[Schiff] Impetus

  • "Mutige Worte," erklärte Verus, als er sich über Linos stellte. "Mich direkt so anzusprechen und an etwas zu appelieren, was in dieser Frage nicht relevant ist. Du verstehst diese Welt nicht und verstehst auch nicht meine Rolle darin. Du machtest erneut einen Fehler. Der Name wird grundsätzlich nicht genannt. Keiner meiner Begleiter trägt seinen wahren Namen und niemals werden ihre Namen in der Öffentlichkeit genannt. Wir haben keine Namen für dich und du besitzt die Frechheit, zu behaupten, dass ich diese Person bin," zürnte Verus und seine Augen fanden das eisige und böse Feuer wieder, welches für sich schon eine Waffe war. Die beiden Soldaten zerfetzten auch Linos Tunika und begannen daraufhin, seinen Beutel zu durchsuchen. Sie fanden einen Brief von Claudius Menecrates, der nach einem kurzen Augenschein, direkt an Verus ausgehändigt wurde. "Sieh' an...," murmelte der Magister und gab den Brief an die Soldaten zurück, die diesen in den Beutel zurücklegten. Danach ging Verus wieder zu Plato, der ihn ebenfalls ansprach. Verus entschied sich diesen emotionalen und verbalen Angriff durch Linos vorerst zu ignorieren, da er keine Zeit für eigene Befindlichkeiten hatte. In erster Linie gab es nun eine Mission und die Mission hatte immer Vorrang.

    Für mich stand immer mehr fest das Verus krank war. Sein Geist war erkrankt, irgend etwas in seiner Vergangenheit hatte ihm geschadet. Das kam jetzt wieder zum Vorschein. Er gestattet mir nicht, ihn mit
    seinem Namen anzusprechen. Was bildete er sich ein, mir das zu verbieten stand ihm nicht zu. Außerdem dachte er etwa ich würde ihn mit Dominus oder gar mit mein Herr anreden? Das stand ihm nicht zu. Nicht nach dem wie er sich hier aufführte. Klar machte ich einen Fehler, denn das einer seinen Namen wusste passte ihm nicht. Aber so wie er das sagte hörte es sich an, als ob ich damit gegen ein Gesetz verstoßen würde. Gegen welch ein Gesetzt bitte? Gegen das persönliche Gesetzt von Aulus Tiberius Verus aber das zählte nicht. So wenig wie die Worte eines Centurio über mich befehlen konnten, so wenig konnte die Worte einer der schwarzen Garde des römischen Reiches über mich bestimmen. Das wusste auch mein Herr. Das sein Name nicht von seinen Komplizen, Kameraden, Untergebenen genannt wurde leuchtete ein. Für mich hatte es aber keine Bedeutung. Er war in der überlegenen Position und wenn. Ich konnte für mich und meine Worte einstehen. Hatte ich immer und überall gekonnt. Mich konnte er in Ketten legen, meinen Geist nicht. Es lag an mir ob ich meine Zunge zügelte oder nicht. Jetzt wollte ich es nicht. „Sicher bist du diese Person, sonst komme mit zu Claudius Menecrates und beweise mir das Gegenteil. Wenn es sich zeigt, dass du es nicht bist, darfst du von meinem Herrn meine Zunge auf einem Silbertablett verlangen. Natürlich kannst du meine Zunge dir jetzt hier auf der Stelle nehmen, denn so eine blutige Angelegenheit stört dich ja bestimmt nicht.“ Dies rief ich ihm hinterher als er sich abwandte. Bestimmt hatte er mich noch gehört ehe er zu Plato trat.

    Platos Worte sowie meine Papiere hatten ihm bewiesen, dass alles was ich gesagt hatte, der Wahrheit entsprach. Wenn Verus wirklich ein Freund meines Herrn war, musste es ihn doch berühren, dass dieser jemanden schickte, der ihn Heim holen sollte. Der sich um ihn sorgte. Das Claudius Menecrates wusste, warum er ausgerechnet ihn, einen Sklaven schickte und keinen höherrangigen Römer und schon gar keinen vom Militär war für eine Tiberier bestimmt kein Problem nachzuvollziehen.

