Casa Germanica - Atrium

  • Romana lächelte mütterlich. Wahr, sie war nicht um viel älter als Serrana, aber sie war trotzdem die mit mehr Lebenserfahrung. Und sie war die mit dem höheren Rang in der Gesellschaft.


    “Es ist ganz natürlich, wenn du dir über etwas Sorgen machst. Sorgen sind ganz normal. Aber du hast recht, zuviele sind nicht gut.“ Sie hatte das Gefühl, dass sie das Problem nicht löste, sondern nur wiederholte. Vielleicht brauchte Serrana Verständnis ja nun mehr als einen konkreten Vorschlag? Es könnte sein. Und trotzdem ärgerte es die praktisch veranlagte Romana tief in ihr drinnen, dass sie keinen brauchbaren Lösungsansatz hatte. Sie hatte einfach keinen. Serrana müsste an sich arbeiten müssen, es gab keine urplötzliche Schocktherapie und auch keinesofort-Kur für so etwas. Romanas Hände wurden endlich losgelassen, bevor Serrana ihre Hände auf den Bauch legte und somit Romanas Schuldgefühle wieder kurz weckte, schließlich stand Serranas Schwangerschaft mit ihrem Totalversagen – ach, sie sollte nicht drüber denken, sonst wurde sie noch zur totalen Serrana!


    Und dann kam auch noch die Bitte. Romana hatte fast schon mit so etwas gerechnet. Es war nicht so, dass sie nun vor lauter Überraschung hochsprang. Nachdenkend blinzelte sie kurz mit den Augen. “Natürlich darfst du das tun, Serrana. Natürlich. Aber nur hoffe ich, dass ich keinen Feuerdienst habe. Aus einem Türdienst kann ich mich noch herausreden... aber nicht aus einem Feuerdienst. Ich hoffe, du kannst das verstehen. Aber sonst, natürlich. Wenn ich nicht gerade Feuerdienst habe, werde ich kommen.“ Sie lächelte wieder. “Versprochen.“

  • Ihr Gegenüber hatte noch nicht ganz das Wort "Feuerdienst" ausgesprochen, da biss sich Serrana bereits mit vor Verlegenheit glühenden Wangen auf die Unterlippe und nickte hastig. Götter, was für eine Vermessenheit....Romana hatte sich derart verständnisvoll und fürsorglich ihr gegenüber gezeigt, dass Serrana für eine Weile nur noch die Freundin in ihr gesehen, deren Amt jedoch fast völlig ausgeblendet hatte. Dabei war die Claudia immerhin Vestalin, die Tochter des Kaisers, und damit eine der meistgeachtetsten Frauen Roms. Vermutlich war ihr ganzer Tag mit Pflichten angefüllt, die für das Wohl aller Bürger dieser Stadt von Bedeutung und damit viel wichtiger waren als die Niederkunft irgendeiner verschreckten Plebejerin.


    "Ja, natürlich. Tut mir leid, dass ich nicht selbst daran gedacht habe. Das letzte, was ich möchte, ist dich von deinen Pflichten abzuhalten." Auf Serranas Gesicht erschien ein leicht schiefes Lächeln. "Schließlich will ich es mir nicht auch noch mit Vesta verderben, ich glaube, die Liste mit verärgerten Göttern ist schon lang genug."

  • Was war denn mit Serrana los? Sie schien wohl ein dringendes Bedürftnis nach Selbstbestrafung zu haben. Weil ihre Bitte sich mit Romanas Pflichten überschneiden könnte, wobei das könnte zu betonen ist. Die Claudierin beäugte ihr Gegenüber fast schon skeptisch und seufzte.


    “Ach, Serrana. Serranalein. Wenn du mich nicht darum gebeten hättest, hätte ich dir dieses Angebot selber machen sollen. Wenn ich denn dran gedacht hätte“, fügte sie murmelnd hinzu. “Schau. Wenn ich Pflichten habe, werde ich nicht kommen können. Wenn ich keine Pflichten habe, werde ich kommen. Das wird weder Vesta noch sonst irgendjemanden verärgern. Vertraue mir, ich vergesse nicht auf meine Pflichten.“ Musste sie das eigentlich extra betonen? Wobei möglicherweise Romana duch ihre Worte jetzt Serrana noch mehr niedermachte. Was suboptimal wäre...


