• Ein Soldat der Cohortes Urbanae brachte ein Schreiben vorbei:


    Acta Diurna



    Ich erwarte, dass folgendes Schreiben so schnell wie möglich in den Acta Diurna veröffentlicht wird, um dem Volk von Rom die Vorgänge der letzten Tage zu erklären! Weitere Berichte bezüglich des Notstandes, der Ermordung des Kaisers oder anderer staatlicher Maßnahmen sind vor der Veröffentlichung in der kaiserlichen Kanzlei zu genehmigen!


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    Bürger von Rom!


    Ich muss euch verkünden, dass unser allseits geliebter Imperator Caesar Augustus Gaius Ulpius Aelianus Valerianus leider vor wenigen Tagen in Misenum verstorben ist. Wie es sich herausstellte, wurde er von gedungenen Mördern hinterlistig vergiftet. Diese Männer versuchten damit, Rom ins Chaos zu stürzen und eine Tyrannis gegen das Recht aufzurichten! Angesichts dieser Bedrohung war und ist es meine Pflicht als Stellvertreter und Freund des Kaisers, die Hintermänner dieser schändlichen Tat zu finden und zu bestrafen! Die Pläne dieser Verbrecher zu durchkreuzen war der einzige Grund, warum ich eine Ausgangssperre verhängt habe. Nur so konnte ich verhindern, dass diese Verschwörer ihre Spießgesellen versammeln und mit Gewalt die Macht an sich reißen konnten!


    Tatsächlich konnten die tapferen Cohortes Urbanae, verbunden mit den Cohortes Praetoriae, diesen Aufstand mit der Hilfe der Götter vereiteln und erste Verdächtige verhaften, während andere feige geflohen sind oder sich durch Selbstmord der Verantwortung für ihre hochverräterische Tat entzogen haben. Es besteht also vorerst keine Gefahr mehr in Rom selbst! Zur Bekräftigung, dass Rom sich nicht von Verrätern spalten lässt, wird es aber in Kürze ein großes Opfer an Concordia geben, verbunden mit einer Prozession, zu der alle aufrechten Römer eingeladen sind. Außerdem hat der Senat sich der Organisation der Überführung und Beisetzung unseres geliebten Valerianus angenommen, sodass ihr alle bald von Eurem geliebten Staatsoberhaupt Abschied nehmen könnt!


    Um zu verhindern, dass die geflohenen Verschwörer sich mit Räuberbanden aus dem Hinterland verbünden und noch einmal versuchen, Rom anzugreifen, bleiben die Sicherheitsmaßnahmen vorerst inkraft! Ich erwarte von jedem aufrechten Römer, dass er seine Pflicht tut und mir hilft, den Hochverrat dieser Verschwörer aufzudecken und zu bestrafen, indem er verdächtige Geschehnisse meldet und sich auf die Seite des Rechts stellt!


    Potitus Vescularius Salinator

  • Der Vibienus war es, der die Schreiben des Praefectus Urbi in Empfang nahm. Und da die Auctrix derzeit ohnehin nicht in der Stadt weilte und sie herzlich wenig zu tun hatten, weil es dank der Ausgangssperre denkbar schwierig war, überhaupt an vernünftige Informationen zu kommen... und sie die wenigen, die sie bekamen, auch nur sammeln, aber im Augenblick nicht verwerten konnten... beschloss er einfach den Anweisungen im ersten Schreiben zu folgen. Das er im Anschluss daran dann gut sichtbar im Redaktionsraum platzierte, damit da auch ja niemand auf die Idee kam, sich noch um Kopf und Kragen zu reden... oder zu schreiben. Allerdings: suizidgefährdete Schreiber, die das Risiko eingehen würden in der momentanen Situation etwas zu veröffentlichen, was sich gegen den derzeitigen Machthaber in Rom richtete, hatten sie dann doch eher nicht in ihren Reihen.


    Aber sicher war sicher.

  • Ein Soldat der Cohortes Urbanae brachte ein Schreiben vorbei:

    Acta Diurna



    Folgendes Edikt ist reichsweit zu veröffentlichen!


