Equirria im Februar

  • Wie jedes Jahr vor den Equirria standen auch in diesem Jahr einige Tage vor dem Festtag wieder große Wagen auf dem wenigen freien Platz, der vom einst großen Marsfeld übrig geblieben war. Früher sammelte sich hier das Heer im Frühjahr zu Beginn der Feldzüge, um auszurücken und Italien zu erobern. Jetzt gab es stehende Legionen in ihren Kasernen in allen Winkeln des Reichs und das Marsfeld war weitgehend mit Gebäuden zugebaut worden. Aber dort, wo zu jenen früheren Zeiten immer die hölzerne Tribüne und eine Rennbahn errichtet worden war, befand sich jetzt das Stadium Domitiani, und vor diesem parkten die großen Wagen. Denn in einigen Tagen standen wieder die traditionellen Rennen an, und dazu musste das Stadion hergerichtet werden. Der Sand auf der Bahn wurde erneuert, die Tribünen geputzt und gelegentlich wurde an einer schadhaften Stelle auch noch mit Mörtel oder Farbe nachgeholfen. Vor dem Stadion wurden zahlreiche hölzerne Buden errichtet, in denen fahrende Händler später Speisen, Getränke, weiche Kissen und sonst alles anbieten konnten, was man zu einem gelungenen Renntag braucht.


    Besondere Sorgfalt legte man jedoch auf die Ehrenloge des Stadions und viele der Arbeiten waren vom Kaiserhof angeordnet worden, denn niemand geringeres als der Kaiser persönlich würde die Rennen an den ersten Equirria des Jahres stellvertretend für die Priesterschaft und gleichzeitig als Oberbefehlshaber der Armee ausrichten. Für die Hauptrennen geladen waren jedoch nicht die Factiones Roms, sondern junge Männer aus allen Teilen des Reiches. Ihnen werden traditionelle Kriegswägen und Pferde gestellt, mit denen sie vor den Augen des Imperators gegeneinander antreten sollen. Doch noch war es noch nicht soweit und der Festtag noch in weiter Ferne.

  • Frühzeitig schob sich die Sänfte des Tiberius Durus durch das Gedrängel rund um das Stadion. Der Tiberier kam extra früh, um sicherzustellen, dass er einen guten Platz erhielt, schließlich liebte er den Rennsport. Außerdem war es wichtig, gesehen zu werden.


    So entstieg Durus der Sänfte direkt vor dem Stadion und trat von seinen Sklaven abgeschirmt seinen Weg zum Platz in der ersten Reihe an...

  • An diesem milden Februartag waren auch Deandra und ich unterwegs zu den equirria. Zuvor waren wir aus Mantua angereist. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Deandra auf der Reise zu erzählen, warum ich so unbedingt die Rennen anschauen wollte, auch wenn keine factiones vertreten waren. Irgendwie hatte ich es dennoch vor mir her geschoben, denn ich wusste nicht, wie sie es aufnehmen würde, wenn der Kaiser mich wirklich zum tribunus ernennen würde. Ich ahnte, dass ich nicht in Italien bleiben würde, wenn man mich ernannte. Warum, vermochte ich nicht zu sagen, aber das Gefühl war einfach präsent.


    Nun bewegte sich die Sänfte mit Deandra und mir als Insassen langsam ihrem Ziel entgegen, durch die Gassen und Straßen Roms, begleitet von einer Handvoll Sklaven gen campus martialis, das wir bald erreichen würden. Unruhe machte sich allmählich in mir breit.


    "Es finden nicht nur Rennen statt", erklärte ich gerade.
    "Es werden auch die tribuni für die nächste Amtsperiode ernannt. Man munkelt auch davon, dass ein Vinicier der neue legatus augusti pro praetore von Gemanien werden wird. Hast du eine Ahnung, warum man Decimus Meridius abzieht?"

  • All zu oft wollte ich nicht mehr zwischen Mantua und Rom hin und her reisen, denn das tagelange Geschaukel in diesen unbequemen Reisekutschen verursachte bei mir stets eine blassgrüne Verfärbung der Gesichtshaut, die von dem weißen Puder nur unzureichend überdeckt wurde. Glücklicherweise hatte ich in der Villa Aurelia eine erholsame Nacht und saß nun in einer Sänfte, die von besonders geschulten Sklaven annähernd schwebend durch Roms Straßen befördert wurde, zumindest soweit es die Straßenverhältnisse zuließen.