  • Verus nickte Plato zu. "Vielen Dank!" Immerhin einer, der seine Arbeit ohne Murren und Hintergedanken erledigte. Plato machte einfach seine Arbeit und verband sie nicht mit höheren Zielen und Erwartungen, eine Eigenschaft, die Verus zu schätzen wusste. Männer, die einfach das taten, wofür sie bestimmt worden waren und sich folgsam zeigten, ohne zuviel über ihre eigene Rolle in der Welt nachzudenken. Nachdenken sollte man stets dafür bestimmten Funktionsträgern überlassen, denn diese hatten Erfahrung damit, zumindest glaubte Verus das und setzte eiskalt diese Maxime um, dass jeder an seinem Platz zu dienen hatte, wie er es auch selbst tat. "Du hast das System begriffen, Plato. Sehr gut," meinte Verus sichtlich erfreut darüber, dass eine Person, einfach folgte.

    ...


    "Nach der Durchsuchung werden sie wieder freigelassen. Mach dir um eine Begründung und Erklärung keine Gedanken. Sie werden, wenn wir mit ihnen fertig sind, nicht mehr an Ärger denken. Wir regeln das, Plato," meinte Verus und nickte Plato erneut zu. "Wie lange dauert die Reise?" - wandte sich Verus weiteren Planungen zu

    Wenn Plato auf der Fahrt eines nicht hatte, dann war es Zeit zum reden. Das würde er der menschlichen Fracht unbedingt klar machen müssen, denn die beiden Sklaven wussten das bereits. Er knurrte zwar zustimmend, bei den lobenden Worten, aber mit seinen Gedanken weilte er mehr bei der Mannschaft an Ruder und Segel, beim Kommandogeber für die Ruderer, den Windverhältnissen und dem Horizont. Erst bei der Frage nach der Reisedauer kehrte er mit ungeteilter Aufmerksamkeit zum Magister zurück.

    "Wir haben nicht ganz 2000 Seemeilen vor uns. Im Durchschnitt brauchen wir dafür 16 Tage. Bei schlechten Witterungsverhältnissen können es bis zu 20 Tage werden und mit Glück sind wir auch schon in zwei Wochen in Ostia.

    Zwei Wochen, Magister, in denen ich nicht als Gesprächspartner zur Verfügung stehe. Ich arbeite, ihr habt vielleicht Langeweile, nur verrichte ich meine Arbeit stumm. Wenn mir etwas nicht passt, mache ich mich aber gut vernehmlich bemerkbar.

    Außerdem lege ich Wert darauf, wenn jemand von euch kotzen muss, dass er das über der Reling macht und nicht auf mein Schiff. Beachtet ihr das, werden wir eine angenehme Reise haben."

    Plato besaß kein Bürgerrecht, aber auf dem Schiff besaß er das Kommando. Widerworte war er nicht gewöhnt und erwartete sie auch nicht vom Magister, seiner anvisierten Fracht. Seine Zufriedenheit zeigte sich nicht auf dem bulligen Gesicht, aber sie wirkte im Innern.

