Einweihung des Ulpianum | Gladiatorenspiele

  • Es dauerte einen Moment, bis Silana reagieren konnte und die Worte realisierte, die gerade an sie gerichtet wurden. Ja, sie war abgelenkt und wenn sie abgelenkt war, konnte sie nicht sofort auf einen neuen Interessenspunkt wechseln. Schließlich bemerkte sie aber den jungen Flavius erneut und verstand ihn. Mit einer hektischen Bewegung blickte sie nun zu diesem, pustete sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und machte eine merkwürdige Geste, die man als abweisende und negierende Handbewegung deuten konnte. Dann fiel ihre Hand leicht vor, knickte am Handgelenk ab und verweilte für ein paar Sekunden in dieser Pfötchenstellung, bis sie wieder herabsank. Jetzt musste sie tatsächlich überlegen, da sie dem Flavius nicht offenbaren wollte, dass vollkommen willkürlich entschieden hatte und nicht wirklich überlegt gehandelt hatte. Silana musste nun tief in die Trickkiste der Rhetorik greifen. "In meinen Augen war die Leistung sicherlich gut aber ohne blutigen Anreiz werden die anderen Gladiatoren nicht genügend Anstrengung unternehmen," bildete sie einen klug-klingenden Satz, so als ob sie sich in der Sache auskennen würde aber sagte in Wahrheit wenig. Selbstsicher grinste sie und versuchte damit die Unsicherheit in ihrem Blick zu verbergen. Zu ihrem Glück tauchten sobald weitere Kämpfer auf und die Kämpfe schienen fortgesetzt zu werden. Erleichterung machte sich breit. Nun war die Gelegenheit gekommen ihre Aussage von vor wenigen Atemzügen zu untermauen und die selbstgeschaffene Rolle mit Leben zu füllen. Ein Spiel, welches Silana sehr mochte. Lügen machte Spaß. Irgendwie aber nicht immer. Mit schief gelegtem Kopf wagte sie einen Blick in die Arena und tat dann erneut fachkundig: "Ja, aber Audax scheint eine Gelassenheit zu zeigen. Form entscheidet nicht nur, Flavius, sondern auch Erfahrung." Sie nickte und zwinkerte Flavius Graccus Minor dann frech zu.

  • Schon wurde der nächste Kampf angekündigt. Sassia war zufrieden mit dem ersten Kampf und fieberte dennoch den weiteren entgegen, schließlich ging es ja auch noch um eine Wette. Apropos Wette. Ihr Blick fiel auf ihre Sklavin und Freundin. Die doch recht unglücklich wirkte. Sassia konnte es ihr jetzt und hier nicht erklären, dass würde später folgen. Sie beugte sich aber kurz zu ihr und flüsterte. „Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Dir wird nichts geschehen, das verspreche ich dir. Alles weitere erkläre ich dir zu Hause.“ Dann drückte sie der Sklavin kurz liebevoll die Schulter, bevor sie sich wieder den anderen Anwesenden zu wand.
    „Falvius Scato, du bist so schweigsam heute. Sag gefallen dir die Kämpfe nicht? Oder wo bist du mit deinen Gedanken?“ Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und ihre smaragdgrünen Augen blickte unter halbgeöffneten Lider zu dem Flavier auf. Ja der Wein machte sie mutiger als sonst. Sie flirtete mit dem Mann.

  • Tatsächlich war der Flavier in Gedanken, schließlich waren sowohl die Rede bei der Einweihung als auch seine Präsenz bei den hiesigen Spielen mehr Kalkül als Altruismus und im Grunde hatte Scato wenig übrig für die Spiele, welche er als Mittel zur Bespaßung des Plebs erachtete und nicht als einen netten Zeitvertreib. Die Worte der Claudia ließen ihn allerdings etwas hochschrecken, doch ihr Blick und ihr Erscheinungsbild ließen in ihm schnell eine gewisse Freude aufkommen...
    "Meine Gedanken sind nicht allzu weit weg." entgegnete der Flavier etwas provokant während er sie mit den Augen fixierte, "Jedoch muss ich ehrlicherweise gestehen, dass die Spiele mich selten fesseln, obgleich der Kampf recht unterhaltsam war." fuhr er fort ohne zu wissen ob der Kampf wirklich so gut war, schließlich war er schon eine ganze Weile in Gedanken versunken welche sich hauptsächlich um seine Karriere drehten, "Ich drücke deiner Sklavin die Daumen, auch wenn Manius Minor stets ein milder Dominus ist."

  • Wieder begann der Kampf. Nur kurz belauerten sich die beiden Gladiatoren, dann wagte Scorpio seinen ersten Angriff, doch der Krummdolch glitt an dem hohen Schild des Murmillo ab. Kraftvoll drückte Audax die Waffe beiseite und stieß mit dem Gladius zu. Scorpio wich routiniert aus und platzierte einen kraftvollen, tiefen Hieb mit seinem Sica. Die Waffe traf klirrend auf die reichverzierte Beinschiene.
    Das schien geradezu der Startschuss für einen heftigen Schlagabtausch, die kurzen Schwerter hagelten geradezu auf die Schilde, bis schließlich Audax einen Treffer landete - am Oberschenkel, wo das Langschwert tatsächlich eine feine Blutlinie hinterließ. Die vordersten Reihen konnten ein gedämpftes Stöhnen von Scorpio hören und er machte einen Ausfallschritt zurück. Er positionierte seinen Rundschild neu und ging in Ausgangsposition. Die beiden Gladiatoren umkreisten sich, fintierten und wichen zurück. Dann endlich wagte Audax einen echten Angriff in Richtung der Beine. Diesmal stieß Scorpio jedoch seinen Schild entgegen, sodass die Waffe abglitt. Dies schien Audax allerdings erwartet zu haben, denn inmitten der Parade riss er seinen wuchtigen Schild nach vorn und rammte ihn gegen Scorpios weitaus kleinere Verteidigungswaffe. Scorpio war ein wenig perplex, sodass es Audax gelang, sein Spatha am Schild des Gegners vorbei gegen den Torso zu stoßen. Unbarmherzig sägte sich die glatte Klinge in die bloße Brust des Thrakers, der aufheulte.