    Die Vestalin unterdrückte ein Seufzen, langte mit ihrer rechten Hand aus und strubbelte Serrana sachte durch ihr glattes und bemerkenswert helles Haar. “Alles wird in Ordnung kommen. Alles wird gut werden. Mach dir keine Sorgen. Ich bin da für dich. Das ist das Mindeste, was ich für dich tun kann“, versicherte sie ihr mit eindringlicher, leiser und dabei doch freundlicher Stimme.

  • "Natürlich tust du das nicht, auf so eine Idee würde ich doch niemals kommen." versicherte Serrana, und ihre Wangen verfärbten sich gleich noch ein bisschen mehr. Vielleicht würde es besser sein, lieber nichts mehr zu dem Thema zu sagen, das einzige, was sie im Augenblick mit ihren unbeholfenen Äusserungen zu erreichen schien, war sich selbst, oder noch schlimmer, Romana, in Verlegenheit zu bringen.'Reiss dich endlich mal zusammen, immerhin sieht die Zukunft doch schon längst nicht mehr so hoffnungslos aus wie vor Romanas Besuch' schalt sie sich selbst, und nachdem sie einmal tief ein und ausgeatmet hatte, wurde Serrana tatsächlich wieder entspannter und ruhiger, wozu ganz offensichtlich auch das Streicheln ihrer Haare beitrug. Serrana genoss diese Berührung, die ihr bei vielen anderen Menschen vermutlich unpassend erschienen wäre und stellte plötzlich fest, dass die große Vestalin sie irgendwie an ihre Großmutter erinnerte, wenn auch eher in der Art und Weise, wie sie selbst sie gern gehabt hätte. Romana strahlte eine ganz ähnliche Souveränität und Unbeirrbarkeit aus wie Laevina, doch wurden diese positiven Eigenschaften nicht wie im Falle ihrer Großmutter durch ein unnahbares und gnadenloses Auftreten getrübt. Ob sie selbst sich wohl anders entwickelt hätte, wenn sie bei einer Frau wie Romana aufgewachsen wäre und nicht bei der unbarmherzigen Germanica? Nun, darüber nachzudenken war jetzt ohnehin müssig, jetzt war es viel wichtiger dafür zu sorgen, dass sie sich um ihr eigenes Kind würde kümmern können.


    "Ja, du hast sicher recht. Ich habe schon ein viel besseres Gefühl bei der Sache als noch vor einer Stunde." nickte sie und spürte, dass es tatsächlich die Wahrheit war, auch wenn natürlich immer noch ein Rest von Unsicherheit und Angst übrig geblieben war. "Es wäre wundervoll, wenn du bei der Geburt dabei sein könntest, aber jetzt sollten wir erst einmal über das Sühneopfer nachdenken, von dem hängt ja so unendlich viel ab."

  • “Das glaube ich auch gar nicht“, versicherte Romana milde. Irgendwie fand sie die Röte, die auf Serranas Lippen erschien, sehr putzig. Auch wenn sie sich etwas doof vorkam, dass sie Serrana dazu gebracht hatte, zu erröten. Aber trotzdem, das änderte nichts daran, dass Serrana ganz und gar entzückend war. Die Claudia rang sich ein Lächeln ab. Als sie der kleinen Iunia – denn klein erschienen ihr die Meisten – durchs Haar strich, konnte sie nicht erahnen, was jener durch den Kopf ging, aber einen Widerspruch gegen die Streicheleinheit schien Serrana nicht zu äußern. So streichelte Romana sachte weiter, ganz so, wie eine Mutter ihrer Tochter eine tröstende Berührung angedeihen lassen würde, nicht die Gedanken der Iunia lesend, ansonsten hätte diese einen leicht verwunderten Blick bekommen.


