factio aurata

  • "Gut, dann lass mir die Entwürfe am Besten zukommen, wenn Du sie fertig hast. Dann besprechen wir alles weitere. Ich denke, wenn wir so verfahren, wird es das Beste sein."


    Meridius war dankbar, dass sich Verus auch für die factio zu interessieren schien. Helfende Hände konnte man bei einer solchen Aufgabe immer gebrauchen und es war auch höchste Zeit, dass sich etwas bei der aurata tat. Die Zeiten, in welchen die Wagen nur hinterher fuhren, sollten endlich ein Ende nehmen.

  • Aus dem Atrium kommend betraten Meridius und Quintus Arius das officium des princeps factiones. Dieser Theodorus von Corinth schien ein interessanter Kauz zu sein, dachte Meridius und nahm sich vor, an einem der kommenden Nachmittage mal eine längeres Gespräch mit ihm zu führen. So es sich ergab und er die Zeit dafür aufbringen konnte. Vielleicht beim täglichen Spaziergang im Peristylium, welchen er abzuhalten sich vorgenommen hatte. Vorsätze. Er sollte es endlich einmal realisieren...


    "Hast Du schon eine Unterkunft?"


    fragte er den auriga und rückte einen Stuhl zurecht. Wenn er schon diesem alten Mann aus Griechenland ein Zimmer anbot, konnte er genauso gut den auriga hier im Hause unterbringen. Das hatte mehrere Vorteile: Zum einen verkürzte es die Wege ungemein, zum anderen müsste er nicht für eine Mietwohnung aufkommen, welche der Wagenlenker ansonsten beziehen würde.

  • Arius folgt dem Senator in sein officium und nimmt dann Platz. Eine Unterkunft hat er noch nicht wirklich, das heißt doch schon, aber es ist eben in einer Taverne, ein Zimmer unterm Dach. Nichts besonderes, nur sündhaft teuer, wenn man bedenkt, welche Wohnungsnot in Rom herrscht.


    "Ich habe ein Zimmer in einer Insula, direkt über einer Taverne. Nunja, ein paar Etagen darüber. Nicht besonders groß, aber immerhin noch bezahlbar." antwortet er und blickt sich dann in dem Raum um. Die Einrichtung muss neu sein, neben ein paar Korbstühlen, einem Schreibtisch und ein paar Schränken, sieht er auch ein Modell des Circus und Statuen. Er verbessert seine Sitzposition und schiebt den Hintern etwas weiter nach hinten. Zu locker sollte man im Officium eines Senators nicht sitzen.

  • Ein Zimmer in einer Insula. Über einer Taverne. Meridius verstand. Und eben hier lag wohl das Problem. Der auriga hatte keine Ruhe, wahrscheinlich kaum Schlaf, hing die ganze Zeit in der Taverne herum, hatte einen weiten Weg zum officium der aurata und einen noch weiteren zu den Ställen und der Rennstrecke. Hinzu gab er sein Geld für Miete und sonstigen Krempel aus. Das musste sich dringend ändern. Nun war Meridius klar, warum die Wagen der factio nie Erfolg hatten.


    "Das Zimmer kannst Du aufkündigen. Du wirst ab sofort hier in der Casa schlafen. Ich werde gleich nachher den maiordomus beauftragen, Dir ein cubiculum zu Verfügung zu stellen."


    Er nahm Platz.


    "Nicht als Strafe, sieh es als Verpflichtung an, für den Erfolg. Du hast Talent, es wird Zeit, dass wir alles versuchen um die Wagen der aurata wieder nach vorne zu bringen. Wir müssen unsere Energien bündeln. Dazu gehört auch, dass wir unnnötige Belastungen beseitigen..."

  • Er verabschiedete sich von seinem Verwandten und Princes und verschwand durch die Tür.


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    Wenig später erschien er wieder und trug eine Schriftrolle bei sich.



    DIE FACTIO AURATA SUCHT


    AURIGA



    Wenn du stark bist,wenn du mit Tieren umgehen kannst und ebenso einen Wagen lenken kannst? - Suchen wir dich!


    Melde dich in der Casa Decima Mercator!


    Es erwartet dich Ruhm und Ehre und Reichtum!

  • Meridius grüßte seinen Verwandten und nahm die Schriftrolle an sich, um sich das Ergebnis anzusehen. Der Ansatz war schon einmal vielversprechend. Und doch noch nicht perfekt. Zumindest seiner Meinung nach. Lag es an der jahrelangen Praxis oder der Tatsache, dass er kommandieren und führen gewohnt war, blieb es auch hier nicht aus, dass er sofort begann an dem Aushang herumzumalen und mit Skizzen das Werk zu verändern.


    "Ich würde die direkte Ansprache an den Interessenten nach oben setzen. Es muss ihn packen und interessieren. Er muss gepackt werden. Im Mittelpunkt steht die Arbeit als Wagenlenker, die Spannung, der Reiz des Gefährlichen, des Spektakulären. Ruhm, Anerkennung, Ehre! Berühmtheit."


    Er hielt inne.


    "Zwei Drittel der Interessenten lesen erst gar nicht weiter, wenn ganz oben factio aurata steht. Das darf erst am Ende kommen, wenn das Interesse an der Arbeit schon so groß ist, dass es dem Leser egal ist, für welchen Stall er fährt. Er wird dennoch zu uns kommen."

  • Verus schien keine Einwände zu haben und Meridius war es recht. Eine Kleinigkeit fiel ihm jedoch noch ein und so sprach er diese auch noch kurz an. Das Bild musste dringend durch ein anderes ersetzt werden. Am Besten würde sich vermutlich ein Wagen machen.