    Sie hinterließ eine leuchtend rote Schnittwunde - doch der Kampf ging weiter: Anstatt ihn zu hindern, schien sie dem Thraker sogar zu neuen Anstrengungen zu motivieren, denn nun griff er mit größter Heftigkeit an und deckte Audax mit mehreren Hieben ein. Der Murmillo parierte tapfer, doch als er wieder einen Schlag mit seinem großen Schild parierte, duckte sich Scorpio darunter hinweg und traf mit seinem Schwert den Oberschenkel seines Gegners, der gerade nicht von der Beinschiene geschützt war. Diesmal schrie Audax auf und knickte ein wenig ein, ehe er routiniert zurück wich.


    Die beiden Kontrahenten umkreisten sich nun langsam, wobei das Humpeln des Murmillos allzu deutlich wurde. Doch auch auch Scorpio artmete heftig, was durch die sich hebende und senkende, bei jedem Atemzug erneut aufgerissene Wunde auf seiner Brust umso deutlicher wurde. Die beiden belauerten sich wie Raubtiere, dann wagte Audax einen Angriff. Parade - Gegenangriff - wieder Parade - dann standen sich die beiden wieder erwartungsvoll gegenüber.
    Das Publikum begann schon zu pfeifen, als Scorpio endlich einen neuen Angriff wagte. Mit seinem kleinen Schild versuchte er, das lange Schwert seines Gegners beiseite zu schlagen und führte den Sica von oben über Audax' Turmschild. Doch er war zu entkräftet und damit zu langsam - Audax' Klinge glitt an dem zu kleinen Hindernis ab, wurde abgelenkt und rammte sich mit voller Wucht in das Bein Scorpios. Blut spritzte - diesmal war es kein Kratzer, sondern eine tiefere Verletzung. Der Thraker knickte einfach zur Seite und stürzte in den Sand der Arena.
    Sofort warf er seine Waffen beiseite und hob bittend den Finger zur Ehrenloge hinauf. Audax blieb stehen, das Langschwert bereit.

  • Als Silana keinerlei Reaktion zeigte, blickte der flavische Jüngling auf und erkannte, dass das Mägdlein augenscheinlich nach Worten rang, ehe endlich sie eine Erwiderung formulierte, welche jedoch, wie er das bezüglich emotionaler Untertöne wohlexerzierte Gehör Manius Minors identifizierte, ein wenig insekur erschien. Doch ehe sie jene Frage zu disputieren weiter imstande zu sein schienen, trat die neuerliche Paarung auf. Silanas Parade seines Kommentars hingegen inspirierte ihn doch aufs Neue, den verlorenen Faden wieder aufzunehmen:
    "Erfahrung zu gewinnen ist indessen nur possibel, so sie bisweilen ihre Kämpfe überleben."
    Er lächelte zufrieden ob seiner Schlagfertigkeit, um sodann sich aufs Neue den Geschehnissen in der Arena zuzuwenden, als ihm die Statistiken in den Sinn kamen, welche ihn zu weiteren Fachsimpeleien motivierten:
    "Die beiden haben allerdings exakt die gleiche Zahl an Kämpfen bestritten."


    Augenfällig differierte seine und die Sicht seines Vetters hinsichtlich jener Unterhaltungen, wie selbiger nun freiheraus gestand. Bisweilen zweifelte der junge Gracche indessen, ob Scato an irgendeiner Aktivität Zerstreuung genoss, da doch sein ganzes Leben kühle Berechnung und pflichtbewusster Ehrgeiz war. Als er erkannte, dass jene geradezu mechanische Lebensführung indessen den Göttern überaus gefällig sein musste und die Ahnen seiner Familie, welche den Wert ihrer Sprösslinge an deren errungenem Ruhm bemaßen, Satisfaktion mochte verschaffen, echappierte ihm ein Seufzen. Womöglich sollte er selbst ein wenig mehr sich der Haltung seines Anverwandten approximieren und sich weiter dem epikureischen Wege abwenden.
    Dennoch erschien es ihm auch nicht eben ersprieslich, derartige Veranstaltungen zu frequentieren, um sodann in Lethargie zu verharren, wie Scato es augenscheinlich tat, was der nun sich entspinnende Kampf trefflich konfirmierte.
    "Ich gelobe, deiner Sklavin keinen Schaden zu bereiten."