    “Wirklich?“, fragte Romana zweifelnd. “Wenn du’s sagst...“ Vielleicht, dachte sie sich, war sie zu harsch mit sich selber, und verdammte sich für ihr Halbwissen bei der Durchführung des Rituals ein bisschen zu sehr. Serrana schien ja äußerst dankbar ihr gegenüber. Dankbarer, als Romana dachte, dass sie es sich verdient hätte. Komisch. Romana musste sich selbst gegenüber wohl ein wenig zu überkritisch sein.


    Sie nickte noch einmal zur Bestätigung, bevor die Sprache auf das Opfer kam. Die Claudierin atmete tief aus. Das würde ein Brocken Arbeit werden. “Es sieht so aus, als müssten wir nun die Tempel jeder einzelnen dieser Gottheiten abklappern und dort ein Opfer darbringen. Wir wollen ja keine halben Sachen machen, nicht bei deiner Geburt.“

  • Für einen Moment verspürte Serrana den fast übermächtigen Impuls, der streichelnden Hand näher zu rücken und sich an den weißen Stoff von Romanas Vestalinnen-Gewand zu schmiegen, hielt sich dann aber doch zurück. Was würde die Claudia dann auch von ihr denken, ganz abgesehen davon, dass sie, Serrana, mittlerweile eine erwachsene, verheiratete Frau war und selbst ein Kind erwartete. Nun ja, ganz so erwachsen, wie sie gedacht hatte, offenbar doch noch nicht, aber schließlich galt es doch, ihre Rolle als römische Matrone so gut wie möglich auszufüllen, auch wenn ihre Bedürfnisse im Moment ganz andere waren.


    "Ja, wirklich." sagte sie stattdessen und nickte noch einmal bekräftigend. Komisch, dass die Vestalin so wenig von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt zu sein schien, wo ihr die dankbare Serrana doch schon fast einen übermenschlichen Status zubilligte. Bei Romanas nächsten Worten kam ihre neugewonnene Zuversicht jedoch wieder ein wenig ins Wanken. So viele Götter und damit auch ebenso viele Tempel....


    "Ja, du hast Recht, es wäre zu schrecklich, wenn mir einer der Götter sein Wohlwollen verweigern würde, weil ich ihn eventuell nicht genug beachtet habe. Glaubst du, es ist wichtig, in welcher Reihenfolge wir das machen? Aber welcher von diesen Gottheiten ist die Wichtigste? Aesculapius vielleicht? Oder Sol? Oder doch eher Proserpina? Und meinst du, es wäre in Ordnung, wenn alle die gleichen Opfergaben bekämen?"

  • Romana lächelte betont gelöst. Sie freute sich innerlich, dass Serrana sich zumindest in der Hinsicht sicher war. Auch in Romana entstand kurz der Drang, Serrana zu umarmen, ihr Trost zu spenden, aber sie wollte Serrana nicht patronisieren, einmal nicht jetzt, wo sie gerade im Begriff war, sich ein kleines bisschen in Richtung Reife zu entwickeln.


    Ganz innerlich fragte sich Romana stattdessen, was Serrana so gemacht haben mochte. Die strenge Erziehung von Laevina, die zweifelsohne stattgefunden hatte, denn so gut konnte Romana ihre Mitmenschen auch noch einschätzen, vielleicht? Romana dachte kurz daran, wie sie aufwuchs. Nicht bei ihren Eltern, denn obwohl in Rom geboren, wuchs sie in Clusium auf, bei ihren Großeltern, wobei Romana sich schon von einem frühen Alter an um die beiden alten Patrizier kümmern hatte müssen. Die Verantwortung, die auf Romanas Schultern gelegen hatte, hatte sie zu einer unabhängigen und auf dem Boden der Wirklichkeit stehenden Frau gemacht. Serrana jedoch... Romana konnte sich irgendwie schon, ganz vage, einerseits die bedingungslose Knute, andererseits die absolute Bevormundung vorstellen. Wobei sie Laevina nichts unterstellen wollte, auch nicht innerlich.


