• - Der Hof der Casa Decima mit Schuppen und Wirtschaftsgebäuden -



    Das Geheimnis des Stahls


    In einem Schuppen, der an den Hof angrenzte, hatte ich für meinen Germanen eine einfache Schmiedewerkstatt einrichten lassen. Es war ein Raum mit grob gemauerten Wänden, nach vorne hin offen. Früher hatten wir hier mal Schweine gehalten, aber das letzte war schon langer Zeit geschlachtet worden, dann war es eine Abstellkammer gewesen. Nachdem das Gerümpel rausgeräumt, die Spinnweben entfernt und alles gründlich saubergemacht war, sah es schon wieder ganz passabel aus. Eine Esse, Hammer und Amboss, Werkbank, Kübel und alle möglichen Zangen waren bereit, benutzt zu werden.
    Der Anlass für meinen Aktionismus, war eigentlich nur eine einfache Schmiedearbeit, die ich gerne im Haus erledigt haben wollte. Meine Schwester wünschte sich nämlich für ihre Hochzeit eine Hasta caelibaris von mir, also, eine Waffe, die ich selbst geführt hatte, und weil ich keine Hasta zu bieten hatte, würde ich kurzentschlossen mein Gladius zu einer umschmieden lassen. Ich dachte mir aber, dass es sowieso ganz nützlich wäre, wenn Theseus hier seinem Handwerk nachgehen könnte, es fiel ja immer wieder mal was an.


    Ein paar Tage waren noch bis zur Hochzeit, als ich mich morgens früh mit meinem Gladius dorthin begab. Ich hatte Theseus Bescheid geben lassen, dass ich ihn dort treffen wollte, und wartete, das Gladius in seiner reichverzierten Scheide in der Hand, an einer Ecke lehnend auf ihn. Die Tauben gurrten friedlich in den Pinien neben dem Hofeingang, und zwei Sklaven waren geschäftig dabei, die Mauern neu zu weißen.

  • Hoch erfreut ging Garulf auf die fabrica zu, als er sah was da entstanden war. Sein Herr hatte eine Schmiede einrichten lassen, das war natürlich etwas besonderes. Und er hatte anscheinend auch gleich einen Auftrag für ihn, sicherlich nichts besonderes, vielleicht schon das Gladius von dem er gesprochen hatte. Garulf ging also hin, Serapio wartete ja bereits auf ihn, und man konnte ihm seine Freude über die anstehende Arbeit durchaus anmerken.
    Ich bin da Herr, was kann ich tun?


    Er sah sich um, das Feuer war gut, auch ein Stein zum Schmieden selbst war da, ebenfalls ein Gefäß mit kaltem Wasser, aber da fehlte noch etwas. Serapio hatte das Öl vergessen, dass am Ende notwendig war der Klinge einen gewissen besonderen Schein zu geben, dass aber auch dazu da war die Klinge in einem ersten Schritt abzukühlen.

  • Mein Germane sah sehr glücklich aus. Ich zog mein Schwert. “Diese Klinge sollst du zur Lanze umschmieden. Es darf aber kein Metall dazukommen und keines weggenommen werden. Das ist wichtig. Und sie muss bis zum Vorabend der Hochzeit fertig sein. Bekommst du das hin, Theseus?“
    Die gutgepflegte Klinge glänzte matt im Sonnenschein. Jetzt, wo es ernst wurde, war mir doch etwas melancholisch zumute. Ich hatte diese Waffe quer durch Parthien getragen, und wieder zurück, hatte damit am Chaboras gekämpft, und in Circesium, danach hatte ich eine Scharte drin gehabt - und hier, da sah man noch die Spur des Ausschleifens - und dann hatte ich sie in Rom bei den Stadtkohorten gehabt, und dann in Alexandria, wo ich den Knauf mit Blattgold hatte verzieren lassen, und dann im Zwölfmeilenland, und ich hatte damit, im Laufe der Zeit, doch einige Kämpfe bestanden.
    Ich hielt das Schwert in der Linken, was ungewohnt war, schwang es einmal herum... schluckte und übergab es dann dem Schmied. Und seltsamerweise verflog der Trennungsschmerz beinahe im gleichen Augenblick.
    Ein leichter Wind ging durch den Hof, und von irgendwoher tauchte aus der Tiefe meiner Erinnerung ein Fetzen von einem Traum auf, in dem ich mein Schwert in hohem Bogen von einem Berg hinabwarf... und dann war da irgendwas mit Denkmälern gewesen, die vollkommen von Pflanzen überwuchert gewesen waren, die irgendwie lebendig gewesen waren... und ich war geflogen.

