Sacerdos Decima Valeria

  • Sie schien einzulenken, das bedeutete ihm viel und ersparte ihm auch gleichzeitig weitere Versuche auf sie einzureden. Nun musste Aurelia Antonia dazu bewegt werden.


    "Das freut mich. Sobald Aurelia Antonia da ist könnt ihr euch zusammen an die Ausarbeitung des Planes machen."


    Das Zusammen betonte er gekannt, damit nicht jegliche Zweifel kamen, dass er es anders gemeint hätte, sondern, dass sie zusammen diesen Plan erarbeiten, anders könnte man auf die Wünsche und die verschiedenen Vorhaben der beiden Priester nicht eingehen und das musste man, falls die eine gedachte zu verreisen oder andere Pläne hätte.
    Nun schnitten sie das Thema doch an, aber er war dennoch gelassen und froh darüber, dass so viel Zeit dazwischen lag, sein Groll und die Wut deutlich abnahmen.


    "Ich glaube nicht, ich bin mir sicher, Valeria, dass es so war. Du sagtest mir, dass du nach CCAA musst, obwohl dort doch keiner deiner näheren Verwandten lebt, das weiß ich. Auch sagtest du Iuno wünsche, dass Vater und Kind vereint sind, der Vater in der Legio IX Hispana dient. Doch dem war auch nicht so, denn dein Onkel, der Senator Meridius erwähnte noch vor seiner Hochzeit, dass sein Sohn in Hispania weilt und wohl nicht erscheinen wird. Dann hatte ich plötzlich den Legatus Legionis jener Legio vor mir - darüber müssten wir auch reden, denn es ist nicht geschickt außenstehende Personen in Belange des Cultus Deorum einzuführen - dieser Legatus Legionis sagte mir, dass der Vater des Kindes auf der Reise hierher verschollen sei und niemals in Germania ankam. Was glaubst du, wie habe ich mich gefühlt, als du mir dies ins Gesicht sagtest?"

  • Valeria verzog unmerklich das Gesicht und handelte die Punkte der Reihe nach ab.


    "Decimus Maximian, der Vater des Kindes, befand sich zu dem Zeitpunkt, da wir unser Gespräch führten, nicht in Tarraco, sondern auf See. Er und meiner Bruder litten an einem Fieber, das ihre Ankunft in Germanien und den Beitritt Maximians in die Legio IX Hispana verzögerte. Mein Bruder überlebte dies nicht", sagte sie in gezwungen ruhigem Tonfall.
    "Inzwischen befindet sich Maximian in Mogontiacum, Mercurinus sei Dank ist er heil angekommen. Wenn du es wünschst, wird er meine Aussage bestätigen. Ich sagte auch nicht, dass Maximian zu diesem Zeitpunkt bereits in der IX diente, sondern dass dies sein Vorhaben war. Was Decimus Livianus betrifft - nun, er wird in Kürze mein Verlobter sein und daher ist es nur verständlich, dass er versuchen wollte, auch als Außenstehender die offensichtliche Befehlsverweigerung deinerseits aufzuklären."


    Valeria holte Luft.
    "Dass es Iunos Wille ist, eine werdende Mutter mit dem Vater ihres Kindes zu vereinen, steht außer Frage, denn sie ist die Hüterin der Mutterschaft. Hier kannst du nicht widerpsrechen, Pontifex. Nichts anderes behauptete ich, als ich dich in deinem Officium aufsuchte."

  • "Wir führten unser Gespräch nur zwei Tage später, als ich dies mit Senator Meridius tat. Er als Vater hätte wissen müssen, warum sein Sohn nicht zu ihm reisen konnte, besonders zu der Hochzeit des Vaters. Senator Meridius wusste, da war ich mir damals auch sicher, dass sein Sohn an den Hochzeitsfeierlichkeiten nicht teilnehmen wird. Und die Feierlichkeiten waren auch einen Tag nach unserem Gespräch, es war zu offensichtlich, Valeria, du sagstest er dient in der Legio, ist bereits in CCAA stationiert und kann nicht nach Moguntiacum reisen. So war es, ich habe es nicht vergessen, denn es machte mich stutzig und ich fragte dich, doch du bist aufgestanden und gegangen, sagtest wir beide müssten darüber nachdenken und du würdest noch einmal kommen. Du bist abgereist, ich habe gewartet und dich dann angewiesen zurück zu kommen, es war zu offensichtlich."


