Nach einer langen Reise

  • Nachdem sich Valens von einem Barbier hatte rasieren und frisieren lassen genoss er nun Annehmlichkeiten der Agrippa-Therme. Nachdem er sich Tepidarium den Reisestaub abgewaschen hatte, genoße er nun die wohlige Hitze des Caldarium. Da er wusste, dass Diomedes auf seine Sachen aufpasste, konnte er sich ungestört entspannen. Er sinnierte darüber, wie er nun weiter verfahren wollte. Er brauchte einen Patron. Am Besten einen wichtigen Mann. Einen Senator oder vielleicht doch einen Ritter? Auf jeden Fall jemand mit dem notwendigen Einfluss. Als er darüber nachdachte wunderte er sich, ob wohl ein solcher Mann sich gerade hier in der Therme aufhielt. Ob der Glatzkopf da vorne vielleicht ein Ritter war? Und der Dicke dahinten ein Senator? Ohne Kleidung und den üblichen Schmuck sahen doch letztlich alle gleich aus. Wie konnte man da noch einen Patrizier von einem Plebejer unterscheiden? Dann verscheuchte Valens diese nutzlosen Gedanken und wandte sich anderen Dingen zu. Er bemerkte allerdings noch, dass die Therme schon recht voll war. Valens war froh noch seine eigene Nische zu haben, aber vermutete, dass sich früher oder später jemand zu ihm gesellen würde.


    Sim-Off:

    Ich würde mich über Gesellschaft freuen. :)

  • Und da tauchte auch schon ein Störer auf. Plautus verschränkte die Arme hinter seinem Rücken, um nicht zu aufdringlich zu wirken, machte ein freundliches Gesicht und blieb am Beckenrand stehen.


    "Salve, hat es hier noch ein freies Plätzchen für einen freien Römer?"

  • Valens schreckte aus seinen Gedanken hoch als ihn ein anderer Badegast ansprach. Er war einen Moment perplex, doch dann fasste er sich wieder. "Ja, natürlich. Heute ist es ja recht voll." lud Valens den Mann ein Platz zu nehmen. "Ich nehme zumindest an, dass viel los ist. Ich habe die letzten Jahre in Mantua gelebt, sodass ich mich nicht wirklich mit den römischen Thermen auskenne." fügte er noch hinzu. Schließlich er erst zwei oder drei Mal in den Thermae Agrippae gewesen. Wenn es den einen oder anderen Grund gegeben hatte nach Rom zu reisen. Und so lange lebter ja auch noch nicht in Italia. "Mein Name ist Gaius Fabius Valens. Mit wem habe ich das Vergnügen?"

  • Mit einem erleichterten "Uff" ließ sich Plautus am Beckenrand nieder und prüfte mit den Füßen die Wassertemperatur.


    "Salve, Fabius. Hab Dank für die Einladung. Ich bin Sergius Plautus aus Neapolis und lebe schon über ein Jahr in Roma. Du kommst aus Mantua? Über Mantua weiß ich nur, dass dort eine Legio stationiert ist und dass es in der Ebene des Padus liegt. Was gibt es sonst noch Berichtenswertes über diese Stadt?"


    Plautus überlegte, ob er sich eine Massage gönnen sollte, entschied sich aber, zuerst mal ins Wasser zu gehen.

  • "Es ist mir ein Vergnügen, Sergius. Och Mantua ist nicht das, was es einmal war. Mittlerweile ist alles etwas eingeschlafen. Früher hatten einige große Familien ihren Sitz dort. Die Annaei oder die Aurelii. Die sitzen heute alle in Rom." erzählte Valens ehrlich über die Lage der Stadt. Wenn die Legio I irgendwann für einen Krieg verlegt werden würde, war in der Stadt bestimmt gar nichts mehr los. "Das wird bei Neapolis sicher ganz anders sein. In Baiae da haben die ganzen Reichen doch ihre Anwesen und feiern andauernd Feste, oder nicht?" Valens hatte sogar gehört, dass es in der Ecke ganze Stadtviertel von Lupaner geben soll. Aber sein Vater hatte ihn nie dorthin reisen lassen.


