Turma II - Stuben der Equites

  • Ich lag auf dem Bauch, damit Luft an meinem Rücken kam. Der Casparius hatte nicht gerade sanft meinen Rücken behandelt. Für ihn war ein so behandelter Rücken nichts neues und Mitleid hatte er mit keinem der so vor ihm erschien. Es war ihre eigene Schuld und sie hatte es nicht anders verdient, sagte ihm seine langjährige Erfahrung.
    Ich wusste meine Strafe war mehr noch wie gerecht, es hätte weit aus schlimmer kommen können. Nur mit einem Teil war ich nicht einverstanden. Ich hatte meine Familie und meinen Stamm verlassen, war aber nicht ausgestoßen worden und konnte jederzeit zurück, so gehörte ich ihnen noch an. Da kam mein Blut her, da lagen meine Wurzeln. Ich hatte dem Decurio gestern, nach seiner Mahnung: „Doch vergiss nie was dich in diese Lage gebracht hat. Wir sind deine Familie, wir sind dein Stamm. Enttäusche uns nicht.“ geantwortet „ja Decurio“. Nein vergessen würde ich es nie, das was mich in die Lage brachte und immer bemüht sein sie nie zu enttäuschen, denn ich hatte den Eid geschworen und Idun mein Wort gegeben. Doch darum musste ich nicht mein Volk, meine Ahnen und Herkunft verleugnen. Ich würde dazu gehören, alles für sie geben, sie zu dem Teil meines jetzigen Lebens zählen, doch Gewesenes und danach Kommendes gehörte mir ganz allein, nicht der Ala, nicht Rom, nicht dem Kaiser, nein mir.


    Der Tag glitt dahin, die Nacht brach herein, niemand beachtete mich. Niemand wollte etwas mit mir zu tun haben, denn ich war der Schandfleck unserer Stube, der Schandfleck meiner Turma. Es würde viel Kraft und Ausdauer erfordern mein Ansehen wieder her zustellen.
    Kurz vor dem Morgen stand ich leise auf und ging nach draußen. Ich musste mit ihm reden meinem Ferdwisch, dem Hahn meinem Kraftier. „Nun mein Alter, vertreib die Nacht und ihre bösen Geister und Gespenster. Begrüße den neuen Tag, die Sonne und künde mir bessere Zeiten. Sei wachsam und warne mich vor äußere und innere Gefahren.“
    Von irgendwoher ertönte ein Hahnenschrei und kündete den neuen Tag an.

  • Endlich in der ihm zugewiesen Baracke angekommen, schaute Faustus sich um. Schnell entdeckte er ein leeres Bett, alle Vorschriften vergessend, ließ er sich darauf fallen und schlief augenblicklich ein.

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    Fango hatte Glück. Ein paar gut gelaunte Equites, die ihn schon kannten, wollten ihn gern bei sich in der Stube haben und lockten ihn mit ein paar Räucherwürstchen hinein, auch wenn sie behaupteten, dass er nur den Platz blockieren sollte, damit niemand noch Schrecklicheres sich in das freie Bett legen würde. Fango machte den Spaß mit und schnurpste seinen Anteil an den Würstchen. Man blödelte ein wenig herum und dann begann er, sich einzurichten.

  • Mit einem lauten Rums flog die Türe auf und Tisander stand mit einem suchenden Blick im Raum. Da entdeckte er ein freies Bett, schmiss seine Sachen drauf. „Wer mich noch nicht kennt ich bin der Tisander“, wenn ihr es noch nicht wisst, der der es gerne mit den Tieren treibt, laut Fango. „Leider werdet ihr es auch mit mir aushalten müssen. Ach und danke fürs Zusammenpacken“, ging es im nüchternden Ton an Fango.

  • "Bitte", antwortete Fango und reichte Tisander eines seiner Räucherwürstchen. Dabei blinzelte er ihm freundlich zu. Es zuzugeben, wäre ihm schwergefallen, aber er freute sich wie verrückt, dass Tisander genau ins gleiche Contubernium wollte.