    Bereits während der Reise grübelte ich darüber nach, warum eigentlich nicht die Factiones an den geplanten Rennen beteiligt waren. Mein erster Gedanke war sogar der, dass erneut eine Meldung versäumt wurde, so wie das bereits im letzten Jahr der Fall gewesen war. Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass diese Spiele anders ablaufen sollten, spätestns dann, als Corvi es bestätigte.


    „Hmhm. Nicht nur die Rennen?“, wiederholte ich, um mein Interesse zu zeigen. Die nachfolgenden Informationen waren dann auch erheblich. „Meridius wird abgezogen? Warum? Hat er sich etwas zu schulden kommen lassen oder wird er anders wo gebraucht?“ Die Überraschung war erheblich, hatten wir den Legaten doch erst vor wenigen Monaten besucht. Und da war doch noch eine Information.


    „Ein Vinicier übernimmt das Amt? Weißt du welcher?“

  • Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, als schon die ersten Gruppen von Menschen zum Stadium Domitiani auf dem Marsfeld zogen, in dem an den heutigen Equirria die Rennen abgehalten werden sollten. Schon in der Nacht zuvor hatten die Händler ihre Holzbuden vor dem Stadion eingerichtet und versuchten jetzt, den ersten Zuschauern noch ein Frühstück zu verkaufen. Doch die meisten Zuschauer, die jetzt schon kamen, waren eingefleischte Rennsportliebhaber und hatten wenig Augen für die Händler, sondern wollten sich zunächst einmal die besten Plätze im Stadion sichern. Oder es waren jene, die aus verschiedenen Gründen geladen waren und sicherstellen wollten, auf keinen Fall zu spät zu kommen.


    Von den wenigen jungen Männern, die nicht durch die Zuschauereingänge das Stadion betraten, sondern in den Seiteneingängen des Startbereiches verschwanden, nahm ebenfalls kaum jemand Notiz. Obwohl auch sie geladen waren und vor allem sie es sein würden, die später auf der Rennbahn die Pferde lenken würden. Doch noch war ihr Bekanntheitsgrad eher gering und fast alle von ihnen waren überhaupt zum ersten Mal in Rom.


    Zwei weitere Arten von Männern waren unter den bereits Anwesenden ebenfalls unvermeidlich. Zum Einen die auffällig unauffälligen Herren in Togen, die an verschiedenen Eingängen und rund um die Ehrenloge auf alles und niemanden zu warten schienen und mit grimmigem Blick all jene anschauten, die ihrer Meinung nach einen Weg einschlugen, auf dem sie nichts zu suchen hatten. Zum Anderen verschiedene Priester, Ministri und andere Funktionsträger des Cultus Deorum, die den Platz in der Mitte der Rennbahn für die fällige Opferzeremonie vorbereiteten. Bei beiden Gruppen war ihre Anwesenheit nicht weiter verwunderlich und die meisten Zuschauer beobachteten sie wohl eher aus Langeweile als aus Interesse bei ihren Taten.


    Etwas mehr Aufmerksamkeit erregte da schon etwas später die Ankunft der Kriegswägen, mit denen die Rennen ausgetragen werden sollten. Es waren keine ausgefeilten Wägen, wie sie die Factiones verwendeten und bei denen jeder Niet und jeder Holzsplint auf seine Renntauglichkeit geprüft war, sondern einfache Streitwägen. Alle Fahrer würden gleiche Bedingungen haben, ihr Können mit den Pferden beweisen müssen und mit dem Risiko leben müssen, die Grenzen der Belastbarkeit dieser Wägen zu überschreiten. Für den durchschnittlichen Rennbesucher sahen die Wägen etwas veraltet aus und auch die wenigsten Soldaten würden solche Wägen wohl noch aus dem Einsatz kennen. Rom hatte sich weiter entwickelt in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten, aber bei den Equirria blieb es zumindest manchmal noch seinen alten Traditionen treu.

  • Appius war auch gekommen und suchte sich eienn Platz wo er gut sehen konnte. Er hatte läuten hören, daß zu dem Fest die neuen Tribune ernannt werden würden. Man hatte ihn nicht benachrichtigt also ging er davon aus nicht Tribun zu werden. Es interessirte ihn aber schon welche "Kapazitäten" auf dem militärischem Gebiet nun an seiner statt ernannt wurden. Man konnte schon merken daß er ein wenig traurig und zornig darüber war, nicht genommen zu werden.