    "Verzeih mir die Frage, aber du bist nicht zufällig der Sergius Plautius, dem der Betrieb Argiletum Plauti gehört? Mein Vilicus hat mir vor kurzem gemeldet, dass er einigen Ton von dem Unternehmen eines Sergius Plautus hinzugekauft hat." Das wäre in der Tat ein erstaunlicher Zufall. Dann wären die Männer auch im gleichen Geschäft. Allerdings war Konkurrenz momentan sicherlich kein Problem. Erst vor kurzem hatte er erfahren, dass der gesamte Markt für Keramik wieder leergekauft worden war.

  • Mit einem Plumps ließ sich Plautus ins Wasser fallen, prustete kurz und meinte: "Dann ist Mantua ja gradewegs ein verschlafenes Städtchen geworden. Also echt was für Leute, denen der Krach und der Gestank von Roma auf den Wecker gehen."


    Er drehte sich auf den Rücken und ließ sich treiben.


    "Aber mach Dir nichts vor, was Neapolis angeht. Dem einheimischen Decius Normalverbraucher gehen die Feste der Bonzen eh an der Nase vorbei. Du kannst da höchstens einen Job als Servierer bekommen. Aber is nix, weil die Bonzen ja alle ihre Sklaven dabei haben. Ich bin nach Roma gegangen, weil ich einen ordentlich bezahlten Job machen wollte. Neapolis ist nämlich so korrupt wie .. äh, ich hätte beinahe gesagt wie Roma, aber genau besehen ist es nur ein bißchen korrupter als Roma. Jedenfalls hat man mich dort meistens um meinen gerechten Lohn beschissen. Hier ist das besser."


    Plautus lachte kurz: "Ja, ich bin zufällig der Sergius mit der Matschgrube. Aber lassen wir das mit dem Geschäft, wir sind ja zum Abhängen hier in der Therme. Sag, was hat Dich denn nach Roma getrieben?"

  • "Kann man so sagen. Aber Männer in unserem Alter haben auch besseres zu tun als zu schlafen. Aber Neapolis hört sich auch nicht besonders rosig an. Eins muss man Mantua aber lassen. Es ist deutlich einfacher zu durchschauen. Es ist ja schon schwer genug hier in Rom eine vernünftige Garküche zu finden, bei der man sich sicher ist, was sie da einem andrehen." Der Rattenschwanz in seinem Essen hatte ihn dann doch schockiert. Das war das letzte Mal, dass er etwas in Rom von einem Straßenstand kaufte. Momentan überlegte er immer noch zu einem Aedil zu gehen, aber der verdammte Straßenhändler hatte sein Stand wahrscheinlich wo anders aufgebaut. In welcher Richtung bist du tätig, wenn ich Fragen darf? Ich versuche selber gerade Fuß zu fassen. Deshalb bin ich natürlich auch hier in Rom." Dass er zufällig auf einen Mann im selben Geschäft gestoßen war, hatte ihn sehr überrascht. Nun war doch ein wenig interessiert, welcher anderer Arbeit er nachging.

  • Plautus lächelte ein wenig. "Tja, man muss schon zugeben, dass Roma etwas unübersichtlich ist."


    Der Typ war also von Mantua hierher gewatzt, um sich in der Stadt was aufzubauen. Plautus paddelte ein bißchen in dem Becken hin und her und fragte sich, wie der das wohl einfädeln würde.


    "Ich? Ich bin hier Aquarius, kleiner Staatsdiener, sozusagen. Ich bin für das Wasser zuständig, in dem wir uns grade suhlen. Für heute gönn ich mir noch ein Bad, weil ich morgen für ein paar Tage auf's Land muss, Leitungen inspizieren und das wird ne staubige Angelegenheit. Aber zu Dir. Wie willst Du das hier hinkriegen, ich meine das mit dem Fuß fassen. Kennst Du hier jemand, der Dir dabei hilft? Ich meine seilschaftmäßig und so."