  • Tisander war sich nicht sicher, doch er meinte in den Augen des Kleinen hätte etwas geglitzert, als er ihm das Würstchen reichte. „Danke habe auch echt Hunger“, kam von ihm. Er schaute sich um, „du bist doch Wulfgar, der der so gut mit dem Speer umgehen kann und du Kirran, der irre Bogenschießer“, wandte er sich an die beiden zu seiner Linken.

    "Da haben wir ja eine gute Turma erwischt. Aber die II. Turma hatte ja schon immer einen guten Ruf wenn man die Geschichten im Lager so hört.“

  • "Vor allem sind wir jetzt dabei. Das ist eine Aufwertung, die so leicht nicht zu toppen ist. Kennst du diesen Decurio Atius Scarpus? Nie gehört! Hoffentlich ist der nett. Sonst kriegt er so lange Kuchen geschenkt, bis er sich vor lauter Scham benimmt."

  • "Nö sagt mir nichts, habe ich auch noch nie gehört. Hast du eigentlich eine Vorstellung welche Richtung du einschlagen würdest? Ich meine eher in den Verwaltungsbereich, Baumeister oder doch lieber aktiver Dienst?

    Mir würde es als, Kundschafter, Späher oder wie man so sagt Speculator gefallen." Das hatte Tisander sich schon als kleiner Junge des öfteren vorgestellt.

  • Fango ließ Tisander erstmal eintreten. In der Tür stehend zu plaudern, mochte zwischendurch ganz entspannend sein, aber sein Kamerad wollte sich schließlich hier einrichten. Fango setzte sich auf einen der Stühle, damit Tisander Platz hatte, um zur räumen. Auch die anderen Kameraden saßen dort, die mehr oder weniger geleerten Schüsseln mit der Räucherwürstchen-Mahlzeit noch vor sich stehend. Auf einem Teller in der Mitte lagen noch weitere Räucherwürstchen. Irgendwer hatte heute scheinbar einen augegeben.


    "Kundschafter? Was gefällt dir daran?", erkundigte Fango sich neugierig. In seiner Vorstellung lag man dafür tagelang mutterseelenallein bei Wind und Wetter in einem schlammigen, kalten Versteck auf der Lauer, um den Gegner zu observieren. Er stellte sich die Arbeit unsagbar trist vor, obendrein überdurchschnittlich gefährlich. "Bisher habe ich ja nur regulären Dienst geschoben, ich kann also noch gar nicht sagen, worin ich besonders gut bin. Es wird sicher auch noch dauern, ehe man uns Spezialaufgaben anvertraut, oder? Mir wäre irgendwas recht, wo Kooperationsfähigkeit gefragt ist. Du weißt, ich rede gern mit Leuten und freu mich, wenn ich irgendwas tun kann, damit hinterher alles perfekt ist. Aber ich denke nicht, dass wir uns den Einsatzschwerpunkt selbst aussuchen können, vermutlich teilt man uns dort ein, wo wir gebraucht werden."


    Fango musterte Tisander neugierig. Vielleicht wusste der Kamerad ja etwas, was Fango noch nicht wusste?! Er spießte sich ein weiteres Würstchen auf das Messer und begann zu knabbern.

  • Neugierig starte Tisander auf das Würstchen des Kleinen. „Wo hast du denn die Würstchen her?“ Es klang mal wieder vorwurfsvoll, dabei wollte er es nur erfahren um sich selber welche zu besorgen, eins war schließlich zu wenig für ihn.

    Schnell ging er auf das vorherige Thema zurück. „Ja sicher darin bist du gut“. Ich eben nicht, dachte er. "Nun das alleine sein und bei jedem Wetter da draußen zu liegen, hat mir noch nie etwas ausgemacht. Du musst dabei auch die spannende Aspekte beachten. Menschen beobachten, belauschen, Rückschlüsse daraus schließen. Sich neuen Gegebenheiten anpassen, spontan handeln, ich finde es aufregend. Aber du hast recht, wie sollten zuerst mehr Erfahrungen sammeln und ja wir werden uns kaum eine Wunschliste erstellen können.“ Einem letzten
    hungrigen Blick zu dem Würstchen. „Ich geh mir dann auch mal sowas holen."