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    Klient - Decima Lucilla

  • Der Sklave nahm das Gladius in die Hand, er machte einige Bewegungen damit, ähnlich denen eines Saxes seiner Heimat oder eines der Schwerter. Ein Gladius war eine andere Waffe, anderer Schwerpunkt, andere Klinge, aber ein schönes Schwert war es trotzdem. Serapio war sicher stolz auf diese Waffe gewesen, aber nun war es notwendig dass daraus etwas neues erschaffen wurde.
    Natürlich Herr, das Material reichen sogar für 2 Spitzen aus, oder noch einen kleinen Puglio. Wünschen Herr einen neuen Puglio neben der Hasta?
    Das müsste wirklich klappen, das Schwert gab mehr als genug Material her um auch einen kleinen Dolch daraus zu machen, für den Dolch könnte man sogar prima den Schwertknauf wiederverwenden.

  • “Ja so hör mir doch zu!“ brauste ich auf. “Ich sag doch gerade, es darf kein Metall von der Klinge für irgendwas anderes verwendet werden! - Alles Eisen dieser Klinge“ erklärte ich betont langsam und überdeutlich, “alles Eisen davon muss Teil der Lanze werden. Das ist wichtig, sonst können wir es auch sein lassen. Verstanden?! Sicher wird die dann sehr groß, aber das ist egal.“
    Ich nahm ein Stück Kreide und malte an die Wand den Umriss einer leicht blattförmigen Spießklinge mit langgezogener Tülle.
    “So soll das aussehen. Und am Ende biegst du noch die Spitze nach unten um. So. Dann ist es eine Hasta caelibaris. Du musst verstehen, Theseus, die Lanze ist nicht zum Kämpfen, sie ist für den Hochzeitsritus. Deshalb muss es das Eisen von dem Schwert sein, mit dem ich im Krieg Feinde getötet habe. Das gibt dem Eisen Kraft, und bringt der Ehe Glück und den Segen der Götter.“

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    Klient - Decima Lucilla

  • Oh, das hatte Garulf wohl ganz falsch verstanden, also musste ALLES an Metallen für diese eine Spitze verwendet werden. Nun, das würde natürlich nicht die Arbeit verringern, auch machte es die Spitze nicht gerade klein, aber wenn es so gewünscht war.
    Gut Herr, ich so tun. Bin fertig heute am Abend.
    Er machte sich auch direkt an die Arbeit und schmolz den Gladius seines Herren ein. Eigentlich war es schade um die schöne Waffe, aber anscheinend war diese Hasta sehr sehr wichtig. Er begann also mit dem Schmieden und vergaß die Zeit um sich herum.

  • <<


    Als die Sonne tiefer gesunken, die Schatten länger geworden und die Mittagshitze vergangen waren, belebte sich der Hof der Casa Decima. Auf einem Areal von gestampfter Erde und Sand trainierten die Leibwächter des Hauses, Freigelassene und Sklaven miteinander. Wuchtig stießen die hölzernen Übungswaffen aneinander, als Akadios mit Natakamani focht, und Armastan mit Sidonius. Styrkar und Pelias trugen einen Ringkampf aus, der nicht gerade nach freundschaftlichem Übungskampf aussah.