  • "Dann vielen Dank für das Bad." sagte Valens grinsend und fuhr dann fort. "Bei dem Wetter ist es vielleicht garnicht schlecht mal aus der Stadt rauszukommen. Und als Aquarius hat man bestimmt auch schon ein paar Leute unter sich, oder nicht?" Zumindest in Mantua waren die Wasserbeamten durchaus angesehen gewesen. Zwar keine Magistrate, aber immerhin besser als irgendwelche Scribae.


    "Naja mein Vater hat vor einigen Jahren Geschäfte mit dem damaligen Statthalter von Germania Superior gemacht. Ich hoffe, dass er mir vielleicht helfen kann. Aber ansonsten bin ich noch relativ neu in der Stadt und kenne nicht wirklich viele Leute hier. Ich hatte mir aber überlegt, vielleicht einer Händlervereinigung beizutreten. Darüber lernt man auch immer nützliche Leute kennen." erklärte Valens und sinnierte noch ein wenig darüber nach. So genau hatte er es sich garnicht überlegt gehabt. Zumindest was nach dem Versuch mit dem Annaeer kam. Vielleicht der alte Patron seines Vaters?

  • "Bei dem Wetter, mein Lieber", sagte Plautus, "ist es ziemlich schweißtreibend, sich mit den Landbesitzern herumzuschlagen, die unerlaubterweise ihr Grünzeug auf dem Schutzstreifen der Wasserleitung anzubauen belieben oder ihre Stiere rauslassen, wenn wir ihre Grundstücke betreten. Und wenn's problematisch wird, dann muss ich ran, da kann ich nicht meine Leute vorschicken. Deshalb ist mir das Bad hier jetzt so wichtig und wenn ich zurückkomme, dann werd ich auf der Direttissima wieder hier reinrumpeln."


    Er winkte einen Masseur heran, kletterte aus dem Becken und legte sich auf eine Kline.


    "Du sagtest da was von einem Statthalter von Germanien. Meinst Du etwa Vinicius Hungaricus? Keine schlechte Idee. Das ist ein Mann, der ein gewichtiges Wort mitreden kann. Aber wie ich gehört habe, soll er sich auf irgendnem Landgut grade eine Auszeit gönnen."


    Plautus schnaufte hörbar auf, weil der Masseur ihn etwas heftig durchknetete.


    "Das mit der Händlervereinigung ist auch keine dumme Idee. Das wollte ich auch machen, aber auch da hängt der Obermacher grade auf nem Landgut ab. Es ist Sommer, Fabius."

  • Wer in seinem eigenen Heim stets Gefahr lief, von seiner Gattin gefunden und nur abermals zum Opfer einer ihrer Intrigen gemacht zu werden, den trieb es zunehmend an Orte, an denen er sich einigermaßen sicher vor ihr fühlen konnte. Und wo wäre Mann wohl sicherer vor seiner Frau als in den öffentlichen Thermen, in denen man sittsam auf die Trennung der Geschlechter achtete? So in der Folge also fand sich auch Dives am heutigen Tage in den Thermen des Agrippa wieder und versuchte den vielen Entspannung suchenden Menschen zum Trotz auch sein eigenes kleines Stück Entspannung zu finden.
    Im Caldarium auf einer der Massageklinen liegend ließ sich der Iulier also von einem Sizilianer - man hörte es an dessen leichtem Akzent - ein wenig massieren. Auf dem Bauch liegend seinen Kopf zur Seite gewandt hatte er dabei genau eine der Badenischen im Blick. Erst noch war jene leer, dann begab sich ein nicht ganz unattraktiver junger Mann dort ins Wasser. Dives lächelte leicht versonnen ob seines glücklichen Liegeplatzes, da gesellte sich ein weiterer Mann dazu. Aus der Entfernung und bei dem üblichen Geräuschpegel, der in solchen Thermen nun einmal so herrschte, selbstredend verstand der Iulier kein Wort von dem, was die beiden Männer dort sprachen. Umso genauer dafür beobachtete er den schwarzhaarigen Typ mit dem markanten Zinken im Gesicht, vor allem jedoch den ansehnlichen Brünetten der beiden.