    Imperiosus war verwundert, sie sprach von Befehlsverweigerung seinerseits. Welcher Befehl?


    "Valeria, ich verstehe nicht welche Befehlsverweigerung ich begangen haben sollte. Und ich verstehe immer noch nicht warum du einen Legatus Legionis eingeschaltet hast, der doch kein Disziplinarvorgesetzter gegenüber mir ist. Ich klärte ihn auf und er zeigte Einsicht, wir gingen mit einem Lächeln auseinander, hat er das nicht erzählt?
    Iunos Wunsch ist es sie zu vereinen, doch wie damals, so frage ich dich, woher weißt du das? Und wie will Iuno Vater und Kind vereinen, wenn doch der Vater selbst, du sagst es selbst, in Moguntiacum ist?"


    Es war schon wunderlich, was er hier zu hören bekam.

  • "Das Collegium Pontificium versetzte mich nach Colonia. Hier bin ich und hier werde ich auch sicherlich noch eine Weile bleiben, Pontifex", sprach Valeria und betonte das letzte Wort dabei etwas mehr.


    "Ich gab die die Informationen, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte. Maximian sagte selbst, dass er weder mir noch seiner Familie schrieb. Meridius wusste zu besagtem Zeitpunkt nicht, wo sich sein Sohn aufhielt. Er vermutete, dass er noch immer in Hispania war, doch war dies nur eine Vermutung. Hätte er gewusst, dass sein Sohn während eures Gesprächs mit einem schweren Fieber zu kömpfen hatte, wäre er sicherlich nicht so ruhig sitzen geblieben, sondern hätte seinen Leibarzt geschickt, um zu helfen, meinst du nicht auch?" fragte sie den Mann.


    "Auch habe ich Livianus nicht geschickt, wie du es nennst. Er wollte aus freien Stücken persönlich mit dir reden und versuchen, dir meine Sicht der Dinge und die Worte, die ich sprach, näherzubringen. Offensichtlich sah er ein, dass es so nicht ging, Iulianus, und ist deshalb wieder gegangen."


    Sie seufzte tief.
    "Ich spreche nun frei, Iulianus, und nicht von Sacerdos zu Pontifex, sondern von erwachsenem Menschen zu erwachsenem Menschen. Ich bin es leid, dir wieder und wieder zu erklären, was ich wie wo gemeint habe. Du verdrehst die Dinge, die ich dir anvertraue, du ignorierst offensichtliche Gegebenheiten. Vielleicht solltest du eine Nacht über das nachdenken, was ich dir gesagt habe. Ich bin keinesfalls die sture Priesterin, für die du und die Aurelierin mich halten mögt. Ich stehe im Dienst der Götter und dienen ihnen so gut ich kann. Doch du bist es, der mir immer wieder Steine in den Weg legt und ich frage mich, warum. Ist es der Frust, Arria nicht mehr zu sehen? Ich erhielt vor Kurzem einen Brief von ihr. Sie wird nach dem Conventus in Hispania hierher kommen."


    edit by Supermod: Simoff rausgenommen.

  • Imperiosus war noch verblüffter, als er es schon zuvor war. Woher wusste sie Dinge, die nur er wissen konnte? Es war merkwürdig und er fragte sich wirklich wie hinterhältig ein Mensch sein musste, um an solche Informationen zu kommen, ohne jegliches Vertrauen in Vorgesetzte.


    "Das ist wahr, doch eines beschäftigt mich: Woher weißt du das? Ich habe den Brief bekommen, ich alleine hielt ihn in meinen Händen, ich las ihn und nahm ihn mit. Dass ich mich geweigert habe, ja, das gebe ich zu, doch woher du das weißt ist mir ein Rätsel."