    Silas trat näher, quer über den Hof, voll Respekt für die bewunderten Custodes und auch ein bisschen in der Hoffnung, dass die Leibwächter ihn vielleicht beim Kampftraining mitmachen ließen (und ein großes Kriegertalent in ihm entdecken würden.)
    Styrkar hatte ihm schon hin und wieder was gezeigt und ein bisschen mit ihm geübt und versucht, in Silas 'den Germanen zu wecken'. Seit Styrkar was mit Silas' großer Schwester am laufen hatte, war er besonders nett zu ihrer ganzen Familie. Silas wäre gerne so groß wie Styrkar und so muskelbepackt wie Akadios gewesen... Dann hätte niemand von ihm verlangt sich mit Griechisch herumzuplagen. Er hoffte jedenfalls noch ein Stück zu wachsen...


    Just in dem Augenblick, da wurde sein Name gerufen. Es war die Stimme seines Vaters:
    "Silas! Komm mal her, greif hier mal mit zu!"
    Neben der ehemaligen Schmiedewerkstatt stand eines der Zweigespanne von Dominus Serapio, auf Holzklötzen aufgebockt, und Phintias war damit beschäftigt es zu warten.
    Also kein Leibwächter-Zugucken für Silas. Als ob er nicht heute schon genug geschuftet hätte. Wenig begeistert trottete er zu seinem Vater. Der tauschte gerade einen angerosteten Beschlag an der Kanzel der Biga aus. Unter dem Fahrgestell ragten noch zwei Beine von einem Helfer hervor.
    "Halt das mal." wies Phintias seinen Sohn an, und Silas hielt den neuen Beschlag, während sein Vater ihn zurechtfeilte und dann anschraubte. "Und, was hast du heute so getrieben, mein Großer?"
    "Nicht besonderes, Papa."
    "Wie war der Unterricht?" erkundigte sich Phintias unverdrossen. Er selbst war ganz zufrieden mit seinen Aufgaben als 'Hausmeister' der Casa, und auch nicht von übermäßigem Ehrgeiz oder Tatendrang belastet. Aber der Umstand, dass sein Sohn weiter ausgebildet wurde und vielleicht einmal 'höhere Aufgaben' im Haushalt übernehmen würde, erfüllte ihn doch mit väterlicher Anteilnahme.
    "...Normal."

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    SKLAVE - GENS DECIMA

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  • Meine Leidenschaft für das Streitwagen-Fahren, die bestand nicht allein darin, schnell und furios über den Platz zu rasen. Nein, einen viel größeren Anteil hatte die Vorbereitung, die technische Seite, die Optimierung von Gewicht und Balance und Art des Anschirrens, um aus dem Gespann das bestmögliche rauszukitzeln, und natürlich die Wartung, sowie das Training der Pferde, und nicht zuletzt das Treffen mit anderen begeisterten Amateuren des Rennsportes zum Austausch und gegenseitigen Vorführen unserer Prachtstücke.
    Ich nannte drei Gespanne mein eigen: Primum ein solides, das schon sehr veraltet war, an dem ich aber aus sentimentalen Gründen noch hing, es war mein erstes gewesen und ich hatte eine Menge damit erlebt. Secundum eines in Leichtbauweise, bei dem die Kanzel aus einem hölzernem Komposit-Rahmen, mit Leder bespannt, bestand. Dieses wollte ich heute zusammen mit Phintias fahrbereit machen.
    Tertium eine sogenannte Jagd-Biga, nicht nur auf Schnelligkeit sondern vor allem auf Geländegängigkeit ausgerichtet! Mit extragroßen Rädern, Ledergeflecht-"Federung" des Kanzelbodens und enorm schneidig. Dieses einem Pharao würdige Gefährt hatte aber bisher immer an irgendwelchen technischen Defekte gekrankt, so dass ich es noch nie richtig hatte erproben können.