  • "Ich weiß nicht, ob ich gut darin bin, zu kommunizieren, aber es macht Spaß. Die edle Spende ist von Kirran." Fango zeigte mit dem halben Würstchen auf ihren Kameraden. "Ist Vater geworden! Hau rein, sie sind für alle."


    Großmütig verteilte Fango die Räucherwürstchen, die gar nicht ihm gehörten, aber irgendwie ja doch, wenn Kirran sie an alle verschenkt hatte. Scheinbar war Alkohol verboten oder Kirran wollte keine Getränke ausgeben, was ihn prompt sympathisch machte, obwohl Fango nicht sicher wusste, ob dem tatsächlich so war. Sie konnten schließlich jederzeit einen Marschbefehl erhalten!


    "Den größten Teil der Zeit hab ich unsere Kundschafter nur beim Auskundschaften vom Gelände gesehen. Auch wichtig, klar, aber ich weiß nicht, ob sie überhaupt noch was anderes tun. Wenn ja, dann nicht oft, sie sind ja Teil der kämpfenden Truppe. Du belauschst und beobachtest gern heimlich Menschen?", hakte Fango nach.


    Die machten doch nur stinklangweiliges Zeug ... arbeiteten irgendwas, popelten heimlich, brabbelten vor sich hin. Die langweiligste Aufgabe von allen war vermutlich, einen Wachposten zu beobachten, der nur rumstand und seinerseits in die Gegend starrte.


    "Ich glaube, sonderlich tolle Schlüsse zieht ein Kundschafter gar nicht, er teilt nur mit, was er sieht. Das Schlussfolgern übernimmt dann am Ende sein Offizier, oder?"


    Ein Kundschafter war immerhin kein Spion, der am Ende einen komplexen Bericht weiterleiten musste, sondern kundschaftete nur das Gelände aus und behielt die gegnerischen Truppenbewegungen im unmittelbaren Umfeld seiner Einheit im Auge. Oder doch? Fiel Spionage auch in den Aufgabenbereich eines Kundschafters? Er war nicht ganz sicher, ob er sich irrte oder ob Tisanders es tat und noch einem verklärten Jugendtraum nachhing. Aber er lernte gern dazu und so war seine Frage ehrlich gemeint. Gerade weil er sich bisher damit nicht weiter befasst hatte, war ein Irrtum durchaus möglich.

  • Bei den ersten Worten des kleinen machte Tisander wieder kehrt, ergriff ein Würstchen und biss herzhaft hinein. Kauend kam ein „Danke“, an Kirran gerichtet. Danach erst schaute er Fango an. "Andere Menschen belauschen, einfach so, daran sehe ich keinen Sinn und es macht mir auch keinen Spaß. Hast du je erlebt, dass ich hier herumgeschlichen bin oder an verschlossenen Türen gelauscht habe? Nein, es würde mir nur Freude bereiten, wenn es um Feinde ging.“

    Erneut ein Biss in die Wurst ehe er fortfuhr. „Meine Sippe wohnt in einem etwas größeren Flecken, nahe Etrurien. Du weißt die Etrusker waren gebildet und hatten eine hohe Kultur,man könnten sagen die Lehrherren von Rom, eher friedliche Menschen, auch wenn das heute keiner hören mag. Die Ligurier, besonders wir Apulier waren eher, … sagen wir streit-, kampflustig. Als Kinder spielten wir oft gemeinsam, wobei wir, wir Apulier, gerne Barbarenüberfälle spielten. So ein Spiel dauerte oft mehrere Tage. Mindestens einer wurde als Spekulator losgeschickt. Ich erwies mich als besonders geschickt. Von da an war es selbstverständlich, dass ich immer dazu auserwählt wurde. Natürlich nahm ich auch an das anschließende Hauen, Stechen und Treten teil, der großen Rauferei. Du kannst dir aber nicht vorstellen wie lehrreich und interessant, so eine Kundschafter Tour war. Du lernst niemals die Natur so gut kenne, wie auf so einer Mission. Natürlich schulst du auch deinen Blick für Gestik und Mimik, ebenso steigerst du dein Hörvermögen und das Deuten von Geräuschen. Du siehst also langweilig ist es auf keinen Fall.“