    Er konnte es nicht fassen, sie verfing sich wie damals in Widersprüchlichkeiten, doch anders als damals blieb sie noch sitzen, floh zumindest nicht noch einmal vor der Wahrheit.


    "Und nun sagst du wieder, dass Maximianus nicht seiner Familie, selbst dier nichts schrieb und behauptest gleichzeitig du wüsstest schon damals bescheid. Doch wie schon gesagt, er ist niemals hier gewesen, das musst du zugeben."


    Er seufzte, doch seine Wut konnte er noch zügeln, auch als sie Frust ansprach, sogar Arria.


    "Du verstehst mich nicht.
    Er machte eine kurze Pause.
    "Ich verdrehe keine Tatsachen, ich lege dir auch keine Worte in den Mund, die du niemals sagtest. Damals habe ich dich schon darauf angesprochen, doch du bist einfach gegangen, sagtest du würdest nochmals kommen und reden.
    Was glaubst du macht es einen Eindruck, wenn ich von hohen Persönlichkeiten das Eine gesagt bekomme und du mir das Andere erzählst? Was macht es für einen Eindruck, wenn du erst einmal eine Begründung lieferst nach CCAA versetzt zu werden und wenn ich das hinterfrage du sogar der Götter Willen als Argument ausnutzt? Dann kommst du nicht wieder, reist ohne jegliche Erlaubnis ab, hintergehst mich statt dessen, als nochmal mit mir zu reden, schreibst einen Brief nach Rom? Wie würdest du dies alles aus meiner Sicht auffassen?
    Sage es mir.
    Es war eigenartig, dass du gehen wolltest, unbedingt und zu jedem Preis. Was hätte ich machen sollen? Dich einfach gehen lassen in dem Wissen, dass das, was du als Gründe angabst, verworren war und nicht der Wahrheit, die ich kannte, entsprach?
    Du sagst ich lege dir Steine in den Weg, doch weißt du nicht ob ich dich schützen will, wenn du in einem solch hochschwangerem Zustand aufbrechen willst, ohne jegliche sinnvolle Begründung?
    Doch ich habe versagt und dein Kind ist tot, es tut mir leid. Es hätte wirklich anders kommen können, und auch jetzt glaube ich nicht, dass du dieWahrheit sprichst. Es war sicherlich nicht Iunos Wunsch dein Kind sterben zu lassen, nein, bei den Göttern, ich hoffe es war nicht so.
    Es geht hier nicht um Arria, ich leide nicht unter Frust, ich habe nur mein Möglichstes getan dich und dein Kind zu schützen, als Pontifex, sowie auch als Mensch."


    Er schüttelte leicht den Kopf und lächelte.


    "Ich werde abdanken, das sollst du wissen. Doch zuvor bitte ich dich sich mit Aurelia Antonia zu arrangieren, auch wenn sie - wie du sagst - das Gegenteil gesagt haben sollte, sie der Grund eurer Streitigkeiten war, so bitte ich dich auf sie einzugehen, wenigstens um der Götter willen, wenn nicht um den meinigen."


    edit by Supermod: Simoff rausgenommen.

  • Nachdem der Mann erfahren hatte, was er erfahren wollte, verließ er das Officium.
    Valeria erhob sich eine Weile später ebenfalls und begab sich in den Tempelpark, wo sie mit der kleinen grauen Katze spielte, die ihr im Tempel der Iuno moneta zugelaufen war.

  • Bevor Imperiosus ging übergab er ihr den Brief, welchen er vom Kaiser erhalten hatte.


    - persönlich auszuhändigen -


    Das Collegium Pontificium grüßt die Sacerdos Publicus Decima Valeria.


    Mit großer Sorge haben das Collegium Pontificium und der Pontifex Maximus zur Kenntnis genommen, was du ihnen schriftlich zu den frevelhaften Einbrüchen im Tempel des Mars mitgeteilt hast. Die Geschehnisse in der Hauptstadt der Provinz werden auch in Rom nicht ohne Folgen bleiben.