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    IN NOMINE IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI
    PROSCRIPTIO PRAEFECTI URBI


    Hiermit erkläre ich folgende Personen zu Staatsfeinden. Jeder Mann hat das Recht, diese Personen straflos zu töten! Ihr gesamter Besitz wird zu Staatseigentum erklärt! Für die Ergreifung der Personen tot oder lebendig wird eine Belohnung von jeweils 2000 Sesterzen ausgesetzt! Hinweise, die zur Ergreifung der Staatsfeinde führen, werden mit einer Belohnung von 1000 Sesterzen vergütet!


    Sextus Aurelius Lupus
    Appius Cornelius Palma
    Manius Flavius Gracchus


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  • Decima Seiana war noch nicht wieder in Rom. Aelia Germanica war bei ihrem Mann. Folglich war es an Axilla, als oberste Vertreterin der Acta hier in Rom die Stellung zu halten. Auch wenn sie diese Pflicht mehr als nur nachlässig verfolgte und im Grunde nur einmal in der Woche in der Acta vorbei kam. Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft war es ihr auch zunehmend unwichtiger geworden, denn wenngleich der Notstand wieder aufgehoben war, Rom war immernoch gefährlich. Und Axilla wäre immernoch am liebsten anderswo.
    Dennoch musste sie wohl oder übel in Rom bleiben, Imperiosus ließ sich in seiner Meinung bezüglich Salinator nicht beirren. Und dennoch musste die Arbeit in der Acta gemacht werden.


    So war es wohl Zufall, dass Axilla ausgerechnet heute im Gebäude der Acta war und im Grunde genommen nur alle Berichte als „nicht veröffentlichbar“ abwies. Es gab jede Menge berichte. Über Unruhen auf den Straßen. Über den Notstand. Über die Sorgen der Menschen wegen dem Notstand. Über Gerüchte am Mord vom Kaiser und seinem Sohn. Über die Verhaftungen und den vielen verschwundenen Senatoren. Aber all das konnten sie nicht schreiben, ohne selbst demnächst Besuch von Schwarzröcken zu bekommen. Einmal waren die Prätorianer ja schon in den Räumlichkeiten der Acta gewesen.
    Axilla also saß da, eine Hand auf dem erschreckenderweise schon mehr als gut sichtbaren Babybauch, und las sich gerade einen zwar schönen, aber unveröffentlichbaren Bericht über die Krawalle auf den Straßen Roms direkt nach Verkündigung des Notstands durch, als einer der Schreiber der Acta zu ihr mit dem vorbeigebrachten Schrieb Salinators vorbeikam.
    Axilla nahm das Schreiben entgegen, und wieder fühlte sie diese Kälte, die sich um ihr Herz legen wollte. Das Kind fühlte es auch und trat kräftig gegen Axillas sich wölbende Bauchdecke. Es standen drei Namen drauf, von denen Axilla zwei kannte. Manius Flavius Gracchus hatte ihr die herrlichen Bücher Ovids zur Hochzeit geschenkt. Nicht nur eines oder zwei. ALLE. Und sie hatte das Gespräch in den lucullischen Gärten vor einem Jahr nicht vergessen.
    Sextus Aurelius Lupus. Das war der Mann von Flavia Nigrina. Die beiden waren auch vor nicht einmal einem halben Jahr auf ihrer Hochzeit gewesen.
    Den dritten Mann auf dem Blatt kannte Axilla nicht. Cornelius Palma war niemand, den sie kannte.