    Doch sogleich wandte er sich wieder dem Duell zu, welches an Vehemenz das vorherige übertraf. Schon kurz nach dem Auftakt floss erstmalig das Blut, was kurioserweise den jungen Flavius diesmalig weniger abhorreszierte als seine bloßen Gedankengänge nicht lange zuvor. Vielmehr erachtete er sie als sportliche Blessuren, welche dem Kampf in der Tat eine Würze verliehen, die auch Sassia thematisiert hatte.
    "Die Beinwunde scheint mir eine hinreichende Lektion, nicht wahr, Claudia Silana?"
    , kommentierte er final das Ende.

  • Der zweite Kampf war intensiver und ausgeglichener als der erste. Beide Kämpfer hatten ihre Chancen und ließen den Gegner nicht ohne blutige Wunde zurück. Den Zuschauern gefiel das sicherlich und Macer respektierte immerhin die sportliche Leistung, die hinter einem solchen Gefecht steckte. Und auch taktisch war es natürlich immer wieder interessant, einen Kämpfer mit ähnlicher Ausrüstung wie einen Legionär im Kampf gegen einen andersartig ausgerüsteten Gegner zu sehen. Der Sieg schien Macer am Ende verdient zu sein und natürlich gönnte er beiden das Leben.

  • Sassia hielt dem Blick des Flaviers eine Weile lang stand, genau so lange bis es der Anstand gebot, das sie ihre Lieder senkte. Ihre Lippen umspielte dabei ein Lächeln, was ihr sehr zarte und sanfte Züge verlieh. Ja Sassia wusste sehr wohl sie zu präsentieren und ja sie hatte den Flavier durchaus als möglichen Ehemann ins Auge gefasst. Als zeigte sie sich von ihrer besten Seite. „Nun ich hoffe natürlich, die Wette zu gewinnen. Auch wenn dein Verwandter wohl ein milder Dominus ist, würde ich meine Cara schrecklich vermissen.“ Sagte sie leise und damit würde wohl auch klar, dass ihr die Sklavin wirklich wichtig war. Kurz nickte sie dem Manius Minor auf sein Versprechen hin zu. Aber was er versicherte war für sie selbstverständlich, schließlich war Cara nur ausgeborgt und würde nicht in sein Eigentum übergehen. Nein ganz würde sie sich nie von Cara trennen.
    Dann wand sie sich jedoch wieder Scato zu. „Deine Gedanken sind also nicht weit weg?“ Ja sie kokettierte mit seiner Aussage. „Die Spiele sind doch auch dazu da um uns von den alltäglichen Dingen abzulenken. Wenn derartige Kämpfe dich nicht zu fesseln vermögen... wie kann man denn dann die Aufmerksamkeit des Flavius Scato fesseln?“ Fragte sie und nippte an ihrem Wein, so dass ihre Lippen leicht benetzt wurden und die kleinen Tropfen des Weines auf ihren Lippen ihnen einen glänzenden Schimmer verliehen.
    Die Kämpfer unten in der Arena waren zur Nebensache geraten, da dies ja immer noch nicht der Kampf, welcher Gegenstand der Wette, war.

  • Die Claudia wirkte eine seltene Faszination auf ihn aus, ihre Blicke, ihre Art, es war so als ob sie immun gegen seinen eisigen Blick und seine Psychospielchen war und Scato auf eine Art sah wie das wohl nur die wenigsten Taten, es waren durchaus Parallelen zu Prisca zu erkennen, auch bei ihr begannen die Wassertropfen zu fließen welche Scatos Gemüt sonst nur tiefgefroren umgaben.
    Auf ihre Frage zu seiner Art von Zerstreuung presste Scato die Lippen leicht lächelnd zusammen und blickte kurz in seinen Becher bevor er Sassia kurz darauf wieder fokussierte,
    "Momentan scheint die Frage nicht nach dem wie sondern nach dem wem zu sein." gab Scato vielsagend zurück, denn er konnte trotz seines eigentlich so geringen Interesses an amourösen Dingen seine Gedanken nicht wirklich ablenken, "Doch... Generell findet man mich abseits der Spiele, ich schätze eher die Kultur und ...Ästhetik." fuhr er fort und trank einen Schluck um das einmal so im Raum beziehungsweise der Arena stehen zu lassen. Nun schweifte sein Blick doch in die Arena denn schließlich hatten beide immer noch einen Ruf und einen Stand welchen es in der Öffentlichkeit zu repräsentieren galt. Allzu großes Flirten und zweideutiges würde nur den städtischen Tratsch in Fahrt bringen was sich der aufstrebende Politiker nun wirklich nicht erlauben konnte.