    Mit fast ebenso großer Sorge mussten das Collegium Pontificium und der Pontifex Maximus jedoch auch zur Kenntnis nehmen, was über dein persönliches Verhalten berichtet wurde. Zwistigkeiten zwischen Priestern, die nicht miteinander sprechen wollen und ihre gegenseitigen Wünsche und Bedenken nicht achten, kann und wird das Collegium Pontificium nicht tolerieren. Mäßige dich in deinem Eigensinn und stelle den Dienst an den Göttern in den Vordergrund. Suche den Dialog, wo es Spannungen gibt und gehe ihm nicht aus dem Weg.


    Auf dass die Götter deinen Weg immer führen mögen und du ihrer Führung immer folgst.


  • Ein Popa brachte Valeria einen Brief von Plautius; und Valeria fiel ein, dass sie ihm auf seinen letzten Brief noch gar nicht geantwortet hatte. Das schlechte Gewissen machte sich in ihr breit und sie setzte sich sofort daran, ihm ein Antwortschreiben zu verfassen.



    An den Primus Pilus
    Camillus Matinius Plautius
    Castellum Legionis I
    Mantua, ITALIA



    Salve Plautius,


    ich danke dir für deinen Brief und möchte um Verzeihung bitten, dass ich dir erst jetzt antworte. Hier in der Stadt ist momentan nicht viel los, dafür aber umso mehr im Cultus Deorum. Der Pontifex ist wieder nach Rom abgereist, wohl um seinen Dienst zu quittieren.
    Mars hat die Opfer ihm zu Ehren angenommen und scheint besänftigt, wenngleich der Einbruch in Mogontiacums Tempeln noch nicht aufgeklärt werden konnte. Soweit ich weiß, setzt der Regionarius aber alles daran, die Diebe zu fassen.


    Doch sag, wie geht es dir? Mit geringer Verwunderung habe ich gelesen, dass du nun Primus Pilus bist - mir war klar, dass gute Arbeit früher oder später entlohnt werden würde. Meinen herzlichsten Glückwunsch sende ich dir! Und auch meinen Dank für dein letztes Schreiben, welches du mir am Tor des Castellums hinterlegt hast. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du mir deine Hilfe und die deiner Männer anbietest, auch wenn ich hoffe, sie nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Vielen Dank hierfür.


    Was einen Besuch in Mantua betrifft, so bin ich derzeit leider nicht im Stande dazu, so gern ich auch kommen würde. Colonia braucht mich jetzt hier, da eine weitere Priesterin einfach so gegangen ist und irgendjemand die entstandene Lücke füllen muss. Ich bin aber guter Hoffnung, dass meine beiden Schülerinnen bald zu Sacerdotes ernannt werden. Vielleicht ist dann ein Besuch bei euch im Castellum nicht mehr so abwegig wie es momentan scheint.


    Mir selbst geht es auch gut, wenn man von den Querelen im CD absieht, denn die zermürben mich doch sehr. Aber ich bin nicht mehr allein, denn neben den zwei Sklaven, die dein Legatus Legionis mir hier gelassen hat, habe ich nun eine tüchtige Germanin erworben, die mich aufmuntert und mir hilft.


    Ich hoffe, dass ich euch alle bald wiedersehen kann. Richte deinen Männern meine Grüße aus - und wünsche ihnen in meinem Namen ein dickes Fell. Die ehemaligen Soldaten der IX. haben sich noch nie unterkriegen lassen und das wird auch so bleiben. Solltet ihr meine Unterstützung brauchen, seid euch ihr gewiss.


    Alles Liebe
    Decima Valeria


  • An den Imperator Ceasar Augustus et Pontifex Maximus
    Lucius Ulpius Iulianus
    Palatium Augusti
    Roma, ITALIA



    Sei gegrüßt, Pontifex Maximus!

    Ich habe deinen Brief erhalten und werde deinen Rat zu beherzigen wissen. Es sei dir versichert, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um den Göttern und dir so zu dienen, wie es von mir erwartet wird. Für begangene Fehler bitte ich dich um Verzeihung. Sie werden in der Zukunft nicht wieder vorkommen.