    “Sollen wir die Meldung dann rausgeben?“ fragte der Schreiber nach, als Axilla nach einer viertel Stunde noch immer keinen Pieps gesagt hatte. Das Kind in ihrem Bauch tanzte fast so schlimm wie die Gedanken in ihrem Kopf. Es gibt nur wenige Tugenden für einen echten Römer, Axilla. Virtus, Fides, Pietas. Axilla hörte die Stimme ihres Vaters, der sie mit diesen Wertbegriffen großgezogen hatte, ihr immer wieder erzählt hatte, wie wichtig es war, dass man treu zu den Menschen stand, die einem vertrauten. Wenn man selbst nicht vertrauenswürdig war, wie konnte man dann auf andere vertrauen? Der Fluch der Lügner und Feiglinge war nicht, dass niemand ihnen mehr traute, sondern dass sie niemandem trauen konnten.
    Und dies hier, das war ein Fall für Pietas, das Pflichtbewusstsein. Es ging um Freunde, oder um die Männer von Freunden. Sicher hätte Axilla um ihrer eigenen Sicherheit und der ihres Kindes willen den Bericht einfach weiterreichen sollen. Und aus Sorge um ihr Kind würde sie sich auch nicht offen gegen diese Anweisung stellen können. Aber zumindest einen kleinen Vorsprung, den konnte sie ihnen gefahrlos geben.
    “Das soll reichsweit veröffentlicht werden. Außerdem steht da auch gar nichts von "sofort" drauf. Ich denke, da benötigen wir die Einwilligung der Auctrix.“
    “Na, aber die letzte Anweisung des Praefectus Urbi...“
    “Die war ja auch nur für Rom und nicht so gewaltig. Bei dem hier brauchen wir die Rückmeldung von Decima. Also schick einen Boten zu ihr.“
    Der Schreiber sah sie mehr als nur zweifelnd an. Also fügte Axilla noch ein “Na hopp!“ an und scheuchte ihn nach draußen.


    Verhindern würde es die Meldung nicht. Natürlich würde Seiana sagen, dass sie es veröffentlichen sollten. Aber es würde den Männern noch 2 Tage Vorsprung geben, in denen sie sich unbehelligt bewegen konnten.

  • Auch hier pinselte Baalberith einige Worte an eine Außenmauer. Er wusste nicht, dass es das Haus der Zeitung war.




    OH DU UNSER GELIEBTES ROM


    WAS EINST GESCHAFFEN WARD,
    ERBLÜHT IST UND GEDEIHT,
    BEGINNT VERFALL NUN VOR DER ZEIT.


    VESCULARIUS SALINATOR IST DER NEUE MANN,
    WEHE DIR OH ROM,
    NIE ÄRGER WARST DU DRAN.


    DOCH LEIDE NICHT OH UNSERE HEIMATSTADT,
    DER CORNELIUS MACHT IHN IN BÄLDE PLATT.
    OH ROM, DEINE RETTUNG NAHT,
    CORNELIUS PALMA IST EIN MANN DER TAT!

  • Es gab drei Hauptgründe warum er Seiana aufsuchen wollte. Zum einen wollte er sich darüber bedanken, dass sie sich ausgezeichnet um Messalina gekümmert hatte. Weiter, dass er in Erfahrung bringen wollte, welcher Patron für ihn sinnig wäre und er deshalb gerne die Meinung von ihr einholen wollte, weil sie ebenso eine Frau wie seine Tante Lucilla war und ihre Ansichten sehr geschätzt wurden. Titus ein Mann war, der sich gerne auf die Intuition einer Frau verließ. Des Weiteren der Meinung war, dass Seiana mehr über Politik wusste als viele der männlichen von der Familie Decima, auch als er selbst. Der letzte Grund war rein dienstlich. Seiana besaß einige Grundstücke und er wollte genaueres darüber wissen. Er wollte auch anfragen, ob es möglich sei ein Artikel zu veröffentlichen. Er wählte den Weg Seiana bei der Acta aufzusuchen. Titus wollte nämlich ungern die Casa Terentia betreten, denn der Hausherr war jemand, der das Militär in Person verkörperte. Auch wenn er bei ihm Auskunft wegen dem Census einholen musste, aber dass konnte er auch schriftlich tun.


    Bevor er sich jedoch auf den Weg machen konnte, musste er in Erfahrung bringen, wann Seiana im Gebäude der Acta tätig sei. Also blieb ihm doch nichts anderes übrig, gezwungenermaßen, die Casa Terentia aufzusuchen, dass tat er, aber ohne ein Fuß in das Gebäude zu setzen. Er informierte sich bei den Haussklaven und sie nannten ihn einen genauen Zeitpunkt, wann er ihre Domina bei der Acta auffinden würde.