    Die nächste Frage lenkte aber von ihren Gedanken ab. “Ich denke, wir sollten ihnen in der Reihenfolge opfern, wie sie mir ihre Ablehnung zu verstehen gegeben haben. Also Sol zuerst“, tat sie ihre Überlegung kund. Und natürlich müssen alle Opfergaben bekommen, die auf sie zugeschnitten sind, gleiche Opfergaben wären wohl fehl am Platz“[/b], theoretisierte sie.

  • Sol also. Serrana, die, wie üblich, Romanas Entscheidung nicht eine Sekunde in Frage stellte, griff unwillkürlich nach dem kleinen Sonnenanhänger, den sie als Erinnerung an ihre Mutter an einer Kette um den Hals trug und nickte dann.


    "Ja, das macht natürlich Sinn. Dann beginnen wir im Heiligtum des Sol. Dann müsste ich ein weißes Opfertier besorgen, ein Ziegenbock vielleicht? Natürlich wäre auch ein männliches Lamm möglich, aber...ähm, das möchte ich nicht so gern opfern." Zuzugeben, dass ihr ein weiteres Lamm nach dem Fiasko bei der Haruspizin in der Casa Iunia schlichtweg unheimlich und wenig vielversprechend erschien, schaffte Serrana dann doch nicht, wäre das doch wieder ein Musterbeispiel für ihren von Axilla so gescholtene Superstitio gewesen. "Dann bleiben allerdings noch die Gaben für den unblutigen Teil übrig. Wein und Weihrauch passen ja immer, aber was noch? Früchte vielleicht, die zum Wachstum viel Sonne brauchen?" Bislang hatte sie dem Sonnengott noch nie etwas geopfert, und sah ihre Freundin daher auch entsprechend ratlos und unentschlossen an. Nicht auszudenken, wenn schon beim ersten Opfer ein Fehler oder Missgriff unterlaufen würde...

  • Die Claudierin zögerte eine Sekunde. Kein Lamm? Nun gut, Schafe waren Romanas Lieblingsopfer. Man musste keine Decke rauflegen. Aber das blieb der Opferherrin überlassen. Romana wollte jetzt auch nicht über einen möglichen Fall von Superstitio in Serranas Fall denken. Was Superstitio anging, konnte Romana sich ruhig selber an die Nase fassen!


    “Ziegenbock. Gut. Das klingt gut. Wobei, Sol steht mit dem Feuer in Verbindung, schließlich hat die Sonne mit Feuer zu tun. Daher sollte man ihm ein rotes Tier opfern. Vielleicht einen roten... hmm... eine rote Kuh? Gibt es sowas?“, überlegte sie.


    Was die unblutigen Gaben anging, nickte Romana zustimmend. “Unblutige Gaben, ich würde sagen, das Übliche. Früchte sieht der Gott sicher gerne. Weihrauch auch. Blumen vielleicht auch. Und Münzen. Und Statuetten. Was du willst“, offerierte sie Serrana eine Palette an Auswahl.

  • Als Romana von einer roten Kuh anfing, sah Serrana sie für den Bruchteil einer Sekunde leicht verwirrt an, dann erhellte sich ihr Gesicht jedoch und sie nickte bekräftigend. "Oja, ich bin mir sicher, auf dem Viehmarkt schon Rinder mit einem rötlichen Fell gesehen zu haben. Am besten mache ich mich gleich morgen mit Adula auf den Weg, um ein passendes Tier zu suchen. Eine Statuette mit Mutter und Kind wäre sicher auch passend, und frische Früchte dürfte es zu dieser Jahreszeit noch genug im Angebot geben." Die Wangen der Iunia begannen jetzt erneut zu glühen, diesmal allerdings weniger aus Angst oder Scham, sondern vor Aufregung, weil sie jetzt endlich etwas konkretes zur Rettung ihres eigenen Lebens und dem ihres ungeborenen Kindes beitragen konnte. "Weihrauch hab ich noch jede Menge hier im Haus, das müsste eigentlich reichen. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich es schaffe, die Opfertiere und -gaben für all die anderen Götter zu besorgen, ohne dass Quintus etwas davon merkt. Er weiß nämlich nichts von der Leberschau, weißt du, und ich möchte nicht, dass er sich deshalb Sorgen macht, oder mich für hysterisch hält." Serrana starrte ein wenig verlegen auf ihre Finger und wich Romanas Blick aus. Wenn man den Ernst der Lage in Betracht zog, dann waren derartige Überlegungen natürlich albern, aber nichtsdestotrotz gingen sie ihr bereits seit einigen Minuten durch den Kopf.