    Mögen die Götter mit dir sein.
    Decima Valeria


  • Einmal, zweimal traf der Knöchel hart gegen das schwere schwarze Holz der großen Eingangstüre und hinterließ für einige Sekunden ein seltsam dumpfes wiederhallendes Grollen in der Düsternis des Korridors, im ganzen Tempel war es nun ebenso wie in Aggripensum ganz allmählich dunkel geworden und nur noch ein paar wenige spärlich flackernde Ölleuchten, welche schaukelnd an ihren Halterungen herunterpendelten, spendeten in dieser schwülen Vollmondnacht dem fast fensterlosen Gewölbe noch ein weniges an Licht.
    Kein Geräusch drang nun mehr durch die dicke Türe zu Livia herüber, die inständig gehofft hatte trotz der schon längst hereingebrochenen Abendstunde ihre Lehrerin und Freundin Valeria, wenn vielleicht auch nicht mehr arbeitend, doch noch irgendwie im Officium der Tempels antreffen zu können, schließlich hatten sich die beiden Frauen zum Bedauern des Tantchens nun schon einige Wochen, nachdem das Castellum zur allseitigen Verwunderung der Bevölkerung so plötzlich geschlossen worden war, weder gesehen noch gesprochen hatten, nicht einmal mehr der Unterricht hatte in der Hektik des mehr stattgefunden und Livia wieder einmal unfreiwillig meilenweit in ihrem Lernpensum für die hoffentlich bald bevor stehenden Prüfungen zurückgeworfen.
    “Valeria....bist du noch wach...ich bin es Livia...es tut mir so leid das ich erst so spät kommen konnte.......hm....Valeria?”, rief das Tantchen nun etwas lauter als eigentlich geplant und pochte noch einmal kräftig gegen die dicke Holzplatte vor ihrer sonnenbrandgeröteten Nasenspitze, doch trotz aller Hoffnung man könne sie vielleicht gehört haben tat sich scheinbar einfach nichts.


    Sim-Off:

    heute mal nicht so lange wie sonst :(

  • Valeria war natürlich noch da. Wo sollte sie auch hin, wenn nicht in den Tempel. Immerhin war es ihr nicht mehr vergönnt, in der Geborgenheit des Castellums zu wohnen, seitdem Livianus versetzt worden war und ein anderer Legat die IX. übernommen hatte. Valeria schlief noch nicht, sondern saß bei Kerzenschein auf einer schmalen Pritsche und las etwas von Ovid. Als es plötzlich klopfte, zuckte die junge Frau zusammen, legte die Pergamentrolle weg und griff sich die Kerze, die neben dem Bett in der Nische stand. Valeria erhob sich und tappte baren Fußes und in ihrem Nachtgewand zutr Tür, die sie zu dieser Zeit stets verriegelt hatte. Dann hörte sie Livias Stimme, entriegelte die Tür und hielt die Kerze so, dass sie etwas sehen konnte.


    "Livia!" rief sie freudig und schob die Türe ganz auf.
    "Komm doch rein! Schön, dass du mal wieder da bist. Ich weiß...in letzter Zeit ging alles drunter und drüber, es tut mir leid deswegen. Aber jetzt hast du meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit."


    Sie geleitete die Freundin in das Zimmerchen hinein, entzündete noch einige weitere Kerzen und wies ihr dann einen Stuhl, während sie schon zwei Becher mit Apfelsaft eingoss und ihr einen reichte. Dann setzte sie sich selbst.

  • Livia erschrak leicht als plötzlich die Türe aufstob und wich geblendet von dem kleinen Lichtstrahl der sich zwischen Tür und Angel seinen weg gebahnt hatte ein Stück weit zurück, um ihr Gegenüber besser betrachten zu können, kein Zweifel so wusste Livia war es Valeria gewesen die dem Tantchen so eben im Nachtgewandt bekleidet die Türe geöffnet hatte und sie nun trotz der späten Störung noch mit höchst freudigem Gesichtsausdruck anstrahlte.
    “Oh oh...aber...aber...ist es dir denn recht wenn ich jetzt noch mit herein komme du bist ja sogar schon im Schlafgewandt”, meinte Livia nun doch ein klein wenig zögerlich und wies zur Verdeutlichung ihres Zweifels auf ihr Gegenüber Valeria, welche sie soeben gänzlich ohne Umschweife einfach so herein gebeten hatte.