    Im Augenblick lag ich jedenfalls, noch etwas mitgenommen von Ravdusharas Bericht vorhin und in meine älteste Tunika gekleidet, wie ein Käfer auf dem Rücken unter meiner aufgebockten Biga secunda, und prüfte den geschmeidigen Rundlauf der Achse. Das Gespann war jetzt natürlich lange nur rumgestanden, es gab einiges zu tun, um beim nächsten Vollmond-Rennen auf dem Marsfeld wieder mit dabei zu sein. Auch überlegte ich mir, dieses Jahr vielleicht doch noch mal beim Equus october mitzufahren... reizen würde es mich schon!
    Sorgsam sichtete ich jede Einzelheit der Konstruktion, pinselte dann die Radlager mit dem allerhochwertigsten Schmierfett. (Ein Wagenmeister der Aurata hatte mir die geheime Rezeptur verraten, es hat seine Vorzüge wenn die Familie so eng mit der Factio verbandelt ist.)


    Als ich dann staubig und schmierig wieder unter dem Wagen hervorkroch, da fiel mein Blick zuallererst auf zwei hübsche Waden. Höherwandernd wurde mein Blick gewahr, dass sich an diese Waden zwei ebenso hübsche Oberschenkel anschlossen, vom Saum der Tunika umspielt, ein wohlgeformter Hintern und dann der Rest eines ephebenhaften jungen Mannes.
    Silas war groß geworden. Mit dem goldblonden Haar erinnerte er mich ein wenig an einen jungen Iulius Dives... und ging hier offenbar gerade seinem Vater bei den Reparaturen zur Hand.
    Wie doch die Zeit verging. Es schien mir wie neulich, dass der Sklave noch ein quirliger kleiner Junge gewesen war, der uns mit kindlichem Ernst im Bewußtsein seiner Mundschenks-Würde niedlich den Wein einschenkte.


    "Na, wie geht es voran hier oben ?" erkundigte ich mich bei Phintias, rappelte mich auf und klopfte mir den Staub von der Tunika.
    Und zu Silas: "Du bist erwachsen geworden, was? Interessierst du dich für den Rennsport?"

  • Wer da unter dem Wagen hervorrobbte, das war Dominus Serapio selbst. Wie gut, dass Silas sich gerade nicht über den üblen Schulmeister und die Plage des Griechischunterrichtes ausgelassen hatte.
    Sein Vater zeigte dem Dominus die erneuerten Beschläge. Auch an Silas richtete der Dominus eine Frage. Der Stolz, als erwachsen wahrgenommen zu werden, ließ ihn noch ein Stück in die Höhe wachsen.
    "Ja natürlich Herr! Immer wenn wir können gehen wir zu den Rennen und feuern die Aurata an. Sotions letzter Sieg war der Wahnsinn!" erwiderte er enthusiastisch.

  • "Schade dass ich den verpasst habe."
    Siege waren für die Aurata ja nicht so zahlreich gesät. Aber bekanntlicherweise zählten viel mehr der Kampfgeist und wahre Sportlichkeit... und Herz... und so... da schlug die Aurata den Rest um viele Rennbahnlängen.
    "Aber noch grandioser, als bei den Rennen zuzusehen, ist es, selbst welche zu fahren." erklärte ich dem jungen Schönen hintersinnig. "Wenn auch nur mit zwei Pferden. - Vielleicht nehme ich dich ja mal mit, wenn wir den Wagen hier auf Vordermann gebracht haben."

  • "Das wäre toll!" Silas bekam ganz leuchtende Augen. Selbst mitzufahren, wie mega gut mußte das sein. Vielleicht dürfte er sogar mal... selbst die Zügen führen?! Paulinus würde Augen machen, und sogar Camilla, die immer so gleichgültig tat, wäre bestimmt davon beeindruckt, wenn ihr das zu Ohren kam.
    Dominus Serapio war wirklich sehr nett.
    Aus den Augenwinkeln bemerkte Silas, dass sein Vater, der mit der Feile in der Hand an der Werkzeugbank stand, wenig begeistert erschien. Nein, das war noch untertrieben. Er sah besorgt aus, fast erschrocken. Was war denn mit Papa los? Ihn konnte normalerweise nichts erschüttern.

