• Ich hatte mich wieder einmal in die Thermen begeben, um mich verwöhnen zu lassen und mit anderen Frauen Ballspiele und etwas Sport zu betreiben. Dies war ein Luxus den ich mir immer wieder gönnte und der mir wirklich gut tat.


    Nachdem ich in der Umkleide meine Kleider an meine Leibsklavin ausgehändigt hatte, damit sich mir auf keinen Fall gestohlen werden konnten, machte ich eine Zeit mit ihr aus, zu welcher sie mich wieder holen kommen würde und schickte sie fort. In den Thermen war am Frauentag immer viel los und es konnte kaum etwas geschehen, was die Anwesenheit einer privaten Sklavin nötig machen würde.


    Als ich die ersten Räume betrat, schaute ich mich um, ob ich irgendwo ein bekanntes und freundliches Gesicht finden würde. Heute schien es aber so, als wäre ich die Erste meiner Bekannten.

  • Valeria Maximilla kannte die Damenstunden in den Militärbädern der germanischen Civitas Aquensis, aber so etwas Prachtvolles wie die Thermae Agrippae hattte sie überhaupt noch nicht gesehen.
    Sie lief der valerischen Sklavin hinterher, die den Badebetrieb gewöhnt war und nun mit gesenktem Kopf ein bißchen in sich hineingrinste, weil die junge Domina so offensichtlich Mund und Augen aufriss.


    "Und was passiert nun ?", fragte Valeria Maximilla.
    "Na, ich pass auf deine Kleidung in der Nische auf und du gehst baden, domina", sagte die junge Sklavin: "Ich warte hier auf dich, dann kommt auch nix weg."


    Valeria Maximilla zog ihre Holzsandalen an und wickelte ihr Handtuch um sich . Dann stapfte sie los.
    Sie war erst kürzlich aus der germanischen Provinz nach Rom gekommen und kannte noch kaum jemanden.
    Aber im ersten Raum stand eine hübsch aussehende junge Frau, bestimmt nicht viel älter als sie selbst.
    Valeria Maximilla hob schüchtern die Hand :
    " Salve ", sagte sie:
    " Das ist hier wirklich sehr schön, nicht ?"

  • Als ich mich so umsah und auf nichts Spezielles wartete, sprach mich eine junge Frau, die ich noch nie gesehen hatte, an als sie von der Umkleide her in den ersten Raum eintrat.


    Salve iterum, ja, es ist wunderschön.


    Als ich mir die junge Dame genauer ansah und feststellte, wie sie die Augen verrenkte um alle Details aufnehmen zu können, war meine Neugierde geweckt.


    Du scheinst zum ersten Mal hier zu sein. Wer bist du und wo kommst du her? Ich bin Stella, Iulia Stella.


    Noch verriet ich nicht, dass es mir erst vor einigen Jahren gleich ergangen war, als ich von Hispania her nach Roma gekommen war.

  • "Ich heiße Valeria Maximilla, kurz gesagt Maximilla “, sagte Maximilla: „Und ich bin wirklich das erste Mal in meinem Leben hier.“

    Sie bemühte sich deutlich zu sprechen und nicht „isch" oder „wirklisch" zu sagen :


    „Ich habe bisher in der Provinz Germania Superior auf dem Land gewohnt und bin erst kürzlich nach Rom gezogen. Hier lebe ich bei meinem Cousin, vielleicht kennst du ihn ja, er heißt Tiberius Valerius Flaccus."

    Maximilla hatte eine undeutliche Vorstellung von der wahren Größe der Hauptstadt und dachte, dass sich alle Römer irgendwie kennen mussten:


    „Kommst du denn öfter hierher, Stella?"

  • Aha, eine Valeria also. Na gut, das konnte einiges heissen, gab es doch in jeder Gens verschiedene Familien mit unterschiedlichem Status.


    Du kommst aus Germanien? Haben die Valerier dort auch eine grosse Familie, so wie hier in Rom? immerhin waren sie ja eine der bekanntesten Gentes und noch wusste ich nicht, aus welcher Familia die junge Frau stammte.


    Derweil versuchte ich, ein Gesicht zum Namen Valerius Flaccus zu finden, aber es gelang mir nicht: Valerius Flaccus sagt mir jetzt leider gar nichts, aber das ist sehr gut möglich, denn hier in Rom leben so viele Leute, dass man nicht einmal alle kennt, die auf dem gleichen Hügel wohnen.
    Diese kleine Information sprach ich aus, ohne mir dabei irgend etwas böses zu denken.