  • In Begleitung einiger Hofbeamter und etwas mehr Militärangehörigen als sonst betritt der Kaiser das Marsfeld und wenig später die Ehrenloge der Rennbahn. Seine Kleidung ist ein gelungener Kompromiss aus festlichem und militärischem Auftreten, denn am heutigen Tag sollen nicht nur Opfer und Rennen abgehalten werden, sondern auch Tribune ernannt werden.


    Der Kaiser tritt an den Rand der Loge, blickt über die Tribünen der Rennbahn, winkt mit einigen ruhigen Gesten ins Publikum und wendet sich dann seinen Begleitern zu und nimmt mit ihnen gemeinsam Platz, um den Fortgang der Ereignisse zu beobachten. Im Hintergrund prüfen emsige Hofbeamte gewissenhaft, welche der geladenen Gäste bereits anwesend sind.

  • Eine dünne Wolkendecke, wie sie im Februar nicht selten ist, verhinderte zwar den ungehinderten Blick auf die Sonne, aber trotzdem war sie am Himmel schon etwas weiter gestiegen, bis das Stadium Domitiani sich gefüllt hatte. Nachdem sich der Jubel um die Ankunft des Kaisers gelegt hatte, zog die Prozession der Priester, Weihrauchträger, Opferdiener, Musikanten und natürlich der Opfertiere in das Stadion ein. Nicht die Anwesenheit des Kaisers, sondern erst die kommende Zeremonie eröffnete den Renntag und aus Sicht der Priester war der Kaiser dabei nur ein Zuschauer unter vielen. Nur die wenigsten Zuschauer werden diese Sichtweise ernsthaft geteilt haben, aber für den Flamen Martialis, der dieses Opfer leiten sollte, war sie geradezu eine alltägliche Sichtweise, denn immerhin begegnete er dem Kaiser auch häufiger im Collegium Pontificium und außerdem wäre es keine gute Angewohnheit gewesen, sich durch die Anwesenheit des Pontifex Maximus nervös machen zu lassen. Als Imperator war dieser zwar der Opferherr und Ausrichter des Opfers und der Spiele, hatte in der Kulthandlung aber diesmal ansonsten keine Funktion.


    Unter dem Klang von Pfeifen und Lauten umrundeten sie die Spina und führten die Opfertiere dann über eine bereite hölzerne Rampe hinauf zum Opferplatz am Altar, der sich in der Mitte der Spina befand. Zwei Stiere sollten geopfert werden und an diesem Tag sollten auch zwei Rennen stattfinden. Doch bevor es soweit war, umrundeten erst einmal der Flamen und die Priester den Altar, währen die beiden geschmückten Stiere an Eisenringen auf dem Boden angekettet wurden. Während in mehreren Opferschalen große Mengen Weihrauch verbrannten, folgten die rituellen Reinigungen und mit donnernder Stimme rief ein Herold die Anwesenden zum Schweigen auf. Die verbleibende Lautstärke wurde von den Flöten einfach übertönt.


    Da der Kaiser sich bereits in de Ehrenloge befand, wurde die folgende Kulthandlung von der Weihung des Tieres über seine rituelle Entkleidung bis zum Verlesen des Opfergebetes praktisch ohne sein Zutun und unter Leitung des Flamen erledigt. Wie an einem Festtag, den schon Romulus zu Ehren des Mars eingesetzt hatte, nicht anders zu erwarten war, war es die kriegerische Seite des Gottes, die in diesem Gebet besonders angesprochen wurde und die daran erinnerte, wie Rom zu seiner heutigen Größe gelangte. Erst vor dem Abstechen der Opfertiere gab es einen kurzen Blickkontakt zur Kaiserloge, dann fuhren die Opfermesser den Stieren in den Hals und die Eingeweide wurden entnommen und begutachtet.

  • Mars freute sich über das nette Gebet mit dem herrlich veralteten Text und über die zwei hübschen Stiere. Erst konnte er sich nicht entscheiden, welchen der beiden er zuerst annehmen sollte, aber nachdem er rasch eine Münze geworfen hatten, nahm er erst den linken und dann den rechten an.