  • Ach, was für eine unschuldige Begeisterung hatte ich da ausgelöst, was für ein abenteuerlustiges Funkeln stand in diesen hellen klaren Augen.
    Wirklich sehr erfrischend.
    Ich lächelte großmütig und wies Silas an:
    "Lass dir bei Gelegenheit von Damon schon mal zeigen wie man einschirrt und abspannt."
    Darauf wandte ich mich weiter dem Wagen zu. Die Ringe der Deichsel mußten erneuert werden, auch die Lederbespannung der Seitenteile, aber die Räder waren, bis auf etwas Flugrost am Metallreif, noch einwandfrei.


    Als ich mich dann später zurück ins Haus begab, mit verdreckter Tunika und Wagenschmiere an den Händen, da war mein Kopf wieder frei und mein Gemüt beschwingt, voll Vorfreude auf kommende wilde Rennen und andere unverhoffte Vergnügungen.

  • Der Dominus war gegangen, es begann zu dämmern, und die Arbeit war für heute beendet. Silas sammelte zusammen mit seinem Vater die Werkzeuge ein, zog eine Plane über die Biga. Phintias war untypisch schweigsam, und erst als sie fertig waren, ergriff er das Wort. Leise sprach er, nahm Silas dabei am Arm, und sein Blick war eindringlich.
    "Hör mal mein Großer. Das wird dir jetzt nicht gefallen was ich dir sage."
    "Was denn?"
    "Sei etwas vorsichtig bei Dominus Serapio und geh besser nicht mit ihm Bigafahren."
    "Was?!" fuhr Silas auf, empört wie eine gereizte Hornisse. Die Alten gönnten einem ja mal gar nichts! "Du willst mir das verbieten?! Die ganze Zeit soll ich hier schuften und büffeln und darf nicht in den Circus, und wenn mir der Dominus endlich mal eine Belohnung gibt, dann soll ich die ablehnen?!"
    "Silas, jetzt hör mir mal zu" Phintias fasste ihn fester am Arm und sah sehr ernst aus. Das war selten. "Darum geht es nicht." Er dämpfte wieder die Stimme, "Es geht darum, dass du... soweit das möglich ist, hier.... etwas Abstand von Dominus Serapio hältst. Er ist manchmal... wüst."
    Die Warnung verhallte in Silas' hochgekochter Frustration.
    "So'n Quatsch, wieso soll ich nicht auf dem Gespann fahren dürfen!? Ich hab mich so darüber gefreut! Ich lasse mir das nicht verbieten! Du hast mir gar nichts zu sagen!"
    "Oh doch, das habe ich. Und deine Mutter wird dir genau das selbe sagen."
    "Ihr könnt mir den Buckel runterrutschen! Ihr seid doch auch nur Sklaven! Ich hab die Schnauze voll von euch und euren bescheuerten Verboten!!!"
    Silas riss sich los und marschierte mit langen Schritten von dannen.


    Natürlich war die Sache damit nicht ausgestanden und er bekam an dem Abend noch richtig Ärger, sowohl von seinen Eltern, als auch von der strengen Vilica für den Aufruhr im Hof.
    So endete dieser Tag im Leben des jungen Silas mit Zank und Zähneknirschen.