    Kurz bevor der Zeitpunkt erreicht wurde, machte sich Titus ein weiteres Mal auf um pünktlich zu erscheinen, um nicht vergebens unterwegs gewesen zu sein.


    Er klopfte an.

  • Ion, der Ianitor und Bursche für alles in einer Person der Acta, öffnete die Tür. „Salve. Wie kann ich dir helfen?“

  • "Indem du mich bei der Auctrix ankündigst, unter Decimus Varenus." Er konnte es einfach nicht lassen, unfreundlich gegenüber Sklaven aufzutreten. War wie ein Tick von ihm.

  • Ion nickte in aller Seelenruhe. „Sehr wohl.“ Er verschwand, nur um kurze Zeit später wieder aufzutauchen und den Gast hereinzubitten: „Wenn du mir folgen würdest? Ich bringe dich zur Auctrix.“ Er führte ihn hinein, durch einen schmalen Gang, den Redaktionsraum, in den hinteren Bereich des Hauses zum Büro der Auctrix, wo er ihm die Tür aufhielt.


    Seiana sah von ihrem Schreibtisch auf, als die Tür erneut aufging. „Salve, Varenus“, grüßte sie ihn mit freundlicher Höflichkeit, bot ihm mit einer kurzen Geste den Platz vor ihrem Schreibtisch an. „Etwas zu trinken?“ fragte sie und fügte, nachdem sie ihm eingeschenkt hatte was er wollte – falls er etwas wollte – an: „Was führt dich zu mir?“

  • Er trat daraufhin selbst ein und folgte dem Sklaven durch den schmalen Gang. Vescularius würde es schwer haben, hier entlang zu schreiten, dachte er sich und musste anschließend unverschämt grinsen. Es hätte seiner Meinung nach ein gutes Bild abgegeben, eines für die Erinnerung, wenn der Imperator hier feststecken würde und seine Leibsklaven durch pressen und drücken versuchten ihn zu lösen.


    Dass ihm die Tür aufgehalten wurde würdigte er keines Blickes, dafür waren Sklaven da. "Salve, Seiana! Es freut mich, dass du mich empfängst, auch wenn der Ort selbst dafür etwas ungewöhnlich ist." Hoffentlich fragte sie ihm nicht, wieso er dann hier her gekommen war. "Gerne.", bestätigte er. Auch wenn die Frage von Seiana anscheinend rein rhetorisch war, da sie bereits ihm etwas eingegossen hatte, ohne seine Antwort abzuwarten. "Einiges Seiana. Bevor ich aber fortfahre, würde ich mich doch gern setzen?"

  • Zitat

    nachdem sie ihm eingeschenkt hatte was er wollte – falls er etwas wollte –


    Nachdem Seiana seine Antwort abgewartet hatte, schenkte sie ihm also etwas zu trinken ein – und zog dann ein wenig verwundert die Augenbrauen hoch. Sie hatte ihm doch mit einer Handbewegung bedeutet, sich setzen zu können. Was wollte er – eine gesonderte, extra ausgesprochene Einladung? „So war meine Geste gedacht, Varenus“, lächelte sie kühl zurück. „Dass du dich gerne setzen kannst.“

  • Die vorige Handbewegung seiner Vetterin hatte er nicht wahrgenommen, da er sich vielmehr darauf konzentrierte, keinen Fehler zu begehen. Doch nun war er wohl in einem Fettnäpfchen getreten, weil er ihre Reaktion nicht wirklich zuordnen konnte.


    "Danke, Danke!", sagte er ganz freundlich, um ein wenig von der Situation seiner Unachtsamkeit abzulenken. Somit er Platz nahm.