  • Aha! Der Flavius spielt hier ein besonderes Spiel. Silana schmunzelte, funkelte aus beiden Augen und griff dann beherzt in die Tüte mit den Nüssen. Im Kauen überlegte sie, wie sie auf den jungen Mann reagieren konnte. Die langsamen Kaubewegungen unterstrichen den Denkvorgang, der sich in ihrem Gesicht abzeichnete. Sie wollte dem Flavius nicht diesen Sieg gönnen. Schließlich war die Nussmenge verarbeitet, trotz deren Härte und die letzte Krümmel und winzigen Nussbröcken mit einem eleganten Strich der Zunge von ihrer Unterlippe entfernt. "Wenn sie hier im Feld stehen, werden sie bereits Kämpfe überlebt haben," meinte sie mit einem vorsichtigen Ton und blickte den fleischigen Jüngling an, der recht eloquent tat. "Ein Kampf ohne das gefährliche Potentat des gewaltsamen Todes wäre doch nicht sonderlich anspornend, nicht wahr?" - wandte sie sich nun wieder direkt zu ihrem verbalen Kontrahenten, der scheinbar eine Milde im Umgang mit den Gladiatoren suchte. Er sah es eher als Wettstreit, während Silana die Tragik im Kampf suchte. Ohne Ende war kein Stück perfekt. Und das Ende eines Gladiators war für Silana nun mal der Tod in der Arena. Selbst, wenn er seine Freiheit als letzten Preis erringen konnte, würde sein Ruhm darunter verblassen, weil er schlicht so lange leben würde, bis sein altes Ich Stück für Stück zerfällt und er sein eigenes Andenken durch eventuellen Müßiggang gefährdet würde. Natürlich war Freiheit ein schöner Preis und sicherlich eine Krone für den Kampf aber was ein Kampf ohne Risiko? Gnade hatte keinen Wert in einem Kampf, der einer reinen Blutgier fröhnte. Silana verachtete die Spiele nicht aber sah darin keine große Gnade oder Wert. Vielleicht war es die ungeschönte Ansicht einer jungen Frau, die lieber hübsche Leiber bestaunte als deren blutiges Wirken. Ihr Mehrwert lag hier für die in der Tragödie verhaftete Silana allein im Tode. Sie hatten zu sterben, um als Name ewig zu leben. Der Tod in seiner endgültigen Ewigkeit hatte hier Reiz. Diesen letzten Moment mit einer Seele zu teilen. Doch da begannen die neuen Geschehnisse in der Arena, die für einen Augenblick auch wieder die Aufmerksamkeit der Claudia fraßen. "Ein gleichwertiger Kampf," beurteilte sie schließlich, kurz nach der Aussage des Minor und lächelte dann, als sie ihren Kopf wieder herum wandte. Sie schleuderte ihre Haare mit einer staccato-behafteten Bewegung zurück, um mit einer luftigen Geste etwas Luft in ihr Genick zu bringen. Ihr wurde warm, da die Sonne sehr hoch stand. Sassia und Gracchus Minor sprachen wieder, so denn sich Silana für den Moment zurück hielt. Silana fiel mit den Kopf wieder ins Arenabild zurück. Der Kampfgeist der beiden Gladiatoren beeindruckte nun auch die junge Claudia, die über die Vehemenz erstaunt war. Der Flavius sprach die Beinwunde an und Silana konnte sich vom Anblick des Spektakels nicht ganz befreien und ihre hübschen Augen, umschlungen von langen Wimpern, starrten hinab. "Ja," antwortete sie und entdeckte tatsächlich soetwas, wie Mitgefühl für den armen Mann. Silana selbst legte ihre Hände übereinander und hielt sie, fast anbetungsgleich, vor sich im Schoß.

  • Cara stand da und nagte an ihrer Unterlippe. Für sie stand fest, sie würde nie mehr freiwillig irgendwelche Spiele besuchen. Sie liebte ihre Herrin Sassia, war sich auch sicher, dass diese Gefühle für sie hatte, doch heute war ihr bewusst geworden, ihre Herrin war nun mit dem letzten Zipfelchen ihres Wesens in die Welt der Erwachsenen getreten. Seit ihrer Ankunft in Rom veränderte sie sich in rasender Geschwindigkeit. Ihrer beiden Interessen drifteten auseinander, sie Cara war nun wirklich eine Sklavin. Auch wenn Sassia es anders sehen würde, die kindliche Zeit der engen Freundschaft war endgültig vorbei. Damit war Cara nun endgültig Sklavin, vielleicht hatte da ein Funken Hoffnung in ihr geglommen bei ihnen beiden wäre alles ganz anders, nein, war es nicht. Sie Cara gehörte einfach in das riesige Heer der abertausende von Sklaven.


    Die sicherlich tröstend gemeinten Worte ihrer Herrin, „Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Dir wird nichts geschehen, das verspreche ich dir.“ halten lange nach. Nein, Sorgen machte sie sich in dem Sinne nicht, sie wusste ja, Sassia ging mit ihrem Besitztum pfleglich um. Die Sklavin strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Zumindest wusste sie jetzt, an wen sie ausgeliehen wurde. Jetzt fehlte nur noch der Kampf, bei dem Sassia um ihren Sieg in einer Wette bibberte. Es ging um das Gewinnen um anders nichts. Sie war schlicht ein Wetteinsatz, weiter nichts. Kosten tat dieser nichts, lediglich der Verzicht an einer Sklavin für eine gewisse Zeit, die vertraut war mit all ihren täglichen Aufgaben für ihr das Wohlbefinden ihrer Herrin, aber ersetzbar, es waren noch genügend da, zur Not kaufte man sich eine neue.
    Cara spürte wie ein Tränenschleier sich bildete und ihr Blick ging blinzelnd in die Ferne. „Domina, ich hole noch etwas Wein,“ kam leise von ihr.

  • Claudia Sassia hegte augenscheinlich kein großes Interesse an einer näheren Interaktion mit ihm, obschon er es war, mit welchem sie eine Wette über einen überaus pikanten Einsatz hielt, und nicht jener eisige Anverwandte, dessen Präferenzen dem Jüngling, welcher Scato kaum in der Bibliothek der Villa Flavia Felix antraf, noch immer schleierhaft waren.