    Nach einer kleinen Weile verließ der Schwarzhaarige das Wasser und legte sich auf eine der benachbarten Massageklinen, wo ihn der Iulier in der Folge nun auch hören konnte. Der Mann redete von Vinicius Hungaricus, einem der beiden Statthalter der beiden germanischen Provinzen. Der Consular solle sich gerade auf einem Landgut eine Auszeit gönnen. - Es war doch immer wieder interessant zu hören, was die Leute sich so erzählten... auch über seinen Patron.
    "Ein bisschen kräftiger, bitte. Ich war gestern den ganzen Tag auf den Beinen.", wies Dives den sizilianischen Masseur an, der sich gerade an den iulischen Waden zu schaffen machte. Anschließend widmete sich der divitische Thermengast abermals dem Zuhören und Beobachten. Der Brünette gehörte offenbar zum Geschlecht der Fabier. Ob er wohl den einstigen Flottentribun Fabius kannte, welcher einst zu Gast bei der Jubiläumsfeier der Villa Iuliana Ostiensis gewesen war? Seine Frage für sich behaltend, da er sich nicht einmischen wollte in dieses fremde Gespräch, schloss der Iulier sodann genüsslich seine Augen. Was für eine entspannende Massage!

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

  • Das Gespräch war interessant, weshalb Valens sich auch mit dem Sergius erhob und einen anderen Masseur herbei rief. Auf einer benachbarten Kline, die zwischen dem Sergius und einem anderen Mann frei war, lies er sich nieder. "Nein, nicht der Statthalter. Der davor. Oder danach. Wie mans nimmt. Annaeus ist sein Name. Aber mein Vater hat auch für den Vinicius gearbeitet. Er hat seine Regia eine Zeit lang geleitet. Und ja, der Vinicius hat sich aufs Land zurückgezogen. Deswegen der Annaeus." erläuterte er dem Sergier seine Wahl. Der Annaeus war immerhin auch Senator und hatte ihm das Land zu günstigen Konditionen verschafft.


    "Da kann man dir nicht übel nehmen, dass du vorher noch in den Thermen entspannen willst. Wenn das wirklich so stressig ist, warum suchst du dir nicht eine andere Arbeit? Mein Bruder war eine ganze Zeit lang in der kaiserlichen Kanzlei angestellt. Da kann man auch als Civis einiges erreichen." schlug Valens vor. Er wusste nicht mehr genua, was sein Bruder in der Kanzlei gearbeitet hatte, aber das spielte auch keine Rolle. Während der Zeit war er in Griechenland gewesen. Zum Feiern. Oder Studium, wie er seinem Vater immer gesagt hatte. "Hm, vielleicht können wir ja was eigenes Gründen, wenn wir genug Leute wie uns finden. Ansonsten ist das wohl eher schwer, wenn es da keinen Ansprechpartner mehr gibt."

  • "Knet mir mal den Rücken durch. Ich muss die nächsten Tage oft gebückt durch irgendwelche Stollen laufen", wies Plautus den Masseur an. Als der dann zulangte, reagierte Plautus mit einem langgezogenen Ächzer.


    "Ääärrrch, ach den Annaeer meinst Du? Annaeus Modestus, mmh, ja das ist ein ausgeschlafener Typ, der hat doch tatkräftig mitgeholfen, den dicken Salinator zu entsorgen. Nicht schlecht als Patron, würde ich sagen. Ich kenne ihn nicht, der war doch mal eine Weile von der Bildfläche verschwunden, weil's ihn im Bürgerkrieg ziemlich erwischt hatte. Ist der wieder aufgetaucht? Ja, der tät mir auch passen."


    Langsam kam Plautus in's Schwitzen. Er schaute über die Schulter und stellte befriedigt fest, dass es dem Masseur nicht anders erging.


    "Ist das wirklich Dein Ernst mit der kaiserlichen Kanzlei? Mann, da brauchst Du ja drei Legionen Fürsprecher, um da rein zu kommen. Außerdem krieg ich als Aquarius mehr Kohle als ein Primicerius. Und das, obwohl bei uns normalerweise morgens kein Kaiser reinschaut."


