriums kündeten stolze bunte Fresken von den Ruhmestaten unserer Gens: Meridius' Sieg und Triumphzug waren dort verewigt, Livianus sehr heroisch getroffen bei der Schlacht um den Adler von Septimanca, ich selbst hoch zu Roß beim Feldzug gegen die Blemmyer (die in künstlerischer Freiheit als Kynokephalen dargestellt waren), Massa fesch in Classisblau auf seiner schnittigen Trireme... eine wahre Pracht war das.


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Thema: [Trans Tiberim] Der alte Serapistempel: evigilatio, anastasis, obturbator, pater, enkoimesis
Faustus Decimus Serapio

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Hits: 14.675
Enkoimesis – Tempelschlaf 23.05.2020 21:34 Forum: Templa Urbis


„Faustus! Faustus!“
Der Boden erbebte, als die Front der Panzerreiter auf uns zu donnerte. Panisch, doch gefangen inmitten der dichten Formation meiner Kameraden sah ich zu Lucullus, über den Rand meines Scutums. Auch in seinen Augen, tiefbraun und weit aufgerissen unter dem Rand seines Helmes, stand der Schrecken, und zugleich ein trotziger Todesmut.
“Wir sehen uns dann auf der anderen Seite!“ rief er mir noch zu, als die stählerne Woge mit unsagbarer Wucht über uns hereinbrach, als der Schildwall barst, und Knochen knackten, und die Welt in einem blutbesprengten Wirbel von Lanzen und Gladii, Schreien, Waffenklirren und keilenden Hufen versank.

Ich floh... Diesmal war ich geflohen, ich weiß nicht wie. Lucullus war tot. Ich rannte. Über die staubige Ebene, fort von der Schlacht, von blinder Furcht umfangen, das Heulen der Keren hinter mir, rannte was ich konnte, die Sonne hoch über mir, keuchend, endlos, mein Schwert hatte ich schon längst verloren, und auch die Schnallen meines Harnischs löste ich, und warf ihn von mir, in der feigen Hoffnung, schneller zu sein, ihnen doch noch entkommen, den Klauen der Keren – 'Keren in dunkler Gestalt, mit weißen Zähnen erklirrend'.

Ihr blutiges Fraßlied in den Ohren erreichte ich den Garten, flüchtete mich hinein in dessen Nacht wie ein gehetztes Wild. Ein knorriger Olivenbaum reckte seine Zweige vor den Mond. Leise raschelten die Blätter im Wind. Es war im Grunde mehr... ein Innenhof, mit verschnörkelten Fensterbalustraden. Ich war... nicht allein. Um den schwarzen Schacht herum standen wir, ich sah nicht ihre Gesichter, und wusste doch mit aller Klarheit: Licinus. Imperiosus. Sparsus. Der Tribun. Mein Centurio.
Erstarrt stand ich zwischen ihnen, und sah mit einem kalten Grauen den Schacht, der verschlossen war, fest verschlossen von einem schweren metallenen Gitter, eine solide feste eiserne Barriere... Aus der Tiefe drang ein leises vergessenes Geräusch an mein Ohr, wie von einem Stock, der über Stein schleift, und ein Knirschen... als die Luke begann, sich zu öffnen.



Mein erstickter Schrei riss mich aus dem Schlaf. Ich hatte mich aufgebäumt, und sah wild um mich. Es war tiefste Nacht. Der Innenraum des Serapistempels lag im milden Schein der Öllampen. Unergründlich blickte das Kultbild des Gottes auf mich, ebenso wie auf die anderen Tempelschläfer und auf den Mysten, der sinnend am Eingang wachte. Es roch nach Bienenwachs und Räucherwerk, aber vor allem auch nach Wollfett und Blut, denn ich lag auf dem frisch abgezogenen Fell des schwarzen Widders, den ich dem unendlichen Serapis-Osiris am Abend zum Opfer gebracht hatte. Natürlich hatte ich zuvor auch gefastet, mich der rituellen Reinigung unterzogen, großzügig gespendet, versteht sich, und das Wechselspiel des Hymnus des Ewigen angestimmt, sowie... – nein, hier muss ich schweigen, manches muss verborgen bleiben.
Den Zeitpunkt hatte ich mit Bedacht gewählt: zwischen den Lemuria und den Carnaria, wenn die Grenzen zum Reich des chtonischen Serapis am schwächsten sind. Doch was ich mir erhoffte... schien auszubleiben. Nur wieder die Albträume, die alten, sinnlosen, und darum doch nicht weniger beklemmenden Albträume!
Aufgewühlt fuhr ich mir über die Stirn und legte mich wieder hin. Ich starrte an die gewölbte Decke des Kultraumes, an dem der Widerschein der Flämmchen umherhuschte, ein atemloses Spiel von Licht und Schatten.
Warum ich überhaupt dort war? Auf dem stinkenden Fell, zwischen den anderen Tempelschläfern, manche von ihnen sichtlich krank. Unweit von mir lagerte ein zerlumpter Krüppel. Das war schon recht widerwärtig! Aber die Serapisjünger wiesen nun mal niemanden ab – was mir in meiner mehr oder weniger schillernden Vergangenheit schon einmal sehr (sehr!!!) zu Gute gekommen war.

So lag ich da, an die Decke blickend, und wie in einem Kaleidoskop schoben sich Fragmente von Erlebtem übereinander, trudelten Eindrücke der jüngsten Zeit durch meinen überwachen und todmüden Geist...
Ja, was suchte ich denn überhaupt in der Enkoimesis ?
Ich hatte doch alles, so gut wie alles, was ein Mensch sich nur wünschen und erträumen kann.

Primum: Mein Vater hatte mir die Führung unserer Gens anvertraut. Ich, einstmals das schwarze Schaf, hatte mich bewiesen und war nun derjenige, der auf dem höchst repräsentativen Stuhl des Pater familias sitzen durfte, und würdevoll die Geschicke unserer Familie (in Rom) lenken durfte...
Thema: Rufos Elysium
Faustus Decimus Serapio

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Ähem... 09.03.2020 19:22 Forum: Allgemeines


Die Verhaftungsaktion bei den Feriae Annae Perennae ist ja ziemlich daneben.
Sim-on wie sim-off.

Sim-on werden Rekruten der Urbaner in der Grundausbildung gedrillt, anstatt eigenmächtig in der Stadt Leute zu verhaften.

Sim-off sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dem Postingpartner 1. auch Zeit zum Antworten, Reagieren und Interagieren zu geben und 2. beim Konfliktspiel im Auge zu behalten, das es um den gemeinsamen Spielspaß und nicht um einen Egotrip geht.
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