    Indessen wandte Silana ihr Interesse ihm näher zu, spielte keck mit ihrem Haar und bot dem jungen Flavius zugleich verbal Paroli. Zwar bedurfte sie dazu der Atempause einer Handvoll Nüsslein, welche auch die Begierde des adipösen Jünglings weckten, seine Zunge nicht allein mit Wein, sondern auch dem köstlichen Geschmack kandierter Nüsse zu erfreuen, doch beharrte sie auf den altbekannten Standpunkt des Nervenkitzels, den das Gefecht mit blanker Waffe evozierte, doch zugleich sich diesmalig mit einer Fleischwunde saturiert erschien.
    "Dann favorisierst du diesmalig ebenfalls das Leben des Miserablen?"
    , fragte er endlich, da ihm nicht einsichtig erschien, einen weiteren Disput zu erzwingen, da doch sie faktisch ihm für den Moment beigepflichtet hatte, und präsentierte ebenfalls sein Votum für den vorliegenden Kampf:
    :dafuer:


    "Würdest du mir verraten, woher du im übrigen jene Nüsslein bezogen hast?"
    Er blickte hinter sich zu seinem getreuen Patrokolos, der für eben dergestalte Wünsche seines Herrn auch während der Spiele ihm zur Seite stand und zweifelsohne loseilen würde, um ihn mit jenen Naschereien zu versorgen.

  • Wie fragil doch ihre Ansicht war. Wie seltsam zerbrechlich war ihre einstige Annahme, wenn ihr Herz plötzlich Mitgefühl empfand. Sie hörte die stille Wehklage des gefallenen Gladiators und konnte nicht umhin, dem beleibten Flavius Gracchus Minor ihre Zustimmung zu zeigen. "Eindeutig," meinte sie und hob auch ihre Hand zu einem kritischen Zeichen: :dafuer: Dennoch, wollte sie diese Entscheidung kommentieren und bewerten. "Wie selten und rar ein solches Bild ist, nicht wahr? Leben ist so vergänglich und genau dieses Dahinscheiden macht es so wertvoll. Im Kampf zeigt sich jener Apex eines Lebens. Ein Bild, dass uns Göttlichkeit, wie auch unsere eigene Unfähigkeit beweist," erläuterte sie ihre Gedanken und lächelte dankend zu Minor. "Dass dieses Bild sichtbar wird, verdanken wir ihnen, den Gladiatoren." Und plötzlich fragte der Flavius nach ihren Nüssen oder besser, wo sie jene bezogen hatte. Etwas verwundert kniff sie beide Augen zusammen, ließ die Brauen herabsinken, da sie diesen Gedankensprung nicht ganz verstand. Doch dann leuchtete es ihr ein. Der beleibte Römer hatte Hunger. Irgendwie hatten ihn die Spiele zu dieser Köstlichkeit verführt. Seltsam zwar aber durchaus plausibel. "Von einem Stand, etwas ab vom Hauptweg aber den genauen Standort kann ich dir nicht mehr nennen," antwortete sie dann, ließ die Skepsis aus ihrem Gesicht weichen und der normale Ausdruck kehrte erneut ein. Jenes Strahlen von Lavendel und Geschmeide. "Wir können uns jedoch die Nüsslein teilen," sagte sie dann ganz frech und reichte dem Flavius den Beutel mit einer etwas ungrazilen Bewegung ihres Armes. "Bedien' dich ruhig," meinte sie und nickte ihm mit einem fidelen Lächeln zu, wobei ihre Augen wach waren und die Wimpern verspielt wankten.

  • Sassia erwidert nichts auf die erneute Anspielung, schenkte dem Flavier jedoch noch ein vielsagendes Lächeln, bevor sie sich nun auch den anderen Anwesenden und dem Kampf wieder zuwandte.
    Der Kampf war spannend und blutig. Sassia ließ ihre Blicke über die Menge schweifen, die jeden Treffer fast schon frenetisch feierte. Ja Brot und Spiele, der Plebs war wirklich einfach zufrieden zu stellen.
    „Ich stimme deinem Votum zu Flavius Gracchus. Er hat sich wirklich tapfer geschlagen.“
    Ihre Schwester philosophierte schon wieder. Aber dieses Mal lächelte Sassia milde. Denn es kam wirklich etwas kluges über die Lippen der kleinen Schwester. „Ich würde es wohl eher unsere eigene Vergänglichkeit nennen. So lehrt es uns doch, das Lebe an sich zu schätzen. Nicht wahr Silana?“ Sagte sie und gab das entsprechende Zeichen.
    :dafuer:
    Ihrer Sklavin nickte sie zu. "Ja Cara, aber beil dich bitte."

  • Jenseits der philosophischen Überlegungen in den ersten Reihen des Amphitheaters verfolgte die kaiserliche Familie den Kampf von der Loge aus. Auch Severus fühlte sich gut unterhalten und stellte sogar das Gespräch mit dem amtierenden Consuln ein, um sich ganz der Darbietung zu widmen.


    Entsprechend überraschte es ihn auch nicht, als das Votum der Plebs recht eindeutig ausfiel. Keiner wollte den tapferen Scorpio sterben sehen. Die Wunde am Bein war offensichtlich schon Strafe genug für seine Niederlage.