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  • Bei Charislaus fanden die Prätorianer Proviant im Beutel (etwas Brot und harter Käse) und einen Schreiben seines Herren, auf einer Wachstafel, welches seine Reiseerlaubnis darstellte. Sein Besitzer war somit wohl Manius Purgitius Lurco, laut Unterschrift ein Cornicularius der Cohortes Urbane. Iulius trat zu Verus und flüsterte ihm diese Information ins Ohr, dieser nickte und antwortete: "Gut, dann dürfen die beiden sich jetzt auf dem Schiff frei bewegen, sofern der Kapitän zustimmt, aber zwei Mann sollen sie ständig im Auge haben. Ich traue ihnen nicht." Er traute ihnen nicht mehr, da sie alles gesehen hatten und von der Mission wussten. Sie wussten zwar nicht, warum dieser Mann sterben musste aber sie wussten, dass er tot war. Dies reichte für Misstrauen aus, denn Verus misstraute Menschen, die zu viel wussten und hatte lieber ein Auge auf sie. Auch waren die beiden scheinbar seltsam naiv und wirkten unbändig selbstgerecht auf den alten Trecenarius, so dass eine gesunde Skeptis angebracht schien. Doch bevor Verus sich weitere Gedanken machen konnte, hörten seine guten Ohren ein Geschrei. Es war Linos. Er konnte einfach nicht seinen Mund halten; eigen Eigenschaft, die ihn in den Augen von Verus und seinen Mittätern gefährlich machte. Menschen mussten einfach lernen, wann sie zu schweigen hatten und Schweigen war ja nun nicht schwer. Verus schwieg über seine Taten und Handlungen für den Kaiser auch andächtig, so dass er jede Reue und Schuld mit sich selbst ausmachte. Er schüttelte nur den Kopf und würde nicht darauf antworten. Es war ihm egal, was Linos fühlte, hoffte oder glaubte, solange diese Dinge nicht mit seinen Interessen kollidierten und oft waren diese Interessen vom Imperium vorgegeben. Diese gnadenlose Selbstgerechtigkeit war einigen gemein, die Verus zu gut kannte: Christianer. Sie sahen einen Messias gekommen, glaubten an nur einen Gott und lehnten das Imperium und den Kaiserkult ab, griffen Römer an und glaubten selbstgerecht die Gerechten und Guten zu sein. Sie konnten alles so wenden und drehen, dass es in ihr Weltbild passte und glaubten sich immer überlegen, da sie ja einen göttlichen Auftrag besaßen. Eine Ironie lag darin, dass sich Verus ähnlich verhielt, nur lag seine Arroganz an einem anderen Ort: Er glaubte die Welt verstanden zu haben. Seine kalte (Un)Vernunft vernebelte jedes Mitgefühl und Hingabe. Er gab sich nicht hin, sondern opferte sich auf und war bereit bedeutungslos zu vergehen, wenn es der Mission Bedeutung verschaffte. Verus schätzte sein Leben und das Leben anderer - außerhalb seiner Familie - gering, so gering, dass ihm nur das Imperium blieb.


    Linos verstand nicht, dass das notwendige Böse kein Herz besaß. Es fühlte nicht menschlich und Notwendigkeiten brauchten kein Mitgefühl. Verus imitierte Mitgefühl nur, tat geduldig aber hatte keinerlei Absicht, wirklich gütig zu anderen zu sein, denn Güte bestand in seiner Welt nur darin, dem Imperium zu dienen und das Imperium zu erhalten. Eine Welt außerhalb des Imperiums war schlicht nicht erstrebenswert, auch wenn er mehrere Sprachen sprach, in anderen Kulturen leben konnte, so war er stets Henker, Meisterspion und Schatten des Kaisers. Linos konnte das nicht sehen, denn das ursächliche Verbrechen war die bloße Entscheidung gewesen, sein Gewissen zu abzutöten und jeder Legionär im Krieg, jeder Speculator im Dienst, und jeder Prätorianer mit einer blutigen Klinge, verlor dieses Gewissen an die kalte und militärische Handlung; eine sich wiederholende Abfolge von Sachzwängen und Notwendigkeiten. Der Krieg wütete nicht nur in der Welt, sondern auch in den Herzen und hinterließ nur Asche sowie Ruinen. Noch immer schmeckte Verus diesen Schwefel und Asche wehte zum Schiff hinüber, fast so, als ob Verus sie beschworen hatte und er selbst ein Aschedämon war, der munter im Leid der Menschen glimmte und empor stieg. Iulius trat zurück zu Charislaus, gab ihm die zerfetzte Tunika und deutete zu Linos, der auch freigelassen wurde. "Bewegt euch frei aber meidet den Magister. Es ist zu eurem Besten," meinte der Prätorianer Iulius und hob auch die zerfetzte Tuniks des Linos aus, um diese ebenfalls an ihn weiter zu reichen.