  • Von der Villa Tiberia hatte sich ein kleiner Zug auf den Weg zum Marsfeld gemacht. Tiberius Vitamalacus wurde heute nicht nur wie übblich von Titus begleitet, sondern auch noch von Mitgliedern der Familie, Sklaven des Haushaltes und zahlreichen Klienten.


    Er hatte niemanden gesagt, warum ihm diese Equirra ihm besonders wichtig war, niemand in der Familie wusste von dem Inhalt des Briefes. Er hatte nur verlauten lassen, in ungewohnt freundlicher Weise für ihn, das er gerne die Familienmitglieder am Marsfeld sejen würde.


    Kaum hatte man das Feld und das Stadion erreicht, gerade noch rechtzeitig um das Opfer zu verfolgen, löste er sich von den anderen, liess auch Titus und Cato zurück und bahnte sich seinen Weg in Richtung der Ehrenloge.


    Dort trat er einen der Wachposten heran, grüsste militärisch knapp und stellte sich vor.

  • Als Durus Platz genommen hatte, sah er sich zuerst um. Noch waren keine Wägen zu sehen, doch bald konnte man am Rande der Arena ein paar Knechte erkennen, die einen altertümlichen Wagen, wie ihn vielleicht einer seiner Ahnen gefahren war, zu den Boxen zogen.
    Dann erschien auch schon der Kaiser in prächtigem Ornat. Ganz offensichtlich wollte auch er heute die militärische Seite dieses Festes betonen - zumal auch das Gerücht umging, dass es heute zur Ernennung einiger Tribune kommen würde! Wohl durch den Kaiser persönlich...
    Auch Durus stimmte in den Jubel ein - wenn auch eher verhalten - , bis der Flamen Martialis. sowie die Opfertiere an der Spina erschienen waren. Voller Spannung verfolgte er dann das Opfer, das in gewohnter Routiniertheit des Cultus Deorum ausgeführt wurde - immer wieder faszinierend!
    Erst nach Beginn des Opfers konnte er an der Ehrenloge Vitamalacus erblicken - Moment...Quintus in der Ehrenloge? Hatte er irgend etwas verpasst? Quintus war zwar Senator, aber seines Wissens nach kein spezieller Freund des Kaisers...oder hatte es etwas mit dem Gerücht von den Tribunen zu tun? Schon war seine Konzentration auf das Opfer dahin...

  • Nach der Annahme des Opfers dauerte es noch einige Zeit, bis die Spina wieder geräumt war und nach dem rituellen Höhepunkt des Tages der spektakuläre Höhepunkt mit den Rennen folgen konnte. Noch während neben dem Altar die letzten Teile der Stiere erlegt und in Töpfe gegeben wurden, öffneten sich unten auf der Bahn die Tore und die sechs Wägen, die im ersten Rennen gegeneinander antreten sollten, wurden zu einer langsamen Runde über die Bahn geführt. Unruhig warfen die Pferde ihre Köpfe in die Luft, als der Lärm des Publikums anschwoll, aber die Begleiter, die neben den Pferden herliefen, machten ihre Sache routiniert und keines der Gespanne ging schon vor dem Start durch. Das gab den Lenkern Gelegenheit, ins Publikum zu winken und sich schon vor dem Rennen ein wenig feiern zu lassen, während ihre Namen und ihre Herkunft verlesen wurden. Ein Gallier war unter den Fahrern, ein Hispanier, ein Thraker und einer aus Asia, einer aus dem Illyricum und ein Ägypter, doch keinen der Namen hatte man zuvor in Rom schon einmal gehört. Es waren junge Fahrer, die in ihrer Heimat ihr Talent bewiesen hatten und sich nun den großen Traum erfüllen konnten, einmal in Rom vor dem Kaiser persönlich ein Rennen zu fahren. Für manche von ihnen würde der Traum vielleicht sogar noch weiter gehen, wenn die Vertreter der großen Factiones Roms ein Auge auf sie warfen und für ihren Rennstall behalten wollten. Aber soweit war es noch nicht, denn noch standen ihnen sieben anstrengende Runden auf der Rennbahn bevor.