  • Nachdem sich der Besucher erklärt hatte wurde er auch ohne weiteres Nachfragen ins Haus eingelassen. Ein Seemann ohne Heuer und Schiff war sicherlich unglücklich an Land und Aculeos soziales Verständnis ließ natürlich nicht zu dass dieser Umstand noch länger als nötig anhalten sollte.


    Ich werde gleich mal Decimus Verus suchen. Falls er hier ist kann er nicht weit sein...grinste Aculeo und verschwand. Zu Essen und zu Trinken hatte er vergessen anzubieten doch der Gast war anscheinend schon glücklich die richtige Adresse gefunden zu haben.

  • Dicht gefolgt betrat ich das Atrium. Dieser Decimus Verus mußte ein gemachter Mann sein und wäre sicher der richtige, der ihm in seiner Situation helfen konnte. Ich setzte mich auf eine Bank unweit des Impluviums und bestaunte die Szenerie, während der Türöffner verschwand, um Decimus Verus zu suchen. Grazierliche Statuetten, vermutlich Götterbilder oder ähnliche Heroen, standen in den Nischen. Sie mußten eindeutig griechischen Ursprungs sein. Der Hausherr hatte Sinn für Geschmack. Die einfallende Sonne glitzerte im Wasserbecken. Der Marmor machte es so klar und rein.
    Ich hörte Stimmen aus der oberen Etage, offensichtlich andere Hausbewohner. Diese Villen waren wie ein eigener Microkosmos, eine eigene Welt, abgeschieden von dem restlichen Trubel, der sich in der Stadt und den Straßen breit machte, umgeben von hohen Mauern. So saß ich und wartete darauf, daß jener Decimus Verus, den ich in der Hoffnung ihn zu sehen aufgesucht hatte, alsbald erscheinen würde.

  • Verus schleppte sich müde, da er verschlafen hatte, in einer einfachen Tunika ins Atrium, die nicht von einem erstaunlichen Reichtum sprach, eher von römischer Genügsamkeit. Ja, Verus war genügsam und eher das Gegenteil von eitel. Er blickte sich um und bedankte sich bei einem Sklaven, ihn geweckt zu haben. "Salve, Aculeo," grüßte er den Mitbewohner. "Wie geht es dir? Suchst du etwas? Du wirkst gehetzt?" Er lief Aculeo ja förmlich in die Arme. "Ich werde mir gleich mein verspätetes Frühstück holen. Wer ist das dort?" Er deute ins Atrium hinein. Verus kannte das Gesicht nicht und war nun neugierig. Der Mann wirkte, wie ein Bittsteller; wie ein Mann, der auf etwas wartete.

  • Der Rechtskommende hatte Vorfahrt doch...es gab hier kein Rechts und so liefen sich Decimus Verus und Aculeo fast liebend in die Arme. Nachdem man sich gefasst hatte stellte Verus die entscheidende Frage weswegen Aculeo auf der Suche nach dem Decimer war.


    Das ist ein Herr, ohne Schiff und ohne Heuer, auf der Suche nach dir. Sein Name ist Ferros Atticos und wie gesagt...er möchte zu dir nuschelte Aculeo mit schiefen Blick zu dem Besucher. Den Grund warum er hier ist hab ich nicht erfahren aber ich bin mir sicher wenn du dich zu erkennen gibst bist du der erste der es wissen wird.

