[Atrium] Salutationes pro Marco Iulio Divite

  • In der Tat erst im Nachgang seiner eigenen Worte fiel dem iulischen Senator auf und kam ihm in den Sinn, dass er gerade im zweiten Teil seiner vorherigen Ausführungen doch vergleichsweise allgemein gesprochen hatte, obgleich er seinen Klienten eigentlich nur eindringlich dazu mahnen wollte, seine Augen stets offen zu halten und in seiner neuen Position nun etwas mehr vorbereitet zu sein auf Neid und Missgunst, Intrige und Verrat. Denn nicht zuletzt wusste Dives durchaus selbst, welche Schmerzen es bereiten konnte, dem falschen Menschen sein Vertrauen zu schenken...
    Dennoch hatte der Patron einer spontanen Eingebung folgend am Ende nun auch den Hochmut namentlich erwähnt. Und er hatte es offenkundig verpasst, einen beinahe obligatorisch erscheinenden Satz auszusprechen, in welchem er klarstellte, dass er seinen Klienten mitnichten für hochmütig hielt oder als gefährdet ansah, dem Hochmut anheimzufallen. Denn ohne jeden Zweifel hatte er doch wenig Befürchtungen, in diesem Aspekt von Helvetius Severus enttäuscht zu werden. Wohl aber, so ergab sich ihm schlussendlich erneut ein Sinn für sein Handeln, mochte er eine seiner letzten Thermalbegenungen mit Lepidus noch ein wenig im Hinterkopf mit sich tragen.


    Es war in der Zeit vor der divitischen Quaestur gewesen, da sich der Tiberier beklagte, noch immer nicht in den Senat berufen worden zu sein. Damals, so wusste der Iulier noch vergleichsweise gut, hatte er seinen Freund behutsam und doch nicht nur einmal dazu anzuhalten versucht, sich nach dem Brechen des aurelisch-tiberischen Patronatsverhältnisses möglichst zeitnah einen neuen Patron zu suchen. Denn wer in Roma etwas wollte, davon war Dives überzeugt, der musste zwangsläufig als Klient ein fester Teil dieses so typisch römischen Konstrukts sein, das einem unsichtbaren Netz gleich über der Urbs Aeterna lag. Wer sich jedoch gegen dieses Netz stellte, der würde sich früher oder später unweigerlich verfangen in ihm und sich schlimmstenfalls gar selbst strangulieren darin.
    Lepidus einst war schlussendlich auch ohne diesen freundschaftlichen Rat in den Senat berufen worden, bevor er - der treuen divitischen Unterstützung zum Trotz - jedoch vergleichsweise knapp daran scheiterte, zum Aedilis Curulis gewählt zu werden. Mochte es ein gewisser Hochmut gewesen sein, der den Patrizier ohne Patron dereinst die wenigen - und doch offenkundig entscheidenden - zusätzlichen Stimmen gekostet hatte? Dives mochte dies seinem verbündeten Freund gewiss nicht unterstellen. Indes ausschließen konnte er just dies allerdings ebenfalls nicht. Und so also sprach der iulische Senator zu denen, an deren Fortkommen ihm besonders viel lag, auch heute nun lieber einmal zu oft über diese unangenehm zu thematisierende Gefahr, als dass er sich später nur einmal mehr würde fragen müssen, ob er tatsächlich genug getan hatte, einem wichtigen Menschen seines Lebens mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und zu helfen.


    "Das freut mich.", nickte er nach den Worten seines Klienten mit einem milden Lächeln im Gesicht. "Und sei versichert, so der Zeitpunkt für den von mir zu gehenden nächsten Schritt gekommen ist, werde ich deine Unterstützung und werde ich jede Unterstützung, die ich bekommen kann, gewiss gut brauchen können.", machte er sich keine Illusionen, dass dies ein Spaziergang würde. Im Gegenteil rechnete er vor allem damit, dass man die Aedilität seines Cousins Centho wohl ausgraben würde, einer divitischen Kandidatur auf den Zahn zu fühlen. Einzig im Hinblick auf seine iulischen Finanzen machte er sich in der Tat aktuell nur geringe Sorgen - vollkommen berechtigt, wie sich nur wenige Tage nach dieser Salutatio schon zur Freude des Quaestoriers zeigen sollte. *