    Naja, oft ist vielleicht das falsche Wort für meine Besuche hier, aber ich geniesse es, wenn es mir gelingt, wieder einmal einen Frauentag hier zu verbringen. Die Massagen und die Ballspiele mit anderen Frauen machen mir viel Freude.


    Ich blickte mich nochmals um, ob nicht noch eine andere meiner Bekannten in den Zwischenzeit aufgetaucht war.


    Dass sie bei der Erwähnung von Germanien beinahe platzte vor Neugierde, da ihr sofort wieder ihr Annaeus in den Sinn kam, das liess sie sich noch nicht anmerken.


    Sim-Off:

    Offen für alle Frauen-IDs, oder Sklaven, die möchten. Valeria Maximilla freut sich bestimmt auch, wenn sie noch andere Leute kennen lernt.

  • „Der Rest der Familie lebt hier und in Alexandria. In Germanien wohnten nur mein Vater und ich und Adalheidis. Deshalb nennen sie Vater auch hinter seinem Rücken ‚Onkel Lucius mit dem Germanenfimmel`“, antwortete Maximilla in ihrer sprunghaften Art:
    „Übrigens habe ich keine Ahnung, auf welchem Hügel die Casa Valeria liegt, da müsste ich Tiberius fragen. Das man nicht alle Leute kennen kann, ist fast unvorstellbar. In der Civitas Aquensis kennt man so ziemlich jeden, zumindest wenn es ein Römer ist….“,


    dann schlug sie sich eine Hand vor den Mund:
    „Entschuldige , eine Dame sollte wohl nicht so drauf los reden.“, sagte sie:
    „Ballspielen möchte ich auch sehr gerne. Und Massage, wenn das nicht weh tut.“

    Da sich Iulia Stella umblickte, schaute sich Maximilla auch um.
    Sie beschloss erst einmal alles so zu machen wie ihre neue Bekannte. Sie wollte sich keinesfalls vor der jungen Römerin, die so selbstsicher wirkte, blamieren.



    Sim-Off:

    YES :)

  • Heute hatte sich Iulia wieder einmal in „Azhars Bücher, Schriften und Schreibbedarf“ aufgehalten, einerseits um sich neue Bücher zu kaufen (sie hatte schon wieder alles ausgelesen was sie zuhause hatte) und andererseits in der stummen Hoffnung diesen faszinierenden jungen Valerier wiederzutreffen, der ihr einst dort begegnet war. Leider aber ohne Erfolg. Eine ganze Weile lang hatte sie sich zwischen den Regalen herumgedrückt, ehe sie aufgegeben, ihre neuen Papyri bezahlt und wieder nachhause gegangen war. Eigentlich hätte sie jetzt nichts besonderes mehr vorgehabt, aber von ihrer Leibsklavin Callista erfuhr sie, dass heute Damentag in den Thermen wäre. Hm, wieso eigentlich nicht, dachte sie sich.


    Bei den Thermen angekommen begab sie sich gleich als erstes ins apoditerium, um ihre Kleidung in einer der dafür gedachten Nischen abzulegen. Callista setzte sich davor auf eine Bank, um darauf aufzupassen. Ihre Arbeit wäre es dafür zu sorgen, dass Iulia Phoebe heute nicht nackt nachhause laufen musste, weil irgend eine Spaßvogeline ihre Kleider gestohlen hätte (wegen Damentag und so). In einem kleinen Wasserbecken wusch sie sich die Füße und ging dann weiter in den nächsten Raum, dem mäßig warmen tepidarium, um sich in den Becken dort einmal ganz zu waschen und sich einmal gut durchmassieren zu lassen. Iulia kam aber noch gar nicht weit, ehe sie ein bekanntes Gesicht erblickte. „Stella! Du auch hier? Was für eine Überraschung!

  • In diesem Moment trat meine Cousine herein und ich konnte zuerst gar nicht antworten. Hallo Cousine. Ja, zu Hause wurde es langsam langweilig, also entschloss ich mich, hier meine Bekannten zu suchen. Noch scheint aber niemand ausser uns hier zu sein.


    Bevor ich aber unhöflich wirken konnte, war mir klar, dass ich die junge Frau neben mir vorstellen musste. Iulia Phoebe, dies hier ist Valeria Maximilla. Valeria Maximilla, das ist meine Cousine Iulia Phoebe. Wir haben uns eben erst kennen gelernt und Valeria Maximilla ist noch nicht sehr lange hier in Rom. Sie ist heute zum ersten Mal in diesen Thermen.