  • Durch den Lieferanteneingang führten Akadius und Pelias ihren Gefangenen in den Hof.
    Die Hunde bellten fröhlich, und schon liefen auch haufenweise Sklaven und Angestellte des Hauses zusammen. Silas Herz klopfte wie zum Zerspringen und ihm war ganz schlecht vor Bangigkeit. Trotzdem presste er trotzig die Lippen zusammen. Er würde nicht weinen. Nein, sagte er sich, das würde er nicht.
    Doch als mit einem Mal seine Mama herbeistürmte und ihn in ihre Arme schloss und ihn festhielt, als wäre er noch immer ihr kleiner Bub... fing er eben doch an zu schniefen. Dass sie ihm im Anschluss eine scheuerte, dass ihm die Ohren klangen, kam nicht überraschend, und Silas fand auch, dass er es verdient hatte. Papa und seine Schwestern waren auch da, umarmten ihn und schimpften und fragten, alle sprachen durcheinander in einem großen Menschenknäuel.
    Dann wurde es mit einem Mal still, und die Sklaven wichen auseinander, um Dominus Serapio den Weg frei zu machen, der sich vom Haus her näherte. Jetzt nur den Kopf oben behalten!

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    SKLAVE - GENS DECIMA

    Einmal editiert, zuletzt von Silas ()

  • Na endlich hatten sie ihn erwischt. Ich trat zu meinen treuen Custodes, die ich in der Zwischenzeit mehr als einmal vermisst hatte. Meine besten Leibwächter hatte ich dem dummen Jungen hinterhergeschickt (nicht ahnend, dass es so lange dauern würde ihn zu finden).
    Der Flüchtige selbst sah nicht gerade angemessen zerknirscht aus, eher bockig. Ich würdigte ihn erst mal keines weiteren Blickes und begrüßte Akadios und Pelias dankbar mit Handschlag.
    "Gut euch wiederzusehen. Und?"
    "Am Hafen von Misenum haben wir ihn gefunden. Er hatte auf einem Schiff angeheuert. Ist dann ohne Sperenzchen mitgekommen." berichtete Akadios.
    "Gut gemacht."
    Ich wandte mich zu dem Ausreißer und herrschte ihn an:
    "Was hast du dazu zu sagen?!"

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    Klient - Decima Lucilla

  • Alle starrten ihn an, und der Blick des Herrn war wie der von Iuppiter, auf dem Wandbild wo er die Blitze schwang. Silas' Lippen begannen zu beben, die Röte stieg ihm ins Gesicht, und er senkte jetzt doch den Blick... vom Gesicht des Herrn tiefer, bis zum Gürtel, dessen Anblick Silas ungut daran erinnerte was der Anlass seiner Flucht gewesen war.... und tiefer, bis auf das Pflaster des Hofes zu seinen Füßen.
    "Nichts." sagte er tonlos.

  • "Tonto, Kürbiskopf, undankbarer Strolch!" zürnte ich dem Sklaven. "So dankst du es meiner Familie, das wir immer gut für dich und die deinen gesorgt haben? Du wirst schon sehen was du davon hast."
    Bestrafen musste ich ihn natürlich gebührend, auch wenn ich wenig Lust darauf hatte und mir einer gewissen... Mitschuld wäre jetzt zu viel gesagt.... nennen wir es 'Involviertheit' an dem ganzen Desaster bewusst war. Aber die Disziplin der Sklaven musste gewahrt werden.
    "Sperrt ihn in den Keller, bis zu seiner Bestrafung." befahl ich, und wollte mich schon hoheitsvoll abwenden.
    Aber die Casa war nun mal nicht die Castra.
    "Alle Kellerräume sind belegt, Dominus." raunte mir unsere Vilica Rhea diskret zu.
    "Er kommt mir nicht in den Weinkeller." beschloss unsere alte Kellermeisterin Pontia majestätisch.
    "Nicht, dass er die Amphoren leertrinkt!"
    "Und was ist, wenn er mal muss?" piepste Silas' goldiges kleines Schwesterchen unschuldig.
    "Und auch nicht in die Vorratskammer." fuhr Pontia fort.
    "Per omnes deos, sperrt ihn eben in den Holzschuppen!" befahl ich ungnädig. "Argus, kümmer dich drum."
    Der Grobknecht legte seine große Hand auf Silas Rücken und führte den Delinquenten nachdrücklich ab. Ich löste die Versammlung auf und nahm Akadius und Pelias auf einen Becher Wein mit ins Haus, um mir genaueres von ihrer Sklavenhatz berichten zu lassen.