    Nachdem Fahrer, Pferde und Wägen einmal auf der ganzen Bahn gezeigt worden waren, kamen sie zurück in den Startautomaten. Trompetenklänge kündigten den nahen Start des Rennens an und in gespannter Erwartung wurde es etwas ruhiger. Als sich dann die Tore öffneten und die Fahrer versuchten, so schnell wie möglich volle Fahrt aufzunehmen, schwoll der Lärm dafür umso mehr an. Aus den Rufen des Publikums konnte man ein wenig entnehmen, welche Fahrer bei der Vorstellungsrunde die meisten Sympathiepunkte erobern konnten. Dass der Ägypter einen etwas schwer auszusprechenden Namen hatte, stellte sich als recht kleines Problem heraus, denn das Publikum taufte ihn kurzerhand "Isis", was zwar nicht unbedingt passte, aber leicht zu rufen war. An die Spitze des Rennens setzte sich dagegen zunächst einmal der Hispanier, der sich mit dem Gallier von Beginn an ein heftiges Duell lieferte. Es folgten die Fahrer aus Asia, dem Illyricum und Ägypten, während der Thraker das Schlußlicht bildete und damit seinem klagvollen Namen "Alexandros" keine Ehre zu machen schien.


    Auf der zweiten Runde gerieten die Isis-Fans unter den Zuschauern in helle Aufregung, als sich ihr Favorit mit kräftigen Peitschenhieben entweder auf seine Pferde oder seine Gegner Stück für Stück nach vorne arbeitete und bis auf den dritten Platz nach vorne kam. Vor ihm touchierten sich schon zum wiederholten Mal die Wägen des Hispaniers und des Galliers, wobei der Hispanier auch diesmal die Nase vorne hatte und somit als führender Mann in die dritte Runde ging. Abgesehen davon, dass Alexandros den letzten Platz an den Illyrer abgab, tat sich in dieser aber nicht viel.

  • Zitat

    Original von Claudia Aureliana Deandra
    ...


    "Ich habe nicht den leisesten Schimmer, Deandra. Um ehrlich zu sein, weiß ich selbst kaum mehr als von der Existenz jenes Gerüchts. Ich dachte, du wüsstest mehr, da du mit dem Senator in Briefkontakt stehst. Nun ja, lassen wir uns überraschen."


    Wie um das Ende des Satzes zu bestätigen, ruckte sie Sänfte kurz und stand dann sicher auf dem Boden vor dem Platz des Geschehens. Ein Sklave kam herum und schob die Vorhänge zur Seite, damit wir aussteigen konnten. Zuerst entkletterte ich der Sänfte, dann reichte ich Deandra eine helfende Hand, und bald standn wir beide nebeneinander auf dem schmutzigen Pflaster inmitten der anpreisenden Händler. Einige der teils aurelischen, teils claudischen Sklaven schafften die Sänfte beiseite und der Großteil verblieb bei Deandra und mir. So traten wir den Weg an.


    "Ein Geschmeide, um die Schönheit der jungen Dame vorzuheben?" erklang es von der Seite. Ich wandte den Blick nicht einmal, doch wenn ich es geta hätte, so hätte mir ein zahnloses Gesicht entgegengegrinst und mit einem goldenen Kettchen geklimpert. "Wahre Schönheit hat keinen billigen Tand nötig", entgegnete ich nur im Vorübergehen und führte Deandra auch weiterhin unbehelligt weiter.


    "Was den Vinicier betrifft, so kann es eigentlich nur der vinicische Konsular sein, ein anderer käme nicht in Frage," erklärte ich meine Vermutung und deutete dann nicht nach links, sondern weiter geradeaus, was bedeutete, dass wir nicht jene Tribünen ansteuerten, die für Patrizier reserviert waren, sondern uns den Weg zur Tribüne des Kaisers bahnten.


    "Hier entlang, meine Liebe. Ahm...es kann sein, dass es eine Überraschung für dich geben mag", begann ich vorsichtig und schenkte Deandra ein verschmitztes Grinsen. Für mich gab es vielleicht auch eine. Ich wünschte mir so sehr, in der Legion meiner Ahnen dienen zu dürfen, der legio prima. Und doch würde ich dem Kaiser ohne zu zögern dort dienen, wo er mich sehen wollte, denn die Kaisertreue war neben der Familientreue das höchste Gut eines Mannes, genaz besonders eines Patriziers. "Semper fidelis, semper paratus", murmelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart und drückte mir selbst mit klopfendem Herzen die Daumen.