    "Zwei Männer bewachen die Fracht für die nächsten sechs Stunden, die Fracht ist unter Deck zu vertauen, danach alle sechs Stunden Wachwechsel, und der Rest hat frei, bis neue Befehle," blaffte Verus über das Deck und die Soldaten hörten aufmerksam zu. Zwei Prätorianer brachten die Kiste unter Deck, mit der Absicht sie zu bewachen und zwei weitere Prätorianer sicherten Verus Rücken ab. Die anderen verteilten sich auf dem Deck, um sich einen Sitzplatz zu suchen. Doch zwei Prätorianer blieben auch in der Nähe von Linos und Charislaus, bewusst unauffällig tuend, kramten sie einen Würfeltasche hervor und bauten ein römisches Würfelspiel auf. Es war merkwürdig, dass sie einfach das taten, was sie taten, obwohl gerade eine Stadt gebrannt hatte, ein Mann ermordet worden war und sie zwei Sklaven drangsaliert hatten; es war ihnen wohl egal und sie gingen einfach ihrem Tagwerk nach, da keine neuen Befehle gegeben worden waren. Verus nickte Plato zu. "Ich verstehe. Stört es euch, wenn ich hier die Ruhe genieße und euch einfach bei der Arbeit beobachte?" - antwortete er dem Schiffmeister. 16 bis 20 Tage, eine beachtliche Zeit, aber machbar. Hoffentlich waren genug Vorräte anb Bord. "Meine Männer sind gut ausgebildet und kennen lange Reisen," versicherte Verus und machte damit klar, dass sie keine Probleme machen würden. Sie konnten Befehle befolgen und hatten ihre Körper im Griff. Danach schwieg auch Verus. Er genoss das Meeresrauschen, den leisen bis lauten Wind und das Momentum, der Bewegung, welches auf das Schiff schlug. Er gönnte sich einen Moment der gedanklichen Ruhe, um seine Pläne zu sortieren und weitere Dinge zu planen. Ein Trecenarius hatte immer einen Plan in einem Plan, der wiederum einen neuen Plan gebar. Iulius deutete auf das Gold und den Proviantbeutel. Das Schreiben von Purgitius Lurco, dem Urbaner, hatte er eingezogen, da es noch nützlich sein konnte und es den Sklaven am Weiterreisen hinderte. Ohne dieses Schreiben konnte er sich nicht weit bewegen und Iulius, dem Prätorianer, erschien es nützlich, einen Sklaven an einer bürokratischen Leine zu halten. Mit einer Hand sammelte Iulius das Gold auf und stopfte es in den Proviantbeutel, den er daraufhin Charislaus vor die Füße warf. "Nimm den Beutel auf. Er gehört dir und bei den Göttern, ich empfehle dir, diesen Beutel mitzunehmen. Diese Gelegenheit kommt nicht mehr," erklärte der Prätorianer mit einem bösen Unterton. "Und Linos, unterstütze diesen Charislaus. Ich glaube, seinen Prellungen schwellen an. Er sollte seine Beine kühlen," sagte Iulius nüchtern und deutete mit seinem Knüppel auf die Stellen, an die sie Charislaus geschlagen hatten. Danach wandte sich Iulius ab und trat zu den beiden Würfelspielern, um sich dazu zu setzen. Verus betrachtete in dieser Zeit seine Hände, die von Blut und Asche verschmiert waren. Seine Kleidung stank nach Schweiß, war ebenfalls mit Blutstropfen bespritzt, aber nicht so deutlich, wie seine Hände aber die Verfärbung, durch Schwefel und Asche, zeichnete sich hingegen deutlich ab. "Ich gehe mich waschen," kommentierte er kalt und trat dann von Plato fort, um einen Eimer mit Wasser zu finden.