  • Verus legte die Stirn in Falten, klopfte Aculeo auf die Schulter und nickte diesem dankend zu. Ein Kapitän? Er ging zu ihm und grüßte: "Salve." Verus setzte sich auf einen Sedes, der im Raum stand, blickte den Fremden an. Nun musste Verus wahrlich überlegen, hatte er Arbeit für diesen Mann? Was suchte dieser Mann? Hatte Verus überhaupt ein Schiff? Es fiel ihm wieder ein. Er hatte ein Schiff und eine Mannschaft, die kleinere Kurierfahrten vor Ostia erledigte und ihm bei Gelegenheit ein wenig Geld aus den Geschäften zukommen ließ. Leider fehlte ihm bis jetzt ein geeigneter Kapitän für Hochseefahrten nach Alexandria. Er musste sein Gold immer über Subunternehmen verschiffen lassen und hatte immer ein ungutes Gefühl dabei. Verus begann aufgeschlossen zu lächeln. "Was führt dich zu mir?" Die Frage hatte sich Verus zwar schon selbst beantwortet aber es schadete nie die eigenen Erkenntnisse zu überprüfen.

  • Zitat

    Original von Iunia Serrana


    Romana hielt inne. “Habe ich rote Kuh gesagt? Ich meinte natürlich einen roten Ochsen. Sol ist ja männlich.“ Schon wieder ein Fettnäpfchen, Romana könnte sich selber verprügeln, wie sie es sonst vor allem mit ihren Sklavinnen zu tun pflegte. Diese Sache rieb sie wirklich auf, sie sollte besser ins Bett gehen, denn es war wirklich schon spät. Zumindest hatte der Regen aufgehört.


    “Ja, gut, dann mache das so. Das klingt alles sehr gut. Weihrauch auch und...“ Sie hielt inne. Sedulus wusste nichts davon? Romana konnte nicht umhin, sich kurz nach verbliebenen Gefühlen abzutasten. Doch da war nichts mehr. Die Liebe, die sie zum Germanicer zu verspüren glauben hatte, die war weg. Abgestorben. Erstickt. Den Göttern sei Dank.


    “Er weiß also nichts davon... nicht einmal deinem Mann hast du etwas davon erzählt?“ Romana blickte Serrana an, bevor sie abwinkte. Nun ja, immerhin war ihr Versagen so nicht an sein Ohr gedrungen. “Wie dem auch sei, wenn du nicht willst, dass er es erfährt... aber ich meine, was soll das? Ein Ehemann hat für seine Ehefrau da zu sein. Und gerade ein Senator sollte Verständnis für religiöse Riten haben. Schließlich durchdringt das Religiöse notwendigerweise das Leben eines Senators!“ Romana hielt sich innerlich das Bild ihres Vaters vor – was für ein tadelloser, vorbildlicher Senator er war! “Nun ja. Ich werde ihm nichts davon erzählen, wenn du nicht willst.“ Sie atmete kurz ein.


    “Dann besorge alles, was wir benötigen, und wir treffen uns dann übermorgen vorm Tempel des Sol. Somit hast du einen Tag, anzuschaffen, was du brauchst“, schlug sie vor.

  • Romanas beschwichtigender Geste zum Trotz spürte Serrana, wie die Verlegenheit wie eine heisse Woge in ihr Gesicht stieg und begann jetzt, an ihren Fingern herum zu zupfen, während sie weiterhin angestrengt nach unten sah.


    "Oh, du darfst nicht denken, dass Quintus nicht für mich da ist, das ist er nämlich immer. Ich...ähm,...ich hab ihm auch gesagt, dass ich Angst vor der Geburt habe wegen der Geschichte mit meiner Mutter, und er hat wirklich sehr lieb reagiert. Aber..ähm...das mit der Leberschau, das weiß er nicht, ich wusste ja selbst die ganze Zeit nicht genau, ob du...ähm...also...ähm ob ich mir etwas eingebildet hab oder nicht." Serrana holte ein wenig zittrig Luft, sah jedoch erleichtert auf, als Romana ihr versprach, Sedulus nichts von der ganzen Sache zu erzählen, und nickte eifrig.