    Der Masseur hatte sich mittlerweile bis zum Steißbein durchgarbeitet und beendete seine Aktion mit einem gezielten Schlag zwischen die Schulterblätter.


    "Uompf, jetzt ist mir wohler. Nö, Fabius, ne neue Händlervereinigung zu gründen ist nicht das Gelbe vom Ei, es gibt eh schon genug davon. Ich werde die Socii Mercatorum Aurei in ein paar Wochen nochmal kontaktieren und wenn Decimus Varenus, der Curator von den Aurei noch nicht zurück ist, dann gibt's ja sicher noch nen Vertreter."

  • "Ja, genau der. Ist seit einigen Wochen wohl wieder in der Stadt. Ich kann dich ja mal vorstellen, wenn du willst. Aber als Aquarius kennst du ja sicher selber einige hohe Tiere. Die Curatoren oder den Stadtpraefekt. Das sind sicherlich auch dicke Fische." meinte Valens und überlegte wer gerade Stadtprafect war. Decimus irgendwas. Als Aquarius konnte sein Gesprächspartner sicher einen Termin bei dem einen oder anderen wichtigen Mann in Rom erhaschen und um ein Patronat bitten.


    "Es hat bestimmt auch seine Vorteile, denn der Kaiser den Namen von einem kennt. Meinen Bruder haben sie vom Primicerius direkt zum Ritter gemacht. Aber dafür braucht man den richtigen Patron, wie du schon sagst. Aber ich glaube die Primicerii holen sich das Geld auf anderem Weg wieder rein. Die entscheiden ja, welche Briefe auf dem Tisch des Procurators oder des Kaisers landen und welche in den Müll kommen. Da gibts bestimmt mal das eine oder andere Geschenk, damit ein Brief schnell ankommt." Dann stöhnte Valens auch auf, als sein Masseur seine Vorbereitungen abgeschlossen und mit kräftigen Händen das kneten begann. Der Mann musste in seiner Freizeit wohl Bäume ausreisen. So fühlten sich seine Hände zumindest an.


    "Wenn du was von ihm hörst, dann sag mir am Besten auch Bescheid. Würde mich schon interessieren. Ich habe mich gerade für die nächsten Wochen am Viminal in einer Insulae eingemietet."

  • Der Gedanke, dass Valens ihm die Tür zu einer Bekannschaft mit dem Annaeer öffnen könnte, war schon recht verlockend. Doch Plautus winkte ab. "Aber nur, wenn Du mit Annaeus Modestus wirklich auch privat gut bekannt bist. Den Praefectus Urbi kenne ich nur dienstlich und war bisher bloß zweimal in seinem Officium. Dem Praefectus würde es sicher nicht unkomisch vorkommen, wenn ich plötzlich mit Dir in seinem Officium auftauchen und sagen würde 'Guck mal, Praefectus, was ich da für ein schlaues Bürschchen mitgebracht habe, nämlich den Fabius Valens, der Dich kennenlernen möchte'. Also ich denke, da müssten wir schon einen triftigen Grund finden, um sowas durchzuziehen."


    Was Valens da über den klandestinen Gehaltsausgleich bei den Primicerii erzählte, war wohl reine Vermutung, auch wenn es immerhin noch im Bereich des Denkbaren lag. Dass man so Klatsch auf Schlag zum Ritter gemacht wurde, wenn man dem Kaiser bekannt war, erschien Plautus ebenfalls wie reiner Aberglaube. Dennoch erinnerte er sich an eine verpasste Gelegenheit.


    Mit einem lautlosen Kichern meinte er: "Na ja, beinahe, aber nur beinahe wär ich auch Ritter geworden. Wir haben neulich ein gebrochenes Wasserrohr in der Domus Augustana repariert, aber der Kaiser ist uns leider nicht über den Weg gelaufen."


    "Ja, wenn ich nächstens mit den Socii Mercatorum Aurei Kontakt aufnehme, sag ich Dir Bescheid, Fabius. Von der Casa Sergia ist es ja nicht weit zum Viminal."