    "Seiana, bevor ich mit wichtigeren Dingen beginne. Möchte ich dich doch gern informieren. Wie du wahrscheinlich erfahren hast, führe ich im Namen des Imperators einen Mikrocensus durch. Bei der Durchforstung der Grundstückslisten, aber auch weil in der Familie bekannt ist, dass du diverse Ländereien besitzt. Möchte ich dich bitten, dass du mir im Laufe der Wochen Auskunft erteilst. Denn ich bin ebenso beauftragt worden ein Grundstücksarchiv anzulegen. Daher frage ich. Welche Informationen benötigt werden, sende ich dir demnächst per Wachstafel. Nur, damit du schon einmal Bescheid weißt.", lächelte er und nahm anschließen ein kleinen Schluck vom herrlich mundeten Minzwasser.


    "Des Weiteren möchte ich gerne erfahren, ob es möglich ist, einen Artikel zu veröffentlichen. Es ist nämlich ziemlich schwer wegen der aktuellen Lage und so weiter. An ausreichenden Informationen zu kommen, die das Archiv füllen. Daher habe ich mir gedacht, einen Artikel zu veröffentlich, der die Eigentümer von Ländereien anspricht, und sie daraufhin die benötigten Angaben an die Kanzlei einsenden. Ich möchte dir ungern in die Parade fahren, daher frage ich vorab, ob du nichts dagegen hättest und werde dann erst die Kanzlei anfragen. Ich denke der Imperator wird einen Erlass veröffentlichen. Zumindest werde ich es versuchen. Wieso sollte man unnötigen Aufwand betreiben?


    Was meinst du, Seiana?" Titus saß weiterhin ungewohnt still, fast wie ein Stein.

  • „Sicher, ich lasse dir gerne die Informationen zukommen, die du brauchst“, erwiderte Seiana mit einem vagen Lächeln. „Bis wann bräuchtest du die Zusammenstellung? Oder hat es ein bisschen Zeit?“ Sie trank ebenfalls einen kurzen Schluck. „Was deine nächste Frage angeht: sicher kann zu diesem Thema etwas veröffentlicht werden. Ein Aufruf an alle Grundstücksbesitzer, sich mit den geforderten Informationen zu melden... es würde sich anbieten, das auch über die Acta laufen zu lassen.“ Ihr Lächeln wurde eine Spur wärmer. Es war zwar im Grunde nur eine Kleinigkeit, und es sprach nicht das Geringste dagegen, diesen Aufruf in der Acta zu veröffentlichen – trotzdem wusste sie zu schätzen, dass Varenus zuerst mit ihr darüber sprach. Er hätte genauso gut einfach in der Kanzlei alles ins Rollen bringen können – wenn sie einen Brief von dort bekam, wurde befolgt, was die Anweisung war, da hatte sie kaum Spielraum. „Ich würde in einem solchen Fall allerdings keinen Artikel machen, sondern die Aufforderung der Kanzlei im Wortlaut veröffentlichen.“

  • "Es hat natürlich Zeit, ich denke, du hast viel Wichtiges zu tun als irgendwelche Angaben über deine Ländereien zu tätigen. Ich werde dir demnächst eine Wachstafel zukommen lassen, mit den Angaben die benötigt werden." Wiederholte er kurz.


    Er erwiderte weiterhin freundlich. "Da hast du natürlich Recht, ich denke auch, dass die persönliche Aufforderung des Imperators, den benötigten Erfolg haben wird. Nun Seiana, komme ich zu den bereits angedeuteten persönlichen Themen. Zuerst möchte ich mich bei dir bedanken, dass du dich so wundervoll um meine Tochter Messalina gekümmert hast. Ich weiß, der Dank kommt weit verspätet, aber ich wollte es dir persönlich mitteilen anstatt über einen Brief." Bevor er fortfuhr, nahm er diesmal einen kräftigen Schluck, seine Kehle war bereits ganz trocken vom vielem Reden. "Des Weiteren möchte ich dich bitten, mich zu beraten, welcher Patron für die Familie Decima kein Problem wäre."