    Ein letzter Biss und der Rest des Würstchens war verschwunden.

  • "Na, dann hoffe ich, dass du hier auch so viel Freude an dieser Aufgabe hast, falls es damit eines Tages klappen sollte", antwortete Fango freundlich. "Ich bin vermutlich der einzige, der als Junge Raufereien schon immer hasste ... was vielleicht daran lag, dass ich jedes Mal vermöbelt wurde. Der Fluch des Letztgeborenen. Hab ich dir die Bissnarbe schon mal gezeigt?!"


    Natürlich hatte er das. Jeder, der Fango näher kannte, kannte auch die zwei Halbmonde, wo sich Scatos Zähne tief in sein Fleisch gegraben hatten, und die dazugehörige Geschichte.


    "Ich habe lieber gelesen und gelernt und so."

  • Ocella stand vor der verschlossenen Türe der Turma Secunda. Scarpus´Turma Secunda. Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Bilder, Geschehnisse aus vergangener Zeit mit Scarpus.

    Immer wieder tauchte in diesen Gedanken auch Sabo auf, sein Bruder. Was wollte ihm sein geist damit sagen? Daß es falsch war seinen Weg zu verlassen? Immerhin hat er es zum Suboptio bei der Classis gebracht. Niemand, wirklich niemand hätte das gedacht! Ad bestias! Manche wünschten sich die Säckung, viele wollten ihn lebendig begraben oder Enthaupten.

    Doch ihre Familie zählte zu den honistores (honestiores = Ehrenhafte) und damit unterlagen sie anderen Ausführungsbestimmungen als die „Niedrigeren“ (humiliores).

    Ocella wischte die Gedanken an seinen Bruder zur Seite. Wenn der wüßte wem er die Beförderung zu verdanken hatte.

    Er ließ den Kopf im Nacken kreisen, schloß die Augen und konzentrierte sich auf seine neue Aufgabe. Die Bilder verschwanden, wenn auch Sabo hartnäckiger war.

    Einmal tief einatmen. Durch die Türe drangen die Stimmen der Equites.

    Ocellas Hand stieß die Türe auf und er betrat wie ein Wetterleuchten die Stube.

    Sofort wurde er wahrgenommen und die anwesenden Unglücklichen sprangen auf um kurz darauf zu erstarren.

    Sah er da Angst in den Gesichtern?

    Man hat mich gebeten für die Abwesenheit eures Decurios hier nach dem rechten zu sehen!

    Fast 7 Monate war Atius Scarpus nun schon absent. Auf Patrouille verschollen hieß es nach einem Monat, ...vermisst im Felde nach einem halben Jahr. Es grenzte an ein Wunder, daß nun ein Lebenszeichen aufgekommen war.

    Ocella stand mitten im Raum und sah sich um. Nun, da Scarpus seine beiden Stellvertreter mitgenommen hatte war die II. so etwas wie eine Kommune geworden. Die Diensteinteilungen sahen eine Aufteilung zu den einzelnen Patrouillen der anderen Turmae vor, aber die Lebensumstände der Turma hatte man schlicht vergessen.

    Er nickte und meinte gefährlich leise. So Kameraden, jetzt bringen wir mal Ordnung in die Bude, wir sind hier nicht im Lupanar von Caesarea, hier sieht es ja aus wie bei Festus unter der Cline! Ihr habt Zeit bis ich die Ställe inspiziert habe,...besenrein und gelüftet!