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    Klient - Decima Lucilla

  • Der Gefangene im Holzschuppen


    Silas langweilte sich zu Tode. Sein Gefängnis maß drei mal zweieinhalb Schritt, war aus groben Brettern gezimmert, durch deren Fugen einiges Licht fiel, und war zur Hälfte mit aufgestapelten Holzscheiten gefüllt. Die Tür war verrammelt, die Axt aus dem Hauklotz wohlweislich entfernt. Ein Latrineneimer stank vor sich hin.
    Silas war es, als wäre er schon Jahre hier drin eingesperrt, aber eigentlich waren es erst ein paar Tage...


    Nach und nach hatte seine Familie ihm warme Sachen herein geschmuggelt, und eine Schlafmatte. Essen bekam er auch ganz normales aus der Küche. Sein Kumpel Paulinus hatte Silas sogar sein Schnitzmesser ausgeliehen, so dass Silas sich die Zeit ein bisschen vertreiben konnte. Da er nichts besseres zu tun hatte, schnitzte er erst seinen Namen in die Bretter, und grimmige Totenkopffratzen dazu. Dann schnitzte er Ludus Latrunculorum-Steine, dann hatte er genug Übung für eine Augusta-Figur für seine kleine Schwester zum spielen, und gerade schnitzte Silas an einem Ast herum, der langsam die Form eines Vigilen annahm. Mißmutig kerbte Silas Gesichtszüge in das Holz, aber das Ergebnis gefiel ihm nicht, und sowieso war das alles Mist.
    "Alles Mist!" fluchte er, warf die Figur in die Ecke, stampfte wütend zweieinhalb Schritt auf und wieder ab, wollte schon nach dem Eimer treten – ließ es aber dann in einem Anflug von Vernunft lieber sein.
    Abzuhauen war Mist. Der Grund dafür war mistiger als Mist. Hier eingesperrt zu sein war Mist. Nicht wissen was kam war Mist. Dass Grian weg war, verreist mit Dominus Casca, vielleicht für immer, das war Mist. Und jemals Vigil zu werden, das konnte Silas sich natürlich abschminken, er wusste, dass er froh sein konnte, wenn er nicht als Feldsklave endete – allergrößter Mist!!

  • Silas' Strafe


    Am Vorabend hatte ich mein faszinierenden neues blondes Schmuckstück näher kennengelernt. Dies hatte mich daran erinnert, dass ein anderes blondes Schmuckstück aus meinem Haushalt noch immer seiner Bestrafung harrte, und so schob ich die Sache nicht länger auf.
    Ich versammelte die gesamte Sklavenschaft morgens auf dem Hof und schickte die syrischen Brüder Argus und Sidonius, um Silas aus seinem Gefängnis zu holen. Es war Ewigkeiten her, dass es bei uns zum letzten Mal notwendig gewesen war, einen Sklaven öffentlich zu züchtigen. In unserem Armamentarium hatte ich eine Peitsche gefunden, die ganz verstaubt gewesen war. Die hielt ich nun in der Hand, und blickte finster vor mich hin, während sich das Gesinde auf dem Hof zusammenfand. Eine bedrückte Stimmung lag über der ganzen Angelegenheit. Silas' Eltern dienten uns seit einer Ewigkeit treu und mehr (Iusta) oder weniger (Phintias) fleissig, seine ältere Schwester war mit meinem geschätzten Libertus Styrkar liiert, seine kleine Schwester hatte mich bitterlich weinend um Gnade für ihn gebeten... aber ich war nun mal auch daran gebunden, als Hausherr eine gewisse Disziplin aufrecht zu erhalten.