    Edit: Gedanken gelöscht

  • „Ja, tu das.“ Die Zusammenstellung würde ohnehin einer ihrer Sklaven erledigen, aber es war gut zu wissen, dass sie etwas Zeit haben würde um die Angaben selbst noch zu überprüfen, bevor sie sie weiter gab. „Ich werde mich bemühen, sie dir recht rasch zurück zu geben.“


    Seiana nahm den Dank mit einem Nicken und einem Lächeln entgegen. „Es war selbstverständlich, mich um Messalina zu kümmern. Wir sind eine Familie.“ Nichts anderes wäre in Frage gekommen. „Ich hoffe es geht ihr gut im Tempel. Der Weg, den sie beschreitet, ist sicher kein einfacher... aber eine große Ehre, für sie und ihre Familie.“ Bei der anschließenden Frage dann strich sie sich nachdenklich über das Kinn. „Nun, gerne. Hast du dir schon Gedanken gemacht über einen möglichen Patron gemacht?“

  • Nach dem Gespräch mit Seneca hatte Seiana überlegt... gegrübelt vielmehr. Ob sie ihre Idee tatsächlich in die Tat umsetzen, ob sie mit Axilla wirklich noch einmal reden sollte. Nach ihrem letzten Aufeinandertreffen hatte sie eigentlich wenig Lust darauf... verständlicherweise, schon allein weil sie nicht noch einmal Bekanntschaft mit Axillas Faust machen wollte, und sie war sich bei weitem nicht sicher, ob die Iunia sich genug beherrschen konnte. Entsprechend war sie der Iunia in den vergangenen Tagen bewusst aus dem Weg gegangen, wenn sie denn gleichzeitig in der Acta waren.
    Allerdings: es ging nicht nur um Seneca, oder um sie, oder irgendwelche Konsequenzen daraus – denn ganz gleich, was Seneca beteuert hatte, sie traute der Iunia keinen Fingerbreit über den Weg –, es ging auch um die Arbeit. Axilla war immer noch Lectrix. Wäre sie nicht die Verwandte von Seneca, Seiana hätte sie hochkant rausgeworfen, aber so... musste noch einmal ein Gespräch her, wenigstens eines, um zu klären, wo sie standen.


    An diesem Tag war Axilla ebenfalls in die Acta gekommen... und als es schon später Nachmittag war, schickte sie einen Subauctor, der gerade zum Gespräch gewesen war, mit den Worten hinaus: „Bevor du gehst, schick die Lectrix noch zu mir.“ Später Nachmittag. Nur noch wenige Mitarbeiter in der Acta, noch weniger als ohnehin schon zur Zeit – der drohende Bürgerkrieg hatte ihre Zahlen deutlich dezimiert –, dazu ihr Büro im hinteren Teil, dafür aber zentral im Gebäude, so dass nicht gelauscht werden konnte... und dazu neutraler Grund. Freilich trotzdem nicht ideal, aber besser als alles andere an möglichen Orten, die ihr eingefallen waren.

