- Officium XXI

  • “Naja“, sagte Aelius Quarto und kniff dabei etwas merkwürdig das rechte Auge zusammen. War das etwa ein neuer Tick von ihm?
    “Naja,“, sagte er also und fuhr fort: “natürlich bist du den Notarii der Kanzlei gegenüber weisungsbefugt. Und dem Primicerius ab epistulis selbstverständlich auch, denn das ist schließlich dein wichtigster Mitarbeiter. Sein Name ist Numerius Purgitius Victor. Ich selbst kenne ihn noch gar nicht. Er ist noch nicht lange hier.“
    Er überlegte kurz.
    “Zwei Monate etwa, glaube ich. Er teilt sich sein Officium mit den Notarii. Es ist gleich nebenan, in Nummer XXIII.
    Du wirst deine Anweisungen und Aufträge direkt vom Imperator Caesar Augustus erhalten. Vielleicht bisweilen auch von denen, die in seinem Auftrag für ihn sprechen, so wie ich zurzeit in meiner Funktion als Magister Domus Augusti. Dein Amt hat vor allem mit Koordination zu tun. Alle Anfragen seitens der Statthalter und militärischen Kommandeure an den Palatin müssen gesammelt und gebündelt werden, damit sie dem Kaiser in knapper Form vorgetragen werden können und er schnell entscheiden kann. Anschließend muss natürlich die Antwort nach draußen gehen und manchmal muss auch eine Ernennung oder Versetzung urkundlich festgehalten werden.
    Das ist deine Aufgabe. Über deinen Tisch gehen all diese Anfragen und du wirst das Scharnier zwischen ihm und den Statthaltern und Befehlshabern sein.“

  • Der Octavier nickte.


    "Gut, dann weiß ich Bescheid. Wenn ich jetzt also einen Vorschlag eines Kommandeurs habe, muss ich mich dann an den Kaiser wenden oder kann ich so, nach Einsicht der Akte ein Urteil fällen."


    "Ich werde mich dann mal in das Officium begeben und ein paar Worte an die Schreiber richten." er machte es sich auf dem Stuhl hinter seinem Schreibtisch bequem und freute sich auf die kommenden Aufgaben.

  • “Ja, Beförderungsvorschläge oder Versetzungsgesuche müssen gesammelt und dem Imperator Caesar Augustus zur Entscheidung vorgelegt werden.“
    Aelius Quarto dachte an Valerianus' schlechten Gesundheitszustand und ergänzte:
    “Zumindest solange er keine andere Vorgehensweise anordnet.“

  • Der neue Procurator begann die Post zu sichten, die sich in der vergangenen Zeit angehäuft hatte.




    Beförderungsvorschläge


    Legio I Traiana Pia Videlis:


      [*] Centurio Tiberius Artorius Imperiosus zum Primus Pilus


    Legio VIII Augusta:



      [*] Optio Galeo Autronius Macer zum Centurio


    Legio XIII Gemina:



      [*] Primus Pilus Galeo Albius Numisianus zum Praefectus Castrorum
      [*] Centurio Appius Cassius Duilianus zum Primus Pilus


    Ala II Numidia:



      [*] Duplicarius Justinianus Cupidus zum Decurio



    ____________________________________________
    Procurator ab epistulis
    NON SEP DCCCLVIII A.U.C. (5.9.2008/105 n.Chr.)


    - Tafel VI -


    Dann machte er sich auf zum Imperator.

  • Zwar hat sich Amatia während ihrer Dienste als Cubicularia am Kaiserhof auch ab und an im Trakt der kaiserlichen Verwaltung aufgehalten, doch wer für was zuständig war, das überforderte sie immer wieder, besonders wenn die Personen öfters wechselten und neu hinzukamen.
    Nachdem Callidus nicht mehr hier schien, wollte sie es also hier mit ihrem Anliegen versuchen, und klopfte mal an die Tür.

  • Zumindest wurde sie schon mal prompt hereingebeten.
    "Salve!
    Mein Name ist Valeria Amatia, ich bin eine der Cubicularia des Kaisers."

    Sie musste wohl einen etwas hilflosen Eindruck machen, so wie immer wenn sie nicht genau wusste ob das was sie machte gerade auch richtig war.
    "Ich bin mir leider nicht sicher ob ich bei dir richtig bin. Ich wäre eigentlich zu Aelius Callidus gegangen, wäre er noch hier. Und für den Magister Domus Augusti schien es mir zu unwichtig.
    Jedenfalls bin ich derzeit noch Cubicularia und muss meinen Dienst aber leider kündigen, da ich Rom verlasse."