    Die Brüder führten den Schuldigen herbei. Düster ergriff ich das Wort an die Haussklaven gewandt:
    "Wie ihr wisst, hat dieser dumme Junge hier meiner Gens Treue und Gehorsam gebrochen. Er hat einen dilettantischen Fluchtversuch unternommen, und wurde von meinen wackeren Custodes in sehr schlechter Verfassung in Misenum aufgegriffen. Aus Rücksicht auf seine Familie, die der meinen schon lange verlässlich dient, werde ich ihn nicht in die Minen schicken, sondern ihm noch eine Chance gewähren, seine unermessliche... jugendliche Torheit durch harte Arbeit hier im Haus wieder gut zu machen. Nachdem er seine Strafe erhalten hat: zehn Peitschenhiebe und ein Sklavenkragen um den Hals, der seine Schande als Fugitivus offenkundig macht."
    Die Sklaven begannen zu murmeln, ich sah bestürzte, aber auch erleichterte Gesichter. Silas' Mutter stand mit verschränkten Armen, das herbe Germanengesicht wie aus Stein gehauen. Ihr Mann legte der jüngeren Tochter die Hand auf das blonde Köpfchen und ließ sie den Blick abwenden.


    "Fangt an." sagte ich zu Argus und Sidonius. Sie ließen Silas seine Tunika ausziehen und beugten ihn über die Bank, die da im Hof stand, neben dem Trainingsplatz der Custodes.
    Der Anblick des wohlgestalten bloßen Jünglingsleibes, weiter herangewachsen und kräftiger als vor seiner Flucht, die Linie seines Nackens, als er sich beugte... meine Gedanken wollten da zu ganz anderen Dingen abschweifen. Schmallippig reichte ich unserem Grobknecht Argus die Peitsche. Er war gleichmütig bei unangenehmen Arbeiten, oder wenn es Tiere zu schlachten galt, und ebenso gleichmütig sah er nun als, als er ausholte und die Peitsche zum ersten Hieb schwang.

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Der zweite Tag meines neuen Lebens begann nicht gerade erfreulich. Der Decimus hatte alle Sklaven im Hof antreten lassen. Natürlich war ich auch dieser Anordnung nichts ahnend gefolgt und hatte mich zu meinen Mitsklaven gesellt. Es herrschte eine bedrückte Stimmung, die so ziemlich jeden der Sklaven erfasst hatte. Das Gesicht des Dominus hatte sich zunehmend verfinstert. Erst jetzt bemerkte ich jenes kleine unscheinbare Detail, welches sich in seiner Hand befand. Es war eine Peitsche. Ein Instrument, das auch mirnicht ganz neu gewesen war. Zwar hatte ich nicht sehr oft damit Bekanntschaft machen müssen, jedoch wusste ich sehr gut, was nun folgte.

    Der Decimer begann mit seiner Rede, do dass schnell klar wurde, dass es sich um einen Jungen handelte, der einen Fluchtversuch unternommen hatte. Natürlich verriet er den Sklaven nicht, weshalb der Junge geflohen war, doch spätestens dann, als man ihn auf den Hof führte, konnte ich mir lebhaft vorstellen, warum er fliehen wollte. Jung, blond und ansehnlich - das gleiche Beuteschema also.

    Nun zeigte der Dominus sein wahres Gesicht! Das geschah mit all jenen, die sich ihm widersetzten.

    Wie großzügig von ihm, ihn nicht in die Minen zu schicken. Stattdessen sollte er zehn Hiebe mit der Peitsche und einen Sklavenkragen erhalten. Letzteres war schon entwürdigend genug. Doch die Schläge?


    Der Junge zog seine Tunika aus. Ja, er war ganz nach dem Geschmack des Decimus! Er beugte sich über eine Bank, bereit seine Strafe zu erhalten.


    Ich weiß nicht, was mich geritten hatte, als ich plötzlich vor trat und rief: "Halt! Ich bin bereit, seine Strafe zu übernehmen! Wenn ihr jemanden schlagen müsst, dann schlägt mich!"

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    CUSTOS CORPORIS - FAUSTUS DECIMUS SERAPIO

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