  • "Naja, er ist mein Patron. Von daher ist das schon eher privat. Aber so gut kenne ich ihn dann auch noch nicht. Ich bin ja recht neu in der Stadt. Er schien aber recht vernünftig zu sein. Und ich denke Klienten können die Senatoren immer brauchen. Aber letztlich musst du wissen, ob dir das recht ist oder nicht." sagte Valens und grübelte ein wenig darüber nach, was er eigentlich über den Annaeus wusste. Vielleicht sollte er die nächsten Salutationes nutzen, um seinen neuen Patron näher kennen zu lernen.


    "Das ist natürlich schade. Wahrscheinlich habt ihr auch so gute Arbeit abgeliefert, dass die nächsten Monate und Jahre nichts mehr kaputt geht. Aber vielleicht ist ja eine halbjährliche Inspektion notwendig, um sicher zu gehen, dass alles im Besten Zustand ist." meinte Valens schelmisch und grinste auf seiner Liege. Aber er war beeindruckt. Schließlich ließen die Praetorianer auch nicht gerade jeden einfach so in das Haus des Augustus.


    "Was kann man eigentlich sonst so in Rom machen, wenn man ein wenig Spaß haben will? Spiele sind ja nun gerade keine oder?"

  • Nachdem der Masseur sein Werk getan hatte, setzte sich Plautus auf den Rand der Liege und ließ sich einen Becher Wein bringen. Er dachte nach.


    "Weißt Du, ich hab mir eigentlich noch gar nicht überlegt, wie ich mir am besten einen Patron nehme. Meistens sucht man sich ad hoc irgendeinen Typ aus, der einem öfters über den Weg läuft und von dem man glaubt, dass der was zu sagen hat. Aber das kann ja auch in die Hose gehen. Kann ja sein, dass der realiter gar nicht so viel zu bestimmen hat oder amtsmäßig in einer Sackgasse steckt."


    Stirnrunzelnd betrachtete er seinen Gedankengang und konstatierte, dass diesem noch eine Fortsetzung fehlte.


    "Man müsste eigentlich viel genauer bestimmen können, wer das Zeug zum Patron hat, wer also 'patronabel' ist. Dann könnte man exakter auswählen. Zum Beispiel wäre es schon wichtig zu wissen, an welcher Stelle in dem ganzen Klientschaftssystem man seinen designierten Patron verorten kann."


    Er stellte eine Öllampe auf seinen Becher. "Schau, nehmen wir mal an, mein Weinbecher sei Dein Patron. Oft ist aber ein Patron seinerseits Klient bei einem höher schwebenden Patron, also hier in unserem Beispiel bei der Öllampe. Und die Öllampe hat vielleicht auch einen Patron. Weißt Du denn, wer der Patron Deines Patrons ist, Fabius?"


    Mit seinen Händen beschrieb Plautus einen imginären Turm aus übereinandergeschichteten Dingen. "Hi hi, als Handreichung für Leute, die grade einen Patron suchen, wäre es ganz praktisch, wenn es eine Tabelle gäbe, mit der man auf einen Blick alle Weinbecher-Öllampen-Beziehungen überblicken könnte und sich so durch die Wahl des richtigen Patrons den schlanksten Weg nach oben sichern könnte. Wär doch was." Plautus grinste, nicht zuletzt, weil Valens zum Schluss noch nach Bespaßungsmöglichkeiten gefragt hatte.


    "Ach, Du willst Spaß haben? Das ist in Roma katzenleicht, Fabius. Kauf Dir ein Buch oder geh ins Lupanar. Zwischen diesen beiden gibt's aber noch einige tausend Möglichkeiten."

  • "Ich glaube ganz so einfach machen sie einem das auch heute nicht." sagte Valens schmunzelnd, nachdem sein Gesprächspartner klagte, dass es keine Aufzeichnungen über die Patronate bedeutender Männer gab. So wie eine Art Stammbaum vielleicht? Nein das wäre auch zu einfach.