    So, er hatte jetzt genug Informationen um ihr zu sagen, ob er ihr hilfreich sein könnte.

  • Hm, sie es schon geahnt, aber hatte es zumindest probiert.
    "Naja, der Kaiser hat sicher auch größere Sorgen.
    Gut, ich werd schon noch jemanden finden.


    Dann störe ich nicht weiter, danke jedenfalls und noch einen schönen Tag!"

  • Ich kam an der Tür an und klopfte. Vielleicht hatte ich wieder einmal Glück und es waren nicht viele Leute im Vorzimmer, welche warteten.

  • Da es sich um einen Praefecten persönlich handelte wurde er sofort zum Procurator vorgelassen.


    Als der Flottenkommandeur eintrat befand sich der Octavier schon auf dem Weg zur Tür.


    "Salve Annaeus. Setz dich doch bitte. Was führt dich zu mir?"


    Er wies ihm einen Platz und winkte einem Sklaven. Dieser trug sofort Oliven und Wein auf.


    Der Octavier setzte sich dem Praefecten gegenüber und wartete auf dessen Anliegen.

  • Ich wurde erstaunlich schnell eingelassen und auch gleich vom stehenden Procurator empfangen. Dankend setzte ich mich und brachte gleich den springenden Punkt vor.


    Ich habe deinen Brief erhalten, Octavius. Es geht um die Entlassung des Nauarchus Aulus Ferrius Theodores aus dem Militärdienst. Du schriebst, dass du leider keine Kenntniss des Falles hast, da scheinbar dein Vorgänger nicht sehr gewissenhaft gearbeitet hatte.

  • Der Octavier ließ sich die Akte bringen.


    "Das ist korrekt." Er laß schnell eine kurze Notiz und sah dann zum Praefecten. "Die Frage ist nur, warum du für eine Entlassung die Zustimmung des Kaiserhofs brauchst." erkundigte er sich. Immerhin hatte er für gewöhnlich nur mit Beförderungen zu tun, was ja aber nichts zu heißen hatte, da er noch nicht lange hier war.

  • Der Nauarchus ist ein ausserordentlich verdienter Mann. Er hat sein ganzes Leben für die Classis geopfert und zwischenzeitlich diese auch angeführt, als kein Praefectus ernannt war. Dafür hat er eine grosszügige Belohnung und Auszeichnung verdient. Diese kann nur vom Kaiser selbst verliehen werden, denn der Nauarchus kam bisher immer um Auszeichnungen herum, so dass in der rechtmässigen Abfolge der Auszeichnungen nichts wirklich Adäquates in Frage kommt.


    Die Komplexität des gesamten Falles hier aufzurollen wäre sicherlich übertrieben, aber die unbestrittene Wichtigkeit dieses Mannes für die Flotte erforderte eine grosse und ausserordentliche Geste.

  • "Ich verstehe."


    Der Octavier dachte nach.


    "Warum überreichst du diesem außerordentlich wichtigen Mann, dann nicht drei Auszeichnungen auf einmal? Das wäre natürlich eine außerordentliche Belohnung."


    Er nahm einen Schluck Wein.


    "An welche Auszeichnung dachtest du denn?"

  • Die Verleihung von 3 Torques, von Bronze bis Gold, wäre zwar ein schönes Zeichen meinerseits, aber diese Auszeichnungen sind nicht als Abschiedsgeschenk für Stabsoffiziere gedacht sondern sollten eigentlich besondere Leistungen eines Soldaten auszeichnen.


    Ich hoffte sehr, dass Octavius in seiner bekannten Familie doch auch den einen oder anderen Militär hatte, der ihm diesen Sachverhalt, falls notwendig, noch näher erklären konnte.


    Beim Abschied eines so verdienten Stabsoffizieres und ehemaligen Interimskommandanten kommt für mich nur eine Hasta Pura in Frage. Diese Verleihung jedoch muss vom Kaiser angeordnet oder eben zumindest bewilligt werden. Die Übergabe erfolgt nämlich im Namen des Kaisers.


    Damit war sowohl mein Wunsch, als auch der Grund dazu hinlänglich erläutert, dachte ich. Als Militär war ich mir die Knappheit gewohnt und im Moment dachte ich noch nicht daran, politisch zu reden sondern wollte mein Ziel möglichst schnell erreichen.

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