[Baracke] Cohors IV · Centuria I

  • Baracke

    Cohors IV · Centuria I

    Legio XV Apollinaris


    Jede Centuria wohnt in einer eigenen Baracke. Die einzelnen Zeltgemeinschaften der Centuria, genannt Contubernia, bestehen aus acht Mann. Jedes Contubernium ist in einer gemeinsamen Stube untergebracht. Im Vorraum, der zu jeder Stube gehört, werden Waffen, Rüstungen Rüstungen und Material gelagert. Am Kopfende der Baracke hat der Centurio seine Unterkunft in einer verhältnismäßig komfortablen Wohnung.

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    Die ganze Centuria hatte der Bestrafung des diebischen Kameraden beiwohnen müssen. Die Gesichter waren ausdruckslos gewesen, die Gefühle hinter den maskengleichen Gesichtern ganz unterschiedlich: Von Mitleid über Gleichgültigkeit bis hin zu Verachtung und Schadenfreude reichte das Spektrum. Bei einem jedoch überwog das eher ungewöhnliche Gefühl der Neugier. Cinna, wenngleich mit 18 Jahren noch einer der ganz jungen Milites, kannte die Methoden, mit der bei der Legio Vergehen sanktioniert wurden. Tullius Secundus hatte sie auch gekannt und dennoch seine Finger nicht bei sich halten können. Was mochte es gewesen sein, das er unbedingt in seinen Besitz hatte bringen wollen, obgleich er sich der Konsequenzen bewusst gewesen war? Die Verheißung musste größer gewesen sein als die Angst vor der Strafe, und die hätte im ungünstigsten Fall unehrenhafte Entlassung und die Entfernung eines Fingers bedeutet, so dass die Schande für jeden ersichtlich gewesen wäre für den Rest von Secundus´ Tagen. Was also war das Objekt seiner Begierde? Und hatte er es sicher verwahren können, bevor er sich gestellt hatte?


    In den zwei Stunden, die den Soldaten blieben, ehe sie sich auf dem Campus zu melden hatten, aßen und tranken die meisten eine Kleinigkeit. Einige suchten rasch die Thermen auf, kümmerten sich um ihre Ausrüstung oder schliefen eine Runde. Nur Bett, Stuhl und Habseligkeiten von Secundus lagen verwaist. Ihr Besitzer verbrachte die Zeit im Valetudinarium, so dass Cinna nicht nachhaken konnte, worum es sich beim Diebesgut handelte. Cinna kontrollierte seine Ausrüstung mit geübten Handgriffen in der gewohnten Reihenfolge, fand nichts zu bemängeln und verwahrte alles in der vorgeschriebenen Art und Weise, so dass er in kurzer Zeit bereit sein würde. Dann legte er sich noch ein Stündchen aufs Ohr.