    Sim-Off:

    * siehe WiSim ;-)

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  • Salutatio

    Ravilla hatte sich nach den Ereignissen im geheimen Tempel des Pluto, die einhergegangen waren mit Stunden des nächtlichen Umherirrens und anschließend erforderlicher ausgiebiger Körperpflege, lange ausgeschlafen. Erholt und zurechtgemacht war er nun bereit, einen zweiten Versuch zu unternehmen, einen Patron für sich zu gewinnen. Die Reputation des Marcus Iulius Dives wirkte dazu geeignet, sich in dessen Glanz ausgiebig sonnen zu können. So verwunderte es wenig, dass Ravilla sich samt seinem orientalisch herausgeputzten Perser Anaxis bei diesem Senator zur Salutatio blicken ließ.


    Beim Nomenclator, der das Prozedere der Anmeldung leitete, hatte Ravilla noch nicht viel der Taten zu rühmen und bei aller Arroganz war er doch kein Lügner. Er hoffte jedoch durch ein außerordentlich gewähltes Äußeres gleich einem aufsteigende Stern in den iulischen Hallen zu erstrahlen und einen der begehrten vorderen Plätze in der langen Reihe der Wartenden zu erwirken. Vestis virum reddit - Kleider machen den Mann. Die blütenweiße, nach erlesenem Parfum duftende Toga, mit Diamantstaub zum seidengleichen Glanz gebracht, das sorgfältig frisierte schwarze Haar, die gepflegten Hände und das teure Schuhwerk waren angedacht, die Absicht Wirklichkeit werden zu lassen, ebenso wie die gebleichten Zähne, die beim Sprechen in zwei tadellosen Reihen blitzten.



    Sim-Off:

    Das Umgehen der Porta wurde dem Ravilla großzügig gestattet.

  • Pflichten über Pflichten.


    Nachdem er nicht nur nach Roma, sondern mit seinem Erscheinen beim Armilustrium auch formal ins Lichte der Öffentlichkeit zurückgekehrt war, musste Dives selbstredend auch seinen Pflichten als Patron wieder verstärkt nachkommen. Ihm graute bereits ein wenig davor, da diese Salutatio nicht nur die erste seit recht langer Zeit war - und daher wohl mit einem größeren Andrang als gewöhnlich gerechnet werden musste -, sondern es überdies auch die erste Salutatio wäre, in welcher ihm sein neuer Privatsekretär Saras zur Seite stand. Selbstredend würde der Iberer gerade jetzt am Anfang noch vom alten Aglaopes unterstützt werden, sodass es hoffentlich keine allzu chaotischen Verhältnisse gab. Dennoch war der Senator ob dieser Aussichten nur wenig enthusiastisch...


    [Bild] | Aglaopes et Saras | [Bild]


