• Hairan lächelte dünn, denn er fand die Urbaner sehr naiv, wie sie meinten, Bestellungen aufgeben zu können als ginge es um die Speisekarte in einer Taberna: Magus tu dieses, kannst du jenes.


    Aber er nickte, sprach:" Ich werde versuchen, was ich tun kann“,
    dann betastete er die Wände weiter; zögerte und meinte nach einer Weile kopfschüttelnd:


    Wer das auch immer getan hat, ist sehr mächtig, denn wenn jemand die Station derer, die im Dienste des Kaisers stehen, verfluchen konnte, so muss er mächtiger sein als selbst der Genius des Kaisers. Und das er es konnte, hat man ja gesehen.
    Ich jedoch bin nur ein gewöhnlicher Magus, und es würde langwierigiger, sehr kostspieliger Vorbereitungen bedürfen, mich diesen infernischen Mächten zu stellen.
    Nicht weil ich etwa Lohn verlangen würde, sondern weil es edelsten Weihrauch, Gold und der besten Opfertiere bedarf, um all die Reinigungsrituale durchzuführen.
    Am effektivsten wäre es natürlich wie in alten Zeiten eine Frau und einen Mann aneinandergefesselt lebendig an dieser Stelle zu begraben."
    *


    Hairan machte eine kurze Kunstpause. Er wußte, dass Römer die Idee von Menschenopfern entsetzlich fanden, obwohl sie kein Problem damit hatten, Hunderte in der Arena hinzuschlachten. Bedauerliche Widersprüchlichkeit eines ansonsten rationalen Volkes.


    So, das muss genügen, dachte Hairan, jetzt habe ich sie an der Angel. Solch eine Gelegenheit, mich in den höchsten Kreisen Romas bekannt zu machen, kommt nicht wieder. Die kleinen Abscheulichkeiten, die ich vorrätig hatte, haben zumindest die beiden Soldaten beeindruckt. Jetzt kommt es auf mein Verhandlungsgeschick an, wie viel ich noch herausschlagen kann.


    Der Parther warf Lurco einen prüfenden Seitenblick zu.



  • Lurco strich sich nachdenklich über das Kinn und nickte knapp.


    "Anis, guter Magus Danke für Deinen weisen Rat. Eine Frau und ein Mann sollen ihr Leben lassen, lebendig verscharrt. Du warst so großzügig und edelmütig, Dich in die Dienste des Imperiums zu stellen. Pass auf, ich hab eine wunderbare Idee, die uns allen hilft.


    Dem Kaiser, dem Imperium, den Urbanern, Dir, mir, einfach jedem!Du spendest etwas, für das Du selbst nichts bezahlt hast. Kurzum, wir vergraben hier an Ort und Stelle Deine Sklavin und einen der möglichen Täter die wir fassen werden.


    Bedenke nur, wie dankbar sie uns sein werden, nachdem wir sie im heiligen, römischen Boden lebendig zur Heilung des Fluches eingebettet haben. Könnten solche Wesen sprechen, also mit Sinn in den Worten, würden sie uns ihre Dankbarkeit voller Warmherzigkeit kund tun. Leider sind sie nicht dazu in der Lage. Dass soll uns aber nicht daran hindern, ihnen zur einzig edlen Tat in ihrem Leben zu verhelfen!


    Damit hätten nicht nur wir, sondern auch Deine Sklavin und einer der Übeltäter Rom gedient! Was sagst Du? Ist die Idee nicht genial?", fragte Lurco aufgekratzt.

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  • Hairan blieb wie immer unbewegt, obwohl erstaunt darüber war, wie profan der ihm als fromm bekannte Urbaner die Angelegenheit sah.
    Es ging doch nicht darum, zwei Kriminelle zu verscharren wie tote Hunde; es ging um das höchste Opfer, das man den Göttern zukommen lassen konnte.