  • Charislaus drückte verdattert den Beutel an sich. Gefühlt wog dieser Tonnen mit dem ganzen Gold. Vermutlich war es die Verantwortung für eine derartige Summe. Soviel Gold hatte er noch nie auf einem Haufen gesehen, geschweige denn in Händen gehalten. Es gehörte sicherlich dem Toten und nun sollte er es behalten? Oder verwahren? Er würde es behalten und in Rom seinen Herrn geben, dazu würde er hören was sich zugetragen hatte.


    Sein Herr würde wissen was zu tun sei. Falls nicht, tja...

    Dann war sein Herr 2000 Goldstücke reicher.


    Chari blickte an sich herunter und sah, worauf der Mann hingewiesen hatte. Seine Knie sahen aus wie rote Bratpfannen. Jedenfalls für ihn, das konnte doch alles nicht die Wahrheit sein. Resigniert ließ er den Kopf hängen und stakste hinter Linos her.


    "Warte bitte auf mich, Linos", rief Charislaus und schaute sich noch einmal auf dem Schiff um, ehe er weiterlief. Möglicherweise beruhigten sich die Gemüter auf hoher See. Jedenfalls hoffte Chari dies inständig.

  • Verus fand einen Eimer mit Meerwasser, etwas abseits von Linos und Charislaus. Er wusch sich mechanisch seine Hände im salzigen Wasser, welches in seinen kleinen Wunden brannte aber er ignorierte den Schmerz, wie so oft. Immer wieder tauchte er die Hände hinein, während ihn seine eigenen Gedanken heimsuchten und er erneut das kränkelnde Geräusch eines brechenden Halswirbels hörte. Das Geräusch verband sich mit dem Geräusch des Wasser und dem Meeresrauschen zu einem wahnsinnigen Ton, der ihn folterte aber er ließ es sich nicht anmerken. Die Kälte kroch über seinen Körper, ließ das Gesicht erhärten und die Augen verloren wieder an Menschlichkeit, indem sie kalt starrten. Das Wasser im Eimer färbte sich rot, zwar sanft aber beständig, so dass am Ende fast ein sanfter Purpurton im einstrahlenden Sonnenlicht entstand. Es waren die Farben des Kaisers. Purpur war eine bedeutsame Farbe und Verus erkannte sie im Wasser des Eimers. Die Farbe verfolgte ihn und wurde Teil seines Fluches. Verus hob die Hände aus dem Eimer und blickte diese an. Das Wasser begann schnell zu trocknen und das Salz zog auf seiner Haut und erzeugte einen für ihn interessanten Schmerz. Er hob den Eimer an und kippte ihn schwungvoll ins Meer zurück. Das Blut verlor sich im Hafenbecken. Verus stellte den Eimer zurück und blickte mit seinen diabolischen Augen zu Linos und Charislaus. Er würde nie wieder zu jener Normalität zurückkehren, aus der die beiden Sklaven stammten. Selbst ein frommer Wunsch konnte ihn nicht befreien, so dass die Ketten schwer an seinem Verstand zogen und jede Hoffnung verschwinden ließen. Er diente, führte aus und würde nach Rom zurückkehren, die Mission abschließen und dann mit seiner Familie verschwinden, in die Ferne, um den Anschein eines normalen Lebens zu führen und seine Familie vor dem Fluch zu erretten, den er ihn in die Welt gebracht hatte.

  • Das Schiff nahm Fahrt auf und mit Blick über das Heck wurde der Hafen zusehends kleiner. Weithin zu sehen blieben die Rauchschwaden über der Stadt, die Plato für Momente in Augenschein nahm, bevor er sich wieder der Absprache mit dem Magister zuwandte. Sonderlich erbaulich fand er es nicht, dass ihm jemand bei der Arbeit zusehen wollte, daher murrte er als Antwort. Sie segelten Richtung Westen und bald würde ihnen die Sonne in die Augen scheinen.