    Mit ernstem Blick sah er die Equites an, dann wies er auf einen der Tische. Und ab sofort kein Glücksspiel mehr und es wird hierdrin nicht mehr geraucht!

    Sprachs und wandte sich zum gehen als er Fango und Tisander bemerkte. Ein teuflischer Plan mäanderte durch seinen Kopf.

    Eques, Iunianus, Eques Tisander,...die beiden haben noch einen Sinn und Gefühl für Ordnung,...sie werden das Chaos hier lichten und beaufsichtigen!

    Ausführen.

    Die Türe knallte ins Schloß,...und Ocella rieb sich fast schon vergnügt die Hände,...das würde ein Spaß werden. Wie wohl die Ställe aussahen?



  • "Jawohl, Vexillarius", plärrte es im Chor, zeitgleich mit dem Moment, in dem die Tür ins Schloss fiel.


    "Sehr schön", freute sich Fango, dem der Zustand der Stube schon missbilligend ins Auge gefallen war. "Endlich sagt es mal einer!" Wie es in einem Lupanar aussah, wusste er nicht und gedachte das auch nie herauszufinden. Seine eigene Ausrüstung war natürlich längst den Vorschriften entsprechend verstaut. Auch sein Bett war gemacht. So konnte er sich ganz darauf konzentrieren, die anderen auf die zahllosen Mängel hinzuweisen, die ihm ins Auge sprangen.


    "Da in der Bettdecke ist noch eine Falte", stellte er fest. "Geht gar nicht! Habt ihr überhaupt schon oben auf den Bettpfosten Staub gewischt?" Anklagend hob er den staubigen Zeigefinger, mit dem er das überprüft hatte. "Wenn der Vexillarius das sieht! Leute, gebt euch doch mal mehr Mühe!"


    "Sag mal ...!", erboste sich Kirran, als Fango daran herumnörgelte, wie seine Caligae standen.


    Fango zeigte mit dem staubigen Finger auf ihn. "Wenn der Vexillarius wiederkommt, werdet ihr mir dankbar sein! Du hast es ja gehört, unser Contubernium war für besonders vorbildliche Ordnung und Sauberkeit bekannt. Das hat sich scheinbar bis zu den Offizieren herumgesprochen. Wir tragen hier die Verantwortung! Wenn ihr das so unordentlich und dreckig lassen wollt, dann bitte nur eure Seite und sagt dem Vexillarius dann selber, dass ihr euch weigert, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Es ist ja nicht meine oder Tisanders Freizeit, die dann mit Strafarbeiten zugestopft wird!"


    "Hier ist nichts mehr dreckig oder unordentlich!" Kirran wies mit einer umfassenden Geste in den Raum. Ja, jetzt war die Stube langsam vorzeigbar. "Und es gibt hier auch keine zwei Seiten!"


    Fango zeigte auf den Ofen. "Und wann wurde zum letzten Mal die Asche fortgebracht?" Er nahm den Ascheeimer, schaufelte und schaffte die Asche selbst weg. Er wollte ja nicht nur nörgeln, sondern selbst mit anpacken. Doch als er wiederkam, hatte irgendwer sein Bett auseinandergerissen. Bestimmt der blöde Kirran. Und von dem hatte er Räucherwürstchen angenommen! Fango schoss die Zornesröte ins Gesicht. Inzwischen sah die Stube dank seiner und Tissis Bemühungen endlich vorzeigbar aus und nun das.


    Er kletterte hoch und versuchte, in der verbleibenden Zeit, alles wieder in Ordnung zu bringen. Das stellte ihn vor eine Herausforderung, denn wie er feststellen musste, war weder seine Decke noch sein Bett wirklich rechtwinklig, so dass es unmöglich war, die Kanten parallel zueinander auszurichten. Tönten da draußen Schritte? Fango geriet in Panik.