    Ich fühlte mich gleich nochmals sicherer mit Iulia an meiner Seite. Immerhin war sie so etwas wie die "grosse Cousine".


    Aber warum stehen wir denn so doof hier herum, lasst uns doch ins Becken steigen und uns den Dreck des Tages herunterwaschen.

  • Valeria Maximilla lächelte die neuangekommene junge Frau an:
    „Salve, Iulia Phoebe !“, sagte sie freundlich:
    "Ich freue mich sehr, deine Bekanntschaft zu machen."


    Innerlich sprudelte sie vor Begeisterung. Nun kannte sie schon zwei Iulias. Tiberius Valerius Flaccus würde von ihren neu entdeckten sozialen Kompetenzen angetan sein. Maximilla hatte in Germanien einfach nie die Gelegenheit gehabt, andere römische Damen kennen zu lernen, weil sie so abgelegen wohnten. Besuche in Mogi, wie sie Mogontiacum nannten, waren selten gewesen.


    Die Valeria schaute in Richtung des Beckens. Wie viele davon gab es überhaupt? Bestimmt mehr als die drei, die sie aus den Soldatenthermen der Civitas Aquensis kannte, Tepidarium, Caldarium, Frigidarium.


    „Ins Wasser ? Gerne!“, sagte Maximilla: „Mit welchem Becken fangen wir an?“

  • Es war eine unverhoffte Freude ihre Cousine hier vorzufinden. Natürlich hätte sie sie gefragt, hätte sie gleich von Anfang an in die Thermen gewollt, doch davor war eben noch der kleine Ausflug zu „Azhars Bücher, Schriften und Schreibbedarf“ gewesen, denn sie alleine unternehmen hatte wollen.


    Iulia lächelte Stellas neue Freundin freundlich an. "Salve, Valeria Maximilla! Ich freue mich auch meinerseits dich kennenzulernen. Sag, kennst du zufällig jemand namens Tiberius Valerius Flaccus?" Wäre doch ein lustiger Zufall, wenn es wirklich so wäre! So hätte sie heute dann doch jemand aus der Gens Valeria getroffen, wenn es auch nicht unbedingt die eine gesuchte Person war.


    Nachdem sich jetzt alle miteinander bekannt gemacht hatten wollte Iulias Cousine endlich ins Wasser. "Gerne! Ich habe überhaupt nichts dagegen!" flötete Iulia, denn sie freute sich schon die ganze Zeit darauf. Sie stieg gleich als erstes ins Wasser, es war angenehm lauwarm, eben genauso wie man das von einem tepidarium eben erwarten konnte. "Aah, so lässt sichs leben" seufzte sie entspannt. Valeria Maximilla stellte die Frage nach der Beckenreihenfolge, was Iulia sagte, dass sie wohl aus einer Gegend kam in der die römische Badekultur nicht ganz so ausgeprägt war wie in der Ewigen Stadt selbst. "Ich erkläre dir gerne wie das funktioniert, ich habe es ja auch erst sehr spät kennenlernen dürfen, da ich genauso wie Iulia Stella nicht ursprünglich aus Rom bin. Stella kam aus Hispania her und ich aus Misenum, wie stehts mit dir? Nun zu den Wasserbecken. Es gibt tepidarium, caldarium, sudatorium und frigidarium. Man geht von lauwarm, über das heiße Becken bis zum sudatorium, einer Art Schwitzbad. Dann kühlt man sich im unbeheizten frigidarium wieder ab."


    Sim-Off:

    Es ist wirklich wie verhext. Habe jetzt gut eine Stunde in vier verschiedenen Sprachen nach einem Grundriss inkl. einer Legende von den Agrippathermen gesucht, um die Thermenanlage ein wenig näher für Valeria Maximilla beschreiben zu können, doch es war einfach nichts aufzutreiben, außer Blankogrundrisse. :/

  • Sim-Off:

    Jep, ist leider so. Soweit ich weiss, waren sie die ersten Thermen mit einem Kuppelbau. Davon sind heute noch Spuren sichtbar, aber nicht viel mehr.
    Ausserdem nimmt man an, dass es ausser den üblichen Becken noch mindestens 1 Schwimmbecken gab, plus natürlich die üblichen Höfe für Sport und Spiel.


    Fröhlich hüpfte ich meiner Cousine hinterher und spritzte sie mit dem lauwarmen Wasser an.