  • In voller Montur aber ohne aufgesetzten Helm trat der centurio in die Stube des conternubium tertia. Marcus blickte sich mit seinem gewohnt salzig-bitteren Blick um und wartete auf die übliche Reaktion. Der Helm des centurio klemmte unter seinem rechten Arm. Soldaten des conternubium sprangen auf, nahmen vor ihren Betten und auch im Vorraum Haltung an.* Der decanus trat vor. "Habitatio des conternubium secunda, centurio! Es meldet decanus Caputius. Wir stehen bereit," meldete der Anfüher des conternubiums und stellte sich anständig neben den centurio, wobei er diesen nicht anblickte. "Meldung," brummte Marcus. "Ein miles im valetudinarium. Anwesend sieben milites. Conternubium einsatzbereit." Marcus nickte kalt. "Habe ich Ausgang in die Thermen erlaubt? Habe ich Freizeit befohlen?" Eine rhetorische Frage, die Marcus wirken ließ. "Nein, habe ich nicht. Ich erwarte, dass die fernbleibenden Soldaten aus conternubium secunda sich nach der Gefechtsübung bei mir einfinden. Du bist verantwortlich dafür, decanus. Leider konnte ich die Truppe nicht finden und ich habe auch nicht die Absicht diese zu suchen." Er machte eine Pause und es war klar, was das conternubium erwarten würde. "Jawohl, centurio Tiberius," antwortete der decanus der Stube und nickte dabei ernst. Der Befehl war klar und er würde nicht den Fehler machen, den centurio zu enttäuschen. Conternubium tertia war frisch zusammengestellt worden, so dass sie glaubten, noch gewisse Freiheiten zu genießen. Tiberius würde ihnen dies schon austreiben. Es war ein geringer Verstoß, den aber der centurio entsprechend bestrafen würde. Immerhin hatten sie sich nicht aus dem Lager entfernt, was ein schwerer Verstoß gewesen wäre. Nur der centurio und nächsthöhere Offiziere konnten einem Soldaten erlauben, dass Lager zu verlassen. "Es ist allgemein bekannt, dass Thermenbesuche und Abwesenheiten von der habitatio und Selbstversorgung befohlen werden, decanus. Stubenaktivität ist gestattet und die Vorbereitung der Übung sollte im Zentrum eines jeden conternubium stehen," erklärte er zur Sicherheit noch einmal. "Körperpflege hat seine eigene Tageszeit. Wenigstens werden sie sauber schmutzig werden," scherzte er zynisch und kalt. Es war ihm einfach unklar, warum man vor einer Übung, die sicherlich auch Staub, Schlamm und Schweiß bereithalten würde, vorher in eine Therme zu gehen. Es war nicht nur ein Dienstverstoß, sondern auch seltsam unklug. Marcus beäugte die anwesenden Soldaten, indem er tiefer in die Stube trat und durch den Vorraum in den Schlafraum blickte. "Die habitatio ist inordnung. Gute Arbeit," kommentierte er den ordentlichen Zustand der Unterkunft. "Tertia hat mich nicht enttäuscht. Nicht so enttäuscht, wie secunda," sagte er und sein Ton fand jedoch keine Weichheit und blieb trocken. "Es ist mir ein Rätsel, warum manche milites glauben, dass ich tatsächlich zwei Stunden lang nicht nachschaue, was ihr so treibt." Er deutete mit seiner Linken auf den legionarius Umrenus Cinna. "Du, legionarius," forderte er die Aufmerksamkeit von Cinna ein. Dieser Soldat war sehr jung und wirkte mit seinem Gesicht reichlich deplatziert unter den kantigen Gesichtern. "Umbrenus, richtig?" Natürlich kannte er jeden Namen seiner Soldaten aber stellte diesen Fakt nicht heraus. "Du kannst ausreichend Lesen und Schreiben? Du kannst mit Zahlen umgehen?" Der centurio fragte fast so, als ob dies bereits Fakt war. Im Hinterkopf hatte er bereits seine Entscheidung getroffen und eine Mitwirkung von Umbrenus war bereits vorgesehen. Aber Marcus mochte es seinen Soldaten die Illusion von Freiheit zu lassen, um ihnen diese dann wieder zu nehmen. Sie sollten einfach lernen, dass es wahre Freiheit nicht gab und die einzige Person, die hier über Entscheidungskompetenz verfügte, er selbst war. Es war ja noch schöner, wenn Soldaten einfach aus freiem Willen handelten. Auch dieser musste angeordnet werden und zwar in einem sehr engen Rahmen.


    Sim-Off:

    *allgemeine Handlung. Cinna kann sich natürlich frei entscheiden, wie er sich verhält.

  • Auch Cinna sprang aus dem Bett und stand binnen eines Wimpernschlags stramm. Er konnte sich selbst auf die Schulter klopfen, dass er sich nicht den Thermengängern angeschlossen hatte, die sich zum Planschen, Plaudern und Ballspielen getroffen hatten, soweit der begrenzte Platz einer Lagertherme das zuließ. Sie waren aus unterschiedlichen Einheiten hierher versetzt worden und die Disziplin durchwachsen. Cinna vermutete, dass es weniger gezieltes Austesten der neuen Vorgesetzten war, sondern vor allem Gewohnheit.


    "Aulus Umbrenus Cinna", bellte er seinen vollständigen Namen, als der Centurio danach fragte.


    Trotz seines noch recht jünglingshaften Erscheiungsbildes hatte Cinna eine tiefe und kraftvolle Stimme, die dem Klangbild der älteren Kameraden wenig nachstand, nur war er noch nicht heiser geschrien. Da es ihm nicht an Selbstbewusstsein mangelte, verspürte er auch keine Scheu, seine Stimme einzusetzen.


    "Lesen und schreiben kann ich sehr gut! Umgang mit Zahlen ist ebenfalls vorhanden!"