    Also trat der Kaiser in seiner purpurnen Toga vor und hob bedeutungsschwanger den Arm. Dann gab auch er das Zeichen dafür, dass der Besiegte leben durfte: :dafuer:

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Aufgewühlt machte Cara sich auf, um wie sie gesagt hatte, nach einem Weinhändler zu schauen. Der eigentliche Grund war aber, sie wollte ein wenig Zeit für sich haben. Sie konnte die Fröhlichkeit und Unbekümmertheit der anwesenden Claudier zur Zeit nicht ertragen. Sie war schließlich ein Mensch und kein schmückendes Beiwerk. Jetzt war sie genau dort wo sie gedacht hatte nie hinzukommen. Sie musste nach all den Jahren, dass lernen, was sonst anderen Sklaven eingebleut wurde, sie war das Eigentum ihrer Herrin. Genau wie ein Tisch, ein Stuhl, ein Blatt Papyrus, sie konnte damit machen was immer ihr in den Sinn kam, pflegen oder zerstören, behalten, verschenken oder töten.
    Sie war nicht wirklich Freundin, Dienerin, nein sie war eine Sklavin. Sie erinnerte sich daran, wie eine alte missgünstige Vettel ihr spöttisch gesagt hatte, „ du glaubst du bist was besseres? Glaub mir, auch du wirst einmal begreifen wo du hingehörst, nur wirst du dafür von deinem Sockel fallen, du wirst dich dann verraten und verkauft fühlen“ Ihr höhnisches Lachen klang Cara jetzt wieder in den Ohren.


    So mit sich selber beschäftigt, hatte sie gar nicht bemerkt, dass sie viel schneller vorwärts kam, weil fast alle Zuschauer fest auf ihren Plätzen blieben, da alle Augen gespannt in Richtung Kaiser Loge schauten.
    Erschrocken rannte Cara los um einen Weinhändler zu finden. Der Kampf war zu Ende und dann würde nach mehr Wein gerufen werden.
    Endlich sie hatte einen entdeckt, Knabbereien hatte dieser auch, da fiel ihr ein wie sehr Silana doch Nüsse liebte. Wein und Nüsse brachte ein Sklave von ihr geführt auf schnellsten Wege zu ihren Herrschaften. Schließlich war sie Sassias Leibsklavin und konnte diese nicht warten lassen.

  • Die philosophische Einlassung Silanas war geeignet, auch den jungen Flavius ein wenig nachdenklich zu stimmen, da sie jedoch jene beiden ihn okkupierenden Umstände, hier die Furcht vor den Orcus, dort den Vorsatz zum tugendhaften Handeln als Rettung aus selbigem, auf partikuläre Weise vereinte. Genügte tatsächlich der Heldentod auf dem Schlachtfeld, um vor den Unsterblichen alle Despektierlichkeiten und Untugenden vergessen zu machen? Bedurfte es nicht zuvor bereits eines Sammelns von Ruhm und Ehre, um die Fama der eigenen Gens nachhaltig zu hegen und damit die Fürsprache der Maiores zu gewinnen?
    Eben diesen Gedanken schien Sassia fortzuführen, sodass auch er selbst sich zu einer kleinen Kommentierung genötigt sah:
    "Nun, angesichts der Ewigkeit des Elysiums, welche uns erwartet, erscheint es mir eher als Aufgabe. Und keine leichte Aufgabe, wie mir bisweilen scheint."
    Beinahe hätte der junge Flavius es gar als eine Last bezeichnet, doch wagte er nicht den beiden augenscheinlich lebensfrohen Grazien seine Trübsal aufzulasten.


    Stattdessen griff er dankbar nach dem Beutel Silanas, fühlte bedächtig, da seine Augen ihm die Abgrenzung der einzelnen Nüsslein nicht gewährte, wo eines der gewünschten Objekte zu greifen war, und fischte es endlich heraus, als just die Plebs das Urteil des Princeps mit tosendem Applaus begrüßte.
    "Patrokolos, hole uns noch eine Tüte!"
    , befahl er sodann, nachdem sein Mund sich von der süßen Kost hatte geleert. Zur edlen Spenderin hingegen erwiderte er mit einem verbindlichen Lächeln:
    "Besten Dank, meine Liebe."

  • Serena merkte natürlich, dass ihren Mann die Kämpfe wirklich interessierten. Sie selbst fand diese Kämpfe ja eher zu brutal. Sie mochte eben die feinen Künste. Aber natürlich wusste sie was ihre Rolle war und sie fiel nicht aus eben dieser. So verfolgte sie die Kämpfe um wenigstens mitzubekommen welcher Kämpfer gewann und wie das Volk entschied ob der Unterlegenen leben oder sterben sollte. Bis her war der Plebs heute wirklich gnädig und sie erkannten die Leistungen der Kämpfer an. Sie hatte es aber auch schon anders erlebt. Trotz guter Leistungen wurden Besiegte in den Tod geschickt nur weil das Volk blutlüstern war.
    So aber freute es die Kaiserin, dass der Kämpfer der eine wirklich gute Leistung gezeigt hatte heute nicht sein Leben lassen musste.
    Voller Stolz viel ihr Blick auf ihren Mann, als er so erhaben nach vortrat und das Votum verkündete.