    Genau so ist es. Auch wir sind nicht hier geboren, aber an diese Badekultur gewöhnt man sich schnell. Und auch in Hispania gab es keine solchen Bauten wie dies hier.


    Ich blickte mich nach der Valeria um, die noch nicht hinter mir ins Bad gestiegen war und spritzte übermütig in ihre Richtung.

  • Iulia Phoebe fragte Valeria Maximilla nach Tiberius Valerius Flaccus.


    "Tiberius ist mein Cousin, und ich wohne bei ihm in der Casa Valeria.“, antwortete sie erfreut. Sie hatte Tiberius mittlerweile sehr lieb gewonnen. Er war wie ein großer Bruder für sie.


    Es erstaunte sie, dass die beiden neuen Freundinnen nicht ihr ganzes Leben lang in Rom gelebt hatten. Sie wirkten so weltgewandt.


    Die beiden jungen Iulias stiegen ins lauwarme Wasser des Tepidariums, und spritzten sich und Valeria Maximilla nass.


    Maximilla quitschte ein wenig, dann faltete sie ihr Handtuch und stellte ihre Holzsandalen ordentlich ab. Es gab zwar hilfsbereite Badesklavinnen, aber Adalheidis hätte ihr etwas erzählt, würde sie den Sklavinnen unnötige Arbeit machen.


    Auch Maximilla stieg in das warme Wasser. War das angenehm.
    Sie stützte sich mit den Armen am Beckenrand ab und bewegte ein wenig die Beine.


    „ Ich komme aus der Civitas Aquensis aus der Provinz Obergermanien.“, sagte sie:
    „Mein Vater meint, ich soll hier erzogen werden und dann so heiraten, dass es Ehre für die gens Valeria bringt. Tiberius wird mir bestimmt einen guten Ehemann suchen.
    Woher kennst du meinen lieben Cousin denn, Phoebe ? - Und weshalb seid ihr beide denn nach Rom geschickt worden?



    Sim-Off:

    Danke, Stella und Phoebe fürs Suchen der Infos. :) Ich habe nur diese Abbildung aus einem anderen thread: https://www.maquettes-historiques.net/Seite23m.html

  • Ich musste innerlich lachen, denn das tönte ganz ähnlich wie bei uns Iulias. Aber da Maximilla ihre Frage an Phoebe gerichtet hatte, verzichtete ich darauf zu antworten und wartete gespannt, was Iulia dazu sagen würde.


    Derweil hielt ich mich mit den Händen am Beckenrand fest, liess mich auf dem Rücken vom Wasser tragen und entspannte mich. Das war das Leben!

  • Im zunehmenden Lärm der sich immer mehr mit Damen füllenden Halle, musste Phoebe die Frage von Maximilla überhört haben. Daher antwortete ich nach einer kurzen Pause selbst.


    Das ist bei uns beiden ziemlich ähnlich. Aber da ich nicht wusste, was Phoebe von sich erzählen wollte, hielt ich mich mit diesem Teil der Geschichte zurück.
    Ich bin in Hispania aufgewachsen. Nachdem meine Eltern verstorben sind, nahm mich eine Tante zu sich. Aber vor ... jetzt musste ich überlegen und entschied mich für eine vage Formulierung ... vor wenigen Jahren, als ich alt genug wurde um zu heiraten, schickte sie mich hierhin nach Rom, damit ich hier noch das lernen würde, was mich zu einer guten Frau machen würde.


    Ich bemühte mich, mir nicht anmerken zu lassen, wie nahe mir die Erinnerung an meinen Annaeus ging.

  • Valeria Maximilla lächele Iulia Stella an:


    "Eine gute Frau werden", wiederholte sie :


    "Das ist bestimmt das Gleiche wie eine römische Dame werden. Ich fühle mich dabei manchmal wie eine Katze, der ein Hundefell übergestülpt wird. Zumindest Adalheidis würde das so ausdrücken."


    Maximilla wischte sich mit einer Hand über das Gesicht. Die Feuchtigkeit kräuselte ihr Haar in winzige Löckchen. Es war wirklich sehr laut in der Halle, und sie musste sich anstrengen, alles gut zu verstehen:


    "Aber das Neue macht auch Spaß", sagte sie:
    "Gerade kürzlich habe ich mit Tiberius eine Einkaufstour gemacht.
    Ich habe eine Menge neuer Sachen bekommen: Stoffe, Parfüms und Seidenbänder und Wolle.
    Und jetzt hier diese wunderschöne Therme mit euch.."