    Natürlich würde ich die Sklavin spenden, es wäre mir eine Ehre, dem Imperium zu dienen.“, sprach er etwas säuerlich, denn er hatte die Idee gehabt, sich zu bereichern, nicht sein Eigentum aufzugeben:
    „Der Mann jedoch darf kein Krimineller aus der Subura sein, so etwas stimmt die Götter eher beleidigt statt milde. Wie tradiert sollte er der Gefährte der Frau oder zumindest ein Kriegsgefangener oder Kelte sein.
    Ob dieses Opfer angebracht ist, müssten freilich die höchsten Priester Romas, der pontifex maximus oder der flamen dialis, entscheiden.
    Wie gesagt, mit Tieropfern geht die Reinigung auch, sie dauert nur länger und verursacht höhere Kosten.
    Am besten besprecht ihr das mit eurem Vorgesetzten, Hüter der Stadt.“


    Menschenopfer waren seit mehr als hundert Jahre verboten, und wenn ein Priester oder Magus dabei erwischt wurde, wurde er zur Strafe ans Kreuz geschlagen.
    Keinesfalls würde Hairan also so etwas auf eigene Faust durchführen.


    Aber er hatte auch nicht vor, sich die finanziell vielversprechende Angelegenheit von irgendwelchen römischen Priestern aus der Hand nehmen zu lassen.

  • "Verständlich. Pass auf, wenn der Magus seine Sklavin spendet, ist es nur fair, wenn wir den Sklaven beisteuern. Kein Menschenopfer, kein Tieropfer, nichts was die Götter uns übel nehmen könnten Lurco", warf Pullus ein.


    "Ein guter Vorschlag, so machen wir es. Pass auf Anis, ich kaufe einen passenden Sklaven. Kelte oder sowas. Dann vergraben wir unsere Sklaven hier gemeinsam lebendig und haben hoffentlich schon mal einen Großteil des Fluchs gebannt. Wenn nicht sogar den ganzen Fluch", sagte Lurco begeistert.


    "Gegenstände zu opfern ist nicht verboten, wir benötigen also nicht die Zustimmung von unserer höchsten Instanz. Sobald beide Sklaven unter der Erde sind um den Fluch zu brechen, können wir die Oberen informieren. Sie sollen von Anis Wundertaten hören. Und von dem Grauen dem er Einhalt gebieten konnte", pflichtete Pullus bei und bedeckte den kleinen Embryo mit dem Seidentuch.


    "Sein Anblick geht mir nahe", sagte er entschuldigend.
    "Schon gut, eine kleine Seele die für so etwas Schreckliches missbraucht wurde. So etwas sollte es nicht geben. Aber wie mit allen Dingen ist Magie ein Werkzeug. Wer immer das getan hat, wir werden ihn finden und ans Kreuz schlagen", tröstete Lurco seinen Kameraden.


    "Unser Werk ist noch nicht beendet Anis, folge mir. Genau dort drüben ist der Laden, der überfallen und dessen Besitzer so schändlich ermordet wurde. Zwei konnte ich niederstrecken. Einen abgestochen, dem anderen die Eier gekürzt. Aber der Rest der Drecksbande ist entkommen. Vielleicht kannst Du ihre Spur aufnehmen per Magie", sagte Lurco und führte Pullus und Anis zu dem Laden.


    "Hier", sagte er mit grimmiger Miene.

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  • Die Säuglngsleiche rührte die rauen Urbaner wohl, während sie ungerührt über Kreuzigungen sprachen, und somit ging das ganze Gespräch in eine für Hairan höchst ungemütliche Richtung. Am liebsten hätte er sich unter dem Vorwand unumstößlicher Pflichten zurück gezogen, aber das war in Begleitung dieser diensteifrigen Soldaten unmöglich.


    „Nur vor dem römischen Gesetz sind Sklaven Sachen, vor den Augen der Götter keineswegs.“, stellte er richtig:
    "Deshalb müssen sie beerdigt werden, wie andere Leute auch; können, wenn man ihnen Unrecht getan hat, nach ihrem Tod zur Heimsuchung werden und ja, wenn man ihnen bitteres Unrecht antut, können sie genauso gut wie alle Menschen die Furien anrufen und um göttliche Gerechtigkeit bitten.
    Das gleiche Gesetz, welches einen Diener als Eigentum völlig in die Hand seines dominus gibt, kann ihn auch wieder lösen, wenn er frei gelassen wird, woran ihr schon seht, dass die Unfreiheit von Männern und ihren Gesetzen gemacht wird und nicht durch die Unsterblichen.“


    So sprach Hairan, der Mann, der im fernen Hyrcania gemeinsam mit seiner Gemahlin viele Sklaven bei seinen Forschungen elend getötet hatte, aber das wussten die römischen Urbaner ja nicht.