  • Silana konnte an feinen Mikroausdrücken, jenen kleinen Nuancen im Angesicht erkennen, dass Flavius Graccus Minor nachdachte, ein wenig in sich ging, um seine Gedanken zu suchen. Es gefiel ihr. Nicht, weil er besonders schön war oder besonders auffällig, sondern weil er sichtbar nachdachte. Eine seltene Eigenschaft, die durch diese Seltenheit umso wertvoller wurde. Lag nicht auch etwas Sanftheit und Gutmütigkeit in seinem Gesicht? Ihm fehlte jene Boshaftigkeit, jener Machthunger und der Hang zur eigenen Größe, den sie bei anderen Männern seines Standes beobachtet hatte. Er schien von zarter Welt zu sein, die nicht ganz zu ihm passen wollte. Vielleicht reizte die junge Frau gerade das, weil er anders war.


    Sassia sprach von Vergänglichkeit. Und ja in der Vergänglichkeit lag eine besondere Offenbarung. Etwas, was das Leben auszeichnete. Menschen hatten keine Ewigkeit, sondern nur den Moment. Ihre gesamte Welt war schrecklich fragil und hatte kaum eine Erlösung zu bieten. Alles, was war und sein würde, würde enden. Doch war diese Zerbrechlichkeit doch von Wichtigkeit. Ohne Ende hätte der einzelne Moment in der Ewigkeit keine Bedeutung. Jeder Moment war, weil er verstrich, wertvoll. Jedes Lächeln, jedes Wort und auch jeder Atemzug war voller Leben. Einzigartigkeit lag in jedem Mensch und jedem Geschöpf. Silana reizte die theoretische Betrachtung der Vergänglichkeit. Sie war unausweichlich. Vielleicht mochte Silana deshalb das Chaos und die Unvernunft? Die junge Frau lebte im Rahmen ihrer Möglichkeiten freier als andere. Wenn auch mit ihrer eigenen Vernunft. Schönheit lag für sie in allen Dingen, selbst im Tod. Für Silana war selbst im Ende ein Schatz verborgen. Natürlich schätzte sie, wie viele junge Römerinnen, wertvolle Tücher, Schmuck und besondere Pasten und Schönheitshelfer aber doch war dort mehr in ihr als ein bloßer Moment. Silana verstand Ewigkeit; eine der Seelen, die Präsenz hatten und nicht im Moment verschwanden. Auch sie gingen irgendwann und verschwanden aber für ihre Mitmenschen waren sie sichtbar. Silana wurde gesehen und sah andere. In ihrer Gänze. Manchmal durchschaute sie sogar ihre Mitmenschen, da sie diese Gabe der Empathie hatte. "Ja, Vergänglichkeit," antwortete sie ihrer Schwester mit vorsichtiger Zunge, die sich dezent im Mund bei beiden Worten bewegte und dann verspielt an die Schneidezähne stieß, wo sie kurz verharrte und für Minor sichtbar wurde, als sie breit lächelnd zwischen Sassia und Minor mit dem Blick wanderte, um beide im Jetzt ihrer Betrachtung zu verbinden.


    Er sagte etwas, was sie ebenfalls sagen konnte und grinste nun mit geschloßenen Lippen, weniger aufreizend und weniger auffallend als davor. Es war ein feines Lächeln für eine feine Seele, wie Minor eine war. Silana begann ihn zu mögen. "Brauchen wir denn eine Aufgabe und sind wir nicht einfach, weil wir sind, Flavius?" - fragte sie dann mit traurig-schönen Augen. "Wenn die Götter oder das Schicksal uns erlaubt haben, mit der Fähigkeit zur Fehlbarkeit, zur Trägheit und auch zum unfähigen Vergehen, warum ist das Leben dann eine Aufgabe," hinterfragte sie nun doch, trotzdessen, dass auch sie das Danach fürchtete; nicht im Sinne einer abstrusen Dramatik aber auch Silana wusste nicht, welcher Maßstab für eine Nachwelt galt. Mitunter gab es Götter oder übernatürliche Richter, die ein Urteil fällten oder die Ahnen, welche einem Geleit boten. "Ich stimme dir zu, dass in jeglicher Betrachtung, Leben nicht einfach ist," meinte sie dann, fuhr sich nachdenklich über die Stirn, um ihre Haare zu finden. Mit ihrer Linken umgriff sie einen Strang, zog diesen zur Seite und verweilte mit ihrer Hand dann für einen Atemzug in dieser Pose, bis die Hand wieder auf ihren Schoß sank.


    Der Flavius riss sie aus der Stille ihrer Gedanken als die Partikel seiner Handbewegung, welche in die Tüte griff, den Moment durchbrachen. Gleichsam setzte ein Applaus ein, als der Kaiser sein Urteil gefasst hatte. Silana war etwas aus der Zeit gefallen, blickte sich unsicher um und wollte nun auch in den Beutel greifen, als ihre Hand, den Unterarm des Flavius Gracchus Minor berührte, fast zärtlich vorbei strich und sie war überrascht, wie weich und arbeitsfremd seine Haut war. "Verzeihung," sagte sie sehr leise und blickte beschämt tuend herab. Er kaute bereits und hatte die Berührung wohl übersehen. Silana atmete erleichtert aus, da eine solche Geste auch missverstanden werden konnte. Ihr Herz hatte einen Sprung aus Schreck gemacht und konnte nun erleichtert zurückfallen. In weiser Voraussicht hatte Cara bereits einen Sklaven mit Leckereien (Wein und Nüsse) zum Platz von Silana und Sassia geschickt. Insofern war Patroklos Aufgabe verspätet in Mission gegeben. Der Sklave stellte den Wein, mitsamt Tablett, und Nüssen auf die Lehne zwischen den Sitzreihen, so dass man geübt zugreifen konnte. "Ich denke, dass unsere Sklaven deutlich schneller waren," scherzte sie mit einem frechen Biss auf ihre Unterlippe, um auch sich selbst wieder in den Moment zu schicken. Sein verbindliches Lächeln erfreute sie. Sie nickte ihm höflich zu.