    "Das Ablegen erfolgte im Interesse aller." Er begann umständlich, wollte aber auf etwas hinaus. "Du wolltest fort, ich wollte die Fracht sichern und im Rücken brannte die Stadt. Keine Situation, um bleiben zu wollen." Die Sklaven waren ebenfalls an Bord und von hier würde niemand mehr weglaufen können.

    "Die Anzahl der Passagiere entspricht nicht meiner Planung. Das heißt, der Proviantbedarf ist größer als von mir berechnet. Das bedeutet, wir müssen eine Zwischenstopp machen. Ich habe Achaia dafür vorgesehen. Welche Stadt genau, entscheidet die Wetterlage. An Thracia fahren wir jedenfalls vorbei." Ganz gleich, wie die Pläne der Passagiere ausfielen, bei dieser Provinz würde Plato nicht anlegen, solange kein Auftrag seitens seines Auftraggebers vorlag.

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  • Wie großzügig, wir dürfen uns frei bewegen, dachte ich voll Bitterkeit und schaute mich um. Wir hatten Glück unsere Ecke war noch frei. Schon hörte ich Chari’s *"Warte bitte auf mich, Linos",* Entsetzt schaute ich mich um, wie konnte ich nur? Was war geschehen? Ich hatte in meiner Verzweiflung über die Starrsinnigkeit des
    Prätorianers, meinen Freund vergessen. Was für eine Selbstsucht. Jetzt aus der Nähe sah ich was sie mit Charislaus gemacht hatten. Sofort eilte ich zurück, bückte mich, so dass er einen Arm auf meine Schulter legen konnte. An unserem geschützten Winkel angekommen, schaute ich ihn an. Besorgt blickte ich auf seine Knie. „Entschuldige, das ich nicht auf dich geachtete habe, magst du dich setzen? Ich hole etwas zum kühlen. Kann ich sonst noch etwas für dich tun? Vielleicht etwas Wasser? Ich könnte einen Schluck vertragen.“ Dabei fiel mir ein, wo waren unsere Reisebeutel? Hatten sie diese zurück gelassen oder einfach entsorgt. Eher nicht, denn bestimmt wollte der Herrscher ihren Inhalt kennenlernen. Es könnte sich ja geheimes Material oder gar Geheimbotschaften darin befinden. Traurig schaute ich Chari an. „Er hat mich wirklich dazu gebracht, eins meiner Prinzipien zu vergessen, immer auf meine Mitmenschen zu achten und wenn nötig um sie zu kümmern. Verzeih mir, es ist unentschuldbar. Nicht nur das jetzt, sondern, dass ich dich zu der Reise eingeladen habe. Dich dazu mit meinen Worten verführt habe. Sollten wir je zu Hause ankommen, kann ich verstehen, wenn du nichts mehr von mir wissen willst.“ Abrupt drehte ich mich um eilte zu dem Eimer der für das heraufholen des Meerwasser gedacht war und holte mir einen Eimer voll hoch. Meine Tunika, die zerfetzt war stopfte ich hinein und eilte damit zu Charislaus. „Hier nimm, das tut bestimmt gut. Du kannst sie zur Not auch teilen, für jedes Knie ein Stück. Soll ich dir helfen?“ Schon war ich in mein altes Muster hinein geraten. Aus Sorge um meinen Freund und seine Freundschaft redete und redete ich. „Ah, Wasser, zum Trinken“, schon sprang ich wieder hoch um fort zu eilen.

  • Charislaus setzte sich an ihren alten angestammten Platz und lächelte Linos tapfer an, auch wenn er sich alles andere als tapfer fühlte. Er war müde, zerschlagen und wünschte sie beide an einen anderen, besseren Ort. Einen den sie sich zu Anfang ihrer Reise erträumt hatten. Aber so spielte das Leben nunmal. Das Linos so verzweifelt und niedergeschlagen war, konnte Charislaus verstehen, ihm erging es nicht anders. Aber Schuld trug Linos keine.