    "TISSI", schrie er und fuchtelte mit dem Zeigefinger in Richtung des Vorratsregals, während er in der anderen den Zipfel seiner störrischen Decke hielt. "Die Äpfel!!!" Die standen nicht in ordentlichen Reihen mit dem Stiel nach oben, so wie es sich gehörte, sondern kullerten durcheinander. Sie waren nicht einmal nach Reife sortiert!

  • Tisander kam nicht mehr zu einer Antwort, weil der Schreihals, wie er den Vexillarius für sich im geheimen nannte, hereinstolzierte. Na bitte der Alltag hat uns wieder, dachte er und der da wird uns zeigen wo es lang
    geht. Am Ende war er dann doch überrascht, dass ihre Begegnung mit ihm, für den Kleinen und sich selber so gut aus ging.

    Wie nicht anders zu erwarten, ging der in seine ihnen zugewiesene Aufgabe ganz auf. Der Apuaner, der seine Ausrüstung noch nicht untergebracht hatte, war nun vollends damit beschäftigt alles zu verstauen. Ab und
    zu zog sich ein Grinsen über sein Gesicht, wenn er Fangos Zurechtweisungen hörte. Gerade fertig, bekam er selber einen Anpfiff. „Entschuldige bitte, ich kenne das Kommando für die Äpfel noch nicht und die verstehen mich einfach nicht“, sprach's und schnappte sich einen Apfel, biss herzhaft hinein und griemelte die Kameraden an. Diese konnten es sch nicht verkneifen und lachten grölend. Er gab Fango einen leichten Stoß in die Seite, „Komm lach mit und nimm das Leben nicht immer so ernst.“

  • Nicht ernst? Es ging hier um eine Stubenkontrolle!!


    Fangos Schultern sanken ein Stück hinab. Er schaute auf die Decke unter seinen Knien. Na ja. Wenn er ehrlich war, dann war das Bettzeug nicht auseinandergerissen worden, sondern jemand hatte nur die Decke verrückt, so dass sie nicht mehr symmetrisch war. Nicht mehr als eine Neckerei war das, vermutlich humorvoll gemeint. Fango kletterte vom Bett, zog die Decke - nun daneben stehend - erneut zurecht und half dann Tisander beim Sortieren der Äpfel.


    "Wenn die unreifen Äpfel weiter hinten sind, sorgt das dafür, dass jemand, der sich gedankenlos etwas zu Essen nimmt, immer das am wahrscheinlichsten verderbliche Exemplar ..." Er unterbrach sich, weil er feststellte, dass Kirran ihm mit hochgezogenen Brauen folgte. Fango musste nun selber grinsen und machte eine wegwerfende Handbewegung. "Ach vergesst es. Wird schon nicht auffallen."


    Und wenn doch, war es nicht seine Schuld und er hatte Anlass, bei der nächsten Aufräumaktion den moralischen Zeigefinger zu erheben. Er würde die Äpfel einfach später selber sortieren, wenn keiner störte.

  • Ocella stapfte zu den Ställen. Seine Seite schmerzte etwas, wenngleich er nur den ledernen Brustschutz trug fiel ihm das Laufen schwer. Irgendetwas zog oder zerrte immer in seinem Gedärm.


    Die Ställe waren wie alle Ställe. Es gab hier mehr oder weniger auszusetzen. Das Zaumzeug war gefettet, die Sättel sauber ausgerichtet. Die Heu- und Gerstevorräte, sowie das Wasser in der Zisterne waren in Ordnung. Ebenso die Pferde, er nahm sich die Zeit und ließ sich von den Calones alle Hufe, alle Gebisse und Schwachstellen zeigen. Nun, außer, daß die Pferde der Secunda ein wenig träge und fett wirkten waren sie in einem tadellosen Zustand.