    Prätorianer schirmten die Tribüne ab, und da es in dem Brief gehießen hatte, dass ich mich bei der kaiserlichen Garde anmelden sollte, nickte ich einem der Soldaten knapp zu und stellte mich also vor, während mein Sklave Trautwini dem Mann den Brief zeigte.
    "salve, ich bin Aurelius Corvinus, das ist Claudia Deandra. Ich erhielt einen Brief."

  • Ganz anders als die belanglose dritte Runde präsentierte sich die vierte Umrundung der Spina. Noch immer duellierten sich an der Spitze des Rennens Hispania und Gallia, doch während die Fahrer keine Anzeichen zeigten, aufgeben zu wollen, hielt einer der Wägen den ständigen Karambolagen nicht mehr stand. Kein lautes Krachen, aber eine umso größere Staubwolke war zu bemerken, als die vordere Ecke des gallischen Wagens in das Rad seines Vordermannes geriet und dieses zerlegte. Wild wiehernd zogen die Pferde den Gallier und seinen Wagen weit nach außen, um den herumfliegenden Holzsplittern zu entgehen, während sein hispanischer Kollege in die andere Richtung aus dem Wagen katapultiert wurde und verzweifelt versuchte, sich von den Zügeln zu befreien und nicht weiter mitgeschleift zu werden. Seine Pferde zogen erst nach innen und dann nach außen, bevor sich die Überreste des Wagens aus dem Gespann lösten und genau dorthin rutschten, wo der Ägypter an dem Unfall vorbeiziehen wollte. In einer zweiten Staubwolke stürzten zwei seiner Pferde, während auch der Ägypter aus dem Wagen geschleudert wurde, sich aber immerhin nicht von den Zügeln losschneiden brauchte.


    Noch während die restlichen drei Fahrer, die ihre Gespanne stark gebremst hatten, vorsichtig die verstopfte Stelle der Bahn passierten, rannten aus den Katakomben die ersten Helfer auf die Strecke, um die verletzten Fahrer zu bergen, die losgerissenen Pferde einzufangen und die Wrackteile zur Seite zu schieben. Casetorix, der Gallier, der nun die Führung des dezimierten Feldes übernommen hatte, hatte auf der Geraden alle Mühe, seine aufgeregten Pferde zu beruhigen und wieder auf die Fahrlinie zu bringen, so dass seine nachfolgenden Gegner wieder näher herankommen konnten und das Rennen etwas langsamer wurde. Als sie das erste Mal die Unfallstelle passierten, waren daher auch schon immerhin die Fahrer und die verletzten Pferde von der Bahn, während die Trümmerteile noch überall herum lagen und ein Pferd des Ägypters noch nicht wieder eingefangen war.


    Unbeeindruckt davon nutzte Alexandros die Runde für einen Angriff auf den vor ihm platzierten Mann aus Asia, der durch den Unfall wohl etwas sehr vorsichtig geworden war und sich zu keinerlei Gegenwehr in der Kurve überwinden konnte. Casetorix an der Spitze schien dagegen entschlossen, das Rennen auch als Sieger zu beenden, auch wenn sein Blick immer wieder weg von den Pferden und hinunter zu seinem Wagen ging, der offenbar ebenfalls beschädigt wurde. So konnte er das Tempo der ersten Runden vor allem in den Kurven nicht mehr halten und musste auch bei der zweiten Passage der teilweise geräumten Unfallstelle immernoch aufpassen, nicht über eine kleines Trümmerteil zu fahren und seinen Wagen damit zu zerstören. Genau diese Schwäche nutzte Alexandros in der letzten Runde aus, wagte ein Überholmanöver kurz hinter der Unfallstelle und setzte sich damit tatsächlich bis zum Ende des Rennens noch vor den sichtlich wütenden Gallier.


    "Es gewinnt Alexandros aus Serdica vor dem Gallier Casetorix", verkündete ein Ausrufer, bevor der Jubel auf den Rängen so laut wurde, dass die Namen der übrigen Fahrer nicht mehr zu verstehen waren. Sie dürften wohl ihr einziges Rennen in Rom gefahren sein, aber den Thraker und den Gallier könnte man vielleicht eines Tages noch einmal wiedersehen.

  • Irgendwann im Laufe des Vormittags und noch vor Beginn der Opferzeremonie hatte auch Macer die Rennbahn erreicht und sich einen Platz in den vorderen Reihen gesucht. Er beobachtete die Ankunft des Kaisers und schaute, wer sich bei ihm in der Ehrenloge befand, bevor er sich dann dem Opfer zuwandte und pflichtgemäß schwieg, um den Ablauf nicht zu stören.