    "Ach Linos, Du warst mit anderen Dingen beschäftigt. Wir beide waren außer uns vor Sorge und da geschehen solche Dinge. Wasser ist eine gute Idee, Dankeschön. Du trägst keine Schuld an alledem. Schuld sind die Meuchler, sie haben uns entführt, geschlagen und hierher gebracht. Vorher haben sie denn Mann dort ermordet und das Lager angezündet. Dafür kannst Du doch nichts. Und was hättest Du tun wollen? Schau ich bin genauso hilflos wie Du. Wir sind keine Kämpfer und selbst dann Linos, wir sind zwei. Sie sind viele und hätten uns ebenso ermordet.


    Alles was wir versucht haben ist in so einer Situation zu überleben. Die Reise war doch anders geplant Linos, oder ist das Deine heimliche Vorführung? Nein nicht wahr? Das war nur Spaß. Niemand konnte mit so etwas rechnen. Das hätte uns auch in Rom passieren können, mitten auf dem Marktplatz. Du hast mich gebeten Dich zu begleiten und ich habe es gerne getan. Daran hat sich nichts geändert.


    Weder Du noch ich wollten einem Meuchler begegnen, der eine ganze Bande im Schlepptau hat. Aber noch leben wir Linos. Noch ist nicht alles verloren. Und wir segeln nach Rom. Dort warten unsere Herren und sie werden uns retten. Und wenn sie hören was geschehen ist, dann wird sich alles zum Guten wenden Linos. Drum rede doch nicht so über Dich, als könntest Du was für das Verhalten dieser Männer Linos", antwortete Chari und drückte sich die zerfetzte, durchnässte Tunika von Linos auf die geschwollenen Knie.


    Und schon war Linos wieder auf den Beinen um Trinkwasser zu holen. Chari schaute ihm hinterher und hoffte Linos konnte sich selbst verzeihen, für ihn gab es nichts, was er ihm verzeihen musste. Linos war genauso unschuldig wie er. Sie waren einfach unbedarft und tollpatschig, aber das war kein Verbrechen. Chari drückte die kühlende Tunika fester auf seine Knie und seufzte bei der erleichternden Kühle.

  • Nach dem Studium der Karten änderte Plato seine Pläne. Er entschied sich, anstelle der Provinz Achaia die Insel Creta anzulaufen, weil er, wenn er das Meer namens Mare Aegaeum durchfuhr, automatisch auf Creta zuhielt. Er kannte dort die Stadt Lappa, wusste, wo er ohne größere Wartezeit Proviant fassen konnte und dass die Preise nicht überteuert waren.

    An einem zeitigen Vormittag, der Frühnebel hing noch über Lappa, legte die Impetus an. Der Anker wurde abgelassen und ein Mann sprang über die Reling, um das Tau um einen der Anlegehaken zu wickeln. Die Mannschaft arbeitete Hand in Hand, die Abläufe wirkten wie einstudiert, was sie nach Jahren der Zusammenarbeit auch waren.


    Plato rief vom Bug quer über das Schiff, um seine Männer zu instruieren. Wo sie sich zum Einkaufen hinwenden mussten, wussten einige von ihnen, die schon länger auf dem Schiff dienten. "Teigwaren, Getreide getrocknetes Fleisch, ein paar Würste, Wein und frisches Wasser. Das sollte bis Ostia reichen." Er warf ihnen einen Lederbeutel mit Münzen zu, dann wandte er sich an Linos und Charislaus.

    "Ihr zwei macht euch nützlich und helft beim Tragen. Ich will hier so schnell es geht wieder ablegen."

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  • Charislaus drückte die Tasche mit den 2.000 Sesterzen an seine Brust und überlegte fieberhaft.


    "Ja Plato, selbstverständlich", antwortete Charislaus gehorsam und band sich seine Tasche so gut es ging um den Leib, damit sie nicht störte.


    Dann folgte er den Männern vom Schiff mit gesenktem Kopf. Das war ihre Chance! Charislaus Herz schlug ihm bis zum Hals, als er hinter den Männern herlief. Er wagte sich nicht, nach Linos zu schauen. Dieser war sicher direkt hinter ihm. Einfach laufen, einfach geradeaus schauen, einfach den Job erledigen. Oder zumindest so aussehen!