    "Und wer ist das dort?", deutete Saras möglichst unauffällig mit dem Stilus in seiner Hand auf einen gerade ins Atrium tretenden Mann. "Der in der gelben Tunica?", hakte Aglaopes nach. "Nein, der Dunkelhaarige dahinter.", spezifizierte Saras. "Ach der! Das ist Quintus Petilius Rufinus, Sohn des Senators Quintus Petilius Sophus. Die Petilier, das hast du sicher schon mitgekriegt, wohnen hier direkt nebenan in der Domus Petilia. Der Senator ist recht gut mit dem Dominus befreundet, weshalb sein Sohn hier natürlich einer derjenigen ist, die eine bevorzugte Behandlung genießen sollten.", erklärte der alte Grieche. "Gut. Ich verstehe.", kommentierte Saras und machte sich mit seinem Stilus eine entsprechende Notiz auf der Wachstafel, welche er in der anderen Hand hielt. "Ach schau!", deutete Aglaopes dann auf ein eintretendes Paar. "Die beiden solltest du dir ebenfalls gut merken. Das sind Potitus Asinius Celer und seine Schwester Asinia Celerina." Der Iberer runzelte missbilligend die Stirn. "Seine Schwester?!", wiederholte er skeptisch. Wie inzestös! "Ich nehme an, die sortiere ich dann in der Rangfolge ein bisschen weiter unten, richtig?" Die Toga des Mannes sah so früh am Morgen auch schon deutlich mitgenommen aus... "Oh, du hast recht.", gab der alte Grieche lachend zu. "Verzeih, die Dame an seiner Seite, das ist natürlich Sulpicia Priscilla, seine Frau." Es handelte sich also keineswegs um das, was der Iberer hier gefolgert hatte. "Und den solltest du im Gegenteil am besten sogar noch vor Petilius zu Wort kommen lassen. Denn Asinius gehört als Decurio Ostiensis zu den frühesten Klienten des Dominus. Und dass man ihm seine lange Anreise aus Ostia ansieht, davon solltest du dich nicht stören lassen. Es zeigt ja nur, welche Mühen er auf sich nimmt, um heute ebenfalls hier zu sein.", lächelte Aglaopes milde. Denn auch er selbst hatte den Asinier (genauso wie auch dessen Schwester) in den ostiensischen Jahren seines divitischen Dominus durchaus ein bisschen kennengelernt: Ein bescheidener, bodenständiger, vor allem aber höchst loyaler und treuer Mann!


    Plötzlich jedoch verschwand die gute Laune aus dem Gesicht des alten Griechen und machte einer seltenen Ernsthaftigkeit Platz. "Entschuldige mich kurz.", erklärte er sich nicht weiter, sondern verschwand nur mit zielstrebigem Blick in der zunehmenden Zahl von Klienten, während der Iberer auf sich allein gestellt zurückblieb...

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  • ...an der Porta Iuliana hatte sich kurz zuvor eine ganz andere Szene abgespielt:


    [Bild] | Caius Caelius Caldus vs. Antinoos | [Bild]


    Nachdem er sich damals geschworen hatte nie wieder einen Fuß nach Roma zu setzen (irgendjemand hatte immerhin einst gar diesen Attentäter Corvinius auf ihn angesetzt, der ihn beseitigen sollte), war Caldus nach all den Jahren nun dennoch zurückgekehrt. Denn er hatte von dem Mord am Vigintiviralis Iulius Caesoninus gehört. Und er hatte gehört, dass daraufhin auch 'sein' Dives in die Ewige Stadt zurückgekehrt war. Und... er hoffte einfach, dass - alpha - sich kein Krimineller hier in Roma noch an ihn, einen kleinen Archivschreiber aus der Bibliothek des ostiensischen Stadtteils Marina erinnerte; - beta - die Soldaten und sonstigen Sicherheitskräfte der Stadt gerade nach diesem Mord nun besonders wachsam waren und insbesondere im Umfeld der Iulier ihre Augen sehr offenhielten; - und gamma - der gute Dives sich vielleicht verantwortlich fühlte, für den Schutz des Caeliers zu sorgen. Nachdem diese Sergia nicht mehr an seiner Seite war, da brauchte der Iulier doch auch wieder jemanden, um den er sich kümmern konnte - und der sich um ihn kümmerte. Und ja, in diese Rolle könnte sich Caldus gut hinein träumen..!