    "Eines noch."


    sprach er daher und fuhr nach einer kurzen Pause fort


    "Wir sollten ein andere Darstellung verwenden. Wie wäre es mit einem Gespann? Der Leser soll gleich sehen können um was es genau geht. Meinst Du, dass das ebenfalls machbar wäre?"


    Er dachte dabei in etwas in der Art...

  • Verus kam mit dem neuen Muster zu Meridius ,um ihm dieses Vorzustellen.




    An die wahren Mutigen und Ehrenhaften!


    Wenn du stark bist,wenn du mit Tieren umgehen kannst und ebenso einen Wagen lenken kannst? Suchen wir dich!



    [Blockierte Grafik: http://img196.echo.cx/img196/7120/quadriga24bc.png]


    Es erwartet dich Ruhm , Ehre und Reichtum!


    DIE FACTIO AURATA BRAUCHT DICH ALS AURIGA!


    Melde dich in der Casa Decima Mercator ,um deine Zukunft ins Glück zu führen!


  • Meridius überflog den Entwurf. Auch wenn er hier und da ein paar Abänderungen vornehmen würde, welche eher eine Frage des persönlichen Geschacks waren, nickte er Verus zu und reichte ihm das Dokument zurück.


    "Ich bin damit einverstanden. Du kannst es in der nächsten Acta veröffentlichen. Vielleicht meldet sich ja der eine und andere darauf."


    Zufrieden lehnte er sich zurück.


    "Eine Frage unter uns. Ich habe eine Weile nachgedacht. Findest Du es begrüßenswert, wenn ich erneut im Cursus Honorum antreten würde?"

  • Auch Meridius musste schmunzeln. Sie alle in der Familie waren auf die eine oder andere Art und Weise in die Geschicke von Städten, Gemeinden und des Reiches verstrickt. Und sie alle hatten die entsprechenden Erfahrungen gemacht. Meridius war nicht umsonst aus Überzeugung Soldat gewesen, der Politik konnte er zwar vieles abgewinnen, schließlich bedeutete sie all die Dinge zu behandeln, welche die Gemeinschaft betrafen, doch im Ränkespiel der Interessen konnte man leicht den Überblick verlieren.


    "Nun, ich werde sehen, ob ich es tue, oder nicht. Am Posten des Aedils hätte ich schon Interesse, auf der anderen Seite hatte ich mir vorgenommen, mir mehr Zeit für die Familie zu nehmen."


    Sein Gedanke ging zu Iulia.

  • "Die Familie geht immer vor, Meridius. Ich denke die Politik kann gerne auf dich verzichten, wir brauchen dich anderswo, du bist Soldat und kein Politiker, obwohl du wohl Machtkämpfe bestreiten könntest aber ich denke die Lügen in der Politik gefallen einem Soldaten wie dir nicht."


    Er nickte leicht.


    "Meridius, ich hätte noch ein eigenes Anliegen, was ich dir gerne vortragen möchte."

  • Die Politik kann gerne auf Dich verzichten? Meridius wusste zwar, wie Titus es gemeint haben musste, aber für den ersten Moment traf ihn der Satz hart. Er ließ es sich jedoch nicht anmerken, hörte den weiteren Sätzen seines Verwandten zu und nickte auf dessen Frage.


    "Bitte, nur zu.
    Um was geht es?"


    Interessiert machte er es sich bequem.

  • "Du weißt bestimmt, dass die Curia Italica bald aufgelöst wird und somit auch ihre Beamten und ich somit meinen Posten verliere."


    Verus seufzte leicht.


    "Ich wollte dich fragen, wie es mit mir weitergehen soll, soll ich mich beim Cursus Publicus bewerben oder andere Wege beschreiten, ich bin mir nicht sicher, ich brauche den Rat eines erfahrenen Mannes, Meridius."


    Er nickte wieder leicht seufzend.

  • In der Tat hatte er schon davon gehört und dass Titus ihn nun um einen Rat bat, war nur zu verständlich. Doch welchen sollte er ihm geben? Es hing wohl immer davon ab, welche Ziele er selbst verfolgte und unter welchen Bedingungen.


    "Im Cursus Honorum tätig zu sein, ist immer eine Ehre. Ich würde Dich dabei zweifelsohne auch unterstützen, gar keine Frage. Doch sollte dieser Schritt sorgfältig überlegt sein."


    Meridius dachte nach.


    "Alternativ empfehlen sich auch Ämter in der Stadt Rom oder aber am Kaiserhof. Es ist immer die Frage, welches Ziel Du verfolgst. Und dies musst Du selbst wissen. Ich persönlich, für mich, würde zumindest momentan keinen Posten mehr ausserhalb der Stadt antreten. Ich habe lange nichts von meiner Familie gehabt. Wenn Du verstehst, was ich meine. Bei Dir jedoch sieht die Sache schon wieder anders aus."

  • Verus überlegte kurz.


    "Wäre der Stationarius in Italia eine Alternative, Meridius?"


    Er fuhr sich mit der Hand über den Bart.


    "Natürlich strebe ich eine ritterliche Karriere an aber leider fehlt mir der nötige Fürsprecher und die nötige , nennen wir es, Erfahrung."

  • Was sollte Meridius ihm raten? Er zuckte kurz mit der Schulter.


    "Ich kann Dir diesbezüglich wirklich nicht viel weiter helfen. Wenn Du Stationarius werden kannst und Dich die Aufgabe reizt, dann tu es. Ich persönlich würde jedoch versuchen einen Posten im Kaiserpalast, oder in der Stadt zu finden. Irgendetwas, was Dir Kontakte zu den wichtigen Leuten verschafft und erhält.


    Ebenso wichtig ist es aber auch, dass Du Dich weiterbildest. Dass Du in Rom präsent bist. Dich auf den Empfängen zeigst, Du weißt was ich meine. Aber Du wirst das schon machen, da bin ich mir sicher."

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