    "Ja, ich habe eine Ahnung. Ich muss meinen Patron bei Gelegenheit bei einem Besuch bei seinem Patron begleiten. Spurius Purgitius Macer." entgegnete Valens auf die Frage und fuhr dann gleich fort. "Und du möchtest lieber einen Schritt weiter oben anfangen? Nur zu." sagte Valens und dachte zunächst selbst einmal über diese Möglichkeit nach, die er bisher außer Acht gelassen hatte. Allerdings kam er zu einem für ihn überraschenden Schluss. "Am Ende vom Tag hat jeder wichtige Mann einen Patron. Und so wie ich das sehe, habe ich mit dem Annaeus und dem Purgitius im Zweifelsfall zwei Fürsprecher. Außerdem je höher die an der Leiter hochkletterst, desto älter werden die Kerle. Das letzte wichtige Amt liegt dann Jahre zurück und bald ziehen sie sich aufs Land zurück um Fische zu züchten. Ist ja bei dem Patron vom Stadtpraefecten auch so. Ich bin lieber Klient des nächsten Consuls als von dem vor 10 Jahren. Aber du musst selber entscheiden, was du willst." sagte Valens zum Schluss und winkte ab. Er hatte sich irgendwie verpflichtet gefühlt seine Entscheidung zu verteidigen. Schließlich konnte er jetzt nicht mehr eine Stufe höher anfangen. Aber am Ende vom Tag war er auch nicht hier um Klienten für den Annaeus zu gewinnen. Von daher wandte er sich wieder der Freizeit zu.


    "Es ist schon klar, dass es in Rom hunderte Möglichkeiten gibt. Aber gibt es auch irgendetwas außergewöhnliches, dass du empfehlen kannst? Bücher und Lupae gibt es auch in Mantua."

  • Plautus reckte den Hals. "Ach, watt? In Mantua? Hätt ich nicht gedacht."


    Weil der Fabier ja eigentlich eine abgefahrene Bespaßung in Roma suchte, musste Plautus etwas nachdenken.


    "Ja, ich hab's, wenn Du in Roma was Exorbitantes suchst, dann versuch's mal mit dem Holztheatrum von Lucius Decrius Pandus. Da gibt's auch Spiele außerhalb der Spielzeit und wenn nicht, dann gibt's Glasfresser, Feuerspeier, Schwertschlucker, Schlangenbeschwörer inklusive Zimmerservice. Das Ding ist am Fuß des Aventin. Lohnt sich."


    Das Thema Klientschaft war nach der letzten Antwort des Fabiers für Plautus aber noch nicht abgeschlossen. Er wiegte den Kopf.


    "Nee, nee, da hast Du mich missverstanden. Ich hab gar keinen Bock drauf, mir einen alten Knackarsch als Patron zu nehmen. So einer kann ja mir nichts, Dir nichts wegsterben, eh man sich umgeguckt hat. Nein, ich meinte, so eine Tabelle wäre gut dafür, den strategisch richtigen Einhängepunkt zu finden, von dem aus man am geschicktesten weiter klettern kann. So eichhörnchenmäßig, verstehst Du?"

  • "Danke für den Hinweis. Das klingt richtig aufregend. Ich weiß noch nicht, wie lange ich in Rom bleiben werde. Und auf die großen Spiele zu warten habe ich keine Lust. Da kann man doch sicher auch die eine oder andere Wette abschließen? Ich meine das macht die Sache erst so richtig interessant." sagte Valens und nahm sich vor diese Holzarena im Auge zu behalten. Wenn es in den nächsten Tagen einige Kämpfe geben würde, wollte er sie sich auf jeden Fall anschauen. Kämpfe hatten ihm immer besonders gefallen. Vielleicht weil er selbst kein großer Kämpfer war.


    "Naja, ich glaube so großartig zwischen Patronen hin und her zu wechseln, wird nicht gerne gesehen. Oder wie meinst du das mit dem weiterklettern? Also so in Richtung hocharbeiten? Ich glaube, dann musst du dir halt überlegen wohin du überhaupt willst." entgegnete Valens, denn das schien ihm die das Sinnvollste zu sein. Wenn man im Cultus Deorum Karriere machen wollte, dann nahm man sich am Besten jemanden zum Patron, der ein wichtiges Priesteramt inne hatte.

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