  • Ja! Rom macht richtig Spass, auch wenn es nicht immer ungefährlich ist. Aber es ist ein ziemlich anderes Leben, als in der Provinz. Man gewöhnt sich aber auch recht schnell daran.


    Hier hielt ich inne, weil mir wieder einmal auffiel, wie sehr ich mich verändert hatte.


    Als ich hierher gekommen bin, da war ich total unsicher. Ich wartete immer zuerst ab, was die Anderen machen würden, versuchte möglichst unsichtbar zu sein. Aber das ist hier genau falsch. In Rom musst du dich zeigen, musst selbstsicher deinen Weg gehen, dann wirst du respektiert. Sonst bist du einfach nur unsichtbar. Und kein Mann will wohl eine unsichtbare Frau. Dafür zeigen sie uns viel zu gerne herum.


    Dieser letzte Satz entlockte mir ein kindliches Gekicher.

  • Valeria Maximilla nickte bei jedem Satz, den Iulia Stella von sich gab.
    Oh ja, nicht anecken zu wollen und deshalb allen anderen alles nachzuahmen, um sich möglichst nicht zu blamieren, das kannte sie zu gut:


    „Ich bin nicht nur unsicher.“, sagte sie:
    "Ich habe das Gefühl, das alles was ich bisher gelernt habe, zwar ganz nett, aber hier völlig unwichtig ist. Ich kenne fast alle Arbeiten, die man in einer Villa Rustica verrichten muss, doch hier gibt es für wirklich alles einen besonderen Sklaven. Sogar einen Nomenclator – ein Sklave, der sich einfach nur die Namen aller Bekannten merkt. Sollte man die nicht selber im Kopf haben? Und wenn nicht, einfach fragen?“


    Beim letzten Satz schaute sie die neue Freundin an, die gerade kicherte:
    „Oh, du bist aber auch so hübsch, du bist bestimmt nicht unsichtbar!“, rief sie spontan aus:
    „Ich bin sicher, dein zukünftiger Ehemann möchte dich herumzeigen, dass es kracht!“


    Tatsächlich entsprach Iulia Stella mit ihren üppigen weiblichen Formen genau dem römischen Ideal.
    Maximilla war zwar auch nicht zu dünn, doch fand sie sich entschieden zu klein. Wenn man sie herumzeigen wollte, musste man sie vermutlich auf einen Schemel stellen.


    „Ich will gerne jung heiraten und Domina eines eigenen Haushalts sein.“, gestand sie: “Aber wie lernt man überhaupt passende Männer kennen ? Außer mit meinem Cousin habe ich noch mit keinem männlichen Wesen gesprochen.“

  • Auch mir kam das was die Valeria schilderte bekannt vor.
    Ja, das ist wirklich so. Es gibt wohl keinen grösseren Unterschied als von der Provinz nach Rom zu kommen. Es ist, wie ein anderes Leben.


    Bei uns in Hispania hatten wir zwar auch viele Sklaven, aber es wurde auch erwartet, dass man sich gewisse Dinge selber merken oder andere Dinge selber machen konnte. Aber hier in Rom ist es völlig unmöglich, alle Leute zu kennen. Als gute Domina müsste man doch eigentlich alle Patrone der männlichen Familienmitglieder kennen, damit man diese nicht brüskiert, wenn sie eingeladen sind. Doch bei mehreren verschiedenen Verwandtschaftsgraden unter einem Dach ist dies fast schon unmöglich. Ich kann mir unmöglich alle Patrone der Iulier merken.


    Und wenn man da sogar noch einen Schritt weiter geht, und sich die wichtigsten Klienten merken sollte, welche täglich erscheinen und dann auch immer wieder für Dinge genutzt werden, dann ist vermutlich selbst die fleissigste Domina überfordert, denn wir sollten gleichzeitig ja auch noch den Haushalt führen.


    Alleine schon das Wissen, welcher Sklave nun für was zuständig ist, welchen man dann aber doch noch mit dieser oder jener Arbeit beladen kann, ist eine Herausforderung. Da hat die ganze soziale Seite nicht auch noch Platz im Kopf.


    Die Komplimente an mich waren sehr wohl angekommen und obwohl ich auch nicht gerade hoch gewachsen war, schmeichelten sie mir sehr.


    Dich würde aber bestimmt auch niemand aus dem Licht schieben, wenn dich jemand herumzeigt. erwiderte ich daher das Kompliment, zwar etwas dezenter, aber nicht minder freundlich gemeint.