    “Komm doch rein! Schön, dass du mal wieder da bist. Ich weiß...in letzter Zeit ging alles drunter und drüber, es tut mir leid deswegen. Aber jetzt hast du meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit."


    Drunter und Drüber, das konnte man wohl laut sagen, dachte Livia etwas ärgerlich und strich sich ihr wiederborstiges Lockengestrüpp schwungvoll wie so häufig aus dem sommersprossigen Gesicht, welches tatsächlich während der langen Hitzeperiode mittlerweile einen recht angenehm bronzefarbenen Ton angenommen zu haben schien, die Schließung des Castellums war eine Fehlentscheidung gewesen fand Livia, eine Stadt wie Agrippensum die von ihrer Legion sprichwörtlich lebte konnte aus dieser scheinbar reichlich unüberlegten Kurzschlussreaktion doch gar keine Vorteile ziehen, die Soldaten mussten schließlich umgesiedelt werden und neue Standorte gebaut, das kostete und wohl auch nicht gerade zu wenig wenn man einmal genauer darüber nachdachte.


    “Ja wirklich...drunter und drüber...stell dir vor die haben meine Sachen einfach vor die Türe gestellt während ich nicht da war...alles was ich habe, hätte ich das Zeug nicht rechtzeitig gefunden würde es wohl jetzt jemand anderem gehören der es gaaaaanz zufällig vor dem Tor gefunden hat“, grummelte das Tantchen und ließ sich auf dem angewiesen Stuhl von Valeria nieder, “ich habe erst mal schauen müssen wo ich unterkomme bei all der Hektik, aber nun ja sich ewig zu grämen deswegen bringt mir wahrscheinlich nun auch nicht wirklich etwas außer Sorgenfalten“.
    Immer noch reichlich aufgebracht beim bloßen Gedanken über diese ungeheuerliche Frechheit strich Livia währendessen etwas unwirsch über eine beliebige Stofffalte ihres Gewands und nahm dann einen kräftigen Schluck aus dem Becherglas voll Apfelsaft das ihr die Freundin so gleich herübergereicht hatte.
    “Danke dir, Valeria. Aber sag, was hast du denn in der letzten Zeit gemacht, ich habe reichlich seltsames gehört, das es Probleme gab mit dem neuen Pontifex und so“, Livia blickte prüfend über den Rand ihres Tonbecher hinweg hinüber zu Valeria, die ihr hoffentlich einiges darüber zu berichten vermochte was sie selbst gar in der letzten Zeit versäumt hatte.

  • Valeria winkte sogleich ab.
    "Das macht rein gar nichts. Ich habe sowieso noch gelesen und noch nicht geschlafen. Du bist doch auch immer willkommen, das weißt du doch."


    Sie lächelte höflich und baumelte dann wie ein kleines Mädchen mit den Beinen vom Bett herunter. Unweigerlich musste sie an früher denken, an ihre Mutter, diir die schon längst gestorben war. Was hätte sie wohl zum Verlauf des Lebens ihrer Tochter gesagt? Valeria lächelte nachsichtig und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Livia zu. Sie musste bei deren Ausführungen lachen und klopfte dann zweimal neben sich auf das provisorische Bett.
    "Tja, wie du siehst, wohne ich jetzt hier. Sozusagen, zumindest. Es ist ein Teufelskreis: Seitdem ich hier übernachte, stecke ich eigentlich nur noch mit meiner Nase in Büchern oder Arbeit. Das das macht nichts... Im Gegenteil, es lenkt mich ab. Wäre ich nicht abgelenkt, würde ich mir wohl pausenlos Sorgen um Marcus machen", seufzte sie.