    "Was willst du denn hier?", stieß die Anwesenheit des Caeliers jedoch nicht bei jedem auf ein positives Echo. Antinoos, der sich heute um die Porta kümmerte (Wonga und Vibilius hatten während der divitischen Salutatio ein paar Stunden frei), konnte den Archivschreiber aus Ostia nicht leiden. Der Kerl sah gut aus, er genoss die Gunst seines Dominus und er hatte sich vor einigen Jahren sogar einmal über mehrere Wochen hier in der Domus Iulia eingenistet, bevor er von einem Tag auf den nächsten ganz plötzlich und ohne jede Erklärung verschwunden war. Nichts davon konnte Antinoos gutheißen. Und er hegte fest die Absicht, diesen Mann nicht noch einmal zu nah an seinen Dominus kommen zu lassen. Er war ein schlechter Einfluss! "Salve. Ich bin Caelius Caldus. Ich wollte zu Div..dem Senator Iulius Dives. Wir beide kennen uns aus Ostia. Ich habe ihn mehrfach beim Schreiben seiner Wahlkampfreden unterstützt und ja, man könnte sagen, wir sind alte Freunde.", nahm der Caelier die ablehnende Grundstimmung seines Gegenüber nicht gleich wahr. "Alte Freunde... von wegen.", schüttelte der Custos Corporis des Iuliers mit abfälligem Lächeln den Kopf. "Entschuldigung?", zeigte sich Caldus irritiert. "Ne, ich entschuldige nicht.", gab der Bithynier trocken zurück. "Ich möchte bitte zu Dives. Er kennt mich. Wir sind alte Freunde.", versuchte es der Caelier in einem zweiten Anlauf abermals freundlich. "Ich kann dich gerne mal alt aussehen lassen, wenn du willst. Ansonsten gehst du jetzt.", hob Antinoos in einer deutlichen Geste der Warnung die Hand. "Ich...", setzte der Gewarnte bereits dazu an, seine Ausbildung zum Bürgerwehrler ins Feld zu führen (ganz so wehrlos war der einfache Archivschreiber nämlich nicht), doch just in diesem Augenblick erreicht Aglaopes die Szenerie.


    "Meine Herren!", ermahnte er die beiden Männer mit der Auctoritas seines Alters. Dazu schenkte er beiden einen tadelnden Blick. "Ich werde es nicht dulden, dass diese erste Salutatio des Senators seit seiner Rückkehr aus Bovillae kompromittiert und verdorben wird durch irgendwelche Streitigkeiten!" Der Grieche holte tief Luft, nachdem er sich so beeilt hatte, hier bis zur Porta zu gelangen, um den sich abzeichnenden Konflikt noch rechtzeitig zu entschärfen. "Ich schlage vor, du richtest dein Anliegen heute an mich. Und ich werde es anschließend dann an den Senator herantragen. Einverstanden?", bot er dem Caelier an. "Hm.", brummte der zunächst nur. "Alternativ darfst du dich natürlich auch gerne schriftlich an ihn wenden, wenn dir das lieber ist. Aber dort im Atrium warten zahlreiche Klienten - und so Leid es mir tut, aber du bist keiner davon.", blieb Aglaopes hart. Er wurde mit einem missmutig zustimmenden Nicken des Caeliers dafür belohnt. "Und du zeigst dich den Klienten und Freunden des Dominus gegenüber bitte ein bisschen freundlicher. Okay?", wartete der alte Grieche noch das nicht minder missmutige Nicken des Bithyniers ab, bevor er den Caelier einmal halb ums Haus zum Seiteneingang der Domus führte, von wo aus er mit ihm für das versprochene Gespräch in den Sklavenunterkünften verschwand.


    Antinoos blieb derweil zurück und konzentrierte sich wieder auf die ihm eigentlich zugedachte Aufgabe an der Porta. Hoffentlich war während seiner kleinen verbalen Auseinandersetzung mit dem Caelier niemand einfach so an ihm vorbei ins Atrium marschiert...


    Sim-Off:

    Jetzt hab ich so lange und viel geschrieben und sehe erst im Nachgang, dass du hier bereits begonnen hast. Ich poste es dennoch, um es nicht verwerfen zu müssen.^^

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  • Nicht lange nach all diesen Geschehnissen, von denen der Iulier zum Glück noch nichts ahnte, betrat Dives in einer smaragdgrünen Tunica, deren Saum an Hals und Ärmeln von einer silberfarbenen Mäander-Ornamentik geschmückt wurde, sowie darüber einer purpurverbrämten Senatorentoga, in deren weißen Stoff für eine edlere Optik dezente Silberfäden eingewebt waren, das Atrium des Hauses. Er ging zum Solium und sah wie üblich einmal von links nach rechts durch die Menge der anwesenden Menschen. "Avete!", grüßte er dann mit freundlichem Gesichtsausdruck, während er in passender Geste dazu grüßend kurz seine rechte Hand hob. Anschließend setzte er sich und bemühte sich darum, das offenkundige Fehlen des Aglaopes zu ignorieren. Stattdessen gab er Saras mit einem stummen Blick zu verstehen, dass er beginnen konnte.