    Das Liebeskarussel ist in Rom schon etwas speziell, ja. Es ja nicht so, dass es keine Männer gäbe und Ovid hat ja auch sehr bildlich festgehalten, wo man sich jemanden angeln könnte, aber ich muss gestehen, da am Ende ja die Männer die Entscheidung treffen, ist es schon eine Herausforderung, sie in die richtige Richtung zu lenken.

  • An die schiere Größe Roms und das komplizierte Geflecht der Patrone und Klienten in den großen Familien hatte Maximilla wieder einmal nicht gedacht.


    "In der Aquensis auf dem flachen Land gab es nicht so viele Römer und klar, wir kennen uns alle untereinander. Das kann man vermutlich überhaupt nicht miteinander vergleichen.“, gab sie zu:


    „ Die Sklaven hier legen aber wirklich großen Wert auf ihre Zuständigkeiten. Daher war unser Maiordomus nicht so begeistert, als er Graius – das ist meine zahme Krähe – vom Dach des Atriums holen sollte, und er rief jedem Sklaven, der die Nase aus der Tür streckte: Zurück an die Arbeit!, zu, offensichtlich wollte er keine Zuschauer.“


    Valeria Maximilla fand die Erinnerung immer noch lustig, sagte jedoch schnell:
    „Ich habe erst hinterher verstanden, dass das an seiner Würde gekratzt hat. Weil ich ihn hatte gar nicht ärgern wollen, habe ich ihm einen Schinken aus der Speisekammer geschenkt. Da waren wir uns wieder gut. Das nächste Mal muss ich wohl selbst aufs Dach klettern, meine Würde juckt das nicht.“


    Über das Kompliment freute sie sich und lächelte, aber der nächste Satz ließ Maximilla aufhorchen: (Wenigstens erinnerte sich die Valeria daran, dass Ovid ein Dichter war und hielt ihn nicht für einen Bekannten der Iulia. ):


    „Oh, du darfst Ovid lesen? Mein Vater hat mir das immer verboten. Er meinte, da stände nur Unsinn drin, und Liebe sei nur was für Ausländerinnen und Freigelassene. Eine Römerin sollte sich keinen Kopf um so was machen. Glaubst du das denn auch?“


    Maximilla legte die Stirn etwas in Falten. Vielleicht hatte ihr angebeteter Vater, diesen Gedanken mochte sie kaum zu Ende denken, nicht immer in Allem Recht?


    Iulia Stella war eine feine junge römische Dame und hatte offenbar Ovid lesen dürfen, da sie ihn erwähnte.

  • Die Frage nach dem, was wir lesen durften und nach dem was wir auch wirklich gelesen hatten, wäre wohl eher etwas für Phoebe gewesen, da diese immer wieder Dinge las, die ich mich nicht traute, und somit eigentlich mehr über die Möglichkeiten verbotener Literatur wusste, als ich. Trotzdem antwortete ich.


    Naja, also zwischen lesen dürfen und auch wirklich lesen gibt es ja bekanntlich einen Unterschied. Ich glaube, wir jungen Damen haben alle Geheimnisse vor unseren Vätern, oder nicht?


    Und nach einer kleinen Pause:


    Nein, ich glaube nicht, dass eine Römerin sich nicht um die Liebe kümmern sollte. Wenn es möglich ist, dann sollen wir auch selber eine Meinung haben, ob uns jemand gefällt oder nicht. Auch in der Ehe ist es doch so, dass wir durchaus Möglichkeiten haben, unsere Liebe zu vergeben.


    Hier spielte ich darauf an, dass es zwar durchaus in der Macht eines pater familias stand, ein Familienmitglied für gewisse Dinge töten zu lassen, und auch ein Ehemann durchaus das Recht hatte, eine Frau zu verstossen, wenn er sie mit einem anderen Mann erwischte, aber es gab eben auch das Gesetz, dass ein Ehemann seine Frau nicht vor der Mittagsstunde unangekündigt besuchen dürfe. Dieses war ganz offensichtlich dazu gedacht, die Frauen zu schützen, wenn sich einmal über die Nacht ein Fremder Mann in ihre Gemächer verirren sollte.


    Sim-Off:

    Ich habe gerade keinen Link zum Original dieses Gesetzes, glaube mich aber vom Studium daran zu erinnern, dass es unter Augustus eingeführt wurde, als Teil seiner Sittengesetze, und den Frauen eben wirklich dazu diente, ihre Liebschaften ausleben zu dürfen.

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