    Doch als der prüfende Blick Livias sie über den Rand des Bechers hinweg traf, machte Valeria ein ernstes Gesicht und begann zu erzählen.
    "Der Pontifex, ja. Naja, der ist derzeit in Rom, um sich vom Kaiser von seinen Pflichten entbinden zu lassen. Er wird also nicht mehr wiederkommen und das Provinzkollegium wird einen Pontifex weniger haben. Du hast Recht, es gab einige Streitereien, aber diese sind zumindest von meiner Seite aus endgültig geklärt und werden wohl auch nicht wieder aufkommen. Eine andere Sache ist die Versetzung von Aurelia Antonia. Ich weiß gar nicht, ob du sie schon kennenlernen konntest, aber ich vermute nicht, oder? Sie war nämlich mehr außerhalb der Tempel als darin. Nun gut, ihre Sache. Da auch Mogontiacum nun ein Priester fehlt, habe ich Tarquinius Thermus dort hingeschickt, ich denke, er wird seine Sache gut machen. Für uns allerdings bedeutet das, dass wir die Arbeit in den Tempeln etwas besser koordinieren müssen. Ich möchte daher, dass du bei der Meditrinalia am 11. October die Opferriten übernimmst. Das wird gleichzeitig auch eine Vorbereitung auf die praktische Prüfung sein, die du ablegen musst, wenn du Sacerdos sein wirst. Theoretisch bist du bereits auf dem Stand, den du vorweisen musst. Was sagst du?"

  • An den Legatus Legionis
    Marcus Decimus Livianus
    Castellum Legionis I
    Mantua, ITALIA



    Liebster,


    sag, geht es dir gut? Binden dich deine neuen Pflichten so sehr ein? Hast du dich gut eingelebt? Ich mache mir Sorgen, weil ich nichts von dir höre. Lediglich Centurio Plautius schreibt mir ab und an, aber Genaueres erzählt er mir auch nicht. Melde dich doch bitte.


    Hast du auch eine Einladung zur Hochzeit bekommen? Magnus und Venusia heiraten! Venusia kenne ich noch von früher, als ich Curatrix der Schola zu Tarraco war. Wirst du zu den Feierlichkeiten nach Germanien kommen?


    Ich vermisse dich sehr. Zum Glück stecke ich nach dem Weggang des Pontifex und einer Sacerdos bis zum Hals in Arbeit, da fällt es mir leichter, nicht immer an dich zu denken. Auch habe ich eine Sklavin erworben, Enya heißt sie. Sie ist etwas schwierig, aber ich denke, wir werden auf längere Frist gut miteinander klar kommen.


    Ich schließe mit einem langen Seufzer und dem Wunsch, bald etwas von dir zur hören, Liebster. Mögen die Götter stets über dich wachen.


    Valeria

  • "Herein bitte", erklang es einen Moment, nachdem geklopft wurde. Valeria sah von mehreren Pergamenten auf und warf einen Blick zur Tür. Sie fragte sich, wer der Klopfende war; und als jener eintrat, erkannte sie einen Sklaven in ihm.


    "Salve. Wie kann ich dir helfen?" fragte sie ihn.

  • "Ja, ganz Recht, die bin ich", sagte Valeria und sah den Sklaven daraufhin sehr verdutzt an.
    "Ähmm...ja?" fragte sie verwirrt und musterte den Sklaven. Eine Nachricht? Von einem Senator Prudentius? Valeria strengte sich an, aber sie hatte wohl noch nie das Vergnügen gehabt, mit ebendiesem zu reden.

  • Valeria atmete innerlich erleichert auf, äußerlich lächelte sie den Sklaven an. Sie hatte sich schon sonstwas gedacht, da war eine Einladung zum Essen sehr viel Angenehmer als ihre Gedanken.


    "Oh! Das ist aber nett. Richte ihm doch bitte aus, dass ich mich sehr gefreut habe und seine Einladung gern annehme. Hm...darf ich fragen, ob es einen bestimmten Anlass gibt?"

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!