    Das Rennen betrachtete er dann vor allem aus den Augen eines Magisters einer Factio, der auf der Suche nach neuen Talenten war. Den einen oder anderen Fahrer hatte er schon genauer im Auge, als der heftige Unfall das Feld kräftig durcheinander wirbelte. Macer konnte den Schmerz auf der Bahn förmlich spüren und sich ziemlich genau vorstellen, was da alles zu Schaden gekommen war. Solche Ereignisse waren zwar nicht unbedingt selten, aber für einen jungen Fahrer im vielleicht wichtigsten Rennen seines Lebens natürlich doppelt ärgerlich. Als das Rennen zu Ende war, hatte Macer aber durchaus konkretere Vorstellungen, über welchen der Fahrer er sich einmal genauer informieren wollte.

  • Nachdem sich Minor und Sedi verabredet hatten erschienen auch sie bei den Equirria. Es wimmelte nur so von Menschen die sich das Spektakel auch geben wollten.


    Leider waren sie ein wenig zu spät dran so das sie das Opfer und auch das Eintreffen des Imperators versäumt hatten.


    Ah mist Minor, wir sind einen Tick zu spät. Wenn wir Glück haben bekommen wir gerade so noch Plätze.


    Und sie bahnten sich ihren Weg durch die Masse. Aber das sie ihre Uniformen an hatten machte die Menge bereitwillig platz. :D

  • Callidus war noch einige Zeit vor dem Eintreffen des Kaisers im Stadion angekommen, um sich mit den Offizieren der garde zu unterhalten. Die Plätze waren alle gut angeordnet worden und so saßen die Gäste, insbesondere die zu ernennenden zukünftigen Tribunen, auf der Tribüne neben der Loge zur Rechten des Kaisers.
    Callidus hatte darauf Acht gegeben, dass alle durchgelassen wurden und ihre Plätze erhalten hatten. Nachdem er sich von der Vollständigkeit der Gäste überzeugen konnte, begann auch schon das Rennen, das er aus dem Hintergrund in einer Ecke der Tribüne beobachtete. An Spannung stand es den großen Rennen der factiones mit ihren berühmten Fahrern in nichts nach, nur dass es eben weniger professionell erschien.

    Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

  • Nach dem spannenden Rennen erhebt sich der Kaiser in seiner Loge von seinem Sitz und rasch räumen einige Diener etwas von dem Mobiliar um, um Platz für die folgenden Ereignisse zu schaffen. Ein Ansager verkündet dem Publikum, dass der Kaiser in der Loge nun einige Ernennungen von Tribunen und Kommandeuren vornehmen würde. Er beginnt mit den senatorischen Tribunen, die zu den Legionen entsandt werden sollen. Mehrere Hofbeamte sind damit befasst, das strenge Protokoll der Zeremonie zu regeln und rufen die Namen derer auf, die in kleinen Gruppen in die Loge vorgelassen werden, um ihre Posten zu empfangen.


    "Quintus Tiberius Vitamalacus.


    Lucius Octavius Detritus.


    Marcus Aurelius Corvinus."


    Mit ernster Miene und dem Magister Officiorum an seiner Seite wartet der Kaiser ab, bis die Männer die Loge betreten haben.

  • Leicht dekorativ wirkend, stand Balbus, gemeinsam mit zwei seiner Milites, an der Rückwand der kaiserlichen Ehreloge und schob dort Wache. Er hatte es sich nicht nehmen lassen die Gardeabteilung, die den Kaiser bei diesem Rennen schützen sollte, zu kommandieren. Und so stand er nun hier, liess das Geschehen an sich vorbeiziehen und seinen Blick ständig über die Umgebung wandern. Auch die restlichen Milites in der Loge behielten den Kaiser und die anderen Ehrengäste, vor allem den dacischen Prinzen, im Auge und sorgten für die engere Sicherheit.


    Über das gesamte Stadion verteilt, und vor allem auf die Umgebung der Loge konzentriert, gab es weitere, durch ihre Rüstungen offen als Gardisten erkennbare, Milites. Das an diesem Tag im Stadion fast zwei komplette Cohorten im Einsatz waren, bekamen die wenigsten Menschen mit.

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