    "Dein Klient Potitus Asinius Celer und seine Frau Sulpicia Priscilla.", hielt sich der Iberer an den Rat des alten Griechen und rief zunächst den Asinier auf. Dieser trat daraufhin gemeinsam mit seiner Frau vor den Senator, grüßte seinen sichtlich erfreuten Patron und trug anschließend zwar keine Bitte vor, befragte den Iulier stattdessen jedoch einerseits nach dessen Meinung zu einer derzeit im ostiensischen Ordo Decurionum diskutierten politischen Frage, bevor er im Anschluss mit Blick auf seine Gemahlin freudig deren bereits leicht sichtbar werdende Schwangerschaft verkündete. Dives, der bekanntlich selbst mehrfach Vater war - auch wenn sowohl seine vestalische Adoptivtochter Torquata als auch sein nur wenige Tage alt gewordener Faustus bereits tot waren, sodass nur noch seine Kinder Marcus Minor und Fausta lebten - gratulierte seinem Klienten von Herzen und versprach, die werdenden Eltern bald nach der Geburt ihres Kindes in Ostia zu besuchen.


    Nachdem Celer und Sulpicia sich zurück unter die übrigen Klienten mischten, fiel der Blick des Iuliers auf die glänzend schimmernde Erscheinung eines ihm spontan eher unbekannt erscheinenden Mannes. Entsprechend erkundigte er sich also dezent bei seinem iberischen Privatsekretär, der daraufhin seine eigene Liste über den Haufen warf, indem er den Mann, den er unter der Fehlannahme, es handle sich selbstredend um einen divitischen Klienten, im Vorfeld entsprechend nur oberflächlich nach dem Namen gefragt hatte, auf seiner Liste vorzog: "Galeo Seius Ravilla.", rief Saras also vergleichsweise unbedarft auf, während sich Dives einen Augenblick lang nachdenklich mit der rechten Hand übers Kinn strich. Doch obgleich er für gewöhnlich nicht das schlechteste Gedächtnis hatte, wollte ihm bei dem Namen an dieser Stelle kein Licht aufgehen. Daher wartete er zunächst einmal gespannt ab, was der Benannte von sich aus sagen würde...

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  • Das war erfreulich zügig vonstatten gegangen! Schwungvoll trat Ravilla vor den Senator, um ihn zu begrüßen. Eine gewisse Nervosität konnte er nicht verhehlen, doch die Freude überwog mit der Aussicht auf einen namhaften Patron (zumindest redete er sich eine gewisse Chance ein).


    "Salve, Senator", tönte alsdann sein wohlklingender Bariton durch die divitischen Hallen. "Nah und fern rühmt man deine Taten und preist deinen Namen. So bin ich denn erschienen am heutigen Tag, nach strapaziöser Reise, um mich als dein Klient zu empfehlen!"


    Wenn ihn schon sonst niemand empfahl, doch genau jenen verdrießlichen Umstand gedachte er mithilfe des Patrons ja zu ändern.