  • Erschrocken fuhr ich aus dem Schlaf hoch, was war los? Ankerten wir etwa? Es hatte sich gerade so angefühlt, dieser unsanfte Ruck der durch das Schiff gegangen war, deutete doch darauf hin. Ich schnupperte, eindeutig roch es nicht mehr nur nach Meer. Aber feucht fühlte sich die Luft noch an. Blinzelnd öffnetet ich die Augen, ja der Morgendunst war der Sonne noch nicht gewichen. Gerade als ich mich erheben wollte, hörte ich die Kommandos von Plato. Neugierig spähte ich umher und sah wie Charislaus sich mit gesenkten Kopf in Bewegung setzte. Da erst sickerte der Befehl des Kapitän langsam in meinen Kopf. Was fiel dem ein? Der hatte mir nicht solche Befehle zu geben, ihm musste ich nicht gehorchen. Ein Blick auf die Prätis reichte und ich besann mich in welcher Lage wir uns befanden. Ich schlurfte auch los, möglichst langsam, in der Hoffnung irgend etwas von einem Gespräch aufzufangen. Diese Hoffnung wurde schnell zerstört, denn einer der Matrosen stieß mich vorwärts. „Mach schon, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit“.

    Schon stand ich auf festem Boden, an einem, wie ich dachte, mir unbekannten Ort. >>>>

  • Die ersten Landgänger kehrten zurück und luden Esswaren und Amphoren ab. Alles wurde sicher verstaut und vertäut, um auch höherem Seegang standzuhalten. Getreide und Teigwaren benötigten zudem einen spritzsicheren Lagerort.

    Plato nutzte die Wartezeit, um sich mit der Karte zu befassen. Er prüfte seine Notizen der Herfahrt, um Strömungen und vorherrschende Windrichtung zu verinnerlichen, wusste aber auch, dass Wetterumschwünge diese Kenntnisse unbrauchbar machen konnten. Er blickte gen Himmel zu den Wolkenfetzen, betrachtete den Wellengang und kontrollierte den Sonnenstand. Die Wetterverhältnisse stellten keine Herausforderung dar, trotzdem wollte er zügig in See stechen. Die wertvolle Fracht wusste er auf hoher See mehr in Sicherheit, denn es ging im bei der angestrebten Eile nicht um Zeitnot. Ob er nun einen Tag früher oder später ins Ostia anlegte, dürfte für Fracht und Empfänger wenig ausmachen.


    "Tempo!" Er brüllte, um weithin gehört zu werden. Der Schall drang ungehindert an Land, denn Häuser standen erst in weiter Entfernung und in lockerer Anordnung. Die letzten Männer zogen den Schritt an, was nur bedingt klappte, denn jeder trug Sperriges oder Schweres bei sich. Als sie an Deck kamen, sah sich Plato suchend um. Er hatte seit längerem die beiden Sklaven nicht gesehen, aber zu den Nachzüglern gehörten sie auch nicht.

    "Verflixte Trödeltanten." Er fluchte weitere Begriffe vor sich hin, während er zum Bug ging, um von dort Ausschau zu halten. Nach zehn Minuten Wartezeit riss Platos Geduldsfaden. Er war nicht zum Hüten von Sklaven beauftragt worden, sondern zur Beförderung einer wertvollen Fracht.

    "Klar vorn und achtern?" Die Antwort kam aus mehreren Mündern. "Aye!"

    "Anker lichten, Tau einholen! Wir legen ab."


    Das Schiff trieb von der Anlegestelle fort, bevor kräftige Ruderschläge es auf das Meer hinauslenkten. Das Segel wurde gehisst und ein Lüftchen verfing sich in ihm. Die Impetus verlor an Größe, bis sie ganz aus dem Auge verschwand. Sie ward für länger nicht mehr gesehen.

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