  • "Gut!" Die Stimme überzeugte Marcus. Selbstvertrauen würde der Soldat für seine Aufgabe gebrauchen. Er konnte dafür keinen Mann einsetzen, der schüchtern oder zurückhaltend war. Kurz musterte der centurio seinen unterstellten Soldaten und versuchte ihn in ein bekanntes Stereotyp einzuordnen. Mit der Zeit kannte Marcus verschiedene Charaktere und sortierte diese schlicht in vorgefertigte mentale Schubladen ein. Jeder Charakter hatte seine persönliche Herangehensweise, wie man ihn brechen und disziplinieren konnte. Marcus war nicht daran gelegen, zu viel Besonderheiten und Abweichungen zu zulassen, sofern diese den Dienstablauf behinderten. Männer wurden hier geschmiedet, wie Eisen über einem heißen Feuer. Marcus war es vollkommen egal, was die Soldaten dabei fühlten. Gefühlsduselei über persönliche Wünsche hatte er satt. Ihn fragte man ja auch nicht, was er sich wirklich wünschte, sondern befahl auch ihm kalt und verlangte Ausführung. Auch er hatte schon in seiner Zeit die Vitis zu spüren bekommen und sogar sein eigenes Blut geschmeckt, als ihm ein Soldat fast die Zähne ausgeschlagen hatte. Also gefiel es ihm, dass dieser Umbrenus zumindest das rudimentäre Prozedere beherrschte und sich nicht versteckte. "Kannst du kochen und wie steht es um deine handwerklichen Fähigkeiten?" Stück für Stück klapperte Marcus die Kernaufgaben ab, die die Aufgabe umfasste. Für viele Anwesenden war inzwischen klar, was der centurio wollte. Nachdem sein alter cacula versetzt worden war, brauchte der centurio einen neuen Offiziersburschen, der ihn im Alltag unterstützte, da ein centurio ein viel beschäftigter Soldat war. Ein Schmunzeln zeigte sich bei einigen anwesenden milites, da diese Aufgabe gelegentlich für Spott sorgte. Zwar entband sie von einigen unangenehmen Diensten aber man war doch eher ein militarisierter Dienstbote und oft eine Lachnummer für die Truppe, wenn man die Tuniken des Offiziers wusch. Doch in der römischen Tradition war der cacula angesehen und empfahl sich oft für eine Ausbildung zum Unteroffizier. Somit war es ein Einstieg in eine verbesserte Laufbahn, die mitunter bei den Offizieren mit dem centurio enden konnte. Eine Beförderung zum optio konnte so schnell erfolgen, wenn der cacula sich klug, dienstbar und gelehrsam zeigte. Wenn er sich jedoch als unfähig erwies, würde er für ewig ein Dienstbote bleiben. Den Spott der anderen auszuhalten, war eben auch ein Teil der Übung. Marcus zog eine Braue hoch, legte seine Lippen aufeinander und bließ etwas Luft durch seine kantige Nase.

  • "Ich koche leidenschaftlich und gut!" Die Leidenschaft hielt er für erwähnenswert, da er die Auffassung vertrat, dass ein Essen besser schmeckte, wenn man besondere Sorgfalt in die Komposition der Zutaten und Gewürze fließen ließ. Gutes Essen sorgte für den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit, war Futter für die strapazierte Seele und war darum - nicht zuletzt - auch eine bedeutende Währung im Lagerleben. "Backen kann ich ebenfalls", fügte er hinzu, da er inzwischen zu erraten glaubte, wofür der Centurio ihn einplante.


    Das kam Cinnas Vorstellungen durchaus entgegen und Spottdrosseln fürchtete er nicht. Aufmerksam betrachtete er den neuen Vorgesetzten, der verstimmt wirkte, doch das mochte täuschen. Tiberius Coriolanus schien trotz seiner Jugend - er war vielleicht fünf Jahre älter als Cinna - ein harter Knochen zu sein. Nichts anderes erwartete man von jemandem in seiner Position. Mit Ausnahme von den Thermengängern vielleicht.


    "Ich beherrsche das notwendige Handwerkszeug, um die meisten kleinen Reparaturen eigenständig durchzuführen", fuhr Cinna fort.

    Mit einem ausgebildeten Handwerker war sein Können natürlich nicht zu vergleichen, aber das erwartete sein Vorgesetzter wohl kaum.

  • Nach dem hoffnungsvollen Gespräch hatte Cinna leider erfahren müssen, dass sein neuer Centurio bis auf weiteres nicht mehr seinen Dienst versehen konnte. Man spekulierte viel unter den Soldaten, doch die wahren Gründe schafften es nicht, bis zu den Mannschaften durchzusickern. Zwar rutschte sofort ein neuer Centurio nach - der ehemalige Optio Sextus Cossutius Bellutus - doch da sie gerade erst einen Wechsel gehabt hatten, hatte der Mann es mit seinen Soldaten nicht leicht. Die Moral war nicht die Beste und die Männer waren gestresst und gereizt.

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