    "Ich danke dir, Romana. Wir können es ihm gern später irgendwann erzählen, falls die Opfer gut verlaufen sollten, aber jetzt lieber noch nicht. Und ein Tag reicht mir auf jeden Fall, um die Opfergaben für Sol zu besorgen, ich werde mich morgen früh sofort auf den Weg machen." Serrana atmete noch ein paar mal tief ein und aus, und ihr Gesichtsausdruck spiegelte das ganze Wirrwarr von Gefühlen und Gedanken wider, die in diesem Moment durch sie hindurch zogen: nach wie vor eine gehörige Portion Angst und Nervosität, aber auch neue Zuversicht und Hoffnung und nicht zuletzt Zuneigung und Dankbarkeit für die resolute Freundin. "Kann ich dir jetzt vielleicht etwas anbieten? Etwas zu essen oder zu trinken, oder irgendetwas anderes?"

  • Die Claudierin war bemüht, keine Skepsis zu zeigen, als Serrana sprach. Eingebildet? Höh? Der Drang, sich am Kopf zu kratzen, war enorm, und nur der Gedanke, dass Serrana jetzt wirklich ihre Hilfe brauchte, und keine Verständnislosigkeit, hielt sie davon ab. “Ah“, war also das Einzige, was Romana aus sich herausbrachte. Was sollte sie auch sonst sagen? “Es... ähm... es ist passiert. Du hast mein Wort.“ Und wieder musste sich Romana zu etwas zwingen, nämlich dazu, nicht bestätigend zu nicken, denn ihres Erachtens sah das enorm doof aus. Und doof wollte Romana nicht erscheinen. Sie wollte eine seriöse Dame von Welt sein. Wie sicher auch Serrana, nur, dass die grenzenlose Naivität der Kleinen ihr im Weg stand.


    “Es macht ja nichts. Er wird nichts davon erfahren. Und alles wird gut werden.“ Sicher. Na klar. Eh. Aber Romana schien es opportun, erst einmal Eierkuchen für Serrana zu backen. Alles wird gut, mach dir keine Sorgen, diese Worte hatten schon oft Wunder gewirkt. Der Placeboeffekt.


    Sie nickte. Ein Tag würde ausreichen, das hoffte Romana auch. Als Serrana ihr etwas zum Trinken anbot, wehrte sie ab. “Nein, danke! Das ist sehr lieb von dir, aber ich sollte jetzt wirklich wieder zurück... es ist schon zu spät.“ War es schon der spätere Abend gewesen, dass Romana zu Serrana gekommen war, war es nun finstere Nacht. Romana sollte ins Bett, um morgen früh aus den Federn zu kommen.


    “Wir treffen uns übermorgen in der Früh vorm Tempel des Sol. Wenn dir etwas dazwischen kommt, schickst du einfach einen Boten zum Atrium Vestae. Gibt es sonst noch was, was du brauchst? Sonst werde ich mich wohl zurückziehen.“


  • ___________________
    Gundhraban Türsklave



    Quintilius Valerian kannte den Weg und überholte den Ianator nach wenigen Schritten um als erster im Atrium anzukommen.
    Gundhraban machte eine einladende Geste: Nimm Platz Dominus. Ich werde sogleich nach Iunia Serrana schicken lassen Eine weitere Geste in Richtung eines anderen Sklaven ließ diesen merken etwas zu Trinken und eine Kleinigkeit zu Essen herbeizuschaffen.


    Bitte Gedulde dich einen Moment. Domina Serrana wird gleich hier sein. mit diesen Worten verschwand er dann

  • "Danke", sagte Valerian und setzte sich auf den angebotenen Platz. Er ließ sich einen Becher verdünnten Weines geben. Während er wartete, blickte er sich im Atrium um. Es hatte sich nichts verändert, wie es schien. Fast, als wäre er gar nicht fort gewesen. Und doch war so entsetzlich viel Zeit vergangen, seit sie hier ihre Eheschließung gefeiert hatten.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!