  • Wie häufig war Axilla eigentlich nur kurz in die Acta gekommen, um das nötigste zu erledigen und den Rest mit heim zu nehmen. Ob sie Berichte hier las oder daheim, war egal. Genauso wie es egal war, wann und wie sie ihre Arbeit machte, solange sie nur erledigt wurde. Es war hier kein bisschen anders als bei jedem römischen Magistraten oder sonstigem Amtsträger. Wie man die Arbeit erledigte, war egal, solange sie nur erledigt wurde. Außerdem hatte Axilla gleich aus mehreren Gründen keine Veranlassung, hier in diesem Kasten zu sitzen, wenn es nicht nötig war. Die wichtigsten waren ihr Mann und ihr Sohn, aber die Drohungen der Decima und ihre eigenen Pläne diesbezüglich taten das übrige dazu, dass Axilla hier nicht sein wollte.
    Und sie wollte auch nicht der Bitte nachkommen, als der Subauctor an sie herantrat und ihr sagte, die Auctrix wünsche sie zu sehen. Hat ja doch länger gedauert, als ich gedacht habe, dachte Axilla, und ein sarkastisches Lächeln spielte um ihre Züge. Sie hatte ja gedacht, dass die Decima sie viel eher versuchen würde, zu sich zu bestellen. Allein. Um sie hier dann rauszuwerfen. Denn dass die Decima das nach ihrer zweifachen drohung gegen sie tun würde, daran hatte Axilla keinen Zweifel. Sie hatte ja schon überlegt, selbst einfach zurückzutreten von ihrem Posten, um der Decima nicht die Genugtuung zu geben, sie rauszuschmeißen. Aber sie hatte sich dagegen entschieden. Zum einen war sie nicht bereit, einfach so zurückzuweichen. Und zum anderen würde es der perfekte Beweis für Seneca sein, ihm zu zeigen, wie seine Angebetete wirklich war. Auch wenn er Axilla nun sein Einverständnis gegeben hatte, zu handeln, glaubte sie dennoch, dass ihm die Augen noch gänzlich geöffnet werden mussten, was den Charakter Seianas anging. Wenn die Decima sie entließ, dann musste Seneca sehen, dass Seiana gegen die Iunier stand. Und Axilla wollte nicht glauben, dass ihr Vetter sich gegen die Familie entscheiden würde.
    Allerdings hätte Axilla gedacht, dass die Decima schneller zu diesem Schritt übergehen würde. Vielleicht hat sie gewartet, bis der Schlag verheilt ist. Noch so ein gehässiger Gedanke, nicht ohne gewisse Genugtuung. “Sag der Auctrix, dass du mich nicht mehr erwischt hast und ich schon daheim war“, sagte Axilla im Plauderton zu dem Subauctor. Sie hatte nicht vor, der Decima diese Genugtuung zu geben, nur weil diese meinte, sie hier in der Acta als Erweiterung ihres Reiches runterputzen zu können. Früher wäre Axilla vielleicht aus Gewissen wegen Archias noch gegangen, hätte gedacht, dass sie es schon verdient hätte, und hätte gehofft, dass es anders laufen würde. Aber das war vorbei. Diese Art von Gedanken hatte Seiana mit ihren Drohungen gegen Axillas Familie ein für alle Mal ausgelöscht. Axilla würde sich von der Decima nicht mehr herumschubsen lassen, sich nicht mehr ihr unterordnen. Das war ein für alle Mal vorbei. Konversation würde, wenn überhaupt, höchstens auf Augenhöhe stattfinden, aber keinesfalls auf einem solchen Schlachtfeld wie diesem hier.
    Der Subauctor sah etwas verwirrt drein, als wisse er nicht, was er davon halten sollte. Aber Axilla war es egal. Sie packte sich die Wachstafeln auf den Arm, die einer genaueren Aufmerksamkeit bedurften. “Ich bin dann bei meinem Sohn und seinem Vater“, Axilla wählte die Worte mit Absicht so, falls der Subauctor doch etwas wörtlich hier zitieren wollte und nicht einfach sagen, dass er sie verpasst hatte. “Wenn es wichtig war, kann sie ja Nachricht schicken.“ Und damit ging Axilla nach Hause und nicht ins Büro der Auctrix.

  • Als der Subauctor ihr sagte, die Lectrix sei bereits wieder weg, hätte Seiana am liebsten geflucht. Aber sie schickte ihn nur mit einer Handbewegung wieder weg... und beschloss kurzerhand, die Iunia dann eben daheim aufzusuchen, wo sie nach den Worten des Subauctors war. Sie hatte sich dazu entschieden, mit ihr zu reden, dann wollte sie es gleich hinter sich bringen, und wenn das hieß, dass sie sich doch noch einmal auf ihr Terrain begeben musste – bitte. Dieses Mal war sie besser vorbereitet... und dieses Mal brannte keine schmerzhafte Enttäuschung tief in ihr, die sie kaum noch klar denken ließ. Bessere Voraussetzungen als beim letzten Mal.