    Eine Ausnahme dieser Gesetze freilich bildete seine Aethra, denn die hatte ihm versprochen, ihm bis in den Tartaros zu folgen - und somit auch nach ihrem Tod für alle Ewigkeit sein Eigentum zu bleiben.


    „Auch das Begraben von Sklaven ist also ein Menschenopfer, und Hochgestellte müssen entscheiden, ob es hier zum Wohle des Staates angebracht ist.“, schloss er.


    Hairan folgte Lurco und Pullus zu dem Laden. Da er keine kleinen Überraschungen mehr in seinem Sack hatte, stellte er das fest, was er schon im Ganymed gesagt hatte:
    “Das hier war Menschenwerk. Nur die neue Urbanerstation ist verflucht worden.“


    Dann fiel dem Magus etwas anderes ein, wie er doch noch zu seinem Lohn kommen konnte, ohne irgendwelche Leute gesetzwidrig einbuddeln zu müssen:


    „Ist die Leiche des Besitzers noch brauchbar? Durch eine Necyomantea* könnte sie für kurze Zeit wiederbelebt werden und uns selbst sagen, wer sie umgebracht hat.
    Nur...“


    Er tat so, als zögere er einen Moment:


    „Das Ritual ist...etwas unappetitlich, weswegen die Angehörigen meist einen Aufstand machen. Und ihr Römer habt in diese Richtung eindeutige Verbote. Ich bräuchte also die Zusicherung von Straffreiheit und einer angemessenen Bezahlung von ganz oben, wenn der Kaiser meine Dienste in dieser Richtung benötigen sollte."


    Sim-Off:

    * Necyomanteia orientalischen Typs: Die Leiche selbst wird wieder erweckt, im Gegensatz zur griech. Sciomantia= Beschwörung der Schatten

  • Lurco und Pullus hörten Hairans Ausführungen zu.


    "Manche Sklaven sind bereits zu Lebzeiten die pure Heimsuchung, da muss man nicht auf ihren Tod warten. Und solange sie Sklaven sind, sind es Dinge. Du hast Recht, nach einer Freilassung sind sie Menschen. Aber solange sie Sklaven sind, sind und bleiben sie Gegenstände. Ist der Status nicht auch Götterwille?


    Du musst sie nicht beerdigen, Du kannst tote Sklaven wie Abfall einfach in den Tiber werfen. Effektiv und kostenlos. Interessant so etwas mal auszudiskutieren, aber dafür ist jetzt nicht die richtige Zeit. Die Sklaven sind völlig nebensächlich und wären nur Mittel zum Zweck. Dass sind sie tot oder lebendig. Drum sind sie Sklaven.


    Hier und heute geht es um die Aufklärung der Überfälle, Morde und Flüche.


    Die Leiche des Ladenbesitzers muss nicht wiederbelebt werden, denn die Mörder sind bekannt. Zwei davon habe ich erschlagen. Wir müssen der Familie nicht mehr Schmerz zufügen als nötig", antwortete Lurco und dachte angestrengt nach, wie sie weiterkommen konnten in dem Fall.


    Sie mussten noch einmal die Zeugen befragen. Kyriakos, Nicon und Satibarzanes. Er war auch Zeuge, schoss es Lurco durch den Kopf.


    "Das Ganymed und der Laden sind reine Überfälle und Morde, die Station wurde verflucht. Ich denke weil sie uns für die größte Gefahr halten. Um weiter rauben, plündern und morden zu können, wollen sie uns aus dem Weg schaffen.


    Damit wissen wir, dass die Täter die Subura von uns reinigen wollen um hier ihren Bereich aufzuziehen. Wir sollen dauerhaft verschwinden. Das Gegenteil wird passieren. Die werden verschwinden. Wir können nicht zulassen, dass hier ein rechtsfreier Raum von dem Dreckspack entsteht", sagte Pullus.