  • Dives schmunzelte ein wenig, als man ihm so überschwänglich zu schmeicheln versuchte. Beinahe fühlte er sich herausgefordert zu fragen, welches denn diese rühmlichen Taten seien, welche man nah und fern preiste... Seine letzte Amtszeit lag bereits längere Zeit zurück und war - anders als seine vorherigen Schritte im Cursus Honorum - aus divitischer Sicht auch nicht gerade optimal verlaufen. Zudem hatte der Iulier weder militärischen Ruhm erlangt wie sein vielfach dekorierter ritterlicher Großonkel Iulius Licinus, noch saß er in einem der Quattuor Amplissima Collegia wie sein senatorischer Cousin Iulius Centho, der den Auguren angehörte. Stattdessen gab es lediglich 3 Höhepunkte in seiner bisherigen Laufbahn, welche den Iulier nachdrücklich mit Stolz erfüllten: Seine zwei konsekutiven Amtszeiten als Duumvir von Ostia; seine einstige Erwähnung in der Acta Diurna als Römer, der vor allem dadurch bekannt sei, "rhetorisch derart begabt zu sein einen glauben machen zu können Salz sei Zucker"; und seine erfolgreich gegen alle patrizischen Widerstände im Senat erkämpfte erneute Öffnung der curulischen Aedilität auch für Plebeier. (Privat war er zudem stolz, dass er im Consilium Ulpianum daran mitgewirkt hatte, dass sein Großvater Octavius Anton einen Platz im Ulpianum erhalten hatte, wie ihn darüber hinaus selbstredend auch seine Kinder mit Stolz erfüllten.) - Doch wie lange langen all diese Dinge mittlerweile bereits in der Vergangenheit? Eine gefühlte Ewigkeit...


    Aber der Senator wollte selbstredend vor seinen anwesenden Klienten nicht tiefstapeln, sodass er auf eine genauere Rückfrage an dieser Stelle lieber verzichtete. Stattdessen richtete er sein Augenmerk auf den vor ihm stehenden Römer, der sich ihm als Klient empfahl.

    "Dann erzähl mir, Seius, woher kommst du?", spielte Dives auf die Erwähnung einer strapaziösen Reise an. "Wer bist du?", interessierte er sich selbstredend sehr für den bisherigen Lebensweg und den familiären Hintergrund, den ein potenzieller Klient hatte. "Und wohin willst du?", vollendete der Iulier den Dreiklang mit einer nicht minder wichtigen Frage. Denn die einen wollten in den Senat, die anderen strebten nach dem Ritterring, und wieder andere hatten mitunter noch andere Pläne...

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  • Nicht unfreundlich wirkte dieser Senator, doch hätte er auch gleich einem Cerberus geifern können, wenn dies Ravillas Karriere nützte.


    "Geboren ward ich in Cappadocia, wo meine Familie ihren Wohnsitz hat", begann Ravilla zu sprechen.


    Einen Arm hielt er abgewinkelt, die Handfläche locker nach oben gekehrt, sodass seine Toga besonders schön fiel und wohldosierte Gesten seine Worte untermalen konnten. Ravilla hätte vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Amphitheater sprechen können, ohne dass auch nur eine Schweißperle sein Antlitz benetzte. Etwas schwieriger wurde es im vertraulichen Kreis. Was andere entspannte, ließ Ravilla fühlen, als würde sein überaus zartfühlendes Gesäß mit dem ganzen Körpergewicht auf glühende Kohlen gepresst ausharren müssen. Nicht so heute! Er musste sich zügeln, nicht allzu dick aufzutragen. Diese Senatoren waren gerissen.


    "Im geeigneten Alter", zu einem Jüngling gereift, der mit einem Blick seiner dunklen Augen zahllose Jungfern in unheilbaren Liebeskummer stürzte und so manch geneigten Mann verzückte, dem der pubertäre Ravilla hinterrücks Grimassen schnitt, aber alle Geschenke annahm, "absolvierte ich meinen Militärdienst bei der Legio IX Hispana. Ich gedenke, nun ohne Umwege die höchsten Gipfel zu erklimmen, wenngleich der Weg dann steiler und härter wird. Ich fürchte keine Anstrengung, keinen Steinschlag und keine Wölfe auf meinem Pfad! Mein nächster Schritt ist das Vigintivirat. Doch ist dafür ein glanzvoller Patron vonnöten."


    Sim-Off:

    Kleine inhaltliche Korrektur vorgenommen.


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