    Er besprach sich noch ein wenig mit den Calones um deren Wünsche und Ideen anzuhören. Es war wichtig sich mit diesen Kerlen gut zu stellen, die Kunst war dabei sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Die Wünsche der Calenes indess waren wenig auf persönlichem Vorteil ausgelegt. Sie baten um mehr Freilauf der Pferde, um Übungen und mehr Bewegung, weil die Pferde sonst nicht mehr den Anforderungen gerecht werden könnten.


    Ocella grinste und versicherte den Calones, daß sie schon morgen einen ausgiebigen Freilauf bekommen würden.


    Auf dem Weg zurück zu den Unterkünften kam zum ersten Mal bei ihm die Frage auf, warum Varro ihn hatte gehen lassen. Warum? Es gab genug Decuriones in den Stabsstellen um die vakante Position zu besetzen. Gab es etwas Ungesagtes zwischen Ihnen? Gab es irgendetwas was sie plötzlich trennte? Wollte Varro neue Wege gehen ohne ihn? War er seiner überdrüssig geworden?


    Das verstimmte ihn ein wenig. Doch war es nur natürlich, daß der Caesar ein Auge auf Varro geworfen hatte. Ocella war Zeuge wie Varro den Caesar rettete. Doch hatte er damals nicht den Eindruck, daß es Varro darum ging. Denn der Caesar war wie die Praetorianer in deren Rüstung. Als Caesar konnte man ihn nicht erkennen, es sei denn man kannte ihn.


    Kannte Varro den Caesar? Ocella nicht,…woher auch? Zu den Zeiten als sie noch in Roma weilten war der Caesar ein halbwüchsiger, ein pickeliger Bursche, sicherlich verwöhnt und willkürlich seinen Willen einfordernd. Nein, Varro kannte den Caesar nicht, denn seine Familie war zwar etwas besser aber eben nicht so hoch angesiedelt, daß sie zum Hofstaat gehörte.


    Grübelnd rammte Ocella die Türe auf und rief, einen Blick auf Fango werfend.


    Nuntio! Oh, ihr verfluchte Saubande,…eure Tage des Faulenzens sind vorbei. Er baute sich auf zu seiner ganzen Größe und spürte wieder ein schmerzhaftes Ziehen in der Seite, was seinem Gesicht einen verbissenen Ausdruck verlieh.

  • Nuntio!? Was hatte das zu bedeuten? Tisander schaute sich fragend um, wer von den älteren in ihrer Turma war damit gemeint. Vergessen war Fango und sein Problem mit den Äpfeln. Alle standen in Haltung da und keiner rührte sich. Sollte sich jetzt jemand von ihnen melden. Das dürfte bedeuten, endlich auf den prächtig ausgebauten Straßen einen Ritt, wie lange nicht mehr. Zögernd, die anderen kurz anschauend hob er die Hand. Mehr wie nein sagen konnte der Schreihals nicht. „Ich wenn es recht ist Vexillarius“.

  • Fango glubschte mit großen Augen. Er hatte gerade zur Nuntio ansetzen wollen, weil der Vexillarius ihn so anstarrte, als ob er die Nutio von Fango erwarten würde, als von links Tisander wohlmeinend in die Bresche sprang, so dass er den Mund wieder schloss. Fango wagte dabei nicht, den Blick von Matinius Ocella abzuwenden und schaute weiterhin drein wie ein Fisch, in der Hoffnung einer Anweisung, wer von ihnen nun die Nuntio machen sollte.


    Er selber wusste noch genau, was dabei erwartet wurde - wenn es etwas gab, worin er abseits vom Bogenschießen und Ordnung halten wirklich gut war, dann Theorie! Das Regelwerk kannte er praktisch auswendig und saugte jede Information, die er aufschnappen konnte, auf wie ein Schwamm. Tisander hingegen war eher praktisch veranlagt, er war einer der besten Reiter, die Fango kannte, mit großem Verstand für die Pferde. Vielleicht war das auch der Grund, warum Tisander sich, wenn er bockte, in den Stall zurückzog ... er verstand die Pferde besser als die Menschen.

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