    "Das wird es auch nicht, das ist Rom und es bleibt Rom", antwortete Lurco und wandte sich an Anis.


    "Nun ob und welches Ritual dann hier stattfinden wird, kann ich nicht entscheiden. Du hast Angst die Sklaven zu benutzen, aufgrund möglicher Heimsuchung. Ich möchte hier keine extrem teuren Tieropfer. Sollen das andere entscheiden. Möglicherweise könnten auch die Priester helfen.


    Vorerst Danke ich Dir in namen der Urbaner Anis, wir müssen noch einiges ermitteln. Wir klären die Fluchreinigung mit unseren Vorgesetzten und kommen dann unaufgefordert auf Dich zurück, falls eine positive Entscheidung gefällt wird", sagte Lurco freundlich.


    Er nickte Anis zum Abschied zu, während er sich mit Pullus umgehend auf den Weg zur Castra machte.

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  • Jetzt war es an Hairan, aufmerksam zu lauschen.


    Schade, dass keine nekyomanteia gewünscht wurde. Hairan hatte die Ausbildung der magoi nie abgeschlossen und deshalb nie wirklich Einblick in diese geheimen Praktiken bekommen, aber so etwas war eindrucksvoll - und natürlich entsprechend teuer.


    Aber auch er war sehr einverstanden damit, sich in diesem Moment zu verabschieden. Aufgeschoben war nicht aufgehoben.
    "Das müssen eure Priester entscheiden.", stimmte er zu: "Der Segén des Mars auf euren Wegen. Ich werde für euch und eure Mission ein Opfer darbringen....ein unblutiges natürliches."


    Letzeres fügte er an, denn man wußte bei diesen beiden Urbanern nicht, was ihnen noch einfallen würde.


    Die Information, tote Sklaven in den Tiber werfen zu dürfen, fand Hairan interessant. Er hatte gedacht, das war bei einem von der Jura besessenem Volk wie die Römer auch wieder in irgendeinem Gesetz geregelt.
    Von hundert Bewohnern Romas waren angeblich vierzig Sklaven; sollte sich diese Art der Leichenentsorgung durchsetzen, war bei einer Million Einwohner vermutlich bald nichts mehr vom Fluss übrig.


    Aber gut - dies war Problem der Römer, und überdies konnte er jetzt Aethra immer damit drohen, sie in den Tiber zu schmeißen, wenn er sie wieder ausgehändigt bekam.


    "Vale bene. Ich stehe zu euren Diensten.", sprach Hairan und ging gemessenen Schrittes, obwohl er es eilig hatte, nach Hause.


    >>> Anis von Alexandria

  • Und da waren sie, in der Subura vor den Ruinen der alten Statio I. Lurco betrachtete das einistige Bauwerk, machte sich Notizen und setzte dann seinen Rundgang durch die Subura mit den Kollegen fort, wie es befohlen worden war. Zeitgleich hielt er Ausschau nach einem geeigneten Platz für die Doppelstatio.

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  • Bavius Persaeus stieß Pedius Theopompus in die Seite: "Kannst du mir sagen was wir hier machen?" "Ich dachte auch wir wären auf Patrouille und nicht auf einer Besichtigungstour."

    Die beiden schauten sich grinsend an. Sie hatten sich sowieso schon gewundert als sie den Befehlt erhalten hatten sich bei Lurco zu melden. "Und nun?" Persi war die Frage raus gerutscht. Im nachhinein hatte er gedacht schaden konnte es ja nicht, vielleicht gab es ja nun eine Erklärung.

  • "Unser Befehl von Cornicularius Titus Octavius Frugi lautet vom Collis Quirinalis zu den Randausläufern der Subura Streife zu laufen, dort den Standort der Statio I ins Visier zu nehmen. Zeit - unerheblich. Viel gibt es nicht mehr zu sehen, die Statio ist eine Ruine und sieht heute trauriger aus denn je. Viel zu notieren gibt es damit auch nicht, gehen wir weiter", sagte Lurco und verstaute seine Wachstafel.

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