  • "Du kannst dir ruhig Zeit lassen. Es gibt für dich bestimmt wichtigere Aufgaben zu erledigen. Dein Bruder aber, hat mir bereits eine Liste zugesandt. Er scheint sehr motiviert zu sein, uns Familienmitglieder entgegen zu kommen. Erinnert mich an Mercator selbst, der sich damals ausgezeichnet um die Familie kümmerte. Vielleicht könntest du ihm einen Gruß von mir geben, ich denke du siehst ihn eher als ich." Titus war froh solch einen Vetter zu haben und war daher auch gar nicht daran interessiert den Hausherren-Thron streitig zu machen. "Dass du es für selbstverständlich hältst, ehrt mich, - ehrlich gesagt. Du hättest sie auch an eine andere weniger untätigen Decima verweisen können, denn für dich ist, denke ich, Zeit sehr begrenzt. Ich hoffe nur, dass sie dir nicht zu sehr beansprucht hat. Sie kommt nämlich ganz nach mir." Lächelte er Seiana entgegen. Titus war selbst schwierig zu handhaben und handelte oft ohne vorab nachzudenken. "Das mit dem Tempel ist so eine Sache, seit sie dort wohnt, besucht sie uns kaum und nimmt eher Abstand. Ich weiß einfach nicht, was in ihr gefahren ist, vielleicht liegt es auch nur daran, dass sie erwachsen wird." Mein kleines Mädchen, eine Frau! Wie vermisse ich doch die Tage als nur ich in ihren Augen wichtig war. "Nun, Gedanken ja. Aber keine Vorstellung einer Person. Auf jeden Fall sollte es kein Jungsporn sein, - schau mich an. Ebenso sollte er natürlich der Familie Decima zugewandt sein, wie auch Erfahrung in der Verwaltung aufweisen können. Ein reiner Militär wäre nicht wünschenswert, ich hasse das Militär! Ideal wäre auch, wenn er nicht als Feind vom Imperator eingestuft wäre, vielleicht sogar das Gegenteil."

  • Ein Lächeln flog über Seianas Gesicht, als Varenus ihren Bruder nicht nur erwähnte, sondern so positiv von ihm sprach. „Ja. Die Familie bedeutet ihm alles.“ Sie nickte leicht. „Das werde ich, wenn ich ihn sehe... allerdings denke ich doch, du siehst ihn häufiger, immerhin lebt ihr unter demselben Dach.“ Sie nippte an ihrem Becher und machte dann eine abwehrende Handbewegung. „Ich habe mich gefreut, sie hier unterstützen zu können. Noch dazu, wo sie eine so ehrbare Aufgabe angestrebt hat“, bekräftigte sie noch einmal, und sie meinte das ehrlich. „Nun, dass sie älter wird, mag ein Grund sein. Aber ich denke auch, dass sie einfach sehr viel Unterricht und viele Aufgaben hat. Der Vestalinnendienst ist anspruchsvoll, da ist es nicht verwunderlich, dass sie wenig Zeit hat“, versuchte sie ihren Vetter ein wenig zu beruhigen.


    Beim nächsten Thema überlegte Seiana ein wenig, hörte zu, was Varenus von seinen Gedanken erzählte – sah nur kurz ein wenig überrascht auf bei dem Ausruf, dass er das Militär hasste. Kurz zuckte eine ihrer Augenbrauen nach oben, immerhin war der Rest der Familie doch sehr militärisch geprägt... aber es hatte vielleicht seine Gründe, dass Varenus mit seiner Familie jahrelang in Genua gelebt hatte, nicht in Rom oder in Tarraco, wo seine engsten Verwandten ihre Hauptsitze hatten. „Nun... es dürfte schwer werden, einen Patron zu finden, der nichts oder wenig mit dem Militär zu tun hat und unserer Familie zugewandt ist, wenn du unsere lange Militärtradition bedenkst.“ Den Hinweis konnte sie sich nicht verkneifen. „Im Moment ist es etwas schwierig, weil viele Rom verlassen haben – nicht nur echte oder mögliche Verräter, auch andere, die aus Angst vor dem Bürgerkrieg gegangen sind. Wie sieht es denn in der Kanzlei aus, bei den Procuratoren?“

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