  • Der junge Flavius vermochte im Dunkel zwischen den satten Lippen der jungen Claudia mitnichten zu erkennen, da seine Hypermetropie auf jene kurze Distanz ihn lediglich ein schemenhaftes Antlitz erkennen ließ. Indessen identifizierte er durchaus die transportierte Emotion, was jedoch ihn ein wenig irritierte, da Vergänglichkeit nun eben kaum ein Sujet repräsentierte, welches zum Schmunzeln anregte. So entfleuchte seiner Mimik erstlich ein ratloser Blick, ehe die Maske der Cordialität sich wieder über sie legte und ihn freundlich das Mägdlein fixieren ließ, dessen Worte durchaus auf Klugheit schließen ließen, das beim femininen Geschlechte er gar nicht erwartet hatte.
    "Mir erscheint es indubitabel, dass die Götter wie die Maiores in unserem Leben uns eine Obliegenheit hinterlassen haben. Zweifelsohne verfügen wir auch über die Kapazität, in Nichtnutzigkeit zu verharren und in egozentrischer Weise uns lediglich unserem Bauchnabel zuzuwenden."
    Keinem mochte dies bewusster sein als ihm selbst als geläutertem Epikureer, welcher zahllose Monate seines Lebens achtlos vergeudet hatte.
    "Doch lehren uns doch die Mythen der Unsterblichen, die Historien unserer Väter und die Weisheit der Philosophen gleichermaßen, dass wir für unser Leben Verantwortung tragen: Denn wäre Hercules zu den Göttern aufgestiegen, hätte er statt seiner Heldentaten sich der Völlerei hingegeben? Würde Tantalos ewiglich Qualen leiden, wenn er nicht das Gesetz der Götter übertreten hätte? Verehren wir jene Ahnen, die statt dem Cursus Honorum zu folgensich alleinig dem Landleben zuwandten? Und mahnt uns nicht auch die Stoa, die Tugend der Narrheit vorzuziehen?"
    Die wahrhaftige Quelle seiner Umkehr mochte weder der Mythos, noch die Vernunft gewesen sein, doch beschlich dem Jüngling der Eindruck, dass selbst sein getreuer Patrokolos seine Visionen als bloße Gespinste abtat, sodass er sich besser auf Loci communes beschränkte.


    Als dann der Princeps den tapferen Scorpio freisprach und der Jubel anschwoll, verspürte er sehr wohl die sanfte Hand Silanas, die seinen arm touchierte, was ihn jedoch seinerseits beschämte, da er glaubte, ihr Griff wäre Ausweis ihrer Furcht gewesen, er werde ihren Proviant in maßloser Begierde sich alleinig einverleiben, sodass betreten er die Nüsslein sich in den Mund schob und ihren Blicken auswich, während er hastig kaute, um das Corpus Delicti verschwinden zu lassen.
    Jedoch rettete ihn bereits der Nachschub, den der claudische Diener herbeiholte und präsentierte, was ihm die weitere Verlegenheit ersparte, sodass aufs Neue er eine freundliche Miene präsentierte, der indessen noch immer ein leiser Hauch von Insekurität war beigemengt.
    "Nun, eure Sklaven sind in der Tat flink. Ich hoffe, deine Dienerin wird mir ebenso gute Dienste erweisen."
    , scherzte er an die Adresse Sassias und strahlte in die Runde.

  • Zitat

    Original von VETURIA SERENA
    Serena merkte natürlich, dass ihren Mann die Kämpfe wirklich interessierten. Sie selbst fand diese Kämpfe ja eher zu brutal. Sie mochte eben die feinen Künste. Aber natürlich wusste sie was ihre Rolle war und sie fiel nicht aus eben dieser. So verfolgte sie die Kämpfe um wenigstens mitzubekommen welcher Kämpfer gewann und wie das Volk entschied ob der Unterlegenen leben oder sterben sollte. Bis her war der Plebs heute wirklich gnädig und sie erkannten die Leistungen der Kämpfer an. Sie hatte es aber auch schon anders erlebt. Trotz guter Leistungen wurden Besiegte in den Tod geschickt nur weil das Volk blutlüstern war.
    So aber freute es die Kaiserin, dass der Kämpfer der eine wirklich gute Leistung gezeigt hatte heute nicht sein Leben lassen musste.
    Voller Stolz viel ihr Blick auf ihren Mann, als er so erhaben nach vortrat und das Votum verkündete.


    "Ich bin gespannt, wie der letzte Kampf wird!" bemerkte Severus an seine Frau gewandt, als er sich wieder setzte. Er ließ sich einen Becher Wein reichen und ordnete seine purpurne Toga. Ein bisschen viel Stoff für einen angenehmen Tag im Amphitheater.

    ir-augustus.png 4fjhbrgq.png

    CENSOR - CURSUS HONORUM

    PONTIFEX MAXIMUS - COLLEGIUM PONTIFICUM

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!